Profil für Nicky_G > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Nicky_G
Top-Rezensenten Rang: 2.462
Hilfreiche Bewertungen: 147

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Nicky_G (Düsseldorf)

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-14
pixel
Die Welt des Sherlock Holmes
Die Welt des Sherlock Holmes
von Maria Fleischhack
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,95

3.0 von 5 Sternen Durchwachsenes, aber sehr aktuelles Buch, 29. April 2015
Es handelt sich um ein Sachbuch, in dem viele Fakten zusammengetragen wurden, die nicht nur die Person Sherlock Holmes betreffen, sondern auch seine Fälle, die weiteren Hauptcharaktere und die Entwicklung über die Jahrzehnte in Film, Radio und weiteren Medien.

Die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart wird in den Erzählungen von Arthur Conan Doyle perfekt verknüpft. Zum einen lebt Sherlock Holmes im viktorianischen Zeitalter mit all seinen gesellschaftlichen Zwängen, zum anderen zelebriert er wissenschaftliche Methoden, die dieser Zeit weit voraus waren. Da der Autor seine Geschichten über viele Jahrzehnte hinweg schrieb, gibt es auch Unstimmigkeiten in den Erzählungen, die in diesem Sachbuch nicht außer Acht gelassen werden.

Interessant ist vor allem, wie umfangreich sich die Nachwelt mit dem Thema „Sherlock Holmes“ befasst hat anhand von real anmutenden Biographien, Pastiches und Adaptionen, die nicht immer dem Original entsprachen, sondern teilweise umfassende Veränderungen vornahmen.
Der geschichtliche Hintergrund der originalen Fälle von Arthur Conan Doyle ist interessant beschrieben, auch wenn das ein wenig zu kurz kommt. Hier hätte man sich mehr Details zur geschichtlichen oder gesellschaftlichen Einordnung der damaligen Zeit gewünscht. Die Autorin wollte wohl nicht zu viel von den Fällen verraten, weshalb dieses Kapitel etwas oberflächlich bleibt.

Sehr gut dagegen war der letzte Teil des Buches, indem auf unsere heutige Zeit eingegangen wird und wie weit der Sherlock-Boom Früchte trägt, was sich zum Beispiel in diversen Cafés oder Restaurants weltweit niederschlägt oder in den modernen Adaptionen wie der BBC-Serie „Sherlock“, die sich vor allem bei jungen Leuten äußerster Beliebtheit erfreut.

Insgesamt ein durchwachsenes, aber sehr aktuelles Buch über den Sherlock-Kosmos, das stellenweise zu oberflächlich bleibt.


Geheimnisse von Blut & Liebe (Machtsteine 2)
Geheimnisse von Blut & Liebe (Machtsteine 2)
Preis: EUR 3,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Magische Fantasiewelt, die bestens unterhält, 29. April 2015
Aurelie, Ruben, David und Sarah sind dank Candids Hilfe bei Elody in Lyathos gestrandet. Die Pforte ist nicht passierbar und so müssen sie in der fremden Welt ausharren, die von magischen Eruptionen erschüttert wird. Währenddessen intrigiert Demian mit seinem einäugigen Diener in der Wächterburg gegen Frerik, verliert dabei aber nicht seine Rache gegen Aurelie aus den Augen.

Candid, Ruben und Sarah müssen sich von ihren Verletzungen erholen, wodurch die Kraft der Vampire auf eine harte Probe gestellt wird. David und Elody machen sich auf in die Stadt, um sich dort zu stärken. Ein dramatisches Ereignis bringt alle in Gefahr.

Der erste Teil endete plötzlich und überraschend, so dass man unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht, was aus den Figuren geworden war. Dies wird nun offenbart bis zum erneut plötzlichen Ende. Ein raffinierter Schachzug der Autorin, die die Spannung damit sehr hoch hält.
Fantasievoll wird an jedes kleine Detail gedacht, wodurch eine magische Parallelwelt entsteht, die man sich sehr gut vorstellen kann. Mir hat dieser Teil sogar noch besser gefallen als der erste, denn es wird intriganter und die neu eingeführten Charaktere (oder die weiter ausgeschmückten bekannten) bringen zusätzlich Farbe in die Geschichte. Dabei wird ein gewisser Witz nicht außer Acht gelassen, so dass man sich prächtig unterhalten fühlt.

Der dritte Teil wird dann hoffentlich einige Auflösungen und Antworten bringen, aber genau das macht eine Serie ja aus, das hält einen Leser bei der Stange.

Beste Unterhaltung mit Überraschungen in einer Vampirwelt, die sich erfreulich von der mittlerweile unübersehbaren Masse abhebt.


Der Architekt des Sultans
Der Architekt des Sultans
von Elif Shafak
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

4.0 von 5 Sternen Der Architekt des Sultans – umfangreich erzählt, 29. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Der Architekt des Sultans (Gebundene Ausgabe)
Istanbul im 16. Jahrhundert: Jahan kommt mit seinem weißen Elefanten an den Hof des Sultans. Als er mit seinem Elefanten in den Krieg zieht und mit dessen Hilfe beim Brückenbau hilft, wird der Hofarchitekt Sinan auf ihn aufmerksam und nimmt ihn als Schüler an. Damit öffnen sich für Jahan ungeahnte Möglichkeiten, neue Freundschaften entstehen, aber auch gegen Intrigen muss er sich wehren.

Der Leser begleitet Jahan über viele Jahre hinweg, ein Leben in einer aufregenden Zeit, randvoll gefüllt mit Anstrengungen und Schwierigkeiten, aber auch mit Liebe, Freundschaft und Zuneigung. Die Autorin schafft eine Welt wie aus 1.001 Nacht, ausschmückend, überbordend, voll schwerer Gerüche und zarten Seidengewändern. Zuweilen ist das alles zu viel auf einmal, so dass man sich als Leser in den Zeilen verliert. Manch ein Detail ist überflüssig und hätte man auch weglassen können (als Leser versucht man, sich alles zu merken, was bei der Fülle schier unmöglich ist, weil es später vielleicht von Relevanz sein könnte), dadurch wird das Lesen etwas erschwert. Auch lässt die Spannung im Mittelteil etwas ab (bei einem so dicken Buch nicht verwunderlich, aber schade).

Wenn man sich allerdings auf diese üppigen Beschreibungen einlässt, entsteht vor dem geistigen Auge eine prachtvolle Welt wie aus einem exotischen Märchen. Dabei könnte man fast vergessen, dass auch historische Ereignisse mit in der Geschichte verwebt wurden. Vielleicht wäre eine kürzere Geschichte ratsamer gewesen, aber so kann man sich über viele Stunden hinweg in eine fremde Welt entführen lassen, die ihren ausschweifenden Charme mit besonderen Charakteren ausspielt, mit denen man mitleiden und mitlieben kann.


Bald ruhest du auch: Thriller
Bald ruhest du auch: Thriller
von Wiebke Lorenz
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bald ruhest du auch – Spannung bis zur letzten Seite, 22. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Bald ruhest du auch: Thriller (Broschiert)
Lena verliert ihren Mann bei einem tragischen Autounfall. Auf der Beerdigung wird sie von der Tochter ihres Mannes aus erster Ehe angegriffen und als „Mörderin“ beschimpft. Dabei erleidet sie fast eine Sturzgeburt, aber sie kann noch rechtzeitig ins Krankenhaus gebracht werden, wo Tochter Emma geboren wird. Mit Hilfe von Schwiegermutter Esther versucht Lena die kommenden Wochen zu meistern, bis Emma auf einmal verschwunden ist und ein Drohbrief auftaucht: wenn sie sich nicht bis Mitternacht selbst tötet, wird Emma umgebracht. Lena ist verzweifelt und begibt sich auf die Suche nach ihrem Kind, aber wem kann sie noch trauen?

Der Leser wird wie in einen Sog in diese Geschichte hineingezogen. Dabei springt die Autorin ohne zu verwirren zwischen den Zeiten hin und her, um in Geheimnisse oder Vergangenheiten einzuweihen. Das verschafft einen (vermeintlich) guten Überblick über die Geschehnisse. Nach und nach jedoch merkt man, dass es mehr gibt als eine Wahrheit. Der Thriller blättert sich immer weiter auf und verliert dabei eine Schicht nach der anderen wie eine Zwiebel, die langsam geschält wird. Wenn man glaubt, am Kern angelangt zu sein, entpuppt er sich als weitere Ebene.

Das ist äußerst gut geschrieben, und der Autorin gelingt es dabei, sich nicht in ihre vielen Handlungsstränge zu verheddern, so dass alles auf einen logischen Schluss hinausläuft, über den man erst mal nachdenken muss, um dann verwundert lächelnd festzustellen: es passt! Ich möchte hier nicht zu viel über die Handlung an sich erzählen, da es den Spaß am Lesen nehmen würde, aber ich kann nur betonen, dass dieser Thriller genau das hält, was er verspricht.


Alles Licht, das wir nicht sehen: Roman
Alles Licht, das wir nicht sehen: Roman
von Anthony Doerr
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

5.0 von 5 Sternen Ein solch wunderbarer Sprachstil ist mir selten begegnet, 10. April 2015
Das blinde Mädchen Marie-Laure lebt mit ihrem Vater in Paris bis der 2. Weltkrieg ausbricht. Sie fliehen nach Saint-Malo zum Großonkel und verstecken dort nicht nur sich, sondern auch einen Schatz, hinter dem die Nazis her sind, was sie in große Gefahr bringt.

Der Waisenjunge Werner lebt mit seiner Schwester Jutta im Ruhrgebiet und kommt wegen seiner technischen Begabung in die Einheit, die in Saint-Malo einen Radiosender ausfindig machen soll, die die Resistance mit Informationen versorgt. Dieser wird von Marie-Laures Großonkel betrieben.

Die Sprache dieses Romans ist einfach wundervoll. Es ist, als würde man ein leckeres Stück Schokolade langsam im Mund zerschmelzen lassen, um es zu genießen und auszukosten, um möglichst lange etwas davon zu haben. Es gibt so viele grandiose Sätze und Beschreibungen, dass ich vieles wiederholt gelesen habe, um seine ganze Schönheit zu erfassen. Am besten hat mir das Kapitel „Der Frosch wird gekocht“ gefallen, was eine perfekt passende Parabel zu den Geschehnissen ist.

Ich habe selten ein solch fantastisches Buch gelesen, das mich zu Tränen gerührt und zum Lachen gebracht hat. Besonders berührend empfand ich die Darstellungen von Marie-Laures Sichtweise, wie sie Menschen oder Situationen farblich wahrnimmt, ihre Emotionen damit erfasst, was von einer großen Sensibilität zeugt.

Anthony Doerr schafft es, feinfühlig die Ereignisse zu beschreiben und mitfühlend seine Protagonisten zu begleiten, ohne dabei kitschig zu werden. Es steckt so viel Zuversicht und Leben in diesem Buch, dass es fast philosophisch anmutet. Hier kann man lernen, etwas für sein eigenes Leben und seine Einstellung mitnehmen. Das bewirkt der Autor ohne erhobenen Zeigefinger, so dass man sich von dem Roman umarmt fühlt, geborgen und nur der letzten Seite mit Grauen entgegen sieht.

Eine lesenswerte, zum Nachdenken anregende Geschichte, die man erst beim mehrmaligen Lesen in ihrer großartigen Komplexität erfassen kann.


Madame Picasso: Roman
Madame Picasso: Roman
von Anne Girard
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

4.0 von 5 Sternen Madame Picasso – eine aufregende Zeit mit schillernden Charakteren, 7. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Madame Picasso: Roman (Taschenbuch)
Eva Gouel ist aus einer tristen Vorstadt in das Paris des frühen 20. Jahrhunderts gekommen und ergattert einen Arbeitsplatz als Näherin im berühmt-berüchtigten Moulin Rouge. Dort schafft sie es nicht nur durch ihre Kreativität und ihre Entschlossenheit zur Tänzerin, sondern lernt auch einen der größten Maler der damaligen Zeit kennen: Pablo Picasso.
Obwohl dieser noch mit Fernande Olivier zusammenlebt, lässt sie sich auf eine Affäre mit ihm ein und betritt so die schillernd-faszinierende Welt der Künstler und Kreativen. Schließlich erobert sie sein Herz, aber dann schlägt das Schicksal erbarmungslos zu.
Die Epoche kurz vor dem 1. Weltkrieg in Paris wird vor dem Leser ausgebreitet wie ein bunter Teppich, der mit immer neuen Mustern und Verzierungen aufwartet. Guillaume Apollinaire, Georges Braque oder Gertrude Stein sind nur einige der bekannten Namen, die als Nebendarsteller auftauchen. Eigentlich kann man mit so einem Ensemble kaum etwas falsch machen, aber leider gelingt es der Autorin nicht, mit ihrem Schreibstil die Atmosphäre, die damals in den verraucht-verruchten Bistros oder bei Gertrude Steins beliebten Einladungen, einzufangen. Dafür reicht es nicht und macht sich in Wort- oder gar Satzwiederholungen, stolpernden Beschreibungen oder naiven Aussprüchen deutlich.
Auch mag man die Leichtigkeit kaum glauben, mit der Eva Gouel sich – urplötzlich in eine andere Welt katapultiert – bewegt und ausdrückt. Auch lasse ich die Fantasie vor der historischen Genauigkeit wirken.
Nichtsdestotrotz versprüht der Roman den Geist des Beginns des 20. Jahrhunderts mit all seiner Fülle an Kunst, Lebensfreude, Energie und Kreativität. Die dunklen Seiten bleiben nicht außer Acht gelassen. Und wenn man als Leser inspiriert wird, sich weiter mit Pablo Picasso, seinen Freunden und seiner Zeit zu beschäftigen, dann hat der Roman seine Schuldigkeit getan.


Jagd: Kriminalroman (Ein Annika-Bengtzon-Krimi, Band 10)
Jagd: Kriminalroman (Ein Annika-Bengtzon-Krimi, Band 10)
von Liza Marklund
  Broschiert
Preis: EUR 16,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Jagd – erst verwirrend, dann spannend, am Ende frustrierend, 24. März 2015
Annika Bengtzon ist Reporterin und wird zu einem brutalen Fall gerufen: der Politiker und Geschäftsmann Ingemar Lerberg wurde in seinem eigenen Haus gefoltert und liegt nun im Koma. Wer hat ihm das angetan? Und wo ist seine Frau Nina? Warum hat sie ihn und die drei gemeinsamen Kinder verlassen oder wurde sie entführt?

Auf Seiten der Polizei ermittelt keine Ungekannte: Nina Hoffman ist neu bei der Kripo und wurde mit diesem Fall beauftragt. Gemeinsam schaffen es die beiden Frauen Licht in das Dunkel zu bringen, das weit in die Vergangenheit zurückreicht.

Ich wusste vorher, dass es sich bei diesem Roman um einen Teil der Reihe um die Journalistin Annika Bengtzon handelt und dass die Figuren einander bekannt sind und eine gemeinsame Vergangenheit haben, die ich nicht kenne. Teilweise werden Reaktionen aufeinander später aufgeklärt, z. B. als die beiden Protagonistinnen sich das erste Mal begegnen, allerdings muss man sich auch einiges selber zusammenreimen und hofft, dass es nicht für dieses Buch relevant ist. Im Allgemeinen waren mir die Charaktere nicht sonderlich sympathisch, was vielleicht auf Unkenntnis der Vorgeschichte beruhen mag. Das trug dazu bei, dass mich der erste Teil des Buches verwirrte und mir viele Fragen durch den Kopf geisterten, von denen einige nicht beantwortet wurden, weil die Erklärung in einem der vorherigen Bände (wahrscheinlich) zu finden ist, z. B. der Streit zwischen Annika und ihrer ehemaligen Busenfreundin Anne.

Dann aber wurde es richtig spannend. Der Mittelteil war super. Einzelne Fäden wurden aufgegriffen und gelöst, andere vertieft, manche verliefen ins Leere. Das war richtig gut und konnte mich fesseln. Unlogisch fand ich zwar, warum Nora ausgerechnet einer Fremden, ihrer Russischlehrerin und Putzhilfe, ihre Probleme erzählt hat und sich ihr anvertraut hat, aber ansonsten fieberte ich richtig mit.

Bis zum Ende. Das fand ich enttäuschend. Nichts wurde abgeschlossen: der Blogger, der Annikas Chef drangsalierte, wurde nicht entlarvt, die Attentäter nicht geschnappt (es gibt nur eine Anspielung auf eine mögliche Lösung), Nora nicht gefunden. Alle Fäden, die sorgsam gesponnen wurden, waren abgeschnitten. Natürlich muss man nicht alles haarklein aufdröseln, aber dermaßen in der Luft hängen gelassen zu werden, war für mich ernüchternd.


Der blauen Sehnsucht Tod: Frank Liebknecht ermittelt
Der blauen Sehnsucht Tod: Frank Liebknecht ermittelt
von Brigitte Pons
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Mörderische Jagd nach einem verschwundenen Gemälde – Der blauen Sehnsucht Tod, 20. März 2015
Gerade als Frank Liebknecht einer Frau näherkommt, wird diese ermordet und er gilt als Verdächtiger. Aber was wollte Linda wirklich in dem kleinen Ort? Mehrere Varianten hat sie erzählt, aber immer wieder dreht es sich um ein verschollenes Gemälde von Franz Marc. Als Frank selbst nachforscht, stößt er nicht nur auf ein Geheimnis…
Dies ist der zweite Fall für den jungen Polizisten Frank Liebknecht, der sich in den kleinen Ort im Odenwald hat versetzen lassen. Auch wenn man den ersten Band nicht kennt, taucht man schnell in das Geschehen hinein. Das ist vor allem den detailliert beschriebenen Charakteren zu verdanken, die lebendig und ehrlich erscheinen. Auch deren Weiterentwicklung während der Geschichte ist sehr realitätsnah. Dazu passt auch sehr gut, dass die einzelnen Kapitel aus verschiedenen Perspektiven erzählen, so dass man als Leser einen Gesamtüberblick erhält, ohne dass zu viel verraten wird.
Während der Mittelteil von der Spannung her abflaute – am Anfang stürzen auf den Leser viele Eindrücke und Erlebnisse ein –, ist es am Ende dermaßen aufregend, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Auch war die Auflösung für mich einigermaßen überraschend. Alle offenen Fäden werden miteinander verknüpft und aufgelöst.
Mich konnte dieser Krimi fesseln und überraschen, was ich von einem sehr guten Krimi auch erwarte. Dazu bekommt man noch eine Sonderration an Kunstgeschichte hinzu, die ebenso spannend ist wie der Kriminalfall.
Brigitte Pons hat nicht nur eine Ermittlerfigur geschaffen, die alles andere als 08/15 ist, sondern auch einen Krimi geschrieben, der sich aus der überflutenden Masse angenehm heraushebt. Sie schreckt dabei weder vor ein gewisses Maß an Brutalität zurück, noch davor, den Leser intellektuell zu fordern. Ich freue mich auf weitere Fälle mit Frank Liebknecht und seinen Mitstreitern!


Sei ganz still: Kriminalroman
Sei ganz still: Kriminalroman
von Sebastian Thiel
  Broschiert
Preis: EUR 10,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sei ganz still – Ein schmutziger Krimi aus den 30er Jahren, 5. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Sei ganz still: Kriminalroman (Broschiert)
Friedrich Wolf wurde vor ein paar Monaten verhaftet und in ein Gefangenenlager gebracht, aus dem er nun von Dr. Ernst Kampa befreit wird. Allerdings wird zu Bedingung gemacht, dass er die Verlobte des Arztes findet, die anscheinend abgetaucht ist. In ihrem Grab findet sich nur die Leiche einer alten Frau. Während Wolf seine alten Beziehungen in der Düsseldorfer Unterwelt wieder aufleben lässt, muss er am eigenen Leib erfahren, dass Feinde überall lauern und man niemandem trauen sollte…

Der Krimi spielt kurz vor Beginn des 2. Weltkrieges, auf dem Höhepunkt von Hitlers Macht. Die Zukunft liegt in dunklen Schatten, aber auch die Vergangenheit und die Gegenwart hat hier nur wenige helle Momente für den Leser parat. Die Unterwelt ist grausam, brutal und dreckig. Auch der Protagonist regt nicht dazu an, ihn vollends sympathisch zu finden. Seine Ecken und Kanten sind menschlich-männlich, seine Charakterschwächen gut nachzuvollziehen nach einer verkorksten Kindheit und einer Jugend in den Schützengräben des 1. Weltkriegs.

Sebastian Thiel erzählt mit fundiertem historischem Hintergrundwissen, ohne dies aufdringlich in den Vordergrund zu spielen. Die Behandlung von Schwachsinnigen oder Behinderten während des 3. Reiches ist vielen bekannt, aber welche Ausmaße dahintersteckten, wird hier schmerzlich deutlich. Hier hat man einen Roman vorliegen, der authentisch ist, sowohl in seiner angesiedelten Epoche als auch in dem Milieu. Weiße Westen gibt es hier nicht, nur Entscheidungen.

Den Leser erwartet kein feines Ambiente, in dem ein gestriegelter Ermittler mit spitzen Fingern und scharfer Intelligenz einen Fall löst. Hier wird im tiefsten Dreck gewühlt mit Schweiß und Blut. Niemand ist unschuldig; jeder hat seine Facetten, die zumeist in den verschiedensten Grautönen schimmern, aber nie völlig schwarz oder weiß sind.

Ein geschichtskundiger Krimi, der schnörkellos die Halbwelt der 30er Jahre beschreibt.


Die Auslöschung der Mary Shelley
Die Auslöschung der Mary Shelley
Preis: EUR 4,99

4.0 von 5 Sternen Die Zukunft hat begonnen – Die Auslöschung der Mary Shelley, 2. März 2015
Mary arbeitet in einem Unternehmen, das kurz davor ist, einen Quantencomputer zu entwickeln, der mit seiner Kapazität alles Vorhandene in den Schatten stellen wird. Aufgrund von persönlichen Erlebnissen programmiert Mary zusammen mit einem Kollegen den Computer so um, dass er das Böse in der Welt vernichten soll. Dabei entwickelt er ein Eigenleben, das niemand mehr steuern kann und dem nicht nur Marys Kollegen zum Opfer fallen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, aber kann man einen Computer aufhalten?

Der Roman ist gespickt mit Fakten und Fachbegriffen, was das Lesen mitunter erschwert, aber eine wissenschaftlich fundierte Geschichte liefert, die dem Leser eine Gänsehaut beschert, denn so weit sind wir von dieser Zukunft anscheinend nicht mehr entfernt. Es ist teilweise erschreckend, wie abhängig wir von der Technik und vor allem von Computern sind, allen voran dem Internet. Dass sich diese Technik gegen den Menschen richten kann, ist meines Erachtens gar nicht mal so utopisch.

Die Geschichte wird rasant erzählt, so dass man kaum Zeit zum Luftholen hat. Das beklemmende Gefühl, dass die Menschheit sich zu sehr von der Technik abhängig gemacht hat, wird man während der kompletten Lektüre nicht los und verfolgt einen nachher weiter. Dass man permanent beobachtet und verfolgt wird, ist im Alltag ja bereits gegeben (man denke nur an die Bonusprogramme oder auf einen zugeschnittene Werbung auf bestimmten Internetseiten).

Durch die aufwendig beschriebene Technik bleiben die Charakterstudien der einzelnen Figuren ein wenig blass und manche Entscheidungen kann man vielleicht nicht nachvollziehen, aber dafür fesselt der Roman durch seine gesicherten Informationen.

Ein Buch, das einen für längere Zeit beschäftigt und das einen darüber nachdenken lässt, wie viel Technik man in sein Leben lassen möchte.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-14