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timetunnel

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Untitled #23
Untitled #23
Preis: EUR 11,99

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großartiges, homogenes, getragenes und überaus entspanntes Album, 29. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Untitled #23 (Audio CD)
Untitled #23 nennt sich das neue Album von The Church in Anlehnung an die Anzahl der vorhergehenden Alben - wobei auch EPs und nicht-reguläre Alben irgendwie mitgezählt wurden. Letztlich ist die genau Anzahl auch nicht so wichtig. Der in meinen Augen etwas einfallslose und unoriginelle Titel steht allerdings im krassen Gegensatz zur musikalischen Qualität des Albums: wir haben es hier nämlich mit einem Werk zu tun, dass die Krönung der späten Schaffensphase dieser Band darstellt und sich zufrieden grinsend neben Meisterwerke wie Priest=Aura und After Everything Now This stellen darf.

Untitled #23 ist ein homogenes, warmes, weiches und vor allem schönes Album, sowohl was das Songwriting als auch den Soundmix angeht. Die Stücke sind wohl z.T. grundverschieden, bilden aber trotzdem einen Guss, der beim Durchhören des Albums kaum aufreißt. Stilistisch stelle man sich vor, man werfe die Alben Priest=Aura, Hologram Of Baal und After Everything Now This in einen Topf, rühre kräftig um, füge eine winzigkleine Prise von Forget Yourself dazu, und dann hat man vielleicht einen Eindruck, was man hier hören wird. Für diejenigen, die diese Alben nicht kennen: Untitled #23 ist ein insgesamt eher langsames, fast schon behäbiges Album, in dem viele Schichten von Gitarren, aber hier und da auch Geigen, Keyboards und ein Mellotron, zusammen finden, wobei stilistisch Anleihen im Psychedelic Rock, Post-Rock, Space-Rock gemacht, gleichzeitig aber auch reguläre Rock- und Pop-Elemente bedient werden. Vergleiche mit anderen Bands sind immer schwierig, aber um bei den ganz großen zu bleiben: man kann an manchen Stellen Radiohead und an anderen Stellen Pink Floyd durch die Lieder schlendern hören.

Neu ist an Untitled #23, im Vergleich zu vorhergehenden Alben, dass in manchen Liedern bewusst mit Tonleiterwechseln gearbeitet wird, die man von The Church in der Form oder auch Menge bisher noch nicht kannte. Aber auch dabei bleibt alles einen Gruss, d.h. diese Wechsel wirken nicht störend. Darüber hinaus wurde wohl auf bisher keinem ihrer Alben so exessiv mit vielschichtigem Gesang gearbeitet. Das alles gibt dem Album an vielen Stellen etwas filmisches: Musik in Breitwand, ganz großes Ohrkino. Zu guter Letzt kann man als Neuigkeit verbuchen, dass Steve Kilbey nie besser gesungen hat. Der Mann lernt und lernt.

Zu den einzelnen Liedern: der Opener "Cobalt Blue" setzt gleich die Marke für das ganze Album: episch, vielschichtig, Tonleiterwechsel bis zum Abwinken und wenn die Geige dazu kommt so schön, dass es fast weh tut. Ein Meilenstein in der Welt der "Opener für ein Album". Weiter zu "Deadman's Hand": haufenweise Gitarren, schön leicht angezerrt, dazu ein leicht angehauchter Gesang - der erste Slow-Motion-Rocker des Albums passt sich nahtlos ein und ist zugleich der erste Radio-freundliche Song. Lied Nummer 3 - zugleich die erste Single des Albums - "Pangaea" ist der erste schwächere Song, bei dem ein relativ einfallsloser Bass durch die Gegend humpelt und die restlichen Instrumente nebeneinander her spielen. Ein netter, getragen-poppiger Song, aber mehr auch nicht. Danach geht's aber gleich großartig weiter: "Happenstance". Hier singt Marty Willson-Piper auch im Vordergrund ein bisschen mit. Wir hören ein wundervolles E-Bow-Solo, wahrscheinlich von Peter Koppes gespielt, ein zurückhaltendes aber treibendes Schlagzeug von Tim Powles und hervorragende Gesangsmelodien. Vielleicht der Church-typischste Song des Albums. Nachfolge-Song "Space Saviour" besteht in seinen knapp 6 Minuten aus den immer gleichen 3 einfachen Akkorden, die anschwellen, abschwellen und dabei von Steve Kilbeys hier schon fast heiser klingendem Gesang vorangetrieben werden. Manche werden diese 6 Minuten als monoton empfinden, und für Church-Kenner wird diese Art von Gesang anfangs Stirnrunzeln verursachen. So hat man Steve nämlich noch nicht singen gehört. Danach kommt mit "On Angel Street" der wohl experimentellste, gleichzeitig aber auch einer der traurigsten und schönsten Songs des Albums. Ein Mellotron spielt das ganze Lied hindurch eine im ersten Moment monoton wirkend Akkordfolge, die jedoch von der äußerst sparsam eingesetzten Gitarren und dem Schlagzeug so wunderbar ergänzt wird, dass man nur von einem absolut gelungenem Experiment sprechen kann. Das Folgelied "Sunken Sun" spielt in der Liga von "Paradox", "Maya" und "Monday Morning" - Lieder, die kitschig-schön sind, und die man oft gerne hört, gelegentlich aber einfach nicht ertragen kann. "Anchorage" ist dann mal wieder ein richtiger Rock-Song - und in meinen Augen in seiner Geradlinigkeit ein weiterer Schwachpunkt des Albums. D.h.: ein guter Rock-Song, mehr aber auch nicht. "Lunar" hingegen schließt zum Opener "Cobalt Blue" auf und bringt das Filmische, Epische wieder in das Album rein. Es ist ein zweigeteiltes Lied, das anfangs eine verhaltene Stimmung aufbaut, die dann in Teil 2 in einen der krachigsten Teile des Albums wechselt (was für dieses Album immer noch moderat krachig ist). Der Schlussong "Operetta" zeichnet sich durch pure Freude und Leichtigkeit aus, ohne dabei in die langweilige Pseudo-Leichtigkeit gängiger Pop-Songs abzudriften. D.h. es ist genau genommen überhaupt kein Pop-Song, sondern eine getragenen Abschieds-Hyme an das Album. Hier ist am ehesten eine Referenz zu Pink Floyd erlaubt, aber mit weniger Pychedelika und mit mehr... vielleicht "Ehrlichkeit". Ein absolut großartiger Abschied von diesem Album.

Noch ein Tipp: mir scheint bei diesem Album noch viel wichtiger als bei vorhergehenden Alben von The Church: mindestens 3 Mal hören. Richtig hören! D.h. hinsetzen und ZUHÖREN. Sonst hat man keine Chance, dieses Album zu verstehen. Ich dachte beim allerersten Hören noch "uh, das ist aber mittelmäßig", aber ich lag völlig falsch!

Und ein weiterer Tipp: das Gesamtbild des Albums wird nochmals ergänzt und abgerundet, wenn man sich die Pangaea-Single besorgt und sich vor allem das dortige Lied "So Love May Find Us" dazu denkt - ein 18-minütiges Epos von unfassbarer Schönheit.


Uninvited,Like the Clouds
Uninvited,Like the Clouds
Preis: EUR 15,99

16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Allerhöchstes Niveau, 1. Mai 2006
Rezension bezieht sich auf: Uninvited,Like the Clouds (Audio CD)
The Church haben in den letzten Jahren einen hochqualitativen Veröffentlichungsmarathon hingelegt. Nachdem Ende 2005 das Wunderwerk "Back with two beasts" im Eigenvertrieb der Band erschien, liegt jetzt das neueste "reguläre" Album vor, bei dem sie gnadenlos in ihrer Vergangenheit gewühlt und dann alles, was sie gefunden haben, zusammengemischt und mit neuen Ideen verfeinert haben. Das hört sich im ersten Moment langweilig an. Ist es aber nicht. Bei diesem Album scheint es mir noch wichtiger als bei vorherigen: mindestens 3 Mal hören, bevor man sich ein Urteil bildet! Und mit hören meine ich: hinsetzen und hören, nicht irgenwo im Hintergrund mitlaufen lassen!

"Uninvited, Like The Clouds" stellt mehr als alle vorherigen Alben die Quintessenz ihres musikalischen Werdegangs dar und klingt dabei unverwechselbar wie The Church. Sie haben ganz klar ihren ganz eigenen, unverwechselbaren Sound. Und es geht hier hauptsächlich wieder um Gitarren und den Gesang von Steve Kilbey, wie bei dieser Band üblich. Gelegentlich, aber selten, kommen Keyboard, Cello, Mandoline oder Akkordeon dazu.

Von den Songs her gibt es mit "Unified Field", "Easy" und "Untoward" die frischesten und poppigsten Songs, die seit langen oder vielleicht sogar jemals gemacht haben. Würde "Easy" richtig promotet, von jungen, gut aussehenden 20- statt 50-jährigen gespielt und bei MTV dauergespielt wäre es ein Megahit. Definitiv. Gitarrenpop vom feinsten. Weiterhin gibt es mit "Block" einen genialen Opener, der an "Ripple" von "Priest=Aura" erinnert aber viel rockiger ist. Man muss sich an ihn etwas gewöhnen, weil man beim ersten Hören denkt "Naja". Aber nach dem dritten oder vierten Mal merkt man, wie grandios er mit seinen unzähligen Schichten von Gitarren ist. Dann gibt es "Space Needle", ein Song, wie U2 ihn ihr Leben lang versuchen werden zu machen und es nie schaffen werden. Ist ebenfalls sehr rockig und hat erstaunlich viel Power im Refrain.

In der zweiten Hälfte des Albums wird alles etwas psychedelischer, experimenteller und von Art Rock beeiflusst, wie The Church es seit 1998 des öfteren betreiben. "Never Before" (gesungen von Peter Koppes) ist eine Art Zweiteiler, der in der ersten Hälfte sehr schön arrangiert und gesungen ist und dann in der zweiten Hälfte mit haufenweise Schichten aus Gitarren und Keyboards förmlich in die düstere Finsternis eines nebeligen Morgens explodiert. Finster, brodelnd, grandios. "Pure Chance" ist im ersten Moment ein recht spröder Songs, der sehr minimalistisch anfängt und dann langsam Ebene um Ebene dazugewinnt. Für mich ist es (abgesehen vom abgedrehten, düsteren Klangexperiment "Song to Go") das psychedelischste Lied des Albums und zeigt die Band in Bestform als Ersatz für die seit langem verlorenen Pink Floyd. "Real Toggle Action" könnte man auch fast schon als Klangexperiment bezeichnen, wenn auch nicht so abgedreht wie "Song To Go". Dieses Lied wird von Vielen am ehesten als Lückenfüller angesehen werden. Das kann man so sehen, es ist und bleibt aber ein gelungenes Experiment. Kurz vor Schluss kommt dann mit "Day 5" eines der schönsten Lieder, das sie jemals gemacht haben. Erinnerungen an "Hotel Womb" vom Album "Starfish" werden dabei wach.

Nicht so überzeugend finde ich dagegen "Overview" und "She'll come back for you tomorrow" (letzteres gesungen von Marty Willson-Piper), die wohl einerseits gute Gitarrenarrangements haben, im Vergleich zum Rest des Albums aber weniger experimentell, psychedelisch, rockig oder frisch klingen. Soll heißen: sie sind im Vergleich zu dem, was andere Bands so veröffentlichen, immer noch gute Lieder, im The Church-internen Vergleich aber wenig innovativ.

Alles in allem muss man sagen: wer das mag, was The Church seit 1998 (Hologram of Baal) so vorgelegt haben, wird mit diesem Album höchstwahrscheinlich hoch zufrieden sein. Es ist für mich der bisherige Höhepunkt dieser Phase und steht auf gleicher Ebene mit dem unglaublichen "Back with two beasts". Wer dagegen die alten 80er-Sachen vorzieht, wird zumindest mit einem Teil des Albums große Freude haben. "Uninvited, Like The Clouds" ist das, was "Heyday" für die 80er Jahre im The Church-Katalog war.

Es fällt wirklich schwer, für Superlativen, die man schon für vorherige Alben gebrauchen musste, nochmal Steigerungen zu finden. The Church joggen gerade im höchsten Tempo auf der Überholspur im Rennen der besten Gitarren-Bands und ziehen dabei gnadenlos uneinholbar davon - und sie beschleunigen immer noch.

Ganz klar 5 Sterne. Im Vergleich mit anderen Bands sowieso, aber auch im The Church-internen Vergleich.


Block Ep [Oz Only]
Block Ep [Oz Only]

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Back to the roots, mit Blick nach vorn, 1. März 2006
Rezension bezieht sich auf: Block Ep [Oz Only] (Audio CD)
Die Block EP ist der erste Vorgeschmack zum neuen Album "Uninvited Like The Clouds" von The Church. Nach dem Veröffentlichungsmarathon der letzten Jahre, der stilistischen Vielfalt und der hohen Qualität der dargebotenen Alben fragt man sich auch dieses Mal, wohin es die Band musikalisch wieder verschlagen hat. Kurz rekapituliert: "After Everything Now This" (2002) war edel, ruhig und sehr homogen. "Forget Yourself" (2004) war dagegen rau, rotzig, finster bis poppig und mit Live-Touch. "Back With Two Beasts" (2005) griff dessen Rauigkeit auf, legte aber noch ein paar Gitarrenebenen drauf und und war, trotz seines Status als "Jam"-Album, deutlich ausgefeilter. Mit diesen Alben beweisen The Church, dass sie sich immer wieder neu erfinden können, ohne langweilig zu werden.

"Block" ist ein echter Rocksong, treibend und kraftvoll, wie man ihn auch von The Church in dieser Form schon lange nicht mehr gehört hat. Beim ersten Hören fällt er eigentlich gar nicht so richtig auf, aber mit jedem weiteren Mal erschließt sich seine Großartigkeit. Es passiert unglaublich viel, selbst nach dem x-ten Hören fallen neue Details auf. Vom Aufbau her recht simpel gestrickt schafft Block es trotzdem, eine scheinbar nicht enden wollende Spannung aufzubauen, bis sie sich in den eher ruhig gehaltenen Refrains auflöst.
Zum Vergleich stelle man sich "Ripple" vom Album "Priest=Aura" vor, allerdings wesentlich rockiger. Auch "Numbers" würde ich in die Nähe rücken. Stilistisch und vom Mix her liegt der Song in der Mitte zwischen "After Everything Now This" und "Forget Yourself". Steve Kilbeys Stimme ist mal wieder vom allerfeinsten: in den Strophen des Liedes singt er den altbekannten Sprechgesang, während er den Refrain mit den wunderschönsten, wirklich gesungenen Parts füllt, die es bisher von ihm gibt.
Es fällt wirklich schwer, für Superlativen, die man schon für vorherige Alben gebrauchen musste, nochmal Steigerungen zu finden. The Church joggen gerade im höchsten Tempo auf der Überholspur im Rennen der besten Gitarren-Bands und ziehen dabei gnadenlos uneinholbar davon - und sie beschleunigen immer noch.


Donnie Darko - Director's Cut [2 DVDs]
Donnie Darko - Director's Cut [2 DVDs]
DVD ~ Jake Gyllenhaal
Preis: EUR 7,99

147 von 157 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Deutlich schlechter als die Original-Kinoversion, 9. Oktober 2005
Rezension bezieht sich auf: Donnie Darko - Director's Cut [2 DVDs] (DVD)
Donnie Darko. Das Kult-Phänomen. Jeder, der sich mit Filmen ein bisschen beschäftigt, hat von diesem Film zumindest gehört. Er wurde 2001 mit einem für US-amerikanische Verhältnisse sehr geringen Budget von 4 Millionen Dollar gedreht, kam dort kurz ins Kino und ging sang- und klanglos unter. Mit der Veröffentlichung auf DVD setzte dann jedoch besagtes Kult-Phänomen ein: in Internet-Foren wurde intensivst über diesen Film, und vor allem die Interpretation seines Inhalts, diskutiert. Das besondere an diesem Film waren zum einen sehr gute Schauspieler. Desweiteren die Filmmusik von Michael Andrews und die 80er-Jahre-Songs, die eine einmalige und den Film perfekt ergänzende Stimmung erzeugten. Dann die Geschichte, eine Mischung aus Science-Fiction (nein nein, nicht Star Trek oder so), Jugend-Psycho-Drama und Gesellschaftskritik, gespickt mit einer guten Prise sehr hintergründigem, dezenten Humor. Diese Geschichte wurde jedoch sehr verschlüsselt erzählt, vor allem in der zweiten Hälfte mit immer mehr Szenen, die eher verwirrten als Klarheit schufen. Aber das war egal. Und am Ende des Films saß man da, war überwältigt, und konnte trotzdem höchstens ansatzweise wiedergeben, was da nun eigentlich passiert war. Ein Film, der entweder komplett fesselt oder völlig an einem vorbei geht. War man gefesselt, ging die Suche im Internet los: was war denn da im Film nun wirklich passiert, was hatte der Filmemacher sich gedacht?
Regisseur Richard Kelly war bei der Kinoversion in seiner künsterlischen Freiheit eingeschränkt: aufgrund des geringen Budgets konnten einige seiner Wunsch-Lieder, für die die Lizenzkosten zu hochen waren, nicht in den Film eingebaut werden. Desweiteren war er Regie-Erstling und musste so diverse Schnittauflagen erdulden, unter anderem die, nicht über 2 Stunden zu gehen. Und nun gibt es den Director's Cut: Nach dem großen, nachträglichen Erfolg trat man an Regisseur Richard Kelly heran und bat ihn, den Film so fertig zu stellen, wie er es eigentlich vorgesehen hatte. Und hier zeigt sich ausnahmsweise, wie die Schnittauflagen eines Studios einem Film auch mal Gutes tun können. Ohne zuviel verraten zu wollen: die Veränderungen sind zum Teil vehement, lassen insgesamt viel weniger Interpretationsspielraum und bringen den Film deutlicher in Richtung Mainstream-Kino. Für diejenigen, die die Kinoversion schon kennen: es gibt Einblendungen des Buches "Philosophy of Time Travel", die den Fluss des Films stark stören; die hervorragende Musik von Michael Andrews ist an mehreren Stellen z.T. vehement zurückgenommen worden und plätschert eher im Hintergrund dahin - wenn überhaupt; hinzugekommen sind viele unnötige Soundeffekte, die den Film aufblasen, aber nichts Neues bringen; Mike Bauer hat zusätzliche, monotone, tiefklingende Keyboardschwurbelmusik konstruiert, die in fast allen Szenen auftaucht, die vorher perfekt ohne Musik auskamen, und jetzt nur nervt - z.B. in der allerletzten Schlussszene; ein paar Dialogteile sind dafür komplett rausgefallen - meistens, um die Story zu vereinfachen; usw usw.
Kelly hat natürlich das gute Recht, seinen Film so zu machen, wie er will. Man merkt aber sehr deutlich, dass er nicht verstanden hat, welche Aspekte seines Films das Kult-Phänomen haben entstehen lassen - was also das Besondere daran war. Letztendlich war der Film also doch nicht das Resultat eines genialen Regisseurs, sondern nur das glückliche und zufällige Zusammentreffen verschiedener anderer Faktoren.
Also, wer die Version sehen will, die der Regisseur sich vorstellte, nehme den Director's Cut. Wer die Version sehen will, die überhaupt nur in der Lage war und es geschafft hat, das Kult-Phänomen auszulösen, nehme die normale Kinoversion.
Vergesst den Director's Cut. Es kann nur einen geben - und das ist der Donnie Darko, wie er in der Kinoversion existierte. Donnie Darko Director's Cut: 3 Sterne (weil die Kernstory immer noch da ist)
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 10, 2012 3:19 AM CET


Forget Yourself
Forget Yourself
Preis: EUR 15,27

20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ihr bisher bestes Album., 31. Oktober 2003
Rezension bezieht sich auf: Forget Yourself (Audio CD)
„Forget Yourself" - genau das war es, was die letzten Alben von The Church ausmachte: man konnte sich brilliant arrangierten und abgemischten Soundlandschaften hingeben, die einerseits typisch für diese Band sind, andererseits aber auch zeigen, dass sie sich weiterentwickelt. Mainstream war diese Musik schon lange nicht mehr, und das ist hier ein eindeutiges Merkmal für Qualität. The Church ist seit über 23 Jahren aktiv und hat seitdem unzählige Alben veröffentlicht, und hier ist es nun, das inzwischen 13. Album (wenn man "A Quick Smoke At Spots", „Box Of Birds" und „Parallel Universe" nicht mit zählt).
Schon mal vorweg: sie haben es mal wieder geschafft und sich selbst übertroffen. Ihr letztes Album „After Everything Now This" zeichnete sich durch meist ruhige, fein geschliffene Songs aus, war edel abgemischt und hatte mit „Numbers" und „Radiance" zwei Stücke, die sich einem sofort ins Gedächtnis brannten. Ein sehr gutes Album, sicherlich eines ihrer besten, mir aber insgesamt einen Tick zu seicht. Die große Frage war: was kommt danach, welches Weg werden sie gehen?
Und da sind wir jetzt: 14 neue Tracks, knapp 65 Minuten, auf „Forget Yourself", dazu eine limitierte, inzwischen vergriffene Schnupper-Single „Song in Space". Beides erstmal nur in Australien erhältlich, bis sich das Ende Januar 2004 auf den Rest der Welt ausweitet.
Also, erstes durchhören: mmh. Anders als die letzten beiden Alben. Kein sofortiger persönlicher Favorit dabei. Es ist klar: dieses Album wird sich einem erst durch weiteres Anhören erschließen. Auf geht's... Viel rockiger als die letzten Alben. Man nehme das Rohe und Raue vom Sound ihres Coveralbums „Box Of Birds", mische das mit den edlen Anteilen von „After Everything Now This", nehme die Experimentierfreudigkeit ihres Seitenprojektes "Pharmakoi" (erschienen unter dem Bandnamen "Refo:mation") und gebe noch ein gute und große Prise 70er Psychedelic Rock dazu. Nach und nach kommt dieses Gefühl, etwas ganz großem zuzuhören, bei dem eigentlich kein Stück heraus fällt. Die schon genannte Single „Song in Space" ist jedoch sicherlich eines der schwächeren Stücke. Herausragend dagegen das psychedelische „The Theatre And Its Double" mit dem grandiosen Gitarrensolo am Ende, das wie eine verzerrte Mischung aus spanischen Flamenco und indischer Sitar klingt und wieder einmal belegt, dass diese Band nicht umsonst als „inventor of psychedelic guitar" angesehen wird. Weiterhin fallen die eher ruhigen, wunderschönen „Maya", „Sealine" und „Reversal" auf, die rockigen „Lay Low" und „See Your Lights" sowie das poppige „Telepath" (Empfehlung für die nächste Singleauskopplung).
Am Ende ist es klar: dies ist ihr definitiv bestes Album. Vergleiche mit anderen Bands fallen schwer, und das vielleicht auch deshalb, weil bisher niemand ein solches Album gemacht hat. Als Radiohead ihre Gitarren in die Ecke schmiss und nur gelegentlich wieder hervor holte, um am Ende „Kid A" vorzustellen, hatten wir es mit einem Meisterwerk zu tun, das seiner Zeit um Jahre voraus war und wohl viele andere Bands und Alben prägen wird. „Forget Yourself" lässt sich von Stil und Sound her kaum mit „Kid A vergleichen, dafür ist es zu verschieden. Es könnte jedoch das Album sein, das viele gitarrenschwingende Bands die nächsten Jahre stark beeinflussen wird, denn es sorgt dafür, dass die guten und interessanten Elemente des Psychedelic Rock der 70er Jahre im 21. Jahrhundert ankommen. Klar ist, das einige auch bekanntere Bands The Church schon länger zu ihren Vorbildern zählen (wie zum Beispiel Thom Yorke von Radiohead, der von The Church als seiner „musical roadmap" spricht).
Hier ist alles drin, was man sich von dieser Band heutzutage wünscht. Vergessen wir die alten „Under The Milky Way"-Zeiten, die sehr schön waren, endgültig. Jetzt wird's nämlich noch viel schöner.
„Sound that caresses the senses". Absolut.


Parallel Universe
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Preis: EUR 8,92

12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grandioses Remix-album, 28. Dezember 2002
Rezension bezieht sich auf: Parallel Universe (Audio CD)
Ich halte eigentlich nicht viel von Remixen. Meist sind sie nur Soundschnipselaneinanderreihungen, die die Essenz oder den Kern des Songs, den sie interpretieren sollen, nicht treffen. Ich denke da an die ganzen Björk-Remixe, oder an Recycle Bin von Sigur Ros (ganz zu schweigen von allen möglichen Hit-Dancefloor-Maxi-B-Seiten-Remixes).
Nun haben The Church auch ihr eigenes Remix-Album. Immerhin saßen sie (bzw. ihr Drummer Tim Powles) teilweise selbst an den Knöpfen. Und vielleicht kommt es auch daher, dass dieses Album tatsächlich mal gelungene Remixe enthält.
Genau das ist es nämlich: ein Album mit meist hervorragenden Interpretationen der Vorlage. Man muss sich etwas reinhören (was man bei The Church sowieso muss - wer ein Album von denen nach dem ersten Hören abschließend bewertet, begeht einen großen Fehler). Mit jedem Hören erschliessen sich einem die Remixe dann immer mehr.
Da gibt es das für mich beste Remix: "Radiant 1934 Remix", das die zentrale Basslinie des psychedelischen Originals "Radiance" genial in ein echtes Dancefloor-geeignetes Stück verwandelt. Da gibt es das herrliche, ewig lange "Sleepless.Night@Reality.Net" (das Original ist "Reprieve") mit hochgradigem Chill-Out-Faktor. Bei "Down:Nostalgia And Everything After" (Remix zu "After Everything") treffen sich im Refain jazzige Bläser mit Beats, die man wohl als House oder Drums'n'bass einordnen könnte. Klasse!
Einzig nervig sind hier und da (selten!) auftretende Klangeffekte, die man einfach hätte weglassen können, ohne dem Remix zu schaden (z.B. irgend so ein Geschubbere bei "Replated/Chromium", ich dachte zuerst, mein Player wäre kaputt; oder die hektischen Snare-Wirbel am Ende von "Let Y=X(Survival Mix)").
Und noch was ist klar: wer mit Trip Hop, modernen Sounds sowie groovigen Beats und Bässen nichts anfangen kann, sollte sich dieses Album sparen. Andererseits ist es auch ein guter Einstieg, um sich solchen Sounds zu nähern und sie kennen zu lernen.
Ich jedenfalls bin begeistert.


Numbers Ep
Numbers Ep
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fantastiche Single mit edlen "B-Seiten", 11. Januar 2002
Rezension bezieht sich auf: Numbers Ep (Audio CD)
Diese neue Single von The Church zeigt wieder einmal deutlich, wie sich eine inzwischen über 20 Jahre alte Band in ihrem Sound weiter entwickeln kann, ohne dabei das für sie Typische zu verlieren. Kurz: "Numbers" ist fantastisch. Dieser Song hat das Potenzial, dieser Band einen dringend nötigen kommerziellen Erfolg zu ermöglichen. Vor allem, nachdem sie in den 90ern nicht so sehr überzeugen konnte (Gold Afternoon Fix und Sometime Anywhere sind wohl ihre schwächsten Alben).
"Numbers" ist vom Aufbau her recht simpel gestrickt, das Lied hat aber trotzdem durchgehend etwas zu bieten: Sänger Steve Kilbey singt besser als je zuvor, schön verspielte Gitarren (Erinnerungen an "Reptile" vom Starfish-Album werden wach), Klasse Drums und die typisch kryptischen Texte. Man merkt den Einfluß, den Drummer Tim Powles (der Mitte der 90er Richard Ploog ersetzte, und der als Mixer der letzen Alben auftrat) auf den Sound, das Songwriting und den Zusammenhalt der Band hat.
"Numbers (soft mix)": schön schön schön. Die rockigen Elemente sind rausgemischt, dafür kommt ein Piano dazu, was dem Song einen völlig neuen Charakter verleiht.
"Undo" nervt etwas mit seinen (für The Church untypischen) stark verzerrten Gitarren, weil diese einfach zu laut abgemischt wurden und den Rest des Songs verdecken. Trotzdem, nach zig-maligem hören, kommt man langsam rein und "entdeckt" diesen Song nach und nach.
"Oxydental": nicht so schräg wie Undo. Ein herrlich verspielter Song, mit leicht orientalisch angehauchten Gitarren, die im Hintergrund vor sich hin pluckern. Dadrüber liegen dann Bass und Piano, die von den Drums (die sich hier wie eine Drum-Machine anhören) vorangetrieben werden. Edel!
Insgesamt ein Muss für jeden, der die Band schon kennt. Neuneinsteigern sei gesagt, dass die "B-Seiten" Undo und Oxydental nicht so eingängig sind wie die Songs auf den regulären Alben. Daher ist diese Single zum Kennenlernen der Band nicht so geeignet - besorgt euch das Album.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 29, 2008 5:14 PM MEST


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