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Rezensionen verfasst von
Jérôme (Berlin / Bad Eilsen)

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Wahrheit und Existenz von Elkaïm-Sartre, Arlette (1998) Taschenbuch
Wahrheit und Existenz von Elkaïm-Sartre, Arlette (1998) Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Wahrheit ist nicht geworden, sie ist werdend. Und am Ende stirbt sie., 28. Februar 2014
Wer sich an dieses Werk heranwagt ohne philosophische Vorkenntnisse zu haben, der wird dieses Buch schon nach dem ersten Satz resignierend wieder weglegen. So verlangt uns Sartre, Hegels Theorien der Phänomenologie des Geistes und seinen Begriffsterminologien des An-Sich und Für-Sich, Heideggers Wahrheitsphilosophie, aber auch Sartres eigenes großes Hauptwerk " Das Sein und das Nichts " ab. Wenn man diese Hürde meint schon genommen zu haben, wird man sich zwar auf Inseln des Verständnisses flüchten können, aber dennoch von dieser Art und Weise des Denkens völlig überwältigt werden, aufgrund der so ungewohnten Trivialität, bei der man dennoch den Eindruck vermittelt bekommt, als würde einem Sartre, über allen Dingen stehend, die Welt aus einem unbeteiligten Standpunkt erklären. Wahrheit und Existenz , welches 1948 geschrieben, aber erst posthum veröffentlicht wurde, stellt Sartres Denken zwischen seinen zwei großen Hauptwerken dar.
Wie soll man zur Wahrheit stehen, wenn sie weder einer göttlichen Offenbarung, noch einem historisches Ziel, entlehnt wurde.
Wie steht der Mensch zu ihr und in welchen Bezügen interagiert er mit ihr. Sartre hat sich viel vorgenommen, aber er beginnt zunächst bei einem Zustand in welchem wir als aktive Bewusstseine uns aus der schon enthüllten Wirklichkeit mittels interindividueller Urteile über die Objekte verständigen. Wahrheit, so sagt Sartre, ist etwas das nicht einfach geworden ist , sondern sie wird im Lebensvollzug als Gefahr, Anstrengung, aber auch als wissenschaftlich erlebt. Der Mensch besitzt die Gabe seine Wahrheiten, als seine Geschichte anderen weiterzugeben. Auf diese Weise lebt sie in anderen Bewusstseinen fort und kann aufgegriffen und verändert werden. Jede Epoche besitzt ihre eigenen Wahrheiten, welche aber erst von der ihr folgenden Epoche als objektiv erklärt werden können. Sartre schreibt " Eine Wahrheit ist nicht geworden, sie ist werdend. Und am Ende stirbt sie ". So stellt die von Archimedes aufgestelle Theorie der Wasserverdrängung zu ihrer Zeit eine Idee dar, welche anfangs in aller Munde und präsent war, für folgende Generationen jedoch als eine anerkannte und nicht mehr zu hinterfragbare Gesetzmäßigkeit an Gültigkeit erlangte und im Schiffsbau beispielsweise ihre Verwirklichung erfuhr. Auf diese Weise verzeitlichen sich der Mensch aber auch die Wahrheit in immer differenziertere Ausprägungen und erschließen dadurch immer aufgegliedertere Bereiche der Welt. Sartre möchte, anders als Heidegger, dem es um eine Wahrheit des Seins ging, den existentiellen Bezug zur Wahrheit untersuchen, er will den Bezug zum Leben aufdecken.
Wahrheit und Existenz stellt ein Buch für Philosophiebegeisterte dar, die die Welt lieber von ihrer tiefgründigen Seite betrachten. Ein Buch für die, die sich noch Gedanken um Begriffe wie Wahrheit oder Existenz machen und sich noch nicht von einer immer oberflächlicher werdenden Welt vereinnahmt fühlen. Ein Buch, das nicht einfach mal eben durchgelesen werden kann, sondern seinen Inhalt nur denen Preis gibt, die sich genügend Wissen angefüttert haben, um in diesem Werk nicht unterzugehen. Existentialismus ausgedrückt auf sehr hohem Niveau .


Trost der Philosophie
Trost der Philosophie
von Kurt Flasch
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alles Geschick ist von Grund auf gut., 25. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Trost der Philosophie (Taschenbuch)
Ein Buch, welches den Weg zur Erkenntnis, von der unberechenbaren Macht Fortunas, die sich dem Menschen gegenüber als unzuverlässige Instanz herauskristallisiert, zu den wahren, den Seelenfrieden bringenden zeitlosen Ideen führt. Der Gesinnungswandel vollzieht sich in Form eines Heilungsprozesses zwischen dem Autor und der personifizierten Philosophie. Der mit Vorkenntnissen versehene Leser wird die hohe Äquivalenz zu Platon schnell bemerken und seine Kunst der Didaktik wiederentdecken. Boethius, der des Hochverrats bezichtigt und verurteilt wurde, verfasste seine Consolatio nach vorherrschendem Konsens während der Gefangenschaft und wurde kurze Zeit später hingerichtet.
Durch seine Schicksalsschläge geprägt, scheint die Idee des Guten in dieser Welt generell in Frage zu stehen. Er fragt sich nun, ob der Mensch auf sein Schicksal Einfluss nehmen kann, oder ob die Vorsehung Gottes keinen Spielraum mehr für etwaige Willensentscheidungen offenlässt. Zunächst jedoch, ebnet die Philosophie den Weg für das Verstehen des wahren Glücks und offenbart dem Gefangenen, dass sein bisheriges Streben nach irdischen Gütern wie Reichtum, Würden und Macht nur ein Scheinweg sei, der vorgibt diesen Trugbildern nachzueifern und sie für die höchsten zu erreichenden Ziele des Menschen ausgibt. Es gilt die Blickrichtung zu wechseln und sein Leben nicht von den täglich sich materiell aufdrängenden Dingen beeinflussen zu lassen, sondern eine geistige Perspektive einzunehmen, die sich der unveränderlichen Wesensform widmet. Boethius lässt hier seine neuplatonische Prägung durchschimmern, denn auch Platon versuchte sich von der Welt des Stofflichen zu lösen und stattdessen die Quelle des Guten durch den stufenweisen Aufstieg der Seele zu erreichen. Die Reden der Philosophie bewirken nun ihren Trost und ermöglichen ein Einsehen bei Boethius, dem irdischen Streben zu entsagen und bereit für die Erkenntnis Gottes zu sein.
Doch seine gewonnenen Erkenntnisse schlagen sich schnell wieder in große Zweifel um, denn in Anbetracht all der Übel auf der Welt, scheint es sehr abwegig, die Natur durch den Plan eines höchsten Guten geleitet zu sehen. Boethius wirft hier das bekannte Theodizeeproblem auf. Die Philosophie argumentiert mit dem Verweis auf das in allen Lebewesen strebende Verlangen nach Glückseligkeit und das es dem Bösen lediglich an Sein mangelt sein Wesen zu erfüllen. Je nach Abweichung seiner eigenen Konstitution bekomme jeder den ihm zugewiesenen Lob oder Tadel.
Doch gerade diese Zuweisung sieht Boethius nach keinen nachvollziehbaren Gesetzmäßigkeiten ablaufen, stattdessen scheinen für ihn Lohn und Strafe willkürlich verteilt zu werden. Der Blick des ganzen Anliegens gleitet nun stetig in das göttliche System ab.
Die Philosophie öffnet ihm die Augen und lehrt ihn, dass alle menschlichen Abläufe, ob sie nun ihrem Wesen entsprechen oder auch nicht, von einer göttlichen Vorsehung gelenkt und korrigiert werden.
Doch wo bleibt da der Raum für freie Willensentscheidung und Zufall. Im fünften und letzten Buch versucht die Philosophie nun in Form eines recht schwierigen Gedankenganges aufzuzeigen, dass die göttliche Vorsehung noch ein Hintertürchen für die freie Wahl offenlässt.
Insgesamt besitzt das Werk ein Potential, welches unserer heutigen hektischen Gesellschaft wieder die Augen zu öffnen vermag und zu zeigen, dass das Treiben nach immer mehr Besitz und Macht, nicht für die einzigen als erstrebenswert zu haltenden Antriebe angesehen werden sollten.


Trost der Philosophie
Trost der Philosophie
von Karl Büchner
  Taschenbuch
Preis: EUR 4,80

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alles Geschick ist von Grund auf gut., 25. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Trost der Philosophie (Taschenbuch)
Ein Buch, welches den Weg zur Erkenntnis, von der unberechenbaren Macht Fortunas, die sich dem Menschen gegenüber als unzuverlässige Instanz herauskristallisiert, zu den wahren, den Seelenfrieden bringenden zeitlosen Ideen führt. Der Gesinnungswandel vollzieht sich in Form eines Heilungsprozesses zwischen dem Autor und der personifizierten Philosophie. Der mit Vorkenntnissen versehene Leser wird die hohe Äquivalenz zu Platon schnell bemerken und seine Kunst der Didaktik wiederentdecken. Boethius, der des Hochverrats bezichtigt und verurteilt wurde, verfasste seine Consolatio nach vorherrschendem Konsens während der Gefangenschaft und wurde kurze Zeit später hingerichtet.
Durch seine Schicksalsschläge geprägt, scheint die Idee des Guten in dieser Welt generell in Frage zu stehen. Er fragt sich nun, ob der Mensch auf sein Schicksal Einfluss nehmen kann, oder ob die Vorsehung Gottes keinen Spielraum mehr für etwaige Willensentscheidungen offenlässt. Zunächst jedoch, ebnet die Philosophie den Weg für das Verstehen des wahren Glücks und offenbart dem Gefangenen, dass sein bisheriges Streben nach irdischen Gütern wie Reichtum, Würden und Macht nur ein Scheinweg sei, der vorgibt diesen Trugbildern nachzueifern und sie für die höchsten zu erreichenden Ziele des Menschen ausgibt. Es gilt die Blickrichtung zu wechseln und sein Leben nicht von den täglich sich materiell aufdrängenden Dingen beeinflussen zu lassen, sondern eine geistige Perspektive einzunehmen, die sich der unveränderlichen Wesensform widmet. Boethius lässt hier seine neuplatonische Prägung durchschimmern, denn auch Platon versuchte sich von der Welt des Stofflichen zu lösen und stattdessen die Quelle des Guten durch den stufenweisen Aufstieg der Seele zu erreichen. Die Reden der Philosophie bewirken nun ihren Trost und ermöglichen ein Einsehen bei Boethius, dem irdischen Streben zu entsagen und bereit für die Erkenntnis Gottes zu sein.
Doch seine gewonnenen Erkenntnisse schlagen sich schnell wieder in große Zweifel um, denn in Anbetracht all der Übel auf der Welt, scheint es sehr abwegig, die Natur durch den Plan eines höchsten Guten geleitet zu sehen. Boethius wirft hier das bekannte Theodizeeproblem auf. Die Philosophie argumentiert mit dem Verweis auf das in allen Lebewesen strebende Verlangen nach Glückseligkeit und das es dem Bösen lediglich an Sein mangelt sein Wesen zu erfüllen. Je nach Abweichung seiner eigenen Konstitution bekomme jeder den ihm zugewiesenen Lob oder Tadel.
Doch gerade diese Zuweisung sieht Boethius nach keinen nachvollziehbaren Gesetzmäßigkeiten ablaufen, stattdessen scheinen für ihn Lohn und Strafe willkürlich verteilt zu werden. Der Blick des ganzen Anliegens gleitet nun stetig in das göttliche System ab.
Die Philosophie öffnet ihm die Augen und lehrt ihn, dass alle menschlichen Abläufe, ob sie nun ihrem Wesen entsprechen oder auch nicht, von einer göttlichen Vorsehung gelenkt und korrigiert werden.
Doch wo bleibt da der Raum für freie Willensentscheidung und Zufall. Im fünften und letzten Buch versucht die Philosophie nun in Form eines recht schwierigen Gedankenganges aufzuzeigen, dass die göttliche Vorsehung noch ein Hintertürchen für die freie Wahl offenlässt.
Insgesamt besitzt das Werk ein Potential, welches unserer heutigen hektischen Gesellschaft wieder die Augen zu öffnen vermag und zu zeigen, dass das Treiben nach immer mehr Besitz und Macht, nicht für die einzigen als erstrebenswert zu haltenden Antriebe angesehen werden sollten.


Der Idiot: Roman
Der Idiot: Roman
von Fjodor M. Dostojewski
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Um die Vollkommenheit zu erreichen, muss man zuerst vieles nicht verstehen., 21. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Idiot: Roman (Taschenbuch)
Wer ist dieser Fürst Myschkin, der einem von Beginn an sympathisch erscheint, dieser Sonderling, welcher eine kindliche Unschuld verkörpert und des Öfteren mit seiner daraus resultierenden Naivität den Leser durchweg entzückt. Dieser ganz besondere Mensch scheint der Inbegriff des schönen und guten Idealmenschen zu sein, so das es nicht so abwegig erscheint eine Parallele zu Jesus zu sehen. Seine Kindheit ist geprägt durch eine Isolation vor der Gesellschaft und ihren Konventionen. Genau diese fehlende Unterweisung in ihre Normen, wird sich in seinen späteren Handlungen hoffnungslos auswirken. Schon zu Beginn seiner Ankunft in Russland wird er Teil eines Prozesses, der durch unerwartete Geschehnisse, einer verborgenen Kausalität zu Folgen scheint, die den Fürsten in eine Welt hineinzieht und ihn nicht mehr loslassen wird. Durch seine unbekümmerte und liebevolle Art wird er schon bald in die soziale Gruppe der Familie Jepantschin involviert.
Es ist seine ungeheure Authentizität, welche der eines Kindes gleicht, die sofort durchblicken lässt, dass er nicht versucht einer entfernten Idealgestalt zu gleichen, sondern vielmehr ohne jeglichen Schein seine Natürlichkeit offenbart. Diese sanftmütige Offenherzigkeit lässt ihn anfällig machen für Intrigen, ganz dem Motto folgend " der Ehrliche ist der Dumme ". Im folgenden Romanverlauf wird er zu einer Art Instanz bei der man sein Leid plagt und sich einen Rat einholt. Er ist niemandem abgeneigt, ob es sein Gegenspieler Rogoshin ist, der ihn sogar umbringen wollte oder eine Gruppe, die sich durch nihilistisches Gedankengut auszeichnet.
Doch Dostojewski zeichnet noch einen anderen Charakter, der zeigt, dass sich das fehlen einer gesellschaftlichen Erziehung auch in einen komplett konträren Phänotypen umschlagen kann. Zu diesen Personen gehört die große Liebe des Fürsten Nastassja Filippowna, die die Regeln der Gesellschaft auf eine andere Art und Weise kompromittiert. Ihre charakterlichen Grundzüge zeichnen sich durch intrigantes, rebellenhaftes, aber auch wahnsinniges Verhalten aus. Fürst Myschkin entdeckt allerdings noch etwas anderes an dieser Frau. Bei der Betrachtung einer Fotografie Nastassjas sprechen ihn grenzenloser Stolz, aber auch etwas erstaunlich Gutherziges an, was in ihm mitleidige Gefühle für sie hervorruft. Nastassja entwickelt ebenfalls eine Liebe zu ihm, befürchtet jedoch seine göttliche Unschuld zu verderben und gibt sich daraufhin dem machtgierigen Rogoshin hin, den sie aber immer wieder versetzt und zwischenzeitlich zum Fürsten zurückkehrt. Es entsteht eine komplizierte Dreiecksbeziehung die sich tragisch entwickeln wird.
Das knapp 1000 Seitige Werk ist durch eine große Vielzahl an Charakteren geprägt, die so unfassbar psychologisch durchleuchtet werden, dass man als Leser einfach nur über die ungeheure Menschenkenntnis Dostojewskis staunen kann. Es scheint als würde der Autor über eine ganz besondere Anlage zur Empathie verfügen, mit der er seine Protagonisten so realistisch darzustellen vermag. Der Roman ist größtenteils durch sehr lange Dialoge geprägt, die gerne mal 150 Seiten lang sein können, dennoch schafft er es aber an manchen Stellen den Leser durch seine Erzählweise so zu fesseln, dass man sich als ein Teil des Dialoges fühlt und sich in das 19. Jahrhundert zurückversetzt fühlt. Geniales Meisterwerk.


Der Idiot: Roman
Der Idiot: Roman
von Fjodor M. Dostojewskij
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,95

4.0 von 5 Sternen Um die Vollkommenheit zu erreichen, muss man zuerst vieles nicht verstehen., 21. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Idiot: Roman (Taschenbuch)
Wer ist dieser Fürst Myshkin, der einem von Beginn an sympathisch erscheint, dieser Sonderling, welcher eine kindliche Unschuld verkörpert und des Öfteren mit seiner daraus resultierenden Naivität den Leser durchweg entzückt. Dieser ganz besondere Mensch scheint der Inbegriff des schönen und guten Idealmenschen zu sein, so das es nicht so abwegig erscheint eine Parallele zu Jesus zu sehen. Seine Kindheit ist geprägt durch eine Isolation vor der Gesellschaft und ihren Konventionen. Genau diese fehlende Unterweisung in ihre Normen, wird sich in seinen späteren Handlungen hoffnungslos auswirken. Schon zu Beginn seiner Ankunft in Russland wird er Teil eines Prozesses, der durch unerwartete Geschehnisse, einer verborgenen Kausalität zu Folgen scheint, die den Fürsten in eine Welt hineinzieht und ihn nicht mehr loslassen wird. Durch seine unbekümmerte und liebevolle Art wird er schon bald in die soziale Gruppe der Familie Jepantschin involviert.
Es ist seine ungeheure Authentizität, welche der eines Kindes gleicht, die sofort durchblicken lässt, dass er nicht versucht einer entfernten Idealgestalt zu gleichen, sondern vielmehr ohne jeglichen Schein seine Natürlichkeit offenbart. Diese sanftmütige Offenherzigkeit lässt ihn anfällig machen für Intrigen, ganz dem Motto folgend " der Ehrliche ist der Dumme ". Im folgenden Romanverlauf wird er zu einer Art Instanz bei der man sein Leid plagt und sich einen Rat einholt. Er ist niemandem abgeneigt, ob es sein Gegenspieler Rogoshin ist, der ihn sogar umbringen wollte oder eine Gruppe, die sich durch nihilistisches Gedankengut auszeichnet.
Doch Dostojewski zeichnet noch einen anderen Charakter, der zeigt, dass sich das fehlen einer gesellschaftlichen Erziehung auch in einen komplett konträren Phänotypen umschlagen kann. Zu diesen Personen gehört die große Liebe des Fürsten Nastassja Filippowna, die die Regeln der Gesellschaft auf eine andere Art und Weise kompromittiert. Ihre charakterlichen Grundzüge zeichnen sich durch intrigantes, rebellenhaftes, aber auch wahnsinniges Verhalten aus. Fürst Myschkin entdeckt allerdings noch etwas anderes an dieser Frau. Bei der Betrachtung einer Fotografie Nastassjas sprechen ihn grenzenloser Stolz, aber auch etwas erstaunlich Gutherziges an, was in ihm mitleidige Gefühle für sie hervorruft. Nastassja entwickelt ebenfalls eine Liebe zu ihm, befürchtet jedoch seine göttliche Unschuld zu verderben und gibt sich daraufhin dem machtgierigen Rogoshin hin, den sie aber immer wieder versetzt und zwischenzeitlich zum Fürsten zurückkehrt. Es entsteht eine komplizierte Dreiecksbeziehung die sich tragisch entwickeln wird.
Das knapp 1000 Seitige Werk ist durch eine große Vielzahl an Charakteren geprägt, die so unfassbar psychologisch durchleuchtet werden, dass man als Leser einfach nur über die ungeheure Menschenkenntnis Dostojewskis staunen kann. Es scheint als würde der Autor über eine ganz besondere Anlage zur Empathie verfügen, mit der er seine Protagonisten so realistisch darzustellen vermag. Der Roman ist größtenteils durch sehr lange Dialoge geprägt, die gerne mal 150 Seiten lang sein können, dennoch schafft er es aber an manchen Stellen den Leser durch seine Erzählweise so zu fesseln, dass man sich als ein Teil des Dialoges fühlt und sich in das 19. Jahrhundert zurückversetzt fühlt. Geniales Meisterwerk.


Der Idiot
Der Idiot
von Fjodor Dostojewski
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Um die Vollkommenheit zu erreichen, muss man zuerst vieles nicht verstehen, 21. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Idiot (Gebundene Ausgabe)
Wer ist dieser Fürst Myshkin, der einem von Beginn an sympathisch erscheint, dieser Sonderling, welcher eine kindliche Unschuld verkörpert und des Öfteren mit seiner daraus resultierenden Naivität den Leser durchweg entzückt. Dieser ganz besondere Mensch scheint der Inbegriff des schönen und guten Idealmenschen zu sein, so das es nicht so abwegig erscheint eine Parallele zu Jesus zu sehen. Seine Kindheit ist geprägt durch eine Isolation vor der Gesellschaft und ihren Konventionen. Genau diese fehlende Unterweisung in ihre Normen, wird sich in seinen späteren Handlungen hoffnungslos auswirken.
Schon zu Beginn seiner Ankunft in Russland wird er Teil eines Prozesses, der durch unerwartete Geschehnisse, einer verborgenen Kausalität zu Folgen scheint, die den Fürsten in eine Welt hineinzieht und ihn nicht mehr loslassen wird. Durch seine unbekümmerte und liebevolle Art wird er schon bald in die soziale Gruppe der Familie Jepantschin involviert. Es ist seine ungeheure Authentizität, welche der eines Kindes gleicht, die sofort durchblicken lässt, dass er nicht versucht einer entfernten Idealgestalt zu gleichen, sondern vielmehr ohne jeglichen Schein seine Natürlichkeit offenbart. Diese sanftmütige Offenherzigkeit lässt ihn anfällig machen für Intrigen, ganz dem Motto folgend " der Ehrliche ist der Dumme ". Im folgenden Romanverlauf wird er zu einer Art Instanz bei der man sein Leid plagt und sich einen Rat einholt. Er ist niemandem abgeneigt, ob es sein Gegenspieler Rogoshin ist, der ihn sogar umbringen wollte oder eine Gruppe, die sich durch nihilistisches Gedankengut auszeichnet.
Doch Dostojewski zeichnet noch einen anderen Charakter, der zeigt, dass sich das Fehlen einer gesellschaftlichen Erziehung auch in einen komplett konträren Phänotypen umschlagen kann. Zu diesen Personen gehört die große Liebe des Fürsten Nastassja Filippowna, die die Regeln der Gesellschaft auf eine andere Art und Weise kompromittiert. Ihre charakterlichen Grundzüge zeichnen sich durch intrigantes, rebellenhaftes, aber auch wahnsinniges Verhalten aus. Fürst Myschkin entdeckt allerdings noch etwas anderes an dieser Frau. Bei der Betrachtung einer Fotografie Nastassjas sprechen ihn grenzenloser Stolz, aber auch etwas erstaunlich Gutherziges an, was in ihm mitleidige Gefühle für sie hervorruft. Nastassja entwickelt ebenfalls eine Liebe zu ihm, befürchtet jedoch seine göttliche Unschuld zu verderben und gibt sich daraufhin dem machtgierigen Rogoshin hin, den sie aber immer wieder versetzt und zwischenzeitlich zum Fürsten zurückkehrt. Es entsteht eine komplizierte Dreiecksbeziehung die sich tragisch entwickeln wird.
Das knapp 1000 Seitige Werk ist durch eine große Vielzahl an Charakteren geprägt, die so unfassbar psychologisch durchleuchtet werden, dass man als Leser einfach nur über die ungeheure Menschenkenntnis Dostojewskis staunen kann. Es scheint als würde der Autor über eine ganz besondere Anlage zur Empathie verfügen, mit der er seine Protagonisten so realistisch darzustellen vermag. Der Roman ist größtenteils durch sehr lange Dialoge geprägt, die gerne mal 150 Seiten lang sein können, dennoch schafft er es aber an manchen Stellen den Leser durch seine Erzählweise so zu fesseln, dass man sich als ein Teil des Dialoges fühlt und sich in das 19. Jahrhundert zurückversetzt fühlt. Geniales Meisterwerk.


Über das Sein: Griech. /Dt
Über das Sein: Griech. /Dt
von Parmenides
  Taschenbuch
Preis: EUR 5,80

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Sein ist ungeworden !, 17. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Über das Sein: Griech. /Dt (Taschenbuch)
Parmenides, einer der einflussreichsten Vorsokratiker und Schüler des Xenophanes, war auf der Suche nach der Wahrheit. Er war der Ansicht, dass das normale Menschenvolk nicht in der Lage sei sie zu erkennen, stattdessen vertausche es ständig Wahrheit und Unwahrheit. Allerdings führt der Weg zur Erkenntnis der Wahrheit über einen Weg, der von den gewöhnlichen, menschlichen Pfaden weit entfernt ist. Den Verlauf dieses Weges, beschreibt der in Elea geborene nun in seinem berühmten Lehrgedicht. Ein Gedicht, gespickt mit metaphorischen Vieldeutigkeiten, an denen die Interpretatoren 2500 Jahre lang versuchten, seinen geheimnisvollen Inhalt zu enträtseln.
Die überlieferten Fragmente sind in drei Abschnitte eingeteilt. Im ersten Teil, dem Proömium, berichtet ein unbekannter Erzähler seine Reise fernab der menschlichen Wege, wie er von unsterblichen Wagenlenkerinnen zu einem verschlossenen Tor geleitet wird, welches der Göttin Dike unterstellt ist. Nachdem sie dem Erzähler Eintritt gewährte, wurde er von einer Göttin empfangen, die ihm sowohl die Wahrheit, als auch die Meinungen der Sterblichen verkündet. Im zweiten Abschnitt teilt sie dem Reisenden eben diese mit, welche lautet " Das es ist und dass nicht ist, dass es nicht ist ".
Parmenides stellt sich das Sein ähnlich einer wohlgerundeten Kugel vor, die sich in alle Richtungen gleichermaßen erstreckt. Das Nichtseiende hingegen sei unerkennbar. Später schlossen die Sophisten daraus, dass alles Wahrheit sei und Irrtum das Nichtseiende und somit nicht erkannt werden könnte. Weiterhin bestreitet er, dass Seiendes aus Nichtseiendem entstehen konnte, denn wie sollte es möglich sein, dass im Nichtseienden die Potenz für ein zukünftiges Seiendes stecken könnte.
Anders Heraklit, der den Dingen, die Präsens des Seins absprach und stattdessen eine Metaphysik des Vergänglichen und des Werdens proklamierte. Parmenides ging es um die Entlarvung der Alltagswahrnehmung. Er wollte ihren Schein aufdecken, der zufolge alles veränderlich sei und dafür ein unbewegliches, ungewordenes, unveränderliches Ganzes aufdecken. Von genau diesem Irrweg, den die nichtwissenden Menschen verfolgen, möchte die Göttin ihn im dritten Teil bewahren, verlangt aber auch, das er die verkündete Wahrheit den Menschen weitergibt.
Dem Lehrgedicht folgen in dieser Reclamausgabe ausgewählte Zeugnisse aus Leben und Lehre, die den Philosophen eingehender beschreiben, dennoch sind dies nur Bruchteile die überliefert wurden. Den Rest der Ausgabe nehmen ausgewählte Interpretationen u.a. von Nietzsche, Heidegger, Jaspers und eine längere Ausführung von Hans von Steuben ein, welche einen tieferen Einblick in das Werk Parmenides geben.
Insgesamt eine sehr gelungene Ausgabe, mit der es sich lohnt sich zu beschäftigen


Die Welt als Wille und Vorstellung
Die Welt als Wille und Vorstellung
von Arthur Schopenhauer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Wille zur Kunst !, 4. Januar 2014
Schopenhauer war auf der Suche nach den Bestandteilen, welche die Welt in ihrem Innersten zusammenhalten. Anders als seine philosophischen Vorgänger, die den Geist für die alles zusammenhaltende kraft definierten, war Schopenhauer auf eine andere Ontologie gestoßen, die bei den Vertretern des damals vorherrschenden deutschen Idealismus für großen Unmut sorgte. Schopenhauer löste eine lange Tradition ab, welche sich durch den fragenden Geist , der Welt zu nähern gedachten. Doch auf diese Weise kratzte man bloß an der Oberfläche der Dinge, so der Philosoph, das Wesen jedoch sei so gänzlich unerkennbar. Sein Hauptwerk, welches den kühnen Titel " Die Welt als Wille und Vorstellung " trägt, brachte eine neue Perspektive auf die Sicht der Dinge.

Es ist in vier Bücher eingeteilt und beginnt bei der Vorstellung. Diese zerspringt nun in ein erkennendes aber nie erkanntes Subjekt und in ein Objekt, das immer auf ein Subjekt bezogen ist. Beeinflusst durch Kant, sieht auch Schopenhauer die Welt der Objekte durch Raum, Zeit und Kausalität geprägt, welche a priori im Subjekt bereitliegen und die Form der Wirklichkeit konstituieren. Auf diese Weise jedoch, kritisiert Schopenhauer, gleichen wir einem, der von außen dem Wesen der Dinge beizukommen versucht, aber nichts als Bilder und Begriffe gewinnt. Das zweite Buch stellt nun den Versuch dar in das Innere vorzustoßen und die Welt unabhängig der Vorstellungen zu betrachten. Was ist die Welt und was hat es mit dem Sein auf sich, fragt sich der Autor. Für Kant war es unmöglich das sogenannte Ding an sich zu erkennen, da diesem keine Anschauung in Raum und Zeit zugrunde liegt. Schopenhauer teilt zu einem gewissen Grad diese Ansicht, wendet jedoch ein, dass wir, die Erkennenden von unserem eigenen Wollen Erkenntnis haben. Diese Anschauung, die weder räumlich noch leer ist, sondern realer als irgend eine andere, stellt eine Möglichkeit dar, äußere Vorgänge aus dem inneren zu verstehen. Mittels dieser Introspektion, meint er, einen Schlüssel gefunden zu haben, um sich dem Ding an sich zu nähern.

Der Wille schafft sich im intellekt ein Werkzeug, sich selbst und sein Wollen zu erkennen. Er benötigt ihn, um die erscheinende Welt als einen Spiegel seiner Objektivation in ihm aufzufassen. Bei Descartes verbürgt das Denken das Sein, ich denke also bin ich, anders Schopenhauer, bei ihm ist es der allem zugrunde liegende, ziellose Wille, der die Essenz der Welt ausmacht. Der Ton des Buches wird nun zunehmend pessimistischer. In allen Dingen waltet, so Schopenhauer eine Art Urwille. Ob Pflanzen, Tiere oder Menschen , der Wille verwirklicht sich als waltende Kraft und schafft sich im Menschen ein Selbstbewusstsein, um sich seiner bewusst zu werden. Dieser immer wollende, aber nie zufriedene Wille, der unnachgiebig von neuen quälenden Wünschen getrieben wird, kann einzig in der Überwindung durch Kontemplation verneint werden, wodurch ein innerer Friede erreicht werden kann. Zum schauenden Weltauge sollen wir werden, so Schopenhauer und die reinen aller Wirklichkeit vorangehenden Äüßerungen des urwillens erkennen. In der Kunst sieht er diesen Blick auf die Ideen realisiert.
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Die Welt als Wille und Vorstellung, Band 1: Erster Teilband
Die Welt als Wille und Vorstellung, Band 1: Erster Teilband
von Arthur Schopenhauer
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Wille zur Kunst !, 4. Januar 2014
Schopenhauer war auf der Suche nach den Bestandteilen, welche die Welt in ihrem Innersten zusammenhalten. Anders als seine philosophischen Vorgänger, die den Geist für die alles zusammenhaltende Kraft definierten, war Schopenhauer auf eine andere Ontologie gestoßen, die bei den Vertretern des damals vorherrschenden deutschen Idealismus für großen Unmut sorgte. Schopenhauer löste eine lange Tradition ab, welche sich durch den fragenden Geist , der Welt zu nähern gedachten. Doch auf diese Weise kratzte man bloß an der Oberfläche der Dinge, so der Philosoph, das Wesen jedoch sei so gänzlich unerkennbar. Sein Hauptwerk, welches den kühnen Titel " Die Welt als Wille und Vorstellung " trägt, brachte eine neue Perspektive auf die Sicht der Dinge.
Es ist in vier Bücher eingeteilt und beginnt bei der Vorstellung. Diese zerspringt nun in ein erkennendes, aber nie erkanntes Subjekt und in ein Objekt, das immer auf ein Subjekt bezogen ist. Beeinflusst durch Kant, sieht auch Schopenhauer die Welt der Objekte durch Raum, Zeit und Kausalität geprägt, welche a priori im Subjekt bereitliegen und die Form der Wirklichkeit konstituieren. Auf diese Weise jedoch, kritisiert Schopenhauer, gleichen wir einem, der von außen dem Wesen der Dinge beizukommen versucht, aber nichts als Bilder und Begriffe gewinnt. Das zweite Buch stellt nun den Versuch dar in das Innere vorzustoßen und die Welt unabhängig der Vorstellungen zu betrachten. Was ist die Welt und was hat es mit dem Sein auf sich, fragt sich der Autor. Für Kant war es unmöglich das sogenannte Ding an sich zu erkennen, da diesem keine Anschauung in Raum und Zeit zugrunde liegt. Schopenhauer teilt zu einem gewissen Grad diese Ansicht, wendet jedoch ein, dass wir, die Erkennenden von unserem eigenen Wollen Erkenntnis haben. Diese Anschauung, die weder räumlich noch leer ist, sondern realer als irgend eine andere, stellt eine Möglichkeit dar, äußere Vorgänge aus dem inneren zu verstehen. Mittels dieser Introspektion, meint er, einen Schlüssel gefunden zu haben, um sich dem Ding an sich zu nähern. Der Wille schafft sich im Intellekt ein Werkzeug, sich selbst und sein Wollen zu erkennen. Er benötigt ihn, um die erscheinende Welt als einen Spiegel seiner Objektivation in ihm aufzufassen. Bei Descartes verbürgt das Denken das Sein, ich denke also bin ich, anders Schopenhauer, bei ihm ist es der allem zugrunde liegende, ziellose Wille, der die Essenz der Welt ausmacht. Der Ton des Buches wird nun zunehmend pessimistischer. In allen Dingen waltet, so Schopenhauer eine Art Urwille. Ob Pflanzen, Tiere oder Menschen , der Wille verwirklicht sich als waltende Kraft und schafft sich im Menschen ein Selbstbewusstsein, um sich seiner bewusst zu werden. Dieser immer wollende, aber nie zufriedene Wille, der unnachgiebig von neuen quälenden Wünschen getrieben wird, kann einzig in der Überwindung durch Kontemplation verneint werden, wodurch ein innerer Friede erreicht werden kann. Zum schauenden Weltauge sollen wir werden, so Schopenhauer und die reinen aller Wirklichkeit vorangehenden Äüßerungen des Urwillens erkennen. In der Kunst sieht er diesen Blick auf die Ideen realisiert.
Ein philosophischen Meisterwerk, welches sich am besten mit Vorkenntnissen zu Kant und Platon lesen lässt.


Die Welt als Wille und Vorstellung
Die Welt als Wille und Vorstellung
von Arthur Schopenhauer
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,80

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Wille zur Kunst !, 4. Januar 2014
Schopenhauer war auf der Suche nach den Bestandteilen, welche die Welt in ihrem Innersten zusammenhalten. Anders als seine philosophischen Vorgänger, die den Geist für die alles zusammenhaltende kraft definierten, war Schopenhauer auf eine andere Ontologie gestoßen, die bei den Vertretern des damals vorherrschenden deutschen Idealismus für großen Unmut sorgte. Schopenhauer löste eine lange Tradition ab, welche sich durch den fragenden Geist , der Welt zu nähern gedachten. Doch auf diese Weise kratzte man bloß an der Oberfläche der Dinge, so der Philosoph, das Wesen jedoch sei so gänzlich unerkennbar. Sein Hauptwerk, welches den kühnen Titel " Die Welt als Wille und Vorstellung " trägt, brachte eine neue Perspektive auf die Sicht der Dinge.

Es ist in vier Bücher eingeteilt und beginnt bei der Vorstellung. Diese zerspringt nun in ein erkennendes aber nie erkanntes Subjekt und in ein Objekt, das immer auf ein Subjekt bezogen ist. Beeinflusst durch Kant, sieht auch Schopenhauer die Welt der Objekte durch Raum, Zeit und Kausalität geprägt, welche a priori im Subjekt bereitliegen und die Form der Wirklichkeit konstituieren. Auf diese Weise jedoch, kritisiert Schopenhauer, gleichen wir einem, der von außen dem Wesen der Dinge beizukommen versucht, aber nichts als Bilder und Begriffe gewinnt. Das zweite Buch stellt nun den Versuch dar in das Innere vorzustoßen und die Welt unabhängig der Vorstellungen zu betrachten. Was ist die Welt und was hat es mit dem Sein auf sich, fragt sich der Autor. Für Kant war es unmöglich das sogenannte Ding an sich zu erkennen, da diesem keine Anschauung in Raum und Zeit zugrunde liegt. Schopenhauer teilt zu einem gewissen Grad diese Ansicht, wendet jedoch ein, dass wir, die Erkennenden von unserem eigenen Wollen Erkenntnis haben. Diese Anschauung, die weder räumlich noch leer ist, sondern realer als irgend eine andere, stellt eine Möglichkeit dar, äußere Vorgänge aus dem inneren zu verstehen. Mittels dieser Introspektion, meint er, einen Schlüssel gefunden zu haben, um sich dem Ding an sich zu nähern.

Der Wille schafft sich im intellekt ein Werkzeug, sich selbst und sein Wollen zu erkennen. Er benötigt ihn, um die erscheinende Welt als einen Spiegel seiner Objektivation in ihm aufzufassen. Bei Descartes verbürgt das Denken das Sein, ich denke also bin ich, anders Schopenhauer, bei ihm ist es der allem zugrunde liegende, ziellose Wille, der die Essenz der Welt ausmacht. Der Ton des Buches wird nun zunehmend pessimistischer. In allen Dingen waltet, so Schopenhauer eine Art Urwille. Ob Pflanzen, Tiere oder Menschen , der Wille verwirklicht sich als waltende Kraft und schafft sich im Menschen ein Selbstbewusstsein, um sich seiner bewusst zu werden. Dieser immer wollende, aber nie zufriedene Wille, der unnachgiebig von neuen quälenden Wünschen getrieben wird, kann einzig in der Überwindung durch Kontemplation verneint werden, wodurch ein innerer Friede erreicht werden kann. Zum schauenden Weltauge sollen wir werden, so Schopenhauer und die reinen aller Wirklichkeit vorangehenden Äüßerungen des urwillens erkennen. In der Kunst sieht er diesen Blick auf die Ideen realisiert.
Ein philosophischen Meisterwerk, welches sich am besten mit Vorkenntnissen zu Kant und Platon lesen lässt.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 6, 2014 4:27 PM MEST


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