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Annodomino

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Raus
Raus
Preis: EUR 5,71

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Düster, fesselnd und hochkreativ! Achtung: Bonustrack fehlt hier, 14. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Raus (MP3-Download)
Obwohl ich schon seit längerem Fan von Tua bin und eigentlich hätte wissen müssen, dass er seinem Stil noch immer treu geblieben ist, war ich ziemlich skeptisch, als er ankündigte, auf "Raus" komplett aufs Rappen zu verzichten. Außerdem kann ich mit Dubstep wenig anfangen, Tuas Produktionen haben da auch nie eine Ausnahme gebildet.
Mit "Raus" gelingt Tua tatsächlich der Spagat, etwas klar und deutlich Anderes zu produzieren als "Grau" und auch als "Evigila", andererseits aber ebenso deutlich auf einer Linie zu bleiben. Er erfindet sich neu und bleibt der Alte.
Es bleiben erhalten: die düstere Atmosphäre; die typischen Schemata, die Tuas Songs kennzeichnen; der Sprachstil, wenn mal Text vorhanden ist; auch die Klangfarben erinnern an seine frühere Produktionen - wobei allerdings "Raus" viel stärker zu einem Bassfestival wird, es wummert und wuchtet fast pausenlos.
Der offensichtlichste Unterschied zu "Grau" und Konsorten ist natürlich, dass "Raus" sehr textarm ist und, wie gesagt, komplett rapfrei. Etwa die Hälfte der Tracks kommt mit sehr wenigen oder keinen Worten aus.
Die Texte, die vorhanden sind, sind abstrakter und "allgemeiner" als früher, sprich kaum noch konkret auf Tuas eigenes Leben bezogen, auch wenn dieses natürlich die größte Inspirationsquelle bleiben dürfte. Natürlich lässt weniger Text auch mehr Platz für Interpretation; fast alle Tracks können auf unzählige Arten gedeutet werden. Allgemein begibt sich "Raus" aber wie die Vorgängeralben tief in die menschliche Seele, speziell deren dunklere Seiten, und ist eins von vermutlich nur ganz wenigen deutschen Musikwerken, auf denen an keiner Stelle auch nur der Anflug eines Liebesliedes zu finden ist...
Weniger auffallend, aber ähnlich bedeutend: Auch die Harmonien und Melodien auf "Raus" unterscheiden sich teilweise von dem, was man von Tua gewöhnt ist. Ab und zu tauchen diese typischen, orientalisch oder osteuropäisch klingenden Läufe und Akkorde nach wie vor auf, aber insgesamt deutlich sparsamer. Insgesamt ist die EP weniger melodiebetont, sondern eher auf Klangfarben ausgerichtet und darauf, wie sich ein Thema, ein Track entwickelt.
Besonders gut illustriert das mein Lieblingstrack: "Vadata" grenzt ans Meditative, klingt schwer, finster und ist enorm fesselnd.
Der Track zeigt auch eine ganz große Stärke von Tua, die auf "Raus" vielleicht noch mehr zum Tragen kommt als auf früheren Releases: Die Stimmung, das Gefühl eines Tracks (im Fall von "Vadata": Schuld, die einen verfolgt, schlechtes Gewissen, die Angst, dass ein Netz aus Lügen zu zerreißen droht) in der Musik einzufangen und dabei häufig gewissermaßen um die Ecke zu denken. Ein Beispiel, um zu erläutern, was ich meine: Sein Freetrack "Früher" handelt vom Tod eines Bekannten / Freundes und klingt im ersten Moment überhaupt nicht danach - man erwartet etwas Trauriges und bekommt ein schepperndes, treibendes, Thema in "ungeradem" Rhythmus (7/8). Erst beim vierten, fünften Hören geht einem auf, dass dieser Ansatz viel besser als der zu erwartende das kaputte, verwirrte, gnadenlose Gefühl einer solchen Situation einfängt.
Diese Fähigkeit, mit unorthodoxen Ansätzen ins Schwarze zu treffen, demonstriert auch "Raus" auf beeindruckende Weise.
Um das Ganze zu komplettieren, befinden sich auch zwei fantastische Ohrwürmer auf der Platte: Der Titelsong, dessen ganz einfache rhythmische Wendung im Refrain man so trotzdem noch nie gehört hat, sowie "MP3 Player" mit DEM Gänsehautmoment der EP, als in der zweiten Strophe eine Harmonie einsetzt, die wie die ideale Verklanglichung von purster Melancholie klingt.
"SHSFLS" und "Moment" fallen meiner Ansicht nach etwas ab; die übrigen noch nicht erwähnten Tracks füllen die EP sehr gut. Zu empfehlen ist unbedingt noch der Hidden Track "Folge mir", der hier als Download nicht enthalten ist! Auf der CD schließt er sich an "Stadt aus Luftballons" an, hier ist das offensichtlich nicht der Fall. Der Track ist wirklich hörenswert und nicht nur ein aussortiertes Extra.
Insgesamt kommt "Raus" meiner Ansicht nach eindeutig nicht an "Grau" heran - was aber auch ein sehr hoher Maßstab ist, und außerdem ist eine EP eben eine EP und kein Album -, ist aber auf jeden Fall höchst empfehlenswert, vor allem für aufmerksame Hörer, für Liebhaber kreativer, moderner Musiksprache.


Evigila
Evigila
Preis: EUR 19,99

24 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vielfältig, anspruchsvoll, wunderschön melancholisch - einfach Kunst, 8. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Evigila (Audio CD)
Mit "Evigila" ist es endlich wahrgeworden: ein gemeinsames Werk der beiden kongenialen Partner und Freunde Tua, seines Zeichens Rapper und musikalischer Tüftler, und dem Sänger Vasee, der als Kind in einen Kessel voll Herzblut gefallen sein muss.
Das zu erwartende Meisterwerk haben die beiden tatsächlich fertiggebracht: Ein Konzeptalbum über menschliche Schattenseiten und die Art, wie wir mit seelischen Krisen umgehen. Als Symbol haben die beiden eine fiktive Stadt gewählt, Evigila (lateinisch für "Wach auf"), die ausnahmslos jeder im Laufe seines Lebens immer wieder betritt, manche häufiger, manche seltener. Ihre Bewohner tragen Masken, denn das tun wir Menschen ständig, wenn wir uns mit irgendetwas Unangenehmen konfrontiert sehen.
In einem Punkt hat mich das Album stark überrascht: Es ist deutlich facettenreicher, als ich erwartet hatte; die einheitliche Optik des Artworks scheint eher eine Art Zusammenfassung zu sein - obwohl Evigila von außen sehr eintönig aussieht, stellt sich heraus, dass es viele unterschiedliche Stadtviertel beinhaltet.
Deshalb halte ich es für sinnvoll, auf die Songs im Einzelnen einzugehen.

1. Die Stadt
So etwas wie die Überschrift des Albums. Die symbolische Stadt "Evigila" errichtet jede Person für sich, und die Menschheit im Ganzen, durch ihren Wachstumswahn; sie steht aber dadurch auch auf tönernen Füßen, denn sie ist nicht solide gebaut, sondern nährt sich von Angst, Hass und Zweifeln. Wir schaffen es oft, diese Stadt wieder einzureißen (sprich, unsere Krisen zu überwinden), aber komplett zerfällt Evigila nie zu Staub. Früher oder später bauen wir sie doch wieder auf.
Bemerkenswert an dem Song sind vor allem Tuas rhythmische ungewöhnliche Parts - und dass er absolut nicht nach Depression klingt, ganz im Gegenteil. Krisen sind auch immer Chancen und letztlich auch notwendig, deshalb ist Evigila zwar dunkel, aber nur stellenweise trostlos. Oft genug besteht sie aus Energie, die falsch umgesetzt wird, nämlich in Wut und Hass.
2. Aufgeben
Dieses Lied hat mich etwas irritiert, weil ich erwartet hatte, jetzt in die dunklen Abgründe von Evigila einzutauchen. Stattdessen bekam ich eine leicht melancholische, aber doch hoffnungsvolle Hymne auf die echte Freundschaft zu hören. Schönes Stück Musik, für mich aber eher kein Highlight.
3. Soll das alles sein
Für mich der schwächste Song des Albums. Der Freetrack "Schnee im August", der es nicht mehr auf die CD schaffte, hat meiner Meinung nach mehr zu bieten. Ohne "Soll das alles sein" hätte aber doch eine Facette gefehlt, nämlich ein Mutmacher, wie man es aus Evigila schaffen kann: Es geht darum, dass man alles von zwei Seiten betrachten kann und eine positive Sichtweise oft schon viel ausmacht.
4. Der Präsident
Ziemlich abstoßend, obwohl künstlerisch wertvoll. Tua zerrupft einige typische Sätze von Barack Obama. Erst nach dem zweiten oder dritten Hören stellt sich wirklich deutlich der gewünschte Eindruck ein, "dass der Politiker da ein Lied singt, das er gar nicht singen will" (Tua) - vorher hat man praktisch gar keinen Eindruck, dazu findet man sich einfach zu wenig in dem Song zurecht. Für meinen Geschmack hätte Tua die Sätze nicht so arg verlangsamen müssen, dass man große Mühe hat, sie zu verstehen. Die Musik ist erst recht kein Leckerbissen, aber wer "Endpunkt" kennt, wird bei Tua mit ein paar Minuten Kopf-des-Hörers-Zerstören gerechnet haben...
5. Alles funktioniert
An diesem Punkt war ich langsam ernsthaft beunruhigt, dass das Album doch nicht das Meisterwerk sein könnte, das nach allen Snippets und Interviews zu erwarten war. Nach "Aufgeben" und "Soll das alles sein" wurde es mir mit "Alles funktioniert" endgültig zu unoriginell. "Alles funktioniert" ist schon ein anspruchsvoller und schöner Song, der im Großen und Ganzen auf einem Stilmittel basiert, auf einer Wendung. Aber wenn es in dieser Art weitergegangen wäre, wäre das Album zwar noch bemerkenswert, aber eindeutig nicht herausragend. Zur großen Kunst fehlte da noch einiges.
6. Szene in der Wüste
Zack, schon bin ich sowas von wiederlegt. Da haben wir die ganz große Kunst... Im Stil einer Filmrezension wird die innerliche Wüste eines Evigilianers beschrieben. "Und erst die Musik macht das Ganze traurig" ist vielleicht DER Satz des Albums. Ein Mensch, der durch eine Wüste marschiert, ist erst mal vor allem das: ein Mensch, der durch eine Wüste marschiert nämlich. Erst, wenn man der Szene eine melancholische Hintergrundmusik verpasst, wirkt sie traurig und verloren - und analog verhält es sich eben mit innerer Leere, denn diese ist hier mit der Wüste gemeint ("Ich bin die Wüste, so leer und ausgebrannt"). So jedenfalls meine Interpretation. Natürlich muss die Musik in diesem Track den Text tatsächlich traurig und verloren erscheinen lassen, und das ist Tua meisterhaft gelungen (Vasee wird hier weniger seine Finger im Spiel gehabt haben).
7. Der Passant
Würde sehr gut zu Maeckes' Album "KIDS" passen. Der einzige richtig niedergeschlagene Punkt auf dem Album. Vasee singt mit klagender Stimme über ein vollkommen ernüchtertes Kind, an dem die Menschen auf der Straße vorbeirauschen, weil sie sich nicht damit abmühen wollen, dem Kind einen ersten Schritt aus seiner Hoffnungslosigkeit zu ermöglichen.
8. Roter Luftballon
Faszinierender Song. Die Melodie hat Hitpotential, Tua hat hier einen richtigen Ohrwurm geschaffen. Die Klangfarbe ist typisch für "Evigila", etwas geheimnisvoll, etwas spielerisch (aber vorsichtig), etwas melancholisch. Der Luftballon steht für ein kindliches, naives Wesen, das aus einem unbefangenen, simplen Instinkt heraus in Richtung seiner Träume strebt und mit wachsender Bestürzung und Panik erkennt, dass es Hindernisse geben kann, die sich als unüberwindbar erweisen. Immer wieder versucht der Ballon es aufs Neue, bis er zerplatzt.
9. Wer ich sein will
Es geht weiterhin um Träume, um kindliche Unvollkommenheit. Die Strophen finde ich extrem unangenehm - nicht, weil sie so grob klingen, sondern weil ich es als eine sehr unbehagliche Vorstellung empfinde, Menschen wie Computer zu optimieren und über die "Effizienz" von Menschen nachzudenken. Auch wenn das Tua natürlich kritisiert und dabei auch schön ironisch wird, fühle ich mich schon äußerst unwohl dabei, dass man diesen Vergleich überhaupt anstellt. Zusammen mit einem fesselnden Refrain ergibt das Ganze einen sehr beachtlichen Song.
10. Das Blut
Mit großem Abstand der heftigste, beeindruckendste Song, und einigermaßen verstörend, selbst wenn man in etwa weiß, was einen erwartet, so wie es bei mir dank den Kommentaren von Tua und Vasee zu den Songs von "Evigila", die ich gelesen hatte, vor dem Hören der Fall war. Eines von den vielen negativen Gefühlen, die sich in Evigila sammeln, ist die Wut, und die wird absolut ungebremst, roh, in voller Intensität in diesen Track gelegt. Wenn es nicht um eine ungesunde Wut ginge, um übertriebenen Hass, wäre er ein toller Kämpfersong, aber der Evigilianer, um den es hier geht, schlägt einfach deutlich über die Stränge (sonst wäre er auch nicht in Evigila). Ich musste unwillkürlich an einen Amokläufer denken, auch wenn Tua und Vasee eher einen Boxer vor Augen hatten, der natürlich "harmloser" ist.
11. Der Pianist
Eine Ruhephase, für die man nach "Das Blut" dankbar ist. Ein verspieltes, melancholisches Klavierzwischenspiel von Tua, in dem Melodien aus einigen Songs der CD zu erkennen sind.
12. 2in1
Ein fantastisches Lied über unausgesprochen Dialoge, die sich zwischen zwei (offenbar einmal verliebten) Personen abspielen, die sich nichts mehr zu sagen haben, und sich nur noch "mit Schweigen bekriegen", so Tua in seinem Kommentar zu dem Song. Irgendwann sucht man keinen Ausweg aus der verfahrenen Lage mehr, sondern ergibt sich und sieht zu, wie die Beziehung immer kaputter wird und immer tiefer fällt. Besser hätte man diese Gefühle nicht treffen können, musikalisch und textlich. In meinen Augen der beste Song auf "Evigila".
13. Bei dir
Über neun Minuten dauert der Abschluss des Albums, der die Hoffnung beschwört, gemeinsam nach vorne zu schauen. Bei einem solchen Album wäre es auch vertretbar gewesen, auf ein Happy End zu verzichten, ich bin aber froh, dass Tua und Vasee es doch auf diese Weise haben ausklingen lassen. Der Song ist im Übrigen viel zu lang, um einfach nur optimistisch und nach Friede, Freude, Eicherkuchen zu klingen. Das unbeirrbar wiederholte "Was auch immer du tust, ich bin bei dir" wirkt wie ein Mantra, das alle Bedenken ausblenden soll, sodass man sich nur noch auf die Hoffnung konzentriert. Keine Macht den Zweifeln.

Ob "Evigila" nun Hip-Hop ist (immerhin wird doch recht viel gerappt, das habe ich bei den Songbesprechungen kaum erwähnt), Elektro, Pop, Dubstep oder was auch immer, lässt sich kaum sagen. Vor allem ist es eins, nämlich große Kunst. Punkt.


La Connexion
La Connexion

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Fehlkauf, 11. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: La Connexion
Wieder was gelernt: Man sollte ein Album nicht aufgrund eines ansprechenden Covers und vielversprechender Namen kaufen.
Fast durchweg haben mich die Tracks enttäuscht. Gut, von Massiv habe ich nichts Geniales erwartet; aber Namen wie Curse, Jonesmann, Azad und Kool Savas lassen einen eigentlich auf Besseres hoffen als das hier. Immer wieder hat man den Eindruck, dass Parts nach der Devise geschrieben wurden: Oh, da ist ja noch dieser Sampler, für den ich noch mein 16 Bars raushauen muss. Kein Wunder, das nicht viel Ausgereiftes dabei rauskommt.
Am besten hat mir noch Tones Beitrag gefallen.
Auch die Instrumentals sind beliebig, die zweite CD und damit den hohen Preis hätte es also nicht gebraucht.


Zaubererbruder-der Krabat Liederzyklus
Zaubererbruder-der Krabat Liederzyklus
Preis: EUR 21,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kongenial, 5. Juni 2010
Ich liebe Otfried Preußlers Version der Krabatsage und bin sehr kritisch jeder Art von Adaption gegenüber, weil es kein leichtes Unterfangen ist, den Tiefgang von Preußlers Werk beizubehalten und nicht in bloßen Kitsch abzudriften. Der Kinofilm ist daran gescheitert - ASP dagegen gelingt die Umsetzung hervorragend, und nicht nur das: Sie bereichert Preußlers Werk noch.
Das Entscheidende ist, dass auf die Zwischentöne geachtet wurde - zum Beispiel auf die Sprache. Der "altmodische", aber überaus elegante Stil des Buches prägt auch die Texte auf "Zaubererbruder", mit Sätzen wie "Mit einem Auge nun erfasst er / dich, du willst vor Angst vergehen".
Auch musikalisch wird die Atmosphäre größtenteils ausgezeichnet eingefangen; viele Lieder sind volksliedartig aufgebaut, die meist eher einfachen Themen und Melodien werden im Laufe eines Songs gekonnt ausgebaut und verwoben, sodass man sich ein ums andere Mal in der halb feierlichen, halb düsteren Atmosphäre verliert. Nur bei "Abschied" halte ich die musikalische Gestaltung für nicht besonders gelungen. Dafür ragen - meinem Geschmack nach - drei Lieder positiv heraus: "Krabat", "Der geheimnisvolle Fremde" und vor allem "Die Teufelsmühle" - letzterer Song ist in meinen Augen ein absolutes Meisterwerk.
Bei den Texten fällt auf, dass nur wenige Songs einen klar umrissenen Teil der Sage behandeln. Der Liederzyklus erzählt die Geschichte nicht nach und folgt nur sehr lose ihrer Chronologie. Eher ist es so, dass jedes der fünfzehn Lieder die Geschichte von Krabat von einer anderen Seite beleuchtet. Auch die Perspektive wechselt, mal erzählt Krabat, mal der Meister, mal ein Erzähler, auch die Kantorka und (mutmaßlich) Tonda kommen zu Wort.
Dabei ist auch wichtig, was Asp, also der Bandleader, im Vorwort betont: Er stützt sich bei seiner Umsetzung keineswegs nur auf Preußlers Version der Sage. Das erklärt die Abweichungen vom Buch, die mich beim Hören der ersten Lieder, als ich das Vorwort sträflicherweise noch nicht gelesen hatte, etwas irritiert hatten. Dort handelt es sich nur um Kleinigkeiten wie die mit der Schilderung im Buch nicht übereinstimmenden Zeilen "Nur der Meister, Jahr um Jahr / Bleibt so jung, wie er es war", doch auf der zweiten CD entfernen sich die Texte dann deutlich von Preußlers Geschichte, insbesondere "Der geheimnisvolle Fremde" scheint mir eine Nacherzählung der ursprünglichen Handlung der Sage (die ich nur in Grundzügen kenne) zu sein.
So oder so verdient es dieses Album, in die Reihe der verschiedenen Erzählungen der Krabatsage gestellt zu werden. Magischer Inhalt - magische Lieder.


Neu
Neu

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nur noch gute Popmusik, 26. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Neu (Audio CD)
Moses Pelham hat im Vorfeld der Veröffentlichung immer wieder betont und schreibt darüber auch in "Das hier", dieses "neue" Glashaus werde polarisieren. Sinngemäß: Entweder fühlt man unseren neuen Schwung und kann sich davon mitreißen lassen - oder nicht. Bei mir ist die Antwort leider nein.
Für mich ist einfach das Bezaubernde verloren gegangen, das die drei ersten Alben geprägt hat. Die Musik ist steril geworden, glasklar, aber nicht berührend. Und Peppa ist zwar ohne Zweifel mit Leib und Seele bei der Sache, an Gesangstalent mangelt es ihr auch nicht - aber sie schafft das nicht, was Cassandra Steen ausgezeichnet hat: auf behutsame Weise Gänsehaut zu erzeugen. Am wenigsten ein Schwachpunkt sind, wie gewohnt, Moses' Texte, aber in diesem Rahmen kommen auch die nicht so richtig bei mir an - und manchmal, zum Beispiel bei "Streben nach Glück", dachte ich: Na ja... das hätte auch Peter Fox zustande gebracht.
Das "neue" Glashaus ist sehr positiv, wird vielen Hörern gute Laune und Optimismus verschaffen. Teilweise ist der neue Sound richtig zum Feiern geeignet. Aber all das ist nichts Besonderes, das schaffen viele Bands (und manche besser). So gerät Glashaus hart an die Grenze zur Supermarkt-Hintergrundbeschallung. Zwischentöne gehen unter, die Beats bieten kaum Abwechslung, und zumindest in meinen Ohren klingt es oft stark danach, als würde Peppa verzweifelt nach einem Zugang zu einem Lied suchen, das keinen Zugang bietet.
Gut möglich, das "Glashaus", "Jah Sound System" und "Drei" bereits alle Lieder enthalten, die in diesem Stil geschrieben werden konnten. Ein viertes Album nach alter Glashaus-Manier wäre vermutlich keine gute Idee gewesen. Aber dann, finde ich, sollte man sich entweder auflösen oder, bei einem solchen Neuanfang, einen neuen Namen zulegen.


Nacht
Nacht

4.0 von 5 Sternen Beachtlich hohes Niveau bereits auf dem ersten Album, 19. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Nacht (Audio CD)
Ohne zu übertreiben: Es gibt nicht wenige Rapper, die mit einer "Best Of"-CD kaum die Qualität erreichen würden, die Tua schon auf seinem Debütalbum abliefert.
Kennt man Tuas heutige Werke, dann hört man "Nacht" zwar eindeutig an, dass es aus der Anfangszeit des damals 19 Jahre alten Künstlers stammt. Mit dem, was er jetzt an Kunstwerken hervorbringt, ist das hier überhaupt nicht zu vergleichen. Das ist andererseits auch gut so, zeigt es doch, dass er sich seitdem erneut deutlich weiterentwickelt hat. Auf "Nacht" ist noch nicht, so wie heute, jeder Track ein in sich stimmiges Kunstwerk - es enthält sogar noch reinen Battlerap, von dem sich Tua auf seinen Soloprojekten mittlerweile praktisch verabschiedet hat. Die Texte schweifen stellenweise etwas ab, die Instrumentals fangen nicht immer perfekt die Atmosphäre des Songs ein; das Album ist stilistisch anders als Tuas heutige Musik größtenteils nur etwas für Hip-Hop-Fans - aber das sind Luxusprobleme. Die Liste der Vorzüge des Albums ist deutlich länger:
Von der reinen Raptechnik her erreicht Tua bereits auf diesem Album ein unglaubliches Niveau. Der Flow ist nah an der Perfektion und wird oft variiert (wobei Tua eine Vorlieben für Triolen zu haben scheint); rhythmisch besonders ungewöhnlich ist "Filme". Auch an sehr schnellen und anspruchsvollen Doubletimes mangelt es nicht. Dass er diese beherrscht, zeigt Tua auf "Nacht" sogar deutlich häufiger als auf seinen späteren Alben. Zwar verzichtet er dafür, wie gesagt, manchmal auf tiefgehenden Inhalt, aber bei so irrsinnigen schnellen Parts wie auf "Nichego" muss einem einfach der Kinnladen runterfallen.
Das Album behandelt eine recht große Themenbreite, und Tua ist als Poet genauso begnadet wie als Battlerapper. Die tiefsinnigen Texte zeigen eine beachtliche Reflektionsebene und Formulierungskunst.
Musikalisch erinnert das Album bereits an den typischen Stil, den Tua selbst heute als "Tua-Musik" bezeichnet und den man annähernd beschreiben könnte als eine Mischung aus Gänsehaut, Eigenartigkeit und Detailverliebtheit.
Nur wenige Songs auf dem Album laufen nach Schema F. Positiv hervorheben möchte ich erstens "Nichego", eine sehr selbstbewusste und bitterböse Abrechnung mit dem verlogenen Gangsterrap, der in Deutschland in Mode gekommen ist - den Chorus bildet ein schmalziges Schlagersample (!), das in diesem Zusammenhang herrlich sarkastisch daherkommt. Zweitens "Krieg", ein Track über das Problem, dass manche Jugendliche buchstäblich nichts Besseres zu tun haben, als sich zu prügeln und dabei Menschen ernsthaft zu verletzen - Tua war in solche Banden verwickelt, der Song kann einen nicht kalt lassen; das Thema wird auch in anderen Tracks angeschnitten. Drittens "5 Sekunden", ein berührender Song mit eigenartigem, aber überzeugenden formalen Aufbau. Der Sänger Vasee, mit dem Tua schon lange zusammenarbeitet, entpuppt sich dabei mal wieder als Traum von einem Feature.
Alles in allem ist das Album ein Juwel, das sich kein Fan authentischen deutschen Hip-Hops entgehen lassen sollte. Im Nachhinein ist es kaum zu glauben, dass Tua sich nach so einem beeindruckenden Debüt noch merklich steigern konnte.


Stille
Stille
Preis: EUR 8,64

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Perle, 13. Februar 2010
Rezension bezieht sich auf: Stille (MP3-Download)
"Stille" ist eine Zusammenstellung von 17 Tracks, die Tuas Schaffen zwischen seinem Erstlingswerk "Nacht" und dem darauffolgenden (jetzt also eigentlich dritten) Album "Grau" zeigen.
Die meisten Tracks wurden schon auf zwei EPs veröffentlicht, aber die gingen sehr unter, was die Öffentlichkeitsarbeit angeht. Mit "Stille" wird das Ganze in einen ordentlichen Rahmen gerückt, außerdem wird dem Wunsch vieler Fans nach einer Neuveröffentlichung entsprochen.
Herausgekommen ist ein Album, das Tuas ganze Bandbreite zeigt - und das will was heißen! In "Meine Lieblingslieder" wird gesungen, in "Wenn man zur Sonne geht" Doubletime gerappt; "30 Grad Wanderung" dürfte der irrsinnigste unter Tuas experimentellen Tracks sein, in "Dieser Junge" rappt er dagegen wieder einmal die gesamte Deutschrapszene an die Wand. Es gibt depressive Passagen und positive, die Themen reichen von Beziehungskisten bis hin zu Politik - allgemein geht es aber, wie gewohnt, immer wieder um menschliche Abgründe und um Tuas Leben.
Die Texte sind meistens eher prosaisch, nur selten driftet Tua wirklich in die gehobene Sprache ab, die er schließlich auch beherrscht. Aber gerade solche nüchternen Zeilen wie "Wenn ich könnte, würd ich aufgeben" bleiben noch lange hängen.
Und musikalisch scheinen Tua immer wieder wie von selbst die fesselndsten Melodien zuzufliegen, die er dann auch noch klanglich perfekt umsetzt. Bestes Beispiel ist der "Traum". Wie Tua so ein faszinierendes Stück Musik bisher mutwillig unveröffentlicht lassen konnte, ist mir ein Rätsel!
"Stille" ist praktisch jedem ans Herz zu legen - außer vielleicht fanatischen Anhängern von Reggae oder Blasmusik. Die wären vermutlich enttäuscht.


Klassenfahrt
Klassenfahrt
Preis: EUR 17,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gelungener Spagat zwischen schrägen und tiefgehenden Songs, 30. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Klassenfahrt (Audio CD)
Wise-Guys-CDs haben seit jeher eine Gute-Laune-Garantie - aber nicht etwa dadurch, dass sie reine Stimmungsmacher enthielten. Dän Dickopfs Texte sind auch auf der "Klassenfahrt" gewohnt geistreich und wortwitzig; ernste, aber dennoch nie schwarzmalerische Songs wie "Lisa" und "Sorge dich nicht" wechseln sich ab mit kabarettistischen Nummern, die sich nahe an der Grenze zur Blödelei bewegen, aber trotzdem nicht weniger hörenswert sind.
Denn selbst bei solchen "bekloppten" Songs merkt man, dass die Wise Guys sie nicht herausbringen, weil sie marktschreierisch Aufsehen erregen wollen, sondern schlicht und einfach, weil sie Spaß daran haben. Die deutsche Liederlandschaft wäre definitiv ärmer ohne so herrlich schräge Texte wie den von "Wir zwei" mit Zeilen wie "Unsere Liebe ist so heiß wie ein defekter Toaster; wer uns zwei als Paar erlebt hat, geht sofort ins Kloster".
Höhepunkt der niveauvollen Albernheit ist eindeutig "Hamlet", eine zum Totlachen pointierte Hip-Hop-Parodie - eine wohlwollende, denn Dän, der wie die meisten auch diesen Song komponiert und getextet hat, hat durchaus etwas für dieses Genre übrig und hat schon in der Anfangszeit der Band Sari auf einigen Songs rappen lassen. In seinem Kommentar zu "Hamlet" bezieht er selbst sich zwar auf den Berliner Gangsterrap, doch der Song klingt in meinen Ohren stark nach einer Parodie auf die Stuttgarter Hip-Hop-Combo Freundeskreis. Auch falls das nicht beabsichtigt ist, bleibt "Hamlet" für mich DAS Highlight der CD.
Musikalisch sind die Songs größtenteils treibend und mitreißend, erst gegen Ende wird es träumerisch und beruhigend. Produziert wurde die CD wie immer äußerst aufwendig, oft mit extrem vielen Nebenstimmen in beeindruckenden Klangteppichen.
Das Album enthält keinen Song, der den Gesamteindruck nennenswert verschlechtern würde - die schwächsten Lieder sind immer noch annehmbar bis hörenswert. Mich persönlich reißen "Ich hab geträumt", "Mit besten Grüßen" und "Mein neues Handy" nicht vom Hocker, aber langweilig sind auch sie nicht.
Alles in allem ist die "Klassenfahrt" rundum gelungen und gefällt mir persönlicher besser als das etwas biedere Vorgängeralbum "Frei!" - und dabei bleiben die Wise Guys im Großen und Ganzen ihrem Stil treu. Wer diesen Stil mag, wird am neuen Album garantiert seine Freude haben.


Grau
Grau

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gespenstisch - aber eine Sensation von einem Album!, 14. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Grau (Audio CD)
Vorab: Ich empfehle sehr, sich dieses Album NICHT als MP3-Download zuzulegen, sondern als CD. Denn erstens enthält das Booklet lesenswerte Interpretationshilfen zu den beiden Instrumentalstücken ("Bezorientatsja" und "Viktor"), und zweitens verbindet Tua die Lieder so trickreich und flüssig, ohne Pause zwischen den einzelnen Nummern, dass man das Album auf CD in einem durch hören kann, ja muss. Einzeln gehört, würden die Tracks teilweise recht abrupt abbrechen.
Hört man die CD also von vorne bis hinten durch und lässt sie auf sich wirken, wird man mit 66:12 Minuten extrem intensiver Musik belohnt. Der größte Teil malt zwar, wie der Titel und das Cover schon überdeutlich machen, keine schönen Bilder, aber - "sag mir was du willst, doch das hier ist die Wahrheit, der Maler wird zum Bild - das hier bin ich." So rechtfertigt Tua im zweiten Track "Bilder" die düstere Atmosphäre seines Albums. Vielleicht schreckt sie manchen potentiellen Käufer ab, mit dem Argument: Das will ich doch alles nicht hören! Tuas Gegenargument wäre wohl: Du musst es nicht kaufen, ich es aufschreiben aber trotzdem. Außerdem wird es andererseits sicherlich auch genug Zeitgenossen geben, die sich mit finsteren Hymnen wie dem schonungslosen ersten Track des Albums, "Es regnet", identifizieren können und darin Trost finden.
Noch dazu ist Tua keineswegs einseitig. Er beschreibt seelische Zwickmühlen, sucht Auswege, findet sie teilweise (das Album hat auch positive Passagen, beispielsweise "In den Himmel") und versucht aus negativen Erfahrungen zu lernen; die Selbstkritik kommt dabei nicht zu kurz: "Nur um das Richtige zu tun, war ich nicht Mann genug. Ich hatte keinen Respekt mehr vor gar nix... danke, mir gehts cool." (Aus dem erschütternden Stück "ohne Titel", das sich, ganz offensichtlich aufgrund eigener Erfahrungen, mit der Abtreibungsproblematik auseinandersetzt. Den betreffenden Politikern sehr ans Herz zu legen.)
Wer mit den Texten trotzdem nichts anfangen kann, für den hat "Grau" trotzdem mehr als genug zu bieten, nämlich eine in der Hip-Hop-Szene beispiellose musikalische Originalität. Ständig wechselt die Stimmung, was ich absolut positiv meine, auch wenn Experimentierfreue in der Musik naturgemäß nie bei jedem gut ankommen kann. Radiotauglich sind Stücke wie der geradezu lächerlich virtuose "Endpunkt" schon gar nicht, aber das ist auch das Letzte, worauf Tua aus ist.
Er hat die Musik im Übrigen laut Booklet vom ersten bis zum letzten Ton auf eigene Faust geschrieben, gemischt und prodzuiert.
Auch bei den Texten erlaubt er sich nur einen Gastauftritt, wenn man von Vasees Refraingesang in "Bruder" absieht, nämlich Kool Savas auf "Problem". Und nichts gegen Kool Savas, aber auf einem Tua-Album eine Strophe beizusteuern, die nicht oberflächlich wirkt, wäre ein Kunststück. Denn Tuas Texte beweisen eine für sein Milieu beachtliche Sprachgewandtheit; es gelingt ihm, kaum fassbare Gefühle in derart prägnanten Metaphern und Vergleichen auszudrücken, dass man nur noch staunen kann. Den Höhepunkt dieser Kunstfertigkeit bildet eindeutig "Nachtschattengewächs", das vor eindrücklichen Bildern nur so strotzt. "Ich könnte schwören, dass dieses Zimmer enger wächst. Ich hör mich die Schatten schimpfen: Hände weg, ihr Menschenfresser! Ich werde belagert von grellwacher Müdigkeit, bis nur noch ein schmaler Faden übrig bleibt und ich schlaf."
Fazit: Wer sich dieses Album entgehen lässt, dem entgeht wirklich etwas - selbst dem, der glaubt, dass Tuas graues Leben ihm gestohlen bleiben könne.


Glashaus II (Jah Sound System) - Limited Edition
Glashaus II (Jah Sound System) - Limited Edition
Preis: EUR 14,99

5.0 von 5 Sternen Himmlisch!, 23. Oktober 2009
"Der Ursprung der Idee war: Ich bomb alle mit dem Flavour - aber ich beeindruck Hörer und Leser nur, wenn sie tief reingucken wie ich in Gläser", rappt Moses Pelham auf "No fall over". Wer "Glashaus II" in Ruhe hört, wird verstehen, was er meint.
Bis auf "Die alte Geschichte" behandeln sämtliche Texte auf diesem Album zumindest im weitesten Sinne religiöse Themen; das muss aber Atheisten nicht abschrecken, da sich die Mehrheit der Songs nicht direkt auf den christlichen Glauben beziehen, sondern christliche Einstellungen zum Ausdruck bringen - die durchaus keine Religiösität erfordern. Wer sich auf poetische und (trotzdem) tiefgreifende Texte - eigentlich wäre "Gedichte" hier das treffendere Wort - einlassen kann und darin eintauchen kann, wird bei jedem Hören aufs Neue verzaubert sein.
Musikalisch erreichen Pelham und Haas mit zugegebenermaßen vergleichsweise einfachen Mitteln fast durchgehend Gänsehautstimmung, besonders mit "Jah Sound System" und natürlich der hinreißenden Single "Bald (und wir sind frei)". Hohe Abwechslung bietet das Album in dieser Hinsicht zwar eigentlich nicht, trotzdem bleibt so gut wie jeder Track hängen, da Musik und Text ideal harmonieren. Fans von Cassandra Steens beruhigender Stimme, die jeden Selbstmörder auf der Stelle würde umkehren lassen, kommen ebenso auf ihre Kosten wie Rapfans, die auf immerhin vier Tracks (den Hidden Track eingeschlossen) von Moses' Kunstfertigkeit in dieser Disziplin verwöhnt werden. So schnell, wie er auf "Land in Sicht" ein Wort wie "Selbstbewusstsein" über die Lippen bringt, dürften nicht wenige seiner Berufskollegen vor Neid erblassen.
Mit dem Text zu "So nah" beweist er unterdessen erneut, dass er es versteht wie kein Zweiter, kaum fassbare Gefühle mit einfachen Worten festzuhalten. Neben dem mitreißenden "Flutlicht" ist dieser Track mein Favorit auf diesem Album.
"Glashaus II" ist positiver gestimmt als das Vorgängeralbum, und wären die Radiostationen etwas aufgeschlossener gegenüber anspruchsvollen Texten, hätte "Glashaus II" DAS Album 2002 in Deutschland werden können: denn größtenteils sind die Texte durchaus für jedermann zugänglich. Weder in Hip-Hop-Slang noch auf Kirchenlatein geschrieben, beschreiben sie Gefühle und Situationen, die so ziemlich jedes fühlende Wesen berühren müssten. Deshalb: unbedingt anhören!


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