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Rezensionen verfasst von
Girdin
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Die Illusion des Getrenntseins
Die Illusion des Getrenntseins
von Simon Van Booy
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

5.0 von 5 Sternen Lose Erzählfäden geschickt verbunden, 13. April 2014
Für das Buch „Die Illusion des Getrenntseins“ titelgebend ist eine fiktive Fotoausstellung in New York, in der Bilder von amerikanischen Soldaten gezeigt wurden, die man auf europäischen Schlachtfeldern im 2. Weltkrieg gefunden hat. Eines dieser Bilder spielt eine verbindende Rolle in diesem Roman. Denn der amerikanische Autor Simon van Booy bildet in den einzelnen Kapiteln zunächst lose Erzählfäden über unterschiedliche Charaktere, die sich zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten aufhalten und die sich erst im Laufe des Romans zu einer Einheit zusammenfinden. Der Titel des Buchs wird zur Untermalung der Handlungen, denn wenn es auch den einzelnen Personen des Romans selbst kaum bewusst ist, so wird dem Leser doch am Ende klar, dass alle Fadenenden miteinander durch familiäre Zugehörigkeit, situative Gegebenheiten oder blanken Zufall miteinander verbunden sind. Hinter der Idee des Buchs steht eine wahre Geschichte.

Der inzwischen ungefähr 70jährige Martin ist Hausmeister in einem Seniorenheim in Los Angeles. Seine Herkunft ist dubios. Laut seinen Eltern wurde er ihnen von einem Unbekannten auf den Arm gegeben, ohne weitere Auskünfte zu seiner Abstammung. Anschließend verschwand der Fremde. Aufgewachsen ist er in Paris bis seine Eltern mit den Kindern nach Amerika auswanderten. Aktuell soll Martin ein kleines Fest zum Empfang des neuen Mitbewohners Hugo, der vor kurzem aus England eingetroffen ist, im Heim vorbereiten. Gerade als Hugo den Festsaal betrifft, bricht er zusammen. Ein eben jenem Hugo gewidmetes Kapitel beendet schließlich das Buch und führt damit auch wieder an den Anfang des Romans zurück.

Simon von Booy erzählt in einem allwissenden Erzählstil, lediglich Hugo lässt er in Ich-Form zu Wort kommen. Meistens gibt der Autor die Handlungen der Personen in ihrem direkten Umfeld wieder und informiert darüber, was letztlich wichtig ist um die Zusammenhänge für den Leser erkennbar zu machen. Gelegentlich fängt er die flüchtigen Gedanken seiner Charaktere ein, hier und da wendet er sich sogar direkt an den Leser. Einige Sätze sind von poetischer Feinheit und scheinen abzulenken von den bitteren Tatsachen der Realität. Inmitten der Weltgeschichte leben die Figuren des Autors ein herausragendes Leben. Entgegen allgemeiner Vorstellungen engagieren sie sich für Freiheit, Gerechtigkeit oder mehr Menschlichkeit, auch wenn es dazu in einigen Fällen erst nach einer aufgedrängten, ausgeführten Pflicht kommt. Das Cover spiegelt ein gutes Beispiel hierzu wieder. Es zeigt einen amerikanischen Fallschirmjäger, der neben dem Eiffelturm landet. Auch wenn es zu dieser Szene im Buch nicht kommt, verbirgt sich hierin einer der Fäden aus denen sich die Geschichte zusammensetzt. Und immer wieder taucht die Angst dieser mutigen Menschen auf, über die der Autor schreibt, vor dem was getan werden soll oder sogar getan werden muss.

Das Buch lässt sich leicht lesen, erfordert jedoch die Aufmerksamkeit des Lesers um den Zusammenhang der Schicksale der einzelnen Personen über vier verschiedene Länder beziehungsweise Bundesstaaten hinweg in Verbindung zu bringen. Ein besonderer Lesegenuss, den ich gerne weiterempfehle.


Die Schuld einer Mutter: Psychothriller
Die Schuld einer Mutter: Psychothriller
von Paula Daly
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

5.0 von 5 Sternen Fesselnde, gut durchdachte Handlung, 10. April 2014
„Die Schuld einer Mutter“ ist das Debüt der englischen Autorin Paula Daly. Das Cover ist dunkel gestaltet, passend zu diesem Psychothriller, der den Leser hineinzieht in den Albtraum einer überforderten Mutter. Im oberen Bilddrittel wird der dunkle Hintergrund überstrahlt durch eine weiße Seerose, die sich blutrot im Wasser spiegelt. Seerosen symbolisieren von alters her Reinheit und Keuschheit. Sie stehen für die jungen Mädchen in diesem Roman, die zu unschuldigen Opfern werden.

Die Leiterin des örtlichen Tierheims Lisa Kallisto, Mutter von drei Kindern, ist schockiert als sie erfährt, dass die 13jährige Lucinda, beste Freundin ihrer gleichaltrigen Tochter Sally, verschwunden ist. Erst vor kurzem wurde ein Mädchen im gleichen Alter entführt und einige Zeit später vom Täter wieder freigelassen, nachdem er sich an ihr vergangen hat. Lucinda sollte eigentlich nach der Schule mit Sally zu ihr nach Hause kommen. Doch Sally war krank und Lisa hat vollkommen vergessen, das Mädchen von der Schule abzuholen! Nur darum konnte die Entführung stattfinden! Lisas Schuldgefühle sind groß, vor allem weil es ausgerechnet diese Familie getroffen hat. Denn ihnen gegenüber fühlt sie sich bereits schuldig durch ein anderes verschwiegenes Ereignis, das mehrere Jahre zurück liegt. Getrieben von ihrem schlechten Gewissen schließt sie sich gemeinsam mit ihrem Mann Joe den Suchtrupps an. Und plötzlich scheint es so, als ob sie die Chance erhält, ihre Schuld wieder gutzumachen …

Der Thriller beginnt mit einem kursiv gedruckten Text, der den Blick auf den Täter richtet, während er nach einem Opfer Ausschau hält. Immer wieder werden die Kapitel von weiteren Einschüben unterbrochen und der Leser glaubt sich der Lösung des Falls näher wie die handelnden Personen.

Die Kapitel sind aus zwei verschiedenen Sichten geschrieben. Einerseits erzählt Lisa Kallisto die Ereignisse aus ihrer Sicht. So erhält der Leser die Gelegenheit an ihren Gedanken und Gefühlen teilzuhaben und vor allem erfährt er dadurch von der verschwiegenen Begebenheit in Lisas Leben. Andererseits setzt die Geschichte den Fokus auf Detective Constable Joanne Aspinall in einer allwissenden Erzählweise. Joanne ist vor Ort aufgewachsen und bringt ihre ganz eigenen Probleme mit in den Alltag als Polizistin. Anders wie diese beiden Frauen, geht die Mutter von Lucinda keiner geregelten Arbeit nach, sondern kümmert sich hauptsächlich um ihren Haushalt und die Kinder. Sie zeigt ein auffallend großes Verständnis für die Zerstreutheit von Lisa, die zur Entführung ihrer Tochter führte. Lisa ist dieses Mitgefühl beinahe unangenehm, denn ihr Selbstwertgefühl lässt es nicht zu, dass ihr andere ihre Schuld erleichtern wollen.

Vor allem berufstätige Frauen mit Kind werden diesen Thriller beklemmend finden, da Lisa den eigenen Alltag wiederspiegelt. Kaum jemand wird von sich sagen können, dass er nicht schon mal einen Termin vergessen hat. Die Auswirkungen, wie sie in diesem Buch beschrieben werden, sind fatal. Doch die Autorin spielt auch mit der Wahrnehmung des Falls durch die Öffentlichkeit. Die Charaktere in dieser abgeschlossenen Ortsgemeinschaft haben eine bestimmte Erwartungshaltung in Bezug auf den Täter. Und auch der Leser wird diese sicher einnehmen. Die Spannungskurve ist von Beginn an hoch, da man immer damit rechnet, dass der Täter sich weitere Opfer suchen wird und man hofft, dass dieser vorher gefunden wird. Die Anteilnahme des Lesers mit den Familien der Opfer wird verstärkt dadurch, dass die Handlung in der Vorweihnachtszeit spielt, die geprägt ist durch die Vorbereitungen und Freude auf das naheliegende Familienfest. Durch geschickte Wendungen stieg bei diesem unblutigen Thriller nicht nur zum Schluss die Spannung nochmal an, sondern erreichte auch ein unerwartetes Ende.

Der Schreibstil ist flüssig und leicht lesbar. Die Charaktere haben mich überzeugt und ich konnte mich gut in ihre Handlungsweisen hineinversetzen. Mich hat die Story gefesselt und zum schnellen Lesen bewegt. Gerne gebe ich dazu eine Empfehlung an Leser von Psychothriller.


Eine Liebe über dem Meer: Roman
Eine Liebe über dem Meer: Roman
von Jessica Brockmole
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Romantisch und berührend, 6. April 2014
„Eine Liebe über dem Meer“ von Jessica Brockmole ist ein romantischer Liebesroman, der zeitlich einerseits zwischen 1912 und 1919 und andererseits im Jahr 1940 spielt. Das Ungewöhnliche daran ist, dass das gesamte Buch in Briefform erzählt wird. Der Titel auf dem Cover erscheint dazu passend wie mit Tinte geschrieben. Im Mittelpunkt des Romans steht die Liebesbeziehung zwischen dem Amerikaner David Graham und der Schottin Elspeth Dunn während des ersten Weltkriegs, eine Liebe also, die sich trotz der großen räumlichen Trennung entwickeln konnte, eine „Liebe über dem Meer“.

Im Frühjahr 1912 schreibt der 20 jährige David, der im US Bundesstaat Illinois wohnt, während eines Krankenhausaufenthalts der nur wenig älteren, auf der Isle of Skye lebenden Autorin Elspeth, einen Brief mit dem Ausdruck seiner Bewunderung für ihre Gedichte, die er gerade in dem von ihr geschriebenen Buch gelesen hat. Die Empfängerin freut sich sehr über diesen Brief, ist er doch die erste postalische Rückmeldung eines Lesers auf eines ihrer Gedichtbände. Daher schreibt sie zurück und es entwickelt sich reger Gedankenaustausch mittels Briefen. Der Briefaustausch dauert sogar weiter an, nachdem David sich zum Kriegseinsatz als Krankenwagenfahrer nach Frankreich gemeldet hat.

Im Jahr 1940 lebt Elspeth allein mit ihrer 23 jährigen Tochter Margret in Edinburgh. Aus der jahrelangen Freundschaft von Margret mit dem gleichaltrigen Paul ist inzwischen Liebe geworden. Paul meldet sich als Flieger zur Royal Air Force. Bei Elspeth drängen dadurch Erinnerungen an ihre eigenen Erlebnisse im ersten Weltkrieg wieder an die Oberfläche. Sie hat ihrer Tochter nie von dieser Zeit und David erzählt. Durch Zufall fällt ihr nach einer heftigen Auseinandersetzung mit ihrer Mutter einer der Briefe von David in die Hände, in dem er schreibt, dass er sich zum Kriegseinsatz in Frankreich gemeldet hat. Beginnt sie nun die Gefühle ihrer Mutter zu verstehen?

Der Roman wechselt kapitelweise zwischen der Zeit des ersten und zweiten Weltkriegs. Geschickt verwebt die Autorin die Geschehnisse miteinander. Der erste Brief, den David an Elspeth schreibt ist verwegen, schelmisch und amüsant. Zunächst noch zurückhaltend, dann immer offener beginnen die beiden einen regen Austausch über ihre jeweilige Familie, ihre Lebensweise und Themen die sie beschäftigen. Aus der Brieffreundschaft heraus entwickelt sich ein über die Monate zunehmendes Gefühl des Vertrautseins und schließlich auch Liebe. Doch Elspeth ist mit ihrem Jugendfreund, dem Fischer Iain verheiratet. Inzwischen ist der erste Weltkrieg ausgebrochen und auch Iain meldet sich zur Armee. Elspeth führt ein stark familienverbundenes Leben auf der Insel. Durch die Veröffentlichung ihrer Gedichte hat sie sich eine gewisse Anerkennung verschafft, die jedoch in einer Familie, die vom Handwerk des Fischfangs lebt, wenig zählt. Ihre Brüder hadern ebenfalls mit ihrer Verpflichtung der Familie gegenüber. Es kommt zu einem Streit, für den sie sich später verantwortlich fühlt und der langfristige Konsequenzen auch für ihr eigenes Leben hat. Durch die Form der Erzählung kann der Leser teilhaben an den Gefühlen des jeweiligen Briefschreibers. So ergibt sich auch ein starkes Mitfühlen an der inneren Auseinandersetzung von Elspeth zwischen Pflicht und Gefühl.

An den Schreibstil des Buchs in der besonderen Form der Briefe hatte ich mich schnell gewöhnt. Die Erzählung ist romantisch und hat mich vor allem zum Schluss hin tief berührt. Zunehmend zog mich die Geschichte in ihren Bann. Durch einige unverhoffte Entwicklungen blieb der Ablauf bis zum Ende unvorhersehbar. Und erst auf den letzten Seiten erfährt der Leser das Geheimnis um die Herkunft von Margret. Der Roman hat mir sehr gut gefallen und ich empfehle ihn daher gerne weiter.


Die Erben der alten Zeit - Der Thul
Die Erben der alten Zeit - Der Thul
von Marita Sydow Hamann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,80

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Geschichtenbewahrer - genau so gut wie Teil 1 der Trilogie, 31. März 2014
„Die Erben der alten Zeit – Der Thul“ von Marita Sydow Hamann ist der zweite Band einer Fantasytrilogie. Elemente aus der nordischen Mythologie rund um den Göttervater Odin spielen in die Erzählung hinein. Die Geschichte spielt zum größten Teil auf einem von der Autorin für diese Trilogie erfundenen Planeten. Dazu ist es schön, dass es auf den ersten Seiten des Buchs zur Orientierung des Lesers eine skizzierte Übersichtskarte gibt, die sie selbst gezeichnet hat. Die farbliche Gestaltung des Schutzumschlags ist dem des ersten Teils der Serie angepasst. Die Figur auf dem Cover im Vordergrund rechts nimmt Bezug auf den Thul, der namensgebend für den zweiten Band ist. Ein Thul ist ein Erzähler, der die Geschichten der Menschen über Generationen hinweg auf seinen Reisen durch das Land weiterträgt. Er ist in diesem Roman von besonderer Bedeutung, weil auf Godheim und Vanaheim das Schreiben in jeder Form verboten ist. Links hinter dem Thul ist eine Felsenburg zu erkennen. So ähnlich stelle ich mir Asgard vor, den Wohnsitz des Despoten Oden. Hier wird Hanna, im ersten Teil eine Weggefährtin der 14-jährigen Protagonisten Charlie, gefangen gehalten und hier beginnt auch die Fortsetzung der Geschichte.

Hanna ist durch ihren Schutzstein auch inmitten der Bärsärker von Oden unangetastet geblieben. Auf der Burg findet sie einen Gefährten mit dem sie auf abenteuerlichen Streifzügen durch Asgard ein Geheimnis entdeckt, dass sicherlich im dritten Teil des Buchs noch eine wichtige Rolle spielen wird. Sie glaubt, dass ihre Freundin Charlotta Johansson, genannt Charlie, tot ist, doch dank der Hilfe eines Freundes und den Schwarzelfen ist diese in Sicherheit und wird langsam wieder gesund. Charlie hat immer wieder Visionen von Sora, einer jungen Frau die den dritten Teil des zerbrochenen Amuletts besitzt. Obwohl Oden es geschafft hat, ihren Teil des Amuletts in seinen Besitz zu bringen, ist Charlie und ihren Freunden klar, dass sie sich zunächst auf die Suche nach Sora begeben müssen. Erst dann macht es Sinn, die beiden Teile von Oden zurück zu holen, um das Amulett wieder zusammenzusetzen und die Welt vor der Vernichtung durch Oden zu retten. Auf ihrer Suche nach Sora begegnen sie dem Thul. Das Schicksal scheint sie zusammengeführt zu haben. Gemeinsam stellen sie sich den Herausforderungen.

Zwar hilft die Autorin durch geschicktes Einflechten von Rückblicken dem Leser dazu, sich an den Inhalt des ersten Bands zu erinnern, doch für ein besseres Verständnis ist es besser, den ersten Teil der Serie zu kennen. Ich konnte schnell wieder in die Geschichte hineinfinden und habe mich über die neuen Abenteuer gefreut, die Charlie und ihre Freunde erleben. Beim Lesen kam ich zügig voran, denn mir waren die komplexen Zusammenhänge zwischen den drei Erzählebenen nun bekannt und es fand auch kaum noch ein Wechsel zwischen den Ebenen statt Dadurch ist die Geschichte aber nicht minder spannend, sondern wartet auch weiterhin mit unerwarteten Wendungen und neuen Ideen auf. Beispielsweise spielen Schutzgeister, Fylgjen genannt, eine große Rolle im weiteren Verlauf. Die Charaktere entwickeln sich nicht nur durch Training in ihren magischen Fähigkeiten weiter, sondern lernen sich auch gegenseitig zu respektieren und zu unterstützen. Der Thul blieb mir und auch den Freunden zunächst noch suspekt, doch durch sein Handeln wurde er mir sympathisch. Die Freunde entwickeln langsam Vertrauen zu ihm, dass jedoch noch auf die Probe gestellt wird. Zum guten Abschluss deckt Charlie dann noch ein überraschendes Geheimnis von Oden auf, das schon jetzt Lust auf den abschließenden Teil macht, in dem es bestimmt noch wichtig wird. Kann das Gute schließlich über das Böse siegen? Ich möchte es gerne wissen und freue mich auf den letzten Teil der Trilogie.


Alice, wie Daniel sie sah: Roman
Alice, wie Daniel sie sah: Roman
Preis: EUR 12,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Melancholisch, aber ohne traurig zu stimmen, 26. März 2014
Der Roman “Alice, wie Daniel sie sah“ der englischen Autorin Sarah Butler führt den Leser nach London. Auf dem Cover ist eine junge Frau etwa im Alter von Alice, einem der Protagonisten des Romans, zu sehen. Sie hat ihre Arme weit ausgebreitete und streckt sie dem Himmel entgegen wie ein Mensch, der seine Freiheit und seine Glück in der Weite der Welt sucht und findet. Doch die grauen Wolken am Himmel trüben das gute Gefühl, das beim Betrachten des Bilds beim Leser aufkommt. Das Cover steht sinnbildlich für das Leben von Alice, die gerne ferne Länder bereist und dort auch immer längere Zeit vor Ort bleibt. Doch als sie von einer tragischen Erkrankung in der Familie erfährt, eilt sie unmittelbar nach Erhalt der Nachricht zurück nach Hause.

Im Titel wird angesprochen, dass Daniel, Alice Vater, eine andere Wahrnehmung wie üblich hat. Er ist Synästhetiker und nimmt Wörter in Farben war. Für ihn ist der Name seiner Tochter eisblau wie der Buchstabe A, denn der Anfangsbuchstabe überstrahlt den Rest des Wortes.

Schon früh hat Alice, deren Mutter schon vor langer Zeit bei einem Unfall ums Leben gekommen ist, ihr Glück in weit entfernten Ländern gesucht. Zu ihren Schwestern und ihrem vermeintlichen Vater hat sie keine besonders enge Beziehung. Sie weiß nichts von dem Seitensprung ihrer Mutter. Daniel lebt schon seit langer Zeit ohne feste Arbeit und Wohnsitz. Zwar weiß Daniel, dass Alices Mutter ein Kind von ihm erwartete als die beiden sich trennten, aber er kennt nicht den Wohnort von Alice. Aus allen möglichen Dingen, die er unterwegs findet, bastelt er kleine Kunstwerke in den Farben von Alices Namen. Seit einiger Zeit hat er Herzprobleme und so ist es ihm ein nun besonderes Anliegen intensiv nach seiner Tochter zu suchen. Durch Zufall erfährt er ihre Adresse. Nun legt er seine Basteleien so ab, dass Alice sie finden kann. Wird sie die Hinweise verstehen und begreifen wer er ist?

Der Roman wird aus den ständig wechselnden Perspektiven von Daniel und Alice selbst erzählt. Daniel richtet seine Worte direkt an Alice. Beide schildern aber nicht nur ihre augenblicklichen Erlebnisse, sondern schauen auch in Erinnerungen szenenweise auf Vergangenes. Vor jedem Kapitel hat Sarah Butler zehn Dinge unter einem Thema zusammengetragen, die für Alice beziehungsweise Daniel von Bedeutung sind gesetzt. Der Obdachlose Daniel, der rastlos unterwegs ist ohne eine feste Arbeit anzustreben, aber mit der besonderen Gabe Buchstaben farblich wahrzunehmen, wurde mir sympathisch. Das Leben, das er gegenwärtig führt, erklärt sich teilweise aus seiner familiären Herkunft und den Umständen heraus. Der Charakter Alice wirkte für mich nicht ausgereift. Obwohl sie selbst es sich nicht erklären kann, fühlt sie schon immer einen gewissen Abstand zu den übrigen Familienmitgliedern. Sie gibt sich die Mitschuld am Tod ihrer Mutter. In der Darstellung bleiben für mich einige Erklärungslücken zurück, um mir ein vollständiges Bild von Alice machen zu können. Neben dem Ungesagten innerhalb der Familie bleibt beispielsweise auch unklar wer sich um ihre Erziehung gekümmert hat, ihre Ausbildung oder Studium und womit sie ihren Lebensunterhalt verdient.

Diese Erzählung ist eine unaufdringliche Geschichte. Der Leser hofft darauf, dass Daniel und Alice sich nicht nur finden, sondern auch mögen werden. Stellenweise ist sie melancholisch, ohne jedoch traurig zu stimmen. Immer wieder erstaunlich und sehr gut gelungen fand ich es, welche Dinge die Autorin Daniel zum Basteln finden lässt und mit welcher Detailgenauigkeit sie diese und seine fantastischen Gebilde, die er daraus zusammensetzt, beschreibt. Obwohl mich der Roman letztlich nicht ganz so wie erhofft berühren konnte, halte ich ihn vor allem aufgrund der Idee zur Geschichte für lesenswert und unterhaltsam.


Die Sache mit meiner Schwester: Roman
Die Sache mit meiner Schwester: Roman
von Anne Hertz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Herz(t)erwärmend, 13. März 2014
Das wunderschöne Cover von „Die Sache mit meiner Schwester“ von Anne Hertz verspricht eine locker-leichte Lektüre. Vor hellblauem Hintergrund stehen zwei junge Frauen im pinken Kleid zueinander gewendet und halten Small Talk. Das ganze wird mit Blüten und Schmetterlingen verziert. Doch wenn man genauer hinsieht, bemerkt man die schwarze Gestaltung dieser Verzierung und des Titelschriftzugs sowie die schwarzen Silhouetten der Frauen, wodurch der erste Eindruck deutlich getrübt wird. Genauso trügt der äußere Schein der Beziehung der Protagonistinnen dieses Romans. Nele Krüger und Heike Bachmann, beide um die 40 Jahre, sind Schwestern und Schriftstellerinnen, die gemeinsam unter dem Pseudonym Sanne Gold Romane schreiben. Nach außen hin erscheint es dem Leser, dass die beiden ein inniges Verhältnis zueinander haben, doch unter der Oberfläche brodelt es zunehmend und sie sind so zerstritten, dass sie inzwischen einen Ghostwriter für ihre Bücher beschäftigen. Aber den Lesern ist das nicht bekannt.

Beim Erscheinen des neuen Buchs von Sanne Gold werden Nele und Heike zu einer Talkshow eingeladen. Nele war schon einmal verheiratet, ist kinderlos und momentan liiert mit dem verheirateten Niklas, einem ehemaligen Klassenkameraden von Nele. Heike hingegen ist Hausfrau und Mutter von drei Kindern. Während des Interviews läuft zunächst alles nach dem üblichen Schema ab. Als im abschließenden Teil Zuhörer per Telefon Fragen stellen können, ruft ausgerechnet Niklas‘ Frau an und konfrontiert vor allem Nele mit unangenehmen Wahrheiten. Es kommt zum heftigen Streit zwischen den Schwestern während der Sendung, den sie auf ihrer Heimfahrt fortsetzen. Und plötzlich ist da dieser LKW … und verändert das Leben der beiden von Grund auf.

Nele erzählt diese Geschichte aus ihrer Sicht. Unterbrochen wird ihre Erzählung jedoch von Tagebucheinträgen, die die Schwestern als Jugendliche geschrieben haben. Darin ist zu lesen, dass sie schöne Momente geteilt und bei Problemen zueinander gestanden haben. Als ebenfalls jüngere Schwester konnte ich mich für diese Zeit in Nele wiederfinden. Doch das Leben hat für die beiden unterschiedliche Wege bereitgehalten. Den Erfolg als Autorinnen teilen sie sich natürlich, doch das scheint beiden nicht genug, jeder neidet dem anderen einen Teil der aktuellen Lebenssituation. Erst als es zum Unglück kommt, beginnt Nele damit, sich in die Rolle ihrer Schwester hineinzudenken und stellt fest, dass die heile Welt von Heike Risse hat.

Anne Hertz ist das Pseudonym für zwei Autorinnen, die ebenfalls Schwestern sind. Manche eigene Erfahrung ist sicher in dieses Buch eingeflossen, weshalb die Darstellung authentisch beim Leser ankommt. Der Schreibstil ist flüssig und humorvoll, wird jedoch von ernsten Untertönen begleitet. Sollte die Leserin des Buchs ebenfalls eine oder mehrere Schwestern haben, wird es sie garantiert, so wie mich, zum Nachdenken über die eigene Beziehung zueinander bringen. Dennoch ist es kein Roman, der mich lange traurig sein ließ, denn die Situationskomik, die sich aus den Dingen, die der liebenswerten Nele immer wieder zustoßen, ergibt, überwiegt den ernsteren Teil. Es hat mich gereizt möglichst schnell zu erfahren, ob die Geschichte ein gutes Ende finden wird und ich konnte sie daher kaum zur Seite legen. Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und vergebe gerne eine Leseempfehlung.


Ich finde dich: Thriller
Ich finde dich: Thriller
von Harlan Coben
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wo ist Natalie? Spannende Suche nach der geliebten Frau, 12. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Ich finde dich: Thriller (Broschiert)
Die dunklen Wolken über der Siedlung kleiner Wohnhäuser auf dem Cover des Buchs „Ich finde dich“ von Harlan Coben spiegeln die aktuelle Stimmung des Protagonisten Jake Fisher wieder. Vor sechs Jahren wurde er von seiner Freundin gebeten, sie zu vergessen. Doch die Umstände, unter der sie ihm das Versprechen abnimmt, sind merkwürdig. Er fragt sich, was in ihrer Beziehung falsch gelaufen ist.

Jake, Professor für Politikwissenschaften an Lanford-College im Osten Amerikas, erhält die Möglichkeit während einer Schreibblockade in einem Refugium an seiner Dissertation weiter zu arbeiten. Dort lernt er Natalie, eine Künstlerin, kennen und lieben. Sie verbringen drei berauschende Sommermonate miteinander. Jake glaubt, die Frau fürs Leben gefunden zu haben, doch dann überrascht Natalie ihn damit, dass sie einen anderen heiraten wird, eine frühere Liebe, wie sie behauptet. Gleichzeitig nimmt sie Jake bei der Hochzeit das Versprechen ab, nie mehr mit ihr in Kontakt zu treten. Jake kann sich den Umschwung von Natalies Gefühlen nicht erklären. Seine Liebe zu ihr ist so tief, dass er auch sechs Jahre später immer noch keine neue feste Freundin hat und jeden Tag an sie denken muss.

Dann sieht er auf der Homepage des Colleges den Nachruf auf einen Verstorbenen, es ist Natalies Mann. Ist dies eine neue Chance für Jake? Soll er sich weiterhin an sein Versprechen halten? Er beschließt zur Beerdigung zu fahren und ist fassungslos. Seine Gedanken können sich keinen Reim auf die Personen machen, die er dort antrifft und er beginnt damit, Fragen zu stellen, mit denen er sich bei einigen Personen unbeliebt macht. Doch bei allen ungeklärten Zusammenhängen steht für ihn nur eine Frage im Vordergrund: Wo ist Natalie?

Gleich zu Beginn nimmt Harlan Coben den Leser mit zur Hochzeit von Natalie. Das Buch ist durchgehend aus der Ich-Perspektive von Jake Fisher geschrieben, einem großen, kräftigen Mann, der während seines Studiums als Doorman gejobbt hat. Im Laufe des Thrillers wird ihm seine Erfahrung aus dieser Tätigkeit noch zu Gute kommen. Jake kann nicht glauben, dass er Natalie für sich verloren hat. Seine Gedanken suchen nach einer objektiven Erklärung für seine anhaltend tiefen Gefühle für diese eine Frau. Dennoch zeigt er sich gegenüber Natalies Ehemann weder rachsüchtig noch nachtragend. Die Geschichte springt dann zu einer Zeit sechs Jahre später als Jake den Nachruf entdeckt.

Wurde der Leser zunächst auf wenigen Seiten noch mit einer Liebesgeschichte ohne Happyend konfrontiert, beginnt nun der spannende Teil mit der neugeweckten Hoffnung von Jake, dass Natalie nun bereit sein könnte, ihn wieder zu lieben. Doch erst mit und mit hält der Autor Rückblick auf die Beziehung der beiden in diesem einen Sommer und den familiären Hintergründen. Durch die Ich-Perspektive hatte ich als Leser gegenüber Jake keinen Informationsvorteil, ich war immer an seiner Seite zwischen Hoffnung und Aufgabe. Auch das ganze Ausmaß der Intrigen und Heimlichkeiten, die miteinander verbunden sind, entfaltet sich erst im Laufe der Zeit.

Die Geschichte ist spannend und fesselnd bis zum Schluss und stets hat mich der Wunsch begleitet, dass Jake sich endlich seinen Wunsch erfüllen kann, so sind die Seiten nur dahingeflogen. Manchmal habe ich mich gefragt, ob seine anhaltende Liebe nicht doch etwas übertrieben ist, wenn er dafür alles Erdenkliche tut und auch andere damit in Gefahr bringt. Doch trotz oder gerade deswegen lässt die Faszination für die Story nicht nach. Daher empfehle ich das Buch an alle Fans des Genre Thriller gerne weiter.


Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat: Roman
Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat: Roman
von Gavin Extence
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie ein unwahrscheinlicher Unfall das Leben eines 10jährigen verändert hat, 28. Februar 2014
Mit dem unwahrscheinlichen Einschlag eines Meteoriten, der das Dach des Hauses durchschlägt, in dem Alex Wood mit seiner Mutter in einem kleinen englischen Ort lebt, und ihn danach mit voller Wucht am Kopf trifft, beginnt das unerhörte, ungewöhnliche Leben des inzwischen 17jährigen Alex Woods. Er wird von polizeilich gesucht und mit einer Tüte Marihuana im Handschuhfach und einer mit Asche gefüllten Urne auf dem Beifahrersitz eines Autos bei seiner Einreise nach England festgenommen. Damit der Leser versteht, wie es zu dieser Situation kommen konnte, erzählt Alex sein bisheriges Leben vom Augenblick des Unfalls an im Buch „Das unerhörte Leben des Alex Woods“ von Gavin Extence in. Das wunderschön gestaltete Cover in türkisblau gibt den Moment wieder, der zur einschneidenden Änderung von Alex‘ Leben an einem ganz gewöhnlichen Abend führte.

Der Meteorit beschädigte die Schädeldecke des damals 10-jährigen Alex. Seit dem Unfall leidet er unter epileptischen Anfällen. Es ist ihm daher über längere Zeit nicht möglich zur Schule zu gehen. Während eine Lehrerin ihm zu Hause lediglich eine Grundbildung in den Schulfächern vermittelt, entwickelt er ein reges Interesse zunächst an Astrophysik, später am Aufbau des Gehirns und Literaturklassikern. Als er wieder zur Schule gehen kann, meidet er jede sportliche Betätigung darunter auch Fußball, der bei seinen Klassenkameraden besonders angesagt ist. Eine Konfrontation mit den Anführern der Jungs seiner Klasse ist vorprogrammiert. Seine Mutter möchte, dass er für den Sachschaden, der dabei entstanden ist, einsteht und sich nicht nur entschuldigt, sondern auch den Schaden abarbeitet, obwohl er beteuert keine Schuld daran zu tragen. Auf diese Weise lernt er Mr. Petersen kennen, zu dem sich im Laufe der Zeit eine ganz besondere Art der Freundschaft entwickelt, die ein ganz wichtiger Bestandteil seines jungen Lebens wird.

Auch vor dem Unfall ist das Leben von Alex nicht alltäglich. Seine Mutter weiß angeblich nicht genau, wer der Vater ist. Sie selbst besitzt einen esoterischen Laden und weissagt aus Tarotkarten ihren Kunden die Zukunft. Das Umfeld in dem er aufwächst und seine Erkrankung lassen Alex so anders werden wie andere Kinder und Jugendliche in seinem Alter, sehr viel ernsthafter und mit Themen beschäftigt, für die er altersmäßig eigentlich zu jung ist. So findet er auch keine Gesprächspartner, die zu Freunden werden könnten, in der Schule, sondern wird ganz im Gegenteil von seinen Mitschülern gemobbt. Die Geschichte ist aus der Ich-Perspektive von Alex geschrieben, so kann der Leser den ständigen Gefühlswirrwarr, in dem er sich befindet, mitverfolgen. In einigen Dingen unterliegt er auch den Regeln der Schule und den Weisungen seiner Mutter und kann manches Mal nicht so agieren wie er möchte. Dennoch bleibt er loyal und wird nicht zum Verräter, was sich auch später in Beziehung auf Mr. Peterson beweist.

Als der Unfall geschieht ist Alex erst 10 Jahre. Durch das aus Fachbüchern aneignete Wissen, das sich auf sein Denken und seine Sprache auswirkt, erscheint er altklug. Er erzählt immer das, was ihn gerade beschäftigt mit einem stellenweise ihm eigenen trockenen Humor und damit all das, von dem er annimmt, dass es dem Leser zum Verständnis der Schilderungen am Anfang des Buchs beitragen wird. Im Laufe seiner Erzählung ist eine geistige Weiterentwicklung zu bemerken, die sich in der Art Dinge zu hinterfragen und der inneren Auseinandersetzung vor einer Handlung äußert. Alex diskutiert in diesem Buch wichtige Themen wie Pazifismus, Toleranz, Glauben und im Besonderen Sterbehilfe, wobei ihm Mr. Peterson dabei als hauptsächlicher Gesprächspartner zur Seite steht und sich auf diese Weise ihre ganz besondere Beziehung zueinander entwickelt, eine Beziehung die ihre Höhe- und Tiefpunkte hat. Neben Alex sind auch weitere Charaktere, allen voran Mr. Peterson und seine Mutter aber beispielsweise auch die Ladenhilfen ganz eigene Persönlichkeiten, die nicht in allen Situationen liebenswert erscheinen. Stattdessen wechseln die Sympathien des Lesers je nach Szenerie.

Dieses Buch ist ungewöhnlich und gerade das hat mich an der Geschichte gereizt, sie hat mich zum Nachdenken veranlasst. Ein Buch über das man mit anderen sprechen möchte.


Die Seltsamen
Die Seltsamen
von Stefan Bachmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,90

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Jugendbuch, das auch Erwachsenen gefallen wird, 26. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Seltsamen (Gebundene Ausgabe)
Vom äußeren Erscheinungsbild des Buchs „Die Seltsamen“ von Stefan Bachmann deutet nur wenig darauf hin, dass es sich um eine Steampunk Fantasy handelt. Aus dem mechanischen Vogel, den man am Aufziehschlüssel auf dem Rücken und den Nägeln im Blech des gestalteten Gesichts erkennen kann, gibt einen Hinweis auf die zeitliche Gestaltung der Erzählung. In der Geschichte des Romans qualmt und dampft es außerordentlich. Titelgebend ist eine besondere Art von Geschöpf zu denen der Protagonist Bartholomew, der auch Barthy genannt wird, und seine Schwester gehören. Sie sind die Kinder eines Feenwesens und eines Menschen, die als Mischlinge in diesem Roman zur Spezies der „Seltsamen“ gehören.

Zu der Zeit, in der Bartholomew lebt, haben sich Feenwesen in England ausgebreitet und sich auch teilweise mit den Menschen vermischt, obwohl sie von beiden Seiten gehasst werden. Feen haben früher im Verborgenen Land gelebt, aber irgendwann einen Weg gefunden nach England zu kommen. Dabei wurde die Stadt Bath in Schutt und Asche gelegt. Barthy und seine Schwester leben mit ihrer menschlichen Mutter in den Slums des neuen Bath, sein Vater hat die Familie vor langer Zeit verlassen. Sie sind beide sehr hässlich und dürfen das Haus nicht verlassen, damit sie nicht entdeckt werden. Sein großer Wunsch ist es, einen Hausgeist herbeizurufen, der für ihn seine täglichen Aufgaben erledigt. Doch seine Mutter warnt ihn, dass dieser auch böse sein kann.

Gleichzeitig lebt in London der ungeschickte und verschlafene Politiker Mr. Jelliby. Das Verschwinden von neun Mischlingen, die tot aus der Themse gezogen werden wird zum Tagesordnungspunkt. Von einer wunderlichen Dame wird er gebeten, ihr zu helfen. Als er ihrer Bitte nachkommt und einer Ahnung folgt, kommt er ungeahnt der Bedrohung der ganzen Welt auf die Spur. Seine Suche nach dem Urheber der ausstehenden Katastrophe führt ihn unter anderem nach Bath und dort trifft er auf Bartholomew, der inzwischen verzweifelt nach seiner verschwundenen Schwester sucht. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg den Übeltäter aufzuhalten.

Dieses Buch ist voll mit ungewöhnlichen Wesen, ungewöhnlichen Orten und ungewöhnlichen Situationen. Stefan Bachmann hat eine blühende Fantasie, die in jedem Abschnitt des Buches zu finden ist. Die Geschichte wird zu Beginn mit Sicht auf zwei verschiedenen Handlungsebenen erzählt. Einerseits erfährt der Leser von Barthy und seiner Familie, die ständig von Hunger und Verfolgung in den Slums von Bath bedroht. Andererseits verfolgt er das bis dahin geruhsame Leben des Politikers Jelliby, der mit seiner Frau im London des fiktiven Dampfzeitalters lebt, das im Mief zu ersticken droht. Zum Schluss des Buchs bleibt auch weiterhin ein Problem offen, so dass es unweigerlich eine Fortsetzung geben muss.

„Die Seltsamen“ ist ein Jugendbuch, das auch Erwachsenen gefallen wird. Der Autor versteht es mit Worten umzugehen. Der Schreibstil ist leicht und flüssig zu lesen, lässt aber trotzdem den Leser manches Mal innehalten um sich den Inhalt bildlich vorstellen zu können. In die wunderliche Umgebung passen die sonderlichen Charaktere hervorragend. Kaum glaubt man die Richtung zu erkennen, in die die Erzählung führen wird, zaubert Stefan Bachmann eine neue Idee herbei. Dennoch hat mir hier und da die logische Begründung gefehlt, doch das ist nebensächlich in Betracht auf die Gedankenspiele, die in dieses Buch einfließen. Daher gibt es von mir 4,5 Sterne.


Phoenix: Thriller
Phoenix: Thriller
von Jan Aalbach
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Auf der Suche nach dem Elixier des Lebens, 25. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Phoenix: Thriller (Taschenbuch)
Auf das Buch „Phoenix“ von Jan Aalbach bin ich durch die Leseprobe zum Buch aufmerksam geworden. Daher wusste ich, dass es sich zwar um einen Thriller handelt, dieser aber im Bereich der Fantasy angesiedelt ist. Leider lässt sich dies durch Covergestaltung und dem Text auf der Rückseite nicht feststellen, dadurch wird das Buch sicher häufiger an die falsche Zielgruppe geraten. Der Titel deutet auf einen wesentlichen Bestandteil der Erzählung hin, denn der Phoenix beziehungsweise ähnliche Ausformungen in anderen Mythen, erheben sich aus ihrer Asche immer wieder zu neuem Leben. Der Protagonist Elias Meerbaum begibt sich auf die Suche nach den Ingredienzien dieser Asche, um ein Mittel herzustellen, dass das ewige Leben geben soll. Auf dem Cover ist jedoch weder ein Phoenix noch Asche zu sehen, sondern ein Moskito, dessen Stich den Anlass gibt, dass Elias sich auf die Suche nach den Bestandteilen des Rezepts macht.

Elias Meerbaum, der erfolgreiche Fernsehkoch mit enormen Kenntnissen der Flora weltweit, wird von dem Wirtschaftmagnat Henning von Bromberg um Hilfe gebeten. Von Bromberg ist sterbenskrank und im Besitz eines Rezepts in Gedichtform mit kryptischen Formulierungen zur Herstellung eines Wundermittels, das angeblich seine Krankheit heilen kann. Der Magnat bietet Elias sehr viel Geld, damit dieser die Zutaten für ihn besorgt, die in fernen Ländern gut versteckt und schwer zugänglich sind. Währenddessen dringt eine obskure Gestalt in das Hotelzimmer von Elias ein, die beim Verlassen des Hotels eine blutige Spur hinter sich zieht. Nicht nur, dass Meerbaum nach einer Nacht in seinem Zimmer plötzlich lebensbedrohlich erkrankt, sondern die Verbrechen führen unübersehbar zu seiner Person. Dadurch hat auch er nun ein erhöhtes Interesse daran, die Rezepturbestandteile zu finden. Eine hübsche Frau, die mehr mit ihm gemeinsam hat, wie beide zunächst vermuten könnten begleitet ihn auf seiner Reise. Während der Suche bemerkt er an sich selbst immer mehr unerklärliche Phänomene. Im Laufe der Geschichte kommt er dem Ziel der Suche nicht nur näher, sondern findet auch seine eigene Vergangenheit wieder.

Jan Aalbach nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die Mythologie zu den Themen Wiedergeburt und Lebenselexiere. Die unterschiedlichsten Erzählungen, Sagen und Legenden der verschiedenen Religionsgemeinschaften hat er in dieses Buch eingebunden. Seine Recherchen hierzu sind detailliert und sehr gut beschrieben. Der Roman spielt in der Gegenwart und blendet in späteren Szenen eine fantasymäßig gestaltete Vergangenheit ein. Die Rezeptkomponenten werden eine nach der anderen „abgearbeitet“ und der Leser erfährt an passender Stelle einiges zu dem jeweils gesuchten Bestandteil. Grundsätzlich ist die Suche nach den Zutaten spannend gestaltet, aber auch in gewisser Weise gleichförmig. Zum Glück gibt es einige unerwartete Wendungen, die vor allem aus dem Bereich der Fantasy kommen.

Besonders die Figur des Elias Meerbaum ist interessant gestaltet. Durch seine besonderen Geruchs- und Geschmacksfähigkeiten verblüfft er vielfach seine Umwelt und den Leser. Seine Schwäche sind krankmachende Keime und Bakterien, die er überall vermutet. Daher vermeidet er weitgehend Hautkontakt. Doch auf der langen Suche tritt diese Eigenschaft beinahe vollständig zurück hinter der Notwendigkeit sich selbst einzubringen, um in den Besitz der Zutat zu gelangen. Mir fehlt an diesem Charakter das aktuelle private Umfeld. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Besonders gut hat mir der Sarkasmus von Elias gefallen.

Obwohl es hier und da einige unlogische Zusammenhänge gibt, habe ich mich durch diesen Fantasythrillers gut unterhalten gefühlt und empfehle ihn an alle, die gerne Contemporary Fantasy lesen.


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