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Rezensionen verfasst von
Dr. Gerd Doeben-Henisch
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Reinventing the Sacred: A New View of Science, Reason, and Religion
Reinventing the Sacred: A New View of Science, Reason, and Religion
von Stuart Kauffman
  Taschenbuch
Preis: EUR 13,99

5.0 von 5 Sternen Ein außergewöhnliches Buch, 25. April 2013
ENGLISCH/ DEUTSCH

Ich schreibe diese Besprechung in Deutsch obgleich das Buch von Kaufffman in Englisch geschrieben ist. Ich verbinde damit die Hoffnung, dass doch vielleicht der eine oder die andere, die sich von der Sprache zunächst abschrecken lassen, doch noch motivieren lassen, dieses Buch zu lesen.

EIN AUßERGEWÖHNLICHES BUCH

In Übereinstimmung mit vielen anderen Buchbesprechungen, vor allem auch bei amazon dot com, muß man festhalten, dass es sich hier um ein wirklich außergewöhnliches Buch handelt, auch wenn man hinsichtlich seiner Durchführung viele Punkte benennen kann, die nicht gut, ja sogar kritikwürdig sind.

KRITIK AN EINER ZU ENGEN WISSENSCHAFTLICHEN WELTSICHT

Kauffman selbst ist Wissenschaftler. Dies hindert ihn nicht daran, auf Schwachstellen in der wissenschaftlichen Weltsicht hinzuweisen. Eine zentrale Schwachstelle trägt den Namen 'Physikalischer Reduktionismus'. Damit verbindet sich die Auffassung, dass es zur Erklärung der Phänomene in dieser Welt ausreiche, diese in eine kausale Beziehung zu setzen zu 'zugrunde liegenden elementareren Bestandteilen'; letztlich seien dies die Moleküle, Atome, und subatomaren Partikeln. Diese Art von 'wissenschaftlicher Erklärung' macht aus der Gesamtheit aller Phänomene ein Wirkungsfeld von elementaren (letzlich physikalischen) Teilchen und elementaren Kräften.

Bei dieser Erklärungsweise bleiben sehr viele Besonderheiten der Phänomene oberhalb der Atome (ab einem bestimmten Komplexitätsgrad vielleicht sogar alle Besonderheiten) auf der Strecke. Für einfache Gemüter ist dies OK. Für differenzierter denkende Menschen, wie Kauffman einer ist, stellen sich hier mindestens Fragen. Und es ist genau hier wo sich die besondere Qualität von Kauffman zeigt: er stellt sehr viele Fragen, er geht ihnen auf vielfältige Weise nach, und kommt dann zum Ergebnis, dass eine reduktionistische Sicht letztlich genau die interessanten Phänomene zerstört. Nicht das Zurückfragen nach möglichen elementareren Bestandteilen ist der Fehler, sondern der Verzicht auf eine Beschäftigung mit der Makroebene selbst, mit der Komplexität, die sich gerade in den Makrophänomenen manifestiert.

NICHTVORAUSSAGBARKEIT

In für den Leser z.T. sehr mühevollen, aber von der Sache her sehr wohl berechtigten, Analysen unterschiedlichster Phänomenbereiche (grob: Biologie, Wirtschaft, Physik) gelingt es Kauffman immer wieder aufzuzeigen, dass eine reduzierende Betrachtungsweise genau das verfehlt, übersieht, was dieses Phänomen ausmacht. Und in all seinen vielfältigen Beispielen ist es u.a. die 'Nichtvoraussagbarkeit', die man überall feststellen kann. Es beginnt bei der generellen 'Nichtergodizität' des Universums als Ganzem, setzt sich fort im Bereich der Molekülbildungen, der Zellentstehung, der Herausbildung von Lebensformen in Gestalt eines Pareto-Optimums, in der generellen Nichtvoraussagbarkeit von Gehirnaktivitäten, die wechselseitigen Beeinflussungen von Naturprozessen im allgemeinen und biologischen Formen als Besonderem (Evolution, Ko-Evolution), die Wechselwirkungen unter biologischen Akteuren, die Wechselwirkungen eines wirtschaftlichen Verhaltens, die ihrer Natur nach in keiner Weise mehr voraussagbar sind, und vieles mehr. Wer die Sehweise von Kauffman übernimmt für den wird die Welt sehr vielfältig, sehr besonderes, sehr dynamisch, grundsätzlich nicht voraussagbar.

QUANTENPHYSIK

Kauffman macht sich die Mühe, die Eigenschaft der Nichtvoraussagbarkeit auf sehr vielen Ebenen aufzuzeigen. Letztlich wurzelt sie aber schon in der Grundlage von allem, im 'Medium' von aller erfahrbaren Wirklichkeit, die die Wissenschaft als 'Quantenwelt' enttarnt hat. Die aus dem menschlichen Alltag bekannte Raum-Zeit-Welt mit ihren Makroeigenschaften ist ein Artefakt unseres Körpers und des darin eingebetteten Gehirns, das uns mit Erkenntnissen über diese Welt versorgt. 'Hinter' den alltäglichen Phänomenen existiert nach den heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen eine Welt von Quanten, deren mathematische Beschreibung uns darüber belehrt, dass es sich hier nur noch um Wahrscheinlichkeitsfelder handelt: Was zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort an Eigenschaften gegeben sein soll lässt sich grundsätzlich nur als ein Wert in einer Wahrscheinlichkeitsverteilung angeben. Salopp: Nichts Genaues weiß man nicht. Zusätzlich enthüllt diese Quantenwelt Eigenschaften von Wechselwirkungen zwischen den Quanten, die mit der Alltagserfahrung nicht kompatibel sind (so können Quanten in einer Geschwindigkeit und über Entfernungen interagieren, die in der Alltagswelt unmöglich sind).

Nimmt man die quantenphysikalische Sicht ernst, dann hat man das große Problem, die 'Koexistenz' von Quantenwelt und physikalischer Makrowelt zu erklären. Die Konkretheit der alltäglichen Makrowelt bildet quantenphysikalisch eine 'Dekohärenz', die zu erklären bislang schwerfällt. Dazu kommt, dass diese Dekohärenz aus Sicht des Alltags 'andauert', dass aber zugleich die Kohärenz der Quantenwelt nicht aufgehoben wird. Hier herrscht bislang ein großes Schweigen der Physik.

Kauffman vermutet vor dem Hintergrund der Quantenwelt, dass wir viele Eigenschaften des Gehirns möglicherweise nur durch Rückgriff auf diese Quantenwelt wirklich verstehen können; Genaues kann er natürlich nicht sagen, obgleich er Autoren zitiert, die (ähnlich wie Descartes mit seiner Zirbeldrüse) versuchen konkrete Strukturen in der Biochemie der neuronalen Maschinerie zu identifizieren, die für die 'Übersetzung der Quanteneffekte' in die Makrowelt eines Gehirns verantwortlich sind. Man kann sich über diese Erklärungsversuche lustig machen, zeigen sie aber doch auch, dass selbst die besten Denker unserer Zeit bislang hier vor mehr Rätseln stehen als Antworten.

KREATIVITÄT, HEILIGES, GOTT

Eine Kehrseite von Nichtvoraussagbarkeit ist 'Kreativität'. Denn um immer wieder neue Ereignisse, Ereignisketten, Strukturen, komplexe Wechselwirkungen hervorbringen zu können, benötigt man Verhaltensweisen, Rahmenbedingungen, die das ermöglichen. Kauffman meint in der Vielfalt dieser nichtvoraussagbaren Prozesse eine 'Kreativität' 'am Werke' zu sehen, die sich vom physikalischen Anfang des Universums, über Materiebildung, Sternenbildungen, Galaxien, Sonnensystem, Leben auf der Erde usw. in gleicher Weise manifestiert. Eine Kreativität, die geradezu eine 'innere Eigenschaft' unseres Universums zu sein scheint. Und dass es genau diese Kreativität ist, die das eigentlich zu erklärende Phänomen bildet, das, an dem sich alle Wissenschaften zu messen haben. Es überrascht dann nicht, wenn Kauffman für diese Zentraleigenschaft des Universums den Begriff 'Heiliges' ('sacred') vorschlägt, und im zweiten Schritt (oder im ersten, das lässt sich hier nicht genau sagen), den Begriff 'Gott' ('god').

KRITIK WEGEN GOTT?

Spätestens an dieser Stelle könnte man Kritik laut werden lassen. Schließlich haben genau die Begriffe 'Gott' und 'Heiliges' in der menschlichen Geschichte in nahezu allen Kulturen seit mindestens 2000 - 3000 Jahren eine lange und vielschichtige Tradition. Die Kritik bestände darin, Kauffman vorzuwerfen, dass er sich nicht genügend um die Vermittlung zwischen seiner Verwendungsweise der Begriffe 'Gott' und 'Heiliges' und der vielfältigen Verwendungsweisen dieser Begriffe in der bisherigen kulturellen Geschichte gekümmert habe. Dies sei eigentlich eines Wissenschaftlers unwürdig.

Einerseits würde ich diese Kritik auch erheben. Andererseits muss man aber auch klar sehen, dass die Aufgabe eines konstruktiven Dialoges zwischen dem Erklärungsansatz von Kauffman und den bisherigen Verwendungsweisen des Begriffs 'Gott' und 'Heiliges' (z.B. in der jüdischen, dann in der jüdisch-christlichen, und dann noch in der jüdisch-christlich-islamischen Tradition) eine gewaltige Aufgabe ist, die kein Mensch alleine leisten kann, sondern sehr vieler Menschen bedarf, die zudem vermutlich über mehrere Generationen hinweg solch einen Reflexionsprozess leisten müssten.

Ich persönlich sehe zwischen dem Kern eines jüdisch-christlichen (vermutlich auch jüdisch-christlichen-islamischen) Gottesbegriffs und dem Ansatz von Kauffman keinerlei Gegensatz. Aber ich bin Theologe, Philosoph und Wissenschaftler und habe mich mehrere Jahrzehnte mit diesen Fragen beschäftigt. Für jemanden, der diese Gelegenheit nicht hatte, ist diese Fragestellung möglicherweise eher 'undurchdringlich' und von daher kaum entscheidbar.

UND SONST

Diese wenigen Gedanken können die Breite und Tiefe, die Vielfalt der Gedanken von Kauffman in seinem Buch nicht einmal annähernd wiedergeben. Wer sich also von den hier angeschnittenen Themen angesprochen fühlt, sollte dieses Buch unbedingt selber lesen. Allerdings sage ich ganz offen: das Buch ist hart zu lesen, z.T. wegen des spezifischen Inhalts, z.T. wegen einer nicht ganz straffen Systematik, z.T. wegen vieler Wiederholungen bestimmter Gedanken. Aber ich halte es trotz dieser Schwächen für eine sehr, sehr wichtiges Buch. Mir persönlich hat es eine Menge an Klärungen gebracht. Einiges davon kann man in meinem Blog unter cognitiveagent dot org nachlesen.

Ableton Live 9 Suite
Ableton Live 9 Suite
Wird angeboten von Music-Town
Preis: EUR 639,00

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erste Eindrücke von live 9.0.1, 15. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Ableton Live 9 Suite
Im Oktober 2010 hatte ich meine Eindrücke als ein blutiger Anfänger mit der Version live 8.2.1 in einer kurzen Besprechung festgehalten (siehe dort). Seit kurzem konnte ich mir die Version 9.01 herunterladen. In einem gewissen Sinne bin ich immer noch der 'Amateur' von damals, da ich nur neben meinem normalen Beruf gelegentlich Musik mache. Doch konnte ich seit Okt.2010 mehr als 300 Experimente mit ableton live machen, Experimente im Stile der 'radically unplugged music' (RUM), die alle zu Recordings geführt haben, die jeweils ganz unterschiedliche Eigenschaften 'hörbar' machen. Im folgenden Text kann ich zudem nur einen sehr, sehr groben Eindruck vermitteln, da die Software einen solchen Umfang angenommen hat, den zu beschreiben es eines mitgelieferte Handbuchs bedarf, das immerhin 670 Seiten umfasst.

BENUTZERSICHT

Wie schon bei live 8.x gibt es für den Benutzer zwei grundlegende Einstellungen: die 'Sessionansicht' (ideal für Live-Auftritte) und die 'Arrangementansicht' (ideal für Aufnahmen und Kompositionen).

Die Sessionansicht ähnelt einem großen Mischpult: für jede Klangquelle gibt es eine eigene Spalte, der man beliebige (Software-)Effektgeräte zuordnen kann, um den Sound verändern zu können. Dazu so grundsätzliche Parameter wie die Panorama-Position der Soundquelle für den Hörer (links, rechts, vorne...), sowie Verschaltungen eines Sounds mit beliebig anderen Spuren. Zusätzlich kann eine Spur auch auch fertige Soundtracks (Clips) enthalten, die man stattdessen abspielen kann.

Die Arrangementansicht zeigt die verschiedenen Soundtracks übereinander, wie eine Partitur, aber statt Noten entweder die Wellenform analoger Sounds oder die Midi-Noten. Dadurch hat man die zeitliche Zuordnung zueinander und kann Effekte im Gesamtsound gezielt setzen: neben der Lautstärke kann man alle Parameter einzeln manipulieren, entweder ad hoc oder 'automatisiert', so dass die verschiedenen Effekte 'wie von Geisterhand' während des Abspielens wirksam werden (z.B. wandert eine Klanquelle von links nach rechts, die Lautstärken schwellen an, ein Spezialeffekt poppt auf, usw.). Die Gestaltungsmöglichkeiten sind so groß, dass ich nach mehr als 300 Musikstücken sagen kann, ich konnte bislang nur einen Bruchteil ausprobieren, obgleich ich viel herumexperimentiere.

Was auf den ersten Blick als zwei getrennte Welten erscheinen mag, die Sessionansicht und die Arrangementansicht, beide hängen aber untereinander aufs engste zusammen und man kann auch sehr leicht mit einer Taste hin- und herschalten. So stellt man z.B. seine 'Band' oder sein 'Orchester' in der Sessionansicht zusammen, konfiguriert diese mit Effektgeräten, setzt diverse Parameter. Während der Aufnahme schaltet man dann aber oft in die Arrangementansicht, um den Verlauf des Sounds im Vergleich zu den anderen Sounds zu kontrollieren.

Das Arbeiten in beiden Sichten wurde nach meinem Eindruck deutlich verbessert, wobei die Verbesserungen oft im Detail stecken, die das Leben leichter machen. Die Aufzählungen, die man in der live 9 Produktbeschreibung auf der Webseite von ableton findet, sind sehr zutreffen; ich will sie hier aus Platzgründen nicht alle wiederholen. Aber z.B. schon die Winzigkeit, dass man einen Punkt in den Hüllkurven jetzt durch eine einfache Berührung 'sehen' und setzen kann, ist in der praktischen Arbeit sehr erleichternd.

KOMPOSITION

Meine bevorzugte Nutzung von live ist die Erzeugung von Sounds, früher klassisch 'Komponieren' genannt. Brauchte man früher ein reales Orchester, um ein komplexes Klanggebilde hörbar zu machen, so erlaubt jetzt eine Software wie ableton live die Erzeugung hochkomplexer Sounds an einem Computer (ich habe sowohl einen normalen PC mit Windows 7 wie auch einen Laptop mit Windows 7 64-Bit, 16Gigabyte RAM; ableton erlaubt die Nutzung von zwei Geräten unter einer Lizenz). Natürlich ist die Qualität der softwaregestützten Klänge nicht vergleichbar mit einem realen Orchester (noch nicht?), dafür aber kann man mit diesen Klängen 24h nach Bedarf herumexperimentieren; dazu kann man per Software (nahezu unendlich) viele Klänge erzeugen, die kein Sinfonieorchester erzeugen kann. Die live-Software ist daher einem digitalen Orchester vergleichbar mit tausenden von Instrumenten und nahezu unendlich vielen Effekten, die man in Szene setzen kann.

Hier erweist es sich als deutliche Verbesserung, dass bei der Suche nach Dateien und Klängen der Dateibrowser nun sowohl nach Kategorien und Orten organisiert ist wie auch dann -- in einer neuen zweiten Spalte -- nach deren Inhalten. So kann man z.B. die Kategorie 'Packs' wählen (z.B. 'orchestral Woodwinds'), darin dann 'Sounds' (statt 'samples') un dort dann z.B. 'Concert Flute'. Dann sieht man verschiedene Varianten von Flöten und durch einfaches Anklicken kann an hören, wie jede klingt. Das erleichtert das Finden und Auswählen enorm.

Im Übrigen ist natürlich klar, dass man während der Aufnahme alle anderen Stimmen, die schon da sind, mithören kann. D.h. man kann quasi mit sich selbst Band bzw. Orchester spielen.

LIVEAUFTRITT

Für viele ist ableton live primär ein Werkzeug für Live-Auftritte. Sie nutzen die Sessionansicht um in Echtzeit Clips zu aktivieren, Instrumente einzuspielen, zu mischen, Effekte zu- oder abzuschalten. Die Möglichkeiten sind hier nahezu unbegrenzt (begrenzt nur durch die Größe des Bildschirms bzw. durch die physikalische Größe angeschlossener Geräte). Ich habe dies bislang eher selten gemacht. Doch die Möglichkeiten sind faszinierend. Neben vielen Sounds, Effekten und Clips, die man sich vorher in einer bestimmten Sessionansicht bereitstellen kann, kann man auch während der Performance beliebig Dateien austauschen, neu laden, präparieren, ohne dass dies die Performance irgendwie stört. Man kann die Sessionansicht auch nutzen, um bestimmte Instrumente (z.B. Drums) im Hintergrund zu simulieren, als Background, und gleichzeitig spielt man selbst ein Instrument oder singt.

HARDWARE/ CONTROLLER

Im Kontext von Live-Auftritten können sogenannte 'Controller' eine zentrale Rolle spielen. Zwar kann man auch nur mit seinem Laptop einen Liveauftritt steuern, aber Tastatur und Mause kommen dann doch irgendwann an ihre Grenzen, vor allem dann, wenn man mehrere Parameter gleichzeitig verändern will. Hier haben sich verschiedene Geräte etabliert, bei denen man über die Buttons, Schieber, Schalter usw. die ableton live Software direkt manipulieren kann ohne Nutzung der Tastatur oder der Maus. Ich habe gelegentlich den Controller AKAI MPK49 benutzt. Durch einfaches Klicken auf die Elemente in der Sessionansicht kann man diese mit einem Regler des Controller verknüpfen. Danach kann man bei Aufnahmen eines Sounds per Controller diesen in vielen Eigenschaften dynamisch verändern. Der Controller wird damit gleichsam zu einem neuen Instrument.

In der Regel benutzt man auch noch ein Mischpult (Mixer), um unterschiedlichste Klangquellen physikalisch mit dem Computer zu verbinden (ich benutze z.B. einen alten Macky Onyx Mixer mit Firewire Schnittstelle, 96Khz Sampling Rate). live erkennt alle Eingänge des Mixers (über einen ASIO-Treiber) und man kann in der Sessionsicht den verschiedenen Instrumenten des Mixers beliebige Tracks in der Sessionansicht zuordnen.

VIDEO

Für alle, die Videos produzieren, ist die live Software auch interessant. In der Regel sind die Soundverarbeitungsmöglichkeiten von Videosoftware begrenzt. Speziell das Problem der Synchronisation von Bild und Ton bereitet bei längeren Stücken oft große, wenn nicht gar unüberwindlich Probleme. live 9 bietet (wie auch schon live 8) die Möglichkeit, Videos im .mov-Format (Quick-Time-Format) als Datei durch einfaches 'Hereinziehen' in eine Spur zu laden (als ob es eine Audiodatei wäre). Dort kann man dann diese Spur mit beliebig vielen anderen Spuren kombinieren und sehr exakt 'vertonen'. Der Originalsound des Videos kann wie eine normale Soundspur beliebig ausgeblendet, eingeblendet oder bearbeitet werden (habe damit bislang vier erfolgreich Videos bearbeitet).

VIDEO-KRITIK

Im Gegensatz zu live 8.x muss man bei live 9.0.1 noch zwei externe (kostenlose) Programme von Dritten installieren, damit die Übernahme in eine Spur funktioniert. Tut man dies, funktioniert es tadellos (habe es getestet). Aber die Hinweise auf diese beiden Programme sind spärlich. Ganz zu Beginn hatte ich den Hinweis darauf irgendwo auf einer Webseite gelesen und mir die Programme heruntergeladen. Als ich später nochmals nachschauen wollte, habe ich diesen Hinweis nicht mehr gefunden, trotz diverser Suchen. Auch in den live-Foren wurde ich nicht fündig. Das ist dringend verbesserungsfähig.

HILFE, SUPPORT, FOREN

Hat man ein Problem, gibt es exzellente Unterstützung in mehrfacher Form. Einmal kann man bei Bedarf eine Hilfeansicht aktivieren. Dann wird einem jedes angeklickte Element in einem Hilfefenster beschrieben. Zusätzlich gibt es zu allen wichtigen Themen jeweils 'Kurse', in denen schrittweise erklärt wird, wie man es machen kann. Diese Kurse sind einfach exzellent: Klare Texte führen durch das Problem, dazu gibt es meist zahlreiche Abbildungen, und durch direkte Bezugnahme auf die live Umgebung kann man Schritt für Schritt alles direkt ausprobieren. Folgt man solchen Kursen, dann öffnet sich so langsam der wirklich unglaublich vielseitige Raum der Möglichkeiten, aus den bestehenden Geräten und Effekten immer komplexere Geräte über sogenannte 'Racks' zusammen zu bauen. Für Details bitte selber anhand der kostenlosen 30-Tage-Version ausprobieren. Natürlich gibt es auch noch zusätzlich viele Hilfe-Videos und ganze Demo-Settings, in denen man studieren kann, wie andere einen bestimmten Sound erzeugen. Diese Demo-Versionen sind extrem lehrreich.
Die wenigen Male wo ich in der Vergangenheit per Email oder per Telefon direkt Support angefragt hatte war dieser schnell, zuverlässig und freundlich.

MAX4LIVE

Man sollte auch noch erwähnen, dass Max4Live in der 64-Bit-Version von live 9.0.1 jetzt auch tadellos läuft (bei der 64-Bit Version von 8.x gab lief Max4Live noch nicht). Für Freunde von Max4Live ist dies sicher eine gute Nachricht. Auch hier ist die Dokumentation exzellent.

ANALOG ZU MIDI

Mit der Umwandlung von (analogen) Wellenformen in Midi-Noten bietet live 9.0.1 ein wirklich interessantes neues Feature an: Bisher kennt man die Software 'melodyne' von der Firma celemony, die Wellenformen in notenähnliche Einheiten übersetzt, de man dann editieren kann. Die neuen Funktionen von live 9.0.1, wo man analoge Aufnahmen von einzelnen Melodien, Harmonien oder Schlagzeugen in Midi-Noten umsetzen kann, ähneln diesem Konzept stark, allerdings haben wir bei live 9.x direkt Midi-Noten, die sich direkt für alle Midi-geräte und Effekte nutzen lassen. Erste kleinere Tests waren recht zufriedenstellend. Ich finde die live Idee besser (man kann auch live zusammen mit melodyne benutzen; live aktiviert in diesem Fall melodyne. nach meiner Erfahrung ist dies aber insgesamt ein bsichen umständlich und es führt immer wieder zu Problemen (von mir getestet mit der 64-Bit Version von 8.x).

SOFTWARE DER MEISTERKLASSE

Jemanden, der nur an Musik interessiert ist, interessiert sich nicht unbedingt auch für die Software selbst; er will sie halt nutzen. Für jemanden, der aber etwas von Programmierung versteht, von Softwareengineering, von Echtzeitsystemen, usw. (was man Hauptjob ist), für den ist die live Software als solche mit ihren exzellentem Interface, der unglaublich flexiblen Modulstruktur, mit den sehr reflektierten Architekturkonzepten (im Handbuch hinten etwas beschrieben), mit den exzellent integrierten Hilfestrukturen, den automatisierten Updates usw. rundum ein Meisterwerk. Jeder, der auch nur ansatzweise versucht hat, ein Softwareprojekt durchzuführen, was auch nur einen Teil von dem umfasst, was die ableton-Software mittlerweile integriert hat, der weiß, welch ungeheurer Teamleistung es bedarf, um solch eine Software in dieser Perfektion zu erstellen, zu warten, konsistent weiter zu entwickeln. Das ist absolute Spitzenklasse, und das zu einem Preis, der als Zahl hoch ist, bezogen auf die damit gebotene Leistung aber mehr als fair ist. Wenn es einen Preis für exzellentes Softwareengineering gäbe, das ableton Team wäre ein sehr guter Kandidat

ABSCHLIESSEND

Mein Eindruck nach einigen intensiven Tests ist, dass live 9.0.1 eine deutliche Verbesserung darstellt, nicht nur in der direkten Nutzung, sondern auch bzgl. verfügbarer Instrumente, Bibliotheken und Qualität. Für mich kann ich sagen, dass die live Software meine Beziehung zur Musik nicht einfach nur 'beeinflusst' hat, sie hat sie grundlegend revolutioniert. Aber das wäre ein eigenes Thema.

Thunderstorm (Dancing Ahead Of) - Single
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Preis: EUR 0,99

5.0 von 5 Sternen Ziemlich anders als sonst...., 12. März 2013
MUSIKSTIL SCHWER EINZUORDNEN

OK, diese Musik passt nicht so richtig in keine der bekannten Kategorien.

Sie enthält stark naturalistische Klänge – ein richtiger Sturm, so denkt man sich as zumindest – und elektronische Anteile: ein Keyboard, einige Drums, dazu bass-ähnliche Laute. Das Ganze dann in einer neuen symbiotischen Einheit, quasi eine Art 'Dialog' zwischen Sturm und Instrumenten, speziell mit dem Keyboard. Eine hochenergetische Atmosphäre.

BEFRAGUNG VON CAGENTARTIST

Befragt über facebook erklärte cagentArtist, dass das Stück schon im Jahr 2010 entstanden sei, im Hochsommer, als es spätnachmittags einen schweren Sturm gab. Spontan habe er den Sound aufgenommen und später dann versucht, dazu etwas zu spielen. Das Ergebnis ist das, was man hört.

RADICALLY UNPLUGGED

Vielleicht ist auch noch wichtig zu wissen, dass cagentArtist Wert darauf legt, dass dieses Stück aus einem großen Zyklus von mittlerweile mehr als 400 musikalischen Experimenten stammt, die er nach der RUM-Methode durchführt ('RUM' steht für 'Radically Unplugged Music'). Damit ist gemeint, dass man nicht nach Noten spielt, das man vorher nicht probt, dass keine der beteiligten Stimmen weiss, was die andere als nächstes tun wird. Damit ist es möglich, dass Personen sich am Experiment beteiligen, die als ‘unmusikalisch’ gelten, die keine Noten lesen können, ja, die nicht einmal ein Instrument spielen können. Das klingt nach einem interessanten Ansatz.

KAUFEN ODER NICHT KAUFEN?

Totale Geschmackssache. Bin sicher dass es genügend Leute gibt, die dieser Musik nichts abgewinnen können, andere werden begeistert sein. Ich war neugierig. Die fünf Sterne stehen für den Mut, mal etwas anderes zu wagen. Die Tonqualität könnte besser sein

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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Im Auge des Betrachters spiegelt sich die Seele..., 3. Februar 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
ZUFÄLLIGER EINSTIEG

Zum Film Avatar wurde schon unendlich viel geschrieben, angemerkt, kritisiert, begeistert gelobt, getobt, kühl berichtet, einfach nur hingehaucht ... was soll man also noch schreiben? Natürlich muss man gar nichts schreiben. Ich schreibe hier, weil ich gestern (2.Febr.2013) eher zufällig zu einem Fernseher, der 3D-fähig ist 7 Monate nach Kauf endlich mal zwei 3D-Brille gekauft habe (beim Kauf des Fernsehers damals kostete eine Brille noch über 130 Euro, mittlerweile gibt es sehr gute für 20 Euro...). Und quasi als 'Demo' hatte ich mir 'Ice Age 3' mitgenommen (Spass für Gross und Klein sozusagen). Was soll ich sagen, alles funktionierte perfekt und war so eindrücklich, dass ich mich daran erinnerte vor langer Zeit mal 'Avatar' in einer 2D-Version gesehen zu haben. Obgleich nicht gerade billig beschloss ich spontan, mir 'Avatar' in der 3D-Fassung anzuschauen. Das Erlebnis war durchschlagend. Selbst meine Frau, eher abneigend bei allem was in Richtung Science-Fiction geht, war gefesselt und begeistert.

AVATAR - ERSTE KONTUREN

Soweit so gut. Natürlich hat der Film 'Avatar' auch eine Geschichte. Wie viele schon treffen bemerkt haben, enthält der Plot viele Elemente, denen man so oder so schon in anderen Filmen oder Stories begegnet ist und die Story 'Gieriges Geld versucht sich alles zu nehmen, auch auf Kosten unseliger Zerstörungen', bzw. 'Frau verliebt sich in Mann (und umgekehrt)' gehört ja nun nicht unbedingt zu den überraschenden Elementen eines Films.

Weniger verbreitet, wenngleich auch nicht ganz neu, ist die Sicht auf die Natur als quasi 'beseelt' und das intime Verhältnis der Menschen von Pandora zu eben dieser. Die ohne Zweifel betörend-berauschenden Bilder des Films zu, über, und in dieser Welt von Pandora gehören sicher zum Besten, was Computeranimierte Filme bislang zustande gebracht haben (dass es dafür keinen Oskar gab sagt viel über die Qualität des Oskar-Nominierungs-Gremiums...)(... und es ist ja nicht nur die Computertechnik als solche, die letztlich die Bilder buchstäblich 'berechnet', sondern die Schar der überaus begnadeten kreativen Menschen 'dahinter', die sich dies alles ausgedacht und entsprechend bildnerisch (und musikalisch) umgesetzt haben).

AVATAR - HIER BEGINNT ES ZU KNISTERN

Und hier beginnt es langsam zu knistern: auch wenn viele Elemente des Films 'geborgt' erscheinen mögen, auch wenn die großen Linien der Geschichte bei distanzierter Betrachtung so 'simpel' erzählt werden können, es gelingt Cameron und seinen vielen exzellenten Mitwirkenden daraus eine dichte Atmosphäre zu schaffen, ein mitfühlendes Sehen, Emotionen weckend, Einsichten wachsen zu lassen, einfach nur durch das 'Dabeisein' in einem Geschehen, dessen Mischung aus Dummheit, Gier und instrumentalisierter Intelligenz auf der einen Seite (die militarisierten 'Ausbeuter' der Rohstoffe) und die -- zumindest so dargestellte -- tiefere Weisheit der intim mit der Natur verbundenen Pandora-Menschen auf der anderen.

IRREFÜHRENDE ÜBERHÖHUNGEN?

Natürlich kann man hier Fragen stellen; natürlich kann man in Zweifel ziehen ob dies nicht auf eine 'mystische Überhöhung' der Natur hinausläuft, die genau das, was sie erreichen will, nämlich ein tieferes, ehrfurchtsvolleres Verständnis von Natur, durch diese idealisierende Erhöhung so verzerrt, dass es gerade nicht zum Ziel eines verantwortungsvolleren Umgangs mit Natur führt. Und zugleich kann diese idealisierende Überhöhung der Natur auf der einen Seite zu einer ebenso verzerrten Wahrnehmung von Technologie führen; als ob Technologie nur lebensfeindlich sei, zerstörerisch, zu verachten.

IM AUGE DES BETRACHTERS ...

Letztlich kann man alles missverstehen. Im Auge des Betrachters liegt die Wahrheit, zeigt sich die Seele. Die Geste eines Menschen, mir gegenüber, kann in meinen Augen zur Aggression oder zur Zuneigung werden, bevor 'der Andere' tatsächlich irgend etwas gemacht hat. Das Objekt der Erkenntnis ist zu einem hohen Grad das, was wir selber dort hineinlegen, hineinprojizieren.

MEINE SICHT DES AVATARS

In diesem Sinne kann man die Story -- wenn man will -- so oder so lesen.

Ich persönlich empfinde die stark-positive Sicht des Films auf die 'Beseeltheit der Natur' als nicht abwegig, sondern treffend; treffender, als die meisten möglicherweise bereit sind, zuzugestehen. Ich möchte mich damit nicht einreihen in die Schar der Naturmystiker, die in Schamanismus und ähnlichen Formen die wahre Form des Mensch-Natur-Verhältnisses sehen. Ich sehe vielmehr die allerneuesten Erkenntnisse der Naturwissenschaften zur Struktur der Materie, zur Struktur und Entwicklung des Universums, zur unglaublichen Geschichte des Lebens auf dem Planeten Erde; in den letzten 10, 20, 30 Jahren konnten wir unglaublich viel dazu lernen, was Leben ist, dass die klassischen Materiebegriffe so nicht mehr funktionieren, dass alles, was wir bislang 'naiv' als 'Geistiges' dem 'Materiellen' gegenüber gesetzt haben, in einem absolut radikalen Sinn nichts anderes ist als Eigenschaften eben dieser Materie. Vor diesem neuen naturwissenschaftlichen Bild der Wirklichkeit nimmt sich Camerons 'naturmystische Vision' dann keinesfalls 'übertrieben' aus; möglicherweise ist es sogar noch eine Untertreibung (wobei ich nicht unterstellen möchte, dass Cameron und sein Team sich dieses Sachverhaltes bewusst waren...).

EINZIGE KRITIK

Die einzige Kritik die ich daher an diesen atemberaubend-betörenden Bildern des Films in diesem Punkt hätte, wäre dann genau diese, dass der Brückenschlag von der 'Intuition' in die unfassbar komplexen Zusammenhänge der 'geistigen Materie' mit den konkreten Ausprägungen des menschlichen Lebens in diesen Bildern -- im Auge des Betrachters -- 'verstellt' werden könnte. Umso mehr, als die negative Sicht der Technologie genau jenen Erkenntniskanal in ein tiefschwarzes Licht taucht, der bislang der einzige Modus ist, in dem wir als Menschen uns den Geheimnissen der Natur und unserer selbst nähern konnten.

AMBIVALENTE TECHNIK

Allerdings enthält der Film hier eine weitere Besonderheit: die Technik erscheint dem Zuschauer in genau der Doppelfunktion, mit der sie uns täglich quält und doch auch verzaubert: in Gestalt der agierenden Wissenschaftler wird uns vorgelebt, wie Menschen mit den Mitteln von Technik das Auge des Betrachters öffnen können für die verborgenen Eigenschaften und Schönheiten der umgeben Welt, erschließt ein Verständnis für fremde Lebensformen, und diese Erkenntnisse verändern das eigene Fühlen und Handeln, bis hin zum Einsatz auf Leben und Tod. Denn in der Tat, ein verändertes Sehen kann in uns ein verändertes Verstehen erstehen lassen, das uns selbst so verändert, das wir andere ('bessere'?) Menschen werden können, und das veränderte Verstehen verändert unser Sehen... Zugleich erleben wir, wie andere Menschen (rein 'Gewinngetrieben', im schlechten Sinne technokratisch und militaristisch) die Technik dazu missbrauchen, andere Kulturen, andere Lebensformen mit 'blinden Augen' einfach zu zerstören. Die Bilder gewinnen ihre bedrückende Kraft von dem Wissen aller Zuschauer, dass wir als Menschen zu solch blindwütiger Zerstörung nicht nur theoretisch fähig sind, sondern im Laufe der Geschichte unendlich oft bewiesen haben, dass wir genau dies tatsächlich tun. Wir sind so. Und selbst im Moment, wo ich diese Zeilen schreibe, tun Menschen genau dieses an vielen Orten dieser Welt.

AVATAR ALS MEDIUM FÜR

Wer sich also auf diesen Film einlässt und sich nicht von der scheinbaren Klischeehaftigkeit irritieren und ablenken lässt, für den kann dieser Film neben den betörenden Bildern (und einem gleichfalls großartigen Soundtrack) zu einem Medium für ein inneres Zwiegespräch werden, zu einem Zwiegespräch zwischen der eigenen Seele und den Dimensionen der umgebenden Welt. Vielleicht entdeckt er/sie dann sogar, dass Pandora nicht weit weg im Universum liegt, sondern mitten unter uns ist. In einem sehr tiefen Sinne sind wir selbst Pandora, zugleich sind wir selbst diese zerstörerischen geldgierig-blinden Technokraten. Davon befreien können wir uns aber erst, wenn wir erkennen, dass wir genau so sind, aber nicht so sein müssen.

Damit schließe ich. Noch viel mehr wäre zu sagen, aber für diese Rezension sprengt es schon das übliche Format.

Legacy
Legacy
Preis: EUR 7,81

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen DIE MUSIK IN DIE HERZEN TRAGEN, 24. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Legacy (Audio CD)
David Garrett - Legacy, 2011

ERTAPPT- SCHON DIE ZWEITE CD

Nachdem ich mich bis vor wenigen Wochen überhaupt nicht für David Garrett interessiert hatte ist dies nun schon die zweite CD die ich von im mehrfach gehört habe und zu der ich mich hier kurz äußere. Meine erste Begegnung war in einem Konzert im November 2012 in Frankfurt, zu dem es die CD 'Music' gibt (siehe auch meine Besprechung dazu http://www.amazon.de/gp/cdp/member-reviews/A1D6994DSB8K4M/ref=cm_cr_pr_auth_rev?ie=UTF8&sort_by=MostRecentReview). Ich hatte für dieses Konzert meiner Frau Konzertkarten aus einem besonderen Anlass geschenkt, obgleich ich selber der Person und der Musik von David Garrett eher reserviert gegenüber stand. Aber ich muss gestehen, David Garrett kommt sehr gut 'rüber'; er 'fasziniert'. Sein Cross-Over-Auftritt ist eine Mischung aus Elementen, die sich nicht einfach in eine schon bekannte Rubrik einordnen lassen, wenngleich sich viele Vergleiche nahelegen. Trotz aller scheinbarer Einfachheit und Eingängigkeit ist diese Musik von einer musikalischen Intelligenz durchtränkt und geprägt, wird sie in einer musikalischen Virtuosität dargeboten, die ihresgleichen sucht. Es entstand in mir die Frage, wie 'kann' David Garrett Klassik?

ICH WOLLTE ES WISSEN

Ich habe wenig Zeit, mich mit Musik zu beschäftigen. Es war meine Frau, die die CD 'Legacy' in einem Laden entdeckte und mitbrachte. Ein wunderbares Erlebnis. Zwischenzeitlich hatte ich viele Meinungen gehört und gelesen über Garrett, der angeblich sein Talent 'verraten' hätte indem er sich der Crossover Musik zugewandt hätte. War es so? War Garrett ein musikalischer Verräter (für Leute, die David Garrett kennen, natürlich eine absurde Idee, aber für Leute wie mich, die David Garrett nicht kennen, kann dies eine ernsthafte Frage sein).

BEETHOVENS VIOLINENKONZERT

Die ersten drei Tracks auf der CD Legacy sind dem Violinenkonzerrt von Beethoven gewidmet. Ich habe schon viele Versionen dieses Konzerts gehört: mit David Oistrach, Jehudi Menuhin, Itzhak Perlman, u.a. Von diesem Konzert habe ich auch die Noten. David Garrett spielt dieses Konzert in unglaublicher Präzision und zugleich Leichtigkeit, mit einer Intensität, mit einer Inspiration, die schlicht bezaubert und begeistert. Wer hier Kritik übt, der muss sich fragen lassen, ob er über das Spiel von Garrett schreibt oder über irgendwelche möglichen Einbildungen, die natürlich immer möglich sind; letztere sind dann aber nicht sehr hilfreich.
Ganz besonders bestechen auch die Kadenzen, die an Kreisler orientiert sind, wie Garrett es im Begleitheft auch beschreibt.

GARRETT EXTENSIONS

Die Tracks 4-10 sind Kompositionen von Kreisler gewidmet, einem Violinenspieler und Komponisten, den Garrett sehr verehrt (siehe den Text in seinem Begleitheft). Die Noten zu diesen Stücken habe ich nicht, aber Garrett spielt hier weiter mit großer Präzision und schwindelerregenden Leichtigkeit; obwohl ich eigentlich alle Musikrichtungen höre, insbesondere auch sehr experimentelle Musik (und auch selber experimentelle Musik produziere), hat die Spielweise von David Garrett in mir die Lust am Hören klassischer Violinenmusik neu entfacht. Zwischendrin habe ich die Violinenkonzerte von Mozart mehrfach gehört (immer beim Autofahren...!), aber die Garrett-ausgewählten Stücke auf der CD verstrahlen eine Atmosphäre, die weit über den internen Zauber der Musik selbst hinausgehen. Irgendwie 'hat er es'. Warum soll man das nicht zugeben?

MAN HÖRT HIN

Natürlich fragt man sich unwillkürlich, was es ist, was Garretts Musik so speziell macht, dieser sich fast populär einschmiegende Klang, der doch nicht einfach platt und vulgär daherkommt, sondern frech, witzig, intelligent, hochprofessionell dargeboten? Ich weiß nicht, ob es dazu eine Antwort gibt, möglicherweise nicht eine einzige. Mein persönlicher Eindruck ist der, dass hier jemand versucht, selbst betroffen und getragen von der Musik, diese Musik seines Herzens in die Herzen der anderen Menschen zu tragen, ohne Mühen zu scheuen, mit dem Mut, viele gewohnten Muster zu durchbrechen, weil die Musik selbst über diesen Mustern steht; weil die Musik selbst universeller und 'freier', 'frecher' ist als es die gesellschaftlichen Gewohnheiten eines etablierten Musikgeschäfts erlauben (ein Phänomen, was wir ja auch in vielen anderen Bereichen ganz ähnlich erleben können). Sollten diese Vermutungen über Garretts Motive zutreffen, dann ist er wirklich ein Glücksfall für unsere Zeit und man kann nur hoffen, dass er sich die dazu nötige persönliche und musikalische Integrität möglichst lange bewahren kann.

KLANG

Der außerordentlich klare und intensive Klang hat natürlich -- trotz aller Virtuosität auf Seiten Garretts -- auch mit seinem Instrument zu tun. Er spielt auf einer Violine, die über einen außerordentlichen Klangumfang verfügt. Ein schlechter Violinenklang lässt sich bislang noch nicht rein elektronisch bzw. 'digital' so aufbessern, dass es perfekt klingt, wenn es nicht perfekt ist. Und Garrett weiss dies sehr wohl. Deswegen ist eine Violine für einen Künstler wie ihn niemals nur ein 'Stück Holz'. ..

Music
Music
Preis: EUR 8,85

26 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen MEHR ALS EIN COVER BOY..., 15. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Music (Audio CD)
wenn man die CD von einem Violinenvirtuosen in der Hand hält, der schon schwierige und schwierigste klassische Stücke für die Geige überzeugend gespielt hat, dann denkt man normalerweise nicht gerade an einen Cover Boy, der mit seinem nackten Oberkörper in Heldenpose die Hülle einer CD augenfällig ziert. In Zeiten umfassenden Instrumentalisierung von Erotik zum Zwecke der totalen Vermarktung ist dies aber möglich. Alle Frauen in meiner Umgebung, die ich dazu befragen konnte, finden den 'Typ da auf der Hülle' schon recht 'schnuckelig', oder ähnlich....negativ berührt war niemand.

Sagt das überaus sinnlich und romantisch-impressionistisch getrimmte Cover etwas über die Musik aus, die sich darin verbirgt?

ÜBER GESCHMACK

lässt sich ja bekanntlich trefflich streiten. Von daher versuche ich hier gar nicht, irgendwelchen 'objektiven' Kriterien zu bemühen. Das folgende sind meine ganz persönlichen Eindrücke; jeder wird hier seine eigenen Eindrücke und Bewertungen haben. Aber vielleicht regt es den einen oder die andere an.

BETÖRENDER KLANG

Vorweg für alle, die mit Violine/ Geige kratzende, nervige Geräusche verbinden (alle Geigen, auf denen ich spielen konnte, hatten diese Eigenschaft, und zerstören damit auf Dauer jegliche Lust, es weiter zu probieren; ich bin also ein Geigentongschädigter...) kann ich versichern, solche abnervenenden Töne findet man auf dieser CD nicht. Garrett hat ein Instrument, das einen unglaublichen warmen, einschmiegsamen Klang abgibt, der mit einer großen Leichtigkeit durch den Raum zu schweben scheint und der zugleich stark, und intensiv ist. Und dies, obwohl der Klang durch Mikrophone und digitalen Klangverarbeitungsroutinen hindurch laufen muss, bis er unser Ohr erreicht.

BEKANNT UND DOCH ANDERS

Die CD enthält ausschließlich Stücke, die man irgendwann schon mal mindestens einmal gehört hat, d.h. die Melodien sind einem irgendwie vertraut. Aber Garrett versteht es (zumindest kam dies im Live Konzert so rüber, dass er es im Wesentlichen war) , Bekanntes auf seine Weiser zu 'veredeln' (sagen wir es mal positiv). Alle Stücke sind neu arrangiert und -- wen wundert das -- speziell auf eine tragende Rolle der Violine/ Geige hin 'designed'. Bevor ich seine Version jeweils gehört hatte, habe ich mich immer gefragt, wie er dann da wohl seine Geige/ Violine zum Einsatz bringen will. Aber, siehe da, er schafft es, und er schafft es nicht 'einfach' so, sondern mit einem großen Musikgefühl, wo dann alles stimmig erscheint: die Klangfarben, die Rhythmen, die Melodieführungen, ein neues garrett-typisches Klangereignis.
Natürlich scheiden sich hier die Geister. Wer in seinem Hören auf bestimmte Musikmuster wie 'Klassik', 'Pop', 'Rock', 'Jazz' usw fest abonniert ist, der wird in Garretts Klangwelt schon ein bischen hin und hergeschüttelt. Von allem kommt etwas vor, verpackt in sehr melodieträchtige Versionen, kurz vor dem Absturz in allgemeine Volksmusik, durchtränkt von einer überlegenen Musikintelligenz, die alles zusammenhält, hinreichend frech, dass es nicht platt wird, aber doch so weichgespült, dass der 'normale' Musikhörer (gibt es den überhaupt?) an keiner stelle in Panik geraten muss.

SPIELTECHNIK

Von einem Geigenspieler auf internationalem Niveau erwartet man natürlich, dass er alle Techniken perfekt beherrscht. Doch der Automatismus, der in solchen Erwartungen steckt, ist gefährlich. Er kann einen Blind dafür machen, dass es trotz allem und immer wieder nicht selbstverständlich ist, dass jemand auf so hohem Niveau spielen kann. Garrett kann es; das ist wohltuend für die Ohren der Zuhörer. Er streicht nicht nur mit seinem Bogen über die Saiten, nein, er wirft den Bogen kunstvoll (Arpeggio), nutzt Doppeltöne (und mehr), er zupft (Pizzicato) und er schlägt die Saiten wie beim Lautenspiel. Diese Vielfalt kommt kommt ganz leicht daher, selbstverständlich, und kann trügen: diese scheinbare Leichtigkeit setzt ein sehr hohes technisches Können voraus und eine entsprechende innere Lockerheit und Konzentration. Alle diese Techniken sind dem Gesamtklang untergeordnet: nichts passiert einfach so; jede Technik trägt auf ihre Weise die Melodie und Klangfarbe, den Gesamtausdruck.

TONTECHNIK

Wer nur die CD hört, dem fällt es nicht so auf, aber wer auch in einem seiner Live Konzerte war, der konnte erleben, wie hervorragend die Tontechnik (und Live zusätzlich die Videotechnik!) war und ist. Was die Tontechniker da unter schwierigsten Bedingungen an Tonqualität herbeizaubern, das ist sehr beeindruckend, dazu mit einem sensiblen Soloinstrument, was samt Spieler viel in Bewegung ist. Große Hochachtung vor diesem Team!

KRITIK

Sieht man von Geschmacksfragen ab, die jeder für sich entscheiden muss, habe ich keine wirkliche Kritik. Zwei Punkte sind mir aber aufgefallen: (i) Bei dem Stück Nr.13 'We will Rock You' taucht an manchen Passagen neben der Solovioline noch eine Sologitarre auf, allerdings so, dass die Gitarre hier den Violinenton beeinflusst, einfärbt, so dass im Gesamtergebnis der Klang 'unschön' ist. Weniger wäre hier vielleicht mehr gewesen. (ii) Im Live Konzert gab es ein paar sehr schöne Stücke, die nicht auf der CD sind, ist schade (wenn auch verständlich); (iii) im Life Konzert spielte die Neue Frankfurter Philharmonie und hat nach meinem Verständnis einen tollen Job gemacht. Auf der CD wird dieses Orchester nirgends erwähnt. Finde ich irritierend.

KAUFEN ODER NICHT KAUFEN?

Diese Frage musste ich mir nicht stellen, da ich diese CD von meiner Frau geschenkt bekommen habe (der ich wiederum aus sehr besonderem Anlass Karten für das Garrett-Konzert geschenkt hatte). Wenn man aber bedenkt, dass ich 'offiziell' gegen 'Weichspülmusik' bin, in der alle Spannungen peinlichst herausgenommen wird und man direkt und überall massiv nur auf die elementaren Musikinstinkte abzielt, dann kann die Tatsache, dass ich die CD jetzt schon ein paar Tage lang immer wieder gehört habe, ein leichtes Indiz sein, dass es Spaß machen kann, diese CD zu hören.

Das fünfte Wunder. Auf der Suche nach dem Ursprung des Lebens
Das fünfte Wunder. Auf der Suche nach dem Ursprung des Lebens
von Paul Davies
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 15 Jahre später: Immer noch faszinierend, 4. September 2012
ANFANGEN

Nachdem ich schon mehrere Bücher zur Astrobiologie gelesen hatte, stiess ich dann natürlich auch auf das Buch von Paul Davies. Der Titel 'Das fünfte Wunder' hatte mich lange Zeit davon abgelenkt, den wahren Inhalt zu erkennen: 'Auf der Suche nach dem Ursprung und der Bedeutung des Lebens'.

ZUSAMMENFASSUNG

Ich werde an dieser Stelle nun keine ausführlichen Inhaltsangaben liefern, sondern nur mein persönliches Resümee dieses Buches geben.

IMMER NOCH FASZINIEREND

Obwohl die Forschung seit dem Erscheinen des Buches von Davies im Detail manche neue Erkenntnisse gewinnen konnte (z.B. ist die Diskussion zum Stammbaum fortgeschritten in einer Weise, dass weder die absolute Datierung noch die genauen Abhängigkeiten aufgrund von Genaustausch zwischen den Arten weiterhin zweifelsfrei ist), ist die Gesamtschau, die Davies bietet, immer noch atemberaubend und sehr außergewöhnlich. Über die vielen Details der Astrobiologie hinaus bringt Davies viele theoretische Konzepte ins Spiel – 'Information', 'Selbstorganisation', 'Komplexitätstheorie', 'Algorithmische Berechenbarkeit', ''Quantentheorie', 'Gravitation', 'Thermodynamik' (und mehr) --, die für sich genommen nicht neu sind, aber die in dem Zusammenhang der Emergenz des Lebens ein neues Licht auf das Ganze werfen. Man erahnt viele neue Möglichkeiten, wie man die vielfältigen Lebensphänomene neu interpretieren könnte, zugleich bleibt Davies sehr kritisch und benennt immer auch die vielen offenen Fragen.

WIE GEHT ES WEITER?

Davies selber ist unschlüssig am Ende des Buches, wie man all diese verschiedenen Facetten letztlich 'zusammenbringen' kann. Als Leser hat man den Eindruck, dass da unterschiedliche Konzepte im Raum stehen, die alle auf ihre Weise 'wahr' sind, aber was fehlt das ist ein 'Schlüssel', der sie alle in der richtigen Weise 'interagieren' lässt. Dies ist faszinierend und herausfordernd zugleich. Ich persönlich glaube, dass die Beobachtung von Davies, dass die emergierenden Strukturen jenseits der einzelnen Teile eine logische Struktur zeigen, eine Art von 'Information', fundamental ist. Zusätzlich gibt es das Faktum, dass die Informationen, die in einem DNA/RNA-Molekül gespeichert werden, vom Format her zufällig erscheinen, vom Inhalt und der Wirkung her aber gerade dem Zufall entgegen wirken. Dieses Faktum muss mit dem vorausgehenden Faktum zusammengebracht werden. Dies erzwingt u.a. eine Revision unseres Materiebegriffs. Irgendetwas haben wir bislang übersehen. Wie ich zudem gerade feststellen konnte, hat Davies mittlerweile zwei weitere Bücher genau zu diesen Themen publiziert. Vielleicht geben sie ein paar zusätzliche Antworten, mit Sicherheit aber weitere neue Fragen. Man wird sehen. Ich habe sie noch nicht gelesen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 5, 2012 4:35 PM MEST


Der große Entwurf: Eine neue Erklärung des Universums
Der große Entwurf: Eine neue Erklärung des Universums
von Stephen Hawking
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

5 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen EIN GROSSER ENTWURF?, 6. Januar 2012
ZENTRALE AUSSAGE

Unsere Welt mit der speziellen kohlenstoffbasierten Lebensformen ist nur möglich, weil das Universum schon in den grundlegenden universellen Gesetzen und Prinzipien für diese Lebensform so optimiert ist (starkes anthropisches Prinzip)(S.154), dass in der bisher stattfindenden Entwicklung tatsächlich jene ungewöhnlichen Prozesse ablaufen und jene Strukturen sich bilden konnten, die diese Lebensform benötigt. Zugleich soll aber auch gelten, dass es etwa 10^500 (S.142) verschieden möglichen Formate gibt, die ein Universum annehmen kann. Zusätzlich soll gelten, dass es zugleich mit unserem Universum andere Universen gibt, die sich 'so sagen es laut den Autoren die besten bislang verfügbaren Theorien ' letztlich 'selbst erschaffen'.(S.177).

(KEINE ) DENKVERBOTE

Die Autoren machen ihre Aussagen innerhalb einer physikalisch verstandenen Theoriebildung, die gleich zu Beginn die Philosophie für tot erklärt (S.11) und die unterschiedlichen Versuche, irgendwo in den Entstehungsprozess des Universums und der Welt einen Schöpfergott einzuführen, als rational unnötig charakterisiert.(z.B. S.163)

ORIGINELL ODER PLAGIAT?

In Zeiten, in denen Minister ihr Amt verlassen mussten, weil sie in ihrer Doktorarbeit nicht sauber kenntlich gemacht hatten, woher sie ihre Texte hatten, wo Studierende ihr Studium gefährden, wenn Sie nicht deutlich machen, welche Texte von ihnen selbst sind und welche von anderen, und wo selbst Gutachter von renommierten wissenschaftlichen Zeitschriften immer größere Mühen haben, die Originalität von Beiträgen angemessen bewerten zu können, ist es mindestens ein sehr schlechter Stil, dass die Autoren auf 177 Textseiten gerade einmal an drei Stellen auf Quellen benutzter Texte nachweisen. ( S.19, S.26 zweimal) Im ganzen übrigen Buch werden zwar häufig Namen genannt und es werden ganz offensichtlich Arbeiten und Ideen von anderen benutzt, ohne aber klar abzugrenzen, was genau von diesen Autoren ist, und was eigene, neue Gedanken sind. Letztlich ist es schwer bis unmöglich, zu sagen, was tatsächlich neu an diesem 'Großen Entwurf' ist. Formal ist es ein einziges Plagiat. Dass in der abschließenden Danksagung keine Kollegen aus der Wissenschaft genannt werden, fällt auf.

WEITERE BEOBACHTUNGEN

Gleich zu Beginn erklären die Autoren (s.o.) die Philosophie für tot (S.11), ohne aber zu erklären oder zu begründen, warum. Als Leser wundert man sich. Warum verbietet man etwas? Noch mehr wundert man sich dann, wenn die Autoren auf vielen Seiten dann faktisch doch philosophische Diskussionen führen (z.B. das ganze Kap.3), in deren Verlauf sehr viele philosophische Begriffe ohne angemessene historische wie auch methodische Einordnung durcheinandergewirbelt werden. Irgendwo dazwischen wird dann ein 'Modellabhängiger Realismus' mit einer Art dogmatischem Paukenschlag einfach als angemessene Lösung zwischen 'Realismus und Antirealismus' eingeführt (vgl. S.44f). Wenn man weiß, welch umfangreiche Diskussionen im 20.Jahrhundert allein zum Thema der angemessenen Form und den Geltungsbedingungen von formalen wissenschaftlichen Modellen und Theorien geführt worden sind (mehr als 1000 wissenschaftliche Publikationen!), dann wundert man sich, dass die Autoren auf diese Diskussion in keinerlei Weise Bezug nehmen, obgleich für sie der modellbasierte Realismus doch solch ein wichtiges methodisches Instrument ist.

LESEN ODER NICHT LESEN?

Wenn die Autoren an den entscheidenden Stellen ein wenig methodisch selbstkritischer wären und sie die vielfältigen interessanten Quellen klarer kenntlich machen würden (und damit auch ihre z.T. eigenwilligen Interpretationen (wenn sie auf S.28 in wenigen Sätzen mit dem Mittelalter eine ganze Epoche disqualifizieren mit Maßstäben, die sich erst viele Jahrhunderte später mühsam herausgebildet haben)), könnte das Buch eine anregende Einführung in eine spannende Thematik sein. So aber bleibt beständig ein unangenehmer Beigeschmack.

Hegel-Lexikon
Hegel-Lexikon
von Paul Cobben
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 79,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hegel für Alle?, 27. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Hegel-Lexikon (Gebundene Ausgabe)
WALD VOR LAUTER BÄUMEN...

Wenn man bedenkt, wie viele große Philosophen die Geschichte bislang hervorgebracht hat, und wie viele Bände die kritischen Werkausgaben der meisten von ihnen mittlerweile umfassen, dann erscheint es fast unmöglich, sich den sich in diesen Schriften verborgenen Inhalten einfach mal so zu nähern. Wer hat schon Zeit sich durch all die vielen Bände durchzuarbeiten? Selbst ein 'Berufsphilosoph' muss angesichts solch einer Fülle klein beigeben und sich auf Ausschnitte beschränken. Nicht wenig erfreut ist man dann, wenn man auf Bücher trifft, die ein großes und schwieriges Feld in einem handlichen -- allerdings nicht gerade billigem -- Format zeitlich und inhaltlich ordnen und so einen wirklichen Einstieg ermöglichen. Für das sehr umfangreiche und in keiner Weise einfache Werk von G.W.F.Hegel (1770-1831) wird solch ein Einstieg mit dem Hegel-Lexikon angeboten.

HEGEL-LEXIKON

Das Herausgebergremium hat in diesem Band insgesamt 47 Autoren von Rang dafür gewinnen können, das Werk von Hegel zu ordnen und zu deuten. Das Besondere an diesem Lexikon ist, dass nicht nur einfach anhand von Schlagworten nach Erklärungen gesucht werden kann, sondern in zwei einführenden Kapiteln werden die Werke Hegels sowohl geordnet nach den großen Themen wie auch in ihrer zeitlichen Entwicklung vorgestellt (einschließlich kleiner Literaturlisten bei jedem Abschnitt). Trotz der Vielzahl der Autoren wirken diese Einführungen relativ konsistent und ergänzen sich auf diese Seite wechselseitig. Der Entwicklungsprozess des hegelschen Denkens wird auf diese Weise ansatzweise sichtbar und eröffnet damit wertvolle Verstehenskontexte. Ein Verzeichnis aller Werke Hegels samt einer Bibliographie schließt das Lexikon ab. Die Texte sind gut lesbar und haben mir sehr geholfen, die Vielzahl der Aspekte von Hegel in einem ersten Analuf einordnen zu können.

WARNUNG

Die gute Lesbarkeit und Verständlichkeit dieser einführenden Texte darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass solch ein erstes Verstehen erst dann zu einem 'vollen' Verständnis wird, wenn man einzelne Texte Hegels direkt gelesen und 'nach-gedacht' hat. Dennoch kann eine Einführung wie die des Hegel-Lexikons unschätzbare Dienste leisten, wenn es darum geht, den großen Zusammenhang in der Fülle der einzeltextlichen Details nicht aus den Augen zu verlieren.

Diese Besprechung ist kein Ort für weiterführende Reflexionen, schon alleine wegen der unendlichen Fülle der bei Hegel einschlägigen Aspekte. Zwei, drei Bemerkungen seien mir aber erlaubt.

PHÄNOMENOLOGIE KEIN GEFÄNGNIS

Mehr als hundert Jahre später hat ja Edmund Husserl nochmals eine Letztbegründung der Philosophie aus einem phänomenologischen Denken heraus versucht (und damit zu einer ganzen Schulbildung beigetragen). Charakteristisch für sein denken ist aber, dass es ihm nicht gelungen ist, im Übergang vom naivem zum reflektierten Bewusstsein eine philosophisches Konzept zu begründen, in dem sich das 'Weltliche' als Teilaspekt der Reflexion so erfassen lässt, dass der denkenden Geist darin in gewisser Weise über sich hinauswachsen kann ohne sich dabei im Nichts zu verlieren. Letzte Bestimmungen und Fragen bleibt zwar auch Hegel im Begriff des 'Absoluten' schuldig, aber die husserlsche Phänomenologie wirkt hier wie ein Rückschritt gegenüber der prozesshaften Phänomenologie Hegels.

ÄTHER ALS ENERGIE?

Ein anderer interessanter Aspekt bei Hegel ist sein Versuch, die Kategorie des absoluten Geistes sehr wohl im Rahmen seiner Naturphilosophie zu verorten. Mit dem Begriff des 'Äthers' als 'absoluter Materie', als 'einfacher absoluter sich auf sich selbst beziehender Geist' (S.140) versucht er die logischen Bestimmungen seiner Philosophie in der realen Welt zu fundieren. Heute würde man anstatt des Begriffs 'Äther' vielleicht das moderne Konzept von 'Energie' anziehen, das gleichbedeutend ist mit Materie als spezieller Zustandsform von Energie. Doch führt eine Erörterung dieser Thematik sehr schnell zum ganzen Komplex der modernen Naturwissenschaften und der Frage der philosophischen Deutung der primär physikalischen Begriffe.

Diese Fragen werden in dem Hegel-Lexikon bestenfalls kurz gestreift. Hier zeigt sich auch eine methodische Grenze des Lexikons: seine Autoren sind allesamt schwerpunktmäßig Philosophen. Eine Vermittlung mit den modernen Wissenschaften -- wie sie Hegel selbst noch versucht hat -- ist kaum ausgeprägt. Allerdings fragt sich, ob eine solche Auseinandersetzung angesichts der Explosion des empirischen Wissens überhaupt noch geleistet werden kann? Wer soll dies können?

TROST VON HEGEL?

Im Zusammenhang der Reflexionen zur Philosophie der Geschichte der Philosophie hatte Hegel auch zu erklären, warum es überhaupt eine 'Geschichte' des philosophischen Denkens geben kann, wenn Philosophie doch eigentlich die 'allgemeinen Wahrheiten' erkennen soll. Seine Antwort pendelte dann um den Topos, dass Philosophie ja letztlich die Entwicklung der Idee ist, die letztlich aus sich systematisch und logisch ist und von daher -- trotz aller historischer Besonderheiten -- hierin und da heraus ihren unauflöslichen Leitfaden besitzt. Natürlich provoziert dies mehr Fragen als Antworten, die z.T. ihre Auflösung in den Texten Hegels finden.

RESULTAT

Ich persönlich empfinde das Hegel-Lexikon als sehr gelungen und überaus hilfreich. Besser geht es kaum.

PowerDirector 10 ULTRA 64
PowerDirector 10 ULTRA 64
Preis: EUR 34,49

17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Viel 'Zubehör', im Kern ein Problem, 14. November 2011
Rezension bezieht sich auf: PowerDirector 10 ULTRA 64 (DVD-ROM)
EINSTEIGER

Irgendwann wollte auch ich mal Bilder mit Sound zusammen bringen um damit einen Beitrag für eine Hochzeit zu gestalten. Zugleich habe ich seit längerem mehrere Projekte im Rahmen der Lehre vor Augen, für die sich solch ein Medium sicher gut eignen würde. Ich begann mit PowerDirector V8 und bin dann auf die aktuelle Version V10 umgestiegen.

EIN PROJEKT

Da der Funktionsumfang des Programms mittlerweile sehr groß ist (man lese sich die entsprechenden Beschreibungen auf der offiziellen Produktseite durch), habe ich mich auf ein konkretes Projekt beschränkt, um ein Gefühl für die Möglichkeiten des Programms zu bekommen. Meine Besprechung ist daher sehr unvollständig. Dennoch konnte ich einige Erfahrungen sammeln, die einem potentiellen Käufer vielleicht helfen, sich zu orientieren.

INSTALLATION OHNE PROBLEME

Die Installation von V8 bzw. dann der Upgrade auf V10 verlief komplett online und ohne Probleme. Ich benutze als Betriebssystem Windows 7 Professional mit 12 GB RAM und einem i7-Prozessor. Abstürze, Hänger oder dergleichen kamen bislang nicht vor.

AUFGABENSTELLUNG

Ich wollte aus einer Anzahl von vorhandenen Bilder eine 'Bildergeschichte' aufbauen, die zusätzlich mit einer Tonspur unterlegt werden sollte.

HILFEN

Erste Überraschung: das Programm enthält direkt keine Hilfetexte. Man muss sich über die Webseite das entsprechende Handbuch im PDF-Format eigens herunterladen. Das geht zwar ohne Probleme, ist aber doch für den Benutzer ein zusätzlicher Aufwand. Hat man dies hinter sich gebracht, dann findet man im Handbuch zwar zu allen möglichen Themen Überschriften und Kurztexte, aber diese sind so knapp, dass man daraus nicht ohne weiteres sofort verstehen kann, wie der Vorgang zu verstehen ist. Ausführliche Beispiele gibt es nicht. An manchen Stellen musste ich dann zudem die Erfahrung machen, dass der Text eine Operation beschreibt, die dann beim realen Programm so nicht funktioniert (z.B. soll man eine Überblendung auch zwischen zwei Bilder auf der Zeitachse platzieren können, so dass dieser Effekt für beide Bilder gleichzeitig gilt. In meiner Version von PD10 wurde der Überblendungseffekt aber immer nur von einem Bild übernommen. Oder man soll explizit Zeitmarken einführen können (was ging), so dass das nächstliegende Bild dann an dieser Zeitmarke einrastet (was nicht ging) ). Es wird auf zusätzliche Videotutorials verwiesen. Die gibt es. Allerdings nur wenige, auf Englisch (mit deutschen verkürztem Untertitel) und in einer Auflösung, mit der es schwer bis unmöglich ist, Details der Prozesse zu erkennen. Man bekommt ein paar hilfreiche Ideen, aber viele Detailfragen bleiben offen. Im Endeffekt habe ich mich mit viel 'Probieren' durch die Aufgabe gekämpft und kam immerhin bis zu einem funktionierenden vertonten Video, allerdings mit einigen Restproblemen.

BILDER OK

Das Einsammeln der verschiedenen Bilder für das Projekt verlief ohne Probleme. Als besonders hilfreich empfand ich die Möglichkeit, alle Bilder für ein optimales Format zuschneiden zu lassen. Dadurch gewannen die Bilder deutlich an Qualität und der Gesamteindruck verbesserte sich.

TITEL

Nach erstem Herumprobieren zeigte sich das Editieren und Einblenden von Titeln über eine eigene parallele Titelspur als sehr einfach und eindrucksvoll.

VISUELLE EFFEKTE

An Effekten werden z.B. auch sehr viele Überblendungsmöglichkeiten angeboten. Klare Anwendungsbeispiele gibt es nicht. Einige Beispiele aus dem Handbuch ließen sich nicht ausführen. Habe mit verschiedenen Versionen herumprobiert. Das Zuordnen zu Bildern und die zeitliche Platzierung ist einfach. Mich persönlich hat der tatsächliche visuelle Effekt in den meisten Fällen nicht überzeugt, aber das ist ja auch sicher etwas Geschmackssache. Zahlreiche mächtige Optionen wie 'Bild-im-Objekt' sowie die umfangreichen neuen 3D-Optionen habe ich noch nicht ausprobiert. Die sehr eindrucksvollen Partikeleffekte sind nur mit zwei sehr ähnlichen Effekten vertreten. Sehr schade.

AUDIO

Zu jeder Videospur kann man weitere Audiospuren anlegen. Entsprechende eigene Aufnahmen von Sprache oder das Einspielen verschiedener Soundquellen ist direkt möglich und funktioniert (soweit ich es testen konnte) ganz gut. Da ich aber beim Sound mit einem eigenen Soundstudio arbeite, habe ich mir den Soundtrack komplett in dem Soundstudio erstellt und dann als MP3-Datei in eine Soundspur geladen. Das war kein Problem. Man musste nur erst mal verstehen, dass sämtliches Material, das man für seine Produktion benutzen will, als Dateien in den Medienraum importiert werden müssen, damit man sie dann von dort nach Bedarf auf die verschiedenen Spuren verteilen kann.

PROBLEM: KOORDINIERUNG BILD UND SOUND

Bis dahin verlief eigentlich alles ganz gut, ohne wirkliche Probleme, und es machte sogar Spaß. Dann aber, die Zeit für die Fertigstellung war eigentlich schon abgelaufen, ergab sich ein echtes Problem. Der Soundtrack war so ausgelegt worden, dass Sprache und Musik in einem klaren zeitlichen Verhältnis zueinander stehen mussten, um sich wechselseitig zu unterstützen. Zunächst sah dies harmlos aus: man hörte sich den Soundtrack an und ordnete die Bilder auf der Zeitachse entsprechend dem Sound an. Dabei zeigte sich dann bei der Feinarbeit, dass die Zeitangaben der aktuellen Zeit bei der Filmwiedergabe nicht mit den Angaben der offiziellen Zeitachse übereinstimmten! Ziemlich verwirrend. Das Problem steigerte sich weiter: hatte man im Fenster der der aktuellen Zeit den Zeitpunkt identifiziert, an dem ein bestimmter Sound vorlag, den man mit einem Bild verknüpfen wollte, dann konnte man ja das betreffende Bild anklicken und mit der rechten Maustaste den Anfang und das Ende entsprechend den eingeblendeten Anfangs- und Endzeiten verschieben. Bei der kontrollierenden Wiedergabe direkt nach den Änderungen auf der Zeitachse stimmten Bild und Sound zunächst auch überein. Aber dann, nach der Produktion, hatten sich die Verhältnisse wieder verschoben, z.T. 15 und mehr Sekunden innerhalb von 4 Minuten Laufzeit. Dies ist so viel, dass das Verhältnis von Bild und Sound teilweise ziemlich sinnlos wirkt. Ferner pflanzt sich dieser Zeitfehler ja über die gesamte Produktion fort. Aufgrund dieses extrem schlechten Verhalten des Programms endete das erste Projekt fast in einer Katastrophe. Nach vielen verzweifelten Versuchen hatte ich dann eine Version, die 'irgendwie' ging (und glücklicherweise starken Anklang fand), aber das ist sicher keine Arbeitsbasis für die Zukunft. Wenn die Software in diesem Bereich zukünftig nicht dramatisch verbessert wird, ist sie in meinen Augen fast wertlos. All die schönen Effekte nützen nichts, wenn ich keine saubere Zeitbasis zwischen Bild- und Tonmaterial realisieren kann. Als Vergleich habe ich das Zeitverhalten des Softwarestudios von Ableton Life. Dort kann man auch beliebig viele Tonspuren untereinander legen, kann kontinuierlich Rein- und Rauszoomen. Hier stimmen die zeitlichen Korrelationen im Milisekundenbereich und ,ganz wichtig, man kann 'optisch' verknüpfen: der Sound, den man 'sieht' ist zeitlich genau dort, wo man ihn anhand der Zeitskala auch vermutet. Nichts dergleichen beim PowerDirector. Von Version 8 bis zur Version 10 hat sich in diesem Punkt nichts verbessert.

GESCHWINDIGKEIT

Für das Rendering von 16Min:44sec Video im MP4-Format mit gleichzeitiger Vorschau (und mitlaufendem Ressourcenmonitor) benötigte PD10 8Min 33sec und benutzte tatsächlich alle 8 CPUs parallel.

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