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Beiträge von Belle's Leseinsel
Top-Rezensenten Rang: 297
Hilfreiche Bewertungen: 1385
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Rezensionen verfasst von Belle's Leseinsel (Mainz, Deutschland)
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Der gefallene Engel und sein Schutzteufel, 13. Dezember 2012
Philippe Pozzo di Borgo ist privilegiert. Er wächst in sehr wohlhabenden Verhältnissen auf, lernt schon als Kind durch den Beruf des Vaters viele verschiedene Kulturen und Länder kennen. Mit 20 Jahren lernt der Biograph seine große Liebe Beatrice kennen, sie heiraten und schon kurz darauf wird seine Frau das erste Mal schwanger. Doch der Kinderwunsch soll ihnen nicht erfüllt werden, Beatrice muss mehrere Fehl- und Totgeburten erleben. Ihre Liebe verzweifelt daran jedoch nicht und wenige Jahre später entschließen sie sich zur Adoption zweier Kinder aus Bogota. Philippe Pozzo die Borgo ist mittlerweile Geschäftsführer der Fa. Champagnes Pommery und ihr Leben könnte nicht glücklicher sein. Doch Beatrice erkrankt an einer seltenen Blutkrankheit und dann stürzt der Autor mit 42 Jahren mit dem Gleitschirm ab. Vom den Schultern ab ist er ab diesem Zeitpunkt gelähmt, auf Intensivpflege angewiesen. In stellenweise sehr kurzen Passagen erzählt Philippe Pozzo di Borgo Passagen aus seiner Kindheit und Jugend. Hierdurch bekommt man eine sehr gute Vorstellung von seinem Leben als Sohn einer alteingesessenen adligen Familie, die ihren Stammsitz auf Korsika hat. Doch zwischendurch wechselt er immer wieder in die Gegenwart, in sein zweites Leben. Sehr sachlich geht er hierbei mit den Problemen um, die zwangsläufig durch seine Behinderung auftreten, sei es die intensive hygienische und medizinische Pflege, aber auch über seine quälenden Phantomschmerzen spricht er in seinem Buch. Hierbei geht der Autor mit seiner Lähmung sehr pragmatisch und rech emotionslos um. Mitleid will er hiermit eindeutig nicht erzeugen und man fängt schon bald an, Philippe Pozzo di Borgo ob seiner inneren Kraft zu bewundern, solche Leiden durchzustehen und doch immer wieder den Mut zum Weiterleben zu finden. Die Stimmung des Buches ist oft sehr melancholisch, traurig, dann wieder voll Zynismus, Lebenslust, aber auch Lebensfrust, dem Wunsch zu sterben und doch wieder die Kraft zu finden, weiterzuleben. Denn als wäre die Querschnittslähmung von Philippe Pozzo die Borgo nicht schon schlimm genug, erkrankt seine große Liebe Beatrice an Krebs. Zwar findet seine Frau noch einmal Kraft, um die lange Rehazeit mit ihrem Mann durchzustehen, doch schon bald holt die Krankheit sie wieder ein. In dieser Zeit ist ihm Abdel eine große Stütze. Der Ex-Sträfling ist das genaue Gegenteil von dem adligen Geschäftsmann. Dickköpfig, stur, total von sich überzeugt, keine Frau ist vor ihm sicher und auch vor Gewalt scheut Abdel nicht zurück. Doch sein Schutzteufel ist auch äußerst hilfsbereit, selbstlos, immer für seinen Patienten da, rettet ihm mehr als einmal das Leben, heitert ihn immer wieder auf, ist immer da, wenn der Autor in braucht. Aber leider täuscht der Einband des Buches wie auch die Kurzbeschreibung über den Inhalt des Buches. Die Freundschaft zwischen Philippe Pozzo di Borgo findet erst richtig im letzten Drittel des Buches Erwähnung. Zwischendurch wird Abdel nur ab und an mal erwähnt, ist eher eine Randfigur, denn in der Hauptsache dreht sich die Biographie um das Leben von Philippe und Beatrice, ihre Liebe, ihre Krankheit und ihr Leiden. Es ist ein sehr emotionales Buch. Philippe Pozzo di Borgo versteht es sehr gut, einem das Leben eines Querschnittgelähmten näher zu bringen mit all seinen Schwierigkeiten, welche Auswirkungen eine solches Lähmung auf den Körper hat, wie die Wahrnehmung der Sinne sich verändern, ja, das ganze Leben plötzlich völlig neue, andere Schwerpunkte erhält. Dies vermittelt der Autor gekonnt, doch ab und an hat mich die stellenweise etwas abgehackte Erzählweise gestört, da Geschehnisse oft nur in kurzen Absätzen Erwähnung finden und der Autor dann das Thema wechselt. Fazit: Kurzbeschreibung und Buchcover vermitteln einen falschen Eindruck über den Inhalt des Buches. Im Vordergrund steht klar das Leben von Philippe und Beatrice. Die ziemlich besten Freunde Abdel und Philippe finden erst im letzten Drittel genügend Aufmerksamkeit.
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Ungeheuer
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von Claudia Puhlfürst Taschenbuch |
| Preis: EUR 8,95 |
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Dr. Nex auf den Spuren von Ed Gein, 12. Dezember 2012
Immer wieder plagen die Journalistin Lara Birkenfeld grausame Alpträume, bei denen sie von einem Killer wie Wild durch einen dunklen Wald gejagt wird. Während Lara als Gerichtsreporterin über den Todesfall eines kleinen Jungen berichtet, wird sie auf einen Mordfall aufmerksam, der erschreckende Ähnlichkeit mit ihren Alpträumen hat. Doch es soll nicht der einzige Mord an jungen, blonden Frauen bleiben und zusammen mit dem Psychologen Mark Grünthal setzt Lara sich auf die Fährte des Serienmörders, ohne zu wissen, dass sie schon ihn dessen Fokus geraten ist. Der Thriller von Claudia Puhlfürst ist wahrlich nichts für schwache Nerven und erinnert in Teilen an "Das Schweigen der Lämmer" oder "Hannibal". Allerdings benötigt die Geschichte etwas Zeit bis sich thrillermäßige Spannung entwickelt. Anfangs stellt die Autorin ihren Lesern erst einmal ein wenig das Leben und Umfeld ihrer Protagonistin Lara vor. So begleitet man sie zu Gerichtsterminen, lernt ihre Arbeit und ihre Kollegen in der Redaktion der Tagespresse" kennen. Aber auch den Mörder, der sich selbst Dr. Nex nennt, präsentiert Claudia Puhlfürst einen fast sofort. Und dieser Handlungsstrang ist wirklich heftig, denn Dr. Nex betrachtet sich als Künstler, der junge Frauen tötet, um ihnen deren Innereien wie auch Hautteile zu entfernen, um so ein Kunstwerk zu schaffen. Diese Szenen beschreibt die Autorin sehr ausführlich und plastisch, was einen zwangsläufig an Szenen aus "Das Schweigen der Lämmer" erinnert, auf den die Autorin in ihrem Buch auch Bezug nimmt. Der Serienmörder selbst sieht sich als ein Bruder im Geiste von Ed Gein (1906 - 1984) an, welcher in den USA lebte und ein Serienmörder und Leichenschänder war. Dr. Nex hat sich eingehend mit dessen Leben beschäftigt und einige Parallelen festgestellt, gerade was ihre Kindheit betrifft. Als man bei knapp der Hälfte des Buches langsam das Gefühl hat, nun könnte der Thriller ja wirklich mal ein wenig spannender werden und von den grausamen, blutigen Szenen hat man nun genug gelesen, zieht die Autorin das Tempo dann rasant an. Fast atemlos gebannt verfolgt man, wie der Serienmörder Dr. Nex weitere Opfer ausspäht und ermordet, wie Lara immer mehr Zusammenhänge zwischen den Morden, die sich über das ganze Bundesgebiet erstrecken, feststellt und mit welcher Ignoranz die Polizei mit ihren Hinweisen umgeht. Hinzu kommt, dass Dr. Nex sich schon recht bald unbemerkt auf die Fersen von Lara heftet, nicht nur, weil die junge Journalistin genau in sein Beuteschema fällt. Neben der temporeichen, fesselnden Story, die durchaus komplex angelegt und auch nicht sonderlich vorhersehbar ist, überzeugen auch die Charaktere des Thrillers. Lara Birkenfeld ist frisch getrennt von ihrem Freund und ein wenig in den Psychologen Marc verliebt, dieser ist jedoch verheiratet und Vater zweier Kinder. Die Journalistin arbeitet als Gerichtsreporterin, gerade der vorliegenden Fall um den Tod des kleinen Jungen nimmt sie emotional sehr mit, von sensationslüsternen Presseberichten hält sie überhaupt nichts und legt viel mehr Wert auf solide Journalistenarbeit. Ihr Intimfeind ist KK Stiller, der es immer wieder versteht, Lara bei ihren Recherchen Knüppel in den Weg zu legen, was die Zusammenarbeit mit der Polizei ziemlich schwierig gestaltet. Zudem plagen Lara ihre ständigen Visionen. Diese Gabe hatte bereits ihre Großmutter, doch Lara verdrängt dies, glaubt sogar an einen Gehirntumor der Schuld an ihren Alpträumen sein soll. Der Gegenpart ist Dr. Nex, der geltungssüchtige, von sich absolut überzeugte Serienkiller. Für ihn sind seine Opfer nur Wild, dass gejagt und erlegt werden muss und ihm so zu weiteren Teilen für sein Kunstwerk verhelfen. Etwas klischeelastig wird Claudia Puhlfürst bei den Gründen für das Verhalten von Dr. Nex, die in der Kindheit zu finden sind. Hier darf die dominante, herrschsüchtige Mutter dann halt doch nicht fehlen, die ihren kleinen Jungen ständig grausam misshandelt hat. Fazit: Ein Thriller, der etwas Zeit benötigt. Doch hier wird Geduld ganz eindeutig belohnt mit einer temporeichen, äußerst fesselnden und voller Hochspannung erzählten Geschichte, die absolut nichts für schwache Mägen wie auch Nerven ist.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
Auf den Spuren eines uralten Kirchengeheimnisses, 11. Dezember 2012
Die Engländerin Jackie Hampton kommt in ihrem Haus in Rom zu Tode. Für die Polizei steht schnell fest, dass es sich um einen tragischen Unfall handeln muss. Doch als ihr Ehemann Marc mit seinem besten Freund Chris Bronson, einem Polizeibeamten, in der Ewigen Stadt ankommt, stellen sie Einbruchsspuren am Haus fest. Schnell ist klar, dass Jackie bei Renovierungsarbeiten an dem 600 Jahre alten Bauernhaus auf eine alte lateinische Inschrift gestoßen war und diese im Internet überprüft hatte. Kaum befassen sich Chris und Marc mit diesen Hinweisen, kommen sie auch schon der Cosa Nostra in die Quere, die im Auftrag des Vatikans jedwede Spuren zu dieser lateinische Inschrift eliminieren soll. Als Marc anhand des Obduktionsberichts feststellt, dass Jackie durch Fremdverschulden gestorben ist, macht er sich auf die Suche nach Informationen über diese geheimnisvolle Inschrift. Die Spuren führen ihn zu den Anfängen des Christentums wie auch zu den Katharern. Während Chris in England und Italien versucht, hinter das Geheimnis zu gelangen, sitzt ihm die Cosa Nostra im Nacken, mit nur einem Ziel, ihn zu töten. Wer sich ein wenig in Kirchengeschichte auskennt und das umgedrehte Kreuz auf dem Buchcover entsprechend deuten kann, dem ist klar, dass sich der Kirchenthriller von James Becker mit den Anfängen des Christentums befasst. Im Prolog entführt der Autor seine Leser erst einmal in das Jahr 65 bzw. 67 nach Christus, bei dem man die Kreuzigung eines Juden verfolgt, die James Becker sehr ausführlich, fast plastisch, beschreibt, um dann über den Verbleib einiger geheimnisvoller Schriftrollen zu berichten, die ihren Weg nach Rom finden, wo sich jedoch ihre Spur verliert. Nach diesem kurzen Abdriften in die Vergangenheit wechselt James Becker aber rasch in das heutige Rom und man erlebt gleich den Tod von Jackie Hampton. Schnell ist klar, dass eine alte Steinplatte mit einer lateinischen Inschrift Grund für den Tod der Engländerin ist und auch, dass der Vatikan alles daran setzt, dieses Geheimnis zu wahren, auch wenn hierfür die Cosa Nostra beauftragt werden muss. Chris Bronson und zu einem späteren Zeitpunkt auch seine Ex-Frau Angela begeben sich nun auf Spurensuche mit Hilfe des Internets, aber auch durch Erkundigungen vor Ort, immer darauf bedacht, anschließend ihre Spuren so gut wie möglich zu verwischen, doch die Cosa Nostra verfolgt sie unbarmherzig. Als Archäologin besitzt Angela das entsprechende geschichtliche Hintergrundwissen und kann schnell einige Zusammenhänge feststellen, die zu den Ursprüngen des Christentums verweisen, aber auch zu den Katharer, welche bis zum 14. Jahrhundert in Südfrankreich lebten und sich selbst die wahren Christen nannten. Ihnen wird nachgesagt, dass sie ein großes Geheimnis schützten und dieses über den Albigenserkreuzzug hinaus, bei dem die Katharer fast vollständig vernichtet wurden, gerettet hätten. Auf der Spur dieses Geheimnisses sind nun Chris und Angela. Die geschichtlichen Hintergründe hierzu lässt James Becker unterhaltsam und überaus interessant mit einfließen und man merkt, dass er dieses Thema gut recherchiert hat. Und er bietet auch eine Auflösung an, die zwar unglaublich, aber durchaus im Bereich des Möglichen liegt. Allerdings habe ich mich manchmal schon gewundert, dass gerade die Archäologin Angela sehr offensichtliche Spuren oder auch Schlussfolgerungen übersieht, ihre Verfolger, die über kein archäologisches Wissen verfügen, diese aber doch recht zügig entschlüsseln. Der Kirchenthriller gestaltet sich zumeist recht spannend und fesselnd, es ist ein typische Schnitzeljagd, die jetzt nicht unbedingt - wie oben erwähnt - immer logisch umgesetzt ist, aber dennoch in weiten Teilen überzeugt. Der Schreibstil des Autors ist als recht einfach, flüssig und durchweg unterhaltsam zu beschreiben. Seine Charakterzeichnungen sind allerdings nicht unbedingt überzeugend. Chris wie auch Angela bleiben etwas blass und nehmen nicht so recht Konturen an, allerdings sind für diese Form von Thriller auch nicht unbedingt ausgefeilte und facettenreiche Charaktere notwendig, hier überwiegt eindeutig die Story an sich. Dennoch gelingt es dem Autor gut, Angela wie auch Chris sympathisch darzustellen und zumeist auch nachvollziehbar agieren zu lassen. Beide sind keine Übermenschen, dürfen Schwächen zeigen und bei der ein oder anderen Szene kommt es Chris durchaus zugute, dass er lange Jahre in der Armee gedient hat. So nutzen Chris wie auch Angela ihre Fähigkeiten entsprechend den Situationen angepasst. Fazit: Ein unterhaltsamer und meist auch spannender Kirchenthriller, der in Form einer typischen Schnitzeljagd angelegt ist und mehr durch seine interessante Story als durch komplex angelegte Charakterzeichnungen überzeugt.
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4.0 von 5 Sternen
Katharsis, 9. Dezember 2012
Ein kleiner Junge kommt in einer Berliner Wohnung zu Tode. Eine Frau verbringt den Nachmittag mit ihrer Mutter als diese plötzlich spurlos verschwindet. Ein Kommissar, der auf der verzweifelten Suche nach einem kleinen Jungen ist. Was ist Wahn, was Realität? Diese Frage stellt man sich fast ununterbrochen, während man den Krimi von Siegfried Langer liest. Lange Zeit weiß man absolut nicht, wie die unterschiedlichen Handlungsstränge zusammen passen, ständig wechselt der Autor zwischen den Zeiten, mal spielt die Geschichte in der Gegenwart, dann wieder einige Tage in der Vergangenheit. Dies alles ist äußerst undurchsichtig und verworren, zumal man nie weiß, ob seine Protagonisten dies nun wirklich erleben oder ob die Geschehnisse in deren Wahnvorstellungen stattfinden. Doch gerade hieraus zieht der Psycho-Krimi seine Spannung. Man weiß als Leser nie, woran man ist, lange Zeit ahnt man noch nicht einmal, um was es genau in der Geschichte geht und doch gelingt es Siegfried Langer mit seiner einfühlenden, flüssigen und äußerst fesselnden Erzählweise sehr gut, einen problemlos an seinen Krimi zu binden und ständig die Neugier ob dem Ausgang der Geschichte auf einem sehr hohen Niveau zu halten. Auch wenn eine klassische Spannung eher wenig vorhanden ist und mehr im Hintergrund lauert. Die Auflösung überrascht und doch ist sie die einzige logische Schlussfolgerung und bringt schlussendlich Klarheit in den Krimi. Auch seine Charaktere sind wunderbar herausgearbeitet, facettenreich angelegt und überzeugen bis in die kleine Nebenrolle. Wobei ich hier auf die einzelnen Figuren gar nicht näher eingehen möchte, da man sonst zwangsläufig über die Geschichte an sich zu viel verraten würde. Fazit: Ein sehr komplexer Psycho-Krimi, der hervorragend mit Wahn und Realität spielt und mit wunderbar beschriebenen, facettenreichen Charakteren absolut überzeugt.
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4.0 von 5 Sternen
Der Kampf um den Eisernen Thron geht weiter, 9. Dezember 2012
Der Bürgerkrieg tobt weiter. Währenddessen mobilisieren sich die Wildlinge jenseits der Mauer, der König des Nordens entscheidet sich für die Liebe, was Folgen für seine Herrschaft haben könnte und Tyrion muss mit der Verachtung seiner Familie zurechtkommen. Aber natürlich geschieht noch viel mehr in diesem mittlerweile 5. Teil von George R. R. Martin. Es wird integriert, gekämpft, geliebt, gehasst und gestorben. Und die Spannung ebbt fast nie ab. Hinzu kommt, dass der Autor einen neuen Handlungsstrang einbaut bzw. erweitert und man lernt nun Jamie Lennister näher kennen. Und auch dieser Charaktere ist wieder einmal sehr vielschichtig angelegt und im Verlauf der Geschichte erlangt Jamie mit seinem Verhalten einige Sympathiepunkte. Die Geschichte über das Lied von Eis und Feuer erstreckt sich insgesamt über acht unterschiedliche Handlungsstränge, die einem jeweils einen anderen Blickwinkel für die Story geben und hierdurch ist man wieder einmal bei den Geschehnissen im Land hinter der Mauer dabei, erlebt die eisigen Tage und noch kälteren Nächte, denen die Menschen dort ausgesetzt sind, aber auch nach Königsmund führt einen George R. R. Martin wieder. Und so verfolgt man, wie die Macht des Gnoms Tyrion immer mehr schwindet und sich die Hoffnungen von Sansa wohl doch nicht erfüllen werden. Es geht aber auch wieder in den Norden zu König Robb und seiner Mutter Catelyn und auch das Leben des Volkes in Westeros kann man in einem weiteren Erzählstrang verfolgen. Währenddessen rüstet Daenerys zur Eroberung des Eisernen Throns. Fazit: Eine fantasievolle, abenteuerliche und durchweg immer spannende erzählte Fortsetzung der Saga.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Europaweiter Stromausfall, 4. Dezember 2012
Binnen kürzester Zeit fällt der Strom in Italien und Schweden aus, kurz darauf bekommen europaweit die AKWs Störungen gemeldet und werden heruntergefahren. Nach wenigen Stunden sind Europa und Skandinavien komplett ohne Strom. Dem italienischen IT-Experten Piero Manzano fällt an seinem modernen, digitalen Stromzähler ein seltsamer Code auf. Diese Stromzähler werden zurzeit nur in Italien und Schweden verwendet und genau hier begann der Stromausfall. Steckt dahinter ein terroristischer Anschlag? Manzano versucht in Kontakt mit den Behörden zu treten, doch wer glaubt schon einer Verschwörungstheorie? Zusammen mit der Journalistin Lauren Shannon beginnt für Manzano eine Odyssee quer durch Deutschland und Belgien. Ein Stromausfall kann schon einmal passieren, war ja vor kurzem erst in München so. Allerdings dauern diese höchstens wenige Stunden und dann fließt der Strom wieder. Wie ist es aber, wenn der Strom über mehrere Tage ausfällt? Nach dem Lesen des Buches ist mir erst einmal richtig bewusst geworden, wie sehr wir vom Strom abhängig sind. Anfangs empfinden die Menschen das Leben ohne Strom noch als Abenteuer, Nachbarschaftshilfe ist absolut selbstverständlich, Nächstenliebe wird großgeschrieben. Doch als die Lebensmittel- und Wasservorräte sich dem Ende neigen, die Häuser und Wohnungen in diesen kalten Februartagen restlos ausgekühlt sind, ändern sich die Verhältnisse dramatisch. Kleine Strominseln und autarke Häuser werden regelrecht überrannt von den Menschen, jetzt zählt nur noch der eigene Überlebenswille. Anhand rasant wechselnder Handlungsstränge, die stellenweise nur eine halbe Seite, dann wieder mehrere Seiten lang sind, erzählt Marc Elsberg seinen Wirtschaftsthriller zumeist aus Sicht der Einsatzleitstelle des Bundeskanzleramts, welche die Notversorgung der Bundesbürger organisieren und der Zentrale der Europol, wo man versucht, die Täter zu finden. Aber man erhält auch einen Einblick in die verzweifelten Bemühungen von Mitarbeitern, ein AKW in Frankreich wieder hochzufahren. Gerade die Atomkraftwerke benötigen dringend Strom, denn die Dieselvorräte halten nur für einige Tage und die Brennstäbe benötigen dringend Kühlung. Aber auch die Aktivitäten eines Düsseldorfer Technologiekonzerns verfolgt man, die Sicherheitssysteme in AKWs herstellen. Vorrangig ist man jedoch bei den Geschehnissen und Erlebnissen rund um Manzano und Lauren dabei, welche die Fährte der Täter folgen. Aber nicht nur die stellenweise kurzen Erzählstränge sorgen für eine temporeiche Geschichte, oft überschlagen sich zudem die Ereignisse und man erhält nicht nur einen hervorragenden Blick in die Schaltzentralen der Macht, wie sie versuchen, die immer gravierender werdenden Zustände in den Griff zu bekommen, wie AKW-Mitarbeiter alles daran setzen, einen Gau zu vermeiden, sondern man ist auch immer wieder bei Privatpersonen dabei. Und hier erlebt man die chaotischen Zustände und die Probleme sehr bewusst, denen die Menschen durch den Stromausfall ausgesetzt sind. Es beginnt mit Kleinigkeiten, wie z. Bsp. dass die Toilettenspülung nicht mehr geht und kein Wasser mehr aus den Leitungen läuft, was bald zu hygienischen Notzuständen führt. Lebensmittel verderben, Kühe können nicht mehr gemolken werden und ihr Schreien ist kilometerweit zu hören. Menschen erfrieren auf den Straßen, Diebstähle nehmen zu, Krankenhäuser müssen evakuiert werden, lebenserhaltene Maßnahmen können nicht fortgeführt werden. Die Liste kann unendlich weitergeführt werden. Die komplette Story wirkt von Anfang an sehr gut durchdacht, der Autor schönt hier wirklich nichts und man merkt jederzeit, dass Marc Elsberg das Thema äußerst genau recherchiert hat und so wirkt die ganze Geschichte von Anfang bis Ende absolut authentisch. Fazit: Ein sehr realistisch, äußerst temporeich und spannend erzählter Wirtschaftsthriller, der erschreckend direkt einem die möglichen Folgen eines europaweiten Stromausfalls vor Augen führt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Ein 140 Jahre alter Tatort, 1. Dezember 2012
Die sechzehnjährige Geneva Settle entgeht in einer New Yorker Bibliothek nur knapp einem Mordanschlag. Neben dem NYPD schalten sich auch Amelia Sachs und Lincoln Rhyme in die Ermittlungen ein. Während Sachs den Tatort untersucht, erschießt der mutmaßliche Mörder einen Zeugen, eine Passantin wird angeschossen. Schnell ist klar, dass hier ein Profikiller am Werk ist, der für den Mord an Geneva angeheuert wurde. Doch welches Motiv hat sein Auftraggeber? Hat es etwas mit den Recherchen des Mädchens zu tun, die für einen Schulaufsatz das Leben eines ihrer Urahnen untersucht? Während Rhyme und sein Team noch die Spuren vom Tatort analysieren, geschieht ein nächster Mord. Die eigensinnige, stolze Geneva ist durch private Briefe auf das Schicksal ihres Urahnen Charles Singleton aufmerksam geworden und stellt bei Recherchen in der Bibliothek fest, dass dieser im Bürgerkrieg einem Geheimnis auf die Spur kam. Doch worum es sich hierbei handelt, dieses Geheimnis geben weder die Briefe noch alte Zeitungsberichte preis. Rhyme ist somit gezwungen, einem 140 Jahre alten Fall zu analysieren, ohne zu wissen, ob hier wirklich das Motiv für den Mordanschlag zu finden ist. Währenddessen steht Geneva unter Polizeischutz, doch das eigenwillige Mädchen, welches sich herrlich verbale Schlagabtausche mit Rhyme liefert, hat ihren eigenen Kopf und bringt die Ermittler regelmäßig zum Verzweifeln. Erschwerend kommt hinzu, dass der Mörder offensichtlich einen Kompagnon hat, der ebenfalls hinter Geneva her ist. Der Thriller liefert von der ersten bis zur letzten Seite wieder einmal Hochspannung pur. Der Hauptgrund ist zum einem die sehr rasant erzählte Geschichte, die sich nur über wenige Tage abspielt und immer wieder die Handlungsstränge wechselt, zum anderen die ständige Ungewissheit, was nun hinter dem Anschlag auf Geneva steckt. Kaum ist man wie Rhyme und Sachs der Meinung, endlich einen möglichen Grund gefunden zu haben, kommen neue Spuren hinzu, die in eine komplett andere Richtung weisen und auf einmal gar nicht mehr mit dem Geheimnis von Genevas Urahn in Verbindung stehen. Hier spielt Jeffrey Deaver wieder einmal sein ganzes schriftstellerisches Können aus, denn ständig legt er falsche Fährten aus und baut überaschende Wendungen ein. So bleibt die Story bis zum Schluss absolut nicht vorhersehbar. Während des Falls ist man zumeist immer auf demselben Wissenstand wie Rhyme und sein Team, obwohl Jeffrey Deaver bereits früh einen Handlungsstrang einbaut, bei dem man den Auftragsmörder kennenlernt. So verfolgt man zwar stellenweise seine Vorbereitungen für einen nächsten Anschlag, weiß aber nie, was er eigentlich vorhat. Und man lernt ihn hierdurch natürlich auch näher kennen und ist anfangs regelrecht schockiert über dessen gefühlloses Handeln, über sein absolut emotionsloses Morden. Den Grund hierfür verrät Jeffrey Deaver im Verlauf des Thrillers und es hat – wie in anderen Thrillern so oft – absolut nichts mit einer verkorksten Kindheit zu tun. Auch die weiteren Charaktere sind wunderbar detailreich beschrieben. Rhyme läuft regelrecht zur Hochform auf und ist gewohnt zynisch, präzise und arrogant, eben genauso wie man ihn kennt und auch mag. Sein Pfleger Thom nimmt seine Launen mit stoischer Ruhe hin und auch dem Privatleben von Amelia Sachs und Lincoln Rhyme wird wieder etwas Raum gegeben. Neu im Team ist der junge Polizist Ron Pulaski, der voller Eifer bei den Ermittlungen dabei ist und doch schon bald feststellen muss, dass er noch einiges zu lernen hat. Lieutenant Stiletto muss sich im Verlauf des Thrillers beweisen, dass er weiterhin dem Job als Polizist gewachsen ist und Amelia ist gewohnt tough, sensibel und wieder einmal verbissen um die Auflösung des Falls bemüht. Fazit: Ein hochspannender, temporeich erzählter Thriller, der mit einer sehr komplexen, hervorragend durchdachten Geschichte und einem Ermittlerteam in Hochform absolut überzeugt.
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3.0 von 5 Sternen
Liebe im Herbst des Alters, 30. November 2012
Bisher kannte der alte Mann nur die käufliche Liebe, doch zu seinem 90. Geburtstag schenkt er sich selbst eine Nacht in einem Bordell mit einer Jungfrau. Dieser Nacht sollen noch viele weitere folgen, die nach und nach sein Leben verändern werden. Denn durch das schlafende junge Mädchen lernt der Greis die wahre Liebe kennen, ein Gefühl, welches er bisher nie erfahren durfte. Für mich ist „Erinnerung an meine traurigen Huren“ der erste Roman des Autors und er lässt mich sehr zwiespältig zurück. Zum einen hat mich der blumige, poetische, so melancholische Schreibstil des Autors sofort in seinen Bann gezogen. Seinen Beschreibungen über das vergangene Leben seines Protagonisten haftet so viel Traurigkeit und Einsamkeit an. Er hat in seinem Leben keine Reichtümer angesammelt, führte ein Leben als Einzelgänger und ging Beziehungen konsequent aus dem Weg. Bei klassischer Musik findet er Ruhe und Entspannung sowie beim Lesen seiner Klassiker. Dies hört sich durchaus langatmig an, ist es jedoch keineswegs. Gabriel Garcia Márquez gelingt es perfekt, eine atmosphärische Dichte aufzubauen, einem die heiße, schwüle Luft der Stadt spüren zu lassen und das Leben seines Greises voller Gefühl, durchsetzt mit ein wenig Humor und viel Altersweisheit näher zu bringen. Wahrlich ein Meisterwerk. Wenn da nicht das Thema des Buches wäre und hiermit habe ich große Probleme. Ein 90-jähriger Greis wünscht sich eine Liebesnacht mit einer 14-jährigen Jungfrau. Für mich eindeutig pädophil. Zwar schläft das junge Mädchen in jeder Nacht in welcher der alte Mann sie im Bordell besucht, doch anfangs bestehen hier eindeutig noch sexuelle Wünsche und Sehnsüchte vonseiten des Protagonisten. Die Unschuld des Mädchens berührt ihn jedoch, bringt den alten Mann dazu, über sein Leben zu sinnieren und bald findet er Erfüllung daran, einfach nur neben ihr einzuschlafen. Die Liebe zur blutjungen Delgadina verändert sein Leben, lässt ihn aufblühen. Und genau hier habe ich den nächsten Kritikpunkt. Auf keinen der rund 160 Seiten hatte ich das Gefühl, die Geschichte eines 90-jährigen Mannes zu lesen. Zwar denkt der Protagonist über sein vergangenes Leben nach, geht auch auf kleine Zipperlein ein, aber das alles wirkt wie aus der Sicht eines vielleicht 60. oder 70.jährigen Mannes. Allein, wenn ich gelesen habe, wie der Greis seine Wohnung nach einem Regenguss trocken legt, mit seiner Hängematte regelmäßig die Plätze in seiner Wohnung wechselt oder vergnügt mit dem Fahrrad, welches er Delgadina kauft, eine Probefahrt unternimmt. Das wirkt nicht überzeugend. Fazit: Ein schwieriges Buch, welches man möglicherweise aus Sicht der Kultur des Landes und der damaligen Zeit sehen sollte, ich hatte jedoch mit der Thematik des Romans meine Probleme.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
Der Schwarze Tod wütet in Köln, 29. November 2012
Ganz Köln leidet unter der Sommerhitze des Jahres 1540. Die Ernte droht auf den Feldern zu verdorren, nur die Weinlese verspricht Gewinn. Eigentlich von Vorteil für die Witwe Johanna Arnheim, die nach dem Tod ihres Mannes einen Weinhandel betreibt. Doch ihr intriganter Schwager Hennes hat dafür gesorgt, dass ihr diese Einnahmequelle versagt bleibt. Damit aber nicht genug, denunziert er Johanna und die Witwe landet wegen Gattenmordes im Frankenturm. Ihr droht die Hinrichtung. Währenddessen gibt es in der Domstadt die ersten Pesttoten, die anfangs von der Obrigkeit ignoriert werden. Doch bald häufen sich die Todesfälle und ein Pesthaus wird eingerichtet. Währenddessen gelingt dem Medicus Vincent de Vries der Freispruch für Johanna, jedoch unter einer Bedingung: Johanna muss im Pesthaus fortan die Todkranken pflegen und darf das Pesthaus erst wieder verlassen, wenn diese aus Köln verschwunden ist, denn selbst kann sie der Schwarze Tod nicht mehr ereilen, da sie bereits die Beulenpest überlebt hat. Leider verrät die Kurzbeschreibung auf dem Buchrücken schon fast den gesamten Inhalt des Romans, was der Spannung ob dem Ausgang der Geschichte etwas abträglich ist. Zwar deutet die Autorin früh ein Geheimnis aus Johannas Vergangenheit an, doch selbst dieses kann man recht bald erahnen. Dafür braucht man nur den Prolog genau zu lesen und mit einem weiteren Handlungsstrang, der recht früh eingeführt wird, zählt man dann noch eins und eins zusammen und weiß im Groben, worum es bei ihrem Geheimnis geht. Der Schreibstil von Brigitte Riebe ist jederzeit unterhaltsam, flüssig und der damaligen Zeit angepasst. Sehr gut bindet sie ihrer Recherchen bezüglich der Auswirkungen des Schwarzen Todes in Köln mit ein und zeichnet so ein recht düsteres, beklemmendes Bild der Stadt im 16. Jahrhundert. Das öffentliche Leben kommt nach und nach immer mehr zum Erliegen, angebliche Heiler werden mit dem Handel von Amuletten und Tinkturen reich und die Leichenkarren gehören bald zum täglichen Stadtbild. Zudem hat die Autorin einige historische Figuren mit in ihre Geschichte eingebaut, was dem Roman die entsprechende Authentizität verleiht. In weiteren Handlungssträngen befasst sich Brigitte Riebe auch mit dem jüdischen Leben in Köln, der Syphilis sowie der Reformation. Allerdings laufen diese Themen mehr am Rande und haben mit dem eigentlichen Fortgang der Geschichte wenig zu tun. Dies alles vermittelt aber ein sehr anschauliches Bild von Köln, wodurch man schnell eine entsprechende Vorstellung rund um das Leben in der Domstadt erhält. Die Geschichte von Johanna wird sehr bald ziemlich überschaubar. Nicht nur, dass man schon viel über den Fortgang der Geschehnisse durch die Kurzbeschreibung weiß, auch die Charaktere sind recht eindimensional gezeichnet und sobald sie die Lesebühne betreten, schon in Gut und Böse einzuteilen. Somit sind ihre Handlungen jederzeit vorhersehbar und mit überraschenden Wendungen kann die Geschichte ebenfalls kaum aufwarten. Allerdings sind alle Beteiligten detailreich beschrieben, man erhält praktisch sofort eine Vorstellung von ihnen und gerade die so sture, stolze Johanna wirkt äußerst sympathisch. Sie steht natürlich auch im Focus der Geschichte. Die Witwe steht nach dem Tod ihres Mannes alleine da, bewohnt zusammen mit der unter Demenz leidenden Sabeth und einer Katze das Lilienhaus, auf das es ihr unredlicher Schwager abgesehen hat. Johanna ist eine sehr dickköpfige Frau und wenig bereit, fremde Hilfe anzunehmen. Ihr Gegenpart ist der bereits erwähnte Schwager, ein Kürschner, der sich um sein Erbe betrogen fühlt, da Johanna die Alleinerbin ihres Mannes ist. Dabei wäre das Lilienhaus bestens für die Lagerung seiner Fälle geeignet. Einen weiteren Part hat der Medicus Vincent de Vries inne, ein modern praktizierender, viel gereister und aufgeschlossener Arzt, der sich für Johanna einsetzt. Und das böse alte Weib in Form der "Heilerin" Ita darf auch nicht fehlen, die ebenfalls nicht unbedingt das Beste für Johanna will. Fazit: Ein unterhaltsamer Historischer Roman, der gut die Geschehnisse in Köln des 16. Jahrhunderts wiederspiegelt, als dort die Pest wütete. Jedoch ist die Geschichte schnell vorhersehbar und kann auch nicht mit unerwartenden Wendungen aufwarten, genauso wenig die Charaktere, die fast augenblicklich in Gut und Böse einsortiert werden können.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Die vier Könige, 27. November 2012
Der Bürgerkrieg greift immer mehr um sich, mittlerweile beanspruchen vier Könige den Eisernen Thron für sich. Lord Stannis mobilisiert seine Armee und zieht gegen die Lennister in Königsmund, Robb Stark erlangt einen Erfolg nach dem anderen, doch seinem Ziel kommt er nicht recht näher und die Friedensverhandlungen zwischen Lord Renly und seinem Bruder Stannis scheitern. Zur gleichen Zeit rüstet sich Königsmund gegen mögliche Übergriffe, am Hof werden Ränke geschmiedet, Positionen gestärkt und während das Volk Hunger leidet, herrscht Kindkönig Joffrey weiterhin grausam und voller Willkür auf dem Eisernen Thron. Die Kämpfe und Ränkespiele nehmen zu und die Spannung zieht im 4. Band merklich an. Stellenweise überschlagen sich regelrecht die Ereignisse und gebannt verfolgt man wieder die Erlebnisse der so unterschiedlichen Protagonisten. Immer mehr legt George R. R. Martin allerdings den Schwerpunkt auf den vielschichtigen, schlauen, so voller Arglist und irgendwie richtig sympathischen Gnom Tyrion Lennister. Die Menschen in Königsmund verachten ihn, der Hof intrigiert gegen ihn, niemanden kann er vertrauen und dennoch muss er die Stadt vor den Übergriffen der Baratheons schützen, die unbeirrt Richtung Königsmund ziehen und die Krone für sich einfordern. Doch man erfährt auch wieder, was im Norden passiert durch Caitlyns Erzählungen, die in Schnellwasser am Bett ihres todkranken Vaters wacht und gleichzeitig im Hintergrund die Fäden für ihren Sohn Robb, dem König des Nordens, zieht. Währenddessen ist John Schnee mit den Männern der Mauer immer noch auf der Suche nach seinem Onkel Benjen Stark, doch je weiter sie sich der Mauer entfernen, umso mehr sinken ihre Hoffnungen und dann treffen sie auf die ersten Wildlinge und Schattenkatzen. Aber auch das Leben von Arya und Sansa Stark gestaltet sich nach wie vor gefährlich. Während Sansa auf Flucht hofft und von unerwarteter Seite einen Verbündeten findet, sinnt Arya heimlich in Harrenhal auf Rache, unterdessen verdingt sie sich als Laufbursche und Mundschenk. Und die Mutter der drei Drachen, die junge Daenerys, muss eine wichtige Entscheidung für sich und ihr Volk treffen. Die Sprache von George R. R. Martin ist nach wie vor farbenprächtig, bildgewaltig, stellenweise voller Poesie, nur um dann auf der nächsten Seite wieder äußerst brutal zu werden. Im Land herrscht Krieg, die Zustände sind barbarisch, erbarmungslos und gewalttätig, ein Menschenleben zählt kaum noch etwas und auch Kampfszenen nehmen merklich zu in diesem Band. Entsprechend direkt und stellenweise auch sehr brutal wird hier die Sprache des Autors, aber so zeichnet George R. R. Martin auch ein realistisches Bild der Geschehnisse. Wenn auch - gerade was den Handlungsstrang von Daenerys angeht - die Fantasyelemente langsam zunehmen, hat man nach wie vor noch das Gefühl, einen düsteren und oftmals auch sehr beklemmenden Historischen Roman aus dem Mittelalter zu lesen. Doch trotz der düsteren Stimmung des 4. Bandes und den sich häufenden Gewaltszenen, gelingt George R. R. Martin die Gratwanderung perfekt. Diese Szenen nehmen nie Oberhand, immer wieder fasziniert der Autor einem beim Lesen mit seiner Fantasie, mit seiner bildhaften Sprache, die einem jede Szene vor Augen führt, fesselt einen durch seine hervorragend herausgearbeiteten Charaktere und den überraschenden Wendungen. Denn man kann sich in diesem Teil der Geschichte nie sicher sein, dass einer seiner Protagonisten den nächsten Handlungsstrang noch erlebt und nicht einem Mordkomplott oder einen der vielen Kämpfe zum Opfer fällt. Fazit: Ein sehr spannender, farbenprächtig und fesselnd erzählter 4. Band, der mit überraschenden Wendungen und wieder wunderbar beschriebenen Charakteren absolut überzeugt.
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