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Beiträge von Mianna
Top-Rezensenten Rang: 59.870
Hilfreiche Bewertungen: 19
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Rezensionen verfasst von Mianna
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5.0 von 5 Sternen
Liebe Einsamkeit und Familienkämpfe, 13. September 2012
Als Marne in ihre Heimatstadt zu ihrem Bruder Alex und ihrer etwas wirren Mutter Jane zurückkehrt, glaubt sie, nicht lange zu bleiben. Alexs bester Freund Ray findet Gefallen an ihr und auch Marne scheint sich angezogen zu fühlen. Das Familiegeheimnis ihrer beider Familien erschwert jede Annäherung. Fast müssen sie sich entscheiden- doch um welchen Preis. Alles wegen einer lang verheimlichten Affaire zwischen Ada Varick und Luce Weld, der mit einem Einschussloch im Kopf gefunden wurde? Entsprechend des Buchtitels „Das Liebesspiel“ handelt die Geschichte von den Liebesbeziehungen zwischen den zwei Familien, Varick und Weld, den Liebeleien, der Freundschaft und Verbundenheit Untereinander, dem Hass und der Eifersucht. Die teilweise sehr poetische Sprache, reich an Sprachbildern und die dichte Erzählweise, kommt diesen tiefen zwischenmenschlichen Interaktionen sehr nahe. Bald findet sich der Leser in einem Nebel aus Sehnsüchten, Melancholie, Freude, Wut, Enttäuschung, Glück u.v.m. wieder, der sich nicht so richtig legen mag. Bis zum Schluss ist der Leser von der Beschreibung der Charaktere gefesselt und fasziniert, die für Sich deplaziert, irritiert und distanziert wirken. Das verstärkt den Eindruck von den verworrenen Beziehungen, den unausgesprochenen Gedanken und Gefühlen. Alle Charaktere scheinen auf der Suche nach Ziel, Erfüllung und Zufriedenheit zu sein. Die Geschichte entwickelt sich spannend, wobei die Schilderung der Scrabbel-Treffen und die Einteilung in Kapitel, mit Erzählungen aus Sicht der Hauptcharaktere, besonders ansprechend wirken. Das Unausgesprochene, was die gesamte Geschichte ausmacht und die immer wiederkehrenden Andeutungen können auf die Dauer ihren Reiz verlieren, da sie nie „laut“ werden. Die Geschichte erschließt sich mir, in ihrer Vielfalt schwer und lässt sich nicht einordnen- vielleicht macht das womöglich das Interessante aus?!
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4.0 von 5 Sternen
Jeder ist mit sich allein, 13. September 2012
In „Wenn die Nacht am stillsten ist“ wird das Beziehungsgewirr zwischen Anna und Ludwig beschrieben. Anna hat sich nahtlos in Ludwigs belangloses, von Anerkennung, Positionen und Macht dominiertes Leben eingefügt. Ihr Wissen über menschliche Abgründe (Drogen, Knast, Depressionen) ist da nicht erwünscht. Erst als Ludwig ohnmächtig, mit zu vielen Schlaftabletten im Bauch im Bett liegt, beginnt sie zu erzählen. Das Buch beginnt mit einem etwas langatmigen Monolog über „Die Nacht“ von 50 Seiten und geht überschrieben mit „Der Tag zuvor“ in eine dialogische Erzählung über. Der Autorin Arezu Weitholz gelingt in diesem Buch eine Darstellung von zwei sehr unterschiedlichen Charakteren – dem oberflächlichen, ignoranten Ludwig und der gebrochenen Anna, die mit dem Selbstmord ihres Vaters und den Depressionen der Mutter schon viel Leid erlebt hat. Beide Figuren sind anschaulich und vielschichtig beschrieben. Die Handlung des Romans ist auf Annas und Ludwigs wenig ereignisreiche, achtmonatige Beziehung und ihre gemeinsame Arbeit in einer Agentur beschränkt. Die Charaktere bekommen dadurch mit ihren unterschiedlichen Weltansichten, vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen, den eigenen Grenzen und ihrer Beziehung besonderes (Über-?)Gewicht. Interessant sind also die eigenwilligen Charaktere, deren tiefgehende Beschreibung und eine geballte Ladung Emotionalität. Hätte die Geschichte Farben, so wären diese von Sehnsucht, Abschied, Melancholie und trauriger Klarheit bestimmt. Entsprechend dieses emotionalen Balasts wird von Gefühlen, die wie herrenlose Hunde nachlaufen (S.10), der Angst sich mit dem Tod anzustecken (S.130) und von zerfranster, kackfarbener Aura (S.29) gesprochen, was den Erzählstil ausmacht. Die Erzählung wirkt im Gesamten etwas unvollständig und verwirrend. Die Aussage der Autorin ist nur zu deuten. Naheliegend scheint der Gedanke der grundsätzlichen Einsamkeit von Menschen, wegen ihrer unterschiedlichen Erfahrungen und der begrenzt möglichen Einfühlung in den jeweils anderen Menschen. Die gegensätzlichen Ansichten und Hintergründe der Figuren scheinen unvereinbar, schaffen eine Grenze. Die folgende Einsamkeit des einzelnen Menschen wird im übertragenen Sinn im Titel mit Stille der Nacht ausgedrückt. In kunstvoller Poesie und langatmiger Erzählung werden zwei eigenwillige Charaktere beschrieben, die die Oberflächlichkeit und die Erfahrung menschlicher Abgründe in ihrer Beziehung nicht zu vereinen schaffen.
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Gesellschaftlich vollwertig, 13. April 2012
Hector und seine Frau Anouk veranstalten an einem heißen Nachmittag ein Barbeque. Eingeladen sind alle ihre Freunde, mit Kindern und (Schwieger-)Eltern. Es kommen Menschen aus den verschiedensten Kulturen, mit unterschiedlichen Beziehungen, den ein oder anderen unausgesprochenen Enttäuschungen und Ärgernissen und verschiedensten Vorstellungen von Leben zusammen. Die anfängliche Enttäuschung über die Langatmigkeit hat sich nach dem Lesen des Buches gelegt. Stattdessen wird der Inhalt bedeutsam und tiefgreifend, auch wenn sich das Buch nicht 'von selbst' lesen lässt. Nach den ersten 50 Seiten läuft die Geschichte an, der ersehnte Knall passiert - als Ohrfeige und lässt die Geschichte in eine interessante Richtung laufen. Barrieren, Tränen, Wut und Unverständis einerseits, Verbundenheit, Freundschaft, Mitgefühl andererseits sind das Ergebnis. Ein breites Spektrum an verschiedenen Meinungen über Familie, Kinder, Elternschaft, Beziehung und Beruf wird Thema. Die Geschichte ist durch die verschiedenen Protagonisten, aus deren Sicht nacheinander erzählt wird, komplex und interessant. Und es wird klar, dass keine einzige Sichtweise als 'richtig oder falsch' zu bezeichnen ist, weil diese Sichtweise Ergebnis aus dem Zusammenhang eines Lebens, d.h. Umfeldes, dem Aufwachsen ist. Eine wirklich schöne Essenz. Personen, deren Verhalten ich vorher nicht einordnen konnte, werden als ich über ihre Sichtweise, ihr Denken und Fühlen lese verständlicher- fast symphatisch. Auffallend war auch, wie von außen perfekt erscheinende Beziehungen aus Sicht der Betreffenden erscheinen. Dabei werden die Charaktere klar, ausführlich und einfühlsam beschrieben, dass ich das Gefühl bekomme ihren Kern erfassen zu können. Es wird mit der Zeit auch einfacher die Personen einzuordnen und den Überblick zu behalten, da weniger eine Rolle spielen. Der erste Teil der Geschichte wird von Hector geschildert. Seine Sicht auf sein Leben innerhalb der familiären Grenzen, seine Frau, die er liebt und schätzt, Conny, seine Geliebte, die Enttäuschung über seinen Sohn, der nicht seinen Vorstellungen entspricht bilden hier die Basis. Und andereseits wirkt Hector mit Aisha zufrieden- ein 'perfektes' Paar. Aber was heiß schon 'perfekt'?!
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2.0 von 5 Sternen
unermesslich glücklich, dankbar, treu ergeben, 13. April 2012
Als Pawel Dobrynin, ein Kolchosbauer, zum Volkskontrolleur der Sowjetunion auf Lebenszeit gewählt wird, beginnt für ihn eine aufregende Reise durch sein Land. Das er dabei seine Frau und die Kinder zurücklassen muss, spielt für ihn eine hintergründige Rolle. Zur gleichen Zeit verlässt ein Engel den Himmel, um herauszufinden, warum kein Sowjetbürger nach seinem Tod in den Himmel kommt. Auf seiner Flucht tauscht er sein Gewand mit einem Deserteur der Armee- was nicht ohne Folgen bleibt. Ziel: Das gelobte Land. Der Künstler Mark Iwanow bereist mit seinem Papagei Kusma das Land und lässt seinen Vogel patriotische Texte vortagen. Und dann ist da noch der Schuldirektor Banow, der neben der Umsetzung des kommunistischen Grundgedankens in seiner Schule versucht Klara beizubringen 'wieder zu träumen und glücklich zu sein (...).' (S.120) Alle Akteure suchen nach Sinn in ihrem Dasein, treffen in der Geschichte aber niemals zusammen. Das Konzept verschiedener Akteure, deren Geschichten nach und nach erzählt werden, gefällt mir gut. Dabei sind die Charaktere alle etwas skurril und naiv. In das Innenleben bekommt man leider nur oberflächlich Einblick, was das Verstehen der Handlung erschwert. Die Geschichte ist von Anfang bis Ende verwirrend und undurchschaubar. So wird von den einzelnen Personen erzählt, die ihren Platz in der kommunistischen Sowjetunion haben und in diesen Engen Grenzen leben. Mir fehlt bei dem Ganzen eine Rahmenhandlung, was 'das runde Ganze' ausmachen würde. Beim Lesen des Buches habe ich mich mit dem unaufhörlichen Auftauchen von Personen an das Märchen 'Die Goldene Gans' erinnert gefühlt, wo nach und nach auch eine Masse an Menschen auftaucht. Auffallend an dem Roman ist zum Einen der märchenhaft anmutende, naive, an "Francois Lelord"- erinnernde Schreibstil. Andeutungen und eine bildhafte, leicht verständliche Sprache erinnern an ein Märchen. In anderen Kapiteln ist die Sprache eher nüchtern, klar und informativ. Und dann gibt es plötzlich Kapitel, deren Sprache gehoben, kompliziert und poetisch ist, sodass ich als Leser nur umso verwirrter bin. Einen Zusammenhang zwischen der Sprache und dem Inhalt kann ich nicht immer herstellen. Die Geschichte ist langatmig, das Lesen ist mühsam, ich habe nach 160 von 430 Seiten ein dauerhaftes Motivationsproblem. Spannung fehlt mir durchgängig, vielleicht wäre das Buch dann nicht so zäh. Das Absurde an den Geschichten ist der Patriotismus. So lautet eine Stelle im Buch als Pawel bei der Untersuchung ist, die ihm zur Erinnerung verhelfen soll, wie folgt: 'Was war schon dieser Schmerz, wenn er ihm doch dazu verhalf, sich tatsächlich an so viel Nützliches (') zu erinnern? Wieder schoss der unsichtbare Pfeil durch seinen Körper.' (S. 383) Dieser Gedanke zieht sich durch alle Geschichten, es wird klar, dass die Personen leben, um sich dem Kommunismus hinzugeben. Wo 'das Buch hin will' bleibt zu vermuten. Vielleicht ist das Ziel des Buches erreicht, indem der Leser nachdenklich und verwirrt zurückbleibt?!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Erinnerungen, die nie welche waren, 13. April 2012
In 'Marina' beschreibt Carlos Ruiz Zafón die Geschichte des Jungen Óscar, der bei einem seiner Streifzüge durch Barcelona das geheimnisvolle Mädchen Marina kennen lernt. Als sie auf einem sagenumwobenen Friedhof Barcelonas einer in schwarz gekleideten unheimlichen Dame folgen, nimmt eine grausame Geschichte über Vergangenheit, Liebe, Verrat und Tod ihren Lauf. Und dann ist da noch Marinas Geheimnis, was Óscar am Ende verstört zurücklassen wird... Schon der erste Satz, die einleitenden Worte des Autors lassen die Spannung erahnen, die die Geschichte in dem Leser auslösen wird. Auf irrelevante Inhalte verzichtend, wird hier eine hauptsächlich erschütternde, mitreißende und schwere Geschichte erzählt. Die Sprache ist vor allem wegen ihre Bildhaftigkeit, ihrer dauernden Vergleiche und ihre Poesie als 'besonders' und trotzdem als 'leicht' zu bezeichnen. Einige sehr eingenwillige Vergleiche und Bilder konnte ich mir leider nicht vorstellen, was mich stolpern ließ. Der Autor begeistert mit seinen eindrücklichen Schilderungen über die vergangenen, verfallenen und geheimnisvollen Straßen und Häuser Barcelonas. Die Schwere und Unheimlichkeit der Geschichte wird durch die düstere, melancholische Stimmung unterstützt. Die Erzählung lässt keine Entspannung zu, wechselt zwischen Fiktion und Realität. Letzteres ist gewöhnungsbedürftig und erscheint innerhalb einer Geschichte unvereinbar. Das Buch besteht aus kurzen Kapiteln, wobei der Spannungsbogen am Kapitelende jedesmal noch ein wenig mehr zu steigen scheint. Die Zielstrebigkeit der Erzählung ist angenehm. Dem Autor ist es gut gelungen die Charaktere umfassend und liebevoll zu beschreiben. Mit ihrer Eindrücklichkeit, ihrer Schwere und ihrer Magie hat mir diese Geschichte wirklich gut gefallen.
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0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen
Der Tiger verändert alles, 13. April 2012
Als Alma mit ihrem Sohn Albert von England nach Malaysia reist, um ihrem Mann Howard zu folgen, der dort eine Kautschukplantage übernommen hat, ahnt sie noch nicht, dass sich alles verändern würde. In das Leben auf der Plantage fügt sie sich schnell ein und schließt besonders zu Raymond, dem Besitzer der großen Nachbarplantage schnell Freundschaft. Im weiteren Verlauf wird Howards Untreue, seine Unzufriedenheit in diesem Land, sein Tod und die Folgen für Almas Leben geschildert. Sie beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit Samad, einem malaysischen Arzt und auch Raymond spielt immer wieder in ihre Geschichte rein. Hinzu kommt ihre Flucht aufgrund des Krieges mit Deutschland, als sich alles entscheidet... Das Cover des Buches gefällt mir sehr gut, weil es die Leidenschaft erahnen lässt, mit der Malaysia beschrieben ist. Die Farbenprächtigkeit der geschilderten verschiedenen Kulturen und der Landschaft machen die Faszination der Geschichte aus. Es ist nicht so sehr die Liebesgeschichte, die sich zwischen Alma und Samad und Alma und Raymond entspinnt, die die Geschichte spannend machen. Dagegen sind die angesprochenen politischen und gesellschaftlichen Themen von größerer Bedeutung. Almas Liebesgeschichte, die Bedeutung von Freundschaft, ihre Suche nach dem Platz im Leben und ihre Liebe zu Malaysia werden zu offensichtlich besprochen und kommen den wirklich umfassenden, interessanten Charakterisierungen der Menschen um Alma nicht nach. Insgesamt war das Buch leicht und flüssig zu lesen, wobei die Geschichte letztendlich zu unbedeutsam wurde.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Glasknochen - 'Und doch hat er so gerne gelebt., 13. April 2012
Worum es in diesem Roman geht, ist nicht in ein paar Sätzen zu erklären. Manuel hat die Glasknochen-Krankheit. Als er eines Nachts eine akute Atemnot hat, wird von seinem Freund und Nachbarn Lothar der Krankenwagen gerufen, der ihn wieder einmal in ein Krankenhaus bringt. Es ist kurz vor Weihnachten und das Krankenhauspersonal hat viel zu tun. In ihrem Buch schreibt Marianne Efinger von den Wünschen und Vorstellungen, die Pflegerinnen, Ärzte, Lothar und Manuel vom Leben haben. Da gibt es zum Beispiel die junge, beliebte Schwester Dagmar, die in ihrem Beruf nicht aufgeht und mit der zunehmenden Rationalisierung der Pflegearbeit mehr und mehr Probleme bekommt. Statt dem aufreibenden Arbeitsalltag und den unmöglichen Arbeitsbedingungen wünscht sie sich ein Leben auf einem Bauernhof mit Mann und Kindern. Die Stationsärztin Regina Funke hat schon lange ihre Ideale und Menschlichkeit verkauft - für eine vollbesetzte Station und zahlende Patienten. Der junge praktische Arzt Christian ist auf dem besten Weg, es zu tun. So macht sich jede Figur seine Gedanken über die Fragen, was er sich vom Leben wünscht und wie viel Qualität er seinem Leben gibt. Und dann findet auch noch Gott und das Bild vom 'Himmel als Belohnung' Platz. Die Themen dieses Buches sind alles in allem sehr spannend und wurden gut aufgearbeitet. Jedoch frage ich mich: mussten wirklich alle Themen in diesem Buch Platz finden? Die Verknüpfungen der einzelnen Teile war mir nicht immer verständlich, weil jeder Teil für sich viel Aussagekraft hatte und in einem anderen Buch, für sich, besser hätte wirken können. '(Manuel) [...] hat erkannt, dass er einmalig und unverwechselbar ist, wie jeder Mensch einmalig und unverwechselbar ist, wenn er sich denn ganz und gar selber lebt....' (S.177) Mit seiner Weisheit, den zwischenzeitlich eingestreuten naiven Definitionen des Lebens und diesen brisanten Themen hat mich das Buch beeindruckt. 'Eine Freundschaft ist eine wechselseitige, persönliche Beziehung, die sich über einen langen Zeitraum und in den Extremsituationen Glück und Not bewährt.' (S. 116) Rührend, traurig, tiefgründig und rücksichtslos ehrlich, sarkastisch und bildhaft sind die Beschreibungen. '...(In) seinen Augen sitzt eine verstohlene, kleine Freude... .' (S. 41) Jeder Charakter für sich ist einfühlsam und detailliert beschrieben, sodass ein genaues Bild von den Personen entsteht. Die Beschreibung Manuels Leben mit seinen Glasknochen ist einfach fantastisch und beweist mir einmal mehr, dass Menschen mit Behinderungen manchmal mehr im Leben erkenne als der Rest. Auch die Krankenschwester Dagmar und Manuels Freund Lothar mit seiner Frau sind sympathisch dargestellt. Andere Personen in diesem Buch sind in ihrer Art widerlich, dumm und töricht. Sie beanspruchen das Recht der Entscheidung über Leben und Tod für sich. Entsetzlich war es, von Ärzten zu lesen, die Entscheidungen weit über ihre menschlichen Befugnisse treffen. Der Roman hat auch noch eine medizinisch-fachliche Seite. Krankheiten und Behinderungen werden aufs genauste geschildert und definiert. Leser, die nicht in einem medizinischen Bereich arbeiten oder keine Lust haben, ein medizinisches Wörterbuch zu lesen, finden deshalb an diesem Buch wohl wenig Gefallen. Es kann jedoch informativ sein vom 'Kohlendioxidpartialdruck', von 'hyperkapnischer Atemstimulation' und der 'Medulla oblongata' (u.a.) zu lesen und so das Wissen zu erweitern. Und so ist das Buch, das besser drei Bücher wäre, ein kleines realistisches Abbild der Welt, märchenhaft und gleichzeitig auch etwas überirdisch.
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen
Salvador und seine Theorien über die Menschen, 13. April 2012
In 'Salvador und der Club der unerhörten Wünsche' von Alberto Torres Blandina erzählt Salvador, der 'gute Geist des Flughafens' von gestrandeten Passagieren, Auswanderern mit viel Gerechtigkeitssinn und von einem Club, der die unerhörtesten Wünsche erfüllt (u.a.). Mit seinen Geschichten vertreibt er den Reisenden die Wartezeit, spendet dem einen oder anderen Trost und versetzt sie in Erstaunen. Salvador, der jahrzehntelang täglich die Eingangshalle des Flughafens fegt, ist als Charakter wirklich interessant und unterhaltsam beschrieben. Seine offene, schwatzhafte und charmante Art war mir gut vorstellbar, obwohl er mich auf die Dauer, hätte er mir gegenüber gestanden, genervt hätte. Es war gewöhnungsbedürftig, seinem dauernden Monolog zu folgen, der von der einen zur nächsten Geschichte führte und kein Ende zu nehmen schien. Er erzählt den Reisenden, Japan gebe es nicht wirklich, erzählt von den schönsten Liebesgeschichten und von Domingo Millon, der eine Traumfrau auf dem 'Tablett serviert bekommt' als Geschenk des 'Clubs der unerhörten Wünsche'... Er belustigt die Reisenden mit der Geschichte über einen auf dem Flughafen geltenden 'Buch-/Zeitungswedel Code', der eine Verabredung eines/r männlichen und weiblichen Reisenden auf der Toilette sei. Alles in allem sind Salvadors Geschichten ziemlich absurd und verrückt. Mit der Realität haben sie kaum etwas zu tun. Zwischendurch findet die ein oder andere Lebensweisheit Platz in seinen Geschichten. So verrät er einem Zuhörer z.B.: 'Auszeiten sind wichtig im Leben, zum Nachdenken, Lesen, oder um mit fremden Leuten über das Wetter zu reden. Vor lauter Stress vergessen wir, ein paar Minuten dem Nichtstun zu widmen. ... Die Busfahrt ist meine tägliche Auszeit. Eine unweigerlich verlorene und somit gewonnene Stunde, diesem rasanten Lebensstil abgetrotzt, der uns keine Atempause gönnt....' (S.40/41) Der Titel des Buches ist etwas unpassend im Bezug auf den Club der unerhörten Wünsche gewählt. Die Geschichte über diesen besonderen Club ist nämlich auch nur eine von mehreren Geschichten, die meiner Meinung nach keine größere Rolle spielt. Die Bilder im Buch sind teilweise aussagekräftig und fördern ein Zuordnen von neuen Geschichtenteilen zu bereits erzählten Geschichtenteilen. Jedoch finde ich, dass die Gestaltung des Covers wenig aussagekräftig bezogen auf die Geschichte ist. Die einfache und gut verständliche Sprache macht das Buch zu einer netten, kurzweiligen Lektüre mit wenig Tiefgang.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen
Ein versnobtes Trophäenweibchen für Arme, 13. April 2012
Von ihrer Freundin Tina bekommt Jule zu ihrem Geburtstag eine Mitgliedschaft im Internetportal "StayFriends" geschenkt. Nach anfänglichem Zweifel taucht Jule in die Internetwelt ein und entdeckt alte Schulkameraden und ihre große Liebe Eric. Nachdem ich den Klappentext des Buches gelesen hatte, dachte ich das Ende des Buches zu kennen, weil es eine klare Sache sei. Aber nach dem Lesen des Buches bin ich überrascht. Es hat sich in eine andere Richtung, immer noch vorhersehbar entwickelt und mich damit etwas gelangweilt. Ich hatte mir viel von diesem Buch erhofft z.B. eine einfühlsame Erzählung und etwas mehr Tiefe, auch einen 'bösen' Tom hatte ich mir vorgestellt, der es verdient hat verlassen zu werden. So war es dann gar nicht. Tom ist ein richtiger Chaot, der sich selber noch nicht zutraut Kinder zu bekommen, weil er ihnen was bieten will, der sehr liebenswert ist und seine Katze verwöhnt.... Jule's Entwicklung von einer manchmal bissigen, sturen und lustigen jungen Frau zu einem Hausweibchen, ohne (sinnvolle) Hobbies (ich nehme sämtliche Termine zum Nägel lackieren, Haare schneiden und das Shoppen in teuren Geschäften raus), mit vielen unechten Freunden/ Bekannten, die sie sowieso nicht mag. Dass sie ihren Job aufgiebt und sich für einen Mann verbiegt finde ich ziemlich dumm. Die Einsicht von Jule, die am Ende folgt ist dahingehend richtig heilsam und gut. Sie ist zum ersten Mal seit Ende der Beziehung mit Tom ehrlich zu sich. Ihren Liebesbeweis finde ich sehr romantisch und fast schon filmreif. Dagegen ist dieser Roman insgesamt kein Buch, was verfilmt werden sollte. Mir fehlt der Inhalt, der zum Nachdenken anregt. Der Roman ist in leichter, flüssiger Sprache geschrieben und so ein kurzweiliges Buch, dass man an einem regnerischen oder verschneiten Tag im Bett gut gelesen werden kann. Der Humor und Witz von Jule ist gut angebracht, kann aber nicht den platten und vorhersehbaren Inhalt des Buches aufbessern. Der Inhalt des Romans ist leider flach, etwas schwammig für mein Gefühl und hat keinen, mir bekannten Bezug, zum Titel. Jule, die in ihrer Wut immer wieder Türen aus den Angeln schmeißt, erzählt witzig von ihrem Leben mit den Männern, die sie nicht versteht. Ihre Freundschaft mit Tina ist gut beschrieben und ein Höhepunkt in dieser Geschichte. Das Jule einen Gutschein für eine Mitgliedschaft im Internetportal bekommt ist ein interessanter Ansatz, der leider nicht bis zum Ende verfolgt wird. Dieses Thema passt gut in die heutige Zeit und hätte besser verfolgt werden können. Berlin und die Berliner Ausgehmöglichkeiten, sind gut dargestellt und recherchiert und finden auch einen Platz in dem Roman. Welche Farbe hat den nun die Liebe??
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
"Dann ging das Heulen los,... ein animalischer Schmerzensschrei", 13. April 2012
Dieser Roman "Der Tag an dem Marilyn starb" erzählt von dem plötzlichen Tod einer Mutter und Ehefrau. Donna Milner schreibt von den drei trauernden, sehr unterschiedlichen Kindern, eins davon mit einer Behinderung und dem Ehemann, vom Krieg zermürbt, der nun auch mit diesem Schicksalsschlag fertig werden muss. Der Tod wird Anlass für die Aufarbeitung früherer Wunden und Familiengeheimnisse.... Dieser Roman ist in Kapiteln unterteilt. Einmal wird aus Sicht von der Tochter "Ethie" berichtet, die mit dem Verlust ihrer Mutter kämpft und dabei einen ganz interessanten Blick auf das Geschehen hat. Zum Zweiten werden die Jahre geschildert, die der Vater im Krieg gegen Japan in Hongkong verbracht hat, das übermäßige Sterben von Kameraden und Landsleuten, die Haft im Gefangenenlager und das Leben davor und danach. Die Kapitel, in denen Ethies Gedankenwelt dargestellt wird, überwiegen gegenüber denen, die die Kriegserlebnisse des Vaters schildern. Dadurch konnte ich mich, beim Lesen der "Ethie-Kapitel", von den sehr brutalen, blutigen und grausamen Erzählungen über die Kriegserlebnisse erholen. Die gesamte Geschichte wird sehr realistisch, berührend und emotional ansprechend erzählt, sodass ich in den Text "hinein tauchen" konnte. Am Anfang des Buches hatte ich Angst davor weiter zu lesen, wenn sich ein Kapitel über den Krieg andeutete, weil ich ahnte, dass Schlimmes folgen würde. Mit der Zeit gewöhnte ich mich daran und tröstete mich mit dem Wissen, dass der Vater den Krieg überlebt hat und nun "ein neues" Leben beginnt... Die Ereignisse während seinem Kriegseinsatz sind für mich unvorstellbar - das Leben der vielen Armen, die Behandlung der gefangenen Soldaten, die schrecklichen, oft tödlichen, Krankheiten, die im Lager umgingen und der Tod, der im Krieg immer Thema ist. Die Kapitel, in denen die Trauer der Familie beschrieben wird, sind ebenfalls sehr lebensecht und gut vorstellbar geschildert und brachten mich regelmäßig zum Lachen oder zum Weinen. Die einzelnen Familienmitglieder haben realistische Positionen in ihrer Familie, werden sympathisch beschrieben. Zum einen der große Bruder Frankie, der für die Familie sorgt, der kleiner Bruder "Kipper", geistig behindert, der seinen Vater, als Einziger, zu verstehen scheint und erfrischende Sichtweisen auf die Dinge zu-tage fördert und dadurch den Alltag erleichtert und verschönert. Und dann der Vater, tief geprägt vom Krieg, der sein Leid im Alkohol ertränkt. Ethie begleitet durch die Geschichte und erzählt wunderbar von ihrer Mutter, von ihrem engen Verhältnis zu Kipper und der allgegenwärtigen Trauer. Die Autorin hat es geschafft, die gegenwärtigen und die vergangenen, geschichtlichen Erzählungen so zu verknüpfen, das ein vollkommenes Bild entstehen konnte. Sowohl die Geschichte, als auch die Beschreibung der Charaktere ist rund. Das Buch hat mich zum Weinen und zum Lachen gebracht, manchmal beides gleichzeitig - hervorragend!
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