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Rezensionen verfasst von
tabula_rasa2605 (Rhein-Neckar)

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Watchmen - Die Wächter
Watchmen - Die Wächter
DVD ~ Malin Akerman
Preis: EUR 6,99

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Gott existiert, und er ist Amerikaner", 30. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Watchmen - Die Wächter (DVD)
Ich kann mich zwar zu den technischen Details der DVD/Blu-ray nicht äußern, die relativ vielen miesen Bewertungen dieses außergewöhnlichen Filmes zwingen mich nun aber doch, für dieses Meisterwerk mal eine Lanze zu brechen.
Das Problem von "Watchmen" dürfte vielleicht sein, dass eine amerikanische Comic-Verfilmung, zumal wenn sie in einer solchen optischen Aufmachung daherkommt, das dementsprechende Publikum anzieht. Und all diejenigen, die einen Superman-Verschnitt erwarten, können letztlich nur enttäuscht werden.

Die "Superhelden" haben die Geschichte zugunsten der USA verändert und geprägt, die Welt steht am Abgrund, so dass es nun nicht mehr an der Zeit ist, den üblichen Schurken das Handwerk zu legen oder Unschuldige zu schützen. Stattdessen geht es um nicht mehr und nicht weniger als die Rettung der Menschheit vor dem Atomkrieg. Die Frage ist nur, lohnt sich der Einsatz überhaupt?

Kenntnisse der Comic-Vorlage sind nicht nötig, da alle Beteiligten ausführlich genug vorgestellt werden. Vorhanden sein sollte allerdings ein gewisses Interesse an der weltpolitischen Situation Mitte der 80er Jahre, die den Hintergrund der Handlung bildet.
Ansonsten sollte man sich einfach nur viel Zeit nehmen (wobei keine der vielen Minuten unnötig ist) und genießen, wie Zack Snyder die Vorlage perfekt umgesetzt hat.
Mich hat jedenfalls in den vergangenen Jahren selten ein Film derart positiv überrascht wie dieser.


Der Trakt: Psychothriller
Der Trakt: Psychothriller
von Arno Strobel
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen gute Ansätze phantasielos umgesetzt, 30. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Trakt: Psychothriller (Taschenbuch)
Aufgeschreckt aus einem Albtraum, der damit endet, dass ihr Sohn entführt wird, wacht Sybille Aurich aus dem Koma auf; eine vermeintliche Ewigkeit nachdem sie bei einem Überfall niedergeschlagen wurde und eine Kopfverletzung erlitten hat. Dass die Schrecken damit allerdings noch lange nicht vorbei sind, dämmert ihr schnell, als ein nicht ganz geheuer wirkender Arzt ihr vollkommen verlassen wirkendes Zimmer betritt und ihr verkündet, sie leide an Wahnvorstellungen und habe gar keinen Sohn.

Thematisch enthält die Geschichte eine Menge verheißungsvoller Ansätze für einen spannenden Psychothriller, der diese Bezeichnung auch verdient, angefangen beim Gedächtnisverlust bis hin zur Gedankenmanipulation. Zu Beginn werden diese Ideen auch relativ gut umgesetzt. Nach und nach fällt das Gerüst der Handlung jedoch immer mehr in sich zusammen, werden Wendungen und vor allem Figuren eingebaut, die unrealistisch und deplatziert wirken. Der einzig gelungene Charakter ist der der Komapatientin, die auf der Jagd nach der Wahrheit über ihre Vergangenheit so mancherlei obskuren Gestalten über den Weg läuft, sei es in Form von durchgeknallten Gehilfen oder aber eines auf sie angesetzten Killers, der vollkommen blass bleibt und bei dem nicht schwer zu erraten ist, dass er nur versagen kann. Generell sind die Bösewichte sehr klischeebeladen, dementsprechend vorhersehbar ist schließlich auch das unvermeintliche Finale geraten.
Arno Strobel scheint ab einem gewissen Punkt einfach die Phantasie ausgegangen zu sein. Die erste Hälfte des Buches ist okay, der Rest unnötig.


Gnadenlos
Gnadenlos
von Tamara Rapp
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Willkommen in der großen, bösen Welt", 21. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Gnadenlos (Taschenbuch)
Ein kurzer Telefonanruf stellt das Leben eines braven, unbedeutenden Computerverkäufers und Familienvaters schlagartig auf den Kopf. Von Panik befallen, beginnen für ihn zwei turbulente Tage, in denen sich scheinbar das Schicksal immer wieder aufs Neue gegen ihn wendet und er - anfangs ahnungslos - von einem Dilemma ins nächste schlittert.

Die Handlung legt zu Beginn ein irrsinniges Tempo vor, das natürlich später nicht mehr ganz gehalten werden kann. Die Geschichte eines Durchschnittstypen, der grundlos zwischen die Fronten von Justiz und Unterwelt gerät, mag nicht sonderlich innovativ klingen. Auch die Rahmenhandlung, manch eine Wendung sowie einige Gedankengänge der Protagonisten wirken teils unlogisch oder zu sehr konstruiert. Außerdem hinterlässt das Ende einen etwas biederen Eindruck, verglichen mit den persönlichen und moralischen Abgründen, denen einige der Hauptakteure zuvor ausgesetzt waren. Jedoch fällt das alles kaum allzu sehr negativ ins Gewicht, denn das entscheidende Kriterium eines jeden Krimis/Thrillers, die Spannung, wird voll und ganz erfüllt. In dieser Hinsicht kann man Simon Kernick keine Vorwürfe machen. Über einen Zeitraum von knapp 48 Stunden inszeniert er eine gnadenlose Hetzjagd, die keine Wünsche offen lässt.
Etwas ungewöhnlich ist die Erzählweise ausgefallen, bei der abwechselnd der Gejagte in Rückblenden aus seiner Sicht erzählt sowie der Part der Polizeiarbeit aus neutraler Betrachtungsweise geschildert wird. Auch wenn die Grenzen zwischen Gut und Böse zeitweise etwas verschwimmen, scheint der Autor generell sehr viel Wert auf die Schilderung der Ermittlungsarbeit zu legen. Deutlich mehr jedenfalls, als anhand der Ausgangslage zu vermuten wäre.
Wenn auch nicht perfekt, so garantiert "Gnadenlos" in jedem Fall einige kurzweilige, spannende Stunden.


Viva Polonia: Als deutscher Gastarbeiter in Polen
Viva Polonia: Als deutscher Gastarbeiter in Polen
von Steffen Möller
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Was willst du denn in Asien?"..., 14. April 2011
...mit dieser und ähnlichen Reaktionen wird der Autor konfrontiert, nachdem er seinem persönlichen Umfeld den Entschluss mitteilt, die heißgeliebte Wuppertaler Provinz zu verlassen und einen Polnisch-Sprachkurs in Krakau zu besuchen. Kein Wunder, hat doch, darf man den deutschen Kartographen Glauben schenken, in den ursprünglichen, unbebauten Freiwildflächen östlich von Oder und Neiße die Zivilisation scheinbar noch nicht Fuß gefasst. Hinzu kommt, dass auf den ersten Blick einige der hiesigen, zugewanderten Vertreter des Landes Tätigkeiten nachgehen, die nicht besonders geeignet sind, um gegenseitiges Vertrauen zu fördern.

Den Beweis, dass dieses grau, kalt und unscheinbar wirkende Land jedoch durchaus seine Reize hat, dass man es nicht nur akzeptieren oder tolerieren sondern sogar lieben kann, versucht Steffen Möller mit diesem Lexikon der polnischen Eigenarten zu liefern. Von A-Z in recht kurze, knappe Kapitel eingeteilt, ergänzt durch einen kleinen Anhang mit Reisetipps und -hinweisen.
Mag der Name Steffen Möller hierzulande kaum jemandem etwas sagen, so ist er in Polen unter anderem durch Fernsehauftritte in mehreren Serien bekannt geworden und hat für seine Verdienste um das deutsch-polnische Verhältnis gar das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen. In erster Linie ist er jedoch Kabarettist, dementsprechend viel Gewicht nimmt die Ironie ein, auch bei ernsten oder traurigen Themen. Die Grenze zum Klamauk wird allerdings nie überschritten.
So kommt es, dass schließlich ein - für die meisten Deutschen - völlig neues Bild des Durchschnittspolen präsentiert wird, das eines anarchistisch-chaotisch-melancholischen, komplexbeladenen Romantikers.

Jeder, der keine trockene Ansammlung von Fakten erwartet und Themen wie Völkerverständigung nicht unbedingt todernst nimmt, dürfte gut unterhalten werden.
Wer sich nicht ganz sicher ist, kann im Buchladen vorab z.B. schnell das Kapitel "Zwei Ausflüge" (S. 358) lesen, da dieses einen gelungenen Vorgeschmack bietet und viele Gesichtspunkte behandelt, auf die in anderen Teilen des Buches näher eingegangen wird.


Der Käfig
Der Käfig
von Richard Laymon
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen bizarre Geschichte mit kuriosen, abwegigen Wendungen, 26. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Käfig (Taschenbuch)
Jahrzehntelang befand sich die Mumie der verfluchten Pharaonenfrau Amara versiegelt und sicher in der Obhut eines Sammlers. Dies ändert sich jedoch, als bei einem schiefgegangenen Einbruch die Versiegelung des Sarges zerstört wird und der untote Leichnam fortan jeden aus dem Weg räumt, der sich ihm in den Weg stellt.
Währenddessen wacht ein junger Mann unvermittelt in einem Käfig auf und muss feststellen, dass er zusammen mit seinen Mitgefangenen hilflos den perfiden Gelüsten seiner Entführer ausgeliefert ist.

Wer Richard Laymon liest, weiß natürlich in aller Regel, worauf er sich einlässt. Gerade die gewohnte Mischung aus abstruser Handlung, Sex, Gewalt und Ironie macht den Reiz seiner Geschichten aus. "Der Käfig" ist jedoch ein Beweis dafür, dass dieses Rezept nicht immer aufgehen kann. Denn abgesehen von 2-3 originellen Ideen, die sich allerdings erst zum Finale richtig entfalten, bietet das Buch nichts als Langeweile. Knapp die Hälfte der Handlung spielt sich an absolut unbedeutenden Nebenschauplätzen ab und ist gefüllt mit Charakteren, die an Skurrilität kaum zu überbieten sind. In Sachen Unglaubwürdigkeit ist man von Laymon zwar schon einiges gewohnt, die Art und Weise, wie die beiden parallel erzählten Geschichten schließlich zusammenfließen, ist allerdings nur noch armselig. Zwei Ideen, die jede für sich vielleicht Potenzial für mehr gehabt hätten, werden sinnlos miteinander vermischt.
In meinen Augen ist "Der Käfig" eines der schwächsten Bücher des Autors. Halbwegs gelungen sind bestenfalls die letzten 100 Seiten, wobei Laymon selbst dann in Sachen Spannung und Bösartigkeit nicht sein übliches Niveau erreicht.


Tage der Toten: Kriminalroman
Tage der Toten: Kriminalroman
von Don Winslow
  Broschiert
Preis: EUR 14,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen über die Urspünge des Drogenkrieges, 17. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Tage der Toten: Kriminalroman (Broschiert)
Heute steht Mexiko vor allem in zweierlei Hinsicht im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit: entweder als paradiesisches Reiseziel für Touristen oder aber durch Schreckensmeldungen über Massaker der Drogenmafia im Norden des Landes. Letztere bilden auch die Einleitung zu "Tage der Toten", einem recht heftigen Drogen-Thriller, der sich jedoch nicht auf einen stupiden Kampf Gut gegen Böse beschränkt, sondern darüber hinaus einen Überblick über die politischen, gesellschaftlichen und vor allem historischen Zusammenhänge bietet und somit dem Leser Hintergründe liefert zu einem auf den ersten Blick unverständlichen "Krieg".

Als Hauptprotagonisten agieren ein amerikanischer Ex-CIA- und späterer DEA(Antidrogenbehörde)-Agent, der in jungen Jahren in Mexiko Bekanntschaft mit der Barrera-Familie macht, die später den Kopf der mexikanischen Drogenkartelle bildet. Eine Verbindung, die sich im Laufe der folgenden Jahrzehnte zur unerbittlichen Privatfehde entwickelt. Hinzu kommen weitere Figuren wie die einer Prostituierten, eines Priesters und eines irischen Gangsters, die jedoch keineswegs als Nebencharaktere angesehen werden dürfen, sondern einen ähnlich großen Part zum Ganzen beitragen.
Die Kurzbeschreibung der Story dürfte in dieser Hinsicht vielleicht Irritationen auslösen, es handelt sich keineswegs um einen reinen Agenten-Thriller. Keine der Figuren steht im Vordergrund, das Schicksal der Einzelnen ist eher unerheblich. Die Handlung umspannt einen Zeitraum von knapp 25 Jahren und setzt ein gewisses Interesse an den entsprechenden Begebenheiten in Süd- und Mittelamerika voraus, insbesondere während der 80er und 90er Jahre.
Wer also ein Buch im Stil von Robert Ludlum erwartet, wird sicher nicht auf seine Kosten kommen. Anders sind die Kritiken mancher Leser über scheinbare Ereignislosigkeit kaum zu verstehen. Eine nicht unbedeutende Rolle spielt der Aufbau der Hassbeziehungen zwischen einigen der Protagonisten, dies bedarf gewisser Abstecher auf Nebenschauplätze, die jedoch nie langatmig geraten.
In mancherlei Hinsicht dürften James-Ellroy-Fans viel Freude an diesem Buch haben. Auch wenn seine Charaktere nicht ganz so extrem ausfallen, so ist Don Winslows Schreibstil ähnlich markant, mit vielen kurzen, eher abgehackt wirkenden Sätzen.
Ganz gleich, ob man "Tage der Toten" nun als reine Fiktion oder aufgrund der jahrelangen Recherchen des Autors, die der Handlung zugrunde liegen, eher als Tatsachenbericht ansehen mag, lesenswert ist das Buch auf jedem Fall. Es bietet nicht nur eine Menge Spannung, sondern auch einige interessante historische Spekulationen über Sinn und Unsinn des (Anti-)Drogenkrieges.


Kind der Hölle
Kind der Hölle
von John Saul
  Taschenbuch

3.0 von 5 Sternen ein übler Fall der Sippenhaft, 27. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Kind der Hölle (Taschenbuch)
Gerade als die Eheleute Conway endgültig kurz vor der Trennung stehen, es privat, finanziell und beruflich kaum noch schlechter stehen kann, kommt die Erbschaft eines Hauses wie gerufen. Am neuen Wohnort angekommen, sieht sich die Familie jedoch unerklärlichen Anfeindungen ausgesetzt, die anscheinend in weit zurückreichenden Ereignissen ihrer Vorfahren begründet sind. Nicht ahnend, welche Veränderungen ihnen bevorstehen, lassen sich die Conways jedoch zunächst nicht unterkriegen.

Grundsätzlich gefällt mir die Mischung von John Sauls konservativ-stocksteifem Schreibstil und den grausam-düsteren Abschnitten sehr gut, durch die es ihm oft gelingt, den Leser zu überraschen. Im Prinzip funktioniert dieses Muster auch diesmal recht gut, nur wirkt der inhaltliche Mix aus Voodoo, Satansanbetung und verfluchtem Haus bzw. verfluchter Familie leider etwas missraten und übertrieben. Der Versuch, einen Mangel an guten, originellen Ideen durch viele Einfältigkeiten auszugleichen, ist eher gescheitert. Insbesondere die charakterliche 180Grad-Wandlung der beiden männlichen Familienmitglieder, die lediglich in einer kurzen Traumsequenz erwähnt wird, fällt somit beinah vollkommen unter den Tisch, obwohl genau dieser Wendepunkt wesentlich für den weiteren Fortgang der Geschichte ist.
Das Buch eignet sich sicherlich als kurze Lektüre zum Abschalten, jedoch hat John Saul weitaus Besseres zu bieten.


The Lost: Roman
The Lost: Roman
von Jack Ketchum
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Jack Ketchum, der neue Star am Horrorhimmel ?, 27. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: The Lost: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ray Pye erfüllt sämtliche Kriterien eines Lehrbuch-Psychopathen, angefangen bei grenzenloser Ich-Bezogenheit bis hin zu bedenkenloser Gewaltbereitschaft. Passenderweise hat sich dieser auch noch einen Freundeskreis geschaffen, der sich problemlos kontrollieren und beherrschen lässt und selbst nach zwei kaltblütigen Morden noch genügend Rückhalt bietet, um die Ermittlungen der Polizei ins Leere laufen zu lassen.
Vier Jahre lang konnte Ray nach den Morden seine abgründigen Gelüste mehr oder weniger im Zaum halten. Als sich seine Umwelt allerdings erdreistet, sich immer öfter gegen seine Interessen zu stellen, gibt es für ihn eines Tages kein Halten mehr.

Je mehr seiner Bücher nun endlich ins Deutsche übersetzt werden, desto mehr kommt man zu dem Schluss, dass der Hype um Jack Ketchum letztlich doch stark übertrieben ist. Ihn überhaupt als Horrorautor zu bezeichnen, ist bereits sehr irreführend, da nicht allzu viele seiner Bücher tatsächlich diesem Genre zugerechnet werden können. Auch "The Lost" macht da keine Ausnahme. Die Geschichte kommt am ehesten noch als Drama daher und lässt sich (auch qualitativ) ein wenig mit "Blutrot" vergleichen. Selbst wenn es zum Ende hin etwas heftiger zugeht, erreicht die Story nie auch nur annähernd die Intensität von "Evil" oder "Beutezeit".
"The Lost" schildert über einen Zeitraum von wenigen Tagen einen kurzen Lebensabschnitt mehrerer Personen, die kurz darauf als Täter, Opfer oder sonstige Beteiligte an einem Amoklauf mitwirken. Und dies zu einer Zeit (Mitte bzw. Ende der 60er Jahre), in der die USA vor einer Reihe tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen stehen.
Was man Jack Ketchum lassen muss, ist seine Abneigung gegen jegliches Happy End. Davon abgesehen wirkte das Buch auf mich zwar spannend und unterhaltsam geschrieben, jedoch emotional nicht besonders eindringlich. Auch der für seine Verhältnisse fast monumentale Umfang von knapp 430 Seiten ändert nichts daran, dass das gewisse Etwas einfach fehlt.
Für Ketchum-Fans ist "The Lost" natürlich ein absolutes Muss. Einsteiger, insbesondere solche, die wirklich etwas aus der Horror-/Psychoecke erwarten, sollten sich lieber für ein anderes seiner Bücher entscheiden.


Helter Skelter - Der Mordrausch des Charles Manson: Eine Chronik des Grauens
Helter Skelter - Der Mordrausch des Charles Manson: Eine Chronik des Grauens
von Vincent Bugliosi
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Phänomen Charles Manson, 31. Januar 2011
In der Nacht auf den 09.08.1969 dringen 4 Anhänger der Manson-Family auf Geheiß ihres Anführers in das Haus des Regisseurs Roman Polanski ein und ermorden in einem scheinbar sinnlosen Gemetzel dessen hochschwangere Frau sowie 4 weitere Personen. In der darauffolgenden Nacht kommt es durch nahezu dieselben Täter nur wenige km entfernt zu einer ähnlichen Gräueltat an den Eheleuten LaBianca.
Trotz aller Grausamkeit könnte man sich dennoch fragen: na und? Sind diese - auf den ersten Blick recht gewöhnlich wirkenden - Morde tatsächlich den bereits Jahrzehnte andauernden Aufruhr wert?

Vincent Bugliosi, der als verantwortlicher Staatsanwalt an der Verurteilung der Täter maßgeblich beteiligt war, versucht das Rätsel um die bis zum heutigen Tage fortwährende obskure Anziehungskraft der Manson-Morde zu entschlüsseln.
Das Buch gliedert sich hauptsächlich in 3 Teile: zuerst werden die Morde geschildert sowie ein Blick in das Leben der Ermordeten und der Mörder gewährt, wobei dadurch keine chronologische Abfolge eingehalten wird, was ein wenig zu Verwirrung führen kann.
Daran schließt sich die Ermittlungsphase an, ab der der Autor persönlich am Geschehen mitwirkt. Dadurch verändert sich der Schreibstil entsprechend, subjektive Eindrücke fließen von nun an mit in die Erzählungen ein. Wobei man Bugliosi dennoch - und dies ist einer der größten Pluspunkte des Buches - stets eine beträchtliche Distanziertheit zugute halten muss. Anders als in der damaligen Öffentlichkeit hat man nie den Eindruck, es wäre vor Gericht um Rachejustiz oder Vorverurteilung gegangen.
Den umfangsreichsten Part bildet schließlich das sich über Monate hinziehende Gerichtsverfahren, das nicht nur eines der sonderbarsten Tatmotive aller Zeiten sondern auch ein Macht-/Abhängigkeitsverhältnis zutage förderte, das in dieser Form beinah einzigartig erscheint.
"Helter Skelter" lässt für Interessierte keine Wünsche offen. Einzig die Detailverliebtheit dürfte vielleicht nicht jedermanns Sache sein. Immerhin hat man es mit Taten zu tun, die vorwiegend durch eine Aneinanderreihung von Indizien aufgeklärt wurden. Dementsprechend gründlich werden alle möglichen Kleinigkeiten abgehandelt.
Ansonsten habe ich selten ein Buch gelesen, das mich über Wochen so sehr fasziniert und dabei nie an Spannung verloren hat wie dieses.

Ganz gleich, ob man nun zum Schluss kommt, Manson für einen hoffnungslosen Irren zu halten oder ihn klammheimlich doch zu bewundern. Letztendlich ist der Eindruck des Beschriebenen einfach zu gewaltig, um davon unberührt zu bleiben.


Die Toten von St. Petersburg: Roman
Die Toten von St. Petersburg: Roman
von Tom Bradby
  Taschenbuch

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die letzten Tage des Zarenreiches, 10. Januar 2011
Nach mehreren Jahren der Verbannung in Sibirien kehrt Alexander Ruzsky zurück in seine Heimatstadt St. Petersburg. Sogleich empfängt ihn die Stadt mit einem mysteriösen Verbrechen und gibt ihm die Möglichkeit, sich in seiner Funktion als Chefermittler zu bewähren: in der Neujahrsnacht werden in Sichtweite des Winterpalastes im Eis der Newa die Leichen eines ermordeten Amerikaners und seiner russischen Geliebten entdeckt.
Doch nicht nur die Lösung des Falles bereitet Kopfzerbrechen und führt in die Abgründe eines sich selbst auflösenden Systems, auch das Privatleben des Ermittlers ist von Zerfall und Hoffnungslosigkeit geprägt.

Das Buch legt einen etwas holprigen Start hin. Man braucht ein wenig Zeit, um sich an die abgeschnitten wirkenden Dialoge zu gewöhnen. Vermutlich ist dies als Hommage an das Klischee der russischen Wortkargheit gedacht. Viele Fragen bleiben unbeantwortet, die Themen wechseln sprunghaft, nicht immer wird sofort deutlich, wer überhaupt spricht.
Wer sich an diesen Stil gewöhnen kann, bekommt jedoch eine Menge geboten. Der Kriminalfall dient als Aufhänger für die weitere Rahmenhandlung, die einen Blick in die von Verzweiflung und Resignation geprägte russische Seele kurz vor Ausbruch der Revolution(en) gewährt.
Manch einem könnten die Ausflüge in die Vergangenheit der Protagonisten zu weit gehen, die tatsächlich auf den ersten Blick manches Mal etwas zu sehr abzuschweifen scheinen. Letztlich finden aber alle Handlungsstränge beim Finale wieder zueinander und wirken somit keinesfalls überflüssig. Gerade was die historisch-politischen Zusammenhänge angeht, hätten sogar einige zusätzliche Kapitel durchaus noch ihren Reiz gehabt.
Wer auf reine Krimis steht, dem könnte die Handlung vielleicht zu langatmig vorkommen. Jedem, der historische Romane mag, kann man das Buch nur voll und ganz empfehlen!


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