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Rezensionen verfasst von
Dirk Engel (Frankfurt)

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Codes.: Die geheime Sprache der Produkte
Codes.: Die geheime Sprache der Produkte
von Christian Scheier
  Gebundene Ausgabe

19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mit dem Zeigefinger zum Verkaufserfolg, 7. November 2010
Christian Scheier, Marken-Berater und Neuromarketing-Experte, hat ein neues Buch veröffentlicht (gemeinsam mit seinen Geschäftspartnern Dirk Bajas-Linke und Johannes Schneider). Es ist nach Wie Werbung wirkt" und Was Marken erfolgreich macht" bereits das dritte Buch, in dem Scheier und Kollegen ihren Ansatz des impliziten Marketing erläutern.

Diesmal geht es um sogenannte Codes: Assoziationen in unserem Gedächtnis, die mit Marken und Produktkategorien verknüpft sind. Sie steuern, wie wir Produkte wahrnehmen und was wir mit Ihnen machen. Diese Codes waren schon in den vorhergehenden Büchern von Scheier ein wichtiges Thema, doch in dem neuen Buch wird das Konzept erweitert und im Detail erläutert. Der Ansatz basiert dabei auf aktuellen Forschungen von Wirtschaftspsychologen - einige dieser Untersuchungen bedienen sich neurowissenschaftlicher Methoden, die meisten sind jedoch normale" experimental-psychologische Studien.

Sie zeigen beispielsweise, dass die physischen Eigenschaften bestimmter Waren automatisch auch korrespondierende mentale Konzepte und Verhaltensweisen aktivieren: Wenn wir isoliert sind und uns nach menschlicher Wärme sehnen, greifen wir eher zu einem heißen Kaffee als zu einer kalten Cola. Ungesättigte, helle Farben signalisieren uns Light-Produkt, starke Kontraste stehen für Exklusivität. So einfach ist unsere Psyche mitunter. Dies wirkt auf den ersten Blick etwas befremdlich, jedoch gibt es umfangreiche Forschung, die diese Erkenntnisse untermauern. Doch nicht alle Codes funktionieren so, einige sind kulturell, durch unsere Kindheitserfahrungen oder auch durch Werbung geprägt.

Aufgabe des Marketings ist es, die richtigen Codes zu finden, nämlich solche, die die Ziele der Konsumenten ansprechen und aktivieren. Ziele sind ein neues psychologisches Konstrukt, mit denen Scheier & Co. arbeiten - in den früheren Büchern war überwiegend von Belohnungen und Belohnungsfeldern die Rede. Ziele verbinden Wünsche einer Person mit mentalen und realen Handlungen, sie sind Verhaltenstreiber" erläutern die Autoren ihren neuen Begriff. Und selbstverständlich werden diese Ziele auch implizit reguliert. In dem Buch werden nun die Verknüpfungen von Marken, Zielen und Codes weiter aufgedröselt.

Das geschieht an zahlreichen Beispielen und es werden auch eine Reihe von Spezialthemen behandelt - vom Preis über die Verpackung, von der Kommunikationsstrategie bis hin zum Mediaeinsatz. Das alles ist wie immer anschaulich beschrieben, ohne dabei zu wissenschaftlich oder zu oberflächlich zu sein. Deshalb ist Codes" ein sehr lesenswertes Buch, allerdings mit einer eingeengten Perspektive: Ein spezieller Forschungs- und Beratungs-Ansatz wird nachvollziehbar erläutert, aber nicht kritisch hinterfragt. Die Kritik muss der Leser selbst erledigen.

Um hier einen Punkt zu nennen: Wir haben hier - trotz aller Bezüge auf die Neurowissenschaft - ein typisches geisteswissenschaftliches Interpretationsproblem: Die Beziehung zwischen warmen Kaffee und dem Wunsch nach menschlicher Wärme erscheint plausibel. Doch besteht sie wirklich in den Köpfen der Konsumenten oder vielleicht doch nur in dem Kopf des Forschers, der die Interpretation liefert? Liegt der Erfolg des iPhones wirklich daran, das es mit solchen Zeigefingerbewegungen bedient wird, die etwas mit Spiel und leichter Unterhaltung zu tun haben, während der Einsatz des Daumens bei einem Blackberry Konzepte wie Kontrolle und Arbeit aufrufen? Mit ähnlichen Problemen kämpfen viele semiotische und qualitative Analysemethoden der Marktforschung.

Was man dem Team um Scheier zu gute halten muss: Sie liefern zwar keine lückenlose und kritische Argumentation, aber bemühen sich in ihrer Sprache und mit anschaulichen Praxisbeispielen so transparent wie möglich zu sein. Deshalb ist auch Codes" wieder eine sehr bereichernde Lektüre.


The Long Tail: Nischenprodukte statt Massenmarkt Das Geschäft der Zukunft
The Long Tail: Nischenprodukte statt Massenmarkt Das Geschäft der Zukunft
von Chris Anderson
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,90

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das lange Ende kommt noch..., 12. September 2010
Ausnahmsweise wird hier ein englischsprachiges Buch rezensiert, da wir auf die deutsche Ausgabe leider noch warten müssen (ANMERKUNG: Die deutsche Ausgabe ist mittlerweile erschienen!!!), obwohl ansonsten so manches überflüssige Pamphlet der Management-Literatur schnellstmöglich ins Deutsche übertragen wird. In den USA und England gibt es seit einiger Zeit einen Bestseller, dessen Übersetzung sich lohnen würde. Vielleicht haben die hiesigen Verlage einfach Angst vor dem Titel - zugegeben, "The Long Tail" würde sich auf Deutsch weniger elegant anhören. Doch das Buch ist lesenswert, da es uns auf eine fundamentale Veränderung speziell in den Medienmärkten hinweist: den Triumphzug der Nische.

Am einfachsten lässt sich das am Beispiel einer Buchhandlung erklären. Der meiste Umsatz wird mit wenigen Bestsellern gemacht; die restlichen Verkäufe verteilen sich auf eine Vielzahl von Titeln, die immer nur eine kleine potenzielle Leserschaft ansprechen. In einer Grafik aufgetragen bilden diese Nischenmedien das lange, flache Ende der Verkaufskurve - eben den "Long Tail". Da aber der Regalplatz begrenzt ist, kann eine Buchhandlung nicht alle Nischen-Titel vorrätig haben, weshalb viele Bücher es nie zu den durchaus interessierten Kunden schaffen, da sie von deren Existenz gar nichts ahnen.

Doch beim Internet-Buchshop Amazon ist die Situation ganz anders: Hier gibt es keinen knappen Regalplatz, alle Bücher sind verfügbar, und mit smarten Such- und Empfehlungsmöglichkeiten finden Buch und Leser zusammen. Die Folge: Immer mehr Umsatz wird mit Nischenprodukten gemacht, wobei jedes einzelne nur wenig verkauft wird, aber alle zusammengenommen durchaus Geld in die Kasse bringen. Der "Long Tail" in den Verkaufskurven wird nicht nur länger, er verläuft auch nicht mehr ganz so flach.

Chris Anderson zeigt diesen Mechanismus an vielen Beispielen auf. Dies hat auch für die Medienbranche starke Auswirkungen: Neue Techniken werden bei TV und Print mehr und mehr Nischenmedien schaffen, die neue Geschäftsfelder jenseits der Blockbuster-Medien eröffnen. Auch die Phänomene rund um "Social Media" oder "Consumer Generated Media" - also Weblogs und andere internetbasierte Formen dezentraler Kommunikation - lassen sich durch Andersons Ausführungen besser verstehen. Obwohl er hauptsächlich aus Forschungsprojekten schöpft, die er für viele E-Commerce-Anbieter durchgeführt hat, geht sein Blick doch noch über das Internet hinaus, im Gegensatz zu vielen anderen Predigern der "New Economy". Wer sich mit dem spannenden Thema befassen und nicht auf die deutsche Ausgabe warten will, dem sei das englische Paperback von "The Long Tail" ans Herz gelegt.


KlarsichtHüllen: Ein Dialog über Sprache in der modernen Wirtschaft
KlarsichtHüllen: Ein Dialog über Sprache in der modernen Wirtschaft
von Burkhard Spinnen
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Klarsicht statt Bullshit, 12. September 2010
In Amerika und Deutschland steht gerade ein Sachbuch auf den Bestseller-Listen, dessen Titel eher zu einem Roman von Rainald Goetz als zu einem philosophischen Traktat passt: Bullshit". Damit ist im Amerikanischen jene Art von aufgeblasenem, wichtigtuerischen Sprachmüll gemeint, der pathetisch und großspurig daherkommt, in dem aber statt Substanz nur heiße Luft steckt. Ein Philosoph hat dazu eine kleine, nicht besonders originelle Rede gehalten, die man in einem sehr schmalen Bändchen auch veröffentlicht hat. Den Erfolg dieses dünnen Bretts in den USA kann man mit der dortigen Faszination für Kraftausdrücke erklären, wenn auch nicht verstehen. Ein seltsames Land, in dem jedes four letter word" im Fernsehen durch Pieptöne übertönt wird, dessen Alltagssprache aber geradezu durchdrungen ist von denselben bösen Wörtern.

Warum es dieses Buch überhaupt zu einer deutschen Übersetzung und Veröffentlichung geschafft hat, bleibt ein Rätsel. Am Inhalt kann es nicht liegen - der Autor breitet ein paar dünne Gedanken zu den Begriffen Bullshit und Humbug aus. Beispiele für solchen bringt er nicht, die wenigen interessanten Gedanken werden nicht wirklich ausgeführt. Das gilt etwa für die durchaus interessante Hypothese, dass es in einem demokratischen System automatisch zum Anwachsen von Bullshit kommt, da jeder unter Zwang steht, zu jedem Gegenstand eine Meinung zu haben, auch wenn er davon keine Ahnung hat. Doch viel mehr als dieser Satz steht im Buch dazu nicht drin. Das Lesen erübrigt sich also, Zeit und Geld sollten für wichtigere Lektüre gespart werden.

Denn was Bullshit" verspricht , aber nicht hält, können andere Bücher liefern. Etwa KlarsichtHüllen", eine Kooperation von einem Schriftsteller und einem PR-Mann, in dem über die Sprache im Wirtschaftsleben reflektiert wird. Beide Autoren wechseln sich mit kurzen Essays ab und beleuchten dabei Themen wie etwa Markensprache, Management-Literatur, Powerpoint-Präsentationen, Klatsch und Tratsch. Ihre Gedanken sind immer scharfsichtig, erhellend und zudem unterhaltsam geschrieben. Es lohnt sich, einmal darüber nachzudenken, wie wir innerhalb des Geschäftslebens so miteinander kommunizieren. Nur dadurch haben wir die Chance, die Substanz vom Bullshit zu trennen. Der Band KlarsichtHüllen" kann uns dabei helfen.


Bullshit
Bullshit
von Harry G. Frankfurt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 10,00

5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Klarsicht statt Bullshit, 12. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Bullshit (Gebundene Ausgabe)
In Amerika und Deutschland steht gerade ein Sachbuch auf den Bestseller-Listen, dessen Titel eher zu einem Roman von Rainald Goetz als zu einem philosophischen Traktat passt: Bullshit". Damit ist im Amerikanischen jene Art von aufgeblasenem, wichtigtuerischen Sprachmüll gemeint, der pathetisch und großspurig daherkommt, in dem aber statt Substanz nur heiße Luft steckt. Ein Philosoph hat dazu eine kleine, nicht besonders originelle Rede gehalten, die man in einem sehr schmalen Bändchen auch veröffentlicht hat. Den Erfolg dieses dünnen Bretts in den USA kann man mit der dortigen Faszination für Kraftausdrücke erklären, wenn auch nicht verstehen. Ein seltsames Land, in dem jedes four letter word" im Fernsehen durch Pieptöne übertönt wird, dessen Alltagssprache aber geradezu durchdrungen ist von denselben bösen Wörtern.

Warum es dieses Buch überhaupt zu einer deutschen Übersetzung und Veröffentlichung geschafft hat, bleibt ein Rätsel. Am Inhalt kann es nicht liegen - der Autor breitet ein paar dünne Gedanken zu den Begriffen Bullshit und Humbug aus. Beispiele für solchen bringt er nicht, die wenigen interessanten Gedanken werden nicht wirklich ausgeführt. Das gilt etwa für die durchaus interessante Hypothese, dass es in einem demokratischen System automatisch zum Anwachsen von Bullshit kommt, da jeder unter Zwang steht, zu jedem Gegenstand eine Meinung zu haben, auch wenn er davon keine Ahnung hat. Doch viel mehr als dieser Satz steht im Buch dazu nicht drin. Das Lesen erübrigt sich also, Zeit und Geld sollten für wichtigere Lektüre gespart werden.

Denn was Bullshit" verspricht , aber nicht hält, können andere Bücher liefern. Etwa KlarsichtHüllen", eine Kooperation von einem Schriftsteller und einem PR-Mann, in dem über die Sprache im Wirtschaftsleben reflektiert wird. Beide Autoren wechseln sich mit kurzen Essays ab und beleuchten dabei Themen wie etwa Markensprache, Management-Literatur, Powerpoint-Präsentationen, Klatsch und Tratsch. Ihre Gedanken sind immer scharfsichtig, erhellend und zudem unterhaltsam geschrieben. Es lohnt sich, einmal darüber nachzudenken, wie wir innerhalb des Geschäftslebens so miteinander kommunizieren. Nur dadurch haben wir die Chance, die Substanz vom Bullshit zu trennen. Der Band KlarsichtHüllen" kann uns dabei helfen.


Theorie und Praxis der Werbung in den Massenmedien
Theorie und Praxis der Werbung in den Massenmedien
von Wolfgang Seufert
  Broschiert
Preis: EUR 39,00

3.0 von 5 Sternen Auf den Weg zum Tausend-Qualitätspreis"?, 12. September 2010
Oft wird über die Praxisferne der akademischen Forschung und die Theorieferne der Werbepraxis gejammert. Dabei haben Werbeprofis sich schon immer gerne aus dem Fundus der universitären Forschung bedient. Aus Kommunikationswissenschaft, Soziologie und Psychologie werden gerne einzelne Konzepte und Befunde herausgepickt, etwa zu Medienwirkungen oder Lifestyle-Typologien. Eine Disziplin wird allerdings bisher beachtet: Die Wirtschaftswissenschaft. Nimmt man mal den Bereich des Marketing aus, so werden heute wirtschaftswissenschaftliche Theorien und Erkenntnisse nur selten von Media- und Werbeleuten aufgegriffen.

Das ist schade, schließlich handelt es sich um ein junges, aber blühendes Forschungsfeld. Ein Beweis dafür ist ein Band, der die Vorträge einer Konferenz zum Thema Theorie und Praxis der Werbung in den Massenmedien" versammelt. Wissenschaftler und angewandte Forscher, die sich mit Medienwirtschaft und Medienmanagement beschäftigen, versuchen dabei, das Thema Werbung aus unterschiedlichen Perspektiven zu behandeln. Dabei gab es drei grundlegende Themen, die jeweils mit mehreren Beiträgen in dem Band vertreten sind.
Zum einen widmet man sich den zunehmend fließenden Grenzen zwischen PR-Arbeit und Werbung. Ein Beitrag versucht, die Aufgaben und Funktionen beider Instrumente in der Kommunikationsstrategie zu bewerten, ein anderer versucht das Problem aus Sicht der Fernsehzuschauer zu verstehen. Deutlich wird immer, dass PR nicht etwa die bessere Werbung" sei (was ein amerikanischer Marketing-Bestseller behauptet), sondern dass es sich doch um zwei sehr unterschiedliche Maßnahmen handelt, die auch vom Rezipienten differenziert wahrgenommen werden.
Spannend ist auch die Frage, welche Erlösquellen die Medien jenseits der Werbeeinnahmen zur Verfügung haben. An drei Beispielen (Vertriebserlöse von Tageszeitungen, Pay-TV und Sportsponsoring) wird gezeigt, wie Medienunternehmen heute verstärkt darüber nachdenken, von Werbebudgets unabhängig zu werden. Als Werbepraktiker sollte man sich durchaus einmal mit diesem Thema beschäftigen, schließlich können Entwicklungen in dieser Richtung mittel- und langfristig auch die Mediabranche tangieren.

Ein Thema des Sammelbandes ist für Medialeute allerdings von offensichtlichem Interesse: Wie selektieren Mediaplaner die relevanten Mediagattungen? Tibor Kliment gibt in seinem Beitrag einen guten Überblick über Probleme beim Intermedia-Vergleich, wobei er die vorhandenen Lehrbücher gut zusammenfasst und beispielhaft ältere Grundlagenstudien referiert. Dabei weist er auf einige kritische Probleme hin, ohne jedoch eine Lösung zu liefern - was man ihm natürlich nicht zum Vorwurf machen kann. Stefan Dahlem erklärt in seinem Aufsatz umfassend, wie in der Mediapraxis qualitative Kriterien" der Werbeträgerauswahl gehandhabt werden. Zum Schluss stellt er mögliche neue Leistungswerte wie den Tausend-Qualitätspreis" oder den Tausend-Wirkungspreis" in den Raum, die allerdings nicht definiert werden. Zumindest ist dieser Beitrag ein erster Schritt, die Diskussion über solche qualitativen" Kriterien in der Mediaplanung anzustoßen und zu systematisieren. Allerdings wird jedem deutlich, dass hier noch sehr viel Arbeit vor uns steht. Solange es immer noch gattungspolitische Meinungsverschiedenheiten über den Intermedia-Vergleich gibt, wird die Branche keine neuen Werte erfinden. Doch sollten gerade die Mediaagenturen die Vorschläge aufnehmen und über einen transparenteren Umgang mit den oft dubiosen qualitativen" Kriterien nachdenken.

Der Band Theorie und Praxis der Werbung in den Massenmedien" kann als ein inspirierendes Angebot von Seiten der Medienökonomen und Kommunikationswissenschaftler an die Mediapraktiker angesehen werden, mehr über die eigene Zunft nachzudenken und dabei die Instrumente der Wirtschafts- und Kommunikationswissenschaft zu verwenden. Das setzt etwas Anstrengung voraus, denn einige der Texte sind für Nicht-Wissenschaftler harte Kost. Doch der Ertrag an Ideen und Konzepten rechtfertigt die Mühe.


Handbuch Kommunikationsmanagement: Anforderungen und Umsetzungen aus Agenturen, Banken, Sparkasse und Versicherungen
Handbuch Kommunikationsmanagement: Anforderungen und Umsetzungen aus Agenturen, Banken, Sparkasse und Versicherungen
von Stephan Duttenhöfer
  Gebundene Ausgabe

3.0 von 5 Sternen Marketing für Moneten, 12. September 2010
Geld regiert die Welt - das ist keine neue Erkenntnis. Auch nicht, dass mit Geld Geld verdient wird. Wie man jedoch auf den Finanzmärkten bzw. über Finanzdienstleistungen kommuniziert, dass ist alles andere als trivial. Jetzt gibt es dazu ein gewichtiges Sammelwerk, das die meisten Facetten der Finanzkommunikation beleuchtet, auch wenn es den Hinweis auf die Geldbranche nur im Untertitel führt. Das Handbuch Kommunikationsmanagement" versammelt über 40 Beiträge aus Wissenschaft, kommerzieller Marktforschung und Marketing-Praxis. Dabei werden Themen wie Zielgruppen-Segmentierung, PR, Sponsoring, Effizienzkontrollen oder Cross-Border-Marketing behandelt.

Nicht alle Beiträge sind dabei originell - einige der Artikel hat man schon an anderer Stelle gehört oder gelesen. Doch der gemeinsame Fokus auf die Finanzbranche fungiert als Klammer, der diese Sammlung wirklich zu einer lohnenswerten Anschaffung macht. Natürlich machen einige der Autoren auch PR in eigener Sache - aber das sollte man Menschen, die in der Marketing-Branche arbeiten, nicht wirklich ankreiden. Die Fülle an konkreten Beispielen von unterschiedlichen Unternehmen - Versicherungen, Banken, Sparkassen, Kreditkartenanbieter - macht das Stöbern in dem Buch spannend. Gerade die Sicht aus unterschiedlichen Blickwinkeln ist dabei ein Vorteil.

Unter den Autoren finden sich Experten aus Agenturen, Marktforschungsinstituten, Medien und werbungtreibenden Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zahlreiche (leider nur schwarz-weiße) Abbildungen unterstützen den Text - so komisch das auch klingen mag, aber in der Werbeliteratur ist dies ja noch längst keine Selbstverständlichkeit. Mit dem Handbuch Kommunikationsmanagement" bekommt man viel Stoff zum Lesen und Nachdenken für sein Geld. Dabei ist es nicht nur für Leser aus den genannten Branchen wertvoll, sondern auch für Leute, die sich generell für Marketing-Kommunikation und Marktforschung interessieren.


Markt- und Werbepsychologie: Ein Lehrbuch
Markt- und Werbepsychologie: Ein Lehrbuch
von Klaus Moser
  Taschenbuch
Preis: EUR 29,95

2.0 von 5 Sternen Werbepsychologie ohne Überzeugungskraft, 12. September 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Lehrbücher der Werbepsychologie gibt es einige: Die Bücher von Lutz von Rosenstil, Georg Felser, Hans Mayer oder Werner Kroeber-Riel haben zahlreiche Wiederauflagen erlebt. Nun hat auch der Psychologie-Professor Klaus Moser mit dem Titel Markt- und Werbepsychologie" auf dem Markt gebracht. Als Marktpsychologe hätte der Verfasser vielleicht vorher überlegen sollen, ob ein weiteres Lehrbuch tatsächlich notwendig ist.
Aber erst einmal zum Inhalt: Das Buch liefert im ersten Teil einen kurzen Abriss über betriebwirtschaftliche Fragen und Zusammenhänge, der sich jedoch sehr an der Oberfläche bewegt. Ähnlich ist die Darstellung der psychologischen Grundlagen und deren Bedeutung für die Werbeforschung. Die eigentlich interessanten Abschnitte beschäftigen sich mit Messmethoden und Werbewirkungsmodellen - hier liefert Moser eine umfassende Darstellung, die sowohl für Studierende wie auch Werbepraktiker hilfreich sind.

Beim Thema Gestaltung von Werbemitteln verliert sich der Autor jedoch ein bisschen in dem Gestrüpp der Einzelbefunde - von der Typographie über Farbewahrnehmung bis zur Wirkung von Piktogrammen wird vieles abgehandelt. Trotzdem muss man den Wert des Lehrbuchs kritisch betrachten. Die Struktur ist nicht immer klar, viele Details werden beziehungslos aneinander gereiht, Redundanzen und Überschneidungen zu anderen Lehrbüchern der Werbepsychologie oder aus Nachbardisziplinen sind häufig. Der Anspruch eines solchen Werkes, möglichst viele Themen irgendwie abzuhandeln, erscheint ein bisschen verfehlt. Eine vertiefende Beschäftigung ermöglicht ein solches Buch nicht.

Vielleicht wäre es angebrachter gewesen, einige Themen auszuklammern. Beim Rest wäre dann etwas mehr Tiefgang wünschenswert. Für Besucher einer Einführungsvorlesung mag Mosers Lehrbuch gute Dienste erweisen, zumindest für Klausurvorbereitungen. Leider schafft es der Autor aber nicht, Studienanfängern Lust auf das an für sich spannende Feld der Werbepsychologie zu machen.


Qualitative Medienforschung: Ein Handbuch (Uni-Taschenbücher L)
Qualitative Medienforschung: Ein Handbuch (Uni-Taschenbücher L)
von Lothar Mikos
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 34,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Forschungsqualität und qualitative Forschung, 12. September 2010
Um es gleich vorweg zu sagen: Das Handbuch Qualitative Medienforschung" ist kein Rezeptbuch für die kommerzielle Markt- und Mediaforschung. Herausgegeben und geschrieben ist es von Kommunikationswissenschaftlern aus dem akademischen Feld. Fragen der angewandten Medienforschung werden in den Texten nicht explizit thematisiert. Das ist leider ein Manko - ein Beitrag zum Thema qualitative Forschung für kommerzielle Projekte hätte den Band sicherlich abgerundet, schließlich hofft wohl doch mancher Student und potenzielle Leser nach seinem Abschluss auf einen Job bei einem Marktforschungsunternehmen.

Doch der Blick über den Tellerrand der akademischen Welt ist sicherlich nicht die Stärke von ernsthaften Fachwissenschaftlern. Trotzdem muss die Anschaffung des über 600 Seiten starken Bandes auch für Praktiker bei Medien, Instituten und Agenturen keine schlechte Investition sein. Denn natürlich nützt es einem angewandten Forscher immer, wenn er sich einmal Gedanken über Methoden macht. Die qualitative Forschung - in der Marktforschung schon lange etabliert - wird auch in der zahlengläubigen Mediabranche immer beliebter, doch ist sie oft noch dem Verdacht der Beliebigkeit ausgesetzt. Denn nicht alles, was als Tiefeninterview" bezeichnet wird, basiert tatsächlich auf einem tiefen Verständnis der qualitativen Methoden.

In 55 knappen Beiträgen werden einzelne Methoden, ihre theoretischen Grundlagen und Anwendungsfelder erläutert. Viele Beiträge liefern solide Basisinformationen, die auch dem Mediaforscher nützen, etwa wenn es um Gruppendiskussionen oder Experteninterviews geht. An einigen Stellen findet man dann doch brauchbare How to do"-Ratschläge. Andere Artikel haben dagegen nur wenig Relevanz für die angewandte Forschung. Doch gibt es auch Texte, die sich zwar im akademischen Kontext bewegen, die aber für die kommerziellen Forscher inspirierend sein können: etwa wenn das Prinzip der Triangulation erläutert wird - es bezeichnet die theoretisch sinnvolle Verknüpfung von qualitativen und quantitativen Methoden. Und über den Beitrag über Standards in der qualitativen Forschung sollten mehr Leute einmal nachdenken - damit die Worte Qualität" und qualitativ" auch in der Mediaforschung zusammenpassen.


Generation Doof: Wie blöd sind wir eigentlich?
Generation Doof: Wie blöd sind wir eigentlich?
von Stefan Bonner
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Wer das liest, ist doof, 12. September 2010
Eigentlich war ich mir unsicher, ob dieses Buch geeignet ist, um an dieser Stelle rezensiert zu werden; doch dann dachte ich, ein Buch mit dem Wort Generation" im Titel erhebt den Anspruch, einen gesellschaftlichen Trend von einiger Allgemeingültigkeit zu beschreiben. Dann wäre es quasi eine soziologische Abhandlung, auch wenn der Stil eher essayistisch sein mag, wie etwa seinerzeit bei dem Bestseller Generation Golf" von Florian Illies. (Allerdings war der soziologische Gehalt jenes Buches ebenfalls etwas dünn, auch wenn Meinungsforscher die Generation Golf später angeblich empirisch nachgewiesen haben.) Doch was in einem durchaus umfangreichen Taschenbuch auf 335 Seiten als Generation Doof" verkauft werden soll, hat leider wenig von der Leichtfüßigkeit des Golf-Traktats.

Die Autoren glauben einen sozialen Trend ausgemacht zu haben: Die Leute werden immer dümmer, benehmen und ernähren sich schlecht, haben überhaupt kein Niveau und wissen erst recht nicht, wie man dieses schreibt. Genüsslich und ausführlich werden als Belege Fernsehszenen nacherzählt, etwa wie die Kandidatinnen einer Miss-Wahl daran scheiterten, ihre Heimatstädte auf einer Landkarte zu platzieren. Zugegeben, solche Szenen sind lustig, und Stefan Raab lässt in seinen Sendungen gerne und mit schöner Regelmäßigkeit Leute aufmarschieren, die nicht gerade den tiefen Teller erfunden haben. Dem Publikum gefällt es - schließlich ist es gut zu wissen, das es immer noch Zeitgenossen gibt, die man getrost in die Tasche stecken kann, auch wenn man selbst nicht zu den Schlauesten gehört.

Das ist auch das Grundprinzip des Buches Generation Doof": Die Autoren sind trotz aller vorgetäuschten Selbstironie peinlich bemüht zu zeigen, dass sie nicht ganz so doof sind wie die anderen Generationsgenossen. Die Grenze zwischen dem effizienten Umgang mit der knappen Ressource Geist und purer Doofheit ist dabei recht willkürlich gezogen. Die Autoren halten es zum Beispiel für durchaus verzichtbar zu wissen, wie der erste deutsche Bundespräsident hieß oder wie ein Gesetz im Bundestag entsteht. Aber sie mokieren sich, wenn jemand Harald Schmidt mit Helmut Schmidt verwechselt (die unbestreitbar den gleichen Nachnamen haben, was ja schon mal zu Verwechslungen führen kann).

In vielen Kapiteln wird relativ faktenfrei über die vielen Auswüchse und Gründe der Doofheit lamentiert - einschließlich der Schule und natürlich dem Fernsehen. Umrahmt wird das alles mit wahllosen Zitaten, abgeschrieben aus Sprüchesammlungen aus dem modernen Antiquariat, und persönlichen Alltagsbeschreibungen der Autoren, die noch fast das Witzigste am ganzen Buch sind. Und am Ende wird sogar versucht, ein bisschen konkrete Lebenshilfe zu geben: Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung: Die Probleme der Generation Doof ernst nehmen, erkennen, was schief läuft, und nach sinnvollen Auswegen suchen." Aha. Mein Eindruck ist allerdings, dass die derzeitige Generation (bei aller Beschränktheit hier und da) noch nicht so doof ist wie dieses Buch.


Alt!
Alt!
von Richard Haimann
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Alt sind nur die anderen, 12. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Alt! (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch, das nicht mit dem gewohnten NEU!" auf dem Umschlag wirbt, sondern dem Leser stattdessen das Wort ALT!" entgegenschleudert, provoziert auf den ersten Blick. Bei näherem Hinsehen wird der tiefere Sinn des Titels deutlich -Gegenstand des Buches sind nämlich die Alten", d.h. die Konsumenten jenseits der Sechzig, die in nicht allzu ferner Zukunft einen Großteil der deutschen Gesellschaft stellen werden.

Die unbestreitbare Relevanz des Themas muss an dieser Stelle nicht mehr extra betont werden. Alt!" passt nämlich auch noch in einer ganz anderen Bedeutung: Der demographische Wandel ist als Thema auf dem Sachbuchmarkt mittlerweile auch schon nicht mehr ganz neu. FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher hat in seinem Bestseller Das Methusalem-Komplott" ein fast schon apokalyptisches Szenario vom Kampf der Generationen ausgemalt. Sein Buch brachte dank seiner Drastik und der gleichzeitigen Sympathie für die Alten vielleicht den einen oder anderen Leser, der noch der Illusion der eigenen Jugend anhing, gehörig zum Nachdenken.

Richard Haimann hat nun in seinem Buch Alt!" das Thema erneut aufgegriffen und mit einem Blick aufs Marketing ergänzt - als typische Lektüre für den gestressten Manager, mit Praxisbeispielen und konkreten Tipps. Doch mittlerweile rennt man damit offene Türen ein. Die zugrunde liegenden demographischen Fakten wurden nicht allein von Schirrmacher, sondern bereits durch zahlreiche Presseartikel, Vorträge und Kongresse unters Volk gebracht. Hier bietet das Buch nichts Neues, doch ist die Sammlung der relevanten Informationen durchaus lesbar.

Allerdings fehlt bedauerlicherweise eine klare Struktur. Die verschiedenen Aspekte des Themas kommen eher durcheinander zur Sprache, interessante Einsichten werden mit Banalitäten zusammengemischt (wie etwa dem Hinweis, dass Senioren in der Kneipe Gläser mit tiefem Eichstrich bevorzugen, weil bei diesen weniger verschüttet werden kann). Manchmal lamentiert der Autor Haimann seitenlang über Punkte, die beim besten Willen wenig mit dem eigentlichen Thema zu tun haben. So äußert er zum Beispiel pauschale Kritik an Unternehmensberatern, die vielleicht nicht falsch, aber mit Sicherheit hier fehl am Platz ist.

Loben muss man hingegen, dass der Autor das Thema - im Gegensatz zum Schwarzmaler Schirrmacher - durchaus von der positiven Seite sieht und auch die Chancen für Unternehmer aufzählt, die sich durch die wachsende Schar ergrauter Konsumenten ergeben. Doch liefert das Buches wegen seiner fehlenden Struktur und Stringenz keinen systematischen Überblick über ein demographiefestes" Marketing; vielmehr dient das Kompott aus Schlagworten, Fakten, Sozialkritik und mehr oder minder hilfreichen Praxistipps eher dazu, die bisher Uneingeweihten an das Thema heranzuführen. Doch das schafft auch Schirrmachers ähnlich unstrukturiertes Pamphlet, dem zwar die praktischen Marketing-Tipps fehlen, doch bei dem zumindest die Argumentation konsequent auf die Spitze getrieben wird und das damit vielleicht den größeren Aha-Effekt stimuliert. Zumal das Methusalem-Komplott" nun auch in einer preiswerten Taschenbuchausgabe vorliegt - fehlt nur noch die seniorenfreundliche Großdruckversion.


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