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Rezensionen verfasst von
tabula_rasa2605 (Rhein-Neckar)

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Im Sog der dunklen Mächte: Ein Fall für Bernhard Gunther
Im Sog der dunklen Mächte: Ein Fall für Bernhard Gunther
von Philip Kerr
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,90

4.0 von 5 Sternen spannender Krimi vor imposanter Kulisse, 5. April 2010
Berlin im Sommer 1938: auch die drückende Hitze kann die Kriegslust und den Rassenwahn der Nazis nicht bändigen. Während sich um das Sudetenland ein Konflikt anbahnt, erhält Bernhard Gunther von einem prominenten Erpressungsopfer den Auftrag, dessen Peiniger zu entlarven. Aus dem vermeintlichen Routineeinsatz wird schnell bitterer Ernst, als Gunther's Partner ermordet wird und kurz darauf Reinhard Heydrich persönlich mit dem dringenden Auftrag erscheint, eine Mordserie aufzuklären, der bereits mehrere junge Mädchen zum Opfer gefallen sind.

Wäre die Figur des Bernhard Gunther nicht so offenkundig fehl am Platz, hätte die Geschichte beinah die beste Bewertung verdient. Kaum ein anderer historischer Hintergrund bietet sich so sehr für einen düsteren Krimi an wie das Dritte Reich kurz vor dem endgültigen Fall aller Konventionen. Auch wenn der Detektiv, der zwischenzeitlich zum Kommissar befördert wird, nicht mehr ganz so sehr wie ein Anachronismus erscheint, wie dies noch in "Feuer in Berlin" der Fall war, so wird dennoch erneut durch sein unglaubwürdiges Verhalten ein bedeutendes Maß an Authentizität verspielt. Wenn es einen wie Gunther tatsächlich gegeben hätte, hätte man sich den 2. Weltkrieg sparen können, denn er hätte die Nazis zweifellos im Alleingang besiegt. Ansonsten bietet die Geschichte alles, was man sich von einem Krimi mit diesem Hintergrund versprechen darf. Angefangen bei Protagonisten mit geradezu monströsen Weltanschauungen in einer Umgebung, die aus allen Fugen zu geraten scheint, bis hin zu einem überzeugenden Spannungsaufbau, auch wenn das Ende nicht sonderlich überraschend ausfällt. Schließlich ist auch der deutsche Titel gut gewählt, denn an "dunklen Mächten" mangelt es der Handlung wahrhaftig nicht.
Kurzum, für einige kurzweilige Stunden ist das Buch absolut geeignet und stellt gegenüber dem Vorgänger eine Steigerung dar.


Die Büches des Blutes IV-VI
Die Büches des Blutes IV-VI
von Clive Barker
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Bücher der überbordenden Phantasien, 21. März 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Auch in der zweiten Hälfte seiner "Bücher des Blutes" lässt Clive Barker wieder allerlei Dämonen, Monster und dergleichen Übersinnliches auf seine Protagonisten los. Von wenigen Ausnahmen abgesehen triefen seine Erzählungen nur so vor schrägen Ideen. Beginnen die Handlungen stets mit einem alltäglichen, realen Hintergrund, gerät man meist bereits nach wenigen Seiten in eine absurde Phantasiewelt, aus der es für die Akteure oft weder physisch noch psychisch ein Entrinnen gibt.

Insgesamt gesehen haben mir die ersten drei Bände etwas besser gefallen, vor allem weil dort die Diskrepanz zwischen guten und schlechten Ideen nicht so auffällig war wie bei den Nachfolgern.
Das vierte Buch ist in meinen Augen das schwächste der gesamten Serie, lediglich "Das Zeitalter der Begierde" bildet dabei eine Ausnahme.
Im sechsten Buch halten sich die Geschichten qualitativ in etwa die Waage, wobei auch hier mit "Wie Schänder bluten" der Favorit schnell ausfindig gemacht werden kann.
Das fünfte Buch wiederum besticht durch ein gleichmäßig hohes Maß an Phantasie, Absurdität und Spannung. Die vielleicht irrwitzigste aller Storys dürfte "Babels Kinder" sein, die ausnahmsweise ohne jegliches Blutvergießen auskommt und uns aufzeigt, wer in Wahrheit seit Jahrzehnten die Geschicke der Menschheit lenkt.
"Das Verbotene" mit seinen gerade mal 70 Seiten verspielt sogar noch viele Chancen. Die auf dieser Erzählung basierende (und im Vergleich zur Vorlage stark abgeänderte) Verfilmung "Candyman" aus den 90ern ist ein Beweis dafür.
Überhaupt kommt das ein oder andere Mal durchaus Bedauern auf, dass einige der Storys für einen reinen Sammelband von Kurzgeschichten herhalten müssen. Potenzial für mehr wäre zweifelsohne sinnvoll und vorhanden gewesen.

Fans von Horrorkurzgeschichten sowie Anhängern Clive Barkers kann man die Sammlung sicherlich bedenkenlos empfehlen, allen Freunden von Stephen King & Co. hingegen nur unter Einschränkungen.


Der eisige Schlaf: Das Schicksal der Franklin-Expedition
Der eisige Schlaf: Das Schicksal der Franklin-Expedition
von Owen Beattie
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen verborgene Geheimnisse im ewigen Eis, 7. März 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Schicksal der rätselhaften Franklin-Expedition, die 1845 in See stach, um die letzten, noch nicht kartographierten Abschnitte der vermuteten Nordwestpassage zu entdecken, und die schließlich mit knapp 130 Mann Besatzung in den Weiten der kanadischen Arktis verschollen ist, galt jahrzehntelang als weitgehend ungelöst.
In den 1980er Jahren macht sich schließlich ein Trupp kanadischer Wissenschaftler auf den Weg in den hohen Norden, um zuerst die Gegend um King-William-Island, die als tragischer Schlusspunkt der Odyssee gilt, zu erforschen. Die entscheidenden Entdeckungen werden jedoch erst bei der Exhumierung der drei früh verstorbenen Seeleute gemacht, die auf Beechey Island beerdigt wurden.

Nach fast 140 Jahre wird also "des Rätsels Lösung" erbracht und manch ein Mythos der vergangenen Jahrzehnte zum Märchen degradiert. Aus Helden werden Kannibalen und als Ursprung allen Übels muss eine simple technische Fehlkonstruktion bzw. Schlamperei herhalten.
Auch ich gehöre zu den Lesern, deren Interesse an der Franklin-Expedition erst durch Dan Simmons' "Terror" geweckt wurde. Nach dem in vielerlei Hinsicht phantastischen Roman sorgt die wissenschaftliche Herangehensweise von Owen Beattie und seinen Kollegen schnell für Ernüchterung. Jedoch ist diese keinesfalls mit Enttäuschung verbunden. Der Schreibstil ist besonders bei den Berichten über die Exhumierungen der durch den Permafrost außerordentlich gut erhaltenen Leichen dementsprechend emotional. Hinzu kommt das Wissen über die eigene Abgeschiedenheit in einer lebensfeindlichen Umgebung sowie die Tragik der längst vergangenen Geschehnisse, die die Teilnehmer nie aus den Augen verlieren. Zum Glück wird meist auf Fachbegriffe verzichtet, das Buch ist auch für Nicht-Anthropologen und sonstige Laien einfach und verständlich geschrieben.
Fraglich dürfte lediglich sein, wie lange wohl bei allen technischen Fortschritten die aufgestellten Thesen ihre Gültigkeit bewahren können.


Der Ghostwriter: Roman
Der Ghostwriter: Roman
von Robert Harris
  Taschenbuch

11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen ein namenloser Geist, 26. Februar 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Ghostwriter: Roman (Taschenbuch)
Ausgerechnet als der ehemalige britische Premierminister Adam Lang durch Anschuldigungen eines politischen Widersachers öffentlich unter immensen Druck gerät, bekommt er auf seinem vorübergehenden Wohnsitz auf einer kargen Insel vor der US-amerikanischen Ostküste einen Begleiter an seine Seite gestellt, der sich als Retter in höchster Not herausstellen könnte: einen neuen Ghostwriter. Zwecks Gegendarstellung zu den Vorwürfen über den umstrittenen britischen Antiterrorkampf an der Seite der USA scheinen die in Arbeit befindlichen Memoiren das perfekte Medium zu sein.

Robert Harris verlässt in "Ghost" seine übliche Linie nur in der Hinsicht, dass er diesmal in der Historie nicht Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte zurückspringt, sondern einen deutlich aktuelleren Schauplatz nachahmt. Die Parallelen zur Realität sind deutlich genug und bei einem britischen Autor auch wenig verwunderlich.
Wer Action um jeden Preis haben will, sollte von "Ghost" die Finger lassen. Spannung kann man der Story dagegen sicherlich nicht absprechen; ein weiterer bedeutender Schwerpunkt liegt darin, einen Blick hinter das Leben der Mächtigen dieser Welt mit all ihren Intrigen und Ritualen zu werfen, was sicherlich nicht jedermanns Sache ist.
Politisches Interesse oder gar Kenntnisse werden nicht vorausgesetzt. Die wenigen Punkte, die in dieser Hinsicht überhaupt angesprochen werden, erklären sich von selbst und spielen letztlich, sobald die wahre "Pointe" der Geschichte offensichtlich wird, nur noch eine Nebenrolle. Zur eigentlichen Hauptfigur entwickelt sich der kleine, unbedeutende Ghostwriter, der passenderweise bis zum Schluss anonym bleibt.
Wer auf Spannung steht, die ihren Reiz aus dem Aufeinandertreffen (im Großen und Ganzen) realistischer geschichtlicher Fakten und fiktiver Persönlichkeiten zieht, dürfte bei Robert Harris immer gut bedient werden. Auch "Ghost" macht da keine Ausnahme.
Ich kann das Buch als soliden, spannenden - und nebenbei auch dank des Blickes hinter die Kulissen - faszinierenden Politkrimi nur weiterempfehlen.


Stadt aus Blut: Ein Joe-Pitt-Roman
Stadt aus Blut: Ein Joe-Pitt-Roman
von Charlie Huston
  Taschenbuch

6 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen das pure Grauen, 21. Februar 2010
Die Vampyre haben Manhattan unter sich aufgeteilt, mehrere Clans üben die Kontrolle in ihren jeweiligen Hoheitsgebieten aus. Es gibt nur wenige unabhängige Vampyre, die geduldet werden. Einer von ihnen ist Joe Pitt, der sich den Luxus der Nichtzugehörigkeit nur deshalb leisten kann, weil er von mehreren Seiten für spezielle Jobs engagiert wird. Der normalen Bevölkerung bleiben die Aktivitäten dieser Untergrundwelt normalerweise verschlossen, es sei denn, man hat das Pech, zufällig von einem Zombie gebissen zu werden oder eben mal aus Blutnot von einem Vampyr angezapft zu werden.

Klingt alles ein wenig durchgeknallt? Ist es auch, und mir definitiv um einiges zu schräg. Ich kannte von Charlie Huston bislang nur die Hank-Thompson-Reihe, die ich im Großen und Ganzen aufgrund des hohen Tempos und der Schlagfertigkeit sehr unterhaltsam finde. Sicherlich hält sich auch dort der Realitätssinn eher in Grenzen, jedoch bewegt sich zumindest die Rahmenhandlung in einem nachvollziehbaren Umfeld. Gänzlich anders ist dies jedoch bei "Stadt aus Blut": das Verhalten der Protagonisten wirkt absolut willkürlich und absurd, was in meinen Augen auch dazu führt, dass deren Schicksal dem Leser gleichgültig wird.
Den absoluten Todesstoß versetzt der Geschichte schließlich das Fehlen jeglicher Spannung, wodurch man höchstens noch dem baldigen Ende der Geschichte entgegenfiebert.
Positiv zu vermerken sind bestenfalls hier und da ein paar nette Sprüche, die den Schlamassel jedoch auch nicht mehr retten können. Und natürlich die überschaubare Seitenzahl, die zumindest ein baldiges Ende der Lesequalen verheißt.
Nichts gegen Charlie Huston im Allgemeinen, aber mir fällt nicht ein guter Grund ein, die Joe-Pitt-Reihe weiterzuempfehlen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 13, 2010 10:23 AM MEST


Die Päpstin: Roman  Buch zum Film
Die Päpstin: Roman Buch zum Film
von Donna W. Cross
  Taschenbuch

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Legende der Johanna von Ingelheim, 12. Februar 2010
Anfang des 9. Jahrhunderts, im finstersten Mittelalter, erblickt das Kind einer sächsischen "Heidin" und eines englischen Priesters die Welt, das bereits sehr früh merkt, dass ihm weder Kälte, noch Armut oder Hunger, sondern vielmehr sein Geschlecht am meisten im Wege steht. Gegen alle Widerstände und unter ständiger Lebensgefahr entwickelt sich das wissbegierige Mädchen zur Gelehrten, die es schließlich bis an den päpstlichen Hof nach Rom verschlägt.

Eine Frau als Oberhaupt der katholischen Kirche, Wahrheit oder Hirngespinst? Die im Epilog aufgeführten Beweise, die aus Sicht der Autorin dafür sprechen, erscheinen jedenfalls - vorsichtig ausgedrückt - äußerst dürftig.
Ganz gleich ob man das Buch als reinen Unterhaltungsroman oder doch als historische Nacherzählung garniert mit fiktivem Hintergrund ansieht, ganz entziehen können wird sich dem Zauber dieser Geschichte vermutlich kaum jemand. Bereits die Kindheit und Jugend Johannas steckt voller Abenteuer und Überraschungen, so dass man sich zu dem Zeitpunkt eine Steigerung kaum noch vorstellen kann. Vom ersten Kapitel an kommt somit nie auch nur ansatzweise Langeweile auf.
Bedenkt man, dass das Buch sicher von Vornherein für eine überwiegend weibliche Leserschaft bestimmt war, so darf es auch nicht verwundern, dass der Herzschmerz einen nicht unbeträchtlichen Teil des Buches ausmacht, auch wenn dieser Part nicht unbedingt viel Aufschlussreiches zu bieten hat.
Da die Handlung zu einer Zeit spielt, in der Männer sich noch einige "gottgegebene", barbarische Rechte gegenüber Frauen genommen haben, verwundert es kaum, dass die Protagonistin im Verlauf der Geschichte immer wieder indirekt als frühe Vorkämpferin für Emanzipation wahrgenommen wird. Jedoch muss man der Autorin zugute halten, dass sie dem männlichen Geschlecht gegenüber weit mehr Fairness walten lässt, als man unter diesen Umständen erwarten dürfte.


Die dunkle Unermesslichkeit des Todes: Roman
Die dunkle Unermesslichkeit des Todes: Roman
von Massimo Carlotto
  Taschenbuch

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen vom Opfer zum Täter, 31. Januar 2010
Raffaello Beggiato ermordet auf der Flucht vor der Polizei im Drogenrausch eine Frau und ihren 8-jährigen Sohn und wird dafür zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach 15 Jahren könnte er aufgrund einer lebensbedrohlichen Erkrankung die Möglichkeit erhalten, das Gefängnis vorzeitig zu verlassen. Ob ihm diese Gnade gewährt wird oder nicht, hängt jedoch nicht unwesentlich von Silvano Contin, dem Ehemann und Vater der damaligen Opfer, ab, der seine ganz eigenen Pläne verfolgt.

Man sollte trotz der recht eindeutigen Kurzbeschreibung kein reines Rache-/Selbstjustizdrama erwarten. Zu Beginn scheinen die Fronten klar abgesteckt zu sein. Auf der einen Seite der verwitwete Familienvater, der das Bedeutendste in seinem Leben durch eine sinnlose Gewalttat verloren hat. Auf der Gegenseite der Verurteilte, der zwar in seinem tiefsten Inneren eine gewisse Reue nicht leugnen kann, jedoch nach außen unbelehrbar und eiskalt erscheint. Beachtlich ist dann jedoch, welchen weiteren Verlauf die Handlung nimmt. Dass schließlich das Opfer zum Täter wird, liegt auf der Hand, weitaus überraschender ist allerdings das Verhalten des Raffaelo Beggiato.
Im Großen und Ganzen soll die Geschichte wohl als Anklage gegen von der Gesellschaft vergessene und alleingelassene Hinterbliebene von Gewalttaten herhalten, bei denen man sich schließlich nicht wundern muss, wenn diesen selbst eines Tages alle Sicherungen durchbrennen.
Vor größeren Gewaltorgien braucht man keine Angst zu haben, von der angepriesenen "alttestamentarischen Wucht" des Romans bekommt man nicht allzu viel mit. Auch ein verstecktes Plädoyer des Autors für eine (un)nachgiebigere Justiz bleibt aus, das Augenmerk liegt vielmehr auf den charakterlichen Veränderungen der beiden Protagonisten, durch die sich der Leser ein eigenes Urteil bilden kann.
Gänzlich überzeugen konnte mich das Buch nicht, dazu sind einige Wendungen und vor allem das Ende einfach zu unrealistisch und überzogen geraten.


Feuer in Berlin: Ein Fall für Bernhard Gunther
Feuer in Berlin: Ein Fall für Bernhard Gunther
von Philip Kerr
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

3.0 von 5 Sternen Schnüffeleien im Dritten Reich, 30. Januar 2010
Berlin 1936, kurz vor Beginn der Olympischen Spiele: der Privatdetektiv Bernhard Gunther erhält vom Großindustriellen Hermann Six den Auftrag, den Mord an dessen Tochter sowie ihrem Mann aufzuklären, bei dem nebenbei noch einige brisante Gegenstände aus einem Safe entwendet wurden. Mitten im aufkeimenden Rassenwahn kommt der Schnüffler bei seinen Ermittlungen in Kontakt zu höchsten politischen Kreisen und gerät dabei in Zwickmühlen, aus denen bald kein Entkommen mehr möglich zu sein scheint.

Betrachtet man allein die letzten 50 Seiten, so wird schnell deutlich, welche Möglichkeiten der Autor bis dahin mit seinem eher schludrigen Aufbau der Handlung und vor allem dem absolut unpassenden Klamauk seines Hauptakteurs verschenkt hat. Man hat teilweise den Eindruck, Gunther wolle unbedingt die "Vorzüge" des Nationalsozialismus am eigenen Leib zu spüren bekommen. Wenn jemand selbst einem Göring frech kommt und dies im Grunde folgenlos bleibt, dann trägt das nicht gerade zur Glaubwürdigkeit der Geschichte bei. Auch ist die strikte Schwarz-Weiß-Zeichnung der Charaktere nicht besonders originell geraten. Natürlich sind alle halbwegs intelligenten Personen hinter vorgehaltener Hand gegen die Nazis, während deren Anhängerschaft bestenfalls zu körperlichen Höchstleistungen fähig ist.
Das Ende wiederum entschädigt für manch einen der vorangegangenen dämlichen Sprüche und bringt dem Leser die Auswüchse des Dritten Reiches näher. Erst hier kommt langsam die beklemmende Stimmung auf, die man eigentlich von Anfang an erwarten sollte.
Gut gelungen sind Philip Kerr hingegen einige Wendungen bei den Ermittlungen, wodurch der Leser geschickt an der Nase herumgeführt wird und lange Zeit im Ungewissen über die wahre Identität der Täter sowie deren Motive gelassen wird.
Betrachtet man das nicht unbeträchtliche Steigerungspotenzial der Geschichte, so bekommt man trotz gewisser Mängel durchaus Lust auf die Fortsetzungen der Berlin-Noir-Reihe.


Verdammnis (2): Roman (Millennium, Band 2)
Verdammnis (2): Roman (Millennium, Band 2)
von Stieg Larsson
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Larssons zweiter Streich, 24. Januar 2010
Seit der Aufklärung des Falles Harriet Vanger sind die beiden Hauptakteure, der Journalist Mikael Blomkvist und seine unnahbare Partnerin Lisbeth Salander, getrennte Wege gegangen. Während Salander zunächst unauffindbar ist und die Welt erkundet, gibt Blomkvist einem Kollegen die Chance, ein Buch über Mädchenhandel zu veröffentlichen, in dem mehrere bekannte Persönlichkeiten bloßgestellt werden sollen. Kurze Zeit später wird unter anderem ebendieser Journalist ermordet aufgefunden und auf der Tatwaffe werden ausgerechnet Salanders Fingerabdrücke gefunden.

Im Gegensatz zum Vorgänger kommt "Verdammnis" ohne einen einzigen direkten Dialog zwischen Blomkvist und Salander aus. Ohnehin steht diesmal eindeutig Salander im Vordergrund, nicht zuletzt deshalb, weil nun auch endlich ein bedeutender Teil ihrer Vergangenheit aufgerollt wird, der dem Leser Zugang zu ihrer Identität gewährt. Blomkvist gerät währenddessen beinah zur Nebenfigur, zumal die eigentlichen Ermittlungen von der Polizei geführt werden.
Die ersten 200 Seiten des Buches verlaufen in etwa genauso unspektakulär (und im Übrigen auch relativ unbedeutend) wie man es bereits aus "Verblendung" kennt. Etwas Geduld sollte man also aufbringen, bis die Handlung in Fahrt kommt. Ab dem Zeitpunkt der Morde erhöht sich das Tempo jedoch deutlich und bleibt im Grunde bis zum Schluss auf einem beachtlichen Niveau.
Leichte Glaubwürdigkeitsprobleme kann man kaum verhehlen, wenn es um die teils extremen Lebensgeschichten einiger Charaktere geht, speziell natürlich im Fall von Lisbeth Salander. Außerdem scheint sich Larsson verkrampft am Über-Motto des modernen skandinavischen Gutmenschen festzuklammern: "liberal um jeden Preis". Auf dass ja nie auch nur die geringste sexistische, rassistische oder sonst wie diskriminierende Aussage fällt, ohne dass sofort der erhobene Zeigefinger folgt.
Man kann wohl davon ausgehen, dass kaum jemand auf die Idee kommen dürfte, dieses Buch zu lesen, ohne den Vorgänger zu kennen. So gesehen kann man "Verdammnis" ohne Einschränkungen jedem empfehlen, dem bereits "Verblendung" gefallen hat.


Wahnsinn: Roman
Wahnsinn: Roman
von Jack Ketchum
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen ein Hoch auf die Männlichkeit, 17. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Wahnsinn: Roman (Taschenbuch)
Arthur Danse ist der Traummann schlechthin: gutaussehend, charmant, Inhaber einer profitablen Bar und mit einem permanenten Drang zur Gewalttätigkeit ausgestattet. Abgesehen vom letzten Punkt sticht dies auch der frisch geschiedenen Liddy ins Auge, nicht ahnend, worauf sie sich von da an für den Rest ihres Lebens einlässt.

Die Handlung dreht sich größtenteils um (sexuellen) Missbrauch in der Familie, was vom Leser dadurch besonders eindringlich wahrgenommen wird, weil ein Kind das Hauptopfer darstellt. Jack Ketchum's Schreibweise ist gewohnt direkt, drastisch und realistisch. Man erlebt den Untergang einer ganzen Familie, die Hoffnungslosigkeit und das Auslöschen von Lebensträumen hautnah mit. Nebenbei erhält man noch Einblick in die zahllosen "Vorzüge" eines vollkommen irrsinnigen rechtsstaatlichen Justizsystems, das sich im Groben von unserem hiesigen kaum unterscheiden dürfte.
Darüber hinaus bekommt man als Beigabe noch eine Serienkiller-Story geboten, die im Grunde allerdings vollkommen unnötig wirkt und vor allem der restlichen Handlung ein wenig die Glaubwürdigkeit raubt. Zumal das Buch ohnehin nicht umfangreich genug ist, um ein verständliches Psychogramm des Täters zuzulassen.
Davon abgesehen kann man "Wahnsinn" dennoch ganz klar allen Lesern empfehlen, die sich auf ein nicht gerade zimperliches Familiendrama einlassen wollen. Auch wenn die Intensität von "Evil" nicht erreicht wird, so lässt auch diese Geschichte einen wütend und fassungslos zurück.
Das Buch jedoch als schockierend darzustellen, kann bestenfalls als Heuchelei bezeichnet werden, da es (zumindest bezogen auf den reinen Missbrauch) in jedem Plattenbau mehrere ähnlich gelagerte Fälle geben dürfte, die auch nur achtlos hingenommen werden.


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