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Rezensionen verfasst von
Muggenhorst (Riesa)

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Sakrileg (Director's Cut): gekürzte Romanfassung
Sakrileg (Director's Cut): gekürzte Romanfassung
von Dan Brown
  Audio CD

3.0 von 5 Sternen Wird dem Medienhype nicht gerecht, 6. Dezember 2010
Ich gebe zu, dass ich vor Jahren ohne viel Vorwissen um den Inhalt an dieses Hörbuch gegangen bin, hatte aber schon einiges vom Medienhype darüber mitbekommen. Fand ich den Beginn mit seinen "Hasch mich, ich bin ein mutmaßlicher Mörder"-Verfolgungsjagden gar nicht mal so übel, sprangen dann bei den Stichworten "Heiliger Gral" und "Maria Magdalena" alle Alarmglocken bei mir an, hatte ich mir doch Anfang der 90er in einem Anfall jugendlichen Leichtsinns dass diesem Buch zugrundeliegende "Sachbuch" von Lincoln, Baigent und Leigh gekauft. Dessen Beruhen auf grobe Missinterpretation geschichtlicher Fakten seitens der Autoren sowie deren Aufsitzen auf den Fälschungen eines französischen Hochstaplers erkannte ich freilich erst Jahre später.

Eins muss man Dan Brown lassen. Er versteht es, aus geschichtlichen Häppchen, etwas Akte X und viel Zurechtbiegerei von nicht ins Gesamtbild passender Fakten so etwas wie einen zum wilden Seitenumblättern animierenden Plot zusammenzuzimmern. Dies funktioniert allerdings nur, wenn man mit nur sehr wenig bzw. keinem Vorwissen über die beschriebenen Baudenkmäler, Städte oder historische Personen herangeht. Ist man diesbezüglich schon etwas vorbelastet, schlägt die Begeisterung schnell in Missmut oder gar offenen Ärger um, da man sich stellenweise für dumm verkauft vorkommt. Zudem ist bei Brown der eigentliche Bösewicht für den Kenner seiner Bücher punktgenau und sehr früh zu bestimmen. Spannendes Miträtseln bleibt somit auf der Strecke.

Man muss "Sakrileg" sicherlich nicht in Bausch und Bogen verdammen, die teilweise überharsche Kritik - beispielsweise von Seiten der Kirche - ist mir ohnehin fremd. Es ist Unterhaltungsliteratur, nicht mehr und nicht weniger. Es hat seine Brown-typischen Schwächen wie Geschichtsklitterei, Logiklöcher, zu gewollte Cliffhanger und die albern amerikanische Sicht auf den Rest der Welt, aber für ein paar das Hirn freiblasende Lese- bzw. Hörstunden am Hotelpool langt das allemal. Zumal mit Wolfgang "Harrison Ford" Pampel ein echter Sprechergenuss am Mikro steht, der den gelegentlich arg hinkenden Plot mit seinem warmen Timbre spürbar aufwertet. Mir persönlich hat allerdings aus dem Hause Brown "Illuminati" deutlich besser gefallen.


Niko: Ein Rentier hebt ab
Niko: Ein Rentier hebt ab
DVD ~ Hannu Tuomainen
Preis: EUR 4,99

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erstaunlich!, 1. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Niko: Ein Rentier hebt ab (DVD)
Bis "Niko - Ein Rentier hebt ab" den Weg in die heimischen DVD-Bestände fand, war ich der festen Meinung, dass technisch überzeugende CGI-Trickfilme nur aus den USA stammen können. Alle bisherigen von mir gesehenen deutschen und europäischen Versuche hatten (wohl aus Budgetgründen) mit deutlichen Einschränkungen zu kämpfen. Perfekt animiertes Fell oder Wasser? Fehlanzeige! Wie man das grandios besser machen kann, wenn man nur die vorhandenen Ressourcen bündelt, zeigt diese finnisch-dänisch-irisch-deutsche Co-Produktion.

Zur Story: Rentierjunge Niko will endlich seinen Vater kennenlernen, der angeblich eines der fliegenden Rentiere des Weihnachtsmannes ist. Da er versehentlich ein Rudel hungriger Wölfe auf die Spur seiner Herde gebracht hat und seine Artgenossen Nikos Flugversuchen und Träumereien ohnehin äußerst ablehnend gegenüberstehen, büchst er kurzerhand aus und begibt sich auf die Suche, begleitet von seinem väterlichen Mentor, dem Flughörnchen Julius, und der Wieseldame Wilma, die sich für eine geborene Sängerin hält. Der Weg zum Wohnort des Weihnachtsmanns ist weit und voller Gefahren und die Wölfe haben die Spur ebenfalls aufgenommen...

Der Plot an sich ist erst einmal nicht sonderlich originell, denn eine Suche voller Gefahren thematisierten schon viele andere Filme des Genres von "Ice Age" bis "Findet Nemo". Dies wird aber durch die schon eingangs geschilderte technische Brillianz mehr als wettgemacht. So etwas wie die wilde Rutschpartie in einer Lawine oder die atemberaubenden Schneelandschaften bekam man aus Europa bisher nicht zu sehen - ganz große Klasse! Dazu kommt neben dem Humor auch das Gefühl nicht zu kurz, so dass jeder für seinen Geschmack etwas finden dürfte.

Dennoch zwei Warnungen: Auch wenn der Film oftmals als Weihnachtsmovie beworben wird - das Fest und der Weihnachtsmann selbst spielen nur eine Nebenrolle. Eher ist der Film als Wintermärchen zu verstehen, ein turbulentes Abenteuer im Schnee. Darüber hinaus ist ein elterlicher Probedurchlauf zu empfehlen, da der Anführer der Wölfe mit seinem rabenschwarzen Fell und den stechend gelben Augen ein rechtes Ungetüm ist. Ich war daher auch recht skeptisch, doch mein Dreijähriger zeigte keinerlei Angst sondern feuerte eher lautstark die Protagonisten an und freute sich wie Bolle, wenn sie den Verfolgern wieder einmal entwischten. Da man solch eine beruhigende Erfahrung nicht generalisieren sollte, mag sich jeder Erziehungsberechtigte ein eigenes Bild der Lage machen.

Die deutsche Synchronisation ist sehr gut gelungen, wobei (bis auf die auch mit diversen Gesangseinlagen vertretene Barbara Schöneberger in der Rolle der Wilma sowie Detlef Bierstedt als Chef der "Fliegenden Truppe") auf bekannte Sprecher weitestgehend verzichtet wurde. Der Sound rumpelt in den actionreichen Szenen mit ordentlich Druck aus den Boxen und auch in puncto Bild kann man nicht meckern. Dazu diverses Bonusmaterial, vier Fensterbilder der Helden zum Aufkleben und ein schick glitzerndes DVD-Cover - eine für mich super Mischung, mit aufregendem Spaß für die ganze Familie.


Time to Move
Time to Move
Preis: EUR 6,61

4.0 von 5 Sternen Rumpelndes aus Münster, 25. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Time to Move (Audio CD)
Wenn in der laut LivCom-Award "lebenswertesten Stadt der Welt" Münster mal eben so ein Debütalbum aus dem Armel geschüttelt wird, das dem geneigten Hörer ordentlich den Rost aus den Knochen zu pusten weiß, dann ist das schon mehr als nur bemerkenswert. Im beschaulichen Westfalen entstand somit ein echter Crossover-Kracher, der deutlich mehr als nur mehrere Hitsingles mit putzigen Musikvideos aufzubieten hat. Zwar erfanden die Mannen um Henning Wehland das Genre nicht neu, für deutsche Ohren gab es da zuvor aber vergleichsweise wenig zu hören, gleich gar nicht im Lichte einer breiten Medienöffentlichkeit.

Es rumpelt, kracht und scheppert also an allen Enden, dies alles getragen von einem zur körperlicher Aktivität anregenden Beat. Gelegentlich vermeint man diverse Vorbilder um die Ecke schauen zu sehen, wie beispielsweise die Red Hot Chili Peppers bei "Say Baby" (ein wild dazu springender Flea drängt sich da vor meinem inneren Auge förmlich auf), dies ist aber alles andere als pures Epigonentum. Vielmehr liefert man mit "Move" ein wirkliches Brett ab, nicht zu Unrecht als Single ausgewählt.

Erst bei Track gibt es mit der Ballade "Little Girl" eine kleine Atempause, doch selbst die entfaltet noch ausreichend Druck, um den Gesamteindruck des Albums aufrecht zu erhalten. Sollte trotzdem der unwahrscheinliche Fall eingetreten sein, diesen Song zu schlaff zu finden, wird schon unmittelbar darauf mit "Risin' High" der Puls wieder ordentlich in die Höhe gejagt. Sägende Megaphon-Raps á la Mike D (Beastie Boys) wechseln sich ab mit amtlichem Gitarren-Geknüppel. Sehr fein, das! "Real Love" packt noch mal ordentlich Speed drauf, falls es also jemanden bis dato zu langsam zugegangen sein sollte - bitte sehr, damit kann im Wortsinn schnellstens Abhilfe geschaffen werden, wie auch bei "Go Freaky".

In der Summe gesehen ein erstaunliches Debütalbum, dem - in der Gesamtheit betrachtet - vielleicht ein wenig die Abwechslung abgeht, dies führt aber nur zu minimalen Abstrichen.


Das soll der Dieb mir büßen
Das soll der Dieb mir büßen
von Juri Kowal
  Gebundene Ausgabe

4.0 von 5 Sternen Außergewöhnlicher Kinder-Krimi, 24. November 2010
Normalerweise hielt sich die DDR bei der Übersetzung ausländischer Buch- und Filmtitel geradezu sklavisch genau an den Originalnamen, selbst wenn dies (beispielsweise aufgrund kultureller Hintergründe) zu Lasten der Verständlichkeit ging. Anders liegt der Fall bei diesem Kinderbuch des 1998 verstorbenen sowjetischen-russischen Schriftstellers Juri Kowal aus dem Jahre 1976. Dem Originaltitel "Fünf gestohlene Mönche" kam die 1978 erschienene bundesdeutsche Übersetzung aus der Feder des umstrittenen Hans Baumann mit "Fünf Tauben und sechs Gauner" deutlich näher als die ein Jahr später erschienene DDR-Variante unter dem für ostdeutsche Verhältnisse ungewohnt reißerischen Titel "Das soll der Dieb mir büßen!".

Die Handlung: Vom Dach eines Moskauer Hauses sind fünf wertvolle Zuchttauben (im Original "Mönche", in der deutschen Übersetzung "Kapuziner", gemeint sein könnten eventuell Süddeutsche Mönchtauben) gestohlen worden. Besitzer Brezel, ein junger Taubennarr, schwört Rache und begibt sich mit seinem Bruder Jurka auf die Suche, die sie bis vor die Tore Moskaus in das seltsame (und fiktive) Stätdchen Karmanow führt. Dort scheint ein mysteriöser Mann namens Leder mehr zu wissen, aber dessen Absichten scheinen alles andere als legal...

Dieses Buch, das vom Ostberliner Kinderbuchberlag eine Altersempfehlung von 10 Jahren erhielt, könnte meines Erachtens nach Leser dieser Jahrgänge nach dem spannenden Beginn etwas überfordern. Zu abgedreht werden Plot und Illustrationen, wo es von Menschen mit Bananennasen und Vogelkörpern, gesichtslosen Kapuzinermönchen und einem von Alpträumen geplagten Dieb nur so wimmelt. Zudem fährt Kowal schweres Bildungsgeschütz auf, in dem er in einem russischen Dampfbad zwei Schwitzgäste in Gestalt der altrömischen Größen Tibull und Tiberius miteinander diskutieren lässt. Dies ist zwar, wie auch die urkomische Szene im Karmanower Schießstand, höchst unterhaltsam, aber für ein Kinderbuch wohl etwas heftiger Stoff.

Ich habe mir im Erwachsenenalter einen erneuten Lesedurchgang gegönnt, um im Vergleich zu meinen jüngeren Jahren einige Neuentdeckungen zu machen. Ein Buch, das solche Eigenschaften in sich birgt, darf mit einer guten Bewertung rechnen, auch wenn man hier keine reinrassige Detektivstory erwarten sollte. Vielmehr findet man eine sehr realistische Schilderung des tristen sowjetischen Alltags der 70er Jahre mit all seinen Widrigkeiten vor, dem die Bevölkerung mit Witz und Improvisationstalent zu begegnen sucht. Ein außergewöhnliches Buch mit sehr abgedrehten Illustrationen von Werner Laube - ein Geheimtip!


Die Fussball-EM ~ Klassikersammlung 5 ~ Deutsche Triumphe, alle grossen Spiele ~ Halbfinale 1996 ~ Deutschland-England 7:6 n. V.
Die Fussball-EM ~ Klassikersammlung 5 ~ Deutsche Triumphe, alle grossen Spiele ~ Halbfinale 1996 ~ Deutschland-England 7:6 n. V.
Wird angeboten von dvd-schnellversand
Preis: EUR 7,79

5.0 von 5 Sternen Ein wahrer Klassiker, 22. November 2010
Analog zu der zwei Jahre zuvor erschienen WM-Klassikersammlung veröffentlichte die "BILD am Sonntag" zusammen mit dem Sammelserien-Spezialisten DeAgostini im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft 2008 eine 40 Ausgaben umfassende Reihe, die große Partien der deutschen Elf bei europäischen Turnieren sowie einige Klassiker ohne deutsche Beteiligung in nicht-chronologischer Reihenfolge enthielt. Allen Scheiben war ein Begleitheft mit weiterführenden Informationen über Vorgeschichte, Hintergründe sowie statistischen Elementen wie Aufstellungen etc. beigefügt.

Partien zwischen England und Deutschland sind selten langweilig gewesen, aber dieses Halbfinale beim Heimturnier der "Three Lions" 1996 darf sich ruhigen Gewissens in die Klassikergalerie einreihen. Im wahrscheinlich besten Spiel der EM schenkten sich beide Teams nichts und stürmten in der Verlängerung trotz des drohenden KOs durch "Golden Goal" todesmutig auf den jeweils gegnerischen Kasten, wovon zwei Fast-Tore Englands (Anderton, 93. Minute, Gascoigne, 99. Minute) sowie ein wohl fälschlich nicht gegebener deutscher Treffer durch Stefan Kuntz (96. Minute) zeugen. Mehr Dramatik geht nicht!

Doch betrachtet man das Spiel in seiner Gesamtheit, erarbeitet es sich seinen bis heute sehr guten Ruf durch deutlich mehr als sein hochspannendes Ende mit Verlängerung und dem wieder einmal für die DFB-Elf siegreich ausgegangenen Elfmeterschießen. Denn auf diesem Semi-Finale lag eine ganze Menge historischer Ballast und eine durch die britische Schundpresse aufgeheizte Atmosphäre, die sich im Stadion glücklicherweise nur in lautstarken Pfiffen bei der deutschen Nationalhymne und einigen minderschweren Rangeleien auf dem Rasen äußerte. Bei einer solchen Unbeherrschtheit brachte sich Andreas Möller dank der zweiten kassierten Gelben Karte auch gleich um sein Finalticket. Im Bewußtsein dieser Situation auch noch den alles entscheidenden Elfmeter zu verwandeln - Respekt! Das täuscht natürlich nicht darüber hinweg, dass trotz der vom verletzten Jürgen Klinsmann übernommenen Kapitänsbinde Möllers ein ganz anderer Spieler deutlich bemerkbar Chef im Ring war: "Motzki" Matthias Sammer. Gut zu sehen in einer auch in Zeitlupe wiederholten Szene, in der er Möller wegen dessen miserabler Abwehrleistung erst lautstark zusammenfaltet, um ihn dann gönnerhaft zur Versöhnung zu sich zu winken.

Man darf sich bei diesem Match also an vielerlei erfreuen. Eine deutsche Mannschaft, die trotz des Rückstands nach nicht einmal 3 Minuten nie aus der Ruhe gekommen und somit folgerichtig auch schon bald zum Ausgleich gelangte, der heute nur noch für traurige Schlagzeilen sorgende Paul Gascoigne in einem seiner letzten großen Auftritte, einen aufopferungsvoll und teilweise verletzt kämpfenden Thomas Helmer sowie eine fantastisch stimmungsvolle Atmosphäre im altehrwürdigen Wembley-Stadion. Dazu noch ein stellenweise hochklassiges Spiel und ein paar Kuriositäten wie ein Gascoigne-Double im Publikum. Auch Kommentator Gerd Rubenbauer trägt eher unfreiwillig zum Amüsement bei, indem er den (aufgrund des von den Fans zu früh einsetzenden Singens der englischen Nationalhymne zur Tatenlosigkeit verdammten) Popstar Paul Young permanent als George Michael bezeichnet oder nach Andertons Pfostentreffer in der Verlängerung fragt "War das die ausgleichende Gerechtigkeit für Wembley 1966?" Nee, Rubi, die gab es erst 14 Jahre später in Bloemfontein...

Alles in allem ein Highlight der EM-Klassikersammlung!


Loser
Loser
Wird angeboten von Music-CD-Connect-ccm_Germany
Preis: EUR 7,90

4.0 von 5 Sternen Groovy, 18. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Loser (Audio CD)
Da von dieser Single-Veröffentlichung diverse Formate mit differierendem Tracklisting existieren, eine Anmerkung vorneweg: Diese Rezension bezieht sich auf die vier Songs enthaltende Veröffentlichung von 1994.

"I'm A Loser Baby, So Why Don't You Kill Me?" Dieses lässig hingerotzte Statement passt wie die Faust aufs Auge für die 1994 mit dem Tod von Kurt Cobain zeitweise völlig gelähmte Grunge- und Alternativ-Szene, auch wenn der Song schon im Jahr zuvor in Kleinstauflage bei einem Minilabel erschienen war. Doch erst mit der Wiederauflage beim mächtigen Geffen-Konzern schoss die schräge Nummer auf hohe Chartspositionen (Platz 10 in den USA, immerhin Position 18 in Deutschland). dabei hat "Loser" bei Lichte gesehen alles andere als Hitpotential. Herr Hansen rappt mit Absicht leicht neben der Spur, alle Instrumente klingen irgendwie verstimmt, der Track schlurft im Zeitlupentempo vor sich hin und der Text ist ist an Abgedrehtheit auch kaum zu überbieten. Aber irgendwie ist die Nummer mit den Sitarklängen in ihrer Schluffigkeit verdammt cool.

In diesem Stile geht es weiter, auch "Totally Confused" klingt wie aus einer Riesen-Marihuanawolke vorgetragen. Ein dominierender Bass plongt nebst unterstützendem Schlagzeug scheinbar ziellos vor sich hin, während Beck damenunterstützt über die Liebe räsoniert. Das hat fast schon Woodstock-Qualitäten! "Corvette Bummer" hingegen läd trotz schaumgebremstem Tempo dank seines lässigen Grooves sogar zum gepflegten Abhotten ein. Sehr genehm, das!

Das wenig schmeichelhafte Statement "MTV Makes Me Want To Smoke Crack" gibt gleichnamigen Song seine Titelzeile - wenn ich mich recht erinnere, war die damals noch hauptsächlich Musik sendende Station so selbstironisch, dies als gelegentlichen Jingle einzuspielen. Der gesamte Song ist eine interessante Soundcollage, die ein wenig planlos beginnt, sich dann aber dann zu einer Las Vegas-Entertainernummer á la "Ratpack" entwickelt. Ungewöhnlich, aber gut, was für die gesamte Maxi-CD gilt. Knapp 16 Minuten originelle Alternative-Musik!


Wunderwelt Magie.
Wunderwelt Magie.
von Jochen Zmeck
  Broschiert

4.0 von 5 Sternen Die Geschichte der Zauberkunst, 16. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Wunderwelt Magie. (Broschiert)
In den frühen 80er Jahren bekam ich von meinen Eltern einige Bücher aus dem Ostberliner Henschel Verlag geschenkt, die sich mit der historischen Betrachtung von Zirkusgeschichte, Raubtierdressur und der Zauberkunst befassten. Eines dieser Bücher ist das erstmals 1966 erschienene "Wunderwelt Magie" des in der DDR aus zahlreichen Fernsehsendungen bekannten Künstlers Jochen Zmeck.

Der Autor berichtet in einer kurzen biographischen Abhandlung von seiner eigenen Faszination aus Kindertagen, die ihn dazu brachte, sich näher mit der Thematik zu befassen, erste kleine Kunststücke zu entwickeln und zu präsentieren, um schließlich seinen Lehrerberuf gegen die Bühnentätigkeit zu tauschen. Dies nimmt jedoch nur einen kurzen, einleitenden Teil des Buchs ein, wird doch dem Leser ein breites Panorama zur Geschichte magischer Tricks vom Altertum bis zu den Großillusionen moderner Tage. Gelegentlich wird die eine oder andere Artistenbiografie etwas näher beleuchtet, im Mittelpunkt stehen jedoch die allgemeinen Entwicklungen und Wandlungen im Laufe der Zeiten. Dennoch finden sich in diesem Buch Dutzende sowohl bekannte als auch leider vergessene Namen, so dass sich für den interessierten Leser private Nachforschungen zu weiterer Information durchaus lohnen.

Bleibt das Buch angesichts der behandelten Materie weitestgehend ideologiefrei, wird im Kapitel, das sich mit der ereignisreichen Lebensgeschichte des im Dritten Reichs ermordeten Erik Jan Hanussen beschäftigt, richtig schweres Geschütz aufgefahren, indem in einem Abwasch gleich das gesamte Parapsychologen- und Esoterik-Gewerbe in einen großen politischen Kontext gesetzt wird, der im Kapitalismus-Sozialismus-Klassenkampf gipfelt. Ob solche Äußerungen pflichtschuldige Erfüllung vorgegebener Auflagen oder überzeugte private Meinung des Autors waren, vermag ich nicht abschließend einzuschätzen.

Dies stört den Gesamteindruck aber nur unwesentlich. Ein Sammelsurium von historischen Anekdoten, interessanten Lebensläufen und der Erklärung des einen oder anderen Tricks, auch wenn man hier freilich nicht die großen Enthüllungen erwarten sollte. Dazu ist der Autor - selbst Mitglied des Magischen Zirkels von Deutschland - zu sehr dem Ehrenkodex der Branche verpflichtet.


Der Mondbär Collection 2, Folgen 23-44 [3 DVDs]
Der Mondbär Collection 2, Folgen 23-44 [3 DVDs]
DVD ~ John Patterson
Preis: EUR 19,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Neue Mondbär-Abenteuer, 8. November 2010
Endlich ist er zurück! Alles was schon die erste Staffel der Mondbär-Abenteuer so liebenswert machte, ist bei diesen neuen 22 Folgen mit Geschichten nach den Kinderbüchern von Rolf Fänger und Ulrike Möltgen erhalten geblieben. Noch immer können die kleinen Zuschauer mit wunderschön gezeichneten und animierten Sympathieträgern wie dem hilfsbereiten Mondbären, dem stets tollpatschigen Hasen, dem weisen Raben Jonathan oder dem putzigen Marienkäfer mitfiebern, auch der trotz seiner gelegentlichen Boshaftigkeiten liebenswerte Fuchs Reinecke ist wieder mit von der Partie.

Etwas breiterer Raum als in der ersten Staffel wird den beiden Tüftler- und Flieger-Geschwistern Polly und Pollux eingeräumt, die ihre Waldfreunde bei Schnitzeljagden, Rettungsaktionen und anderen aufregenden Tätigkeiten mit allerlei Technikkram unterstützen. Dies alles ist in prächtigen und sehr plastisch dreidimensional wirkenden Farben gezeichnet, neben allerlei Musik- und Gesangseinlagen ein tolles Sinneserlebnis für die Kids, nicht zuletzt aufgrund der äußerst gelungenen Sprecherleistungen. Allerdings befinden sich wie auch schon in der ersten Box ein paar leicht gruslige Episoden auf diesen DVDs, Eltern sollten also vielleicht erst einmal probesehen, um für diese Folgen rund um das finstere Tal und die in dieser Gegend hausenden Krähen ihr Okay zu geben.

Technisch gibt es an diesen insgesamt 264 Minuten nichts auszusetzen. Das Bild (16:9 anamorph codiert) ist klar und farbenkräftig, der Dolby Digital 5.1-Ton liegt sowohl in Deutsch als auch in Englisch vor. Dazu kindgerechte Geschichten, die ohne erhobenen Zeigefinger Spaß und Werte wie Hilfsbereitschaft, Mitgefühl und Freundschaft vermitteln - es darf ohne viel Federlesens zum Kauf geraten werden!


The Memory of Trees
The Memory of Trees
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 7,89

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gewohnte Klänge, 6. November 2010
Rezension bezieht sich auf: The Memory of Trees (Audio CD)
Das Gute an Enya-Alben ist für mich die Tatsache, dass man so herrlich kontrovers darüber diskutieren kann. Wunderschöne Kontinuität oder der in Töne gegossene Stillstand, das Hochhalten irisch-keltischer Traditionen oder mit Klangbombast überzuckerter Edelkitsch - so ganz wird man sich da wohl nie einigen können. Ich gebe zu, dass ich die Erzeugnisse aus dem Hause Bhraonáin/Brennan auch nicht täglich genießen kann, aber bei entsprechender Situation und Gefühlslage gibt es wenig, das mir derart innere Ruhe verschafft.

Auch beim vierten Album geht es aus oben genannten Gründen vertraut zur Sache. Getragenes Tempo, vielfältige Hall- und Soundeffekte plus Enyas gar nicht mal umfangreiche, aber dennoch sehr berührende Stimme, die sowohl englische als auch lateinische und gälische Texte interpretiert, erzeugen einen Film im Kopf, bei dem man buchstäblich ganze Heerscharen von Tolkienschen Fantasy-Gestalten durch abenteuerliche Landschaften wandeln sieht. Herausragend hierbei "Pax Deorum", das mit seinen düsteren Klängen eine bedrohliche Atmosphäre erzeugt. "Anywhere Is" hingegen gelangte durch umfangreichen Radioeinsatz zu Weltruhm (immerhin Platz 7 in den britischen Charts).

Gelegentlich rutscht die Irin aber doch deutlich über die Kitschgrenze ("Hope Has A Place"), zudem ist im Allgemeinen die Gefahr der Verwechselbarkeit einzelner Songs aufgrund der gelegentlich sehr ähnlichen Arrangements groß. Eine echte Ausnahme bietet da "Tea-House Moon" mit seinen asiatisch angehauchten Sounds. Und für Enya-Verhältnisse geradezu fröhlich-optimistisch geht das Album mit "On My Way Home" zu Ende. Insgesamt eine wiederum typische Veröffentlichung, die an schlechtgelaunten Tagen drei, an melancholischen vier Wertungspunkte einfährt.


Friedrich der Grosse, 2 CD-Audio
Friedrich der Grosse, 2 CD-Audio
von Günter Sauer
  Audio CD

3.0 von 5 Sternen Für eine ausgewogene Biografie unzureichend, 5. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Friedrich der Grosse, 2 CD-Audio (Audio CD)
Eines sollte man nicht erwarten, wenn man sich diesem Hörbuch nähert - eine ausreichend breit dargestelle biographische Darstellung Friedrichs des Großen. Es handelt sich vielmehr um ein auf 2 CDs gepresstes Radiofeature des ehemaligen SFB, dem Christian Graf von Krockows bekanntes Standardwerk zur Thematik zugrunde liegt. Angereichert wird das von mehreren Sprechern in Gestalt der Bühnenschauspieler Peter Fricke, Gert Haucke und Günther Sauer interpretierte Stück von zeitgenössischer Musik und zur Steigerung der Dramatik angewendeten Soundeffekten wie Trommeln bei der Schilderung von Kriegshandlungen etc.

Ein derartig schillerndes und bis heute kontrovers diskutiertes Leben wie das des Preußenherrschers kann man nur schlecht in etwa 2 Stunden Sprechzeit abhandeln. Zu vielfältig die zu beleuchtenden Stationen, charakterlichen Wandlungen und politisch wie militärische Verdienste und Verfehlungen. Daher pickt sich diese Veröffentlichungen ausgewählte Stationen zur näheren Beleuchtung heraus, während andere nur kurz erwähnt oder gänzlich unter den Tisch fallen gelassen werden. Alleine bis im Feature Friedrich die Königswürde übernimmt, ist schon die geschlagene Hälfte der Spieldauer vorbei, da dem sicherlich lebens- und charakterprägendem Verhältnis zu seinem unbarmherzigen Vater, dem "Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I., breiter Raum eingeräumt wird.

Man kann sich diesem Audioerlebnis sicherlich zur Erst- und Grundinformation widmen, für die intensivere Beschäftigung mit einem prägenden Stück preußischer und deutscher Geschichte sollte man aber doch eher zu Gedrucktem greifen.


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