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Rezensionen verfasst von
Matthias Reisinger
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Die Macht der Familie
Die Macht der Familie
von David Landes
  Broschiert
Preis: EUR 14,95

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zu hohe Erwartungen an das Buch, 2. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Macht der Familie (Broschiert)
Ich las vor einiger Zeit das Buch "Wohlstand und Armut der Nationen" dieses Autors. Aufgrund der gewonnenen Einsichten, des aufgrund der guten Übersetzung sehr angenehmen Sprachstils und der plausiblen Gesamtdarstellung habe ich ebenso dieses Werk des Autors gewählt, ohne ein primäres Interesse an familiäre Wirtschaftsdynastien zu haben.
Doch dieses Buch kann nicht annähernd an sein großes Werk anknüpfen und nach den "Rothschilds" habe ich beschlossen, die Lektüre zu beenden. Alleine das Layout ist schon verräterisch: Oft habe ich die Erfahrung gemacht und dies wurde hier wieder bestätigt, dass ein eineinhalbzeiliger Abstand weniger aus Rücksicht auf den Leser gewählt wird, sondern eher um künstlich Masse zu generieren. Meist sind Werke in diesem Stil dann auch wenig essenziell (Quantität vor Qualität). Einige wenige Charaktermerkmale erfolgreicher Familien werden herausgeschält und ständig wiederholt, willkürliche Auszüge aus Biografien gewählt, die etwas untermauern sollten, was nie ausgeführt worden ist. Der Anspruch auf Wissenschaftlichkeit wäre vielleicht von vorneherein zu hoch, aber auch auf populärwissenschaftlichem Niveau kann sich das Buch nicht halten. Dazu fehlt einfach der rote Faden, die umfassende Argumentation, das Hintergrundwissen.
Trotz des zwanghaften Versuches, lebendig zu schreiben, wirkt es leider reichlich motivationslos bzw. scheint es mir eher so, als ob der Autor rein aus kommerziellen Zwecken sich selbst gezwungen hat, etwas zu veröffentlichen.

Summa summarum: uninteressant, langweilig, wenig essenziell


Preußens Krieg und Frieden: Der Weg ins Deutsche Reich
Preußens Krieg und Frieden: Der Weg ins Deutsche Reich
von S. Fischer-Fabian
  Taschenbuch

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Erfüllt leider nicht die Erwartungen, 8. Januar 2011
In der Beurteilung der Vorgängerrezensentin fühle ich mich bei der Bewertung dieses Buches bestätigt. Während das Werk "Die deutschen Kaiser" und auch andere Bücher des selbigen Autors gegliedert, chronologisch und logisch aufgebaut erscheinen, mutet dieses Buch etwas wüst an. Es fehlt oft an Hintergrundinformationen, bspw. welche Interessen oder Ursachen hinter bestimmten Kriegen standen und manchmal verliert sich der Autor in Nebenschauplätzen, die wie spontane, zusammenhanglose Einfälle anmuten und meist mit dem auszuführenden Thema gemein haben.

Bisweilen hätten auch zusätzliche Zeitangaben nicht geschadet. Ich erwarte von einem eher populären Geschichtsbuch keine exakte Datensammlung zu jedem noch so unbedeutenden Ereignis, aber ein gewisser Zeitbezug sollte schon hergestellt werden, gerade zu wichtigen Stationen der preußischen Geschichte.

Der Autor, der ebenso ein Buch über bedeutende Frauen und deren Einfluss im Laufe der Geschichte verfasst hat, scheint auch hier der etwas fixen Idee nachzuhängen, Ehefrauen und Geliebten der Adelsschicht überdetailliert - ganz im Gegensatz zu der restlichen Darstellung - wichtige Rollen zukommen lassen zu müssen, ganz nach dem Motto, jene hätten eigentlich die Geschichte Preußens bestimmt. Die preußische Bevölkerung hingegen schien ihm keinen Buchstaben würdig.

Ich schließe mich zudem der Rezensentin an, dass das übermäßige Zitieren angeblicher französischer Aussprüche für den Leser, von dem offenbar perfekte Französischkenntnisse erwartet werden, auch aufgrund des manchmal banalen Hintergrunds des jeweiligen Zitats unzumutbar ist.

Obwohl das Buch stellenweise durchaus einfach geschrieben ist (nicht ohne mit unverständlichen Passagen gespickt zu sein), in Bezug auf Detaillierungsgrad, Hintergrundinformation und letztlich auch hinsichtlich der inhaltlichen Korrektheit niemals wissenschaftliche Ansprüche genügen würde - was ja auch nicht erwartet wird - so setzt es doch vom Leser in einigen Kapiteln ein hohes Maß an historischem Wissen voraus und es stellt sich nicht das ein, was der Autor in seinen anderen, von mir bereits gelesenen Werke geschafft hat: ein gewisses Verständnis der historischen Vorgänge.

Positiv und daher doch lesenswert ist dieses Buch aufgrund seiner anekdotische Darstellung. Wenngleich das Werk niemanden zu einen wirklichen Kenner der preußischen Geschichte macht, hinterlässt es zumindest eine gewisse "Ahnung", die lange im Gedächtnis bleiben wird.


Die deutschen Kaiser: Triumph und Tragödie der Herrscher des Mittelalter
Die deutschen Kaiser: Triumph und Tragödie der Herrscher des Mittelalter
von S. Fischer-Fabian
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Spannend geschrieben, informativ, jedoch bisweilen zu persönlich, 10. Oktober 2010
Es gibt sicherlich nur wenige Autoren, die Geschichte so spannend und informativ darstellen können. Ich kann mir vorstellen, auch andere Bücherwürmer, die eher zu Romanlesern bzw. zu Geschichtsmuffeln gehören, für dieses Buch begeistern zu können.

Neben dem, was in vielen Bewertungen schon gesagt wurde, möchte ich allerdings einen Minuspunkt anbringen. Die emotionale Schreibweise, so sehr diese auch Begeisterung wecken kann, birgt die Gefahr - und das ist in diesem Buch sehr deutlich - stark bewertend zu wirken. So wird Friedrich I. (Barbarossa) als ein starker, reckenhafter, kühner, diplmatisch-versierter Kaiser vorgestellt, der er zweifelsohne sicher war, jedoch, um seine hochangesehene Stellung nicht zu trüben, auch mit einem Nimbus versehen wird, der es nicht erlaubt, seine "Untaten" als Fehler oder gar Verbrechen darzustellen. Eine, die jeweilige Person bezogene Relativierung wird leider allzu stark vorgenommen und verblendet oder verklärt leider die Fakten.
Als weiteres Beispiel, jedoch für eine Negativdarstellung dürfte Heinrich VI. zu nennen sein, der, so wird dies bereits am Anfang des entsprechenden Kapitels zweifellos konstatiert, durchweg als Unmensch und Versager zu sehen sein soll - eine lt. vieler Historiker nicht durchweg anerkannte Sichtweise dieses Herrschers, der in anderweitiger Literatur sogar als politisches Genie betrachtet wird, wäre ihm der Tod nicht zuvorgekommen.

So bleibt leider eher der Eindruck des Geschichten- als des Geschichtserzählers.

Trotz allem möchte ich 4 Sterne vergeben, da ich selten so ein kurzweiliges Buch über Geschichte gelesen habe wie dieses hier - trotz hochkommender Zweifel, ob ich mit dem erworbenen Wissen über die Kaiser auch einigermaßen richtig liege. Über ärgerlicher Rechtschreib- bzw. Tippfehler oder gar Unzulänglichkeiten in der Grammatik sehe ich mal weg.


Geschichte der römischen Kaiserzeit
Geschichte der römischen Kaiserzeit
von Karl Christ
  Gebundene Ausgabe

9 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Akademisches Werk, für Laien nur bedingt geeignet, 11. Dezember 2009
Christ tat seinen Anspruch kund, nicht nur Geschichtsstudenten und Historikern, sondern auch interessierten Laien ein einführendes Werk über das Römische Imperium zu liefern. Wären als Zielgruppe von vorneherein Leser mit entsprechend akademischem Einschlag definiert gewesen, würde ich 5 Punkte vergeben. Da aber der Anspruch globaler gestellt wurde, muss ich 2 abziehen. Aus folgenden Gründen:

- Die Darstellung ist trocken und akademisch. Natürlich darf man in einem Buch über Geschichte nicht die Spannung eines Kriminalromans erwarten, jedoch könnte durch eine lebendigere Sprache die Lust am Lesen für Interessierte durchaus gesteigert werden. Leider wirkt das detailreiche Buch eher wie eine Faktendarstellung, in der kein richtiger "Fluss nach vorne" erkennbar ist.
- Aus rein wissenschaftlichen Gründen ist das Buch hervorragend. Christ kennt sein Gebiet und das bestätigt sich nach ein paar Seiten Lektüre. Aber da liegt auch der Haken: wie schon erwähnt, ist es für einschlägige Akademiker bestens geeignet, aber für mich als Laien, der nicht nebenbei Werke von Mommsen und einer Vielzahl anderer Historiker gelesen hat, ist es ziemlich mühsam, bei der Aufzählung unterschiedlicher Interpretationen eines Sachverhalts und der jeweiligen dahinterstehenden Personen mich wach zu halten.

Fazit: Christ hätte genauer spezifizieren sollen, was er unter einem "Laien" versteht. Für Leute, die Rom spannend finden und nach einer lehrreichen Lektüre für den Feierabend suchen, ist das Buch m. E. nicht besonders geeignet.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 27, 2011 4:06 PM MEST


Bildung - Alles, was man wissen muß
Bildung - Alles, was man wissen muß
von Dietrich Schwanitz
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,00

61 von 94 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ein Ärgernis!, 19. September 2006
Es ist wohl eine Professorenkrankheit, das eigene Fachgebiet nicht nur vor den Studenten - und in diesem Fall auch vor den Lesern - als das Höchste und Wichtigste überhaupt herauszuputzen, sondern derartiges sogar noch ernsthaft zu glauben. Schwanitz ist Snobist in ärgster Form, der mit einem unglaublichen Selbstbewusstsein Wissensbereiche strikt in Bildung und "Unbildung" einteilt. Genau solche Leute wie er - bei ihm handelt es sich irgendwie um ein personifiziertes Paradoxon (reaktonärer, konservativer 68er) - sind letztlich selbst an der von selbigen laut beklagten Bildungsmisere schuld. Schule und wohl sein Werk sollen angeblich
"auf das Leben und nicht auf den Beruf vorbereiten" (gängiger Schulspruch, um die miesen Lehrpläne zu verteidigen). Dass zum Leben allerdings auch globale Verflechtungen (kulturell und wirtschaftlich), der kulturelle Einfluss von Technik und Naturwissenschaft gehört, sind derartigen Humanisten und Abendlandspessimisten wohl nicht klar. Vielleicht muss ich einmal ebenso provokativ wie Schwanitz sein: je unwichtiger und entfernter etwas vom täglichen Leben, desto höher der Stellenwert, der von Schwanitz dem beigemessen wird. Seine spärlichen Ausführungen zur Naturwissenschaft (immerhin ein paar Worte!) sind dann ebenso akkurat auf die Bereiche begrenzt, die wenig Einfluss auf das Leben der Menschen haben (Relativitätstheorie). Gehört denn nicht zur Bildung, dass wir einigermaßen Hintergrundwissen von Dingen haben, die wir täglich nützen und die wesentlich mehr Einfluss auf unser Leben haben als Goethe und Shakespeare? Nach Schwanitz wohl nicht, es sei denn, er lebte in einer abgeschiedenen Höhle...

Zum Stil des Geschriebenen: man könnte nun meinen, ein Professor würde dann sein Fachgebiet einigermaßen vernünftig erläutern. Weit gefehlt: Inhalt ähnlich der (ur-)alten Gartenlaube für die Hausfrau, Schreibstil auf plumpen Romanniveau mit vielen unpassenden Metaphern, die vom Inhalt ablenken und nur noch peinlich anmuten (Nazizeit wie ein "implodierender Stern", etc.).

Mein Verdacht hingegen: wie bei den ganzen Bohlens, Hiltons und vielen B-Stars war für Schwanitz wohl eher das schnelle Geschäft ausschlaggebend als ein fundierter Beitrag in die Welt der Literatur. Mit dem Titel hat er ziemlich geschäftstüchtig ausgenutzt, dass viele Menschen bei dem ganzen Informationswirrwarr eine Basis wünschen. Heute, wo vielen vorgegaukelt wird, auf schnellen und leichten Wege alles erreichen zu können (wie z. B. bei Diäten, der beruflichen Karriere) gehört dieses Buch in die Sparte "Bildung ohne Mühe".


Gerthsen Physik (Springer-Lehrbuch)
Gerthsen Physik (Springer-Lehrbuch)
von Dieter Meschede
  Gebundene Ausgabe

17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Überblickswerk für Anspruchsvollere!, 11. April 2005
Dieses Buch baut die Brücke zwischen reiner Experimentalphysik und theoretischer Physik und glänzt durch die prägnante, klare Darstellung. Es zeichnet sich dadurch besonders aus, dass alternative Betrachtungsweisen zu physikalischen Problemstellungen beschrieben werden und kann damit dem Leser ein breiteres Verständnis vermitteln bzw. dessen Horizont jenseits des gängigen "Angebots" physikalischer Literatur erweitern. Dies impliziert natürlich, dass das Buch für Oberstufenschüler ungeeignet ist und für durchschnittliche Studenten in Anfangssemestern nur bedingt als Zusatzlektüre, jedoch kaum als ausschließliches Lehrbuch verwendet werden kann. Es ist ein Nachschlage- bzw. Überblickswerk für Studenten höheren Semesters, die mit der physikalischen Denkweise vertraut sind und keine langatmigen, "schwitzenden" Texte lesen wollen. Manchmal ist es erstaunlich, wie in diesem Buch mit wenigen Schritten und Worten eine nachvollziehbare und verständliche Herleitung (intuitiv und deduktiv!) vollzogen wird (z. B. die Herleitung der Maxwell'schen Geschwindigkeitsverteilung, die Betrachtungen bzgl. der Fermienergie, etc.).


Atom- und Quantenphysik: Einführung in die experimentellen und theoretischen Grundlagen (Springer-Lehrbuch)
Atom- und Quantenphysik: Einführung in die experimentellen und theoretischen Grundlagen (Springer-Lehrbuch)
von Hermann Haken
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 59,99

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Didaktisch hervorragend und verständlich!, 5. Februar 2005
Dieses Werk liefert eine fundierte Einführung in die Atomphysik und führt darauf aufbauend in die Grundzüge der nichtrelativistischen und relativistischen Quantenmechanik ein. Das didaktisch äußerst exzellent geschriebene Buch zeichnet sich dadurch besonders aus, dass es die Verknüpfung zwischen Experiment und Theorie herstellt und die Quantenmechanik besser verstehbar macht. Viele Autoren von Büchern über theoretische Physik leiten zwar in ordentlicher und auch nachvollziehbarer Weise die Gesetze her, können dem Leser aber zumeist nur unzureichend die Fähigkeit vermitteln, theoretische Aufgabenstellungen eigenständig zu lösen. Dieses Buch schafft das, da Physik und Mathematik nicht hintereinander, sondern nebeneinander behandelt werden. Der sich einstellende "Aha-Effekt" wird durch Aufgaben, die auch alle lösbar sind (krasser Gegensatz sind z. B. die Aufgaben in Jacksons "Elektrodynamik"), mit Lösungen im Anhang noch einprägsamer.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 14, 2010 1:19 AM MEST


Philosophie des Abendlandes
Philosophie des Abendlandes
von Bertrand Russell
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,99

38 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Populismus im Plauderton!, 7. Januar 2005
Rezension bezieht sich auf: Philosophie des Abendlandes (Taschenbuch)
Für einen Nichtphilosophen, aber an der Philosophie Interessierten (wie ich es bin) ist dieses Werk angenehm zu lesen und verliert sich nicht in einem Sumpf aus philosophischen Fachbegriffen. Zudem verleiht es eine grobe Übersicht über die Geschichte der Philosophie und das, was zu unserem heutigen Denken führte.
Als Kaufargument kann jedoch nur Ersteres gelten, da es sicherlich eine andere, bessere Übersichtslektüre gibt.
Das Problem an diesem Buch ist die Voreingenommenheit und Einseitigkeit des Autors. Er gibt zwar zu, dass er nicht neutral schreibt, doch versucht er bewusst von seiner Philosophie und seinen Ansichten mit teilweise fadenscheinigen Argumenten zu überzeugen. Beliebt bei ihm ist mittels aus dem Kontext gezogenen Zitaten die Beweisführungsmethodik einzelner Philosophen anzuprangern und anhand kurzer und meines Erachtens wesentlich schwächerer Gegen-"beweise" die Leser, die zumeist einen Einstieg in die Philosophie suchen und daher noch besonders empfänglich sind, zu indoktrinieren.
Die griechischen Philosophen würdigt er ob ihres großen Einflusses auf das zukünftige Denken, jedoch verwirft er in fast unglaublicher Arroganz deren Ideen und das der weiteren Denker (nach dem Motto: wie blöd müssen doch alle Philosophen der letzten 3000 Jahre gewesen sein?).
Besonders augenfällig ist seine Verachtung für Nietzsche, die sich schon in der Darstellung von dessen Biografie manifestiert (!). Ich hätte nichts einzuwenden, wenn der Autor sachlich und emotional distanziert schreibt und am Ende des Kapitels seinen persönlichen Senf dazugibt (wieso auch nicht). Hingegen nimmt er einen Brocken aus Nietzsches Werk raus, wie z. B. den Übermenschen und behauptet, indem er dann Wagner auch noch in den Dreck zieht, dass Siegfried einen solchen Übermenschen entspräche. In seiner weiteren "Argumentation" wird dann deutlich, was er aussagen möchte und wirft das alles ohne ein Wimperzucken mit dem Nationalsozialismus zusammen (das geneigte Publikum klatscht Beifall für den ungeheuren Populismus). Russell hat entweder Nietzsche nicht gelesen oder nicht im Geringsten verstanden, da Nietzsche im Übermenschen weder einen blonden, deutschtümmelnden Jüngling sah, noch, wie Russell behauptet, ein Kriegsfanatiker war. Eine Aussage Nietzsches, wie ich es in einem seiner Werke selber gelesen habe, war, dass er zwar kriegerisch sei, jedoch führte er in den weiteren Sätzen aus (die Russell offensichtlich nicht mehr weiterlas oder bewusst verschwieg), dass seine Waffen Worte wären (also provokant) und er jedwede tätliche Gewalt verabscheue.
Fazit: Der Begriff "Stammtischphilosophie" eines Kommentators ist meines Erachtens trefflich gewählt. Es ist unter dem Deckmantel einer Geschichtsdarstellung ein reines Werk Russell'scher Philosophie, welcher sich mit fast ausnahmslosen Verurteilungen augenscheinlich selber als homo superior hält.


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