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Rezensionen verfasst von
Marcus Raitner (München)

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Dein Preis: Wie Du ein Angebot erstellst, das Deinem Wert entspricht (Wirtschaftlich erfolgreich als freiberuflicher Wissensarbeiter 1)
Dein Preis: Wie Du ein Angebot erstellst, das Deinem Wert entspricht (Wirtschaftlich erfolgreich als freiberuflicher Wissensarbeiter 1)
Preis: EUR 8,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lesenswertes kleines Büchlein, das viele Impulse für die eigene Angebotsgestaltung bietet., 5. Juli 2014
Niemand verkauft sich gerne unter Wert. Darum behandelt Gebhard Borck, der Autor des Buches „Affenmärchen“, in seinem neuen Buch „Dein Preis. Wie Du ein Angebot erstellst, das Deinem Wert entspricht“ die wertorientierte Angebots- und Preisgestaltung für Wissensarbeiter. Ein kompaktes Buch ohne Schnörkel, dafür umso mehr Inspirationen, in einem sehr erfrischenden, persönlichen Stil als Gesprächsnotiz geschrieben und eine klare Leseempfehlung für alle Wissensarbeiter, die ihr Wissen und ihre Erfahrung richtig verkaufen wollen.

Bis mir das kleine Büchlein von Gebhard Borck vor einigen Tagen auf den Tisch flatterte, hing für mich – wie wohl für die meisten Wissensarbeiter – meine gesamte Preisgestaltung immer an einem Parameter: meinem Tagessatz. Bei Dienstleistungsverträgen mit Abrechnung nach Aufwand sowieso, aber auch bei Werkverträgen, wo üblicherweise der Aufwand abgeschätzt und mit dem Tagessatz multipliziert wird. Im Mittelpunkt der Diskussion mit dem Kunden steht dann leider auch oft genau dieser Tagessatz und nicht mein Beitrag zum Erfolg.

Am Ende muss man ja auch über den Preis reden. Aber eben erst am Ende. Am Anfang steht die Auftragsklärung und zwar im Sinne einer Nutzenanalyse, um damit „den Umfang, die Komplexität der Gesamtaufgabe und Deinen Anteil / Wert daran bestimmen zu können.“ Der Autor schlägt dazu ein von ihm in der eigenen langjährigen Praxis als Berater erprobtes und klar strukturiertes Vorgehen in fünf Schritten vor: Gemeinsam mit dem Kunden werden ausgehend von der Analyse der Ist-Situation Ziele und Maßstäbe definiert, der Wert des Gesamtvorhabens ermittelt und schließlich der eigene Anteil am möglichen Erfolg des Vorhabens festgelegt. Diese Nutzenanalyse bildet dann die Grundlage für das eigene Wertangebot.

Besonders wertvoll war für mich die Erinnerung an die Wichtigkeit einer umfassenden Auftragsklärung gemeinsam mit dem Kunden. Und zwar nicht nur um dadurch den Umfang besser abschätzen zu können und dann mittels Tagessatz den Preis zu berechnen, sondern vielmehr um den eigenen Wertbeitrag zum Vorhaben festzulegen. Entscheidend für den Kunden ist ja nicht wie lange ich brauche, sondern welchen Wert er durch meine Zeit erhält. Interessant sind auch die Einblicke in die konkreten Angebote und einzelnen Angebotsteile als Inspiration für den eigenen Angebotsprozess. Ganz besonders spannend fand ich das etwas exotisch anmutende Black Swan Agreement im Anhang als alternative Abrechnungsform mittels einer Wette.


Die Burnout Lüge: Was uns wirklich schwächt und wie wir stark bleiben
Die Burnout Lüge: Was uns wirklich schwächt und wie wir stark bleiben
Preis: EUR 16,99

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein visionäres Buch zum Nachdenken, 2. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Viel wurde in den letzten Jahren berichtet, analysiert und philosophiert zum Thema Burnout. Spätestens seit sich auch Vertreter der Reichen, Schönen und Berühmten dazu bekannt haben, nimmt die gefühlte Verbreitung des Phänomens epidemische Ausmaße an. Ebenso wie die vielfältigen Angebote einer boomenden Wellness-Industrie, die quasi noch aus dem Untergang Kapital schlägt. Viel schwerer wiegt aber, dass durch die bequemen Erklärungen und Therapieversuche auf individueller Ebene genauso wie durch die pauschale Verurteilung der Arbeitsbedingungen, das eigentliche Problem verschleiert wird: Ein auf Konkurrenz geeichtes von dadurch mittlerweile hyperindividualisierten, einander und sich selbst zutiefst entfremdeten Narzissten betriebenes System steht vor seinem Kollaps. Der Burnout-Patient wird damit aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur „zum Seismographen dieser Fehlentwicklung.“ Das ist die aufrüttelnde Botschaft des ungemein wichtigen und überfälligen Buches „Die Burnout-Lüge“ von Martina Leibovici-Mühlberger. In sehr bildreicher und griffiger Sprache einer Wiener Intellektuellen, die jedenfalls mir große Freude beim Lesen bereitete, übt die Autorin fundamentale Systemkritik und zeigt sehr deutlich wo das Problem liegt, wie wir damit umgehen und wie wir damit umgehen sollten. Ein sehr wichtiges und unbedingt lesenswertes Buch. Weniger ein Ratgeber, obwohl sich gerade im letzten Teil einige praktische Leitlinien finden, als vielmehr eine gelungene Gesellschaftskritik.


Scrum: Produkte zuverlässig und schnell entwickeln
Scrum: Produkte zuverlässig und schnell entwickeln
von Boris Gloger
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gute und umfassende Einführung zu Scrum, 26. März 2013
Zunächst ist das Buch eine der besten Einführungen für Scrum auf dem Markt. Ohne Wenn und Aber. Hochwertig ausgestattet mit der handlichen »Scrum-Checklist« als Zusammenfassung und dem E-Book im PDF-Format zum kostenlosen Download. Man merkt dem Buch die lange Reifezeit über mehrere Auflagen deutlich und sehr positiv an. Die Beispiele sind zahlreich und aus der realen Praxis gegriffen. Hier schreibt jemand der sich mit Scrum nicht nur theoretisch und als Trainer auseinander gesetzt hat, sondern Scrum täglich zum Einsatz bringt und um die Weiterentwicklung von Scrum bemüht ist.

So einfach Scrum nämlich in der Theorie klingt, so zahlreich sind die Hürden in der Umsetzung. Nicht weil es schwierig zu verstehen wäre (das ist es nicht), sondern weil es einer adäquaten Geisteshaltung aller den Beteiligten bedarf. Gerade in eher klassisch-hierarchisch organisierten Unternehmen tuns sich schwer mit Selbstorganisation, Vertrauen und Eigenverantwortung. Und dennoch – oder gerade deswegen – erwarten diese Organisationen oft wahre Wunder von agilen Vorgehen wie Scrum ohne aber sich der nötigen Rahmenbedingungen bewusst zu sein geschweige denn diese herstellen zu wollen. Diese Hürden und Widerstände werden ausführlich und mit vielen Beispielen thematisiert.

Das Buch geht weit über die reinen Grundlagen des Scrum hinaus. Insbesondere hinsichtlich der Skalierung von Scrum für große Projekte und Organisationen. Diesem immer wichtiger werdenden Aspekt ist ein ganzes Kapitel gewidmet, das aber nicht bei der Anwendung von Scrum in großen Projekt Halt macht, sondern auch die Führung ganzer Abteilungen und sogar Unternehmen mit Scrum zum Thema hat.

Oft werden in dem Buch Parallelen zum klassischen Projektmanagement gezogen und Unterschiede dazu aufgezeigt. Besonders auffällig ist das bei der Projektplanung. Hier wird sehr schön in Bezug auf Carl von Clausewitz zwischen der Ebene der Strategie und der Ebene der Taktik unterschieden. Auf der Ebene der Strategie geht es um das Warum, während die Ebene der Taktik das Wie beschreibt.

»Ein traditionell gemanagtes Projekt wird langfristig auf der Ebene der Taktik gemanagt, ein agil gemanagtes Projekt auf der Ebene der Strategie.« (BORIS GLOGER)

Sehr plakativ, aber im Kern und in der Tendenz richtig: klassische Projektplanung verleitet eher zum Verharren auf der Ebene der Taktik als auf der Ebene der Strategie, wohingegen Scrum so angelegt ist, das zu vermeiden. Dennoch schaffen erfahrene Projektmanager diese Unterscheidung auch in klassischem Umfeld und fahren damit sehr gut.

Natürlich wird man aus der Lektüre noch kein guter Scrum Master, sondern erst durch wiederholtes Ausprobieren, Reflektieren (eine der lobenswerten Grundtugenden auf verschiedenen Ebenen in Scrum) und kontinuierliches Verbessern. Eine solide Grundlage dafür bietet das Buch aber ohne Frage und ist daher eine klare Leseempfehlung. Auch und gerade für eher klassisch geprägte Projektmanager, die daraus viele wertvolle Impulse und Anregungen für jegliche Projekte erhalten, denn die Prinzipien des Vertrauens, der Eigenverantwortung und der Selbstorganisation sind universell nützlich und eher eine Frage des eigenen Stils als der Methode.


Freiwild Sleeve classic hellgrau-meliert
für iPhone 5, 5S & 5C. Filz, Wollfilz, Schutzhülle, Tasche, Case
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Wird angeboten von my-design-store
Preis: EUR 15,90

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gut wie immer …, 15. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ist jetzt meine dritte Hülle von Freiwild (iPhone 4, iPhone 5 und iPad). Wie immer bin ich rundum zufrieden. Sehr empfehlenswert.


Erfolgreich führen in Netzwerken: Gemeinsamkeit gestalten
Erfolgreich führen in Netzwerken: Gemeinsamkeit gestalten
von Leopold Faltin
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Coaching in Papierform, 30. April 2012
Das vor kurzem erschienene Buch von Leopold Faltin, vielen gut bekannt als @meincoach auf Twitter, trägt den etwas unscheinbaren Titel 'Erfolgreich führen in Netzwerken: Gemeinsamkeit gestalten' (Amazon Affiliate Link). Es geht jedoch um die zentrale Fertigkeit unserer Zeit: Laterales Führen, also dem Führen ohne Weisungsbefugnis. Wie übernimmt man diese Führung wenn es darauf ankommt? Wann und wie lässt man sich durch andere führen? Welche Regeln gelten in diesem Wechselspiel der Kräfte? Das alles sind Fragen, die in diesem auch und gerade für Projektmanager sehr empfehlenswerten Buch verständlich, präzise und anschaulich beantwortet werden.

'Führung heißt Bedingungen zu gestalten, unter denen alle Geführten koordiniert, freiwillig und dauerhaft zu ihrer besten Leistung im Sinne der mit der Führungsperson vereinbarten Ziele kommen. (S. 28)'

Der inflationäre Einsatz von Projekten ist charakteristisch: viele Herausforderungen können nicht mehr innerhalb der starren Linienorganisationen bewältigt werden. Netzwerke, abteilungs- und organisationsübergreifend, sind notwendig, werden gebildet oder bilden sich spontan, um ihrer Herr zu werden. In diesen Netzwerken sind klassisch-hierarchisch legitimierte Formen der Führung schlicht nicht verfügbar. Und dennoch entsteht Führung in solchen Netzwerken. Wir erleben es täglich. Wie und unter welchen Bedingungen Führung übernommen wird, erklärt Leopold Faltin anschaulich.

'Grundelement der Zusammenarbeit von Menschen ist der Interessensausgleich. Im lateralen Führen ist er das grundlegende Instrument, andere Menschen ins Boot zu holen. (S. 49)'

Wie übt man Führung in diesem Szenario aus? Wie setzt man Ziele richtig? Wie delegiert man Aufgaben richtig? Was motiviert und was demotiviert? Wie etabliert man eine konstruktive Fehlerkultur? Alles Fragen die auch in hierarchisch-geordneten Strukturen in Zeiten zunehmender Wissensarbeit immer wichtiger werden, denn schon Peter F. Drucker stellte fest:

'The management of knowledge workers should be based on the assumption that the corporation needs them more than they need the corporation. (') They have both mobility and self-confidence. This means they have to be treated and managed as volunteers.'

In meiner Situation, in der ich als Projektmanager oder in losen Netzwerken wie openPM immer wieder diese Art von Führung übernehme und so gut wie nie über formale Weisungsbefugnis verfüge, war das Buch für mich Coaching in Papierform. Ich habe viele Denkanstöße erhalten und neue Einsichten gewonnen (z.B. dass der Führungsspanne Grenzen gesetzt sind). Vieles mache ich wohl intuitiv schon, aber erst jetzt nach der Lektüre ist es für mich einer bewussten Reflexion zugänglich. Sicherlich werde ich das Buch von Zeit zu Zeit wieder zur Hand nehmen und situativ einzelne Aspekte nachlesen, wozu sich das Buch durch seine klare Struktur und durch farblich gekennzeichnete Zusammenfassungen hervorragend eignet. Eine klare Leseempfehlung.


Affenmärchen - Arbeit frei von Lack & Leder
Affenmärchen - Arbeit frei von Lack & Leder
Preis: EUR 8,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein besonderes Buch in zweierlei Hinsicht, 27. Februar 2012
Einerseits weil Gebhard Borck an etwas rüttelt, das die meisten von uns als unverrückbar hinnehmen: Im Zentrum steht nämlich die Frage, ob Arbeit in Unternehmen so organisiert und Menschen so gemanaged werden müssen wie es heute mehrheitlich der Fall ist oder ob es ' und wenn ja welche ' Alternativen es gibt. Und andererseits, weil Gebhard Borck das Buch auf ganz besondere Art geschrieben und veröffentlicht: Das gesamte Buch kann online in ca. 100 Blogposts kostenlos gelesen werden. Zusätzlich kann das Buch gedruckt, in einzelnen Kapitel als E-Book erworben werden, auch um dem Autor damit die eigene Anerkennung zu zeigen. Es ist, so viel sei vorweggenommen, sein Geld absolut wert.

Machen wir uns nichts vor, die allermeisten Unternehmen verfahren im Prinzip immer noch nach der grundsätzlichen Auffassung von Taylor, dass es des Managements bedarf, um Arbeiter zu steuern und Arbeit im Unternehmen effizient ablaufen zu lassen. Überspitzt formuliert: "Einen intelligenten Gorilla könnte man so abrichten, dass er ein mindestens ebenso tüchtiger und praktischer Verlader würde als irgendein Mensch. Und doch liegt im richtigen Aufheben und Wegschaffen von Roheisen eine solche Summe von weiser Gesetzmäßigkeit, eine derartige Wissenschaft, dass es auch für die fähigsten Arbeiter unmöglich ist, ohne die Hilfe eines Gebildeteren die Grundbegriffe dieser Wissenschaft zu verstehen oder auch nur nach ihnen zu arbeiten." (Frederick Winslow Taylor)

Nur ganz wenige Unternehmen (zum Beispiel Semco) sind nicht nach diesem Prinzip organisiert. Nun trifft diese Organisationsform des Industriezeitalters auf die Probleme und die Komplexität des 21. Jahrhunderts. In zahlreichen Beispielen führt uns Gebhard Borck zunächst vor Augen welche Defizite für Unternehmen aber auch welche Probleme für die Menschen daraus entstehen. Ein ungeheures Potential von Kreativität bleibt tagtäglich ungenutzt: Menschen die im übrigen Alltag kreativ Probleme lösen und sinnvoll, effizient und effektiv handeln, werden an der Eingangtür zum Unternehmen quasi entmündigt. Durch die wiederholte Gegenüberstellung der Fähigkeit und dem Willen zu verantwortungsbewusstem Handeln im Privaten mit den begrenzten Möglichkeit dazu in der Organisation, führt uns Gebhard Borck den ganzen Irrsinn und die unglaublich Verschwendung von Potential deutlich vor Augen.

Was ist die Alternative? Gerade die letzten 10 Jahre haben gezeigt, dass Menschen in nicht-hierarchischen, demokratisch organisierten Netzwerken Großes und Sinnvolles höchst effizient erzeugen können (Stichwort: Wikinomics). Es gibt bereits (Groß-)Unternehmen die nach demokratischen Prinzipien organisiert sind und gerade in unsicherem Umfeld und bei wachsender Komplexität sehr erfolgreich sind (Stichwort: Semco). In solchen Netzwerk gibt es auch Führung, aber sie ist nomadisch, wandert also je nach Situation und Anforderung anstatt an eine Position gebunden zu sein. Derartige Netzwerke treffen in komplexen Situationen nachweislich bessere Entscheidungen als Einzelpersonen (Stichwort: Schwarmintelligenz). Es gibt also Alternativen ' man muss diese nur wollen. Was es dann dazu braucht (Stichwort: Sinn) und welche Bedingungen es erfordert (Stichwort: Sinnkopplung), wird in den letzten Kapiteln des Buches erklärt.

Alles in allem ein gutes und wichtiges Buch. Ein Buch das aufrüttelt, Selbstverständliches hinterfragt und Lust macht sinnvoll zu wirtschaften.


Professionelle Intelligenz: Worauf es morgen ankommt
Professionelle Intelligenz: Worauf es morgen ankommt
von Gunter Dueck
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alles Wesentliche steht im Internet!, 5. Januar 2012
Gunter Dueck widmet sein neuestes Buch 'Professionelle Intelligenz' der Frage 'Worauf es morgen ankommt', so der Untertitel. Ausgangspunkt ist die provokante Behauptung, alles Wesentliche stehe im Internet und wird damit zur jederzeit und überall verfügbaren Commodity, weshalb sich jeder Berufsangehörige fragen muss, 'ob er einem Menschen, der nach zwei Stunden Internetsurfen noch offene Fragen hat, noch einen wertvollen Rat ['] geben kann' (S. 23 bzw. die Rede auf der re:publica XI). Früher reichte viel weniger aus um als professionell zu gelten. Vieles von dem was mittlerweile im Internet steht, war früher nur Experten in großen Unternehmen mit entsprechender Infrastruktur zugänglich, weshalb der Kunde auf Experten angewiesen war. Wenn wesentliche Tätigkeitsanteile von Berufsbildern zunehmend ins Internet ausgelagert werden, wie muss echte Professionalität dann in Zukunft definiert werden?

Immer schon gab es neben der normalen Intelligenz des Verstandes (IQ) andere Dimensionen und Maßstäbe der Professionalität. Durch einseitige Betonung der rationalen Intelligenz des Verstandes in der Ausbildung und im Berufsleben sind die anderen Anteile heute jedoch oftmals verkümmert. Das was wir also heute mehr oder weniger gut ausbilden und das was im Berufsleben heute genutzt wird, nämlich die normale, rationale Intelligenz, wird morgen eine wesentlich weniger dominante Rolle spielen. Defizite in den anderen Aspekten der Professionalität werden wesentlich schwerer wiegen als bisher. Welche Aspekte das sind, was überhaupt unter Professionalität zu verstehen ist und was sich im Bildungssystem und im Berufsleben ändern muss, darum geht es in Gunter Duecks sehr wichtigem und lesenswerten Buch.

Nun ist die Behauptung, dass es neben dem IQ noch weitere Dimensionen gibt, nicht mehr ganz frisch. Bisher hatten die weiteren Konzepte, wie beispielsweise die Emotionale Intelligenz (EQ), aber immer den Beigeschmack des 'nice-to-have'. Gunter Dueck beschreibt in seinem Buch insgesamt sechs Dimensionen der professionellen Intelligenz ohne dabei aber einer den Vorzug zu geben. Es geht ihm nicht darum, die heutige Dominanz des IQ durch eine der anderen Intelligenzen zu ersetzen. Echte Professionals kennzeichnen sich im Gegenteil durch eine professionelle Integration der verschiedenen Dimensionen. Was nicht heißen soll, dass jeder in jeder Dimension Meisterschaft erlangen muss, aber kennen und schätzen sollte er alle. Genauso wie es nicht mehr reicht Experte in einem Fachgebiet zu sein ohne die angrenzenden Fachgebiete zu kennen.

Gunter Dueck überträgt zwei Begriffe aus einem Buch über die verschiedenen Rollen von Unternehmen in Unternehmensnetzwerken (Levine und Iansiti: The Keystone Advantage) auf die Rolle von Menschen in Gesellschaft und Unternehmen. Einerseits der T-Shape Spezialist, der die Fähigkeiten eines Spezialisten (tief) mit denen eines Generalisten (breit) in sich vereint. Andererseits die Keystones, d.h. 'Professionals ['], die sich um das Gelingen des Ganzen kümmern, die also den Wandel betreiben und gleichzeitig die normale Arbeit blühend erhalten. Sie verbinden Menschen zu funktionierenden Netzwerken, sie gestalten herausfordernde und konfliktarme Arbeitsumgebungen. Sie schaffen die Identifikation aller mit dem Netzwerk und dem Erfolg des Ganzen.' (S. 57). Es zeigt sich einmal mehr wie unpassend die hierarchische Strukturierung der Industriegesellschaft für die Wissensgesellschaft ist:

Die Trennung in Mitarbeiter und Manager bewährt sich in Commodity-Arbeitsumgebungen gut. Wenn wir aber in die Exzellenzgesellschaft oder die Wissensgesellschaft aufbrechen, müssen diese beiden Berufsbildvorstellungen wieder besser integriert werden. Führungspersönlichkeiten sollten jetzt Keystone-Rollen einnehmen können, Experten nicht nur Experten sein, sondern sich durch ein T-Shape auszeichnen. (S. 58)

Aber nicht nur neuzeitliche Begriffe führt Gunter Dueck ein, er greift auch zurück auf Platons Begriff der 'Arete', die als Eigenschaft von Dingen oder Menschen verwendet wird um deren 'Vortrefflichkeit, Bestimmung, Tauglichkeit oder 'Bestmöglichkeit'' (S. 84) beschreibt. In Bezug auf die Professionalität liest sich das dann so:

Wahre Professionalität bringt Beispielhaftes hervor, was als Leitbild oder Vorbild für die Profession im Ganzen dienen kann. ['] Professionals geben ihre Kunst weiter und lehren andere, was Arete in der entsprechenden Profession ist. Sie passen die Vorstellung von Arete immer neu an. Sie kümmern sich um die Arete der Profession als Ganzes.' (S. 85)

Soweit zum Idealbild. Demgegenüber stellt Gunter Dueck den Status quo in Schulen, Universitäten und Unternehmen. Es wird sehr deutlich, wie verschwenderisch wir von Kindesbeinen an mit der für die Wissensgesellschaft wichtigsten Ressource, unserer professionellen Intelligenz, umgehen. Konsequent lassen wir alles außer dem IQ verkümmern und befehlen dann Innovations- und Kreativitätsprogramme im Unternehmen. Das muss sich ändern und auch dazu gibt Gunter Dueck Anregungen. Das Buch ist aber kein Leitfaden zur Umsetzung. Es ist großartig, weil es treffsicher Begriffe zur Diskussion über professionelle Intelligenz einführt und definiert und daraus ein Idealbild skizziert. Es ist erschreckend und leicht polemisch in der Analyse des Status quo. Und es ist inspirierend in den Vorschlägen zur Veränderung von Gesellschaft und Unternehmen. Kurzum: ein sehr empfehlenswertes Buch.


Nerd Attack!: Eine Geschichte der digitalen Welt vom C64 bis zu Twitter und Facebook - Ein SPIEGEL-Buch
Nerd Attack!: Eine Geschichte der digitalen Welt vom C64 bis zu Twitter und Facebook - Ein SPIEGEL-Buch
von Christian Stöcker
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wehret den Anfängen!, 2. Oktober 2011
Ein Buch das mit dem C64 im Deutschland der 80er Jahre startet, also in meiner Jugendzeit, ist wohl immer ein wenig nostalgisch. Aber darum geht es Christian Stöcker nicht, sondern um die Erklärung der Gegenwart aus dieser einerseits, nämlich zeitlich, noch sehr nahen und andererseits, nämlich technisch, sehr fernen Vergangenheit. Ein sehr unterhaltsam geschriebenes Geschichtsbuch also über Entwicklung und die Auswirkungen der Digitalisierung und Vernetzung auf die Gesellschaft und die Wirtschaft.

Ob der C64 nun historisch betrachtet der richtige Ausgangspunkt ist, darüber kann man streiten und tatsächlich sind im Buch auch seine Vorläufer und Konkurrenten auf dem Heimcomputermarkt der damaligen Zeit genannt. Der C64 steht stellvertretend für die großflächige und schließlich flächendeckende Verbreitung von Computern und deren vollständige Vernetzung. Eine technische Innovation die, nicht nur in diesem Buch, in eine Reihe gestellt wird mit der Erfindung der Druckerpresse.

Ausgehend von der Stimmung im Deutschland der 80er Jahre (Kalter Krieg, Tschernobyl, etc.), wird der unbedarfte und anfangs unbeobachtete Umgang der zumeist jungen Nutzer mit der neuen Technologie beschrieben. Der heute viel diskutierte digitale Grabens hat seinen Ursprung in dieser Zeit. Ebenso wie die Möglichkeiten seiner Überwindung. Die Technologie war damals für alle neu, aber einige, vorwiegend junge, Menschen hatten das Bedürfnis die sich damit bietenden Möglichkeiten auszureizen. Ebenso wie andere, vorwiegend ältere, Menschen das Bedürfnis hatten, sie zu verteufeln oder ganz zu ignorieren. Ein Schema, das sich in Deutschland seither ständig wiederholt. Letztlich ist das Buch ein Appell zum spielerischen und angstfreien Umgang mit Technologie.

Hochinteressant fand ich die Vergleiche zwischen Deutschland (stellvertretend für Europa) und den USA, die sehr deutlich machen, warum wir in Deutschland zwar immer noch die besten Autos bauen, aber in der sogenannten 'New Economy' nur als 'Copycats' gelten, die Innovationen anderer nur kopieren können. Exemplarisch für das angstvolle Ausblenden von Chancen, sei die die deutsche alternative politische Szene genannt, die sich ganz im Gegensatz zu ihren Mitstreitern in den USA, der neuen Technologie lange verschlossen hatte. Zu lange galt die Gleichung grün gleich technologieskeptisch. Die jetzt aktuellen Themen im Internetrecht, Datenschutz und Urheberrecht werden von anderen besetzt; siehe die aktuellen Erfolge der Piratenpartei.

Andererseits lässt sich das Buch auch als Warnung lesen. Das Internet wie wir es heute kennen, auf Basis unabhängiger und offener Standards, war keineswegs eine derart logische Entwicklung, wie es rückblickend erscheint. Es hätte ganz anders kommen können. Dann säßen wir heute an BTX 2.0, würden exorbitante Gebühren an die Deutsche Post bezahlen und könnten und uns nicht mit Menschen, die in AOL oder einem anderen Silo gefangen wären, austauschen. Gebannt sind diese Gefahren leider immer noch nicht, wie die aktuellen Diskussionen über Netzneutralität zeigen. Zudem steckt das Web2.0 und Social Media heute noch in den Kinderschuhen und ist weit von jeglicher Standardisierung entfernt. In gewisser Weise befindet sich Social Media noch im BTX-Zeitalters des Internets. Wir stellen jetzt die Weichen für eine Zukunft des übergreifenden Dialogs oder der 'walled gardens'.

Wehret den Anfängen.


Feel it!: So viel Intuition verträgt Ihr Unternehmen
Feel it!: So viel Intuition verträgt Ihr Unternehmen
von Andreas Zeuch
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

5.0 von 5 Sternen Intuition: Wie man sie nutzt und wo die Grenzen sind, 10. März 2011
Andreas Zeuch stellt seinem Buch 'Feel it!: So viel Intuition verträgt Ihr Unternehmen' nicht ohne Grund eines meiner Lieblingszitat voran:

Wenn Ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen! (J.W. Goethe, Faust I)

Intuition ist ein unausweichlicher Faktor in unserem Leben. Aber Intuition in der Unternehmenswelt: das wirkt zunächst unseriös und irgendwie verdächtig. Klingt es uns doch noch das gängige Management-Credo in den Ohren: 'Was man nicht messen kann, kann man nicht steuern.'

Intuition spielt immer eine Rolle ' ob es uns nun gefällt oder nicht. Wir können uns nicht aussuchen, ob das Unbewusste unser Denken und Handeln beeinflusst. Ein Großteil der auf uns einströmenden Informationen wird unbewusst wahrgenommen und unbewusst verarbeitet. Diese Vorgänge waren und sind für die Spezies Mensch überlebensnotwendig: wer will schon aktiv nachdenken müssen, ob es sinnvoll sein könnte, mit dem Säbelzahntiger zu verhandeln.

Die Frage ist also nur: wie viel Raum gibt man der Intuition auf persönlicher und, im zweiten Schritt, auf institutioneller Ebene. Gängige, von Andreas Zeuch als 'paradoxer Pseudorealismus', bezeichnete Praxis ist es, ungeachtet der zahlreichen Forschungsergebnisse der letzten Jahre und Jahrzehnte, darauf zu beharren, dass erfolgreiche Entscheidungen stets mit kühlem Kopf und auf Basis möglichst vollständiger Information getroffen werden. Allein wegen der umfangreichen und anschaulichen Gegenbeispiele dazu, lohnt sich die Lektüre.

Anstatt nun ein Loblied auf die Intuition anzustimmen, zeigt uns Andreas Zeuch auch die Gefahren der ungebändigten Intuition und beschreibt sehr anschaulich und wieder mit vielen Beispielen die wichtigsten Intuitionsfallen. Nicht um uns das neue Spielzeug madig zu machen, sondern um das richtige Maß im Umgang mit der Intuition zu finden.

Dieser erste Teil ist aber sozusagen nur Vorbereitung für den zweiten Teil, der sich der praktischen Nutzung und der Professionalisierung der Intuition widmet. Einerseits als persönliche Kompetenz des einzelnen Mitarbeiters und andererseits in Form einer Unternehmenskultur, die der Intuition den nötigen Raum bietet.

Fazit

Ein sehr wichtiges Buch. Klar strukturiert wird das Phänomen Intuition als unausweichlicher Faktor menschlichen Lebens von ganz verschiedenen Seiten beleuchtet und schließlich wertvolle Ratschläge im Umgang damit gegeben. Die vielen Fußnoten und das umfassende Literaturverzeichnis runden das Lesevergnügen ab und machen Lust auf mehr. Absolut lesenswert.


Rework
Rework
von Jason Fried
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,95

5.0 von 5 Sternen Absolut lesenswert. Jede Menge inspirierender Ideen und gewagter Thesen. Klar und präzise geschrieben und liebevoll illustriert., 30. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Rework (Gebundene Ausgabe)
"Not only is workaholism unneccessary, it's stupid. Working more doesn't mean you care more or get more done. It just means you work more."

Mit solchen, teilweise provokanten, manchmal auch arroganten Thesen begeistern Jason Fried und David Heinemeier-Hansson mit ihrem Buch Rework Amerika und England bereits seit Mai. Auf den dortigen Bestseller-Listen ist das Buch Dauergast. Die deutsche Übersetzung Rework: Business - intelligent & einfach erscheint am 13. September 2010. Vieles wurde über das Buch schon geschrieben. Auch mich hat es sehr inspiriert.

Das Buch ist eine Auswahl und Überarbeitung der Artikel aus dem Blog Signal vs. Noise. Sprachlich ist jeder Artikel ein Genuss: präzise und klar werden die Thesen an die Kirchentür der klassischen Unternehmensführung genagelt. Oftmals mit einer Prise Arroganz zuviel. Teilweise mit wenig mehr Fundament als der eigenen Erfahrung im Aufbau und der Führung von 37signals. Aber das scheint das Naturell der beiden zu sein, jedenfalls geben sie sich auch im Interview in brand eins (bezeichnender Titel: "Die Kraft des Mittelfingers.") genau so.

Die beiden Autoren nehmen ganz bewusst eine radikale Gegenposition zur klassischen Unternehmensführung ein. Sie machen Mut und zeigen wie der Unternehmensalltag auch funktionieren könnte. Der eigentliche Nutzen des Buches ist, dass es den Leser dazu bringt, seine oftmals als gottgegeben empfundene Arbeitswelt kritisch zu hinterfragen. Es zeigt auf, dass man auch anders erfolgreich arbeiten kann. Ist diese Art der Arbeit die Zukunft der Wissensarbeit? Ich weiß es nicht, aber ein sehr gelungener Versuch ist es auf alle Fälle. Für 37signals funktioniert es, ob es übertragbar ist auf andere Unternehmen, muss jeder für sich entscheiden. Anregungen finden sich in dem Buch jedenfalls viele. Einige Beispiele.

"Embrace the idea of having less mass. Right now, you're the smallest, the leanest, and the fastest you'll ever be. [...] Mass is increased by: long-term contracts, [...], Meetings, [...], long-term road maps, office politics. Avoid these things whenever you can."

"Working without a plan may seem scary. But blindly following a plan that has no relationship with reality is even scarier."

"ASAP is poison. [...] It devalues any request that doesn't say ASAP. [...] So reserve your use for emergency language for true emergencies. [...] For everything else, chill out."

Eines ist mir bei der Lektüre deutlich im Gedächtnis geblieben. Es ist wichtig sich auf seine Kernkompetenzen zu konzentrieren. Man darf sich nicht verleiten lassen, es den bestehenden Kunden um jeden Preis recht zu machen. Es ist vollkommen ok, bestehende Kunden zu verlieren, weil das eigene Produkt nicht mehr zu ihnen passt. Es wäre viel schlimmer, das Produkt der bestehenden Kunden wegen so zu überfrachten, dass neue Kunden abgeschreckt werden.

"People an situations change. You can't be everything to everyone. Companies need to be true to a type of customer more than a specific individual customer with changing needs."

Fazit

Absolut lesenswert. Jede Menge inspirierender Ideen und gewagter Thesen. Klar und präzise geschrieben und liebevoll illustriert. Für diejenige, die immer noch nicht überzeugt sind, geben die Autoren, den eigenen Thesen folgend ("Emulate drug dealers!"), viele Kostproben auf der Web-Seite zum Buch.


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