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Rezensionen verfasst von
Dr. Volker Hoeper "Asmodino" (Schortens)
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   

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Kosmologie für Fußgänger: Eine Reise durch das Universum - Überarbeitete und erweiterte Neuausgabe
Kosmologie für Fußgänger: Eine Reise durch das Universum - Überarbeitete und erweiterte Neuausgabe
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Auflage 2014. Ein beschwerlicher, aber unbedingt lohnender Fußmarsch durch Astronomie, Astrophysik, Kosmologie., 31. Juli 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Kosmologie für Fußgänger. Es ist wirklich ein Fußmarsch, ein zum Teil beschwerlicher Fußmarsch durch die Astronomie, Astrophysik und Kosmologie vom absoluten Beginn noch vor dem Urknall bis heute (Stand 2014). Die Autoren versuchen diese riesige, komplexe Materie einfach zu beschreiben. Für den schon vorgebildeten Laien mit seinem soliden Halbwissen über diese Gebiete ist es in einigen Anteilen sicherlich zu leicht. Vieles ist ihm geläufig, er kann schnell darüber hinweg gehen. Dann kommen jedoch einige Gebiete, in denen die neuen Erkenntnisse auch dem routinierten Leser etwas bringen können. So ist z.B. die Beschreibungen der verschiedenen Typen der schwarzen Löcher gut gelungen und auch dem kosmologischen etwas fortgebildeten Menschen ein Gewinn.
Die dunkle Materie wird ausgezeichnet erklärt, obwohl wir so gut wie nichts über sie wissen. Sie macht den weit überwiegenden Anteil der gesamten Materie des Kosmos aus. Es sind keine Baryonen, d.h. keine Protonen, Neutronen oder Elektronen. Es muss etwas völlig anderes sein. Diese dunkle Materie ist letztlich auch für die Entwicklung der Galaxien Voraussetzung gewesen. Sie hat sich verdichtet, als die normale Materie noch gar nicht in der Lage war sich zu verdichten, da das Universum noch viel zu heiß war und die Photonen durch die Gegend schossen und das Verbinden von Protonen und Elektronen zu Elementen verhinderten. Nach Abkühlung des Universum und Nachlassen des Photonenbeschusses war die Dichte der Baryonenmasse jedoch so gering, dass es zu einer Zusammenklumpen infolge der Gravitation nicht gereicht hätte. Die dunkle Materie hatte sich schon verdichtet, da sie unabhängig von dem Beschuss der Photonen war. Und diese schon verdichtete Masse zog nun unsere normale sichtbare Masse an und verdichtete sie und machte die Entstehung von Sternen und Galaxien möglich.
Schließlich die Beschreibung der Entfernungsmessungen im All. Es ist wirklich schwer verständlich, wieso die Kosmologen sagen können, wie weit eine Galaxie von uns entfernt ist, insbesondere wenn es sich um die nicht mehr vorstellbare Entfernung von mehreren Milliarden Lichtjahren handelt. Diese genaue Beschreibung und Erklärung der astronomischen Entfernungsmessung wurde so noch nicht gelesen und für den Laien wahrscheinlich auch so verständlich noch nicht geschrieben.

Fazit: Ein gutes Buch, einfach und klar geschrieben. Manchmal muss der Leser sich mit der schweren Materie etwas quälen. Ideal für den Einsteiger in dieses Fachgebiet. Aber auch der Fortgeschrittene kann es lesen. Auf jeden Fall weiß er dann, dass er auf dem letzten Stand des Wissens (2014) angekommen ist.


Und Nietzsche weinte: Roman
Und Nietzsche weinte: Roman
Preis: EUR 8,99

4.0 von 5 Sternen Hält der Mensch die totale Freiheit, Ungebundenheit, Unabhängigkeit und damit Einsamkeit wie Nietztsche sie fordert aus?, 14. Juli 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Und Nietzsche weinte: Roman (Kindle Edition)
Es ist eine zwar fiktive, aber doch eng an Tatsachen und wahre Geschehnisse angelehnte Geschichte über Friedrich Nietzsche und den seinerzeit sehr bekannten Wiener Arzt Josef Breuer, einem der Väter der Psychoanalyse. Wien 1882, also Nietzsche auf der Höhe seines Schaffens, kurz vor der 'Geburt' seines Zarathrustra, deutlich vor seinem körperlichen und geistigen Verfall 7 bis 8 Jahre später.
Zunächst wird Nietzsche ohne sein eigenes Wissen von einer Dame namens Lou Salome, mit der er tatsächlich eine kurze, intensive Beziehung hatte, dem Arzt Dr. Breuer als Patient zugeführt. Er soll ihn von seelischen Nöten und vor allem von Suizidgedanken befreien.
Es entwickeln sich intensive Zwiegespräche, später regelrechte Rededuelle. Anfangs meint Breuer, das Heft in der Hand zu halten und das Ganze nach seinem Wunsch zu lenken, in der Absicht Nietzsche zu heilen. Doch bald kehren sich die Vorzeichen um. Die Wortgewalt und die radikalen philosophischen Ideen des damals weitgehend unbekannten Nietzsche treffen Breuer bis ins Mark. Nietzsche fordert das Zerschlagen aller alten Ideale, ein völlig neuer Anfang soll laut Nietzsche nötig sein, um ein erfülltes Leben zu führen. Man müsse sich erst verbrennen, um dann aus der eigenen Asche neu zu entstehen. Er zweifelt bekanntlich alles an, die Religion sowieso, jede Konvention wie Ehe, Familie, soziale Verpflichtungen, Bindungen. Das Ehegelöbnis müsse gebrochen, die Familie verlassen, alle sozialen Bindungen abgeschnitten werden. Nur dann könne man sein Leben in absoluter Freiheit leben und werden, wer man eigentlich ist. Nietzsche selbst lebt sein Leben auf diese Weise. Schließlich glaubt Breuer selbst, dass er unglücklich und in einem ungeliebten Leben gefangen sei, zumal seine Psyche durch eine nicht auflösbare, absolut platonische Obsession zu einer ehemaligen Patientin belastet ist. Er ist so weit, dass er Nietzsches radikalen Gedanken real zu folgen scheint.
Einzelheiten sollen nicht berichtet werden, um die zunehmende Spannung, die nach anfangs etwas langatmig erscheinenden Gesprächen entsteht, nicht zu zerstören. Am Schluss mag man das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Als Fazit könnte man feststellen, dass die absolute totale Freiheit, die Nietzsche lehrt und tatsächlich auch lebte, für uns alltägliche Menschen unerträglich ist. Sie funktioniert nicht. Der Mensch ist ein soziales Wesen und benötigt sein Umfeld. Das gleiche Thema behandelt Saul Bellow in seinem Roman "'Der Mann in der Schwebe'" ebenfalls sehr eindringlich. (Siehe Rezension) Auch hier erlebt ein junger Mensch die absolute totale Freiheit und Unabhängigkeit von Allem. Er hat sie gewählt, er will sie leben. Er scheitert kläglich. Letztendlich 'schreit' er nach einem straffen Stundenplan, nach Unterwerfung, nach Lenkung und geht freiwillig zum Militärdienst.
Ein hochinteressanter, sehr gut zu lesender Roman des renommierten amerikanischen Psychiaters und Psychoanalytikers Irving D. Yalom.


Selbstbetrachtungen
Selbstbetrachtungen
von Marc Aurel
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 10,00

5.0 von 5 Sternen Wahrheit und Weisheit sind offensichtlich unvergänglich,, 20. Juni 2015
Rezension bezieht sich auf: Selbstbetrachtungen (Gebundene Ausgabe)
Rezension bezieht sich auf: Marc Aurel: Selbstbetrachtungen (Illustriert) (Kindle Edition)

Nach Epikur (siehe Rezension) nun der ganz anders denkende und handelnde Marc Aurel mit dem Stoizismus. Zwei zeitgleich vor über 2000 Jahren in Griechenland gelehrte Philosophien, zwei verschiedene Weltsichten. Für unsere jetzt ganz anders geartete Zeit wohl ohne Bedeutung.
Nein, keinesfalls! Nichts hat sich geändert, die Fragen und Probleme sind immer die gleichen. Und somit auch die Antworten der Philosophen.
Wenn auch der Stoiker Marc Aurel im Gegensatz zu Epikur an die Göttliche Fügung, das vorbestimmte Schicksal, den höheren Sinn der Natur und des Universums und an die Tugend zu Gunsten des Staates glaubt, kommen doch beide für den einzelnen, so winzigen und schnell vergänglichen Menschen zu dem nahezu gleichen Schluss.
Was bleibt von Marc Aurel?
Es bleiben die einfache Lebensführung, die Bescheidenheit, Überzeugung stets Gutes tun zu sollen, die Lauterkeit der Absichten. Es bleiben die Sanftmut mit Andersdenkenden und auch die Sanftmut mit aus eigener Sicht falsch Denkenden, denn diese wissen es nicht besser. Es bleibt die Fürsorge und Loyalität gegenüber den Mitbürgern und dem Staat. Im Gegensatz zu Epikur ist Marc Aurel ein politischer Mensch.
Das Wesentliche was bleibt ist jedoch das Anstreben des tiefen, inneren, unberührbaren Seelenfriedens. Marc Aurel lässt es nicht zu, dass äußere Dinge dieser sich schnell wandelnden, unberechenbaren Welt das Innere der Seele berühren. 'Innen' bleibt ganz für sich, ganz allein für die Person selbst, ganz isoliert. Die Außenwelt ist wechselnd, schnelllebig, nicht immer gut gesinnt, oft dumm und herausfordernd. Doch warum sollen diese ewig gleichen Unzulänglichkeiten der uralten Welt den inneren Seelenfrieden des schnell wieder verlöschenden einzelnen Menschen stören?
'Innen' ist 'Innen', 'Außen' ist und bleibt 'Außen', beides fundamental strikt getrennt!
Nur Ein Narr lässt, so Marc Aurel, ein Übergreifen diese Welt auf seinen innersten Seelenfrieden zu.
Michael de Montaigne sagt 1500 Jahre später zum gleichen Thema: "...Außerdem gibt es wahrhaftig keine größre und verbohrtere Dummheit, als sich über die Dummheit der Welt zu ärgern und zu empören.....Kurz, man muss mit den Lebenden leben und das Wasser unter der Brücke hinfließen lassen, ohne sich darum zu kümmern, oder zu mindestens, ohne den Kopf zu verlieren....Das deutlichste Zeichen der Weisheit ist das stete Vergnügtsein".


Marc Aurel: Selbstbetrachtungen (Illustriert)
Marc Aurel: Selbstbetrachtungen (Illustriert)
Preis: EUR 0,99

5.0 von 5 Sternen Wahrheit und Weisheit sind offensichtlich unvergänglich, 19. Juni 2015
Nach Epikur (siehe Rezension) nun der ganz anders denkende und handelnde Marc Aurel mit dem Stoizismus. Zwei zeitgleich vor über 2000 Jahren in Griechenland gelehrte Philosophien, zwei verschiedene Weltsichten. Für unsere jetzt ganz anders geartete Zeit wohl ohne Bedeutung.
Nein, keinesfalls! Nichts hat sich geändert, die Fragen und Probleme sind immer die gleichen. Und somit auch die Antworten der Philosophen.
Wenn auch der Stoiker Marc Aurel im Gegensatz zu Epikur an die Göttliche Fügung, das vorbestimmte Schicksal, den höheren Sinn der Natur und des Universums und an die Tugend zu Gunsten des Staates glaubt, kommen doch beide für den einzelnen, so winzigen und schnell vergänglichen Menschen zu dem nahezu gleichen Schluss.
Was bleibt von Marc Aurel?
Es bleiben die einfache Lebensführung, die Bescheidenheit, Überzeugung stets Gutes tun zu sollen, die Lauterkeit der Absichten. Es bleiben die Sanftmut mit Andersdenkenden und auch die Sanftmut mit aus eigener Sicht falsch Denkenden, denn diese wissen es nicht besser. Es bleibt die Fürsorge und Loyalität gegenüber den Mitbürgern und dem Staat. Im Gegensatz zu Epikur ist Marc Aurel ein politischer Mensch.
Das Wesentliche was bleibt ist jedoch das Anstreben des tiefen, inneren, unberührbaren Seelenfriedens. Marc Aurel lässt es nicht zu, dass äußere Dinge dieser sich schnell wandelnden, unberechenbaren Welt das Innere der Seele berühren. 'Innen' bleibt ganz für sich, ganz allein für die Person selbst, ganz isoliert. Die Außenwelt ist wechselnd, schnelllebig, nicht immer gut gesinnt, oft dumm und herausfordernd. Doch warum sollen diese ewig gleichen Unzulänglichkeiten der uralten Welt den inneren Seelenfrieden des schnell wieder verlöschenden einzelnen Menschen stören?
'Innen' ist 'Innen', 'Außen' ist und bleibt 'Außen', beides fundamental strikt getrennt!
Nur Ein Narr lässt, so Marc Aurel, ein Übergreifen diese Welt auf seinen innersten Seelenfrieden zu.
Michael de Montaigne sagt 1500 Jahre später zum gleichen Thema: "...Außerdem gibt es wahrhaftig keine größre und verbohrtere Dummheit, als sich über die Dummheit der Welt zu ärgern und zu empören.....Kurz, man muss mit den Lebenden leben und das Wasser unter der Brücke hinfließen lassen, ohne sich darum zu kümmern, oder zu mindestens, ohne den Kopf zu verlieren....Das deutlichste Zeichen der Weisheit ist das stete Vergnügtsein".


Selbstbetrachtungen
Selbstbetrachtungen
Preis: EUR 0,00

5.0 von 5 Sternen Wahrheit und Weisheit sind offensichtlich unvergänglich, 19. Juni 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Selbstbetrachtungen (Kindle Edition)
Nach Epikur (siehe Rezension) nun der ganz anders denkende und handelnde Marc Aurel mit dem Stoizismus. Zwei zeitgleich vor über 2000 Jahren in Griechenland gelehrte Philosophien, zwei verschiedene Weltsichten. Für unsere jetzt ganz anders geartete Zeit wohl ohne Bedeutung.
Nein, keinesfalls! Nichts hat sich geändert, die Fragen und Probleme sind immer die gleichen. Und somit auch die Antworten der Philosophen.
Wenn auch der Stoiker Marc Aurel im Gegensatz zu Epikur an die Göttliche Fügung, das vorbestimmte Schicksal, den höheren Sinn der Natur und des Universums und an die Tugend zu Gunsten des Staates glaubt, kommen doch beide für den einzelnen, so winzigen und schnell vergänglichen Menschen zu dem nahezu gleichen Schluss.
Was bleibt von Marc Aurel?
Es bleiben die einfache Lebensführung, die Bescheidenheit, Überzeugung stets Gutes tun zu sollen, die Lauterkeit der Absichten. Es bleiben die Sanftmut mit Andersdenkenden und auch die Sanftmut mit aus eigener Sicht falsch Denkenden, denn diese wissen es nicht besser. Es bleibt die Fürsorge und Loyalität gegenüber den Mitbürgern und dem Staat. Im Gegensatz zu Epikur ist Marc Aurel ein politischer Mensch.
Das Wesentliche was bleibt ist jedoch das Anstreben des tiefen, inneren, unberührbaren Seelenfriedens. Marc Aurel lässt es nicht zu, dass äußere Dinge dieser sich schnell wandelnden, unberechenbaren Welt das Innere der Seele berühren. 'Innen' bleibt ganz für sich, ganz allein für die Person selbst, ganz isoliert. Die Außenwelt ist wechselnd, schnelllebig, nicht immer gut gesinnt, oft dumm und herausfordernd. Doch warum sollen diese ewig gleichen Unzulänglichkeiten der uralten Welt den inneren Seelenfrieden des schnell wieder verlöschenden einzelnen Menschen stören?
'Innen' ist 'Innen', 'Außen' ist und bleibt 'Außen', beides fundamental strikt getrennt!
Nur Ein Narr lässt, so Marc Aurel, ein Übergreifen diese Welt auf seinen innersten Seelenfrieden zu.
Michael de Montaigne sagt 1500 Jahre später zum gleichen Thema: "...Außerdem gibt es wahrhaftig keine größre und verbohrtere Dummheit, als sich über die Dummheit der Welt zu ärgern und zu empören.....Kurz, man muss mit den Lebenden leben und das Wasser unter der Brücke hinfließen lassen, ohne sich darum zu kümmern, oder zu mindestens, ohne den Kopf zu verlieren....Das deutlichste Zeichen der Weisheit ist das stete Vergnügtsein".


Virginia Woolf: Complete Collection (English Edition)
Virginia Woolf: Complete Collection (English Edition)
Preis: EUR 2,77

4.0 von 5 Sternen Über :The Voyage Out., 28. Mai 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Auch auf die Gefahr hin, als Banause abgetan zu werden, dieser Roman hat zunächst nicht überzeugt. Eigentlich möchte man anfangs gar nicht weiter lesen und die Lektüre vorzeitig beenden. Erst die letzten 8-9 der 27 Kapitel vermögen den Leser dann endgültig zu fesseln.
Es ist der erste Roman der Virginia Woolf. Sie war noch keine 30 Jahre alt und während des Schreibens infolge ihrer psychischen Erkrankung immer wieder stark und bedrohlich beeinträchtigt. Wie man in den Biografien nachlesen kann, handelte es sich um eine sogenannte "Bipolare Störung", dazu kamen psychotische Elemente einer möglichen Schizophrenie. Das bedeutet, sie wurde von tiefsten Depressionen heimgesucht, ernsthafte Suizidversuche in dieser Zeit wurden beschrieben. Im Wechsel dazu traten manische Phasen von überschäumendem Lebensgefühl auf. Und zu allem kamen noch psychotische Momente hinzu, also quälendste Wahnvorstellungen wie sie bei schizophrenen Menschen bekannt sind. Letztendlich hat sie mit 59 Jahren in einer dieser depressiven Phasen ihrem Leben selbst ein Ende gesetzt. Noch heute, in Zeiten, in denen eine symptomlindernde Therapie dieser Erkrankungen möglich ist, sterben 15 % der Erkrankten infolge Suizid.
Sie hatte in diesen frühen Jahren keine eigene Lebenserfahrung. Bekanntlich wurde sie ausschließlich zu Hause nur von Privatlehrern unterrichtet. Das Leben hatte sie bis dahin noch gar nicht kennengelernt, übrigens genauso wenig wie ihre autobiographisch gefärbte Heldin diesen Romans "Rachel". Als sich gegen Ende des Romans die behäbige, gleichmäßig dahinfließende, fast idyllisch erscheinende Situation dramatisch ändert und Krankheit und Tod in den Mittelpunkt rücken, zeigt sich das Erzähltalent der Autorin. Natürlich, das hatte sie in ihrem jungen Leben schon selbst erfahren. Krankheit und Tod waren ihr aus ganz eigener Erfahrung sehr nahe und vertraut.
Es handelt sich in dieser Novelle um die Geschichten von einem Dutzend englischer Oberschicht-Aristokraten, zum Teil unerträglich arrogant, voller Standesdünkel, oberflächlich in ihrem Denken und Tun, wiederum jedoch auch liebenswert, und, als die Idylle zerbrach, empathisch und mitfühlend. Sie haben nie in ihrem Leben auch nur einen Handschlag gearbeitet. Die Hauptproblematik ihres Daseins scheint darin zu bestehen, Zeiten zwischen Breakfast und Lunch, sowie Lunch und Tea, danach die lange Zeit zwischen Tea und Dinner irgendwie totzuschlagen. In dieser Gruppe sind jedoch auch einige sympathisch beschriebene hochintellektuelle Cambridge-Oxford- Absolventen zu finden, als Möchtegern-Schriftsteller oder Privatgelehrte fungierend oder einfach ohne finanzielle Sorgen vor sich hin lebend.
Mittendrin die Hauptfigur "Rachel", in absoluter Abgeschiedenheit von ihren Tanten auf einem Landgut groß gezogen, später auf dem Schiff ihres Vaters lebend (als Kapitän und Reeder der einzige arbeitende Mann dieser Geschichte). Sie ist so weltentrückt, dass sie mit 24 Jahren noch kaum etwas von zwischenmenschlichen Beziehungen, geschweige denn von Liebe, Heirat und anderen Bindungen erfahren haben soll.

Um diese Personen drehen sich nun unzählige Gespräche. Der Handlungsfaden selbst ist schmal. Die Gespräche werden auf einem Handelsschiff, in eine Villa an einem fiktiven Ort in Südamerika, einem Hotel in der Nachbarschaft dieser Villa und während eine Flussfahrt ins Landesinnere geführt. Doch diese Örtlichkeiten sind nur die Kulisse, die Dekoration für die sich ständig im Kreis drehenden Gespräche. Die Beschreibungen dieser gewaltigen, weiten, dschungelartigen Landschaft in Südamerika können der Autorin naturgemäß nicht überzeugend gelingen, da sie in diesem jungen Alter England noch nicht verlassen hatte, ausgenommen eine Reise in die Toskana, wie in ihrer Biografie geschrieben wird.

Virginia Woolf beschreibt diese von ihr offensichtlich nicht sehr geliebte Gesellschaftsschicht mit einer gewissen Verachtung sehr genau. Es wird gesagt, dass die ersten Versionen des Romans in der Darstellung dieser männlich dominierten Oberschicht noch beißender und zynischer gewesen sein sollen. Aus Rücksicht auf die Stellung ihrer Familie habe sie ihre Schilderungen immer weiter abmildern müssen, worüber sie nicht begeistert gewesen sein soll.
Der Roman scheint sich in diesen endlosen Gesprächen um immer wieder die gleichen, häufig banalen Themen zu verzetteln, vielleicht von der Autorin zur Charakterisierung der Vorstellungswelt ihrer Protagonisten so gewollt. Auch die Annäherung der "Rachel" an ihren späteren Verlobten erscheint quälend. Es mutet auch schon seltsam an, wenn auf einem winzigen Dampfschiff, welches einen engen tropischen Fluss in den Dschungel hinein fährt und auf dem sechs Engländer voll ausstaffiert mit standesgemäßer Garderobe miteinander reden, pünktlich am Nachmittag zum "Tea" geläutet wird, und die Reisenden bei ihren spärlichen Landausflügen angehalten werden, die Zeiten für "Lunch" und "Dinner" korrekt einzuhalten. Daneben gibt es besonders unter den 4 Favoriten der Autorin Gespräche über fundamentale Fragen, die der Leser mit Genuss und Gewinn lesen wird.

Die letzten Kapitel sind, wie oben gesagt, wunderbar geschrieben. Auch die so arg kritisierten Aristokraten erweisen sich als nicht so übel und können den Leidtragenden der Geschichte einen gewissen Halt geben, letztendlich gerade durch die unerschütterliche Selbstsicherheit und Ruhe ihres gleichmäßig (mehr oder weniger sinnvoll) dahinfließenden Lebens.
Insgesamt ein sprachlich wunderbarer, lesenswerter und auch unterhaltsamer Roman.


The Voyage Out (Collins Classics)
The Voyage Out (Collins Classics)
Preis: EUR 2,72

4.0 von 5 Sternen Das erste Werk der Virginia Woolfe. Das Beste sollte noch folgen., 28. Mai 2015
Auch auf die Gefahr hin, als Banause abgetan zu werden, dieser Roman hat zunächst nicht überzeugt. Eigentlich möchte man anfangs gar nicht weiter lesen und die Lektüre vorzeitig beenden. Erst die letzten 8-9 der 27 Kapitel vermögen den Leser dann endgültig zu fesseln.
Es ist der erste Roman der Virginia Woolf. Sie war noch keine 30 Jahre alt und während des Schreibens infolge ihrer psychischen Erkrankung immer wieder stark und bedrohlich beeinträchtigt. Wie man in den Biografien nachlesen kann, handelte es sich um eine sogenannte "Bipolare Störung", dazu kamen psychotische Elemente einer möglichen Schizophrenie. Das bedeutet, sie wurde von tiefsten Depressionen heimgesucht, ernsthafte Suizidversuche in dieser Zeit wurden beschrieben. Im Wechsel dazu traten manische Phasen von überschäumendem Lebensgefühl auf. Und zu allem kamen noch psychotische Momente hinzu, also quälendste Wahnvorstellungen wie sie bei schizophrenen Menschen bekannt sind. Letztendlich hat sie mit 59 Jahren in einer dieser depressiven Phasen ihrem Leben selbst ein Ende gesetzt. Noch heute, in Zeiten, in denen eine symptomlindernde Therapie dieser Erkrankungen möglich ist, sterben 15 % der Erkrankten infolge Suizid.
Sie hatte in diesen frühen Jahren keine eigene Lebenserfahrung. Bekanntlich wurde sie ausschließlich zu Hause nur von Privatlehrern unterrichtet. Das Leben hatte sie bis dahin noch gar nicht kennengelernt, übrigens genauso wenig wie ihre autobiographisch gefärbte Heldin diesen Romans "Rachel". Als sich gegen Ende des Romans die behäbige, gleichmäßig dahinfließende, fast idyllisch erscheinende Situation dramatisch ändert und Krankheit und Tod in den Mittelpunkt rücken, zeigt sich das Erzähltalent der Autorin. Natürlich, das hatte sie in ihrem jungen Leben schon selbst erfahren. Krankheit und Tod waren ihr aus ganz eigener Erfahrung sehr nahe und vertraut.
Es handelt sich in dieser Novelle um die Geschichten von einem Dutzend englischer Oberschicht-Aristokraten, zum Teil unerträglich arrogant, voller Standesdünkel, oberflächlich in ihrem Denken und Tun, wiederum jedoch auch liebenswert, und, als die Idylle zerbrach, empathisch und mitfühlend. Sie haben nie in ihrem Leben auch nur einen Handschlag gearbeitet. Die Hauptproblematik ihres Daseins scheint darin zu bestehen, Zeiten zwischen Breakfast und Lunch, sowie Lunch und Tea, danach die lange Zeit zwischen Tea und Dinner irgendwie totzuschlagen. In dieser Gruppe sind jedoch auch einige sympathisch beschriebene hochintellektuelle Cambridge-Oxford- Absolventen zu finden, als Möchtegern-Schriftsteller oder Privatgelehrte fungierend oder einfach ohne finanzielle Sorgen vor sich hin lebend.
Mittendrin die Hauptfigur "Rachel", in absoluter Abgeschiedenheit von ihren Tanten auf einem Landgut groß gezogen, später auf dem Schiff ihres Vaters lebend (als Kapitän und Reeder der einzige arbeitende Mann dieser Geschichte). Sie ist so weltentrückt, dass sie mit 24 Jahren noch kaum etwas von zwischenmenschlichen Beziehungen, geschweige denn von Liebe, Heirat und anderen Bindungen erfahren haben soll.

Um diese Personen drehen sich nun unzählige Gespräche. Der Handlungsfaden selbst ist schmal. Die Gespräche werden auf einem Handelsschiff, in eine Villa an einem fiktiven Ort in Südamerika, einem Hotel in der Nachbarschaft dieser Villa und während eine Flussfahrt ins Landesinnere geführt. Doch diese Örtlichkeiten sind nur die Kulisse, die Dekoration für die sich ständig im Kreis drehenden Gespräche. Die Beschreibungen dieser gewaltigen, weiten, dschungelartigen Landschaft in Südamerika können der Autorin naturgemäß nicht überzeugend gelingen, da sie in diesem jungen Alter England noch nicht verlassen hatte, ausgenommen eine Reise in die Toskana, wie in ihrer Biografie geschrieben wird.

Virginia Woolf beschreibt diese von ihr offensichtlich nicht sehr geliebte Gesellschaftsschicht mit einer gewissen Verachtung sehr genau. Es wird gesagt, dass die ersten Versionen des Romans in der Darstellung dieser männlich dominierten Oberschicht noch beißender und zynischer gewesen sein sollen. Aus Rücksicht auf die Stellung ihrer Familie habe sie ihre Schilderungen immer weiter abmildern müssen, worüber sie nicht begeistert gewesen sein soll.
Der Roman scheint sich in diesen endlosen Gesprächen um immer wieder die gleichen, häufig banalen Themen zu verzetteln, vielleicht von der Autorin zur Charakterisierung der Vorstellungswelt ihrer Protagonisten so gewollt. Auch die Annäherung der "Rachel" an ihren späteren Verlobten erscheint quälend. Es mutet auch schon seltsam an, wenn auf einem winzigen Dampfschiff, welches einen engen tropischen Fluss in den Dschungel hinein fährt und auf dem sechs Engländer voll ausstaffiert mit standesgemäßer Garderobe miteinander reden, pünktlich am Nachmittag zum "Tea" geläutet wird, und die Reisenden bei ihren spärlichen Landausflügen angehalten werden, die Zeiten für "Lunch" und "Dinner" korrekt einzuhalten. Daneben gibt es besonders unter den 4 Favoriten der Autorin Gespräche über fundamentale Fragen, die der Leser mit Genuss und Gewinn lesen wird.

Die letzten Kapitel sind, wie oben gesagt, wunderbar geschrieben. Auch die so arg kritisierten Aristokraten erweisen sich als nicht so übel und können den Leidtragenden der Geschichte einen gewissen Halt geben, letztendlich gerade durch die unerschütterliche Selbstsicherheit und Ruhe ihres gleichmäßig (mehr oder weniger sinnvoll) dahinfließenden Lebens.
Insgesamt ein sprachlich wunderbarer, lesenswerter und auch unterhaltsamer Roman.


Room of One's Own & The Voyage Out (Wordsworth Classics)
Room of One's Own & The Voyage Out (Wordsworth Classics)
von Virginia Woolf
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen The Voyage Out. Das Beste der Virginia Woolfe sollte später kommen., 28. Mai 2015
Auch auf die Gefahr hin, als Banause abgetan zu werden, dieser Roman hat zunächst nicht überzeugt. Eigentlich möchte man anfangs gar nicht weiter lesen und die Lektüre vorzeitig beenden. Erst die letzten 8-9 der 27 Kapitel vermögen den Leser dann endgültig zu fesseln.
Es ist der erste Roman der Virginia Woolf. Sie war noch keine 30 Jahre alt und während des Schreibens infolge ihrer psychischen Erkrankung immer wieder stark und bedrohlich beeinträchtigt. Wie man in den Biografien nachlesen kann, handelte es sich um eine sogenannte "Bipolare Störung", dazu kamen psychotische Elemente einer möglichen Schizophrenie. Das bedeutet, sie wurde von tiefsten Depressionen heimgesucht, ernsthafte Suizidversuche in dieser Zeit wurden beschrieben. Im Wechsel dazu traten manische Phasen von überschäumendem Lebensgefühl auf. Und zu allem kamen noch psychotische Momente hinzu, also quälendste Wahnvorstellungen wie sie bei schizophrenen Menschen bekannt sind. Letztendlich hat sie mit 59 Jahren in einer dieser depressiven Phasen ihrem Leben selbst ein Ende gesetzt. Noch heute, in Zeiten, in denen eine symptomlindernde Therapie dieser Erkrankungen möglich ist, sterben 15 % der Erkrankten infolge Suizid.
Sie hatte in diesen frühen Jahren keine eigene Lebenserfahrung. Bekanntlich wurde sie ausschließlich zu Hause nur von Privatlehrern unterrichtet. Das Leben hatte sie bis dahin noch gar nicht kennengelernt, übrigens genauso wenig wie ihre autobiographisch gefärbte Heldin diesen Romans "Rachel". Als sich gegen Ende des Romans die behäbige, gleichmäßig dahinfließende, fast idyllisch erscheinende Situation dramatisch ändert und Krankheit und Tod in den Mittelpunkt rücken, zeigt sich das Erzähltalent der Autorin. Natürlich, das hatte sie in ihrem jungen Leben schon selbst erfahren. Krankheit und Tod waren ihr aus ganz eigener Erfahrung sehr nahe und vertraut.
Es handelt sich in dieser Novelle um die Geschichten von einem Dutzend englischer Oberschicht-Aristokraten, zum Teil unerträglich arrogant, voller Standesdünkel, oberflächlich in ihrem Denken und Tun, wiederum jedoch auch liebenswert, und, als die Idylle zerbrach, empathisch und mitfühlend. Sie haben nie in ihrem Leben auch nur einen Handschlag gearbeitet. Die Hauptproblematik ihres Daseins scheint darin zu bestehen, Zeiten zwischen Breakfast und Lunch, sowie Lunch und Tea, danach die lange Zeit zwischen Tea und Dinner irgendwie totzuschlagen. In dieser Gruppe sind jedoch auch einige sympathisch beschriebene hochintellektuelle Cambridge-Oxford- Absolventen zu finden, als Möchtegern-Schriftsteller oder Privatgelehrte fungierend oder einfach ohne finanzielle Sorgen vor sich hin lebend.
Mittendrin die Hauptfigur "Rachel", in absoluter Abgeschiedenheit von ihren Tanten auf einem Landgut groß gezogen, später auf dem Schiff ihres Vaters lebend (als Kapitän und Reeder der einzige arbeitende Mann dieser Geschichte). Sie ist so weltentrückt, dass sie mit 24 Jahren noch kaum etwas von zwischenmenschlichen Beziehungen, geschweige denn von Liebe, Heirat und anderen Bindungen erfahren haben soll.

Um diese Personen drehen sich nun unzählige Gespräche. Der Handlungsfaden selbst ist schmal. Die Gespräche werden auf einem Handelsschiff, in eine Villa an einem fiktiven Ort in Südamerika, einem Hotel in der Nachbarschaft dieser Villa und während eine Flussfahrt ins Landesinnere geführt. Doch diese Örtlichkeiten sind nur die Kulisse, die Dekoration für die sich ständig im Kreis drehenden Gespräche. Die Beschreibungen dieser gewaltigen, weiten, dschungelartigen Landschaft in Südamerika können der Autorin naturgemäß nicht überzeugend gelingen, da sie in diesem jungen Alter England noch nicht verlassen hatte, ausgenommen eine Reise in die Toskana, wie in ihrer Biografie geschrieben wird.

Virginia Woolf beschreibt diese von ihr offensichtlich nicht sehr geliebte Gesellschaftsschicht mit einer gewissen Verachtung sehr genau. Es wird gesagt, dass die ersten Versionen des Romans in der Darstellung dieser männlich dominierten Oberschicht noch beißender und zynischer gewesen sein sollen. Aus Rücksicht auf die Stellung ihrer Familie habe sie ihre Schilderungen immer weiter abmildern müssen, worüber sie nicht begeistert gewesen sein soll.
Der Roman scheint sich in diesen endlosen Gesprächen um immer wieder die gleichen, häufig banalen Themen zu verzetteln, vielleicht von der Autorin zur Charakterisierung der Vorstellungswelt ihrer Protagonisten so gewollt. Auch die Annäherung der "Rachel" an ihren späteren Verlobten erscheint quälend. Es mutet auch schon seltsam an, wenn auf einem winzigen Dampfschiff, welches einen engen tropischen Fluss in den Dschungel hinein fährt und auf dem sechs Engländer voll ausstaffiert mit standesgemäßer Garderobe miteinander reden, pünktlich am Nachmittag zum "Tea" geläutet wird, und die Reisenden bei ihren spärlichen Landausflügen angehalten werden, die Zeiten für "Lunch" und "Dinner" korrekt einzuhalten. Daneben gibt es besonders unter den 4 Favoriten der Autorin Gespräche über fundamentale Fragen, die der Leser mit Genuss und Gewinn lesen wird.

Die letzten Kapitel sind, wie oben gesagt, wunderbar geschrieben. Auch die so arg kritisierten Aristokraten erweisen sich als nicht so übel und können den Leidtragenden der Geschichte einen gewissen Halt geben, letztendlich gerade durch die unerschütterliche Selbstsicherheit und Ruhe ihres gleichmäßig (mehr oder weniger sinnvoll) dahinfließenden Lebens.
Insgesamt ein sprachlich wunderbarer, lesenswerter und auch unterhaltsamer Roman.


Die Fahrt hinaus: Roman
Die Fahrt hinaus: Roman
von Virginia Woolf
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

4.0 von 5 Sternen Der Beginn der Arbeit der Virginia Woolfe. Das Beste sollte noch folgen., 28. Mai 2015
Rezension bezieht sich auf: Die Fahrt hinaus: Roman (Taschenbuch)
Auch auf die Gefahr hin, als Banause abgetan zu werden, dieser Roman hat zunächst nicht überzeugt. Eigentlich möchte man anfangs gar nicht weiter lesen und die Lektüre vorzeitig beenden. Erst die letzten 8-9 der 27 Kapitel vermögen den Leser dann endgültig zu fesseln.
Es ist der erste Roman der Virginia Woolf. Sie war noch keine 30 Jahre alt und während des Schreibens infolge ihrer psychischen Erkrankung immer wieder stark und bedrohlich beeinträchtigt. Wie man in den Biografien nachlesen kann, handelte es sich um eine sogenannte "Bipolare Störung", dazu kamen psychotische Elemente einer möglichen Schizophrenie. Das bedeutet, sie wurde von tiefsten Depressionen heimgesucht, ernsthafte Suizidversuche in dieser Zeit wurden beschrieben. Im Wechsel dazu traten manische Phasen von überschäumendem Lebensgefühl auf. Und zu allem kamen noch psychotische Momente hinzu, also quälendste Wahnvorstellungen wie sie bei schizophrenen Menschen bekannt sind. Letztendlich hat sie mit 59 Jahren in einer dieser depressiven Phasen ihrem Leben selbst ein Ende gesetzt. Noch heute, in Zeiten, in denen eine symptomlindernde Therapie dieser Erkrankungen möglich ist, sterben 15 % der Erkrankten infolge Suizid.
Sie hatte in diesen frühen Jahren keine eigene Lebenserfahrung. Bekanntlich wurde sie ausschließlich zu Hause nur von Privatlehrern unterrichtet. Das Leben hatte sie bis dahin noch gar nicht kennengelernt, übrigens genauso wenig wie ihre autobiographisch gefärbte Heldin diesen Romans "Rachel". Als sich gegen Ende des Romans die behäbige, gleichmäßig dahinfließende, fast idyllisch erscheinende Situation dramatisch ändert und Krankheit und Tod in den Mittelpunkt rücken, zeigt sich das Erzähltalent der Autorin. Natürlich, das hatte sie in ihrem jungen Leben schon selbst erfahren. Krankheit und Tod waren ihr aus ganz eigener Erfahrung sehr nahe und vertraut.
Es handelt sich in dieser Novelle um die Geschichten von einem Dutzend englischer Oberschicht-Aristokraten, zum Teil unerträglich arrogant, voller Standesdünkel, oberflächlich in ihrem Denken und Tun, wiederum jedoch auch liebenswert, und, als die Idylle zerbrach, empathisch und mitfühlend. Sie haben nie in ihrem Leben auch nur einen Handschlag gearbeitet. Die Hauptproblematik ihres Daseins scheint darin zu bestehen, Zeiten zwischen Breakfast und Lunch, sowie Lunch und Tea, danach die lange Zeit zwischen Tea und Dinner irgendwie totzuschlagen. In dieser Gruppe sind jedoch auch einige sympathisch beschriebene hochintellektuelle Cambridge-Oxford- Absolventen zu finden, als Möchtegern-Schriftsteller oder Privatgelehrte fungierend oder einfach ohne finanzielle Sorgen vor sich hin lebend.
Mittendrin die Hauptfigur "Rachel", in absoluter Abgeschiedenheit von ihren Tanten auf einem Landgut groß gezogen, später auf dem Schiff ihres Vaters lebend (als Kapitän und Reeder der einzige arbeitende Mann dieser Geschichte). Sie ist so weltentrückt, dass sie mit 24 Jahren noch kaum etwas von zwischenmenschlichen Beziehungen, geschweige denn von Liebe, Heirat und anderen Bindungen erfahren haben soll.

Um diese Personen drehen sich nun unzählige Gespräche. Der Handlungsfaden selbst ist schmal. Die Gespräche werden auf einem Handelsschiff, in eine Villa an einem fiktiven Ort in Südamerika, einem Hotel in der Nachbarschaft dieser Villa und während eine Flussfahrt ins Landesinnere geführt. Doch diese Örtlichkeiten sind nur die Kulisse, die Dekoration für die sich ständig im Kreis drehenden Gespräche. Die Beschreibungen dieser gewaltigen, weiten, dschungelartigen Landschaft in Südamerika können der Autorin naturgemäß nicht überzeugend gelingen, da sie in diesem jungen Alter England noch nicht verlassen hatte, ausgenommen eine Reise in die Toskana, wie in ihrer Biografie geschrieben wird.

Virginia Woolf beschreibt diese von ihr offensichtlich nicht sehr geliebte Gesellschaftsschicht mit einer gewissen Verachtung sehr genau. Es wird gesagt, dass die ersten Versionen des Romans in der Darstellung dieser männlich dominierten Oberschicht noch beißender und zynischer gewesen sein sollen. Aus Rücksicht auf die Stellung ihrer Familie habe sie ihre Schilderungen immer weiter abmildern müssen, worüber sie nicht begeistert gewesen sein soll.
Der Roman scheint sich in diesen endlosen Gesprächen um immer wieder die gleichen, häufig banalen Themen zu verzetteln, vielleicht von der Autorin zur Charakterisierung der Vorstellungswelt ihrer Protagonisten so gewollt. Auch die Annäherung der "Rachel" an ihren späteren Verlobten erscheint quälend. Es mutet auch schon seltsam an, wenn auf einem winzigen Dampfschiff, welches einen engen tropischen Fluss in den Dschungel hinein fährt und auf dem sechs Engländer voll ausstaffiert mit standesgemäßer Garderobe miteinander reden, pünktlich am Nachmittag zum "Tea" geläutet wird, und die Reisenden bei ihren spärlichen Landausflügen angehalten werden, die Zeiten für "Lunch" und "Dinner" korrekt einzuhalten. Daneben gibt es besonders unter den 4 Favoriten der Autorin Gespräche über fundamentale Fragen, die der Leser mit Genuss und Gewinn lesen wird.

Die letzten Kapitel sind, wie oben gesagt, wunderbar geschrieben. Auch die so arg kritisierten Aristokraten erweisen sich als nicht so übel und können den Leidtragenden der Geschichte einen gewissen Halt geben, letztendlich gerade durch die unerschütterliche Selbstsicherheit und Ruhe ihres gleichmäßig (mehr oder weniger sinnvoll) dahinfließenden Lebens.
Insgesamt ein sprachlich wunderbarer, lesenswerter und auch unterhaltsamer Roman.


Von der Lust zu leben
Von der Lust zu leben
Preis: EUR 1,99

4.0 von 5 Sternen Epikur, nach 2500 Jahren aktuell und hilfreich., 24. April 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Von der Lust zu leben (Kindle Edition)
Die ureigenste Aufgabe der Philosophie ist es, den Menschen bei der Bewältigung ihres Lebens zu helfen. Ganz einfach, wie kommen wir am besten mit unserem Leben zurecht? Der Mensch ist voller Angst und Unsicherheit. Alles ist ungewiss. Sicher ist nur, dass dieses Leben endet.
Kann der 341 v.Chr. geborene Epikur uns helfen? Die Antwort lautet eindeutig: Ja!
Epikur ist ein Pragmatiker würde man heute sagen. Er will den Menschen dazu bringen, ein einfaches, sinnvolles, dem Diesseits zugewandtes und angenehmes Leben zu führen. Nicht zu hohe Ansprüche, nicht zu viele Begierden, aber auch nicht zu viele unangenehme Dinge, wenig Leiden, wenig Schmerzen. Man sollte möglichst vieles wissen über die Natur und über die Menschen, denn Unwissen macht Angst, Wissen bringt Gelassenheit. Er lehrt in seinen 'Merksätzen' frei und ohne Furcht auch vor den Göttern zu leben. Er glaubt an die Götter, er glaubt aber auch, dass diese sich absolut nicht für uns interessieren und ihr eigenes unendliches schönes Leben leben. Er siedelt sie in eine Art Zwischenwelt an. Eigentlich ist Epikur Agnostiker. Von öffentlicher Betätigung hält er nichts, da diese ohnehin nur Ärger und Stress bringe. Er ist unpolitisch und hat auch eher die einfachen Menschen angesprochen, in den hohen Kreisen, den Reichen und Mächtigen war er kaum bekannt.
Das vorliegende kleine Buch ist lediglich eine Aneinanderreihung der bekanntesten Aphorismen (Merksätze") des Philosophen. Das Lesen ist für den Anfänger in "Sachen Epikur" daher etwas ermüdend. Ein knapp 2-seitige Nachwort des Herausgebers hilft ein wenig zum Verständnis, man sollte es vorweg lesen. Als Sammlung der "Kernsätze" des Philosophen eine gelungene, gut sortierte Ausgabe.


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