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Rezensionen verfasst von
H. Djavaher "Wandersmann" (Mainz, Rheinland-Pfalz)
(REAL NAME)   

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Sothis (Digipak)
Sothis (Digipak)
Preis: EUR 14,98

5.0 von 5 Sternen Eine der besten Vader-Re-Releases 2012, 19. Mai 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sothis (Digipak) (Audio CD)
Dieses Album nimmt einen besonderen Status in der Diskographie von Vader ein, markierte es doch den Übergang von einer thrashlastigen Death-Metal-Band mit ausufernden Songaufbauten und grummeligen Röchel-Vocals hin zu einer brettharten Knüppelcombo mit kürzeren, straighteren Stücken und den charismatischen Shouts, wie wir sie von Frontmann Peter kennen und lieben. Zwar fanden die Lieder mit Ausnahme der Intros auch auf den anderen Platten der Polen Verwendung (,,Sothis" und ,,Vision and the Voice" kennen wir auch in einer vllt. besser produzierten Version vom Nachfolgealbum ,,DE PROFUNDIS", ,,The Wrath" war schon von der ,,NECROLUST"-Demo bekannt und ,,Black Sabbath" wurde in derselben Version auch für ,,FUTURE OF THE PAST" verheizt), aber gerade diese Mischung aus alten und neuen Stücken wie hier, eingebettet in den Prolog ,,Hymn for the Ancient Ones" und den beiden Instrumentals ,,De Profundis" und ,,R'Lyeh" machte den Reiz dieser Scheibe aus. Und auch 20 Jahre nach seiner Veröffentlichung hat dieses Album nichts von seiner Magie eingebüßt, ja, ist sogar wie ein edler Wein gut gealtert, weil es ein Album in dieser Konstellation von Vader nie zuvor und danach auch nie wieder gegeben hatte. Ein sachlicher Vergleich der Mini-CD mit den anderen Werken der Band fällt dadurch immer schwerer - denn erst bei dem Nachfolgealbum ,,DE PROFUNDIS" zogen Vader ihr neues Death-Metal-Reinheitsgebot auch über die komplette Albumlänge durch. Aber mit ,,SOTHIS" wagte die Band einen gewaltigen Schritt nach vorne und zeigte, dass man als Extrem-Metal-Band nicht wie eine x-te Kopie von Cannibal Corpse oder Morbid Angel klingen muss. Dazu ein geniales Coverartwork, das den Spirit und die Atmosphäre des Albums umso mehr zur Geltung kommen lässt. Desto mehr einen Grund, sich über den Re-Release von 2012 zu freuen. Hier wurde das Cover-Motiv noch einmal im Comic-Look komplett neu gezeichnet, mit vielen feinen Konturen und Schattierungen. Im Kontext der Vader-Artworks macht das deutlich mehr her und lässt die originale Zeichnung ziemlich blass aussehen. Auch die Aufmachung kann sich sehen lassen. Im Digipack finden sich viele obskure Motive unter verschleiertem Sternenhimmel, in dem auch die Liedtexte und diverse Zitate, sowie Danksagungen eingebunden sind. Natürlich dürfen auch die obligatorischen Fotos, die von der Band in dieser Zeit gemacht worden sind, nicht fehlen. So viel Liebe zum Detail! Da können sich auch die großen Labels mal eine Scheibe von abschneiden (siehe die halbherzigen Digipack-Rereleases der ersten beiden Metallica-Alben!).
Für die Bonustracks ließen sich Witching Hour Productions etwas ganz besonderes einfallen: sie ergänzten die sieben bisherigen Songs um weitere sieben (!) Bonustracks, womit das Album doch gleich um eine komplette B-Seite erweitert wurde (Studioplatten, die noch eine Live-Seite haben, hat es immer wieder gegeben, wie z.B. ,,EXTREME COLD WEATHER" von Messiah mit einer 26minütigen A-Seite (Studio) und einer 25minütgen B-Seite mit Liveaufnahmen). Auf dem 1994er Jarocin Festival, wo die Tracks aufgenommen worden sind und das zusammen mit dem Thrashcamp oder dem Metalmania-Festival den Schmelztiegel für die damalige polnische Metal-Szene bildete, zockten Vader ,,SOTHIS"-Stücke, Coversongs und Nummern vom Debütalbum ,,THE ULTIMATE INCANTATION" runter. Auch, wenn fast alle Lieder als Live-Version auch schon auf ,,THE DARKEST AGE '93" und ,,LIVE IN JAPAN" zu finden waren, klingen die Jarocin-Tracks (bei denen es sich um Bootleg-Mitschnitte handelt und auf denen auch das Live-Publikum nicht zu hören ist), als hätte die Band im Vorfeld von ,,SOTHIS" eine Demo aufgenommen (die einem ein Bild vermitteln, wie sich die Nummern der anderen Alben auf SOTHIS angehört hätten). ,,Rainig Blood", ,,The Dark Age", ,,Testimony", ,,Crucified Ones" und ,,Vicious Circle" wurden bei diesem Mitschnitt tatsächlich so in Szene gesetzt, als wären sie von Anfang an für das SOTHIS-Album konzipiert gewesen, aber nicht in die endgültige Auswahl des Albums gekommen, so, als ob die Nummern weder vom Debütalbum, noch von ,,IMPRESSIONS IN BLOOD" bekannt gewesen wären. Diese Version von ,,SOTHIS" überschreitet mit einer Spieldauer von 49 Minuten sogar die Länge vom Debütalbum und deshalb und wegen der schönen Aufmachung kann ich hier nun eine klare Kaufempfehlung aussprechen.


Come And See My Sacrifice (Demo)
Come And See My Sacrifice (Demo)
Preis: EUR 1,09

5.0 von 5 Sternen Eine schöne Rarität zum Warmhören, 13. April 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Bei dieser Aufnahme handelt es sich um eine Rohfassung des Liedes ,,Come and See my Sacrifice", das in seiner endgültigen Fassung auf ,,Welcome to the Morbid Reich" veröffentlicht wurde. Wenn man überhaupt Unterschiede zwischen beiden Versionen ausmachen kann (denn diese klingen wirklich sehr identisch), dann ist diese Version hier mit weniger Effekten unterlegt, weniger halllastig und klingt mehr nach Proberaum als nach - dem Cover und der Atmosphäre des Albums entsprechend - dem Thronsaal des Imperators. Auch in den Gitarrensoli lassen sich keine Unterschiede ausmachen. Sie sind ähnlich der Albumversion sehr sauber eingespielt und klingen melodisch, aber tragen noch einen Hauch Improvisation mit sich tragen. Ansonsten ist alles hier beim Alten geblieben. Vader at its best halt. Der neue Gitarrist Spider, der auch die Musik vom Lied geschrieben hat, verpasst der Band eine melodische Note und bewegt die Gruppe noch mehr in Richtung klassischen Metal, was sie noch vielseitiger und abwechslungsreicher macht. Daumen Hoch!!!


Live in Decay
Live in Decay
Preis: EUR 18,08

5.0 von 5 Sternen Die Geburt einer Legende!!!, 22. Januar 2016
Rezension bezieht sich auf: Live in Decay (Audio CD)
Hier kommt die ultimative Vollbedienung für alle Underground-Extreme-Metaller, die auf Cronos, Venom, alte Bathory und Hellhammer/Celtic Frost abfahren. Dieses Album nimmt dich mit auf eine blutrünstige Reise in eine Zeit, als die Stilbezeichungen Death/Thrash/Black-Metal noch nicht genau klassifiziert waren und man noch keine Diskussionen darüber führen musste, welche Band true und evil war und welche nicht - vor allem nicht für eine Band, deren Karriere hinter dem Eisernen Vorhang begann. Dies ist die Geburtstunde einer Band, die Jahre später mit ,,Morbid Reich" die erfolgreichste Metal-Demo aller Zeiten und als allererste Ostblock-Band ein Album bei einem westlichen Label veröffentlichen sollte. Zurück zu einer Zeit, als der Extrem-Metal aufgrund der damaligen politischen Lage und der satanischen Texte, die der atheistischen Regierung ein Dorn im Auge waren, einen schweren Status in Polen hatte und es schwierig bis unmöglich war, überhaupt Musik aufzunehmen. Die Aufnahmen dieser Platte gehen zurück bis in das Jahr 1986, als sich die Musik von Vader noch in den Kinderschuhen befand und der Death Metal selber in dieser Form wie wir ihn kennen, nicht existierte. Allerdings wurden ursprünglich nur vier der sieben Tracks mit dem Intro auf Kassette 1988 veröffentlicht, die restlichen drei Lieder waren damals Proberaum-Aufnahmen, die ebenfalls '88 aufgenommen und auf dem 2015er Reissue des Albums via Witching Hour prod. durch die fehlenden Stücke ersetzt wurden.
Eine Sonderstellung nimmt das eigentliche Debütalbum von Vader vor allem deshalb ein, weil alle Lieder auf der Platte in dieser Form, wie sie hier vorzufinden sind, später nicht mehr neu aufgenommen wurden (wenn überhaupt, dann nur als limitierte Special-Edition-Bonus-Tracks auf ,,The Art of War", ,,XXV" und ,,Tibi et Igni"). Als reguläre Songs konnten sich die Songs ,,Trupi Jad", ,,Gniew Szatana" und ,,Abaddon" erst durchsetzen, als man sie zuerst für die Demos ,,Necrolust" und ,,Morbid Reich" und anschließend in der obigen Reihenfolge für ,,The Ultimate Incantation", ,,Sothis" und ,,De Profundis" in englischen Versionen unter den Namen ,,Reign Carrion", ,,The Wrath" und ,,Reborn in Flames" neu aufnahm. Ansonsten fand keine der Originalversionen mit polnischen Texten auf den kommenden Platten der Band einen Platz. Aber warum auch? Die Atmosphäre, die auf dieser Platte vorherrscht, ist einzigartig und hätte mit den Liedern nie und nimmer für spätere Werke reproduziert werden können. Die Leidenschaft, die in der damaligen Ostblock-Metal-Szene vorherrschend war, spürt man zu jeder Sekunde und trotz oder gerade wegen des bes*******en Sounds macht dieses Verfallsmassaker, in dem wir leben (cooles Wortspiel, hähä) unglaublich Spaß. Auch das Publikum, das während der Aufnahmen, die in der Aula der Universität Olsztyn stattfanden, anwesend war, stört hier überhaupt nicht oder übertönt die Combo, die damals noch aus Astaroth am Bass (R.I.P.), Berial am Schlagzeug, Czarny am Gesang und dem bis heute einzigen, aus der damaligen Zeit verbliebenen Mitglied Behemoth an der Gitarre besteht, sondern trägt an der einzigartigen Atmosphäre der allerersten Veröffentlichung von einer der langlebigsten Death-Metal-Bands aller Zeiten bei - aufgenommen in einer Zeit, als sich die polnische Metal-Szene in der Hochzeit des Kommunismus befand.


Exhumation - The Early Years
Exhumation - The Early Years
Wird angeboten von DVDMAXXX
Preis: EUR 11,50

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein enttäuschendes Armutszeugnis einer einst so legendären Band., 26. Oktober 2015
Rezension bezieht sich auf: Exhumation - The Early Years (Audio CD)
Eine Platte mit Neuaufnahmen von Grave Digger - braucht man so etwas wirklich von ihnen, bei dieser Hülle und Fülle an Platten, die sie gemacht haben?

Eigentlich nur, wenn es einige Demostücke und andere bislang noch nicht veröffentlichte Songs gibt, die es mal langsam aber sicher in einer besseren Qualität geben könnte. Und damit komme ich auch gleich direkt zur größten Kritik an ,,Exhumation": obwohl hier nämlich ausschließlich Material aus den 80er Jahren am Start ist, hat man diese Gelegenheit nicht genutzt, ein paar Demosongs aus der Anfangsphase auszugraben und diese neu aufzunehmen (,,On The Run", ,,The Looser", ,,Ägypten", ,,Ride On [nicht identisch mit dem Song vom Reaper-Album]" oder ,,Live To Die"), da diese bislang auch auf keinem regulären Album der Totengräber zu finden waren. Stattdessen hat man sich (sicherheitshalber?) an den ersten drei Alben entlang geräkelt und noch Neuaufnahmen vom Single-Only-Track ,,Shoot 'em Down" und von ,,Stand Up and Rock" des vielgescholtenen Digger-Albums (ohne ,,Grave-") ,,Stronger Than Ever" dazu gepackt. Auch hier wäre es interessant gewesen, von besagtem Album noch zwei, drei weitere Tracks als Neuaufnahme dabei zu haben (z.B. ,,Don't Leave Me Lonely", ,,Listen to the Music", ,,Stay 'till the Morning"), aber immerhin bin ich froh, dass das Album überhaupt bei dieser Aktion mit einbezogen wurde.

Und somit kommen wir dann auch zu den hier neu aufgelegten Songs: beginnend mit ,,Headbanging Man", dem Opener von ,,Heavy Metal Breakdown", der vom Sound her deutlich fetter produziert und weniger naiv rüber kommt. Boltendahl hört man an, dass er stimmlich deutlich gereift und zu einer unzerstörbaren Kampfmaschine heran gewachsen ist. Dazu ein ordentlich knarzender Bass und eine gut auf den Rest der Band abgestimmte Gitarre runden den Song, bei dem lediglich das etwas nach Computer klingende Schlagzeug stört, ab. Dennoch besser als die halbherzig eingespielte '96er Neuaufnahme.

Mit ,,Fire In Your Eyes" folgt einer meiner Lieblingstracks vom stagnierenden dritten ,,War-Games"-Album, der in dieser Version absolut abfällt. Gerade das abgehackte Riff am Anfang und die vielen Breaks machten für mich die Klasse des Songs aus und hier wurden genau diese Stellen herunter gekürzt, langsamer gespielt und zudem mit unnötigem Gegniedel zugebuttert. Axel Ritts Gitarrenspiel klingt einfach so, als wollte er sein technisches Können zu jeder Zeit unter Beweis stellen statt den Song nach vorne zu bringen. Wenigstens der Refrain ist etwas besser ausgefallen, der Sound fett und wo früher ein nerviger Falsett-Gesang von Boltendahl eierte, ist jetzt ein Great-Army-of-the-World-Chor zu hören.

,,Witchhunter" neu aufzunehmen, nachdem er ebenfalls auf der ,,Tunes-of-War"-Digipack-Edition als Bonustrack eine Neuaufnahme fand, halte ich für eine sehr zwiespältige Angelegenheit. Bei der '96er-Version machte der zusätzliche Keyboard-Teppich ordentlich etwas her und Stefan Arnold, der zum Zeitpunkt der Aufnahme ganz neu in der Band war, brachte mit seinem Spiel zusätzlich frischen Wind hinein, während Uwe Lulis im Schlaf eine undiskutabel gute Performance ablegte. Da kann die neue Performance ebenfalls nicht mithalten. Hier fehlen die Keyboards völlig und es schaut aus, als ob HP Katzenburg, der mit seinem Spiel immer die Band um mehrere Nuancen bereicherte, jetzt endgültig nicht mehr dabei ist - ja, die Gitarre ist fetter und über Jens Beckers Bassspiel brauchen wir auch keine weitere Worte verlieren, aber die Produktion ist mal wieder etwas übersteuert und bei Stefan Arnold frage ich mich hier, ob er zu routiniert klingt oder einfach die Lust daran verloren hat, diesen Song noch zu spielen?! Auf jeden Fall hört sich die eine oder andere Stelle doch zu sehr nach Computer oder Trigger an.

Was gibt es zu ,,Shoot Her Down" zu sagen? Schon die damalige Studioversion lag hinter der Qualität der Demoversion zurück. Letztere neu aufzunehmen wäre deutlich spannender gewesen als hier die bekanntere Version vorzuziehen. Verzichtbar.

,,Stand Up and Rock" ist einer der wenigen Songs auf dem Album, die von der Neuinterpretation mehr als profitiert haben. Gehörte die Nummer auf dem Digger-Album noch zu den Einschläfern á la Bon Jovi, ist sie eindeutig ein Highlight auf ,,Exhumation". In angezogenem Tempo wurde die Nummer deutlich metallisiert, ohne aber die Magie des AOR-lastigen Refrains, der hier nun wirklich zur Geltung kommt, zu zerstören.

,,Heavy Metal Breakdown" ist dann ein weiterer Song, der zu ,,Tunes-of-War"-Zeiten bereits neu aufgenommen wurde. Aber der Ansatz ist hier Gott sei Dank ein Anderer: die Gitarren wurden etwas nach oben gestimmt, der Refrain ist noch bombastischer als in den beiden vorigen Versionen und der etwas verkrampfte Schreigesang von Boltendahl wurde auf ein gesundes Maß zurück geschraubt. Als einzigen Kritikpunkt kann man erneut das sterile Gitarrenspiel von unserem ,,Ironfinger" Axel Ritt nennen, welches einfach nicht so warm und stringent rüberkommt wie das von Uwe Lulis.

,,Enola Gay (Dromp The Bomb)"? Sorry, aber wo ich früher einen kompromisslosen Nackenbrecher zu hören bekam, bei dem ich mich nicht mehr halten konnte, höre ich eine Band, die einfach nicht mehr Grave Digger ist und sich nur noch selber covert. Das Lied ist genauso austauschbar und langweilig geworden wie alle anderen schnelleren Stücke auf den letzten zwei, drei Alben.

,,Get Away" war ein weiterer Nackenbrecher vom ,,Witch-Hunter"-Album. Damals wie heute ein guter, aber nicht großartiger Song, der weder negativ abfällt noch zu den Überflieger-Songs dazu gehört.

,,We Wanna Rock" war in der Original-Version schon ein ziemlich nerviger ,,Wir-wollen-einen-auf-fette-Party-machen"-Pseudo-Rocker mit plattem Text, wo ich mich wundere, dass unsere Mittfünfziger nicht zugeben können, in den 80er Jahren nicht nur Gold abgeliefert zu haben. Stattdessen versuchen sie hier, die alten Teeny-Partys wieder aufleben zu lassen, auch, wenn die Performance die von der Original-Version übertrifft.

,,Playing Fools" gehörte für mich auf ,,War Games" zu den Schwachpunkten - zu den Liedern, die die Band nach Vorschrift abgeliefert hatte aus Angst, ihre Fans sonst zu sehr zu vergraulen. Wirklich besser geworden ist das Lied auch nach 29 Jahren nicht und hätte auf dieser Platte durch das deutlich mitreißendere ,,Fall Out" ersetzt werden sollen.

Dann folgt mit ,,Here I Stand" wieder ein Highlight vom Zweitwerk ,,Witch Hunter". Der Midtempo-Kracher war seinerzeit mit seinem Galoppel-Rhythmus deutlich von Iron Maiden inspiriert und hat auch nach 30 Jahren nichts von seiner Magie eingebüßt. Selbst der Refrain jagt mir hier eine Gänsehaut nach der anderen über den Rücken und zeigt auf, was für geniale Songwriter die Totengräber einmal waren (wenn sie es wirklich wollten).

,,Tyrant" gehörte zu den schnelleren Nummern auf ,,Heavy Metal Breakdown" und macht mit seinen mehrstimmigen Gitarren am Anfang einen interessanten Eindruck. Dieser täuscht dann allerdings, denn der Refrain klingt genauso berechenbar wie in der ursprünglichen Version.

,,Paradise" ist da deutlich besser geworden! Den besten Song (der sich wie Enola Gay mit der Bombardierung von Japan im zweiten Weltkrieg auseinander setzt) hat man sich tatsächlich zum Schluss aufgehoben, denn hier funktioniert die Mixtur aus rockigen Strophen und einem majestätischen Refrain tatsächlich sehr gut und die Klasse der ,,War-Games-"Version wird sogar noch übertroffen. Sogar Axel Ritt schafft es hier, ein Solo abzuliefern, das noch besser ist, als das, das Peter Masson (!) seinerzeit eingespielt hat. Mit dem letzten Aufbäumen kommt dann wenigstens zum Ende auch ein bisschen Atmosphäre auf.

Mann, Mann, Mann, was hätte ich das Teil abgefeiert, wenn Manni Schmitt oder Uwe Lulis diese Scheibe mit aufgenommen hätten (oder von mir aus auch Thilo Hermann), die wirklich ein Gespür dafür hatten, welches Gitarrenriff an welcher Stelle und in welcher Konsistenz am besten aufgehoben war (und wenn man die schwächeren Lieder durch ,,Love Is A Game", ,,Fallout", sowie ein paar Songs von den Demos und vom ,,Stronger Than Ever"-Album ersetzt hätte). Es scheint tatsächlich so, als ob sich diese Band, die ich über all die Jahre so sehr liebte, weil sie im Gegensatz zu Running Wild auch über die Jahrtausendwende hinaus kontinuierlich immer gute Platten abgeliefert (und eine - vom Gitarristen abgesehen - über 17 Jahre konstante Besetzung) hatte, nach den enttäuschenden letzten Platten auch mit diesem Album und dem Ausscheiden von Keyboarder HP Katzenburg, der mit seinem Tastenspiel und seiner unaustauschbaren Uncle-Reaper-Performance einfach nicht wegzudenken war, langsam aber sicher selber demontiert. So kann es für die alles andere als optimal zusammengestrickte Songauswahl und die enttäuschende Performance der Songs (insbesondere der Songs, die in der Originalversion unschlagbar waren) nur die Niedrigstwertung geben, wären da nicht ,,Stand Up and Rock", ,,Here I Stand" und vor ALLEM: ,,Paradise", die zu den einsamen Highlights auf dieser Platte gehören.


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5.0 von 5 Sternen Eine der besten Singles, die die NWOBHM hervor gebracht hat., 15. August 2015
Diese Single ist eine der besten, die ich in meiner Musiksammlung mein eigen nennen darf. Jeder dieser drei Songs ist ein Knaller und auch auf dem dazugehörigen Album ,,Stay Hard" von 1984 zu finden. Aber das ist überhaupt nicht schlimm, denn jeder einzelne von ihnen ist es wert, auch auf einer MAXI veröffentlicht zu werden.
Es war das Jahr 1984, als RAVEN auf ein erfolgreiches Jahr '83 zurück blicken konnten - eine gigantische Tour mit den blutjungen Metallica im Schlepptau, die jüngst ihr Album ,,Kill 'em All" veröffentlicht hatten, Raven mit ,,All for One": Die ,,Kill 'em All for One"-Tour mit dem dazugehörigen Album sollten beide Gruppen einen weiteren gehörigen Schritt nach vorne befördern, wobei beide Gruppen auf den nachfolgenden Outputs melodischer zu Werke gingen und auch ruhigere Passagen in ihre Lieder einbrachten. Metallica sollte dies neue Fanscharen erschließen und ihnen einen Erfolg bescheren, mit dem sie dann auch später tatsächlich ihre Idole, die drei Raben themselves, in den Schatten stellen sollten.
Doch was damals bei RAVEN los?
Das Album ,,All for One" war ebenfalls sehr erfolgreich und die dazugehörige Tour wurde auf dem Livealbum ,,Live at the Inferno" mehr als grandios festgehalten. Alle Zeichen standen auf Sturm und der Gruppe stand bei dem Major-Label Atlantic Records Tore und Türen offen. Es hätte eigentlich kaum besser sein können, doch in kreativer Hinsicht schien man in eine Sackgasse geraten zu sein. Nach den drei sehr rauh und chaotisch gehaltenen Studioalben, die der Gruppe zahlreiche Fans einbrachte, wusste man nicht mehr wirklich weiter - die Angst, sich zu wiederholen, war offensichtlich da. Dennoch steckte man nicht den Kopf in den Sand sondern trat die Flucht nach vorne an: melodischere Songs mussten her, welche, die man lauthals und bierselig mitsingen konnte. Und so präsentierte man sich auf ,,On and On" gestraffter, straighter, ein bisschen poppiger als auf den Vorgängerplatten und brachte dazu das passende Musikvideo - ihr einziges in der Bandkarriere - heraus. Mit dem Opener ,,Pray for the Sun" kam die erste Ballade in der Bandgeschichte heraus und anders als befürchtet, war diese zu keiner Sekunde kitschig oder schwülstig sondern atmosphärisch und versprühte Gänsehaut pur. John Gallaghers Stimme setzte mit seinem Gesang auf beiden Liedern Akzente und die Plattenfirma rührte für ihre Neuankömmlinge fleißig die Werbetrommel und packte noch gleich mit ,,The Bottom Line" ein Instrumental auf die Single, das auch vor Bläsern nicht zurück schreckte - ein Beweis für die Experimentierfreudigkeit, in der RAVEN steckten. Dazu kam ein megacooles Cover von der Band, in dessen Mitte Drummer Wacko sich in seinem Eishockey-Kostüm, das er seit 1983 trug, präsentierte, während die Gallagher-Brüder sich witzigerweise in neuem Outfit präsentierten und damit optisch sogar Ähnlichkeit mit Bela und Farin von den Ärzten in den 80er Jahren hatten. Bedauerlicherweise führten die Single und das Album nicht zum Durchbruch, sondern zum Einbruch, weil viele Nörgler und Ewiggestrige nicht damit leben konnten, dass sich ihre Lieblinge auch weiterentwickeln können und RAVEN im Handumdrehen nicht mehr true genug für sie waren - dieselben Leute sollten später das völlig überbewertete Black Album von Metallica in den Himmel loben, als ob es der heißeste Scheiß seit Erfindung der Dampfmaschine wäre, dieses aber in Wirklichkeit vor Belanglosigkeit vor sich hinplätscherte. RAVEN hatten zu diesem Zeitpunkt '91 wieder in ihre alte, heißgeliebte Schiene zurück gefunden, aber interessieren tat das in dieser Zeit niemanden - ein mehr als aussagekräftiger Beweis dafür, dass man keine gute Musik produzieren muss, um Erfolg zu haben. Auf jeden Fall stoße ich mit dieser Single auf den echten und unverfälschten Metal an, den Raven bis heute kontinuierlich dargeboten haben. Cheers!!!


Powerslave
Powerslave
Preis: EUR 10,89

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine spektakuläre Reise durch das alte Ägypten, 25. Juni 2015
Rezension bezieht sich auf: Powerslave (Audio CD)
Dieses Album stellt sowohl in optischer als auch in musikalischer Hinsicht eine Reise durch Ägypten dar wie kein anderes Musikalbum. Auf einen spektakulären Anflug (,,Aces High"), bei dem man die ganze Blüte und Pracht der ägyptischen Nillandschaft mit bekommt (,,Two Minutes To Midnight") folgt eine längere Wanderung durch das Tal der Könige, die im Gegensatz zu dem Flug weniger spektakulär erscheint - wenn man es nur auf die Landschaft selber bezieht (,,Losfer Words [Big 'Orra]") - , die aber immer noch bei weitem spektakulärer ist als die Talfahrten durch so manche andere Ödlandschaften (,,Flash of the Blade"; ,,The Duellists"). Soll heißen, die weniger starken Songs auf der Platte schlagen immer noch die Highlights von anderen Bands (und zum Teil auch von späteren Maiden-Platten selber) um Längen. Diese Talfahrt auf dem Album wird dann mit der Ankunft in einem Dorf am Rande des Gebirges abgeschlossen (,,Back In the Village"), bevor dann der Aufstieg in das Gebirge beginnt, in dem der Geist der ägyptischen Götter und Pharaonen allgegenwärtig ist und der vor Erhabenheit und Atmosphäre nur offene Münder hinterlässt (,,Powerslave"). Als dann auch noch ein Gewitter losbricht und es überall blitzt und donnert, kommt eine angsteinflößende Atmosphäre auf, bei der man vor Spannung ob des niemals aufzuhören wollenden Ereignisses Gänsehaut aufkommt, bevor sich hinterher die Wolken lichten und die Gebirgswanderung ein versöhnliches und ruhiges Ende nimmt (,,Rime of the Ancient Mariner").

Auch, wenn in textlicher Hinsicht nur im Titelsong das alte Ägypten thematisiert wird, so ist es doch die oben genannte Beschreibung, die die Platte zu einem Highlight in der Banddiskographie, ja, wenn nicht sogar der zu mit Abstand stärksten Maiden-Platte überhaupt macht - auch, wenn ich den Gitarrensound vom PIECE OF MIND-Album vorziehe und das Album THE X-FACTOR wegen seiner düsteren Atmosphäre liebe. Aber da dürften die Geschmäcker und Meinungen noch auseinander gehen, bei den vielen Highlights in der Maiden-Diskographie. Wie dem auch sei: ich nehme mir die Freiheit und zücke 5 Sterne.


Pale Communion
Pale Communion
Preis: EUR 4,99

14 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Enttäuschend, blutleer und spannungsarm von vorne bis hinten!, 1. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Pale Communion (Audio CD)
Viele Musiker haben es geschafft, mich nach über 20 Jahren Existenz und zahlreichen Albumveröffentlichungen mit jeder neuen Scheibe immer noch mitzureißen. Bei ihnen ist jedes neue Album für mich eine neue Offenbarung, ein Moment, bei dem ich nichts anderes tuen kann, als niederknien, da diese Alben einen Gänsehautmoment nach dem anderen erzeugen. Und hier geht es für mich nicht darum, wie sehr eine Band mit ihrem neuen Album zahlreiche andere Bands und die Szene beeinflusst oder mal wieder Stangenware, mit der jeder Fan aufs Neue zufrieden gestellt wird, abgeliefert hat. Hier geht es um die musikalische Intensität, mit der besagte Künstler es schaffen, diese von Album zu Album zu steigern, sei es durch das Einbringen von komplexeren, progressiven oder experimentellen Elementen, durch die Verdichtung von mehr Atmosphäre und epischen Momenten... oder einfach, indem man sämtlichen Bombast der Vorgängeralben über Bord wirft und den Sound auf das basischste Grundfundament freilegt, um so möglicherweise wieder mehr Rauhbeinigkeit zu erlangen.
Das trifft auf die alten Legenden der 70er und 80er Jahre, wie Black Sabbath, Iron Maiden, Grave Digger, Budgie oder auch Girlschool (um die Frauen nicht zu vernachlässigen) genauso zu, wie die Gruppen der aufkeimenden Extrem-Metal-Szene Anfang der 90er Jahre wie Necrophagia, Unleashed, Darkthrone, Asphyx, Master oder seit neuestem auch Morgoth, bei denen eine technische Entwicklung und Weiterentwicklung Menschen ebenso hörbar war wie eine Steigerung der Spannung in den Liedern und eine unglaubliche, zusätzlich hinzu gekommene Wut und Urgewalt und sei es nur der Gesang des Frontmannes.

Leider zogen Opeth ihre Entwicklung nicht in diese Richtung, sondern taten das genaue Gegenteil. Sie haben sämtliche musikalische Einzigartigkeiten aus beiden Welten obengenannter Bands von einem Album zum nächsten hin über Bord geworfen. „Pale Communion" ist ein außergewöhnliches Album geworden und zwar ein außergewöhnlich langweiliges. Doch bevor diese Rezension wie eine Hasstirade gegen Opeth rüberkommen sollte, gehe ich hier mal der Reihe nach einen Song nach dem anderen durch:

,,Eternal Rains Will Come" fängt noch sehr vielversprechend an. Ein komplexer Rhythmus mit einem virtuosen Orgelaufbau und einem längeren Instrumentalteil bauen Spannung auf, bevor ein ruhiges Piano-Intermezzo Luft zum Atmen lässt. Dieser ruhige Teil weckt bei mir Erinnerungen an ,,A Passion Play" wach, bevor wieder ein längerer Dudelpart á la Iron Maiden folgt. Dann endlich, nach drei Minuten, kommt der Gesang zum Einsatz, der aber jetzt nicht sonderlich herausragend ist und in dieser Form schon von Pink Floyd und Konsorten in besserer Form gemeistert wurde. Das Stück baut zwar stimmungsvoll 70er-Jahre-Atmosphäre auf, aber man hat die ganze Zeit das Gefühl, dass gleich eine majestätische Gitarrenwand kommen müsste, die den Hörer wie mit einem mitreißen sollte.

,,Cusp Of Eternity" fängt da ganz ähnlich an. Auf feines Gitarrenpicking folgt ein markantes Gitarrenriffing, über das Akerfeldt mit sauberer Stimme und ein bisschen Led-Zeppelin-Attitüde versucht, der wenig spektakulären Nummer etwas Leben zu geben. Doch so sehr er sich auch Mühe gibt, dem Stück mit seiner Stimme mehr Seele zu geben, es funktioniert einfach nicht. Kein Wunder: vom Aufbau her passiert nicht viel, alles ist nach ein paar Mal Hören schon abgesteckt, da kann man nicht viel machen. Lediglich das saubere Solo, das nicht zu technisch rüberkommt, rettet das Stück vor einem Totalausfall, das dann auch noch mit kitschigen "Aaah-aah-aaah"-Chören beendet werden muss.

Opeth waren in ihrer Vergangenheit ja dafür bekannt, in ihre einzelnen Songs mehr Ideen hinein zu stecken, als andere Bands das bei ganzen Alben machen. Auf ihren früheren Platten machte das auch Spaß und zwang den Hörer entweder zum Niederknien oder Headbangen. Doch bei diesem Album habe ich das Gefühl, dass die vielen Ideen nur noch ein Vorwand sind, um die Songs unnötig in die Länge zu ziehen.

Der Beginn des über 10minütigen ,,Moon Above, Sun Below" klingt mir mit seinem berechenbaren 6/8-Rhythmus und der schwülstigen Atmosphäre zu sehr an Within Temptation, die für ihr Genre zwar einen guten Job machen, aber Opeth darin total fehl am Platz sind. Mit Akustik-Gitarren (Wahnsinn! Auf diese Idee wäre ich nicht nie gekommen!!!) und einem Gesang, bei dem offensichtlich die Hormone und ein halber Lungenflügel auf der Strecke geblieben sind, versucht man, wieder Spannung aufzubauen. So klar es ist, dass dafür ein ruhiges Zwischenspiel herhalten muss, so sicher wie das Amen in der Kirche ist auch die Tatsache, dass darauf wieder ein härterer Teil mit verzerrten E-Gitarren kommt, dem dann im ruhigen Teil wieder ein schönes Akustik-Solo folgt. Sollte mit dem einen Solo tatsächlich Stimmung aufgebaut werden, so wird diese mit Akerfeldts lustlosem Gesang und den völlig deplatzierten Frauen-Gospelchor wieder weg gespült. Danach kommt nichts mehr Spektakuläres und ich frage mich wirklich, ob man statt einer lustlosen Aneinanderreihung von verschiedenen Parts nicht die besseren Passagen nur hätte nehmen und diesen mehr Raum hätte geben, von mir aus auch wiederholen können. Hätte man beim Schlusspart nicht zumindest die Spielereinen weglassen und den Gesangspart weiter ausbauen können? Für mich ein grandioses Beispiel, wie Passagen, die Gänsehautpotenzial gehabt hätten, gnadenlos zugebuttert werden.

,,Elysian Woes" ist da nicht sehr viel anders. Eine unspektakuläre 70s-Pop-Nummer, die mit Akustik-Gitarren beginnt, sich ganz langsam aufbaut und dann wieder schon zu Ende ist. Das wirkt alles klar kalkuliert und berechnet, während Emotionen und Spielfreude, die einfach zur Musik gehören, hier eindeutig vernachlässigt wurden.

Das Instrumental ,,Goblin" macht da mit seinem melodischen Gitarrenpicking schon einen vielversprechenderen Anfang, wird dann aber schnell wieder von einer Leadgitarre und der Hammond-Orgel, die unisono zusammen spielen, abgelöst. Hier frage ich mich wirklich, ob die Band zusammen spielt oder hat Frederik Akesson den Job von Mikael Akerfeldt gleich mit übernommen, die Gitarre am Anfang loopen lassen, um darüber eine weitere Gitarre aufzunehmen? Das klingt schon ziemlich leblos, aber damit nicht genug, wird auch ein kurzer Mittelteil im Song, der Coolness-Faktor besitzt, gleich wieder von einer Ladung ach so innovativer und komplexer Parts weggefegt.

Ab diesem Instrumental stellte ich beim ersten Hören fest, dass irgendwo der Platte auch ein roter Faden fehlt, eine Grundstimmung, die zum einen jedem Song eine Daseinsberechtigung geben, aber andererseits auch das Album kompakt und schlüssig erscheinen lassen sollten. Doch mit mehreren Hördurchgängen wird nur die Einsicht größer, dass alle Songs gleich klingen (gleich langweilig, so dass kein Song für sich eine Grundstimmung hat) und zum anderen das Album total zerfahren und lieblos zusammen geschustert wirkt. Dabei kam mir immer wieder die Frage auf: hätte man nur einen der acht Songs vermisst, wäre er nicht auf ,,Pale Communion" gewesen?

Aber weiter im Text: ,,River" beginnt mit stimmungsvoller akustischer Gitarrenmusik, die aber wieder vom Gesang kaputt gemacht wird. Das Lied baut sich zumindest spannend auf, aber auch hier schafft es Akerfeldt mit seiner Mannschaft nicht, das Lied kompakt und schlüssig über die Ziellinie zu bringen. Zu stark sind die Stimmungswechsel in einem Lied, die einfach nicht glaubwürdig und authentisch rüberkommen, zu früh wechselt die Band in andere Gefilde. Zumindest ist es das einzige Lied auf dem Album, bei dem dann auch endlich mal beide Gitarren, die synchron solieren, effektiv und unabhängig voneinander heraus hören kann. Bei diesem Lied kommt dann endlich auch eine härtere Gitarrenwand am Ende zum Vorschein, die zeigt, was man aus dem Album hätte machen können.

,,Voice Of Treason" bietet fett eingesetzte Streicherpassagen, die der langweiligen Grundstimmung des Albums zumindest ein bisschen Dramatik geben. Hier werden dann auch harte E-Gitarren mit Flamenco-Flair eingesetzt, der komplexe Drum-Rhythmus tut sein übriges. Nur frage ich mich manchmal, was bei der Aufnahme des Schlagzeugs schiefgegangen ist? Mikael Akerfeldt betont ja immer wieder, dass er einen möglichst erdigen Sound hinbekommen möchte, aber hier hätte das Schlagzeug vom Sound her auch aus der Musik der automatischen Telefonweiterleitung (>>bitte warten! Wir leiten Sie gleich weiter<<) stammen können. Um das Album wenigstens ein bisschen rauhbeiniger und organisch klingen zu lassen, hätte er sich ein Beispiel an CATHEDRAL, die ihr, ebenfalls vom 70er-Jahre-Sound inspiriertes Hit-Album ,,The Carnival Bizarre" im Gefängnis aufgenommen hatten, nehmen sollen. Crunchige Gitarren, ein schepperndes Schlagzeug, das dem zahnlosen Tiger zumindest ein paar neue Plomben, sprich: dem ohnehin langweiligen Sound ein paar zusätzliche Nuancen gegeben hätte. SO hätte ,,Pale Kommunion" klingen können.

Bei ,,Faith In Others" wirken die Streicher dagegen total deplatziert. Die Musik vom Anfang hätte auch aus einer klischeehaften Liebesschmonzette stammen können und hat leider überhaupt nichts mehr mit dem zu tun, wofür Opeth früher standen: für einen energiegeladenen Mix verschiedener Musikstile, für das Verbinden von Extremen und vor allem für die Kompromisslosigkeit, mit der die Band knallhart ihr Ding durchgezogen hatte, ohne auf den Rest der Welt Rücksicht zu nehmen. Doch mit diesem Album, das zu sehr auf Nummer Sicher geht, welches versucht, irgendwo auch massenkompatibel zu klingen und in kompositorischer Hinsicht fast überall scheitert, frage ich mich, ob die Band sich nicht lieber auflösen sollte, um zumindest ihre gute Phase in positiver Erinnerung zu behalten?! Ich bin auf jeden Fall dermaßen ernüchtert, dass ich etwas anderes mir nicht lieber wünschen würde und ich auch nicht nicht mehr daran glaube, dass man das wieder besser machen könnte.

Was mich an alledem am meisten ärgert, ist die Tatsache, dass das neue Album überall in den Himmel hochgelobt wird und eine Vorschusslorbeere nach der anderen abkassiert. Da fehlt mir wirklich jede Form von objektiver Kritik. Stattdessen wird das Fehlen der Death-Metal-Growls ebenso als positive Weiterentwicklung betrachtet wie eine deutliche Weichspülung des Sounds ohne Ecken und Kanten. Erschütternd finde ich dabei auch, dass selbst ansonsten seriöse Musikmagazine, die seinerzeit ,,No Prayer for the Dying" von Iron Maiden (eine der unterbewertetsten Metal-Scheiben überhaupt) wegen der Rückbesinnung auf die Wurzeln schamlos in Grund und Boden gestampft haben, ,,Pale Communion" bedingungslos abfeiern, obwohl es auf dieser Scheibe keinen einzigen Song mit Gänsehautmomenten zum Niederknien oder spannungserzeugenden Songaufbauten gibt. Woran soll man die vermeintliche Klasse dieses Albums dann noch festmachen? Am tatsächlich vorhandenen, technischen Können der Musiker? Sorry, aber dann kauf ich mir eine Gitarren- oder Schlagzeug-Workshop-CD mit der Vorführung der einzelnen Licks usw. . Unabhängig davon, ob es bei Opeth Death-Metal-Elemente gibt oder nicht, konnte ich bisher alle Werke von Akerfeldt und Co. in die Genialität von Künstlern wie Devin Townsend, Virus, Pant.Thy.Monium oder Voivod einreihen, doch stattdessen bekommen wir durchgekautes Material zuhören, das Tausende von anderen schon in besserer Form aufgenommen haben. Dieser Ansatz war auch schon auf ,,The Devil's Orchard" erkennbar, aber man hatte es dort noch versucht, es als etwas Besonderes zu verkaufen, teilweise war es sogar hörbar. Und bevor hier jetzt jemand aufschreit: ich bin unter anderem mit den Frühwerken von Genesis, Jethro Tull, King Crimson und Emerson, Lake und Palmer aufgewachsen und weiß, was für geniale Musik in den 70er-Jahren produziert wurde. Dass man diese in die Neuzeit nicht 1:1 kopieren kann, ist klar, dass aber dabei trotzdem statt einem unterhaltsamen Album ein Rohrkrepierer wie dieser herauskommt, ist einfach nur enttäuschend, vor allem bei einer Band, die so lange dabei ist. Und so reiht sich Mikael Akerfeldt in die Riege von Künstlern wie Rock'n Rolf (Running Wild), Steve Rowe (Mortification) oder Joey DeMaio (Manowar) ein, die den Status ihrer einstigen Meisterwerke mit neuen, halbherzig aufgenommenen Platten immer mehr in ein falsches Licht rücken, welche nicht mal ansatzweise an die alten Platten heranreichen können und wo sich die Bands ebenfalls vorher hätten auflösen sollen. Somit haben wir eine Platte mit einer kleinen Handvoll von guten Ideen, die aber niemals das Niveau dieser alles andere als großartigen Platte überstrahlen können. Und deshalb, zusammen mit dem technischen Können der Musiker, (die trotz allem auf dem Boden geblieben und nicht zu Egonummern verkommen sind), kriegt diese Platte von mir nur zwei Sterne.
Kommentar Kommentare (35) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 16, 2015 2:31 AM CET


Cast in Stone
Cast in Stone

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eines der besten Alben der 90er Jahre., 18. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Cast in Stone (Audio CD)
Cast in Stone war das erste Album nach dem 1985er Album "Possessed", das Venom wieder in der klassischen Besetzung aufgenommen hatten. Fünf Jahre waren seit dem Vorgängeralbum "The Wastelands" vergangen, das zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, 1992, verrissen oder komplett ignoriert wurde, weil viele ursprüngliche Fans der Band ihren Kultstatus abgesprochen hatten, sie nicht mehr für relevant hielten, oder Venom einfach nicht ohne Kronos akzeptieren konnten. Das führte zur Auflösung der Band, bevor sie sich wieder 1996 wie aus dem Nichts wieder zusammen tat und der Welt zeigte, dass mit ihnen immer noch zu rechnen ist. Dabei muss ich allerdings noch hinzufügen, dass "The Wastelands" alles andere als ein schlechtes Album ist - im Gegenteil, die Mischung aus musikalischem Anspruch, Atmosphäre (u.a. durch den Einsatz von Synthesizern), komplexen Songaufbauten und ruhigen Passagen, veredelt von Tony Dolans Gesang, macht diese Platte zu einer Scheibe, die ich mir immer wieder gerne anhöre und es genieße, zu Liedern wie "Cursed", "Riddle of Steel", "Need to Kill", "Crucified" oder "Clarisse" stundenlang das mega-geniale Coverartwork mit der verwüsteten Landschaft anzuschauen (natürlich in der Vinyl-Version, die allerdings längst vergriffen und heutzutage nur sehr schwer zu bekommen ist). Doch den Schritt, den Venom dann mit "Cast in Stone" gemacht hatten, war bemerkenswert. Auf einmal war wieder die Unbeschwingtheit und Kompromisslosigkeit der frühen Venom-Tage da, die charismatische Stimme von Cronos und sein rumpeliges Bassspiel, die einfach zu der Musik von Venom dazu gehören und heutzutage nicht mehr wegzudenken sind, gaben dem Album den nötigen Punch, veredelt mit einer Produktion, die die druckvollste und rauhbeinigste in der Geschichte der Band zu diesem Zeitpunkt war (in den fünf Jahren seit der Auflösung kamen ja viele neue Techniken zum Aufnehmen auf den Markt und hier schafften es Venom tatsächlich, das für sie wichtigste Equipment zum Aufnehmen, wahrscheinlich auch mit dem Harddisc-Verfahren, zusammen zu bekommen und damit eine zeitgemäße und fette Produktion zu erreichen, die aber zu keiner Sekunde steril rüberkam und trotzdem organisch klang) und die "Cast in Stone" noch vor "Metallica", "Chaos A.D.", "Vulgar Display of Power", "Roots", "Korn" und Konsorten zu einer der besten Metal-Platten der 90er Jahre machte. Auf diesem Album gab es alles, Stampfer zum Mitgröhlen, wie "The Devil One" "Bleeding", "Kings of Evil" oder "Judgement Day", groovigere Midtempo-Rocker, wie "Infectious" oder "You're all gonna die", ruhigere und längere Nummern mit Hammermelodien, wie "Destroyed and Damned", experimentellere Lieder mit elektronischen Elementen, wie "Domus Mundi" und "Swarm" (wobei hiermit interessanterweise auch eine Brücke zum Vorgängeralbum geschlagen wurde, weil diese Passagen in "Need to Kill" und "Domus Mundi" identisch sind) und natürlich schnelle Nackenbrecher wie "Raised in Hell", "Hydra", die einfach unverzichtbar für ein Venom-Album sind. Im Gegensatz zu den früheren Alben waren Venom gereifter und kompromissloser geworden, die satanistischen Elemente und das Image spielten nur noch eine untergeordnete Rolle, die Lieder wurden nicht einfach nur chaotisch herunter gerockt, sondern wurden mit jeder Sekunde spannend in Szene gesetzt, trotz der unglaublichen Wucht dieser Platte hörte man jedes Instrument, jede Spur heraus, man konnte sogar eine leichte Progressivität ausmachen und VOR ALLEM zog die Band trotz der damaligen Trends mit Schwerpunkt auf Grunge, Nu Metal, Modernem Metal, Industrial und Alternative Rock (dem auch viele bekanntere Bands folgten) unbeirrbar ihr Ding durch und zeigte, dass sie sich in keinster Weise davon haben einschüchtern lassen, dass der Großteil der damaligen Musikhörer ihre Musik nicht hören wollte. Doch der Wille der Band trug seine Früchte, denn während viele damalige Bands, die sich durch die damaligen Trends gegründet, bzw. neu orientiert haben, mittlerweile aufgelöst haben oder für ihren Stilwechsel ordentlich federn lassen mussten, sind Venom nach wie vor dabei, größer und stärker als je zuvor (wenn auch nicht so groß wie Iron Maiden) und können von sich behaupten, alles in ihrer, bzw. Cronos Karriere (denn die Alben, die er ohne Venom aufnahm, sind auch sehr stark) richtig gemacht zu haben. Was die musikalische Entwicklung und Ausdauer angeht, kommt der Band fast schon eine Bedeutung zu, die man mit ebendieser von der kanadischen Band Anvil vergleichen kann, auch, wenn bei Venom nie ein Mitglied von der Gründung bis heute durchgehend dabei gewesen ist und heute Cronos als einzig verbliebenes Gründungsmitglied mit Dante und Rage die Fahne der Gruppe hochhält.
Diese Platte ist nicht nur eine musikalisch sehr gute Platte mit guten Stücken geworden, zu der man ordentlich die Rübe schütteln kann. Diese Platte ist eine unglaubliche Inspiration, die zeigt, dass selbst in den schwersten Momenten, die aus negativen Resonanzen und Ablehnung bestehen, jeder das beste aus einer Situation machen und seine Ziele und Träume erreichen kann. DAS ist Metal, DAS ist Leben, DAS ist Venom und deshalb sind hier 5 von 5 Sternen mehr als angebracht.


Lemmy - The Movie [Blu-ray]
Lemmy - The Movie [Blu-ray]
DVD ~ Lemmy Kilmister

7 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Eine wunderbare Dokumentation, aber mit einem sehr großen Schönheitsfehler!, 18. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Lemmy - The Movie [Blu-ray] (Blu-ray)
Über Lemmy braucht man, glaube ich, nicht mehr viel zu sagen. Er ist eine Kultfigur, der Inbegriff des Rock'n Rolls, 1000mal totgesagt, nur selten wirklich krank, bei einem Lebensstil, bei dem andere ins Gras gebissen hätten. Er IST Motörhead und er IST Rock'n Roll, und Motörhead IST er. Moment, den letzten Punkt versuchen zwar auch die Macher dieses Filmes zu vermitteln, aber ob man das so stehen lassen kann, darauf komme ich später noch einmal zu sprechen.
Fakt ist auf jeden Fall: dieser Film handelt NICHT von dem Leben eines Rockstars, der in 5-Sterne-Hotels übernachtet, auf dem roten Teppich sich abblitzen lässt, ständig auf Parties ist und sich in Limousinen herumfahren lässt. Im Gegenteil - dieser Film zeigt auf eine sehr unterhaltsame und sympathische Weise, wie man trotz eines millionenschweren Erbes für die Musik ein immer noch beschauliches und einfaches Leben führen, dieses aber auf eine viel intensivere Weise genießen kann als bei vermeintlichen Stars (wie es bei den Rolling Stones, Aerosmith, Ozzy Osbourne o.ä. der Fall ist). Lemmy hat kein freistehendes Einfamilienhaus mit Einbauküche, eine feste Beziehung oder gar so etwas wie eine Familie. Er lebt alleine in einer Zwei-Zimmer-Wohnung, sammelt Plattenauszeichnungen seiner Band, sowie Orden, Medaillen, Dolche aus Kriegszeiten, vornehmlich solche aus dem 3. Reich. In seiner Freizeit verbringt er Zeit im Rainbow, trinkt Jim Bean mit Cola und spielt an Glücksspielautomaten herum. Dazu kommt seine lockere Beziehung zu seinem Sohn, den er aber nicht eigenhändig großziehen konnte, sein gutes Verhältnis zu Frauen, geprägt durch die Erziehung seiner Mutter und Großmutter, die von seinem Vater sitzen gelassen worden sind und erkennbar an den zahlreichen Liebschaften, die er in seiner Musikkarriere gehabt hatte - und selbst aus diesen Beziehungen macht Lemmy in dem Film keinen großen Hehl und hängt es, wie es andere Musiker machen würden und damit ihre Anerkennung und Selbstbestätigung zu demonstrieren, nicht an die große Glocke. Auch, wenn man über die eine oder andere seiner Vorlieben streiten kann, muss man hier attestieren, dass er zu jeder Sekunde ehrlich und niemals abgehoben rüberkommen ist. Hier können sich die Macher des Filmes auf die Schulter klopfen, eine wirklich gute Dokumentation gemacht zu haben, die ohne große Effekthascherei und unverfälscht zeigt, wie man, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, die harte und ehrliche Meinung anderen ins Gesicht sagen, dabei aber respektvoll und freundlich sein kann. Und vor allem zeigen sie eines: dass Lemmy trotz seines musikalischen Schaffens und seines Kultstatus am Ende des Tages ein Mensch aus Fleisch und Blut ist mit Fehlern, zu denen er auch steht - nur tickt er eben ein bisschen anders. Und vor allem hat er immer das gemacht, wozu er Lust gehabt hatte, ohne sich zu sehr von den Meinungen anderer beeinflussen zu lassen oder sich anbiedern zu müssen. Das sieht man alleine daran, dass Motörhead eine der wenigen Hard'n-Heavy-Gruppen sind (die sich in den 70er Jahren gegründet haben), die auch Mitte-Ende der 80er Jahre unbeirrbar ihr Ding durchgezogen und die Fangemeinde mit knallhartem Rock'n Roll beglückt haben - während viele andere sich dem amerikanischem Markt angebiedert haben, versuchten, in Richtung Hair-Metal/Glam Rock á la Bon Jovi zu gehen und dabei grandios gescheitert sind. Dieser Status von Motörhead und Lemmy wird in dem Film auch von zahlreichen Musikern, Crew-Leuten, Produzenten, Freundinnen und und und unterstrichen. Die meisten dieser Personen sind mit ihm schon seit über 30 Jahren befreundet und viele davon nennen Motörhead als wichtigen musikalischen Einfluss und Lemmy eine Inspiration als Persönlichkeit.

Doch soviel Mühe sich die Filmemacher gegeben haben, wieviel Arbeit sie auch in diese Dokumentation gesteckt haben, haben sie eine wichtige Person nur am Rande behandelt, obwohl sie zu allem, was ich bis jetzt positiv erläutert habe, zwangsläufig immer mit verantwortlich gewesen ist: die Rede ist von Phil Campbell.

Und damit komme ich wieder zu der Frage vom Anfang: Ist Motörhead deshalb zwangsläufig Lemmy? Die Antwort ist für mich ein klares "Nein". Das wird sicherlich viele Motörhead-Fans verärgern, aber es ist immerhin meine Einschätzung zu dem Geschehen. Ich bin seit acht Jahren Motörhead-Fan, habe die Gruppe schon zwei Mal gesehen, und ohne dabei den Kultstatus von Lemmy als Musiker und Persönlichkeit klein reden und alle Fans, die auf der Show "Lemmy" schreien, schmälern zu wollen, ist es doch das Gitarrenspiel von Phil Campbell, das ein wichtiger Grundpfeiler für die Band seit über 30 Jahren ist (so wie das Gitarrenspiel von Dimebag Darrell [R.I.P.] für Pantera ihr wichtigster Grundpfeiler war). Für mich ist Phil Campbell die eigentliche Kultfigur und DER Mann bei Motörhead, die treibende Kraft der Band und ohne ihn würden Motörhead vielleicht nicht mehr existieren. Hand aufs Herz, welcher Musiker kann schon von sich behaupten, die Musik seiner Band in so einem langen Zeitraum immer bereichert zu haben, dabei aber niemals im Rampenlicht gestanden und dazu noch den komplett gegenteiligen Lebensstil seines Mitmusikers (normales Familienleben mit langjähriger Ehe und keinem Alkoholkonsum), der hier tatsächlich die größte Alkohol- und Drogenvernichtungsmaschine aller Zeiten ist, geführt zu haben? Klar, es ist ein Film über Lemmy, aber ich bin mir sicher, dass es alle oben genannten Geschehnisse, die Lemmy zur Kultfigur gemacht haben, ohne die Einwirkung von Phil in dieser Form nicht gegeben hätte. Phil hat Lemmy zur Kultfigur gemacht, die er heute ist, denn ohne ihn wären alle Platten nach "Another Perfect Day" niemals so gut geworden und ohne ihn wären die neueren Platten nie so gut ausgefallen. Vermutlich hätten Motörhead mit wechselnden Gitarristen bis heute damit zu kämpfen gehabt, dass ihr neues Album möglichst nahe an die Klasse ihrer früheren Alben herankommt. Dass Bands wie AC/DC, Saxon oder Black Sabbath die mehr als verdiente Popularität und den Kultstatus genießen, den die Gruppen bis heute ausmacht, ist ja auch in erster Linie auf Angus Young, Paul Quinn und Tony Iommi zurückführen, die den Kultstatus ihrer Frontmänner Brian Johnson, Biff Byford oder Ozzy Osbourne geebnet haben, während Leute wie Glenn Danzig, Bobby Liebling (Pentagram), Tom Angelripper (Sodom) der lebende Beweis dafür sind, wie Kultfiguren ihren eigenen Status zerstören können, weil kein Gitarrist lange in der Gruppe bleiben kann und ihre neuen Alben immer Wackelkandidaten sind, die mit den alten Klassikeralben verglichen werden müssen (das soll jetzt aber keine negative Bewertung über die Musiker sein, die mit den Gitarristen in einer Band spielen, denn es gibt so viele Faktoren, die für eine langjährige Zusammenarbeit verantwortlich sind und von denen ich keine Ahnung habe). Für mich hat Phil Campbell dementsprechend einen Status als Musiker, dessen Einfluss auf Motörhead und Lemmy als Persönlichkeit nicht hoch genug einzuschätzen ist (Und jetzt soll mir niemand damit kommen, dass er kein Gründungsmitglied von Motörhead ist! Mann, er ist acht Jahre nach der Gründung dazugekommen, und diese liegt immerhin schon fast 40 Jahre zurück). Und deshalb bekommt der Film von mir nur einen Stern, weil es absolut inakzeptabel ist, wie der Mann in diesem Film zusammen mit Mickey Dee zum Statisten verkommt und behandelt wird, als wäre er für die Musikgeschichte total unwichtig. Eine Person, die an dem schwer erarbeiteten Erfolg einer legendären Band maßgeblich mitbeteiligt ist und diese nur in einer kurzen Stelle gezeigt wird, wie sie sich Family Guy anschaut, hätte in so einem Film deutlich mehr zu Wort kommen müssen, bzw. die anderen Musiker hätten nicht nur über Lemmy, sondern auch über ihn reden müssen. Andernfalls kommt es so rüber, als ob Lemmy's Bandkollegen bewusst wenig Spielraum in diesem Film bekommen, damit sie keine Möglichkeit bekommen, etwas negatives über den Bandboss zu erzählen. Deshalb kann ich es auch voll und ganz verstehen, wenn Phil Campbell darüber verärgert ist, dass er nur in dieser einen Stelle gezeigt wird. Da hätte man deutlich mehr rausholen können, zumal er als der langlebigste Begleiter von Lemmy sicherlich einiges über ihn hätte erzählen können. Wenn die Filmemacher wenigstens gesagt hätten: "Keine Sorge, er kommt in diesem Film nicht so viel zu Wort, dafür werden wir aber noch eine Dokumentation über ihn drehen, wo er die Aufmerksamkeit bekommt, die er verdient hat"... Aber nicht mal das ist Fall und die Filmemacher sehen ja auch nicht ein, dass sie damit einen großen Fehler gemacht haben (der Erfolg gibt ihnen ja auch Recht), bekommt der Film von mir nur zwei Sterne: einen, weil der Film wirklich unterhaltsam ist, den anderen für Lemmy, weil er nun einmal Lemmy ist. Abzüglich der fehlenden sieben Minuten über Lemmys Vorliebe für Nazi-Devotionalien und fehlender Untertitel auf der Bonus-DVD bleibt somit nur noch ein Stern. Schade, da hätte man wirklich mehr draus machen können :(
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 9, 2016 8:25 AM CET


Jason Becker: Not Dead Yet [DVD] [UK Import]
Jason Becker: Not Dead Yet [DVD] [UK Import]
DVD ~ Jesse Vile
Wird angeboten von dodax-shop
Preis: EUR 3,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein bewegender Film, der leider auf Untertitel verzichtet, 18. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Um es vorwegzunehmen: Not Dead Yet ist einer der bewegendsten Filme, die ich in meinem ganzen Leben gesehen habe. Man erfährt sehr ausführlich über den musikalischen Werdegang des aufbegehrenden Gitarristen Jason Becker, der schon in frühester Kindheit dafür sorgt, dass bei seinen Mitmenschen der Atem wegbleibt. Was er auf Gitarre technisch und gefühlsmäßig hervorzaubert, ist nicht von dieser Welt - und das in einem Alter, wo viele andere Musiker und Bands noch in den Kinderschuhen stecken. Passend dazu kommen zahlreiche Wegebegleiter, Mitmusiker, Verwandte und Produzenten zu Wort, die Jason ohne Effekthascherei als einen wunderbaren Menschen beschreiben, der trotz seines Talentes und seines Erfolges immer auf dem Boden geblieben und seinen Freunde und seiner Familie positiv aufgeschlossen ist - keine Selbstverständlichkeit, bedenkt man, wie viele talentierte Musiker und Kultfiguren, leider auch im Metal-Bereich, später auch mit Negativschlagzeilen von sich zu reden machen.
Jason befindet sich also auf einer angehenden Erfolgswelle, die ihn, u.a. durch seine Mitwirkung in David Lee Roth's (Van Halen) Soloband zu einem der größten Rockstars in den Rockolymp hieven sollte. Bis er eine Veränderung in seinem Körper bemerkt und er die Diagnose ALS bekommt. Die Ärzte geben ihm nur noch drei Jahre Lebenszeit, die meisten Freunde schreiben ihn ab und auch, was neues Musikmaterial angeht, geben alle jegliche Hoffnung über seine Zukunft auf. Ich will nicht zuviel verraten. Aber Fakt ist auf jeden Fall: mehr als 20 Jahre sind nach der Diagnose vergangen, die meisten Wegbegleiter haben sich schon längst mit der Situation abgefunden, dass er nicht mehr da ist, als eines Tages einer von seinen Freunden überraschend eine Email von Jason erhält, wie es ihm denn geht. Denn nach über 20 Jahren lebt Jason immer noch, schreibt immer noch Musik über den Computer und kommuniziert mit einem System, das sein Vater entwickelt, mit seinen Mitmenschen. Absoluter Wahnsinn - mehr glaube ich, brauche ich nicht zu sagen ;) Vielmehr ist dieser Film der Beweis, dass man in einer aussichtslos scheinenden Situation immer noch für seine Träume und Ziele kämpfen und das Leben leben kann. Und wenn Jason in einem Interview zu hören bekommt, dass er mit seinem Lebensweg andere Menschen sogar vor dem Selbstmord abhalten konnte, sind fünf Sterne für diesen Film mehr als rechtfertigt.

Eigentlich!

Allerdings hat diese DVD zwei große Defizite, die zwar technischer Natur sind, die aber trotzdem bei der Veröffentlichung der DVD hätten berücksichtigt werden sollen: das Fehlen von Untertiteln in deutscher Sprache für Menschen (v.A. Kindern), die der englischen Sprache nicht mächtig sind und das Fehlen von englischen Untertiteln für gehörgeschädigte. Vor allem bei einem Film, der für alle Menschen ein Genuss sein sollte, ist es einfach ein Unding, sich nicht die Zeit und Mühe zu nehmen, Untertitel drauf zu packen, zumal der Film auch eine Botschaft vermittelt. Durch das Fehlen der Untertitel wird der Kreis von Zuschauern stark eingeschränkt und die Menschen, die Untertitel bitter nötig gehabt hätten, v.A. Hörgeschädigte, werden dadurch mit Füßen getreten. Ich meine, dieser Film lebt in erster Linie von seinen Kommentaren und Dialogen, weniger von seinen Bilder, Special Effects, oder ähnlichem. Und aus diesem Grund kann ich es auch nicht schönreden und sagen, dass der brilliante Inhalt des Filmes diese Defizite übersteigt.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 25, 2015 9:46 AM MEST


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