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Rezensionen verfasst von
Franz Johann Wolfgang

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Brandhagen: Panorama einer kleinen Gesellschaft
Brandhagen: Panorama einer kleinen Gesellschaft
von Hinrich von Haaren
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,40

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Eines der Bücher dieses Jahres"..., 24. Juli 2012
...urteilte kürzlich ein WDR-Redakteur über das "Panorama einer kleinen Gesellschaft", so der passende Untertitel des Romans von Hinrich von Haaren.

Ich kann dem nur zustimmen.

Dieser Roman über eine Kleinstadtfamilie in den sechziger Jahren ragt mit seinem epischen Ton und seiner sprachlichen Kraft weit hinaus über das aktuelle Angebot an Familienromanen. Hinrich von Haaren macht keine Mätzchen, sein Erzählton ist ruhig, gelassen, wie am Lagerfeuer erzählt - und trotzdem gehalten von einem dichten Spannungsstrang. Sprachlich wagt er schöne anthropomorphe Wendungen wie "kahle Kälte" oder "vollbusiges Theater". Inhaltlich ist das Buch voller kluger Gedanken über das Größerwerden seines Helden, der inmitten starker Frauen und Mädchen aufwächst. Seine Beschreibung der erwachenden Sexualität seines Protagonisten ist immer diskret, die Sprache driftet niemals in Banalität oder Obszönität ab. Das zeugt von großer Könnerschaft. Ich lerne kaum noch Bücher kennen, zumal von Autoren, die jünger sind als ich, deren Gedanken mich wirklich zum Weiterdenken anregen; dieses Buch jedoch gehört dazu: zum Beispiel von Haarens Schilderung der ersten kindlichen Kontakte mit religiösen Verhaltensmustern.

Hinrich von Haarens Roman beweist auf sehr lebendige Weise, dass es immer wieder möglich ist, eine unspektakuläre und schon öfter veröffentlichte Geschichte - in diesem Fall das Aufwachsen eines Jungen in den sechziger Jahren in Deutschland - so zu erzählen, dass sie wie frisch gewaschen glänzt. Es kommt eben auf die eigene, klischeefreie Sprache und den überzeugenden Erzählstrom an.

Dank an den kleinen, feinen Wiener Luftschacht Verlag für das Verlegen dieses Juwels.

Ich wünsche diesem Roman ganz viele Leser.


Klavierkonzerte 22 & 25
Klavierkonzerte 22 & 25
Preis: EUR 12,98

25 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gesanglich, uneitel, tiefsinnig, 7. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Klavierkonzerte 22 & 25 (Audio CD)
"Lange habe ich mich an Mozart nicht so recht getraut. Zu einfach, zu kompliziert. Zu klar, zu rätselhaft."

So beginnt David Fray im Booklet zu seiner Mozart-CD. Fehlt es ihm an Demut, an gebührendem Respekt gegenüber Mozart? Eher nicht. David Fray verortet in seinem klugen Essay die beiden Klavierkonzerte zeitlich zwischen den Mozart-Opern "Le nozze di Figaro" und "Cosi fan tutte". Er betont den inhaltlichen musikalischen Zusammenhang zwischen den Opern und den Klavierkonzerten 22 und 25. Und tatsächlich hört sich beispielsweise der zweite Satz - das Andante - aus dem Klavierkonzert 25 wie eine Opernarie an. Entsprechend gesanglich gestaltet Fray seinen Ton. Und entsprechend hat er sich für ein großes Orchester als Begleitung entschieden. Niemand würde Friedrich Gulda vorwerfen, dass er seine Mozart-Klavierkonzerte mit dem Concertgebouw Orkest aufgenommen hat. Übrigens hat sich David Fray im Klavierkonzert 25 für eine Kadenz von Gulda entschieden, im Klavierkonzert 22 für eine Kadenz von Edwin Fischer. Beide Kadenzen sind musikalisch ganz verschieden, was die CD noch interessanter macht - und wirken gänzlich zeitlos. David Fray spielt sie grandios.

Was das Cover betrifft: Die Fotoästhetik der Klassiklabels hat sich bekanntermaßen in den vergangenen Jahren gewandelt. Die Fotos sind werbender und kunstvoller zugleich geworden, voller Anspielungen an die bildende Kunst. Statt Schmetterlingen über Klatschmohnfeldern oder einem Alfred Brendel in karierter Schiebermütze, was fotoästhetisch nicht gerade zu nostalgischer Rückschau einlädt, präsentieren die Plattenlabels ihre Künstler nun in artifiziellen Inszenierungen. Übrigens auch Hélène Grimaud, deren Mann einer dieser berühmten Fotografen ist. Seltsamerweise empören sich Rezensenten nicht über die appetitlichen bis lasziven Ablichtungen weiblicher Künstler. Außerdem: Niemand käme auf die Idee, Alfred Brendel musikalischen Biedersinn vorzuwerfen, nur weil er eine solche Mütze trägt. Dieser Kurzschluss ist absurd.

Ich möchte diese neue CD wärmstens empfehlen. Ein völlig unprätentiöser, nur dem musikalischen Ausdruck sich verpflichtender junger Künstler mit nicht nur enormem Potential, sondern schon jetzt mit erstaunlicher Reife und noch erstaunlicherer Imaginationskraft hat sich dem schwierigen, wunderbaren Mozart angenähert. Wer auf arte den Film von Bruno Monsaingeon über die Aufnahme des Mozart-Klavierkonzertes Nr. 25 gesehen hat, konnte wahrnehmen, dass es David Fray in keinem Moment an Spannung im Spiel mangelt. Er sucht sorgfältig nach dem charmantesten, intensivsten musikalischen Ausdruck und hat dabei immer die gesamte Struktur des Satzes im Ohr. Alle seine Gestaltungsvorschläge bei der Erarbeitung mit dem Dirigenten überzeugen mich - und seine musikalische Energie höre ich in jedem Takt. Aber auch seine sensible Interpretation des zutiefst traurigen zweiten Satzes des Klavierkonzerts Nr. 22 berührt mich sehr. Überhaupt lernen wir mit David Frays Interpretation nicht nur einen energischen, sondern auch einen sehr verletzlichen Mozart kennen. Den Andantesatz aus dem Klavierkonzert Nr. 22 muss Mozart übrigens so überwältigend gespielt haben, dass sich seine Wiener Zuhörer, wie sein Vater an Mozarts Schwester Nannerl schrieb, eine Wiederholung erklatscht haben.


Ein Buch über die Welt. Das Kloster Disentis
Ein Buch über die Welt. Das Kloster Disentis
von Giorgio von Arb
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 62,00

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großartiges Buch!, 1. Dezember 2010
Dieser Bild-Wortband mit den spannungsvollen Fotos von Giorgio von Arb und den einfühlsamen Porträts von Erwin Koch nimmt den Betrachter und Leser hinein in eine ganz fremde, stille Welt, in die des Klosters Disentis in der romanischen Schweiz. Die Mönche erzählen realistisch und ganz konkret aus ihrem Leben zwischen Erfüllung und Versagung. Erwin Koch leiht den Mönchen seine Stimme und findet für jeden Mönch einen eigenen Ton. Das hat mich sehr berührt und mir diese unbekannte Welt näher gebracht. Danke dem Autor und Fotografen für diese sorgfältige, liebevoll gefertigte Edition, die ihren Preis wert ist.


Ein Tagwerk Leben: Erinnerungen einer Magd
Ein Tagwerk Leben: Erinnerungen einer Magd
von Dora Prinz
  Gebundene Ausgabe

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein selbstbewusstes Leben, 22. Mai 2009
So viel Arbeit. Und so wenig Wehleidigkeit. So viel Ehrgeiz. Und so viel Bescheidenheit. Für eine Großstädterin liest sich dieses Buch wie aus einer anderen Welt. Erfüllt nennt Dora Prinz ihr Leben. Und das, obwohl sie keine eigene Familie gegründet und ihr Leben lang geschuftet hat. Woher hat sie die Kraft für dieses Leben genommen? Trotz ihrer 1 Meter 40 tritt sie ihrem Gegenüber mit geradem Rücken entgegen. Selbstbewusst ist sie, weil sie sich von Eltern und Geschwistern geliebt weiß. Und noch etwas hält sie in ihrem schweren Leben: die alltäglichen Rituale, der bäuerliche Jahresrhythmus - und die Natur. Genau darauf können Großstädter nicht bauen.
Ein spannendes und lehrreiches Buch. Exzellent geschrieben von Sabine Eichhorst. Kein Wort zuviel. Die Wiederholungen sind dramaturgisch bewusst gesetzt. Sie zeigen, dass und wie alles wiederkehrt: die Jahreszeiten, die Wege, die Ernte, die Feste. Sehr zu empfehlen, nicht nur den Allgäuern, die sich freuen werden, so viel wieder zu erkennen. Auch den Großstädtern, die so anders leben.


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