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Dr. Volker Hoeper "Asmodino" (Schortens, Germany)
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Von Zeit und Strom. Eine Legende vom Hunger des Menschen in der Jugend
Von Zeit und Strom. Eine Legende vom Hunger des Menschen in der Jugend
von Thomas Wolfe
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Sprachgemälde von großer Schönheit über den "Hunger" und die "Wut" der Jugend des Menschen., 4. Juli 2014
Das Leitthema, welches in zahlreichen Variationen immer wieder dargestellt wird, ist die Verlorenheit und die Hoffnungslosigkeit einer winzigen, begrenzten menschlichen Existenz, eingebettet in diese großartige, schöne, berauschende Welt voller Farben, stiller und grandioser Landschaften, wunderbarer und verwerflicher Charaktere, aber auch beispielloser Grausamkeit und Härte. Der kleine, winzige Mensch, ein Atom auf diesem Planeten und im Universum, nur ein kurzer, kaum wahrgenommener Lichtblitz, schnell wieder vergessen, sucht eine Tür, eine kleine Zelle, etwas Sicherheit und findet dies nicht. Immer wieder spricht Eugene von Türen, die er nicht öffnen kann. Er findet den Weg nicht zu Sinn, Inhalt, Geborgenheit, zu mindestens nicht in der "Sturm- und Drang" -Zeit seiner Jugend.

Wolfe schafft gewaltige Gemälde, intensiv, voller Farben und Gestalten. In diesen Gemälden beschreibt er die einzelnen Kapitel des Lebens seiner Hauptfigur Eugene. Der Leser ist mittendrin in dieser Geschichte, lebt alles intensiv mit. Eine solche Wortgewalt, solche farbigen, intensiven Beschreibungen sind dem Schreiber dieser Zeilen noch nicht begegnet. Und immer wieder das Erlebnis: Der Leser erkennt eine Situation als selbst erlebt, er erkennt eigene Empfindungen seiner frühen Jahre wieder. Er möchte einzelne Zeilen oder Abschnitte sozusagen herausschneiden und für sich selbst aufbewahren (was beim E-Book durch markieren und kommentieren leicht möglich und vor allem immer wieder auffindbar ist).
Unglaublich stimmungsvoll und eindrücklich die Beschreibungen tage- und nächtelanger Eisenbahnfahrten durch die unendlichen Weiten Amerikas mit damals riesigen, monsterartigen Lokomotiven. In der Nacht das winzige Licht eines einsamen Hauses in unendlicher Weite, wer mag hier wohnen? In der Stadt der unendliche Strom vorbeiziehender Gesichter, unbekannt, einer kleinen Zelle in einem der riesigen Gemäuer zustrebend. Jeder um sein winziges Glück kämpfend.

Das Werk ist nicht depressiv oder destruktiv. Es gibt Augenblicke des größten Glücks, der Vollkommenheit, die die Hauptfigur in sich aufsaugt und auslebt. Die glücklichen und die verzweifelten Momente wechseln. Ein Sinn des Lebens besteht nach Aussage des Autors auch darin, diese tiefsten Glücksmomente zu erkennen und zu verinnerlichen. "Ewigkeit ist jetzt" hat einmal jemand gesagt. Der Grundtenor ist in den Jahren der Jugend angesichts der Kürze und Nichtigkeit der menschlichen Existenz eher negativ: "Alles umsonst". An der Schönheit der Erde und hier besonders der unendlichen Weite (1920) der amerikanischen Landschaft ändert das nichts. Sie ist ewig, wie Eugene immer wieder feststellt.
Der Roman endet an Bord eines Überseedampfers auf dem Wege zurück nach Amerika. Und auch hier endet die Jugend des Eugene, offenbar indem er eine Bindung zu einer ihm gleichgesinnten und ähnlich fühlenden Frau eingeht. Doch dieses Ende bleibt eigenartig nebulös.
Die Handlung spielt um 1920 in Amerika und später in Europa. Sie ist die Fortsetzung des ersten Romans von Wolfe: Schau Heimwärts, Engel". Autobiographische Bezüge sollen vorliegen. Tragisch ist in diesem Zusammenhang, dass Wolfe in jungen Jahren (mit 38 J.) an der heute heilbaren Tuberkulose stirbt.
Es ist für das Verständnis der Zusammenhänge eigentlich unbedingt notwendig, diesen ersten Roman vorweg zu lesen, auch um die Kindheit, das weite Leben im Süden Amerikas und die Welt des Eugene zu begreifen. Das muss keine lästige Pflicht sein, ist doch das erste Werk ebenfalls sehr gut zu lesen. Das heißt dann natürlich mindestens ein halbes Jahr lang Thomas Wolfe (je nach Lesetempo). Doch die Werke werden nicht ohne Spuren am Leser vorbeigehen, er wird diese Welt mit anderen Augen sehen.

Wenn möglich sollte man das amerikanische Original lesen, was mit Hilfe untergelegter Wörterbücher bei E-Books mit mittleren Englischkenntnissen gut möglich ist. Man sollte sich das trauen, man liest sich ein. Selbst wenn der Anfänger das eine oder andere nicht genau verstehen sollte, die Schilderungen sind so voluminös und plastisch, dass der anfangs noch unsichere Leser letztlich nichts versäumt. Die Schönheit dieser Sprache wird ihn reichlich belohnen.


Von Zeit und Strom: Eine Legende vom Hunger des Menschen in der Jugend
Von Zeit und Strom: Eine Legende vom Hunger des Menschen in der Jugend
von Thomas Wolfe
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 34,95

5.0 von 5 Sternen Sprachgemälde von großer Schönheit über den "Hunger" und die "Wut" der Jugend des Menschen.,, 4. Juli 2014
Sprachgemälde von großer Schönheit über den "Hunger" und die "Wut" der Jugend des Menschen., 4. Juli 2014

Rezension bezieht sich auf: Von Zeit und Strom. Eine Legende vom Hunger des Menschen in der Jugend (Gebundene Ausgabe)
Das Leitthema, welches in zahlreichen Variationen immer wieder dargestellt wird, ist die Verlorenheit und die Hoffnungslosigkeit einer winzigen, begrenzten menschlichen Existenz, eingebettet in diese großartige, schöne, berauschende Welt voller Farben, stiller und grandioser Landschaften, wunderbarer und verwerflicher Charaktere, aber auch beispielloser Grausamkeit und Härte. Der kleine, winzige Mensch, ein Atom auf diesem Planeten und im Universum, nur ein kurzer, kaum wahrgenommener Lichtblitz, schnell wieder vergessen, sucht eine Tür, eine kleine Zelle, etwas Sicherheit und findet dies nicht. Immer wieder spricht Eugene von Türen, die er nicht öffnen kann. Er findet den Weg nicht zu Sinn, Inhalt, Geborgenheit, zu mindestens nicht in der "Sturm- und Drang" -Zeit seiner Jugend.

Wolfe schafft gewaltige Gemälde, intensiv, voller Farben und Gestalten. In diesen Gemälden beschreibt er die einzelnen Kapitel des Lebens seiner Hauptfigur Eugene. Der Leser ist mittendrin in dieser Geschichte, lebt alles intensiv mit. Eine solche Wortgewalt, solche farbigen, intensiven Beschreibungen sind dem Schreiber dieser Zeilen noch nicht begegnet. Und immer wieder das Erlebnis: Der Leser erkennt eine Situation als selbst erlebt, er erkennt eigene Empfindungen seiner frühen Jahre wieder. Er möchte einzelne Zeilen oder Abschnitte sozusagen herausschneiden und für sich selbst aufbewahren (was beim E-Book durch markieren und kommentieren leicht möglich und vor allem immer wieder auffindbar ist).
Unglaublich stimmungsvoll und eindrücklich die Beschreibungen tage- und nächtelanger Eisenbahnfahrten durch die unendlichen Weiten Amerikas mit damals riesigen, monsterartigen Lokomotiven. In der Nacht das winzige Licht eines einsamen Hauses in unendlicher Weite, wer mag hier wohnen? In der Stadt der unendliche Strom vorbeiziehender Gesichter, unbekannt, einer kleinen Zelle in einem der riesigen Gemäuer zustrebend. Jeder um sein winziges Glück kämpfend.

Das Werk ist nicht depressiv oder destruktiv. Es gibt Augenblicke des größten Glücks, der Vollkommenheit, die die Hauptfigur in sich aufsaugt und auslebt. Die glücklichen und die verzweifelten Momente wechseln. Ein Sinn des Lebens besteht nach Aussage des Autors auch darin, diese tiefsten Glücksmomente zu erkennen und zu verinnerlichen. "Ewigkeit ist jetzt" hat einmal jemand gesagt. Der Grundtenor ist in den Jahren der Jugend angesichts der Kürze und Nichtigkeit der menschlichen Existenz eher negativ: "Alles umsonst". An der Schönheit der Erde und hier besonders der unendlichen Weite (1920) der amerikanischen Landschaft ändert das nichts. Sie ist ewig, wie Eugene immer wieder feststellt.
Der Roman endet an Bord eines Überseedampfers auf dem Wege zurück nach Amerika. Und auch hier endet die Jugend des Eugene, offenbar indem er eine Bindung zu einer ihm gleichgesinnten und ähnlich fühlenden Frau eingeht. Doch dieses Ende bleibt eigenartig nebulös.
Die Handlung spielt um 1920 in Amerika und später in Europa. Sie ist die Fortsetzung des ersten Romans von Wolfe: Schau Heimwärts, Engel". Autobiographische Bezüge sollen vorliegen. Tragisch ist in diesem Zusammenhang, dass Wolfe in jungen Jahren (mit 38 J.) an der heute heilbaren Tuberkulose stirbt.
Es ist für das Verständnis der Zusammenhänge eigentlich unbedingt notwendig, diesen ersten Roman vorweg zu lesen, auch um die Kindheit, das weite Leben im Süden Amerikas und die Welt des Eugene zu begreifen. Das muss keine lästige Pflicht sein, ist doch das erste Werk ebenfalls sehr gut zu lesen. Das heißt dann natürlich mindestens ein halbes Jahr lang Thomas Wolfe (je nach Lesetempo). Doch die Werke werden nicht ohne Spuren am Leser vorbeigehen, er wird diese Welt mit anderen Augen sehen.

Wenn möglich sollte man das amerikanische Original lesen, was mit Hilfe untergelegter Wörterbücher bei E-Books mit mittleren Englischkenntnissen gut möglich ist. Man sollte sich das trauen, man liest sich ein. Selbst wenn der Anfänger das eine oder andere nicht genau verstehen sollte, die Schilderungen sind so voluminös und plastisch, dass der anfangs noch unsichere Leser letztlich nichts versäumt. Die Schönheit dieser Sprache wird ihn reichlich belohnen.
Kommentar Kommentar | Kommentar als Link


Of Time and the River (Annotated) (English Edition)
Of Time and the River (Annotated) (English Edition)
Preis: EUR 2,68

5.0 von 5 Sternen Sprachgemälde von großer Schönheit über den "Hunger" und die "Wut" der Jugend des Menschen., 4. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Von Zeit und Strom. Eine Legende vom Hunger des Menschen in der Jugend (Gebundene Ausgabe)

Das Leitthema, welches in zahlreichen Variationen immer wieder dargestellt wird, ist die Verlorenheit und die Hoffnungslosigkeit einer winzigen, begrenzten menschlichen Existenz, eingebettet in diese großartige, schöne, berauschende Welt voller Farben, stiller und grandioser Landschaften, wunderbarer und verwerflicher Charaktere, aber auch beispielloser Grausamkeit und Härte. Der kleine, winzige Mensch, ein Atom auf diesem Planeten und im Universum, nur ein kurzer, kaum wahrgenommener Lichtblitz, schnell wieder vergessen, sucht eine Tür, eine kleine Zelle, etwas Sicherheit und findet dies nicht. Immer wieder spricht Eugene von Türen, die er nicht öffnen kann. Er findet den Weg nicht zu Sinn, Inhalt, Geborgenheit, zu mindestens nicht in der "Sturm- und Drang" -Zeit seiner Jugend.

Wolfe schafft gewaltige Gemälde, intensiv, voller Farben und Gestalten. In diesen Gemälden beschreibt er die einzelnen Kapitel des Lebens seiner Hauptfigur Eugene. Der Leser ist mittendrin in dieser Geschichte, lebt alles intensiv mit. Eine solche Wortgewalt, solche farbigen, intensiven Beschreibungen sind dem Schreiber dieser Zeilen noch nicht begegnet. Und immer wieder das Erlebnis: Der Leser erkennt eine Situation als selbst erlebt, er erkennt eigene Empfindungen seiner frühen Jahre wieder. Er möchte einzelne Zeilen oder Abschnitte sozusagen herausschneiden und für sich selbst aufbewahren (was beim E-Book durch markieren und kommentieren leicht möglich und vor allem immer wieder auffindbar ist).
Unglaublich stimmungsvoll und eindrücklich die Beschreibungen tage- und nächtelanger Eisenbahnfahrten durch die unendlichen Weiten Amerikas mit damals riesigen, monsterartigen Lokomotiven. In der Nacht das winzige Licht eines einsamen Hauses in unendlicher Weite, wer mag hier wohnen? In der Stadt der unendliche Strom vorbeiziehender Gesichter, unbekannt, einer kleinen Zelle in einem der riesigen Gemäuer zustrebend. Jeder um sein winziges Glück kämpfend.

Das Werk ist nicht depressiv oder destruktiv. Es gibt Augenblicke des größten Glücks, der Vollkommenheit, die die Hauptfigur in sich aufsaugt und auslebt. Die glücklichen und die verzweifelten Momente wechseln. Ein Sinn des Lebens besteht nach Aussage des Autors auch darin, diese tiefsten Glücksmomente zu erkennen und zu verinnerlichen. "Ewigkeit ist jetzt" hat einmal jemand gesagt. Der Grundtenor ist in den Jahren der Jugend angesichts der Kürze und Nichtigkeit der menschlichen Existenz eher negativ: "Alles umsonst". An der Schönheit der Erde und hier besonders der unendlichen Weite (1920) der amerikanischen Landschaft ändert das nichts. Sie ist ewig, wie Eugene immer wieder feststellt.
Der Roman endet an Bord eines Überseedampfers auf dem Wege zurück nach Amerika. Und auch hier endet die Jugend des Eugene, offenbar indem er eine Bindung zu einer ihm gleichgesinnten und ähnlich fühlenden Frau eingeht. Doch dieses Ende bleibt eigenartig nebulös.
Die Handlung spielt um 1920 in Amerika und später in Europa. Sie ist die Fortsetzung des ersten Romans von Wolfe: Schau Heimwärts, Engel". Autobiographische Bezüge sollen vorliegen. Tragisch ist in diesem Zusammenhang, dass Wolfe in jungen Jahren (mit 38 J.) an der heute heilbaren Tuberkulose stirbt.
Es ist für das Verständnis der Zusammenhänge eigentlich unbedingt notwendig, diesen ersten Roman vorweg zu lesen, auch um die Kindheit, das weite Leben im Süden Amerikas und die Welt des Eugene zu begreifen. Das muss keine lästige Pflicht sein, ist doch das erste Werk ebenfalls sehr gut zu lesen. Das heißt dann natürlich mindestens ein halbes Jahr lang Thomas Wolfe (je nach Lesetempo). Doch die Werke werden nicht ohne Spuren am Leser vorbeigehen, er wird diese Welt mit anderen Augen sehen.

Wenn möglich sollte man das amerikanische Original lesen, was mit Hilfe untergelegter Wörterbücher bei E-Books mit mittleren Englischkenntnissen gut möglich ist. Man sollte sich das trauen, man liest sich ein. Selbst wenn der Anfänger das eine oder andere nicht genau verstehen sollte, die Schilderungen sind so voluminös und plastisch, dass der anfangs noch unsichere Leser letztlich nichts versäumt. Die Schönheit dieser Sprache wird ihn reichlich belohnen.


Of Time and the River: A Legend of Man's Hunger in his Youth (English Edition)
Of Time and the River: A Legend of Man's Hunger in his Youth (English Edition)
Preis: EUR 1,53

5.0 von 5 Sternen Sprachgemälde von großer Schönheit über den "Hunger" und die "Wut" der Jugend des Menschen, 4. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Leitthema in diesem Roman,in zahlreichen Variationen immer wieder dargestellt, beschreibt die Verlorenheit und die Hoffnungslosigkeit einer winzigen, begrenzten menschlichen Existenz, eingebettet in diese großartige, schöne, berauschende Welt voller Farben, stiller und grandioser Landschaften, wunderbarer und verwerflicher Charaktere, aber auch beispielloser Grausamkeit und Härte. Der kleine, winzige Mensch, ein Atom auf diesem Planeten und im Universum, nur ein kurzer, kaum wahrgenommener Lichtblitz, schnell wieder vergessen, sucht eine Tür, eine kleine Zelle, etwas Sicherheit und findet dies nicht. Immer wieder spricht Eugene von Türen, die er nicht öffnen kann. Er findet den Weg nicht zu Sinn, Inhalt, Geborgenheit, zu mindestens nicht in der "Sturm- und Drang" -Zeit seiner Jugend.

Wolfe schafft gewaltige Gemälde, intensiv, voller Farben und Gestalten. In diesen Gemälden beschreibt er die einzelnen Kapitel des Lebens seiner Hauptfigur Eugene. Der Leser ist mittendrin in dieser Geschichte, lebt alles intensiv mit. Eine solche Wortgewalt, solche farbigen, intensiven Beschreibungen sind dem Schreiber dieser Zeilen bisher nicht begegnet. Und immer wieder das Erlebnis: Der Leser erkennt eine Situation als selbst erlebt, er erkennt eigene Empfindungen seiner frühen Jahre wieder. Er möchte einzelne Zeilen oder Abschnitte sozusagen herausschneiden und für sich selbst aufbewahren (was beim E-Book durch markieren und kommentieren leicht möglich und vor allem immer wieder auffindbar ist).
Unglaublich stimmungsvoll und eindrücklich die Beschreibungen tage- und nächtelanger Eisenbahnfahrten durch die unendlichen Weiten Amerikas mit damals riesigen, monsterartigen Lokomotiven. In der Nacht das winzige Licht eines einsamen Hauses in unendlicher Weite, wer mag hier wohnen? In der Stadt der unendliche Strom vorbeiziehender Gesichter, unbekannt, einer kleinen Zelle in einem der riesigen Gemäuer zustrebend. Jeder um sein winziges Glück kämpfend.

Das Werk ist nicht depressiv oder destruktiv. Es gibt Augenblicke des größten Glücks, der Vollkommenheit, die die Hauptfigur in sich aufsaugt und auslebt. Die glücklichen und die verzweifelten Momente wechseln. Ein Sinn des Lebens besteht nach Aussage des Autors auch darin, diese tiefsten Glücksmomente zu erkennen und zu verinnerlichen. "Ewigkeit ist jetzt" hat einmal jemand gesagt. Der Grundtenor ist in den Jahren der Jugend angesichts der Kürze und Nichtigkeit der menschlichen Existenz hier bei Wolfe eher negativ: "Alles umsonst". An der Schönheit der Erde und hier besonders der unendlichen Weite (1920) der amerikanischen Landschaft ändert das nichts. Sie ist ewig, wie Eugene immer wieder feststellt.
Der Roman endet an Bord eines Überseedampfers auf dem Wege zurück nach Amerika. Und auch hier endet die Jugend des Eugene, offenbar indem er eine Bindung zu einer ihm gleichgesinnten und ähnlich fühlenden Frau eingeht. Doch dieses Ende bleibt eigenartig nebulös.
Die Handlung spielt um 1920 in Amerika und später in Europa. Sie ist die Fortsetzung des ersten Romans von Wolfe: "Schau Heimwärts, Engel". Autobiographische Bezüge sollen vorliegen. Tragisch ist in diesem Zusammenhang, dass Wolfe in jungen Jahren (mit 38 J.) an der heute heilbaren Tuberkulose stirbt.
Es ist für das Verständnis der Zusammenhänge eigentlich unbedingt notwendig, diesen ersten Roman vorweg zu lesen, auch um die Kindheit, das weite Leben im Süden Amerikas und die familiäre Welt des Eugene zu begreifen. Das muss keine lästige Pflicht sein, ist doch das erste Werk ebenfalls sehr gut zu lesen. Das heißt dann natürlich mindestens ein halbes Jahr lang Thomas Wolfe (je nach Lesetempo). Doch die Werke werden nicht ohne Spuren am Leser vorbeigehen, er wird die Welt mit anderen Augen sehen.

Wenn möglich sollte man das amerikanische Original lesen, was mit Hilfe untergelegter Wörterbücher bei E-Books mit mittleren Englischkenntnissen gut möglich ist. Man sollte sich das trauen, man liest sich ein. Selbst wenn der Anfänger das Eine oder Andere nicht genau verstehen sollte, die Schilderungen sind so voluminös und plastisch, dass der anfangs noch unsichere Leser letztlich nichts versäumt. Die Schönheit dieser Sprache wird ihn reichlich belohnen.


The Last Lecture (English Edition)
The Last Lecture (English Edition)
Preis: EUR 7,88

4.0 von 5 Sternen Eigentlich ein Alptraum, 23. Juni 2014
Metastasierendes Pankreascarcinom mit 46J. Schlimm zu lesen, jedoch unsentimental und pragmatisch geschrieben. Die Sorge des Autors gilt allein der verbleibenden Frau mit den drei sehr kleinen Kindern. Diese Kinder werden keine Erinnerung an ihn haben, da sie noch zu jung sind, ein Bild des Vaters im Bewußtsein festzuhalten. Nichts werden die Kinder über ihren Vater wissen, kein Bild im Kopf, kein Eindruck, nichts als eine ferne Fabel wird er sein. Daher die "Last Lekture" vor seinen Studenten, da diese Vorlesungen immer aufgezeichnet und damit für die Zukunft festgehalten werden. Die Kinder werden sehen, hören und lesen, wer der Vater war.
Nicht leicht für den Leser, wenn er sich vorstellt, was in dem Mann vorgegangen sein muss.


Last Lecture - Die Lehren meines Lebens
Last Lecture - Die Lehren meines Lebens
von Randy Pausch
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

4.0 von 5 Sternen Eigentlich ein Alptraum, 23. Juni 2014
Metastasierendes Pankreascarcinom mit 46J. Schlimm zu lesen, jedoch unsentimental und pragmatisch geschrieben. Die Sorge des Autors gilt allein der verbleibenden Frau mit den drei sehr kleinen Kindern. Diese Kinder werden keine Erinnerung an ihn haben, da sie noch zu jung sind, ein Bild des Vaters im Bewußtsein festzuhalten. Nichts werden die Kinder über ihren Vater wissen, kein Bild, kein Eindruck, nichts als eine ferne Fabel wird er sein. Daher die „Last Lekture“ vor seinen Studenten, da diese Vorlesungen immer aufgezeichnet und damit für die Zukunft festgehalten werden. Die Kinder werden sehen, hören und lesen, wer der Vater war.
Nicht leicht für den Leser, wenn er sich vorstellt, was in dem Mann vorgegangen sein muss.


Was nun, Skipper?: Knifflige Situationen erfolgreich meistern (Yacht-Bücherei, Band 141)
Was nun, Skipper?: Knifflige Situationen erfolgreich meistern (Yacht-Bücherei, Band 141)
von Bill Anderson
  Broschiert
Preis: EUR 12,90

3.0 von 5 Sternen 37 kleine Geschichten über schwierige, jedoch auch alltägliche Situationen aus dem Segelalltag, 7. Juni 2014
Ein kleines Büchlein mit 37 Geschichten über schwierige, jedoch auch absolut alltägliche Situationen aus dem Revier der Englischen Segler um den Kanal zwischen Südengland und Frankreich. Ein nicht einfaches, wettermäßig oft robustes, auch von der Großschifffahrt stark befahrenes Revier. Ein Segler wird sich in einigen dieser Beschreibungen wiederfinden, er kann seine Lösung, sein Vorgehen in der Situation überdenken und mit den Vorschlägen der Autoren abgleichen.
Die etwa 100 Seiten starke Broschüre ist mit Bildern und Situationsskizzen versehen. Sie ist unterhaltsam, in einigen Geschichten lehrreich und in ca. 2-3 Stunden gut zu lesen.


Mehr noch sterben an gebrochenem Herzen
Mehr noch sterben an gebrochenem Herzen
von Saul Bellow
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

5.0 von 5 Sternen Das Syndrom des gebrochenen Herzens. In der Medizin lange schon bekannt., 19. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: More Die of Heartbreak (Penguin Classics) (Taschenbuch)
Bellow, Saul.
Der Titel dieser 1987 erschienen Novelle will wohl sagen, die meisten Menschen sterben nicht an diversen Erkrankungen, sondern an gebrochenem Herzen. Ein ungewöhnlicher Roman. Sehr lang, vielleicht sogar (angenehm) langatmig. Es geht um zwei Personen.
In erster Linie um einen russischen Juden, der im kalten, kapitalistischen, egomanen Chicago lebt und sich einzig und allein Pflanzen widmet. Er ist Botaniker mit Weltruf, eine Kapazität auf seinem Gebiet, überall auf der Welt zu Vorlesungen willkommen. Er forscht unter anderem über Lichen, das sind flechtenartige Gebilde, die u.a. in der Arktis und Antarktis zu finden sind. 90 % ihrer Lebenszeit sind sie zu Eis gefroren und sozusagen im tiefen Schlaf, eigentlich tot. Bei etwas Wärme, sprich Sonnenlicht, wachen sie auf und wachsen weiter bis zum nächsten Kälteschlaf usw. Sie sind eigentlich unsterblich. Der Wissenschaftler ist aus Russland in die USA ausgewandert und lebt hier nun in seiner universitären Welt, also auf einer akademischen Insel mit ausreichendem Gehalt, relativ frei von Sorgen.

Als zweite Person erscheint sein Neffe, der Sohn seiner Schwester, aufgewachsen und gebildet in Paris. Er ist ein durch und durch hoch gebildeter traditioneller Europäer, ebenfalls mit jüdischen Wurzeln in Russland. Seine Welt sind die russischen Autoren des 19. und 20. Jahrhundert. Er hat einen Lehrauftrag an der Universität in Chicago und führt dort in seinem exotischen Fachgebiet ein angenehmes Nischendasein. Auch hier ein winzig kleines Feld, eine kleine Insel im Getriebe der Neuen Welt. Gegen den ausdrücklichen Willen seiner französisch/europäischen Eltern geht er zu diesem besagten Onkel nach Chicago, um einerseits von ihm zu lernen, andererseits ihn zu beschützen. Dieser Onkel ist die einzige Bezugsperson, die er in Amerika hat.
Zwei russische Juden in der Neuen Welt, ein Thema, welches Bellow immer wieder aufgreift

Die Geschichte kreist um die Beziehung zu ihren jeweiligen Frauen, die verschiedener nicht sein können. Der junge Neffe liebt eine einfache, fast primitive, animalisch anmutende, zwergenhaft pralle Frau, mit der er ein Kind zusammen hat.
Der Onkel heiratet eine "Schönheit", gebildet, klug, aus allerbesten Kreisen Chicagos.

Die Handlung soll nicht verraten werden. Aber wie der Titel schon sagt:
"More Die of Heartbreak".


Tennis -  Das innere Spiel: Durch entspannte Konzentration zur Bestleistung
Tennis - Das innere Spiel: Durch entspannte Konzentration zur Bestleistung
von W. Timothy Gallwey
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

4.0 von 5 Sternen Tennis findet im Kopf statt. Jeder Tennisspieler kennt diesen Satz, 23. April 2014
Tennis findet im Kopf statt. Jeder aktive Spieler kennt diesen Satz, kaum jemand zieht daraus Konsequenzen für sein eigenes Spiel.

Man kann sein Spiel ändern und vielleicht ein klein wenig erfolgreicher gestalten, wenn man einige der Erkenntnisse des Psychologen und Tennislehrers Gallwey umsetzen würde. Es wird aus einem Kreisligaspieler keinen Regionalligaspieler machen, etwas wird es jedoch bringen.
Eine der Kernthesen ist die, dass man seinen überkritischen Verstand abschalten sollte, um es einfach "fließen zu lassen". Nicht ständig denken, sondern spielen. Bilder eines guten Schlages im Kopf speichern, einfach nachmachen wie ein Kind es macht und auch lernt. Natürlich muss man Technik ganz penibel lernen, aber nicht jeden Schlag überkritisch analysieren wollen. Alle wissen ohnehin bald, wie der Schlag gemacht werden sollte. Es geschehen lassen, auf den Ball ganz frühzeitig konzentrieren, ihn fixieren, auf den Klang des Schlages hören und laufen lassen, Freude am Spiel haben.
Das klingt gut, trotzdem macht der Durchschnittsspieler 30 Jahre lang offenbar weltweit immer die gleichen Fehler, und das Wissen darum deprimiert ihn. Die üblichen Standardfehler (es sind nicht mehr als zehn an der Zahl) werden neben der Psychologie noch einmal angesprochen und erläutert. Es werden konkrete Hinweise auf die Verbesserung diesen "Inneren Spiels" gegeben. Fallbeispiele aus der Praxis des Tennistrainers und zu seiner Zeit hochklassigen Turnier-Spielers Gallwey werden geschildert.

Auch für das tägliche Leben kann der Leser bei dem Psychologen das Eine oder Andere mitnehmen, insbesondere was unseren ständigen Drang betrifft, alles was geschieht kommentieren zu wollen. Man sollte nicht nur beim eigenen Tennisspiel Einiges auch man unkommentiert lassen (und sich nicht über alles aufregen, was um uns herum geschieht).
Fazit: Ein interessantes, gut zu lesendes Buch. Es wird den Durchschnitts-Freizeitspieler ein klein wenig weiter bringen.


Wieviel Wahrheit braucht der Mensch ? Über das Denkbare und das Lebbare.
Wieviel Wahrheit braucht der Mensch ? Über das Denkbare und das Lebbare.
von Rüdiger Safranski
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

4.0 von 5 Sternen “Variationen über die Wahrheit“, 7. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Safranski, Rüdiger „Wie viel Wahrheit braucht der Mensch“.
Rousseau, Kleist, Nietzsche, Kafka u.a. kommen zu Wort in diesen "Variationen über die Wahrheit".
Der Kernsatz:
Wahrheit ist die vermeintliche Richtigkeit über die Interpretation einer Tatsache (ein Ding). Das Ding selbst ist einfach nur.

Viele Köpfe, viele Interpretationen, also viele Wahrheiten? „Es gibt so viele Welten (Wahrheiten?) wie es Köpfe gibt“ hat jemand mal gesagt.
Wahrheit heißt den Abgrund sehen und ihn dadurch vielleicht vermeiden.
Es gibt Dinge, die kann man denken. Es gibt Dinge, die kann man tun.
Das sind zwei Dinge, die man trennen muss.
Wenn man seine Wahrheiten, die eben nur die ureigene Interpretation von Tatsachen und Dingen sind, anderen aufzwingen will, beginnt die Katastrophe. „Man meint es ja nur gut“. Und wenn man glaubt, als einer der Wenigen im Besitz der Wahrheit zu sein und dies den Anderen (man meint es ja nur gut) aufzwingen will, haben wir ein totalitäres System. Der Sozialismus ist gerade grandios gescheitert, die religiösen Fanatiker jeglicher Colour sind in dieser Falle verfangen.
Dieser Verlockung erlagen ganz bitter Gottfried Benn und Heidegger. Sie glaubten ernst und integer im Nationalsozialismus dieses System, welches den Menschen zum Guten ändert, gefunden zu haben.
Man ändert die Menschen nicht. Wer sie, natürlich nur zu ihrem Guten, ändern will, scheitert. Politik muss sich zurückhalten. Das Individuum darf frei denken und sich entfalten, aber nicht alles Denkbare tun.
Man kann vieles für sich selbst mitnehmen aus der Lektüre dieser sehr gut lesbaren Abhandlung.


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