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Beiträge von Dirk Engel
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Rezensionen verfasst von
Dirk Engel (Frankfurt)

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Forschungsmethoden für die Markt- und Organisationskommunikation (Methoden und Forschungslogik der Kommunikationswissenschaft)
Forschungsmethoden für die Markt- und Organisationskommunikation (Methoden und Forschungslogik der Kommunikationswissenschaft)
von Jens Woelke
  Broschiert

3.0 von 5 Sternen Forschungsmethoden auf dem Prüfstand, 29. März 2011
Im Herbst 2007 fand eine Tagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft statt - der Organisation jener Wissenschaftler, die über Medien und öffentlicher Meinung forschen. Dabei ging es um die Methoden, mit denen empirisch und quantitativ Medienwirkungen und Prozesse der öffentlichen Meinung untersucht werden. Das besondere an dieser Tagung: Man beschäftigte sich ausdrücklich mit der Anwendung wissenschaftlicher Methoden in der Berufspraxis.

Wie kann die angewandte Forschung - bei Medien, Agenturen, Marktforschungsinsituten und Unternehmen - von dem methodischen Fortschritt der Kommunikationswissenschaft profitieren. Ein spannendes Thema, bei denen neben vielen Akademikern auch Forscher aus der Praxis Beiträge lieferten. Mit etwas Zeitverzug - die Mühlen der akademischen Welt mahlen nun mal etwas langsamer - sind nun die Vorträge dieser Tagung in Buchform erschienen. Unter dem typisch akademischen Titel Forschungsmethoden für die Markt- und Organisationskommunikation" sind zwölf Beiträge versammelt.

Für interessierte Leser aus der Berufspraxis ist ein solches Buch in der Regel harte Kost. Überschriften wie Spezifikation von formativen und reflektiven Konstrukten und Pfadmodellierung mittels Partial Least Squares zur Messung von Reputation" laden nicht gerade zu einer kurzweiligen Lektüre in der Mittagspause ein. Doch manchmal muss man sich auch durch Schwarzbrot beißen, wenn man etwas Gehaltvolles in den Magen bekommen will. Die Beiträge in dem Sammelband haben auch für den einen oder anderen Praktiker einen gewissen Nährwert.

Brigitte Stark untersucht, wie in verschiedenen Ländern qualitative Aspekte in die Mediaplanung einfließen - hier liegt das Problem in den nach wie vor sehr unterschiedlichen Vorstellungen, was denn qualitativ" in diesem Zusammenhang heißt.

Andreas Baetzgen stellt sein Konzept einer kontextbasieren Kommunikationsplanung vor - bei jeder Werbeidee sollte überprüft werden, wie sie in die Lebenswelt der Konsumenten passt.

Am Beispiel Business-TV (also speziell für die Mitarbeiter eines Unternehmens produzierte Programme und Video-Beiträge) wird gezeigt, wie der Erfolg von Kommunikationsmaßnahmen richtig überprüft wird.

Gleich mehrere Beiträge behandeln die Messung der Resonanz von PR-Maßnahmen und zeigen, wie diese verbessert werden kann, etwa durch die Analyse der Vernetzung von Akteuren in der Berichterstattung.

Wolfgang Schweiger beschreibt ein Vorgehen, mit dem er die Diskussion über Themen im Internet untersucht - 2007, im Jahr der Tagung, war das noch ein brandneues Thema, heute ist das Social Media Monitoring in aller Munde. Der Artikel ist aber trotzdem keinesfalls veraltet. Der vorgestellte Ansatz verzichtet auf eine lückenlose technische Erfassung des auch noch kleinsten Forum-Beitrags, berücksichtigt dafür aber die Relevanz und Auffindbarkeit der untersuchten Beiträge für die Internetnutzer - einfach durch die Berücksichtigung der Google-Ergebnislisten beim Identifizieren der Posts und Beiträge.

Natürlich ist nicht jeder Beitrag in dem Sammelband für Forscher in Marketing-Abteilungen, Agenturen und Medienunternehmen gleich wichtig. Aber es ist doch sehr hilfreich, die kritische Reflexion der Wissenschaftler über die eingesetzten Methoden nachzuvollziehen und die Erkenntnisse auf die eigenen Forschungsverfahren zu übertragen.


Das Strategiebuch: 72 Grundfiguren strategischen Handelns für Wirtschaft, Politik, Kommunikation, Design, Architektur und Alltag
Das Strategiebuch: 72 Grundfiguren strategischen Handelns für Wirtschaft, Politik, Kommunikation, Design, Architektur und Alltag
von Rainer Zimmermann
  Broschiert
Preis: EUR 24,90

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aussitzen" oder besser eine Häutung"?, 29. März 2011
Lange Zeit hat es gedauert, bis Karl-Theodor zu Guttenberg seinen Rücktritt erklärt hat. Es schien so, als ob er sich unsicher war, welche Strategie die beste sei, um aus der Affäre mit der plagiierten Doktorarbeit mehr oder minder heil herauszukommen. Geholfen hätte ihm vielleicht die Lektüre einer Neuerscheinung: Das Strategiebuch", geschrieben von dem Werber und Professor Rainer Zimmermann, in Zusammenarbeit mit einigen Kollegen (deren Beiträge sind natürlich korrekt mit Namen gekennzeichnet - auf so etwas achtet man ja dieser Tage besonders).

Zimmermann hat völlig richtig bemerkt, dass die verfügbare Literatur zum Thema Strategie nicht mit dem inflationären Gebrauch dieser Vokabel in allen Lebensbereichen mithalten kann. Es gibt kaum Bücher, die strategische Grundmuster klar und verständlich darstellen. Das Strategiebuch" will genau das liefern: 72 Grundfiguren des strategischen Handelns" werden beschrieben - jede Grundfigur wird auf zwei Seiten mit Hilfe von Beispielen erläutert. Dazu gibt es wenige Literaturverweise und ein paar illustrative Bilder (leider sehr klein, aber dafür immerhin farbig).

Der Vorteil bei diesem Vorgehen: Anstatt langer komplizierter Texte bekommt der Leser eine mundgerechte Portion an Ideen - Futter zum Nachdenken anstatt trockener Definitionen oder komplexer Systematiken. Die strategischen Modelle kommen dabei aus den unterschiedlichsten Ecken - etwa aus Kunst, Architektur oder Design, aber auch Politik, Geschichte oder Wirtschaft. Gerade diese Vielfalt an Bezügen macht das Buch so inspirierend.

Natürlich schöpfen auch Zimmermann und sein Team aus den herkömmlichen Quellen zur Strategie-Geschichte - Machiavelli, Clausewitz, Sun Tzu. Die wichtigsten Einflüsse kommen übrigens von den chinesischen Strategemen, die Harro von Senger gesammelt und kommentiert hat. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Strategie-Traktaten erschöpft sich das Buch nicht im Wiederkäuen der immer gleichen Weisheiten und Maximen, vielmehr wird durch die Verknüpfung mit den Praxis-Strategien aus Wirtschaft und Werbung ebenso wie mit den Bezügen zu Politik und Zeitgeschichte der Horizont des Leser konsequent erweitert.

Eine Klammer bildet ein grobes Ordnungsschema, das der Verfasser zu Beginn des Werkes vorstellt: Dabei geht es darum, ob eine Strategiefigur Positionen oder Potenziale sichert, entwickelt oder vermittelt. Ein Buch mit hoher Relevanz für den Arbeitsalltag, auch wenn es einen eher intellektuellen Duktus folgt und keine Checklisten oder Übungen liefert, die viele Autoren als das A und O der Praxistauglichkeit halten.

Deshalb hätte es auch von Guttenberg genützt, denn er hätte die Chancen eines Rücktritts viel früher erkennen können, wenn er den Text zur der Strategie der Häutung" gelesen hätte. So schreibt der Verfasser: Menschen oder Unternehmen, die in den Augen der Öffentlichkeit Verfehlungen begangen haben, signalisieren ihrer Umwelt mit der Häutung die Bereitschaft zu einem radikalem Neuanfang...Im besten Fall gewinnt man auf diese Weise Akzeptanz und neue Handlungsspielräume zurück, woraus am Ende neue Stärke erwachsen kann."


Der Trost der Dinge (edition suhrkamp)
Der Trost der Dinge (edition suhrkamp)
von Daniel Miller
  Taschenbuch
Preis: EUR 15,00

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Quietsche-Entchen und Laptop, 10. Februar 2011
Nicht häufig findet man ein Buch eines Soziologen und Kulturanthropologen, dass eine breite Rezeption in den verschiedensten Kreisen findet. "Der Trost der Dinge" ist ein solches Buch, das in ganz unterschiedlichen Kontexten gelesen werden kann. Sicherlich ist es eine ethnografische Studie, aber man kann es auch als eine Sammlung von Kurzgeschichten lesen oder - was ich hier empfehle - als Beispiel für gelungene qualitative Marktforschung. Der Autor Daniel Miller hat zusammen mit Kollegen mehrere Jahre lang die Bewohner einer Londoner Vorort-Straße interviewt. Sein Thema: Wie gehen Menschen mit Dingen um, welche Bedeutung haben alltägliche Sachen für ihr Leben?

Um diese Frage zu klären, besuchten die Forscher ihre Gesprächspartner in ihren Wohnungen, ließen sich deren Lebensgeschichte erzählen, sahen sich alte Fotos und Sammlerstücke an. Diese Beobachtungen fasste Daniel Miller dann in fünfzehn Porträts zusammen (in der englischen Originalausgabe waren es sogar mehr, doch der deutsche Verlag hat aus unerfindlichen Gründen einige herausgekürzt), die einfühlsam und anschaulich die Menschen und was ihnen wichtig ist beschreiben. Da ist etwa der ältere Mann, dessen Wohnung völlig auf seinen Hund ausgerichtet ist.

Oder das Ehepaar, das der Mittelpunkt eines großen Familiennetzwerkes ist, dass sie unter anderen durch das Sammeln von Weihnachtsschmuck, Briefmarken und vielen anderen Krimskrams pflegen und an sich binden. Die These, die aus all diesen Momentaufnahmen entsteht, ist einfach: Dinge helfen Menschen dabei, sich ihrer Identität zu vergewissern und ihre sozialen Beziehungen zu anderen Menschen zu gestalten. Das zeigt sich etwa bei der Mutter, die das Plastik-Spielzeug aus den Happy Meals-Tüten bei McDonald's nutzt, unter schwierigen Bedingungen eine tiefe emotionale Bindung zu ihren Kindern aufzubauen.

Die anderen Bewohner der Stuart Street (natürlich hat der Autor den Namen der Straße geändert) haben alle ihre persönlichen Gegenstände, die ihnen durch die Höhen und Tiefen des Alltags helfen: Kleider, CDs, Fotoalben, Piercings, Laptops, IKEA-Regale, Quietsche-Entchen - meist sind es gar keine teuren oder wertvollen Produkte, die diese soziale Funktion haben. Mal helfen sie den Menschen, sich von ihrer Herkunft abzugrenzen, mal verbinden sie sie mit den vorhergehenden Generationen. Der Autor hat ein Talent, die Lebenswelt seiner Untersuchungsgegenstände plastisch vor unseren Augen erscheinen zu lassen. Das ist dabei kein bisschen wissenschaftlich - es fehlen nicht nur Fachbegriffe und akademischer Jargon, sondern auch die strikte Distanziertheit gegenüber den Objekten seiner Studie.

Leider kommen dadurch aber auch die Zusammenfassung und Einordnung der vielen Einzelbeobachtungen zu kurz. Trotzdem hat das Buch nicht nur als erzählende Literatur einen Wert, sondern auch als eine Übung im Reflektieren und Analysieren von Produkten und deren Bedeutung für ihre Besitzer. Kein Buch über Marktforschung oder Marketing, aber eins, das den Blick dafür schärft, wie die Dinge die wir kaufen und besitzen unser Zusammenleben bereichern können.


Rulebreaker: Wie Menschen denken, deren Ideen die Welt verändern (Goldegg Business)
Rulebreaker: Wie Menschen denken, deren Ideen die Welt verändern (Goldegg Business)
von Sven G Jánszky
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,22

20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Moderne Heldensagen aus dem Wirtschaftsleben, 10. Februar 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Manche Geschichten sind einfach zu schön, um wahr zu sein. Etwa die des Topmanagers, der sich über die Starrheit in seinem traditionellen Unternehmen ärgert und deshalb auf der Vorstandsetage heimlich die akkurat rechtwinklig angeordneten Besucher-Sofas verschiebt, quasi als Symbol für sein Querdenkertum. Und als die Möbel kurze Zeit später wieder sauber und ordentlich in ihrer alten Position standen, da machte er sich einen Spaß daraus, sie von da an täglich wieder zu verrücken - und natürlich wurden sie von den braven Angestellten auf immer wieder in die alte Rechtwinkligkeit gebracht.

Diese Geschichte hat natürlich einen tieferen Sinn: Menschen, die Neues schaffen und wirkliche Innovationen durchsetzen, hassen überkommene Regeln und festzementierte Ordnung, sie rebellieren dagegen - im Großen wie im Kleinen. Und meistens kämpfen sie dabei gegen Windmühlen an, gegen feste Strukturen, satte Zufriedenheit und Angst vor der Veränderung. Doch diese träge Opposition gegen das Neue demotiviert die Innovatoren nicht - es stachelt sie eher weiter an. Manchmal siegen diejenigen, die sich den alten Regeln widersetzen.

Zehn Erfolgsgeschichten haben Trendforscher Sven Gábor Jánszky und Innovationsberater Stefan Jenzowsky in einem Buch versammelt: "Rulebreaker - Wie Menschen denken, deren Ideen die Welt verändern". Sie handeln von Männern, die in der deutschen Wirtschaftsgeschichte der letzten Jahrzehnte erfolgreich waren, weil sie die Gesetze ihrer Märkte erst bewusst gebrochen und damit langfristig verändern haben. Solche Rulebreaker sind zum Beispiel der Erfinder der AIDA-Kreuzschiffe oder der Manager, der die Strommarke Yello ins Leben rief und somit den Deutschen beigebracht hat, dass Strom angeblich gelb sei (er ist es übrigens auch, der bei seinem Arbeitgeber die Sitzmöbel verrückt hat).

Die Autoren erzählen bild- und anekdotenreich die Lebensgeschichte dieser Menschen, die gleichzeitig auch immer die Geschichte der Branchen ist, die durch sie verändert wurden: Immobilienmakler, Privatbanken, Wörterbücher, Apotheken. Einige der Stories warten noch auf ein Happyend im richtigen Leben - etwa die über das Team, dass sich eine personalisierte Zeitung ausdachte. Mit "Rulebreaker" liefern die Verfasser eine Sammlung moderner Heldensagen - es sind nicht Prozesse und anonyme gesellschaftliche Trends, die einen Markt umkrempeln, sondern die Visionen und die Beharrlichkeit einzelner Ausnahmepersönlichkeiten definieren die Regeln des Geschäftes neu. Diese Charaktere werden in einer manchmal fast zu detailreichen Ausführlichkeit beschrieben: ihre Herkunft, ihre Wertvorstellungen und Träume, die Erfolge und Rückschläge, die Anfeindungen und Konflikte, die sie provozieren.

Das ist ohne Zweifel spannend zu lesen und man lernt dabei auch immer ein bisschen etwas über die deutsche Wirtschaftsgeschichte. Am Ende gibt es auch noch den Versuch, die Gemeinsamkeit dieser zehn Rulebreaker-Biografien zu analysieren und Tipps für das eigene Management zu geben. Hier huldigen die Autoren einen Geniekult ' Rulebreaker ist man von Geburt an oder nicht. Wer keiner ist, der soll einen in seinem Unternehmen einstellen und ihn absolut freie Hand lassen, egal was dieser Mann (tatsächlich behaupten die Autoren, keine Frau gefunden zu haben, die in diese Kategorie passt) auch immer anstellen wird. Diese Fazit-Kapitel sind die schwächsten im Buch, doch die sehr unterhaltsame Lektüre der vorhergehenden Rulebreaker-Sagen macht dies locker wett.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 16, 2012 2:06 AM MEST


Mega-Macht Marke: Erfolg messen, machen, managen
Mega-Macht Marke: Erfolg messen, machen, managen
von Thomas Meyer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kunst, Wissenschaft und Handwerk der Markenführung, 22. Dezember 2010
Die berühmten Unternehmensberater sind dafür bekannt, dass sie ihr geballtes Wissen und unermessliche Kompetenz für jedermann gerne nutzbar machen - solange man ihnen dafür fürstliche Honorare zahlt. Manchmal gibt es aber auch Ausnahmen - eine solche ist das Buch Mega-Macht Marke", geschrieben von McKinsey-Beratern und nun bereits in der dritten, stark erweiterten Ausgabe erschienen. Hier plaudern die Berater aus dem Nähkästchen und erläutern ihre Sichtweise auf das Management von Marken. Gewiss, ein solches Buch ist immer auch eine Werbebroschüre für das eigene Unternehmen und deren Dienstleistungen - deshalb wird auch ausführlich und bereits im Klappentext auf die McKinsey-MarkenMatik" hingewiesen.

Hinter diesen eher uneleganten Begriff verbirgt sich der Planungsprozess, mit denen McKinsey seinen Kunden die Analyse, Führung und Kontrolle aller markenbezogenen Aktivitäten strukturiert. Solche Unternehmens-PR ist nur ärgerlich, wenn außer dem eigenen Ruhm nichts weiter vermittelt wird, sich die Berater nicht in die Karten schauen lassen - für solche ermüdenden Bücher gibt es genügend Beispiele. Mega-Macht Marke" gehört nicht dazu: Hier sind die Autoren sehr mitteilsam, plaudern aus dem Nähkästchen, bringen Fakten und erläutern Konzepte - damit ist das Buch auch für jene Leser interessant, die sich die Honorare von McKinsey normalerweise nicht leisten können. Die Autoren wollen ganz augenscheinlich den Leser mit einer Fülle von Informationen beeindrucken.

Wo US-amerikanische Management-Autoren nur grobe Andeutungen machen, packen Perrey und Meyer jede Menge Zahlen und Details in ihre Sätze. Deutlich wird diese Fülle schon alleine an dem Gewicht des Buches - wobei die über 450 Seiten durch das dicke Hochglanzpapier noch unnötig erschwert wurde (der Verlag glaubt wahrscheinlich, dass dieses Papier die Wertigkeit des Buches erhöht - tatsächlich sieht man aber viel schneller die Verschleißerscheinungen der Lektüre).

Die Kernidee des ganzen Buches ist die folgende: Gute Markenführung hat drei Elemente: Art, Science und Craft. Art" (Kunst) steht für Kreativität und Intuition, aber auch für Insights, den Fit von Kommunikation und Marke, über die richtigen Inhalte und Produktversprechen, die Mischung aus Emotion und guten Gründen, das Balancieren zwischen Wiedererkennbarkeit und Modernisierung. Mit Science" wird alles subsumiert, dass mess- und überprüfbar ist, inklusive des Markenwerts. Und Craft" (Handwerk) schließlich zeigt, dass Markenführung eine Managementfunktion ist, die an Bedeutung nicht unterschätzt werden darf - das betrifft auch besonders die Steuerung der externen Dienstleister - so nennen die McKinsey-Leute Agenturen.

Nach Meinung der Autoren ist die Führung der Marke aber eindeutig Chefsache" (schließlich reden Unternehmensberater ja immer am liebsten mit der Chefetage). Dabei kommen die Chefs auch ausreichend Chefs selbst zu Wort: In einigen Interviews berichten Marketing-Leiter von Erfolgsunternehmen wie adidas oder DHL über ihren Ansatz im Management von Marken. Auch wenn dieses Buch natürlich nur eine Sichtweise - eben die der McKinsey MarkenMatik" - dominant herausstellt und dabei natürlich nicht ihre ganzen Geheimformeln preisgeben, so ist doch die Vielzahl an Ideen, Begriffen und Beispielen sehr lehrreich.

Jeder kritische Leser muss natürlich selbst entscheiden, welche dieser Fäden er für seine Arbeit aufgreifen kann und was nur Selbst-PR der Autoren ist. Doch liefern die Autoren durchaus erhellende Einblicke in ihre Arbeitsweise.


Wohlstandsphänomene. Eine Beispielsammlung. FUNDUS Bd. 182
Wohlstandsphänomene. Eine Beispielsammlung. FUNDUS Bd. 182
von Wolfgang Ullrich
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,00

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Fortschritt , VW-Käfer und die AOL-Arena, 22. Dezember 2010
Wolfgang Ullrich ist Kulturwissenschaftler mit einem Interesse für die Phänomene des Konsums und der Werbung. Mit seinem an der Kunstgeschichte geschulten Blick analysiert er Produkte, Versandhauskataloge und Werbespots und kommt dadurch zu faszinierenden Einsichten über unsere moderne Konsumkultur. Seinen Scharfblick und seine eleganten Beschreibungen stellte er schon oft unter Beweis, unter anderem in dem Buch Haben Wollen" und bei seinem Vortrag auf dem TV-Wirkungstag 2009. Jetzt sind einige seiner kürzeren Texte und Vorträge als Sammelband erschienen.

Der Titel beschreibt die Klammer, welche die sehr unterschiedlichen Themen dieser Arbeiten eher lose verbindet: Wohlstandsphänomene". Der Begriff Wohlstand" wird dabei nicht als Bezeichnung eines dekadenten oder kommerzialisierten Lebensstils verstanden. Im Gegensatz zu vielen Konsumkritikern lehnt Ullrich die Welt der Marken und Waren nicht ab, er nähert sich ihnen mit einer deutlichen Sympathie. Immer ist sein analytischer Blick dabei spannend zu lesen, liefert er doch eine völlig andere Perspektive auf die Themen, mit denen sich Marketing-Leute jeden Tag beschäftigen.

Nicht alle Texte haben dabei eine klare Marketing-Relevanz: So behandelt der Kulturwissenschaftler etwa die Frage, ob wir heute ein schlechtes Gewissen gegenüber den vorangegangenen Generationen haben müssen, die mit ihren Entbehrungen und ihren Arbeitskraft erst unseren heutigen Wohlstand möglich gemacht haben. Doch auch dieses Kapitel ist inspirierend für einen Berufsstand, der das Wort Fortschritt dauernd im Munde führt, ohne darüber genauer zu reflektieren. Wie wertvoll diese Art von Reflexion ist, zeigen noch viel stärker die Artikel, die sich ganz explizit mit Werbung und Marketing beschäftigen: Eine Würdigung der Anzeigen für den VW-Käfer oder ein Essay über die Bedeutung bestimmter Metaphern in der Finanz- und Wellness-Werbung.

Besonders amüsant zu lesen: Am Beispiel von drei Zeitschriften-Ausgaben (neben Capital" die beiden schon lange untergegangenen Titel Constanze" und natur") wird ein Schnappschuss des Zeitgeistes eines Jahrzehnts geknipst, wobei auch hier wieder die unterschiedlichen Vorstellungen über Fortschritt vom Autor herausgearbeitet werden. Andere, kürzere Beitrage (meist für die taz geschrieben) behandeln unseren Umgang mit Müll, die Trostlosigkeit der Hobbyräume (die von nicht verwirklichten Träumen künden) oder die überraschend philosophische Frage, ob man einen Ort wie das Hamburger Volksparkstadion tatsächlich AOL-Arena nennen darf (mittlerweile hat es den Namen bereits mehrmals gewechselt).

Dabei wird deutlich, wie sehr bestimmte Marken uns eine Orientierung im Alltag liefern, auch wenn unser Umgang mit ihnen schon immer kritisch und ambivalent war (was sich z.B. im Text über die Öko-Zeitschrift natur" zeigt, in der die Leserbriefschreiber sich über Anzeigen beschwerten, aber auch begeistert das Merchandising des Magazins bestellten - einen Adventskalender mit Horrorbildern von sterbenden Bäumen und toten Tieren).

Bedauernswert ist allerdings, dass die Abbildungen nur Briefmarkengröße aufweisen und sie in ihrem verwaschenen Schwarz-Weiß nur einen schwachen Eindruck der besprochenen Bilder vermitteln. Wolfgang Ulrichs Texte liefern eine anregende Lektüre, die man sich gerade in den freien Minuten jenseits des alltäglichen Berufsstresses durchaus gönnen sollte, um einmal über die eigenen Vorstellungen von Fortschritt nachzudenken.


Lila Kühe leben länger. PR- Gags, die Geschichte machten
Lila Kühe leben länger. PR- Gags, die Geschichte machten
von Claudia Cornelsen
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Revue der PR-Gags, 11. November 2010
PR-Gags, die Geschichte machten" lautet der Titel eines recht ungewöhnlichen Buches zum Thema Öffentlichkeitsarbeit. In einem anderen Verlag hätte man das Werk wahrscheinlich einen Titel wie Das Lexikon der besten PR-Gags" verpasst. Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich um eine umfangreiche Anekdotensammlung. Berichtet wird von Menschen, Themen, Ereignissen und Firmen, die eines gemeinsam haben, sie haben mindestens einmal die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gefesselt.

Glücklicherweise folgt das vorliegende Buch bei aller zur Schau gestellten Lockerheit einer bestimmten Systematik. Die gemeinsamen Elemente und Strategien der vorgestellten PR-Gags werden analysiert und liefern ein grobes, doch plausibles Raster zur Kategorisierung. Dadurch ist die Lektüre der vielen Fallbeispiele, die mit viel Liebe zum Detail erzählt werden, nicht nur amüsant, sondern durchaus auch lehrreich.

Der Begriff PR-Gag ist dabei eher verwirrend, denkt man doch an gezielte Aktionen, die von professionellen Kommunikationsexperten erdacht und eingesetzt wurden. In dem Buch von Claudia Cornelsen wurden aber auch andere Geschichten aufgenommen, wenn sie nur irgendwie zu öffentlichen Diskussionen führten. So steht die Entdeckung Amerikas neben den zeitweiligen Verschwinden Agatha Christies (letzteres übrigens ein Schicksal, das neben der Krimiautorin auch der Milka-Kuh zuteil wurde).

Der Streit der Hersteller von Rasierklingen und Elektrorasierern um die richtige Rasur findet ebenso Platz in dem Buch wie Joseph Beuys und seinen Kunstaktionen. Diese Melange von unterschiedlichsten Fällen zeigt überraschende Zusammenhänge und Verwandtschaften auf. Der sehr saloppe Stil, der in seiner gewollten Leichtigkeit manchmal doch ungewollt verkrampft wirkt, garantiert eine kurzweilige und schnelle Lektüre.

Nur noch ein kritisches Wort zum Layout des Buches: So schön der Einband ist, der Rest des Buches ist leider gestalterisch wenige geglückt: Statt schiefer Seitenzahlen und Kühen zum Kapitelbeginn, beides anscheinend als Zeichen für unkonventionelles Auftreten gedacht, wären mehr Abbildungen wünschenswert gewesen - um genau zu sein: Das ganze Buch enthält kein einziges Bild.


Handbuch der Mediengeschichte.
Handbuch der Mediengeschichte.
von Helmut Schanze
  Gebundene Ausgabe

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Traditionsbewusstsein im Medienwandel, 11. November 2010
Sie haben schon etwas sympathisch Altmodisches, die Bücher des Alfred Kröner Verlags. Klassiker, Geschichte und Geisteswissenschaften dominieren das kleine, aber feine Verlagsprogramm dieses Traditionshauses. Kant, Platon, Machiavelli und Schopenhauer stehen auf der Autorenliste, außerdem Bücher wie das Deutsche Dichterlexikon" und das Bildwörterbuch der Kleidung und Rüstung". Irgendwie unpassend wirkt da eine Neuveröffentlichung, deren modernes Thema auf den ersten Blick so wenig mit dieser erlesenen Gelehrsamkeit zu tun hat: Das Handbuch zur Mediengeschichte", herausgegeben von Helmut Schanze, Professor an der Universität Siegen.

Medienhistorische Werke gibt es mittlerweile einige in Deutschland, dieses will dem Leser einen Überblick über die mediengeschichtliche Forschung geben. Neben Artikeln über Theorien und Konzepte der einzelnen medienwissenschaftlichen Disziplinen (von der Medienästhetik bis zur Medienökonomie), wird die Geschichte der einzelnen Medien in eigenen Kapiteln ausführlich erörtert. Dabei dominiert eine geisteswissenschaftliche Herangehensweise, die oft weniger eine Geschichte der Medien als eine Geschichte des Forschens und Nachdenkens über Medien ist.

Die Ergebnisse fallen dabei recht unterschiedlich aus: Einige Autoren kratzen noch nicht mal an der Oberfläche des behandelten Fachgebietes (z.B. die Abhandlungen über Medienrecht und Medienökonomie), während andere einen detaillierten und kenntnisreichen Bericht liefern. Selbst die ein bisschen abgehobenen geisteswissenschaftliche Beiträge, etwa zum Thema Mediengeschichte der Bildkünste" oder Mediengeschichte des Theaters", präsentieren sich da durchaus lesbar und erhellend. Die einzelnen Autoren haben allerdings manchmal recht unterschiedliche Herangehensweisen, wenn es darum geht, ihr Thema zu einzugrenzen.

So kommt es zu einigen offensichtlichen Lücken, die man bei einem Handbuch nicht erwartet hätte (etwa fehlt ein eigenes Kapitel über das Zeitungs- und Pressewesen). Ärgerlich ist ein Überbleibsel der Verlagstradition: Es gibt kein umfassendes Literaturverzeichnis, nach jedem Beitrag werden die zitierten Quellen aufgeführt, doch die Liste folgt der Erwähnung im Text und ist nicht alphabetisch. Eine Literatursuche wird da zum Geduldspiel.

Davon abgesehen bietet der Band eine Fülle von Informationen, und wer sich auf die Lektüre einlässt, findet jede Menge interessante Details. Im Beitrag über die Mediengeschichte des Drucks" wird beispielsweise auch kurz auf die Rolle des Gründers des Kröner-Verlages eingegangen, der vor mehr als hundert Jahren als Vorsitzender des Börsenvereines die Buchpreisbindung in Deutschland durchsetzte. Und in diese Tradition passt das Handwörterbuch der Mediengeschichte" dann doch perfekt.


Jahrbuch Markentechnik 2002/2003, m. CD-ROM
Jahrbuch Markentechnik 2002/2003, m. CD-ROM
von Leer
  Gebundene Ausgabe

3.0 von 5 Sternen Markentechniker und ihre Werkzeugkiste, 11. November 2010
Der Titel erinnert eher an Fachliteratur für Ingenieure: Wo bei anderen Publikationen marktschreierisch Schlagworte wie "Brand Leadership" oder "Mega Brands" auf dem Buchumschlag prangen, steht auf dem vorliegendem grauen Buchdeckel schlicht Jahrbuch Markentechnik 2002/2003". Diese Zurückhaltung ist natürlich gewollt - der Umgang mit Marken ist schließlich eine ernste Angelegenheit. Aber gerade diese Ernsthaftigkeit, die so vielen anderen schnell dahingeschriebenen Management- und Marketing-Büchern abgeht, zeichnet dieses Jahrbuch - wie auch schon deren Vorgänger - gerade aus.

Die versammelten Beiträge sind dabei keine weitschweifigen oder drögen wissenschaftlichen Abhandlungen, sondern eher kurze Texte, die zum Nachdenken anregen sollten. Der erste Teil des Bandes bietet acht Fallstudien, die alle lesenswert sind. Hier feiern sich eben nicht die großen Marken und millionenschweren Kampagnen, sondern eher die stillen Stars des Marketings: Von der Biokost-Handelsmarke Ja!Natürlich", über den Platow-Brief bis zur legendären Tupperware reichen die Beispiele. In den folgenden Teilen wird diese Richtung konsequent weiterverfolgt.

So werden Jazz- und Klassik-Schallplattenlabel dargestellt, um die Bedeutung des Stils (hier insbesondere bei der Cover-Gestaltung) für die Markenpflege herauszuarbeiten. In einem anderen Beispiel werden die Logos großer Unternehmen analysiert - mit verblüffenden Resultaten. Schon ein paar Abbildungen zeigen, wie Unternehmen bei ihrem Logo durch schlechtes Handwerk und plumpe Nachahmung wertvolle Kommunikationschancen verschenken. In dem eher theoretischen Teil werden einige der Instrumente aus dem Werkzeugkasten der Markentechniker vorgestellt.

Diese Beiträge schwanken zwar ein bisschen in ihrer Qualität, aber auch die schwächeren bieten immer noch genug Stoff zur Diskussion. Und manchmal berichten die Autoren über amüsante Details, wie beispielsweise das Schicksal des Osborne-Stiers. Als die Regierung Spaniens die zum Teil verrosteten Blech-Reklametafeln, welche die überdimensionale Silhouette eines Stiers zeigen, aus der Landschaft entfernen wollte, protestierten Tausende. Eine Werbeidee für Sherry hatte sich über die Jahrzehnte zu einem kulturellen Symbol und Teil der spanischen Umwelt entwickelt. So wurde der Stier zum ersten Werbetier, das unter Artenschutz gestellt wurde. Nicht zuletzt solche und ähnliche Beispiele machen das Jahrbuch der Markentechnik" zu einer lohnenden Lektüre.


Fern-Sehen im Alltag. Zur Sozialpsychologie der Medienrezeption
Fern-Sehen im Alltag. Zur Sozialpsychologie der Medienrezeption
von Ralph Weiß
  Taschenbuch
Preis: EUR 49,95

3.0 von 5 Sternen TV-Alltag für Theoretiker, 11. November 2010
Buchkritik (geschrieben 2002):
Fernsehen ist nicht nur einfach ein Teil unseres Alltags, es sogar ein wichtiger Teil, betrachtet man alleine die Zeit, die wir täglich vor dem Fernsehapparat verbringen. Welche Auswirkungen das wiederum auf unsere tägliches Leben hat, ist seit einiger Zeit Gegenstand der medienwissenschaftlichen Forschung, die allerdings kaum die Aufmerksamkeit eines großen Publikums erfährt.

Wenn sich die Öffentlichkeit mit Medienwirkungen beschäftigt, dann bevorzugt mit isolierten Teilaspekten, etwa die Effekte von Gewalt auf aggressives Verhalten oder wie politische Berichterstattung Wahlen beeinflussen kann. Doch der große Teil der Medienwirkungen ist weniger spektakulär und offensichtlich, aber trotzdem vorhanden. Fernsehen beeinflusst wie wir uns selbst, unsere Mitmenschen und unsere Gesellschaft sehen.

Was wir anstreben, was wir ablehnen und von was wir träumen wird auch durch TV-Bilder mitbestimmt. Der Medienwissenschaftler Ralph Weiß hat sich mit den Theorien und Befunden zur Medienrezeption in einer umfangreichen wissenschaftlichen Arbeit beschäftigt.

Allerdings wird auch dieses Werk kein großes Publikum finden, dafür ist es eben zu akademisch und verlangt vom Leser eine umfassende Vorbildung in soziologischer Theorie. Wer diese jedoch aufweisen kann, sollte die Studie von Weiß in die Hand nehmen, um eine tiefen Einblick in die Prozesse der Nutzung und Aneignung von Medieninhalten zu bekommen.


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