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Rezensionen verfasst von
Bernhard Österle (Kraichtal Deutschland)

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Der Splitter im Auge Gottes: Roman
Der Splitter im Auge Gottes: Roman
von Larry Niven
  Taschenbuch

49 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nee nee - so nicht..., 19. Februar 2003
Tut mir ja wirklich Leid, dass ich die 5-Punkte-Party für dieses Buch stören muss, aber die Lobeshymnen für diesen zum "Klassiker" erklärten Schmöker kann ich in keinster Weise nachvollziehen.

Es war also um 1973, die Amerikaner mussten sich gedemütigt aus Vietnam zurückziehen, die Friedensbewegung fand nicht nur auf der Straße, sondern auch in der (SF-)Literatur statt, da setzten sich die beiden Herren Pournelle und Niven genervt den Stahlhelm auf und sich selbst an die Schreibmaschine und fingen an, "Der Splitter im Auge Gottes" zu schreiben. Sie schilderten ein von einem Imperator (dessen Weisheit lediglich ein paar Wichtigtuer aus dem "Parlament" nicht einsehen wollen) geführtes Sternenreich, dessen Wohlstand und -ergehen von einem mächtigen Militärapparat garantiert wird; da kann es auch schon mal notwenig sein, um des lieben Friedens willen einen Planeten mit zehn Millionen Bewohnern(!) in die Luft zu jagen (auch wenn das wiederum irgendwelche Weicheier der "Humanitätsliga" nicht einsehen wollen). In dieser Situation kommt es zum ersten Kontakt mit einer außerirdischen Zivilisation. Die wichtigste Frage lautet: ist der Weltraum groß genug für beide...?

Genug der Ironie. Fast noch schlimmer als die politisch/militärischen Überzeugungen der Autoren (hat jemand Pournelles "Die entführte Armee" gelesen? Nein? Gut so!) sind die Charaktere des Romans. Neben einer einzigen Frauenfigur (die im Übrigen die Überzeugung vertritt, dass nur unanständige Frauen die Pille nehmen), wurden die restlichen Charaktere direkt aus dem Malbuch eines 5-Sterne-Generals ausgeschnitten: schneidig, mutig, zweidimensional, bereit zum (Maul-)Heldentod. Aber bevor ich mich in Rage schreibe, das Fazit: wenn man über die billigen Figuren und den peinlichen Rahmen hinweg sieht, bleibt ein leidlich unterhaltsamer SF-Schmöker, dessen angebliche Originalität ich aber vergeblich gesucht habe.
(Vielleicht bin ich auch einfach schon zu alt für dieses Krieg-im-Weltraum-Zeugs).


Der ewige Krieg: Roman
Der ewige Krieg: Roman
von Joe Haldeman
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

23 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gut, aber überbewertet, 8. Oktober 2001
Rezension bezieht sich auf: Der ewige Krieg: Roman (Taschenbuch)
Okay, das Buch ist im Großen und Ganzen intelligent und glaubwürdig, Details und Hintergrund sind gut ausgearbeitet. Dass der Autor Krieg (oder meint er den Militärdienst?) nicht toll findet, weil er tödlich, brutal und menschenverachtend ist, steht außer Zweifel. Aber den Roman deshalb gleich in den Olymp der Anti-Kriegsliteratur zu heben, geht mir dann doch etwas zu weit (vielleicht galten ja Anfang der 70er noch andere Maßstäbe, oder Amerikaner haben einen etwas anderen Blickwinkel auf den Krieg).
Mal abgesehen davon, dass die taurischen Feinde nur als anonyme Ungeheuer auftauchen, mal abgesehen von der Unglaubwürdigkeit, dass der angeblich pazifistisch angehauchte Held es bis zum Major schafft, mal abgesehen vom Schlussteil, dessen Schilderung vom verlustreichen, aber gleichwohl heldenmütigen, weil siegreichen Kampf gegen eine zig-fache Übermacht jedem Kommisskopp Tränen der Rührung in die Augen treiben würde: der größte Mangel des Buches (und damit die wichtigste Verbindung zum angeblich geschilderten Vietnam-Krieg) liegt im kompletten Fehlen der Hauptleidtragenden des Krieges: der Zivilbevölkerung (Haldeman schildert den Krieg eben aus rein terranischer = amerikanischer Sicht). Und zu guter Letzt: Happyend... o je!!
Aber ich will nicht zuviel meckern - wenn man mir das Buch nicht als brillanten Antikriegsroman verkaufen will, ist es ganz in Ordnung!

Etwas zu meckern hab ich dann doch noch: obwohl Haldeman in seinem Vorwort darauf hinweist, auf die Änderung der Jahresangaben bewusst verzichten zu wollen (geschrieben Anfang der 70er, beginnt die Handlung 1997), pfeift der deutsche Herausgeber auf den Verfasser des Buches mit der Bemerkung, dies sei dem deutschen Leser nicht zuzumuten, und erlaubt sich, bei allen Jahreszahlen 300 hinzu zu addieren!! Aus meiner Sicht eine Unverschämtheit und Dummheit! Die direkte Verbindung zu den Vorkommnissen des 20. Jahrhunderts wird einfach gekappt und der Gipfel der Peinlichkeit erreicht, als der Protagonist verrät, dass seine Eltern "Hippies" gewesen seien! AHA! Schön zu wissen (zumindest für den deutschen Leser des Buches), dass die Hippie-Bewegung im 23. Jahrhundert eine Renaissance erlebt! Hoffen wir, dass diesem neunmalklugen Herausgeber nicht irgendwann Orwells "1984" in die Finger gerät!


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