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Beiträge von G. J. Matthia
Rang der Rezensentin/des Rezensenten: 3.955
Hilfreiche Bewertungen:
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Rezensionen verfasst von G. J. Matthia "GJM" (Berlin)
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Landesbühne
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von Siegfried Lenz Gebundene Ausgabe |
| Preis: EUR 17,00 |
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| Verfügbarkeit: Auf Lager. |
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Gelegentlich fast schon kafkaesk, 18. November 2009
Ich war gespannt, ob auch dieses Werk so bezaubernd ist wie Schweigeminute, das ich auch hier sehr gelobt habe. Gleich vorweg will ich nicht verbergen, dass Schweigeminute auf Platz 1 meiner liebsten Siegfried Lenz Bücher bleibt. Das heißt aber nicht, dass Landesbühne etwa ein schlechtes Buch sei. Nein, es ist ein sehr gutes Buch. Nur eben nicht das beste.
Der Ich-Erzähler ist ein echter Professor der Germanistik, und er sitzt für 4 Jahre im Gefängnis von Isenbüttel. Am Anfang der Novelle rollt ein Bus der Landesbühne auf den Hof und damit beginnt eine Posse, die unterhaltsam, tiefgründig und aberwitzig zugleich ist. Gelegentlich schon kafkaesk anmutend entfalten sich die Ereignisse. Der Professor folgt scheinbar willenlos seinem Zellennachbarn Hannes und einigen Mitgefangenen in den Bus und - die Aufseher sind etwas nachlässig bezüglich ihrer Dienstauffassung - in die Freiheit. Jenseits der Gefängnismauern warten unter anderem ein Nelkenfest auf gesanglichen Beitrag der Ausreißer, ein Heimatmuseum auf Gründung und eine Volkshochschule auf einen Professor, der sie ins Leben ruft
Rund 130 Seiten hat diese Buch, ein eher schmales Werk also, und ich ertappte mich dabei, immer langsamer zu lesen, je mehr Seiten sich links und je weniger sich rechts befanden. Siegfried Lenz gelang es wieder einmal, dass ich wünschte, er würde weiter erzählen. Seine Umgang mit der Sprache ist wohltuend, seine Ideen sind voller Phantasie und Überraschungen, und selbst das Ende ist nicht das, was man erwarten würde, sondern es zeigt, dass Freundschaft ein wertvolles Gut ist, für das sich einiges zu opfern lohnt.
Siegfried Lenz moralisiert nicht, belehrt nicht, idealisiert nicht, sondern er malt das Labyrinth des Lebens anhand von kleinen Episoden, die miteinander verwoben sind. Er zeichnet Charaktere, die so menschlich sind wie der Leser, so dass sie gleich vertraut erscheinen.
Humorvoll ist die kleine Erzählung darüber hinaus, und voll von kleinen Seitenhieben auf die Gesellschaft, den Kulturbetrieb und die Germanistik, auch »der Lenz« kommt nicht ungeschoren davon, wenn der Professor seine Gedanken darlegt.
Mein Fazit: Ein gelungenes, wunderschönes Buch, dessen Zauber man sich nicht entziehen will.
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The Book Thief
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von Markus Zusak Taschenbuch |
| Preis: EUR 5,95 |
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| Verfügbarkeit: Auf Lager. |
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You little Saumensch!, 12. November 2009
Lets go, Saukerl! What do you bet, you little Saumensch? She schmunzelled. They returned to Frau Dillers, Heil Hitlered and waited. - Dieses Buch sollte man, wenn man es denn vermag, unbedingt auf Englisch lesen. Der Sprachwitz, der durch die bajuwarischen Brocken entsteht, geht unweigerlich verloren, wenn eine Übersetzung ins Deutsche vorliegt. Und die Sprache, die Markus Zusak entwickelt, ist ganz hervorragend geeignet, den Leser nicht mehr von der Angel zu lassen, hat er erst einmal angebissen.
Wir begleiten in The Book Thief Liesel Meminger durch fünf Jahre ihres Lebens im Hitlerdeutschland. Sie ist neun Jahre alt, als sie einer Pflegefamilie übergeben wird, die in der Himmelstraße in Molching wohnt, einem Vorort von München.
Der Tod selbst erzählt uns ihre Geschichte, auf eine Art und Weise, die mir in der Literatur noch nicht begegnet ist. Er ist nicht der grausame Sensenmann, sondern er tut einfach nur seine Arbeit, und die fällt ihm oft genug nicht leicht. Er weiß jedoch, dass alles Meckern oder Aufbegehren vergeblich wäre, also verrichtet er seinen Dienst so human - ist das Wort angebracht? - wie möglich.
Die Zeit, in der die Markus Zusak die Erzählung angesiedelt, ist alles andere als human. Manchem ist der Tod ein willkommener Besucher, mancher sucht ihn gar bewusst, weil das Leben unerträglich geworden ist. Viele holt der Tod auch ungefragt, weil The Führer nun einmal seine Wege geht.
Liesels kindliche, aber keineswegs kindische Perspektive auf das Leben wirkt von der ersten bis zur letzten Seite des Romans glaubhaft, es gelingt dem Autor, sich und den Leser in dieses Mädchen hineinzuversetzen. Das Kleinstadtleben unter den Nazis verändert sich langsam, jedoch unaufhaltsam. Misstrauen unter Nachbarn wächst, die Juden verschwinden aus der Stadt, um später in Ketten durch Molchings Straßen nach Dachau geführt zu werden, Hunger und Mangel nehmen zu. Und dennoch bleiben Kindheitsrituale wie Fußballspiele auf der Straße unverändert, hat das Leben auch heitere Facetten.
Markus Zusak hat für dieses Buch zwar keine herausragend neue Handlung ersonnen, aber er erzählt die Geschichte auf fesselnde Weise. Sein handwerklich makelloser Umgang mit der Sprache (wobei mitunter für den deutschen Leser die bayerischen Schnipsel in den Sätzen ziemlich amüsant sein können) ist das eine, die liebevolle Gestaltung des Buches mit kleinen Skizzen und Bildern, optisch herausgehobenen Anmerkungen des Todes zum Geschehen und die gelegentlichen Zeitsprünge das andere, was dieses Werk so einzigartig macht. Ich neige nicht zu Superlativen, aber hier ist ein klares Wort am Platz: The Book Thief ist eines der besten Bücher, die ich in den vergangenen Jahren gelesen habe.
Mein Fazit: Wer sich auf die Lektüre mit ihren überraschenden Eigenarten einlässt, beschenkt sich mit einem Leseerlebnis der unvergesslichen Art. Das Buch ist manchmal dramatisch, es ist zeitweise komisch, es ist stellenweise tragisch. Das Buch ist eben wie das Leben selbst.
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7 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Dasher, Dancer, Prancer, Vixen..., 12. Oktober 2009
Bob Dylan scheut nicht vor der lateinischen Strophe von »O Come All Ye Faithful« zurück. Er unterlässt es nicht, »Here Comes Santa Claus« mit Schlittenschellen einzuleiten. Auch schmachtende Hawaii-Gitarren fehlen nicht bei »Christmas Island«. Die einzige interpretatorische Überraschung ist die High-Speed-Polka-Version von »Must Be Santa«.
Selten gab es so viele kontroverse Diskussionen vor dem Erscheinen eines neuen Albums von Bob Dylan wie in diesem Fall. Und die gegensätzlichen Meinungen werden auch nicht aufhören, nachdem sich nun die CD in zahlreichen Abspielgeräten dreht.
Dieses Album ist kein Bob Dylan Album. Kein einziges der 15 Lieder hat er selbst komponiert. Ich weiß nicht, ob ihm ein eigenes Weihnachtslied gelungen wäre, wenn er gewollt hätte, aber er wollte gar nicht. Schon das klassisch anmutende Cover der CD macht klar, worum es hier geht: Traditionelle Weihnachtslieder, mehr oder weniger gesungen von Bob Dylan.
Auch die Interpretationen sind nicht seine oder irgendwie ausgefallen (abgesehen von »Must be Santa«, aber auch das ist keineswegs »typisch Dylan«), sondern genauso konservativ wie die Auswahl der Lieder. Die Musiker (Tony Garnier, George Receli, Donnie Herron, David Hidalgo, Phil Upchurch und Patrick Warren) sind im wesentliche seine aktuelle Tourband beziehungsweise bei »Together Through Life« zu hören, dazu kommen sieben »mixed voice singers« bei Konzerten des Meisters gibt es solche nicht. Aber zu manchen Weihnachtsliedern gehört nun mal ein Chor. Und der klingt dann so weihnachtlich, wie amerikanische Weihnachtslieder nun einmal klingen.
Das einzige, was an dieser CD einzigartig ist, und das war zu erwarten, ist die Stimme. Wer die CD »Together through Life« kennt oder ein Konzert aus den letzten Jahren gehört hat, weiß, wie das klingt: Bob Dylan »singt« auf seine unvergleichlieche Art, und das können manche nicht leiden, andere sind begeistert. Dazwischen dürfte es so gut wie keine Grauzone geben.
Passt nun diese Stimme ausgerechnet zu Weihnachtsliedern der klassischen Variante? Für mich: Ja. Für andere (einigen Kritiken zufolge): Nein. Die hören lieber zu weichgespülten Songs auch einen weichgespülten Gesang, aber bei Bob Dylan gibt es alles mögliche zu hören, bloß nichts derartiges.
Er kann bei einigen Liedern durchaus sanfte Töne anschlagen, bei anderen wiederum fröhlich draufloskrächzen, er kann sentimental gurgeln oder lauthals knarzen und genau das mag ich an den CDs der letzten Jahre. Einschließlich dieser Weihnachtsscheibe.
Wem »If you ever go to Houston« gefällt, wer bei »Joleen« einfach gute Laune bekommen muss, wer gerne »Thunder on the Mountain« grummeln hört oder bei »Cold Irons Bound« richtig warm wird, der wird auch diese CD genießen können.
Wer dagegen die »Christmas Songs« von Bing Crosby mag, oder Frank Sinatras »Christmas Album«, ganz zu schweigen von Mariah Caryes »Merry Christmas«, der sollte um Bob Dylans »Christmas in the Heart« einen Bogen machen, obwohl zum großen Teil die gleichen Lieder enthalten sind. Auf »Christmas in the Heart« singt jemand auf seine Art aus spürbar vollem Herzen, mit Hingabe und Eifer die Weihnachtsbotschaft - aber es ist eben Bob Dylan und nicht irgendjemand sonst. Ein begeisterter Fan schrieb: »YES! He sounds like a toothless drunk Irish guy!!!! That totally nails it!!!«
Dass er und die Musiker eine Menge Spaß hatten, als sie diese 15 Songs einspielten, ist unverkennbar herauszuhören. Nicht zuletzt an den Namen der Rentiere vor dem Schlitten im 10ten Track. Ich will den Spaß des selbst Entdeckens niemandem verderben, daher verkneife ich es mir, hier zu offenbaren, worüber ich an dieser Stelle vergnügt lachen musste. Mein Eindruck ist derselbe wie beim Album »Together through Life«: Die Musiker haben die Aufnahmesessions insofern ernst genommen, dass sie nicht aus Verpflichtung, sondern aus Freude an der Musik zusammen spielen - und daher viel Spaß und bestes Gelingen im Studio gehabt. Das bleibt dem Zuhörer nicht verborgen.
Der Erlös der CD geht jetzt und in alle Zukunft an drei Wohltätigkeitsorganisationen. Zumindest damit könnte sich derjenige trösten, der nach dem Kauf feststellt, dass die Kombination von traditionellen Weihnachtsliedern mit dieser unbeschreiblichen Stimme ihm nicht gefällt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Sarkastische Lutheranerin, 5. September 2009
Ironie und Sarkasmus sind nicht jedermanns Sache, aber gelegentlich mag es keinen anderen Ausweg geben, wenn man nicht verzweifeln möchte. Nadia Bolz-Weber erklärt, wie sie reagiert hat, als ein Verlag das Ansinnen vorbrachte, sie möge sich 24 Stunden dem Programm eines evangelikalen (im amerikanischen Sinne) Bibelfensehsenders aussetzen und dann darüber ein Buch schreiben:
I suggested that perhaps the Geneva Convention might address making a person do this sort of thing, right after the paragraph on waterboarding, but then I agreed to it because, well, it was about the weirdest thing someone had asked me to do in a while, so how could I say no?
Die Autorin ist lutheranische Pfarrerin in Amerika, aber alles andere als eine »normale« Geistliche. In ihrer Kirche in Denver versammeln sich, so erzählte sie, Menschen, die zu 85% keine Kirche besuchten, bevor sie zu eben dieser Gemeinde fanden. Menschen, die anderswo nur Ablehnung, Verachtung und Verletzung von Christen erlebt haben. Nadia Bolz-Weber erzählte, dass sie gelegentlich überrascht (und sehr dankbar und erfreut darüber) ist, dass auch »ganz normale« Familien kommen und bleiben, die der typischen amerikanischen Mittelschicht angehören.
In ihrem Buch Salvation on the small screen? schildert sie die 24 Stunden, in denen sie (mit Freunden und Bekannten, die jeweils für eine oder zwei Stunden kamen) das Programm verfolgt hat, das der Sender TBN ausstrahlt. Dabei wählt sie Ironie und Sarkasmus als Stilmittel, weil ihr nichts anders übrig bleibt angesichts dessen, was sie sieht. Paula White zum Beispiel, eine Art Barbie-Puppe, die stilvoll ihre aufgeklebten Fingernägel zur Geltung bringt, während sie den Zuschauern ihre Philosophie (oder Theologie?) erklärt: »What do you do when life throws you a curve ball? You hit a home run!«
Nadia Bolz-Weber:
Much to my delight, Paula White is next. The last time I watched her show, her talk was entitled, "Why God Wants You Wealthy." White is a mega-church "pastor" along with her (soon to be second ex-) husband, "Bishop" Randy White.
After years of seminary I find myself getting a tad indignant about people taking the title "pastor", much less "bishop" with all the consideration and credentialing one might use choosing a chat room screen name.
Immer wieder in den 24 Stunden sind 30 Sendeminuten mit einer Schein-Talk-Show nur dazu da, dass die Zuschauer die regelmäßig eingeblendete Telefonnummer anrufen, um das jeweilige Geschäft anzukurbeln. Ob nun Hill$ong-CDs, Bücher oder kitschige Gemälde verkauft werden sollen, das Muster ist immer gleich. Es gibt auch eine Telefonnummer für Aufkleber mit einem durchgestrichenen Teufel, die man sich unter die Schuhsohlen kleben soll, um auf diese Weise die »Mächte der Finsternis« zu zertrampeln. Die Aufkleber sind kostenlos, aber sie kommen nur mit einem Buch zusammen zum Versand...
Die Autorin schildert anschaulich anhand mehrerer Beispiele, wie hinterhältig den Zuschauern das Geld aus der Tasche gezogen wird, wie fahrlässig Reichtum und Gesundheit versprochen werden von Fernsehstars, die wohl niemals denen Rede und Antwort stehen werden, die arm bleiben (oder durch großzügige Spenden werden), deren liebste Angehörige an einer Krankheit sterben, obwohl alle alles richtig, entsprechend »God's way«, gemacht und geglaubt haben.
What's so disturbing is that TV preachers can dispend these magic formulas for health and wealth, tell people that this is "God's way," and yet never be interrupted by the raised hand of someone who says, "I do all of the things you were saying but I'm still depressed" - or poor, or not speaking to my sister, or feeling as though God has abandoned me. This medium allows Paula White and her fellows, to some extend, to ignore the real, lived, complicated experience of people.
The irony of Paula White telling this story about counseling folks in problematic relationships while in the midst of a divorce from "Bishop" Randy White, her second divorce, is not at all lost on us.
Nun wäre das Buch einseitig zu nennen, wenn es sich ausschließlich um beißende Kritik am Fernsehprogramm von TBN handeln würde, aber Nadia Bolz-Weber geht einen (wie ich meine notwendigen) Schritt weiter: Sie stellt nicht in Frage, dass auch in solchen gespenstischen Shows wie Benny Hinns Sendung Gott Menschen berühren kann. Sie schildert, dass sie selbst zwar von dem meisten, was sie in den 24 Stunden sieht, abgestoßen ist, aber sie weist deutlich darauf hin, dass sie nicht das Maß aller Dinge ist.
If God can work through someone as broken and imperfect as me, then he can surely do the same with people like Paula White, although I think she is totally crazy. When it comes to God's grace, then I stop all irony and sarcasm. Because I believe that God offers his grace freely and without restrictions, I also believe that he can do such through these TV preachers, else he couldn't use me for his kingdom either.
Für mich wurde die Autorin gerade durch diese Einsichten in die eigene Unvollkommenheit um so glaubhafter, aufrichtiger.
Mein Fazit: In manchen Punkten bin ich anderer Meinung als die Autorin, aber das ist normal und auch gut so. Die Lektüre ist lebendig und unterhaltsam, und etliche Gedanken werden mich weiter begleiten. Nadia Bolz-Weber ist eine intelligente und humorvolle Autorin und Pastorin, ich werde ihren Blog im Auge behalten.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
fifteen-minute parking zone, 27. August 2009
The gunman is useless.
I know it.
He knows it.
The whole bank knows it.
Even my best mate, Marvin, knows it, and he's more useless than the gunman.
The worst part about the whole thing is that Marv's car is standing outside in a fifteen-minute parking zone. We're all facedown on the floor, and the car's only got a few minutes left on it.
"I wish this bloke'd hurry up," I mention.
"I know," Marv whispers back. "This is outrageous." His voive rises from the depths of the floor. "I'll be getting a fine because of this useless bastard. I can't afford another fine, Ed."
Mit einem Banküberfall beginnt das Buch, von dem hier die Rede ist. Ed, der Ich-Erzähler, sein Freund Marv und Audrey liegen auf dem Boden während der Bankräuber mit seiner Pistole herumfuchtelt und irgendwie nicht recht zu Potte kommt mit seinem Überfall.
Marv ist nicht gerade eine Leuchte in der Intelligenzabteilung. Audrey ist ein prima Kumpel für Ed, aber mehr auch - leider, findet Ed - nicht. Und Ed selbst ist ein durchschnittlicher 19jähriger Loser (der Anglizismus sei mir angesichts eines Buches in englischer Sprache nachgesehen). Er ist kein Held, zeigt keine nennenswerten Begabungen oder Interessen, hat keine sonderlichen Pläne oder Ziele im Leben. Er jobbt als Taxifahrer und ist ansonsten mit Kartenspielen, Quatschen und Träumen von Audrey gut ausgelastet. Sein Hund, The Doorman, passt zu ihm - ein liebenswerter, stinkender, struppiger Geselle, der nichts Besonderes ist oder kann.
Trotz des Banküberfalls am Anfang erzählt der Autor Markus Zusak keinen Krimi, sondern einen (ganz und gar lesens- und liebenswerten) Roman.
Ed bekommt Post - eine Spielkarte. Und die führt ihn zu einer Kette von Einsätzen, mit denen er nie gerechnet und deren Bewältigung er sich nie und nimmer zugetraut hätte. Schritt für Schritt kommt er sich selbst und dem Leben näher, während er anderen, zunächst wilfremden Menschen bestimmte Dienste leistet... Er ist der Messenger, der nicht einmal weiß, wessen Botschaft er überbringt und warum ausgerechnet er.
Zusak erzählt glaubwürdig, was längst nicht jedem Schriftsteller gelingt. Sprache, Stil, Ausdruck - hier stimmt wirklich alles, um den Leser mit in Eds Leben, Empfinden, Denken zu nehmen.
"Oh Ed." Audrey looks away. "Oh Ed."
Our feet dangle.
I watch them, and I watch the Jeans on Audrey's legs.
We only sit there now.
Audrey and me.
And discomfort.
Squeezed in, between us.
She soon says, "You're my best friend, Ed."
"I know."
You can kill a man with those words.
No gun.
No bullets.
Just words and a girl.
Ich habe bei der Lektüre manches mal laut aufgelacht, an anderen Stellen geseufzt oder gar den sprichwörtlichen Kloß im Hals verspürt. Der Autor wird jedoch an keiner Stelle aufdringlich oder penetrant belehrend, sondern er lässt Ed auf völlig natürlich wirkende Weise erzählen, was ihm alles zustößt. Und das ist immer wieder unerhört und unerwartet.
Wenn ein Buch mich wie dieses derart vereinnamen kann, wenn ich es trotz später Stunde überhaupt nicht aus der Hand legen mag, dann ist es zweifellos für mich ein sehr gutes Buch.
Das Werk wird vom Verlag und in den Buchhandlungen als Jugendbuch (for young readers) eingeordnet, was nicht meine Zustimmung findet. Ich bin demnächst 54 Jahre alt, und dennoch hat mich Markus Zusak zu fesseln und bestens zu unterhalten vermocht. Es geht jungen Lesern (mit zwei Teenagern habe ich über das Buch geplaudert) nicht anders - aber ist I Am the Messenger dessenthalben ein Jugendbuch? Nee, also wirklich nicht.
Mein Fazit: Wer nach einer fesselnden Lektüre sucht, bei der er nebenbei noch einige Eigentümlichkeiten des australischen Englisch kennen lernen kann, sollte nicht zögern, sondern zugreifen. Und falls das Auto in einer fifteen-minute parking zone steht, wenn man die Lektüre beginnt: Vorher wegfahren, sonst ist der Strafzettel sicher!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Ein Staatsmann mit Profil, 26. August 2009
Giovanni di Lorenzo hat die meisten dieser Gespräche »auf eine Zigarette« mit dem wohl berühmtesten Tabakkonsumenten der Bundesrepublik Deutschland geführt. Der mittlerweile 90jährige frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt plauderte eineinhalb Jahre für die von ihm mit herausgegebene Wochenzeitung »Die Zeit« über Gott und die Welt mit di Lorenzo und gelegentlich anderen Journalisten.
Dabei kamen - natürlich - Ereignisse aus der Geschichte Deutschlands zur Sprache, aber auch Aktuelles und Generelles.
In diesem Buch nun wurden die schönsten dieser Gespräche zusammengetragen, zusätzlich gibt es ein unveröffentlichtes Interview über Liebe, Leid und Tod.
Helmut Schmidt gelingt der Blick über das Tagespolitische hinaus, womöglich etwas, was einem Menschen verwehrt bleibt, solange er noch aktiver Politiker ist. Die Gespräche mit Helmut Schmidt in diesem Buch sind durchweg unterhaltsam zu lesen - dies ist alles andere als ein trockenes politisches Werk oder eine historische Abhandlung. Es ist Unterhaltungslektüre im besten Sinne, mit Tiefgang, amüsanten und anrührenden Momenten, die auch einen Blick in das Empfinden eines Mannes gewährt, der in mehreren Fällen Entscheidungen zu treffen hatte, die das Schicksal Deutschlands und Europas beeinflussten.
Manches hat mich überrascht, zum Beispiel seine sehr positiven Worte über Franz-Josef Strauß und seine Gedanken über Gott.
Helmut Schmidt erweist sich in diesen Gesprächen wie in seiner Kanzlerschaft als Mann mit Profil, der anderen gerne zuhört, auch wenn sie Kritik zu üben haben, der aber den Mut und die Kraft zur eigenen Meinung und Entscheidung hat.
Mein Fazit: Sehr lesenswert, ob man nun der politischen Partei Schmidts zugetan ist oder nicht, ob alt oder jung.
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Iz on
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| Preis: EUR 9,89 |
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| Verfügbarkeit: Auf Lager. |
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Die letzte Platte?, 3. August 2009
»Herr Schäuble haben Sie denn schon alles erfasst? Wir gehen vorsorglich erst mal alle in den Knast.« -Söhne Mannheims (Kraft unseres Amtes)
Politisch Lied, gar garstig Lied, behauptet ja der Volksmund. Nun muss nicht alles stimmen, was das Volk im Munde führt, das Volk liest ja auch zu Teilen die BILD-Zeitung und plappert nach, was dort zu lesen ist.
Auf dem dritten Studioalbum der Söhne Mannheims, IZ ON genannt, ist ein weitgehend politisches Lied das am besten gelungene: »Kraft unseres Amtes« hat alles, was ich an den Söhnen Mannheims schätze und genieße. Eine herrlich ausgeklügelte Melodieführung, einen mitreißenden Rhythmus, eine phantasievolle Instrumentierung und die grandiose Stimmenmischung. Auch der Titelsong »IZ ON« ist ein makelloses Meisterwerk. Die Vielschichtigkeit der Chorsätze und die einfallsreiche Komposition sind umwerfend.
Und damit bin ich auch schon am Ende der Liste herausragender Lieder auf diesem Album. Die übrigen zwölf Titel bleiben hinter den (womöglich nach den beiden ersten CDs zu hochgesteckten?) Erwartungen zurück.
Das soll nicht heißen, dass sie schlechte Musik wären. Es soll auch nicht heißen, dass die Texte nicht gelungen sind. Im Gegenteil, die sind überwiegend sehr durchdacht, gut formuliert und mit der richtigen Mischung aus Glaube, Hoffnung und Liebe ausgestattet.
»Der Herr ist unser Hirte, und ich glaube seinen Worten. Er hat uns jetzt die Macht gegeben, Feinde zu orten, Und so wandten wir sie an und haben sie gefunden, und drehen nun im Geiste über ihnen uns're Runden.« -Söhne Mannheims (IZ ON)
Und doch fehlt diesen zwölf weiteren Beiträgen zur CD der gewisse ansteckende Funke. Das Filmorchester Babelsberg spielt virtuos, kein Zweifel, die Band hat nichts von ihren musikalischen Fähigkeiten eingebüßt, aber irgendwie kommt das alles sehr weichgespült daher.
Sanfte Töne gab es auch bisher von den Söhnen Mannheims, aber Songs wie »Jah is changing all«, »Sofern du mir nah bist«, »Vielleicht« oder »Ich geh mit dir«, um nur einige zu nennen, hatten stets ihre ganz einzigartigen Stimmungen und blieben im Ohr. Stundenlang, tagelang, wochenlang. Unverwechselbar und auch beim zwanzigsten Hören nicht langweilig.
Auf dem Album IZ ON klingt dagegen vieles austauschbar, ähnelt sich, reißt nicht mit. Kaum gehört, schon vergessen. Entschwunden. Etliche Songs klingen einander so ähnlich, dass man meint, genau den habe man doch eben schon gehört. Eine gewisse Lustlosigkeit scheint viele der Lieder zu durchziehen.
Wäre dies die erste Platte der Band, dann wäre sie weit überdurchschnittlich. Aber sie muss sich nun einmal messen lassen an ZION und NOIZ, und da bleibt sie doch hinter meinen Erwartungen zurück. Vielleicht höre ich mich im Lauf der Zeit auch noch besser hinein und entdecke Feinheiten und Juwelen, die mir bei den ersten fünf Durchgängen verborgen geblieben sind? Vielleicht trifft IZ ON auch genau den Geschmack von anderen Menschen, die nicht die gleichen musikalischen Vorlieben und Empfindungen haben wie ich? Wahrscheinlich ist das so. Es wäre ja auch fatal, wenn wir alle einen Einheitsgeschmack hätten.
Mein Fazit: Eine gute CD, die ich hin und wieder auflegen werde, aber leider nicht der erwartete Höhepunkt der dreifachen Buchstabenkombinationen von Z, O, I und N. Platz 1 in meiner Gunst behält NOIZ, dann folgt ZION und schließlich IZ ON. Und vielleicht gibt es ja, entgegen der Ankündigung der Söhne Mannheims, doch irgendwann ein viertes Album?
»Das ist vielleicht die letzte Platte, »Best Of's« ausgenommen. Von unseren düsteren Visionen sind schon einige gekommen. Wer nicht sieht, dass hier Armaggedon ist, der sieht verschwommen.« -Söhne Mannheims (IZ ON)
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Wohltuend unaufdringlich, 18. Juni 2009
Kerstin Hack, meine Freundin und Autoren-Kollegin, hat ihrer stetig wachsenden und erfolgreichen Serie von Impulsheften ein wohltuendes weiteres Werk hinzugefügt. Es geht darin um Reife und Unreife, vor allem darum, wie man natürlich - also unverkrampft und ohne Zwangsvorstellungen - wachsen kann. Ein interessantes Thema, denn wer aufhört, zu wachsen, zu reifen, der hört auf zu leben.
Das Heft hebt sich wohltuend von anderer Lektüre, die ich zum Thema »Reife« schon gelesen habe, ab. Häufig begegnete ich in anderen Ratgebern irgendwelchen Anleitungen, wie durch sogenannte Reife Probleme, Leid, Schwierigkeiten umgangen werden können (was natürlich in der Regel Unfug ist). »Natürlich wachsen« zeigt dagegen unter anderem, wie man mit schweren Erfahrungen umgeht, anstatt eine heile Welt vorzugaukeln:
Auch reife Menschen erleben Leidvolles. Im Kontrast zu unreifen Menschen bewerten sie Krisen jedoch nicht als »Ungerechtigkeit des Schicksals«, sondern als unvermeidlich im Leben und als wichtig für die eigene Entwicklung. Sie leugnen Schweres nicht, sondern nehmen es an und gestalten das Leben damit weiter.
Man wird angeregt darüber nachzudenken, was die größten Krisen im eigenen Leben waren, und welche Stärke in oder durch diese Krisen entwickelt werden konnte.
Wachsen kann und sollte der Mensch auf ganz verschiedenen Gebieten. Wie wäre es mit einem Wandel von der (kleinkindgemäßen) Ich-Bezogenheit hin zu einem Blick für die Bedürfnisse anderer Menschen?
Ein reifer Mensch erlebt sich selbst als derjenige, der am meisten beschenkt wird, wenn er mit dem, was er hat und kann, das Leben anderer bereichert. Er ist auf angenehme Art und Weise selbstlos und gleichzeitig ganz bei sich selbst. Er erlebt tiefe Erfüllung dabei, das auszudrücken und zu geben, was er hat. Er erwartet keinen Dank, sondern ist durch das Geben selbst am meisten beschenkt.
Dieses Impulsheft regt an zum Überdenken des Lebens, aber auf eine wohltuende, entspannende Weise. Statt 10-Schritte-zur-Reife-Anleitungen, die im wirklichen Leben des Lesers vermutlich versagen würden, gibt es Impulse (nomen est omen), stellt Alternativen vor und lädt so den Leser ein, ganz natürlich, im eigenen Tempo, in der eigenen Situation, zu wachsen und zu reifen.
Mein Fazit: Empfehlenswert, und angesichts des Preises von nur 2 Euro geradezu ein »must-have« (man verzeihe mir ausnahmsweise den Anglizismus).
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Eine exklusive Liebe
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von Johanna Adorján Gebundene Ausgabe |
| Preis: EUR 17,95 |
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| Verfügbarkeit: Auf Lager. |
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Ohne moralische Wertung - vorbildlich., 18. Juni 2009
Was macht einen guten Roman eigentlich gut? Da mag jeder Leser seine eigenen Vorstellungen und Vorlieben haben. Für mich gilt immer: Der Autor darf so ziemlich alles, mich aber nicht langweilen.
Johanna Adorján hat mich nicht gelangweilt, sondern dadurch, dass ich den Roman als Vorabdruck im Feulleton der F.A.Z. gelesen habe, wurde ich regelrecht auf die Folter gespannt. Jeden Abend nach der Rückkehr aus dem Büro ein Häppchen, und dann 24 Stunden Zwangspause. Und am Sonntag jeweils Fastenzeit, was den Roman betraf.
Die Lektüre war unterhaltsam auf eine bezaubernde Weise. Johanna Adorján gelingt es, den Leser durch eine Vielzahl von Stimmungen zu führen, ohne dass sie »dick auftragen« würde. Sie schildert in eher nüchternem Erzählton aus der Sicht der Enkelin ein Ehepaar auf dem Weg zum gemeinsamen Suizid. Ein Ehepaar, das liebenswert schrullige Gewohnheiten pflegt. Zum Beispiel: Die beiden duzen sich nicht, sondern es herrscht das respektvolle Sie zwischen den Eheleuten. Das ist natürlich ungewohnt und überraschend, anfangs sogar leicht irritierend. Aber je besser man die beiden kennen lernt, desto mehr findet man, dass es zu ihnen passt.
Die Autorin portraitiert das Paar und seine exklusive Liebe einfühlsam und mit Humor, schildert exemplarische kleine Alltagsgewohnheiten wie den jahrelang an der gleichen Straßenkreuzung identischen, eigentlich völlig überflüssigen Dialog über die einzuschlagende Richtung. Es sind solche Rituale, die zu einer langen und glücklichen Ehe dazu gehören.
Die Lebensgeschichte der Protagonisten zieht sich vom mondänen Leben in Ungarn über die Besetzung durch deutsche Nazitruppen, Flucht und schließlich Exil bis zum gemeinsam geplanten Ende des Lebens in der langjährigen neuen Heimat Dänemark. Ein jüdisches Schicksal, das von der Autorin ohne bittere Kommentare dargestellt wird, und deshalb vielleicht um so eindringlicher auf den Leser wirkt.
Man weiß gleich zu Beginn der Lektüre, dass die beiden alten Leute Selbstmord begangen haben, die Gründe dafür werden in Rückblenden nach und nach enthüllt, während Johanna Adorján in ihrer Erzählrolle als Enkelin die Lebensgeschichten der Großeltern entfaltet. Sie enthält sich auf dieser Spurensuche jeglicher moralischen Wertung zum Suizid, trotz der Bestürzung und Trauer, die solch eine unumkehrbare Handlung bei den Hinterbliebenen auslöst.
Mein Fazit: Ein sehr gelungenes Buch, das nicht versucht, letzte Antworten zu geben, wo sich keine verbindlichen finden lassen, sondern statt dessen Fragen aufwirft, die zu überdenken sich lohnt.
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...als wäre der Reißverschluss aufgeplatzt, 18. Juni 2009
»Warst du schon auf der Bank?«, fragt er sie. Eine scheinbar harmlose Frage, die bei ihr Unerwartetes auslöst: »Glaubst du, ich hätte gar nichts zu tun?!«
Wir haben den Tonfall des Mannes nicht gehört und können somit nicht entscheiden, ob die Frage sachlich oder vorwurfsvoll klang. Sie bewertete es auf jeden Fall als Angriff und geht in die Defensive.
Vieles, was im Zusammenleben von Menschen, sei es nun im privaten oder beruflichen Umfeld, schief gehen kann, hat eine Menge mit Kommunikation zu tun. Es gibt daher nicht ohne Grund zahlreiche Ratgeber, Kurse, Seminare, Bücher und andere Medien, die dabei helfen sollen, Kommunikationsfehler zu vermeiden.
Das obige Zitat stammt aus einem solchen Werk, das einen sehr gelungenen Ansatz bringt: Mit nachvollziehbaren Beispielen aus dem Alltag gelingt der Einstieg in die 28 Einzelthemen leicht, da wohl die meisten Leser sich an ähnliche Erlebnisse erinnern können.
Dadurch gelingt es der Autorin, die sich übrigens durch einen ausgesprochen lebendigen und daher gut lesbaren Stil auszeichnet, das Sachthema geradezu unterhaltsam zu machen, ohne dass es dabei verflachen würde.
Als ich meiner Schwiegermutter Urlaubsbilder zeigte, meinte sie bei einem Foto: »Der Rock ist dir aber zu eng!« Erst stritt ich das ab, doch dann schaute ich genauer hin:
Das Wickelband meiner Bluse hing seitlich über dem Rock und es sah so aus, als wäre der Reißverschluss aufgeplatzt!
So beginnt beispielsweise ein Beitrag über die Selbstwahrnehmung - und die ist in der Tat sehr prägend für die Art und Weise, wie wir mit anderen Menschen kommunizieren. Es schadet überhaupt nichts, sich selbst in Frage zu stellen - auf die richtige Weise natürlich. Selbstüberschätzung macht lächerlich:
Neulich erzählte ein Mann im Fernsehen, er hätte geweint, als er feststellte, dass er wie Elvis singen könne. Als er eine Kostprobe seines Könnens gab, waren die Zuschauer den Tränen nahe vor Lachen.
Mangelndes Selbstwertgefühl dagegen ist nicht weniger schädlich:
Francis Galton lebte vor etwa 100 Jahren in London und machte einmal folgenden Versuch: Er redete sich bewusst ein, er sei der meistgehasste Mann Englands.
Danach machte er seinen gewohnten Spaziergang. Aber an diesem Tag war alles anders: Passanten riefen ihm Schimpfworte zu oder wandten sich voll Abscheu von ihm ab. Er wurde angerempelt und fiel hin. Ein Pferd schlug aus und traf ihn. Wieder ging er zu Boden und die Schaulustigen ergriffen Partei für das Pferd.
Zu jedem Kapitel gibt es ein prägnantes Zitat, einen anregenden Denkanstoß, eine provokante Frage und einen praktischen Handlungsimpuls. So wird dieses Quadro, wie der Verlag das Format nennt, zu einem im wahrsten Wortsinn praktischen Begleiter, den man immer wieder zur Hand nehmen möchte und wird. Es sei denn, man ist nicht daran interessiert, sich mit seiner Umgebung so gut wie möglich auszutauschen.
Die Autorin Damaris Graf ist Diplom-Pädagogin und als freiberufliche Seminarleiterin in unterschiedlichen Organisationen tätig. Man merkt beim Lesen, dass sie mit Herz und Seele bei der Sache ist: Anderen dabei helfen, Kommunikationsprobleme aufzuspüren, zu beseitigen und dadurch zu einem sehr vielversprechenden neuen Ansatz im Zusammenleben und -arbeiten zu gelangen.
Mein Fazit: Unterhaltsam und praktisch, lebendig geschrieben und auch graphisch liebevoll gestaltet. Mir hat das Buch an einigen Punkten die Augen geöffnet - man lernt eben nie aus. Und das ist auch gut so. Vieles ist sofort umsetzbar, der Erfolg zeigt sich häufig schon bei der nächsten Begegnung mit einem Mitmenschen. Die 4 Euro sind eine Investition, die ganz erheblichen Gewinn bringen wird.
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