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Rezensionen verfasst von
Andrea Hübner "monja1995" (Fahrenzhausen, Bayern)
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Bob, der Streuner: Die Katze, die mein Leben veränderte
Bob, der Streuner: Die Katze, die mein Leben veränderte
von James Bowen
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die zwei Musketiere, 16. Oktober 2013
Mein Umriss:

James Bowen schlägt sich in London als Strassenmusiker durch. Als er eines abends nach hause kommt, findet er im Treppenhaus einen roten Kater. Er versucht seinen Besitzer ausfindig zu machen, was ihm jedoch nicht gelingt. Also zieht das abgemagerte, kranke und verletzte Fellbündel erstmal bei James ein. Dort wird er mit viel Fürsorge gesund gepflegt. James Bowes sieht sich jedoch noch nicht als Besitzer des Tieres, denn es muss seiner Meinung nach Menschen geben, die den Kater vermissen. Diese Menschen findet er aber nicht, also beschließt er den Kater erstmal bei sich zu lassen und abzuwarten. Er nennt ihn Bob und ist überzeugt davon, dass er bisher bei Menschen gelebt hat, denn vieles im Haus ist Bob vertraut. Nur das Katzenkistchen kann er nicht leiden. Also muss James immer wieder mit ihm raus, damit er seine Geschäfte verrichten kann. Danach verlangt der Kater immer wieder in die Wohnung zu gehen. Er folgt James auf Schritt und Tritt, also nimmt er ihn mit zu seinem Stammplatz, wo er jeden Tag mit seiner Gitarre steht und Musik macht. In den ersten zwei Stunden, in denen es sich Bob im Gitarrenkoffer bequem gemacht hat, nimmt James so viel ein, wie sonst an einem ganzen Tag. Er merkt, dass das die Anwesenheit des Katers macht, der die Herzen der Vorbeieilenden im Sturm erobert.
Nachdem Bob dann kastriert ist, sieht sich James als vollwertiger Katzenbesitzer und geht in dieser Rolle voll und ganz auf. Dies wirkt sich auch auf sein Leben aus, in dem er es nicht immer leicht hatte. Sein letzter Drogenentzug wird von Bob begleitet und er schafft ihn. Jetzt beginnt ein neues Leben….

Mein Eindruck:

James Bowen erzählt in einfachen Worten sein Leben ab dem Zeitpunkt, als er Bob im Treppenhaus fand und von ihm adoptiert wurde. Durch kurze Rückblicke erfährt man, dass Bowen heroinabhängig war und nun die Ersatzdroge Methadon bekommt. Die Drogensucht steht jedoch nicht an erster Stelle dieses Buches, sondern sein Leben, das er selber als verpfuscht darstellt. Er hat keinen Schulabschluß und keine Ausbildung. Daher ist er nach seinen Worten auf die Einnahmen durch seine Musik angewiesen. Sehr liebevoll beschreibt er sein Zusammenwachsen mit dem roten Kater, der am Anfang so gar nicht in sein Leben passt. Er erklärt, wie er es trotz seines geringen Verdienstes schafft, das Tier behandeln zu lassen und welche Menschen ihm halfen und ihm noch heute zur Seite stehen. Bowen erzählt wie er versucht, für den Kater sein Leben umzukrempeln und wie schwer dies in der heutigen Zeit mit seiner speziellen Vergangenheit ist.
In den Vordergrund stellt er aber immer seine Liebe zu Bob und das bedingungslose Vertrauen, das ihm Bob entgegen bringt.
Bowen schrieb über eine kurze Zeitspanne in seinem Leben, in dem Bob eine große Rolle spielt, nicht die Biografie einer Katze, die man vielleicht aufgrund des Titels erwarten wird.

Mein Fazit:

Die Geschichte eines ungleichen Paares auf dem Weg in eine vielleicht bessere Zukunft, das einen zum Schmunzeln aber auch zum Nachdenken bringt.


Sauerkrautkoma: Ein Provinzkrimi
Sauerkrautkoma: Ein Provinzkrimi
von Rita Falk
  Broschiert
Preis: EUR 14,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Omas Sauerkraut und der fünfte Fall, 15. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sauerkrautkoma: Ein Provinzkrimi (Broschiert)
Klappentext:

Eine Leiche im Kofferraum von Papas Admiral….
„Wie, München?“, frag ich jetzt erst mal. „Ja, München halt. Was verstehen S'jetzt da nicht, Eberhofer?“ sagt der Bürgermeister.
„Einiges,“ sag ich. „Das Wort Zwangsbeförderung zum Beispiel.“
„Anordnung von ganz oben.“

Wenn das kein Stress ist für den Eberhofer! Erst München. Dann diese Frauenleiche im Kofferraum – und jetzt machen seine Freunde in Kaltenkirchen dem Franz auch noch die Hölle heiß, dass er gefälligst die Susi heiraten soll.
Ja, ein Scheißstress ist das!

Eberhofers fünfter Fall

Mein Umriss:

Kommissar Eberhofer, einst nach Niederkaltenkirchen bei Landshut zwangsversetzt, soll nun wieder zwangsversetzt werden. Und zwar in die Löwengrube genannte Polizeiinspektion in der Ettstrasse in München. Wie schon damals, eilt ihm ein besonderer Ruf voraus. Entsprechend fällt der Empfang in München aus. Aber was kann der Eberhofer schon dafür, er hat ja nicht um seine Versetzung gebeten. Er fühlt sich nicht wohl unter Polizisten in bunten Jeans, die so gar nicht nach Polizisten ausschauen. Aber da muss er durch….
Der Papa und die Oma sind total begeistert von der Versetzung. Zumal sie die TV-Serie „Die Löwengrube“ auf DVD anschauen und sie jetzt auch noch die Möglichkeit haben, diese Legendäre PI in natura zu sehen.
Also tuckern sie mit Papas altem Admiral in Richtung München, um den Franz an seinem neuen Arbeitsplatz zu besuchen. Als sie wieder zurück fahren wollen, ist der Admiral geklaut und Eberhofer hat einen Fall, den er mit seinem Freund dem Rudi lösen will und wenns nach Papa geht auch muss.
Als die beiden endlich das Auto finden, stinkt es gewaltig….. also Fenster auf und ab nach Niederkaltenkirchen und den Fall abschließen.
Aber weit gefehlt, dort finden Papa und Oma eine Frauenleiche im Kofferraum und da diese Leiche nicht gar so alt ist, wird es wohl Mord gewesen sein. Also kann der Franz seinen münchner Kollegen zeigen, wie er einen Mordfall im Alleingang löst. Naja nicht ganz im Alleingang. Der Rudi und der Gerichtsvollzieher, auch ein Freund aus alten Tagen sind nicht unerheblich daran beteiligt.
Susi seine Langzeitgefährtin wartet noch immer darauf, dass Franz sie endlich ehelicht. Was nun in greifbare Nähe rückt. Nur braucht Franz einen Verlobungsring für seine Angebetete, was sich als kompliziertes Unterfangen herausstellt und Susi braucht das passende Kleid. Natürlich stilecht direkt aus Paris…..

Mein Eindruck:

Was ich lese? Klar….. einen Provinzkrimi von Rita Falk, in dem Franz Eberhofer als kauziger Polizist in Niederkaltenkirchen bei Landshut brilliert, dessen Vater hinter dem Schuppen Marihuana anbaut und großer Fan der Beatles ist. Nicht zu vergessen die liebe Oma, die eine begnadete Köchin ist und leidenschaftlich gern Sonderangebote shoppen geht. Dies natürlich mit ihrem Franz in dessen Streifenwagen. Und da wäre noch sein Bruder, die dreckige Schleimsau. So genannt, weil er den Vater immer wieder um den Finger wickelt. Eigentlich heißt er ja Leopold und ist mit der Panida verheiratet und mit der hat er die süße Sushi…. Naja eigentlich Susi, aber Franz meint, dass zum asiatischen Aussehen der Kleinen Sushi eben besser passt. Und dann wäre da noch die Susi. Seit Jahren das Gschpusi von Franz, die immer darauf wartet, endlich von ihm geheiratet zu werden.
Soweit hat sich hier im fünften Band um Franz Eberhofer nicht viel geändert. Rita Falk schreibt wie gewohnt eine eingedeutschte Form des bayrischen Dialektes, die mich als Leser mehr als einmal schmunzeln ließ. Jemandem der kein Bayrisch spricht, wird der Schreibstil und die Ausdrucksweise seltsam vorkommen, aber daran gewöhnt man sich sehr schnell. Entsprechend schnell treibt Falk die Handlung um Eberhofers neuen Fall voran, sodass keine Langeweile aufkommen kann. Natürlich geht er an diesen Fall ebenso unkonventionell ran, wie an die Fälle die er zuvor zu lösen hatte. Dass das wieder ein fast-Alleingang ist, versteht sich von selbst ebenso, wie viele Verwirrungen, die für Franz natürlich kein Hindernis darstellen. Wie Rita Falk an den Titel „Sauerkrautkoma“ kam, will ich hier nicht verraten.
Wieder mal ein rundum gelungener Eberhofer der auf weiteres gespannt macht.

Mein Fazit:

Ein Muss für Fans von Regionalkrimis mit Humor


Tödliche Wut: Thriller
Tödliche Wut: Thriller
von Linda Castillo
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leichtsinn der tötet, 9. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Tödliche Wut: Thriller (Taschenbuch)
Klappentext:

Du hättest dich wehren müssen.
Du hättest mehr beten sollen.
Jetzt ist dein Schicksal besiegelt.

Drei verschundene Personen.
Weiblich. Teenager. Amisch.
Es gibt keinen Verdächtigen,
kein Motiv, keine Leiche –
NOCH NICHT!

Mein Umriss:

Mehrere Jugendliche aus der Amisch-Gemeinde sind verschwunden. Kate Burkholder, selbst ehemaliges Amisch-Mitglied, soll zwischen Polizei und den amischen Eltern, die sehr verschlossen sind, vermitteln.
Von Anfang an stehen Chief Burkholder und ihre Polizeikollegen vor einem großen Rätsel. Sie finden ein paar Spuren, wie eine Tasche und eine Blutlache. Sie sehen auch einen gewissen Zusammenhang mit dem Verschwinden eines Mädchens, können jedoch nichts weiteres damit in Verbindung bringen. Auch im Zuständigkeitsbereich von J. Tomasetti, mit dem Kate eine Liebesbeziehung hat, verschwanden Teenager der Amischgemeinde. Mit ihren Befragungen kommen sie nicht weiter, bis ihnen Kommissar Zufall in die Hände spielt und Kate in Lebensgefahr gerät….

Mein Eindruck:

Linda Castillo setzt mit „Tödliche Wut“ ihre Thriller-Reihe rund um die Amisch fort. Sie geht recht genau auf die Lebensgewohnheiten dieser Glaubensgemeinschaft ein und lässt sogar ein paar Brocken Pennsylvaniadeutsch einfließen, was die Geschichte umso identischer macht. Die Verschwiegenheit der Amisch „Englischen“ gegenüber ist legendär und von Castillo durchaus realistisch dargestellt.
Sie schubst den Leser mit diesem Thriller scheinbar mitten ins Geschehen, sodass der Spannungslevel bereits am Anfang sehr hoch angesetzt ist, hält diesen Level durchwegs stabil und bringt an den richtigen Stellen die Spannungsspitzen an. Als Leser ist man derart ans Geschehen gefesselt, dass man das Buch am liebsten in einem Rutsch lesen würde. Die Beziehung von K. Burkholder und J. Tomasetti, die beide eine sehr schwere Vergangenheit haben, wird in diesem Band intensiver ohne ins Kitschige oder Melodramatische abzudriften und vor allem steht sie nicht im Mittelpunkt der Geschichte.
Zum Showdown stellt Castillo die Polizeiarbeit so realistisch vor, wie sie in Wirklichkeit auch überall auf der Welt sein könnte und nicht wie sie oft in Kinofilmen mit sinnlosem Geballer und Muskelspielchen der Männer dargestellt wird.

Mein Fazit:

Castillo ist wie guter Wein – Sie wird mit jedem Band besser


Arthur oder Wie ich lernte, den T-Bird zu fahren: Roman
Arthur oder Wie ich lernte, den T-Bird zu fahren: Roman
von Sarah N. Harvey
  Broschiert
Preis: EUR 13,95

5.0 von 5 Sternen Jund und alt, 5. Oktober 2013
Klappentext:

„Er ist unmöglich, Marta“, sagt sie. „Absolut unmöglich. Hat keine Freunde. Schläft den ganzen Tag. Schaut die ganze Nacht fern. Duscht nie. Lässt sich die Haare nicht schneiden. Schiebt sein dreckiges Geschirr unters Bett und steckt es zusammen mit seiner schmutzigen Unterwäsche in irgendwelche Schubladen. Ich bin mit meinem Latein am Ende.“
Am liebsten wäre ich in die Küche gestürmt und hätte gerufen: „Hey! Es ist zwei Uhr. Ich bin auf. Ich habe geduscht. Ich bin angezogen. Und schmutziges Zeug – ob Geschirr oder Unterwäsche – stecke ich nie in Schubladen. Ich lasse es auf dem Boden liegen. Und wann warst du überhaupt in meinem Zimmer?“ Ich habe meine Maßstäbe. Niedrige zwar, aber immerhin.

Royce ist siebzehn und hat neuerdings eine Aufgabe: Gegen Cash soll er sich um seinen uralten Großvater Arthur kümmern, der alle um sich herum in den Wahnsinn treibt. Keine leichte Herausforderung, meint auch seine Mutter Nina. Aber aus der reinen Geschäftsbeziehung wird bald mehr, und Royce und der exzentrische Arthur kommen einander Schritt für Schritt näher.

Mein Umriss:

Der Umzug mit seiner Mutter Nina brachte für Royce einen riesigen Umbruch in sein siebzehnjähriges Leben. Er hatte in Neuschottland Freunde und es bahnte sich auch eine Liebe zwischen ihm und einer Mitschülerin an. Zu allem Überfluss erkrankte er kurz darauf auch noch am Pfeifferschen Drüsenfieber, das ihn monatelang von allem Neuen fern hielt. In dieser Zeit erlebte er besonders intensiv, wie sich seine Mutter Nina um ihre beiden Jobs als Gärtnerin und Klavierlehrerin und zusätzlich um dem 95jährigen Arthur, ihren Vater, kümmerte. Arthur ist alles andere als einfach. Nichts kann sie ihm recht machen, an allem nörgelt er rum.
Also bietet sie Royce an, sie über die Sommermonate in denen sie in den Gärten ihrer Kunden gut beschäftigt ist, sie gegen Bezahlung um seinen Großvater zu kümmern. Nach einer kurzen Überlegung und nicht zuletzt aufgrund seines Verdienstes, mit dem er sich zum Ende des Sommers endlich das ersehnte Auto kaufen könnt, stimmt er zu.
Täglich radelt er zu seinem Großvater, der ihm am Anfang etwas Angst macht und versucht ihm im täglichen Leben zur Hand zu gehen. Natürlich kann ihm auch Royce nichts recht machen. Aber der Junge hält durch. Er tut was von ihm verlangt wird und wenn Arthur schläft, macht er sich auf Entdeckungsreise in dessen Haus. Er findet Dinge, die er nicht für möglich hielt. Ebenso wundert er sich, dass Arthur am liebsten MTV schaut. Eines Tages geht Arthur mit ihm in die Garage und Royce verschlägt es fast den Atem. Dort steht ein Thunderbird Baujahr 1956 wie neu. Diesen soll er bald fahren dürfen. Dazu braucht sein Großvater allerdings seine Hilfe. Als Royce tut um was ihn Arthur bittet, ist das Eis endgültig gebrochen….

Mein Eindruck:

Sarah N. Harvey zeigt gefühl- und liebevoll den Umgang zweier Menschen miteinander, die eigentlich so gar nicht zusammen passen. Da ist der riesige Altersunterschied und die auseinanderdriftenden Interessen. Allerdings verknüpft sie vieles in dieser Geschichte so eng, dass einfach nur ein Ganzes daraus werden kann. Einerseits der jugendliche Royce der so viele Pläne hat, aber nicht weiß wie er sie verwirklichen kann und andererseits der alte Mann mit seinen vielen Erlebnissen und Erfahrungen seines langen Lebens. Wunderschön bringt Harvey beides in Einklang, sodass sie die beiden so eng zusammenführt, dass nicht die Enkel-Großvater-Beziehung sondern eine innige Freundschaft im Vordergrund steht.
Immer wieder lässt sie Szenen aus Arthurs früherem Leben einfließen und zeigt, dass die Jugend an solchen wirklich interessiert sein kann. Sie zeigt jedoch nicht nur die schönen Dinge, die dem ungleichen Paar widerfahren, auch die weniger schönen Dinge lässt sie nicht unerwähnt. Trotzdem schafft sie es durchgängig ein gutes Gefühl für die beiden zu vermitteln, sodass man nie Gefahr läuft, das Buch vorzeitig abzubrechen.

Mein Fazit:

Eine Geschichte zweier Generationen, die nicht nur Jugendliche lesen sollten


Blow Out
Blow Out
von Uwe Laub
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Nah an der Realität, 3. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Blow Out (Taschenbuch)
Mein Umriss:

2015 – Nachdem sich die Erde einigermaßen von der größten Ölpest aller Zeiten durch die Explosion der Deepwater Horizon erholt, geschehen auf der Ölbohrinsel Independence rätselhafte Dinge.
Im Sommer 2052 steigt der Meeresspiegel durch die Erderwärmung rasant an und Nick Schäfer, Journalist der Welt im Wandel muss bei der Evakuierung seiner Mutter aus ihrem Heimatdorf helfen, als ihn ein Anruf von Emma aus Berlin erreicht.
Die Botschaftsangestellte wurde vom amerikanischen Botschafter aufgefordert eine Akte aus dem Archiv zu holen, die inzwischen 40 Jahre alt ist.
Schnell hat sie den Ordner gefunden und möchte eigentlich nur kurz darin blättern, als sie auf eine Sache stößt, die so unvorstellbar für sie ist, dass sie dieser Sache mit Hilfe von Nick auf den Grund gehen will.
Leider bleibt ihr Vorhaben nicht unentdeckt, sodass sie und ihr komplettes Umfeld bald in höchster Gefahr schweben….

Mein Eindruck:

Das Erstlingswerk von Uwe Laub fasst ein Thema auf, das nicht nur in der ferneren Zukunft eine Bedrohung für die Menschen ist, sondern schon jetzt für mächtig Zündstoff sorgt. Dieses Thema hat er in einen rasanten, spannungsgeladenen Thriller geladen, der voll und ganz überzeugt. Langeweile kommt zu keinem Zeitpunkt auf. Gekonnt setzt Laub Spannungsspitzen an die richtigen Stellen und hält auch dazwischen die Spannung auf einem Level, der einen regelrecht an das Buch zu fesseln versteht. Nicht zu verachten ist seine hervorragende Recherche im Bereich diverser Sicherheitstechniken, die heute noch nicht allen Bürgern bekannt sind, aber immer mehr zum Alltag bestimmter Unternehmen werden und auch im privaten Bereich immer mehr Platz einnehmen. Auch das Thema Klimawandel und dessen Auswirkungen im Laufe der Jahrzehnte und dessen Beeinflussung durch korrupte Regierungen im Zusammenwirken mit Großunternehmen, um die es hier im Speziellen geht, hat er äußerst realistisch in diesem Thriller vereint. Uwe Laub benutzt zum Teil auch Bezeichnungen und Ausdrücke, die nicht unbedingt jedem bekannt sind, erklärt die aber in einer lockeren Ausdrucksweise so, dass sie von jedem verstanden werden. Ich für meinen Teil bin schon gespannt, welches Thema Laub in seinem nächsten Werk aufgreift.

Mein Fazit:

Ein rundum bestens gelungener Thriller aus der Feder eines deutschen Autoren, der vorbehaltlos zu empfehlen ist.


Tessa
Tessa
von Nicola Karlsson
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von Sucht getrieben, 25. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Tessa (Gebundene Ausgabe)
Klappentext:

Der weite Himmel.
Sie fühlt sich klein und unbedeutend.
Der Himmel sieht weit weg aus.
Die dunklen Vögel formieren sich um.
Einer der Vögel kriegt es nicht hin und fällt zurück.
Hektisch flattern seine Flügel, aber er bleibt im Abseits.

Dieses literarische Debüt ist eine packende Fallstudie, ein Psychogramm. Es erzählt den Sommer einer jungen Frau am Rande des Abgrunds. Zugleich ist es das verstörende Portrait einer Generation, bei der Depression und Sucht ebenso verbreitet wie tabuisiert sind.

Mein Umriss:

Jung, groß, schlank, Model. Tessa könnte mit sich und ihrem Leben glücklich sein. Aber sie ist weiter auf der Suche nach dem was sie sich unter Glück vorstellt.
Nick ihr Freund erkennt scheinbar nicht, wie sehr Tessa leidet. Diesen Leidensdruck versucht sie mit Psychopharmaka zu betäuben und weil das noch nicht reicht, spült sie diese in zu hoher Dosis hauptsächlich mit Rotwein oder Wodka runter. Doch der Rausch holt sie nicht aus dem Dilemma, also sucht sie etwas wirkungsvolleres und greift zu Kokain. Das natürlich auch mit nicht unerheblichen Mengen an Alkohol kombiniert. An Männern schleppt sie ab, was nicht bei drei auf den Bäumen verschwindet und sie macht auch vor den Freunden und Partnern ihrer Freundinnen nicht halt.
Ihre echten Probleme schiebt sie von einem Tag auf den anderen, weil ihr die Suchtbefriedigung und der Sex wichtiger sind, als ihr Leben in geregelte Bahnen zu bringen. Irgendwann bringt sie sich selbst damit in höchste Gefahr und stellt dies beinahe zu spät fest.

Mein Eindruck:

Knallhart, unverblümt in einem radikalen Wortlaut erzählt Nicola Karlsson über Tessa, ihr Leben und ihre Sucht, wie sie sicherlich von vielen jungen Leuten gelebt werden. Karlsson bedient sich streckenweise einer Jugendsprache, wie sie authentischer nicht sein kann. Daher ist die Realitätsnähe fast körperlich greifbar. Man kann Tessa weder lieben noch hassen, aber auch nicht bemitleiden, denn sehr gut erkennt man, dass mit Tessa das passiert, was viele andere schon aus der Sucht herausholte. Die Autorin lässt ihre Figur Stück für Stück weiter abstürzen und erst als Tessa ganz unten ist, erhält sie Hilfe.
Viel erinnert mich auch an die Figur Scarlett O`Hara aus „Vom Winde verweht“. Auch Tessa schiebt ihre echten Probleme vor sich her, ohne sie wirklich in Angriff zu nehmen. Wie schon im Klappentext erwähnt, ist dies ein Buch das radikal und bewegend beschrieben ist, was ich nur bestätigen kann. Das Ende ist wie erwartet der Tiefpunkt in Tessas Leben, wobei ich mir gewünscht hätte noch zu erfahren, ob sie den Absprung geschafft hat.

Mein Fazit:

Ein Roman wie eine Biografie, so nah an der Realität


Bekenntnisse
Bekenntnisse
von Nina Hagen
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Auf ewiger Suche, 12. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Bekenntnisse (Taschenbuch)
Klappentext:

Nina Hagens Autobiografie ist wie ihre Musik: aufregend, provokant und rückhaltlos authentisch.
Sie schreibt von ihrer Kindheit in Ost-Berlin, ihrem Ziehvater Wolf Biermann und wie sie den Punk in London für sich entdeckt. Ihre Geschichte ist ein wildes Roardmovie, in dem sie die Liebe, Drogen und Einsamkeit kennenlernt. Es ist aber auch eine spirituelle Suche, deren aufregendste Erfahrung nicht im Exzess und Rock 'n'Roll liegt, sondern in ihrer Begegnung mit Gott.

„Eine Reise zwischen Sinn und Wahnsinn, mit Liebe und Hass, Lebenslust und Todessog, es hätte für mindestens 23 Leben gereicht“ – Die Zeit

Mein Umriss:

Nina Hagen, geboren in Ost-Berlin im März 1955 als Tochter von Eva Hagen und Hans Oliva. Schon früh bemerkt das Kind, dass der Mutter die Karriere und ihre Liebschaften wichtiger waren als ihr Kind. Somit machte Nina sich schon früh auf die Suche nach einem Halt in ihrem Leben. Sie stellte sich schon bald auf ihre Rollschuhe, holte sich eine Handvoll Geld aus Mutters Manteltasche und rollte zu ihrem Vater, von dem sich Eva getrennt hatte. Eva bemerkte selten die Abwesenheit ihrer Tochter. Ebenso wenig bemerkte sie, dass Nina nicht nur Essen und ein Bett brauchte, sondern auch Mutterliebe und deren Hand, die sie in den ersten Jahren durchs Leben führt. Das hatte Nina nicht, also machte sie sich auf die Suche.
Diese Suche führte sie in die Kirche, sie suchte Zuflucht bei Gott und fing an die Bibel zu lesen. Schon bald war es für sie sicher, dass sie diesem Gott dienen will. Durch die Einstellung in der damaligen DDR fand sie niemanden, der ihr Gott erklären konnte.
Als ihre Mutter Wolf Biermann kennenlernte, war es nur noch eine Frage der Zeit, dass auch Nina zu rebellieren begann und letztendlich aus der DDR ausgewiesen wurde. Endgültig entwurzelt zog sie über Polen nach Holland, machte Erfahrung mit Drugs and Rock 'n'Roll, bis sie bemerkte, dass das nicht das ist, was sie sucht.
Sie geht nach Amerika, zieht in Indien in einen Ashram und suchte auch dort vergebens nach dem Halt den sie suchte.
Diesen fand sie erst 2009 mit ihrer Taufe durch Pastor Kalle in Schüttorf….

Mein Eindruck:

Skeptisch ging ich an dieses Buch ran. Was sollte ich schon über das Leben einer durchgeknallten, lauten und aufdringlichen Frau, die mir nur durch unangenehme Interviews bisher aufgefallen war.
Ok, sie schrieb ihre Biografie wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Ebenso laut, schrill und chaotisch, aber keineswegs so aufdringlich und durchgeknallt, wie sie bisher immer auf mich wirkte. Sie erzählt über ihre Zerrissenheit in ihrer Kindheit, ihre Suche nach einem Vorbild, das sie in Wolf Biermann fand und vor allem ihren Weg in einen Glauben, der ihr in ihrer Kindheit nicht vermittelt wurde.
Trotz des überhaupt nicht mütterlichen Verhaltens ihrer Mutter, verliert sie kein böses Wort über Eva Hagen, auch wenn immer wieder ihr besseres Verhältnis zu ihrem Vater in den Vordergrund rückt. Unverblümt und knallhart rechnet sie mit der Drogenszene ab, in der sie viele Freunde verlor, ebenso mit den indischen Gurus, die sich ihr als egoistische, selbstverliebte Menschen in Erinnerung blieben.
Die Schreibweise ist teilweise sehr hart und brutal, wie eben Ninas Leben auch, in dem sie immer auf der Suche nach Gott war. Sie zeigt auch, dass sie zwar teilweise wirklich durchgeknallt ist, aber ihren Kindern Cosma Shiva und Otis eine vorbildliche, liebevolle Mutter ist.

Mein Fazit:

Trotz des teilweise durchgeknallten Schreibstils ein Buch, das ich sehr gerne gelesen habe.


Die Spione von Myers Holt - Eine gefährliche Gabe
Die Spione von Myers Holt - Eine gefährliche Gabe
von Monica Meira Vaughan
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,95

5.0 von 5 Sternen Eine gefährliche Gabe, 25. August 2013
Mein Umriss:

Chris Lane lebt in ärmlichen Verhältnissen, kümmert sich um seine Mutter, die nach dem Tod des Vaters in eine tiefe Depression verfiel, schmeißt den Haushalt und zahlt die Rechnungen. Er ist ein mittelmäßiger Schüler und nun soll er für die Myers Holt Academy getestet werden. Angeblich verfügt er über ein außergewöhnliches Talent, das nun gefördert werden soll. Chris hat jedoch Zweifel, ob diese Schule für ihn die richtige sein wird, da es sich hier um ein Internat handelt und er sich seiner Mutter gegenüber verpflichtet fühlt.
Den Aufnahmetest besteht er mit Bravour, also ist ihm die Schule behilflich, seine Entscheidung zu treffen. Es handelt sich ja nur um ein Jahr, aber dieses Jahr soll sein Leben und seine Zukunft grundlegend ändern.
Also nimmt er das Angebot an und staunt nicht schlecht, als ihm die Schule gezeigt wird. Noch mehr staunt er jedoch, als er gemeinsam mit den anderen Mitschülern die Hintergründe und das Ziel der Schule erfährt. Nämlich die Förderung einer besonderen Gabe, die alle Menschen von ihrem 12. bis zu ihrem 13. Geburtstag besitzen sollen. Die normale Schulbildung soll so nebenher stattfinden, er und seine Mitschüler sollen in Telekinese, Suggestion und vielem anderen, wovon sie bisher nur am Rande erfuhren, geschult werden und als Spione für den MI 18 im britischen Geheimdienst eingesetzt werden.
Schon kurz nach Schuljahresbeginn sollen die sechs Schüler auf dem Antarktisball einen Politiker beschützen, der in höchster Gefahr schwebt....

Mein Eindruck:

Vieles erinnert an die Harry-Potter-Reihe. Einzelkind wird von einem Schulagenten an eine geheimnisvolle Schule gebracht, wo er noch geheimnisvollere Dinge lernen soll. Aber nein, es handelt sich hier nicht um einen schwachen Abklatsch. Monica M. Vaughan nutzte zwar einen Teil des Rahmens für ihre Geschichte, verwob jedoch keine magischen Zauberkräfte, Zaubersprüche und vieles mehr, sondern steuert in eine Richtung, die weniger fantastisch aber nicht weniger faszinierend ist. Sie lässt die Schüler Gegenstände nur mit Hilfe ihrer Gedanken bewegen, befähigt sie die Gedanken anderer zu lesen und zu beeinflussen, ohne zu vergessen, dass es sich um 12jährige Jungendliche handelt, die auch viel Unsinn im Kopf haben. Sie schreibt für Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen interessant, sodass sich Leser jeden Alters schnell in die Geschichte einfinden können. Den Einstieg vollzieht die Autorin indem sie die Neugierde des Lesers weckt und ihn richtiggehend ans Buch fesselt. Kaum zu glauben, dass es sich hier um einen Erstling handelt, aus dem man begeistert aussteigt um gleich weiter zu lesen. Aber leider heißt es jetzt warten, bis Teil zwei der Trilogie erscheint.

Mein Fazit:

Spannend, rasant, faszinierend. Hier kommt auch der erwachsene Leser voll auf seine Kosten.


Kindermund
Kindermund
von Pola Kinski
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was treibt einen Vater zu solchen Taten?, 24. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Kindermund (Gebundene Ausgabe)
Mein Umriss:

Pola Kinski erzählt ihr Leben als Tochter eines von der Öffentlichkeit als Genie gesehenen Vaters. Sie wächst wohlbehütet bei ihrer Mutter und deren Vater in München auf, nachdem sich Mutter Gisling und Vater Klaus getrennt hatten. Sie fühlte sich mit ihrer Mutter wohl, nur hatte sie etwas Angst vor ihrem Großvater, dem Arzt, der dem Alkohol verfallen war.
Zu ihrem Vater Klaus Kinski hatte sie lange Zeit fast nur telefonischen und brieflichen Kontakt. Stand er dann doch mal überraschend vor der Tür, so mußte die Mutter ihm ihre Tochter überlassen. Was ihr zu diesem Zeitpunkt nicht ungelegen kam, hatte sie doch gerade ihren zweiten Mann geheiratet und einen Sohn geboren. Somit war ihr die Tochter aus erster Ehe im Weg. Pola wurde jedes Mal von ihrem Vater neu eingekleidet und mit Spielsachen überhäuft. Bis sie fünf wurde und er sich das erste Mal sexuell an ihr verging. Aufgrund seiner Aussage, dass das niemand wissen dürfe, weil er sonst ins Gefängnis käme, fühlte sich die Fünfjährige so unter Druck gesetzt, dass sie niemandem gegenüber ein Wort über den Vorfall erwähnte. Von diesem Zeitpunkt an war Kinskis Hemmschwelle seinem Kind gegenüber überschritten und er nahm sich immer öfter, wonach ihm gerade war. Dass Pola weiterhin niemanden davon erzählte, ließ er sich einiges an Geschenken und großen Geldbeträgen kosten. Immer öfter holte er das Kind zu sich. Obwohl er inzwischen zum zweiten mal verheiratet war und eine weitere Tochter hatte, ließ er nicht von Pola ab. Auch seine dritte Frau konnte den Missbrauch an der Erstgeborenen nicht verhindern.
Pola litt psychisch wie körperlich, bis der unweigerliche Zusammenbruch nach 14 Jahren folgte. Erst da öffnete sie sich dem zweiten Mann ihrer Mutter gegenüber....

Mein Eindruck:

Pola Kinski schreibt ungeschönt über ihre Kindheit, die von Ablehnung seitens der Mutter und Missbrauch durch den Vater geprägt war. Auch zeigt sie, dass sie die sexuelle Abhängigkeit und Gier ihres Vaters sehr schnell für ihre Zwecke zu nutzen wusste. Dass sie sich damit auf Dauer schadete, sah sie in so jungen Jahren noch nicht. Sie wollte ihr Leben geniessen und das konnte sie mit Hilfe des Geldes ihres Vaters. Sie zeigt die Ablehnung ihrer Mutter an traurigen Beispielen. Dass sie zum Beispiel nicht am Esstisch mitessen durfte, sondern an einem über dem Abfalleimer befestigten Brett ihre Mahlzeiten einnehmen mußte. Dass der kleine Bruder bei Mutter und Stiefvater an erster Stelle stand und dass sie nie ein offenes Ohr für ihre Sorgen bekam. Sie zeigt auch, wie leicht sie ihren Vater um den Finger wickeln konnte, wenn sie wieder Geld brauchte. Sie wusste, was er als Gegenleistung von ihr erwartete, dies jedoch verdrängte sie dann in den Hintergrund. Es war ihr Weg des geringsten Widerstandes.
Zu Anfang des Buches hat man den Eindruck einen unbeholfenen Schulaufsatz zu lesen. Pola Kinski schreibt in kurzen, teilweise abgehackten Sätzen. Je weiter sie jedoch in der Erzählung über ihr Leben voran kommt, umso feiner arbeitete sie ihre Schreibweise aus. Da sich die Ereignisse ihres Lebens teilweise überschlugen, sind ab dem zweiten Drittel die kurzen Seiten eher angenehm zu lesen. Sie bedient sich einer eher einfachen Art über ihr Schicksal zu erzählen. Trotz des schlimmen an ihr begangenen Verbrechens zeigt sie erst zum Ende des Buches hin, dass sie ihren Vater für das was er ihr antat, hasst. Wie alle Missbrauchsopfer ist sie immer auf der Suche nach der Schuld bei sich.

Mein Fazit:

Auch wenn es nicht um Klaus und Pola Kinski ginge, wäre dieses Buch unbedingt empfehlenswert.


Ich liebe dich nicht, aber ich möchte es mal können
Ich liebe dich nicht, aber ich möchte es mal können
von Tessa Korber
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie heißt die Hauptstadt von Zukunft?, 20. August 2013
Mein Umriss:

Tessa Korbers Sohn Simon kommt scheinbar gesund und munter zu Welt. In den ersten Jahren entwickelt er sich so normal wie sein großer Bruder Jonathan. Schon früh spricht er und nimmt rege am Leben und seiner Umwelt teil. Doch irgendwann hat die Mutter den Eindruck, dass etwas mit ihm nicht stimmen kann. Er möchte plötzlich wieder Baby sein, er verliert nach und nach seine Sprache und schottet sich immer mehr von seiner Umwelt ab. Simon entwickelt seltsame Eigenheiten. So kann er ohne direkten Körperkontakt zu seiner Mutter nicht schlafen. Sie bietet ihm diesen und trotzdem vergehen Stunden, bis er sich endlich beruhigt und einschläft. Tessa Korber vernachlässigt darüber ihren Beruf und auch den Rest der Familie. Ihr Mann spricht immer öfter aus, was sie nicht einmal zu denken wagt. Der Junge ist behindert. Sie will das nicht hören und auch nicht wahrhaben. Nach einem jahrelangen Ärztemarathon stellt sich schlussendlich heraus, dass Simon Autist ist. Tessa ist plötzlich erleichtert. Endlich hat sie für das was ihren Sohn so veränderte einen Namen.
Damit geht es ihr zwar im Moment besser, aber sie weiß, dass sich ihr anstrengendes Leben dadurch wahrscheinlich nicht ändern wird. Sie versucht ihn in Schulen und Tageseinrichtungen unter zu bringen, stößt jedoch immer wieder auf Widerstand, weil die Pädagogen keine Erfahrung mit Autisten haben. Erst als Tessa schon mehrfach zusammengebrochen ist und nur noch wie ein Automat funktioniert, findet sie eine Begleitperson für ihren Sohn. Diese Frau nimmt mit ihm am Schulunterricht teil und hat die Fähigkeit, das Vertrauen von Simon zu gewinnen. Damit hat die Mutter endlich wieder etwas Zeit, um ihrer Arbeit als Schriftstellerin nachzukommen. Allerdings hat sie sich im Laufe der zeit so weit von ihrem Mann entfernt, dass sie nun als alleinerziehende Mutter ohne männlichen Rückhalt da steht. Jonathan der große Bruder beginnt irgendwann seinen Bruder dafür zu hassen, dass seine Mutter für ihn fast keine Zeit mehr hat. Erst ein neuer Partner in Tessas Leben scheint das Blatt etwas wenden zu können....

Mein Eindruck:

Tessa Korber erzählt die Geschichte ihrer Familie unter dem Einfluss eines autistischen Kindes. Offen geht sie mit sich selber ins Gericht. Lange Zeit hat man beim Lesen das Gefühl, sie gibt sich letztendlich die Schuld dafür, dass sich ihr älterer Sohn mehr dem Vater zuwandte, dass ihre Ehe in die Brüche ging und dass es so unendlich schwierig ist, eine geeignete Betreuung für den behinderten Sohn zu finden. Sie beschreibt seine Panikanfälle, die von der Umwelt als Zorn und Trotz interpretiert werden, die jedoch nichts anderes sind als Angstzustände, weil Simon mit zu vielen Eindrücken auf einmal total überfordert ist. Lange Zeit hatte die Autorin auch den Eindruck, dass ihr Sohn sein Umfeld nur eingeschränkt wahrnimmt. Erst durch das sogenannte Buchstabenbrett lernt er sich mitzuteilen. Somit wird ihr schnell klar, dass er zwar an Autismus leidet, aber sehr intelligent ist. Sie geht in diesem Buch sehr intensiv auf die Lernvorgänge ihres Sohnes ein, die sich ihr erst sehr spät erschließen. Immer wieder stellt sie Fragen in den Raum, wie etwas denn so sein kann wie es ist. Sie bekommt darauf keine Antworten, denn Simon wird nie in der Lage sein, ihr dies zu erklären.
Schonungslos offen berichtet sie über das Zusammenleben innerhalb der Familie, die Ablehnung von aussen und die Akzeptanzprobleme in den Schulen, die sich weigern ihren Sohn zu unterrichten. Auch stellt sie immer wieder die Frage nach dem Sinn dieser Krankheit und die Ablehnung durch andere. Die einzige Antwort die sie dazu fand lautete Simon ist mir gegeben worden, weil ich ihn lieben kann"
Ihre Angst vor der Zukunft ihres Sohnes zeigt sie ganz klar auf. Was wird sein, wenn sie keine Kraft mehr hat? Was wird sein, wenn sie zu alt wird, um sich um ihn zu kümmern?
An ein Heilmittel" glaubt die Autorin längst nicht mehr, zumal es erwiesen ist, dass Autismus immer mehr Menschen betrifft. Bereits ein Kind von 150 in den USA wird autistisch geboren und die Tendenz steigt stetig an.

Mein Fazit:

Eine Geschichte die zu Herzen geht, aber auch wiederum die Augen öffnet für eine Behinderung, die wohl am schwersten von allen zu verstehen ist.


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