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Rezensionen verfasst von
Y. Hef.

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Santa Sangre [2 DVDs]
Santa Sangre [2 DVDs]
DVD ~ Axel Jodorowsky
Preis: EUR 21,29

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Meisterwerk des unkonventionellen Kinos, 2. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Santa Sangre [2 DVDs] (DVD)
Hätte ich mir ja fast denken können, dass die Meinungen über diesen Film so geteilt sind... aber na ja, wenn man hier triviales Hollywood-kino á la "Transformers" o.Ä. oder vielleicht eine Metzelorgie wie man sie in "Hostel" zu sehen kriegt, erwartet, wird man sicherlich enttäuscht werden. Mein Geschmack was Literatur und Film angeht, ist weit gefächert. Ich habe jedoch eine besondere Vorliebe für unkonventionelle, experimentelle Filme. Über die Seite "Mitternachtskino" (die ja leider nicht mehr exisitiert /: bin ich auf "Santa Sangre" gekommen, und hab ihn mir gleich - ich schäme mich - schwarz angeschaut. Von der ersten Aufnahme bis zur letzten Minute war ich schlichtweg begeistert. Es werden einem hier Bilder präsentiert, die sich in die Seele brennen - und damit meine ich nicht etwa die doch etwas derbe Darstellung von Gewalt. Es sind einzelne Aufnahme, kurze Kamerabilder oder gesamte Szenen, die einen durch ihre exotische Magie in ihren Bann ziehen. Dazu kommt noch Musik, die emotional sehr geladen ist, und an manchen Stellen ein wenig an John Carpenter erinnert. Um mal ein paar Beispiele zu nennen... Es gibt zum Beispiel eine Szene, in der ein Elefant auf sehr drastische Weise verendet und anschließend nach einem riesigen, surrealen Trauermarsch beerdigt wird... oder eine Sequenz(eine der schönsten Sequenzen im Film), in der der Hauptprotagonist sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen muss, was sehr ergreifend ist... Ja, man merkt, ich kann dem Film echt eine Menge abgewinnen.
Was die Geschichte und die Aussagekraft des Werkes betrifft: Man merkt schnell, an welchen monumentalen Werken der Foilmmgeschichte sich Jodorowskys Werk anlehnt. Rein inhaltlich erinnert der Film (wie bestimmt schon in Rezensionen erwähnt) ganz minimal an "Psycho", was aber durch die bunten, exotischen Bilder kaum auffällt. Die Aussage des Filmes ist (soweit ich die verstanden habe) wie krank unsere Welt ist. Der junge Fenix, ein sensibler, feinfühliger Junge, wird mit dieser Welt, angefüllt mit Brutalität und Sex, konfrontiert. Zunächst wird einem alles als bunte Show präsentiert (Jodorwskys Mikrokosmos im Film erinnert übrigens an eine einzige, mit Theater- und Musicalaufführungen gefüllte Dimension), doch schnell erkennt man, dass hinter der schillernden Fassade und hinter den Worten der Leute nichts außer Unrat zu finden ist. Einzig Fenix und die taubstumme Alma (die sowohl als junges Mädchen als auch als Herangewachsene vollkommen überzeugt) scheinen wie eine weiße Säule aus dem Dreck herauszuragen. Es gibt vielleicht noch "gute" Nebencharakter, aber ansonsten sind doch alle recht verhaltensgestört. Fast jede Frau ist eine Prostituierte und wenn nicht, dann sexuell so offen, dass sie eben ohne Gegenleistung mit jedem Mann schläft. Jodorowsky prangert ganz offensichtlich die Brutalität der Welt an und zeigt am Beispiel des sentimentalen Fenix, was diese Welt bei einem Menschen ausrichten kann.
So viel zur Aussage. Die Charaktere sind allesamt gut besetzt. Insebsondere Fenix und Alma überzeugen auf ganzer Linie. Die Bilder sind wild, bunt und krass, aber auch in manchen Augenblicken sanft und angefüllt mit Ästhetik. Die Symbolik (Bsp: Fenix sieht eine Frau und fühlt sich sexuell zu ihr hingezogen - kurz darauf ringt er mit einer Würgeschlange [Schlange = Symbol der Sünde], und es wird deutlich, dass er sich mit der überall vorhanenden Sexualität konfrontiert sieht, und sie zeitweise auch als sündig betrachtet)hat Jodorowsky ganz sanft in seinen Film einfließen lassen - ach ja und was wahrscheinlich am wichtigsten ist: Der Film unterhält auf ganzer Linie. Was nützt ein abgefahrener Kunstfilm, wenn er langweilt... "Santa Sangre" langweilt einen nicht... es packt dich, reißt dich in eine wilde, blutige Welt... und entlässt dich gereinigt in die eigene Welt - genau wie der Protagonist am Ende selbst eine Katharsis widerfährt.
Noch mal kurz zur Brutalität: Ich habe bei Jack Ketchums Evil die Brutalität bemängelt (siehe meine erste Rezension), und zugegeben: jemandem mit Salzsäure die Genitalien zu verätzen ist auch sehr drastisch, aber Jodorowsky benutzt diese übertrieben Plastizität um zu Kritisieren, die Gesellschaft zu entlarven, nicht etwa, wie es bei vielen Büchern und Filmen der Fall ist, "sexuell" zu stimulieren.
Also wer sich für kontroverses, unkonventionelles Kino interessiert, sollte sich diesen Film ansehen. Es lohnt sich, denn einem wird viel geboten.


EVIL
EVIL
von Jack Ketchum
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

23 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Schockierendes Machwerk, das definitiv zu weit geht, 5. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: EVIL (Taschenbuch)
Um Missverständnisse zu vermeiden, sollte ich zunächst einmal meinen persönlichen Geschmack was Film und Literatur angeht, beschreiben. Es ist nicht so, dass ich in irgendeiner Weise ein Feind von Gewalt in cineastischer oder literarischer Kunst wäre. Nein, im Gegenteil, ich bevorzuge im Grunde genommen Bücher und Filme, die sich im Genrebereich Horror befinden. Ästhetische Brutalität, als Stilmittel, um den Konsumenten zu schockieren, um Spannung zu erzeugen usw. finde ich völlig in Ordnung. Ich bin sogar ein Fan von Stephen King (der ja wie wohl bekannt ein Vorwort zu diesem "Roman" geschrieben hat), habe auch keinerlei Probleme mit "Saw", "The Hills Have Eyes" oder Vergleichbarem. Ich würde mich keinesfalls als abgestumpft beschreiben, doch ich habe schon einiges gesehen, und auch gelesen, und muss im großen und ganzen sagen,seltenst bin ich auf etwas gestoßen, was mich wirklich im negativen Sinne getroffen oder schockiert hat. Oft habe ich mich gefragt, wo die Grenze des guten Geschmacks liegt, ab wann man zu weit geht. Nun ja, Jack Ketchum hat es mir auf - mehr oder weniger - eindrucksvolle Art gezeigt.

Betrachtet man das Buch auf literarischer und sprachlicher Ebene, muss man natürlich sagen, dass es völlige Trivialliteratur ist. Schlichte, einfache Prosa, ohne viele stilistische Mittel wird einem hier präsentiert. Somit hat dieses kleine, perverse Schundbuch nicht mal in dieser Hinsicht irgendeinen Wert. Es charakterisiert sich schon in diesem Bereich als Abfall, das es ja im Endeffekt, soweit ich das beurteilen darf, auch ist. Das einzige Thema des Buches ist - das wird bereits am Anfang deutlich - Macht. Macht über kleinere Organismen, die sich nicht währen können, wenn man sie quält, Macht über Schwächere. Schon auf den ersten Seiten wird diese schwächliche Symbolik des Buches präsentiert, wenn der Hauptprotagonist, der Ich-Erzähler, Flusskrebse fängt, diese aber sofort wieder freilässt. Er profiliert sich somit schon mal als "Guter" (wobei fraglich ist, ob in diesem Buch irgendwer als "gut" bewertet werden kann). Die anderen, enorm verhaltensgestörten Kinder, die Protagonisten in diesem ekelerregenden Machwerk sind, gehen da mit Kleineren schon weniger gut um. Es gibt Beschreibungen, wie Tiere gequält werden, was schon mal ein Verweis auf den weiteren Verlauf des Buches ist. Übrigens noch ein negativer Punkt, den ich zu bemängeln habe: Die Handlung, wenn man sie denn so nennen will, ist so extrem vorraussehbar. Man weiß schon nach wenigen Minuten des Lesens, was kommt, was einfach kommen muss... und es kommt auch, aber auf eine Art und Weise, dass einem speiübel wird. Wer Rezensionen und/ oder Inhaltsangaben gelesen hat, weiß, dass ein junges Mädchen und ihre Schwester, deren Eltern verstorben sind, zu diesen eigenartigen Kindern ins Dorf kommen. Das ist der Grundstein, für das Abartigste, was ich je in meinem Leben zu lesen bekommen habe. Zunächst hält sich der Autor zwar zurück, es gibt uninteressante Konversationen zwischen Jugendlichen, die ihre Sexualität entdecken (insbesondere für die Neue), Beschreibungen, wie sie bei ihrer ebenfalls verhaltensgestörten Tante unter kommt usw. Danach, ich formuliere es mal so platt, wie es das Buch auch tut, folgt eine Folterorgie, der ekelerregensten Sorte. Das Mädchen wird zunächst nur beleidigt und geschlagen, doch danach steigert sich die Perversion langsam. Imemrzu habe ich mich gefragt: "Wann ist es vorbei? Kann man da überhaupt noch etwas drauf setzen?" Ja, der Autor konnte es wohl... Er übertrifft mit seinen Schilderungen jegliche Vorstellung, und überschreitet Grenzen, die nicht hätten überschritten werden sollen!

Man mag sich jetzt vielleicht fragen, wieso ich mich so aufrege, wo ich doch, wie oben erwähnt, keine Probleme mit Gewalt in Literatur und Film habe. Ich habe damit auch eigentlich kein Problem, doch der Autor geht schlicht und einfach zu weit! Das Mädchen wird verbrüht, wobei sie fast ihr Augenlicht verliert, mit einer glühenden Nadel wird ihr etwas in den Bauch geritzt, man vergewaltigt sie (bei der Stelle hatte ich eine Gänsehaut vor Ekel) und die Krönung, das Barbarischste dieses abgef*ckten Buches: Man versengt ihr die Klitoris! Mal im Ernst, wer kommt auf sowas? Das ist krankhaft, abartig und meilenweit entfernt vom guten Geschmack. Wenn das Buch einen jetzt nur mindestens belehren würde... NEIN! Alles wird einem mit schon fast lächerlicher Banalität präsentiert. Mit voyeuristischer Genüsslichkeit muss man miterleben, wie ein Mädchen auf übelste Art gefoltert wird. Ich hatte zeitweise den Eindruck von krankhafter Pornografie! Ja, es ist wirklich wie ein flacher, dummer, gewaltverherrlichender Porno. Er ist Frauen - Nein, eigentlich Menschenverachtend. Das wirklich allerschlimmste an diesem verabscheuungswürdigem Buch ist wohl, dass es auf einer wahren Begebenheit beruht... Wie kann man so geschmacklos sein? Das ist unzivilisiert, abartig und barbarisch. Dieses Buch ist wirklich in höchstem Maße gefährlich. Ich habe es während meiner Abschlussfahrt gelesen und konnte es wohl nur nicht mehr bei Seite legen, weil ich immerzu auf eine Erlösung für das Mädchen im Buch gehofft habe, doch sie kam nicht. Auch die fragwürdige "Gerechtigkeit", die einem am Ende geboten wird, ist völlig unbefriedigend und vermittelt dem Leser überhaupt nichts.

So, das ist meine Meinung. Leider hat dieses literarische Erbrochene eine magische Wirkung auf viele, die davon erfahren. Während meiner Skifreizeit habe ich bereits mehreren Leuten davon berichtet, die alle eine seltsame Faszination dafür verspürt haben mussten, denn sie wollten es lesen, weil sie der Ansicht waren, ich übertreibe, doch sie haben festgestellt, dass es stimmt, was ich sage. Also: DIES IST EINE WARNUNG! KAUFT DIESES BUCH NICHT. Es tut einem nicht gut und ich musste sogar Seiten überspringen, was mir nie passiert ist bis jetzt in einem Buch. Es gibt so viel Fantastisches, Großartiges, was die Literatur hervorgebracht hat. Dinge, die es zu lesen lohnt, Bücher, die einen faszinieren können, einen mitreißen... aber das nicht. Ich halte nicht viel vom Index, aber für dieses Buch wäre es durchaus eine Lösung. Nein, das hier ist wirklich krank und ich verstehe auch nicht, wie King das mit solcher Euphorie loben kann. wirklich... das sollte man einfach nicht lesen...
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 21, 2011 3:29 PM CET


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