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Rezensionen verfasst von
Hansjörg

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Langenscheidt Arzt-Deutsch/Deutsch-Arzt
Langenscheidt Arzt-Deutsch/Deutsch-Arzt
von Eckart von Hirschhausen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,99

141 von 145 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lachen, wenn der Arzt kommt, 25. Juni 2007
Als vor einigen Monaten die Gesundheitsreform verabschiedet wurde, haben einige Spitzenpolitiker von einem Quantensprung in der Gesundheitspolitik" gesprochen. Das klingt erst mal ziemlich beeindruckend. Physikalisch gesehen ist ein Quantensprung jedoch definiert als die kleinstmögliche Zustandsänderung - meist von einem hohen auf ein niedriges Niveau."

Es stellt sich also die Frage: Darf man sich über so etwas Ernstes wie Medizin und Gesundheit lustig machen? Man sollte sogar. Das meint zumindest Dr. med. Eckart von Hirschhausen in seinem Buch Arzt - Deutsch Deutsch - Arzt".

Wer dabei allerdings nur ein reines Wörterbuch der Arztsprache vermutet, wird enttäuscht werden. Natürlich erfährt man auch, was Begriffe wie z.B. Arachnophobie (die Angst vor Spinnen) oder Claustrophobie bedeuten (die Angst verrückt zu werden, durch alkoholfreies Bier). Doch das kleine Langenscheidt-Büchlein ist vielmehr. Ein wertvoller Helfer, das den Patienten vom ersten Symptom über die Praxis, der Klinik bis hin zum lachenden Ende begleitet.

Denn Lachen ist - frei nach Hirschhausen - die beste Medizin. Das ist sogar statistisch erwiesen: Ein Kind lacht 400-mal am Tag, ein Erwachsener 20-mal, ein Toter gar nicht. Das leuchtet selbst dem mathematischen Laien ein.

Besonders angetan hat mir das Kapitel Halbgötter und Halbengel". Hier bricht Hirschhausen seine Schweigepflicht und nimmt uns mit, hinter die Kulissen auf Station". Wir erfahren, wie man am Inhalt der Kitteltasche Hierarchiestufe und Qualifikation des Trägers erkennen kann (Der Chef hat grundsätzlich keinen Piepser. Er meldet sich, wenn ihm danach ist), was die Visite mit einer katholischen Prozession zu tun hat, und warum einige Ärzte - obwohl sie es besser wissen müssten - trotzdem rauchen und saufen. Genau genommen ist das eigentlich kein Widerspruch. Denn Halbgötter sind schließlich unsterblich...

Aber das Buch ist nicht nur brüllend komisch, sondern man lernt auch eine Menge. Auch dann, wenn man vom Fach ist. Oder wussten Sie, dass man seit Mitte der 90ger-Jahre den Penisbruch auch als Morbus Bohlen" bezeichnet? So etwas steht noch nicht einmal im Pschyrembel!

Genauso wenig wie übrigens Hirschhausens Hypochonder-Test" oder die Checkliste Arztpraxis". Durch einen einfachen Multiple Choice Fragebogen kann der Leser seinem eigenen Arzt eine Ferndiagnose" stellen. Der ein oder andere Mediziner mag das vielleicht als Blasphemie ansehen. Auf der anderen Seite hat jeder Arzt den Großteil seiner Qualifikation ebenfalls durch Ankreuzen erworben. (Verzeihung, aber diese kleine Spitze konnte ich mir als Naturwissenschaftler nicht verkneifen.)

So gelingt es Eckart von Hirschhausen auf intelligente und charmante Weise, den ärztlichen Standesdünkel vorzuführen ohne dabei den Respekt gegenüber der Medizin und seiner Vertreter zu verlieren. Denn das, was ihm wirklich am Herzen liegt, ist die menschliche Komponente im Gesundheitswesen. Oder anders gesagt: Heil-Kunst ist sehr oft einfach nur die Kunst, dem Patienten die Zeit zu vertreiben, die der Körper braucht, um sich selbst zu helfen."

Deswegen empfehle ich zusätzlich, sich Herrn von Hirschhausen auch einmal live anzusehen. Zur Zeit tourt er mit seinem aktuellen Kabarettprogramm Glücksbringer" auf deutschen Bühnen. Und glauben Sie mir: Es wirkt! Doch vorher lesen Sie Arzt - Deutsch Deutsch - Arzt. Rezeptfrei in jeder Buchhandlung; geeignet für Gesunde, Kranke, Hypochonder, Arztverweigerer, Privat- und Kassenpatienten; Preis: Weniger als die Praxisgebühr.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 20, 2009 2:45 AM MEST


Braintertainment: Expeditionen in die Welt von Geist & Gehirn
Braintertainment: Expeditionen in die Welt von Geist & Gehirn
von Manfred Spitzer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,99

106 von 113 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Da freuen sich die Synapsen!!!!, 27. November 2006
Mit dem menschlichen Gehirn hat die Evolution zweifellos ihr Spitzenprodukt hervorgebracht. Ein 1,4 kg schwerer, glibbriger Klumpen aus 100 Mrd. Nervenzellen. Dabei ist rein körperlich gesehen ein großes Gehirn so ziemlich das lästigste, was es gibt. 20 Prozent der gesamten Energiezufuhr gehen direkt in die Birne – ob man will oder nicht. Und für die wirklich wichtigen Dinge braucht man es nicht mal. Schlafen, essen und Sex – dafür reicht im Prinzip das Rückenmark.

Warum also leistet sich die Evolution so eine unglaubliche Verschwendung? Weil der Mensch nichts besonders gut kann – außer Denken. Damit haben wir das Feuer und die Relativitätstheorie entdeckt, haben das Rad, die Teflonpfanne und schließlich den Klingelton erfunden.

Unser Hirn hat nur einen einzigen Wunsch: Es will beschäftigt werden. Viele wissen das nicht und schonen es daher. Ein großer Fehler, denn unser Gehirn braucht ständig Futter. Und nicht nur das. Erst seit kurzem ist bekannt: Neben den Zutaten ist die Zubereitung mindestens genauso wichtig.

In „Braintertainment“ stimmt beides. Hier vermitteln 18 hochqualifizierte Kopfarbeiter die Erkenntnisse der modernen Gehirnforschung genau so, wie es unserem Hirn am besten schmeckt: Ein intelligentes 17-Gänge-Menü gespickt mit den neuronalen Geschmacksverstärkern Kurzweiligkeit, Überraschung und Witz!

Wenn z.B. Wulf Bertram selbstironisch über „Transkranielle Mandelkernmassage“ referiert oder Manfred Spitzer über den Handel mit Varianzanalysen, dann ist das ein Schlag auf die Großhirnrinde für all diejenigen, die meinen, wissenschaftliche Forschung sollte doch bitte möglichst kompliziert verfasst und damit nur einem elitären Fachpublikum zugänglich sein.

Die Autoren von Braintertainment pfeifen auf den wissenschaftlichen Elfenbeinturm und sehen die Sache statt dessen mit viel Humor. Der ist übrigens noch immer nicht ganz verstanden. Zwar weiß man schon seit langem, dass Patienten mit rechts frontalen Schäden unter bleierner Humorlosigkeit leiden (der Umkehrschluss gilt selbstverständlich nicht). Gleichzeitig fand man jedoch keinen Hinweis auf ein klar abgegrenztes Humorgebiet im Gehirn. Im Gegenteil. In unserem Oberstübchen ist offenbar alles mit allem verbunden. So ähnlich wie bei unserem Körper auch: Wenn man sich am Allerwertesten ein Haar ausreißt, dann tränt das Auge.

Spannend auch das Phänomen „Glück“. Wir fühlen uns immer dann glücklich, wenn in unserem Frontalhirn hirneigene Endorphine ausgeschüttet werden. Das passiert bei den unterschiedlichsten Tätigkeiten. Ob man also die Kurven einer Frau anguckt oder eine mathematische Kurvendiskussion durchführt – dem Hirn ist das offensichtlich egal.

Aber gerade als Physiker weiß ich natürlich, dass vieles, was wir als Wirklichkeit bezeichnen, nur eine Illusion ist. Wenn Sie z.B. eine Frau küssen, dann bauen die Elektronenwolken der Atomkerne Ihrer Lippen eine elektromagnetische Wechselwirkung auf. Obwohl Sie sich also zueinander hingezogen fühlen, sind es in Wirklichkeit die Abstoßungskräfte, die unser Gehirn als körperlichen Kontakt interpretiert. Wie genau es das macht, das ist immer noch nicht ganz geklärt. Selbst der freie Wille ist anscheinend nur ein cleverer PR-Gag unseres Hirns, der uns das Gefühl geben soll, wir hätten auch etwas zu melden.

Wussten Sie übrigens, dass man ursprünglich den morgendlichen Nasenschleim für ein Abfallprodukt des Gehirns gehalten hat? So was steht auch im Buch. Natürlich lächeln wir heute darüber. Aber dieses Beispiel zeigt, dass wissenschaftlicher Fortschritt eben nur erreicht wird, indem man das Risiko von Irrtümern eingeht. Noch vor 150 Jahren haben bayerische Ärzte geglaubt, dass Bahnfahren unausweichlich zu psychischen Erkrankungen führt. Und als 2003 das neue Tarifsystem eingeführt wurde, konnte man es auch nachweisen.

So zeigt jedes Kapitel von Braintertainment einen neuen, spannenden Blick auf unser Gehirn und lässt erahnen, wie vielschichtig und fachübergreifend Hirnforschung ist. Wenn Sie also erfahren wollen, wie Sie ihr Gehirn bei einer Darmspiegelung überlisten können, was Psychopharmaka tatsächlich bewirken oder warum sich (nicht nur das männliche) Auge so leicht täuschen lässt, dann lesen Sie dieses Buch. Die Herausgeber Manfred Spitzer und Wulf Bertram hatten dafür zwei Beweggründe: „Hirnforschung ist viel zu spannend, um sie dem Elfenbeinturm zu überlassen.“ Und: „Ein vergnügtes Gehirn lernt besser als ein angestrengtes.“ Großes Kompliment an die Autoren. Ziel erreicht! Ich jedenfalls habe jede Seite genossen.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 8, 2010 8:41 AM MEST


Wenn du schläfst: Roman
Wenn du schläfst: Roman
von Matias Grzegorczyk
  Gebundene Ausgabe

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Herz, Hirn und Eier, 1. September 2006
Rezension bezieht sich auf: Wenn du schläfst: Roman (Gebundene Ausgabe)
Bernd Eichinger sagte einmal: „Um ein gutes Buch zu schreiben, braucht man Herz, Hirn und Eier!“ Das trifft bei diesem Roman voll ins Schwarze. „Wenn Du schläfst“ ist ein herausragendes Erstlingswerk mit einem sehr durchdachten, spannenden Plot, einem markanten, fesselnden Schreibstil und das – für mich – Überzeugenste: Autentizität. Wer so schreibt, der hat eine Menge Lebenserfahrung. Hut ab, Herr Grzegorczyk!


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