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Rezensionen verfasst von
Ray "rayw260" (Rheinfelden)
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Der fantastische Mr. Fox
Der fantastische Mr. Fox
DVD ~ Alex McDowell
Preis: EUR 5,97

5.0 von 5 Sternen Fox on the Run...., 20. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Der fantastische Mr. Fox (DVD)
Mit "Rushmore" wurde er zum Kritkerliebling, drei Jahre später gelang ihm mit der verschrobenen Komödie "The Royal Tennenbaums" der Durchbruch. Wes Anderson realsierte danach "Die Tiefseetaucher" und "Darjeeling Limited". Sein letzten drei Arbeiten sind aber vielleicht seine besten, es sind allesamt Meisterwerke geworden. "Moonlight Rising" erzählt die Geschichte von zwei Zwölfjährigen Teeangern, die sich lieben und gemeinsam durchbrennen. Auch im "Grand Budapest Hotel" wimmelt es von skurrilen und liebenswerten Zeitgenossen. Im Jahr 2009 versuchte sich der Independent-Regisseur sogar im Genre des Animationsfilms. Dabei gelang ihm mit seinem Stop Motion Beitrag "Der fantastische Mr. Fox" - nach dem Kinderbuch von Roald Dahl - ein echter kleiner Geniestreich. Es war daher nur logisch, dass der Film in der Kategorie "Bester Animationsfilm" für den Oscar nominiert wurde - eine weitere Nominierung gabs für die atmosphärisch perfekte Filmmusik von Alexandre Desplat.
Der Fuchs Mr. Fox ist ein sehr schlauer Vertreter seiner eh schon sehr schlauen Species. Gemeinsam mit seiner atttraktiven Frau Felicity passiert ihm aber beim Hühnerklau ein fataler Fehler und die beiden finden sich in einer Fuchsfalle wieder. Er verspricht seiner Frau hoch und heilig nie wieder auf Hühnerjagd zu gehen, falls sie aus dieser misslichen Lage gerettet werden. 12 Fuchs-Jahre später (das sind 2 Menschenjahre)...inzwischen schreibt Fox Kolumnen für eine Zeitung und führt ein scheinbar ruhiges Fuchsleben. Sohn Ash wurde geboren und ist inzwischen zu einem etwas sonderbaren Fuchsteenie herangewachsen - ganz anders sein Cousin Kristofferson, dessen Vater derzeit schwer krank ist und bei den Foxens als Gast wohnt. Der ist ein strahlender Athlet und Ash steht seit seiner Ankunft in dessen Schatten. Fast zur Familie gehört auch der Hausmeister Kyle Oppossum. Doch die friedlichen Tage in der Erdhöhle sind gezählt, denn Mr. Fox hat heimlich Ambitionen noch einmal den ganz großen Coup zu landen. Auf seinen Wunsch und nicht ohne Grund ziehen sie in einen zum Fuchsbau umgebauten Baum. Die Gegend gilt als gefährlich, denn nicht weit vom neuen Domizil entfernt liegen nämlich die großen Fabriken der bösen Bauern Walter Boggis, Nathan Bunce und Franklin Bean.
Doch die Nähe zu den Bauern gehört auch zum Plan des schlauen Fuchses. Er hat vor alle drei Bauern im großen Stil zu bestehen. Sein Masterplan sieht vor, sich in jeder Nacht ein Fabrik vorzunhemne. Zuerst scheint das Vorhaben wie gechmiert zu laufen. Doch die Bauern beschließen Rache zu nehmen und vor dessen Baum wartet bald ein Killerkommando, dass Fox ins Jenseits befördern soll. Als erstes schießen die Menschen den Schwanz von Fox ab, doch dies ist nur der Anfang..
Bei diesem grandiosen Animationsfilm stimmt einfach alles - der Humor ist großartig und die Figurenzeichnung passt perfekt in den wohlbekannten Wes Anderson Kosmos der sympathischen und etwas unangepassten Protagonisten. Optisch perfekt präsentiert der uns der Filmemacher eine farbenprächtige Fabelwelt. Dabei gelingt eine perfekte Balnance zur liebevoll gestalteten Ausstattung und der Emotionaliät durch die Figuren, die man schnell liebgewinnt. Während Roald Dahls Kinderbuch das klassenkämpferische Element stark in den Vordergrund stellt, legt Wes Anderson sein Augenmerk vor allem auf die neurotische Struktur seiner Figuren, dies gint seinem Film auch einen schönen anarchistischen Charme. Es gibt viele gute Szenen zu bewundern, nicht zuletzt begeistert auch das ausdruckslose Gesicht des Oppossums Kylie, aber auch das komplizierte Regelwerk des, dem American Football ähnliche, Ballspiel der Füchse lädt zum genüssvollen Lachen ein. Ein toller Film.


Die Karte meiner Träume
Die Karte meiner Träume
DVD ~ Kyle Catlett
Preis: EUR 12,99

4.0 von 5 Sternen Der junge und erstaunliche T.S. Spivet...., 20. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Karte meiner Träume (DVD)
Seine Filme sind stark geprägt von der Liebe zum Detail und Details und werden geschätzt und teilweise geliebt wegen ihrer originellen Gestaltung. Bereits sein Erstling "Delicatessen", den er gemeinsam mit Marc Caro realisierte wurde sowohl ein Kritiker- als auch ein großer Publikumserfolg. Er folgte "Die Stadt der verlorenen Kinder" - kurz danach wurde er für den vierten Teil der Alien Saga verpflichtet. Sein "Alien - Die Wiedergeburt" gefiel zwar nicht allen Fans, aber es ist ihm dennoch eine Variante mit sehr persönlicher Handschrift gelungen. Sein bislang erfolgreichstes Werk ist der 2001 entstandene Welterfolg "Die fabelhafte Welt der Amelie" - mit der gleichen Hauptdarstellerin Audrey Tatoo drehte er 3 Jahre später den hervorragenden Bilderfilm "Mathilde", ein Film- und Liebesdrama, das in der Zeit des 1. Weltkriegs spielt. Sein neuer Film "Die karte meiner Träume" setzt sein Faible für starke Bilderfilme natürlich eindrücklich fort, die französisch-kanadische Coproduktion basiert auf dem gleichnamigen Roman von Reif Larsen aus dem Jahr 2009 - im Original heißt das Buch "The Selected Works of T.S. Spivet" und dieser T.S.( Kyle Catlett) lebt mt seiner Familie auf einer Ranch im Bundesstaat Montana. Er ist erst 12 Jahre alt, seine Mutter Dr. Clair (Helena Bonham Carter) ist passionierte Insektenforscherin, den Vater (Callum Keith Rennie) kann man vielleicht als einen aus der Zeit gefallenen Cowboy beschreiben. Seine 2 Jahre ältere Schwester Gracie (Niamh Wilson) hegt den großen Traum irgendwann Miss America zu sein. Vor etwa einem Jahr ist sein ungleicher Zwillingsbruder Layton (Jakob Davies), Liebling des Vaters, bei einem gemeinsamen Experiment mit einem Gewehr in der Scheune ums Leben gekommen. Dieser Tod hat in der Familie traumatische Spuren hinterlassen.
T.S ist ein sehr begabter Junge und mit einer Leidenschaft für Kartografie und wissenschaftlichen Erfindungen ausgestattet. Heimlich hat er beim Smithsonian Institute die Erfindung eines Perpetuum mobile eingereicht. Die Juroren verliehen ihm nun - ohne zu wissen, dass es sich um einen Zwölfjährigen handelt - den renommierten Baird Preis. Die Preisverleihung findet im entfernten Washington D.C statt. Er soll dort eine Rede halten und den Preis in Empfang nehmen. Natürlich wissen seine Eltern nichts davon. So macht sich der Junge heimlich auf eigene Faust auf den Weg und reist auf einem Güterzug als blinder Passagier. Dabei trickst er das Sicherheitspersonal aus und lernt auf der Reise einen Landstreicher kennen, der im eine Geschichte erzählt warum die Laubbäume im Winter alle Blätter verlieren.
"Die Karte meiner Träume" ist vor allem ein optisch starker Film, daher wurde er auch für die beste Kamera (Thomas Hardmeier) mit einem Cesar ausgezeichnet.
Das moderne Märchen, das den Zuschauer mit seinem speziellen Charme schnell für sich einnimmt, versprüht durchgehend eine warmherzige, positive Atmosphäre. Dem Regisseur gelingt es gut nicht in die Kitschfalle zu tappen. Denn die süße Oberfläche bietet auch sehr viele ironische Feinheiten. Ernste Themen wie Tod und Schuld werden behandelt.
Dabei entsteht oft der Eindruck man würde gerade eines ins räumlich geklappte Bilderbuch schauen. Schöne Farbgestaltungen lassen die Einstellungen von der Ranch und der Landschaft wie archetypische Bilder eines irdischen Paradieses wirken, das keinesfalls verloren ist. Man muss nur wieder auf die Reise gehen, um es zu finden.
Ein Hauch von Mark Twain ist zu spüren.


Das rote Zelt
Das rote Zelt
DVD ~ Sir Sean Connery
Preis: EUR 10,49

4.0 von 5 Sternen Verloren im Ewigen Eis...., 20. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das rote Zelt (DVD)
Der italienische Luftschiffpionier und General Umberto Nobile (Peter Finch) wurde durch seine Polarfahrten mit dem Luftschiff weltberühmt. Die erste Polarfahrt fand am 12. Mai 1926 im Luftschiff Norge gemeinsam mit Roald Amundsen (Sean Connery) statt. Damit waren die beiden die ersten Menschen, die den Nordpol zweifelsfrei erreicht haben. Die italienisch-russische Coproduktion "Das rote Zelt" des Regisseurs Michail Kalatosow (bekannt durch "Die Kraniche ziehen") befasst sich vor allem mit der zweiten Fahrt zum Nordpol, die er ohne Amundsen unternahm. Am 23. Mai 1928 startete er mit dem Luftschiff Italia von Spitzbergen aus, er fuhr am 24. Mai über den Pol. Doch auf dem Rückflug am 25. Mai stürzte die Italia mit 16 Besatzungsmitgliedern vom Nordpol in der Nähe von Spitzbergen ab, wobei die Gondel mit Nobile selbst und neuen seiner Expeditionsmitgliedern sowie einem kleinen Hund auf das Eis krachte. Beim Schleudern aufs Eis verlor einer das Leben, andere wurden zum Teil schwer verletzt. Das Luftschiff selbst - durch den Absturz der Gondel - um ein Vielfaches erleichert stieg mit sechs an Bord verbliebenen Männern rasch wieder auf. Man fand aber nie wieder eine Spur von ihnen. Zum Glück hatte Nobile vor dem Start ein kleines Kurzwellenfunkgerät für den Wellenbereich 30 bis 50 m im Luftschiff deponiert. Dies war Glück im Unglück, denn mit Hilfe dieses Geräts gelnag es dem italienischen Funker Biagi (Mario Adorf) Notrufe abzusetzen. Tagelang hatte dies aber kein Erfolg, erst am 2. Juni 1928 empfing der russische Funkamateur Nikolai Reinhold Schmidt den SOS-Ruf der Nobile-Expedition. Die Rettungskaktionen wurden daraufhin verstärkt.
"Das rote Zelt" ist ein klassischer Abenteuerfilm, der sich die Individualität leistet seine Geschichte als sonderbare Rückblende zu erzählen. Der alte Nobile kann nachts nie richtig schlafen, denn immer noch plagen ihn die Schuldgefühle - obwohl die Katastrophe am Nordpol Jahrzehnte her ist. Er wurde anfangs sehr angefeindet, weil man ihm vorwarf, dass er für den Absturz des Luftschiffs verantworlich war und dass er sich als Expeditionsleiter zuerst von dem schwedischen Piloten Lundborg (Hardy Krüger) retten ließ. Eigentlich war dieser von der Krankenschwester Valeria (Claudia Cardinale) engagiert worden, deren Freund Finn Malmgren (Eduard Marzewitsch), einer der Teilnehmer der Expedition, zu suchen und zu finden. Nobile flog als erster - gemeinsam mit dem Hund - mit dem Flieger in Richtung Zivilisation, da dieser den strikten Befehl hatte zuerst Nobile zu retten. Valeria konnte auch Roald Amundsen für die Rettungsaktion gewinnen, doch dieser kam dabei ums Leben. Und heute - wie in so vielen anderen Nächten - bekommt Nobile imaginären Besuch von den damaligen Wegbegleitern, manche von ihnen überlebten die Katastrophe nicht. So mutet dieser in der Phantasie sich abspielende Schauprozess mitunter sogar wie eine Totenmesse an. Die Action ist nie vordergründig, was der Geschichte sehr große Authentizität verleiht. Der interessanteste Aspekt an dieser Form der Erzählung ist dabei aber, dass der Regisseur sich auch mit individueller Schuld, vor allem aber dem Problem, von ihr aufgefressen zu werden, befasst. Denn die Hauptfigur Nobile kann sich selbst nach vielen, vielen Jahren immer noch nicht vergeben und leidet darum noch Jahrzehnte nach dem Ereignis unter dessen Ausgang. Am Ende könnte sich aber eine Versöhnung mit sich selbst andeuten, eine Art Vergebung. Denn der Film beleuchtet beim Thema Schuld einige Facetten, er stellt auch die Frage welche Qualitäten ein Anführer haben muss und wo er sich von seinen direkten Untergebenen vielleicht unterscheiden muss. Insgesamt gefiel mir "Das rote Zelt" trotz einer gewissen Old School Machart sehr gut - der Film lässt sich Zeit seine Geschichte und deren Auswirkungen zu entfalten. Für die Musik war Ennio Morricone verantwortlich - perfekt passend zu diesem roten Zelt inmitten vom ewigen Eis.


Turn Me On
Turn Me On
DVD ~ Helene Bergsholm
Preis: EUR 12,99

4.0 von 5 Sternen Almas Welt..., 20. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Turn Me On (DVD)
Unsere deutsche Helen aus dem Film "Feuchtgebiete" hat eine seelenverwandte Schwester im entfernten Norwegen. Oder besser gesgt in dem kleinen verschlafenen Dörfchen Skoddeheimen, irgendwo im Hinterland von Westnorwegen. Dort lebt die 16jährige Alma (Helene Bergsholm) und denkt - wie kann es anders in diesem Alter sein - die ganze Zeit nur an Sex. Damit überfordert sie ihre alleinerziehende Mutter (Henriette Stenstrup), die eines Tages beim Öffnen der Telefonrechnung beinahe einen Herzinfarkt bekommt. Ihre Tochter hat mit ausgiebigem Telefonsex bei einer Hotline diese horrenden Kosten verursacht. Almas großer Schwarm ist der etwa gleichaltrige Artur (Matias Myren). Der ist aber recht schüchtern, wie die meisten Jungs in diesem Alter eben sind. Mit ihrer besten Freundin Sara (Malin Bjorhovde) und der Klassenkameradin Ingrid (Beate Stofring) hängt sie in ihrer Freizeit ab. Ingrid hat auch ein Auge auf Artur geworfen. In Almas Träumen läuft es in Sachen Sex aber besser ab, dort in ihrer Phantasie sind sie und Artur ein Liebespaar. Bei einem Dorffest kommt allerdings auch real etwas Dynamik in die Geschichte, denn sie wird dort von Artur sexuell angebaggert. Als sie davon ihren beiden Freundinnen erzählt, glauben die kein Wort. So wird das Mädchen im Nu zur unbeliebtesten Schülerin von Skoddeheimen, niemand will plötzlich was mit ihr zu tun haben. Artur selbst streitet alles ab. Schnell wird Alma immer mehr zum Gespött der Klasse, findet sich als Motiv wenig schmeichelhafter Toilettengraffiti "Schwanz Alma" wieder und ist noch mehr allein gelassen mit ihrer Lust als zuvor.
Was leicht in eine eher schlüpfrige Richtung hätte abgleiten können, wird in "Turn Me On" zu einem pointierten Film über das sexuelle Erwachen eines jungen Mädchens. Er ist sehr sympathisch umgesetzt worden von der Regisseurin Jannikce Systad Jacobsen, heißt im Original "Få meg på, for faen" und erhielt den den deutschen Titel "Mach’ mich an, verdammt nochmal". Es braucht vielleicht ein bisschen Zeit bis man in die Geschichte hineinkommt - vielleicht sind es die ersten eher spröden Bilder, die verursachen, dass das Auftauen beim Zuschauer etwas verzögert stattfindet - aber insgesamt gefällt der Coming of Age Film mit einer guten Portion trockenem Humor und vor allem läuft die Geschichte frisch und unverklemmt ab. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Jugendbuch von Olaug Nilssen und hatte in Deutschland am 8. Mai 2014 Kinopremiere. Realisiert wurde der Film aber bereits im Jahr 2011. Die Handlung thematisiert die erste Liebe, die ersten sexuellen Entdeckungen - aber auch problematischere Bereiche wie den Umgang mit Ablehnung bis hin zum Mobbing. Immerhiin dauert dies bei Alma nicht so lange, dass es ernsthafte Folgen haben könnte. Ihre Freundin besinnt sich darauf, dass es wichtiger ist zu den Freunden zu stehen und eben nicht alles nachzumachen, was die Masse vorgibt. Diese Eigenständigkeit findet dann auch in deren Wahl ihres ersten Freundes eine logisch konsequente Fortsetzung: Auf den Inhalt kommt es an und dann ist plötzlich Kjartan (Lars Nordveit Listau) ein Thema, obwohl der Junge meint, dass man der Köreprhygiene einen viel zu hohen Wert beimisst...und damit schliesst sich der Kreis und wir wären wieder bei dem deutschen Jugendfilm "Feuchtgebiete".


Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Das Schicksal ist ein mieser Verräter
DVD ~ Shailene Woodley
Preis: EUR 12,99

4.0 von 5 Sternen Erste und letzte große Liebe...., 20. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Schicksal ist ein mieser Verräter (DVD)
Mit 13 Jahren erkrankt Hazel (Shailene Woodley) an Schilddrüsenkrebs, die Metastasen breiten sich auch auf die Lungen aus. 3 Jahre später ist es immerhin gelungen die Krankheit einigermaßen in Schach zu halten, sie kann mehr oder weniger am Alltagsleben teilnehmen. Allerdings ist das Sauerstoffgerät ihr ständiger Begleiter geworden, ebenso die Gewissheit, dass sie jung sterben wird. Das junge Mädchen würde gerne ganz normal leben, doch dies ist mit der Krankheit nicht möglich. Die einzige Möglichkeit mit Gleichaltrigen in Verbindungen zu kommen scheint eine Selbsthilfegruppe für Krebserkrankte zu sein. Dort lernt sie den 18jährigen Augustus "Gus" Waters (Ansel Elgort) kennen, den besten Freund des Gruppenmitglieds Issak (Nat Wolf). Gus selbst ist auch an Krebs erkrankt, scheint die Krankheit aber besiegt zu haben. Allerdings hat er durch die Krankheit ein Bein verloren und ist Prothesenträger. Der Junge schafft es mit seiner unbekümmerten und sehr optimistischen Art Hazel auf sich aufmerksam zu machen. Eine Teenager-Romanze könnte sich jetzt anbahnen, aber Hazel ist vorsichtig, denn sie will - angesichts ihres schleichenden Sterbenprozesses - keine tiefere Freundschaft eingehen. So ist am Anfang Distanz geboten, doch der ehemalige Sportler lässt nicht locker und schafft es Hazel wieder Spass am Leben zu entlocken. Er wird ihr auch eine Reise nach Amsterdam schenken mit dem Ziel dort Hazels Lieblingsautor Peter van Houten (Willem Dafoe) zu treffen, der den Krebstod seiner 8jährigen Tochter in einem Buch verarbeitete. Das Treffen mit dem Autor wird zum Reinfall, doch immerhin besuchen die Beiden gemeinsam mit Van Houtens Assistentin Lidewij (Lotte Verbeek) das Anne Frank Haus. Dort verändert sich die Beziehung von Hazel und Gus. Hazel wird klar, dass sie Gus liebt und sie küssen sich. Als sie ins Hotel zurückkehren, schlafen sie auch miteinander. Am Tag des Rückflugs erzählt Gus Hazel, dass sein Krebs schlimmer als vorher zurückgekehrt sei. Nach der Rückkehr in die USA beginnt Gus eine Therapie, deren Erfolgsaussichten allerdings als gering angesehen werden. Das Steben beginnt...
"Das Schicksal ist ein mieser Verräter" von Regisseur Josh Boone ist die Verfilmung des gleichnamigen Buchs von John Greene, eines der meistgelesenen Jugendbücher der vergangenen Jahre. Daher war es nicht verwunderlich, dass weltweit 304 Millionen Dollar mit diesen Sterbefilm eingespielt wurden. Sicherlich diente da der Tränendrüsenklassiker "Love Story" aus dem Jahr 1970 als Inspiration, doch im Gegensatz zu dem Film von Arthur Hiller wird hier um ein Vielfaches schöner gestorben. Selten hat es sich besser angefühlt, an dieser schweren Krankheit zu steben. Dieser Wohlfühlstil ist vielleicht auch die berechtigte Kritik an einen Film, der ansonsten sehr oft gut mit der Balance zwischen Trauer und Humor umgeht. Das ist tragisch, herzergreifend traurig und in seltenen Momenten auch etwas kitschig. Einige Szenen sind etwas zu dick aufgetragen (bsp. die Applaus-Szene im Anne Frank Haus), manche zu künstlich, stereotyp und klischeebeladen - aber das natürliche Spiel der beiden Hauptdarsteller ist gut gelungen. Möglicherweise gelang den Machern hier ein neuer Liebesfilmklassiker, wobei der Originaltitel "The Fault in our stars" etwas schöner ist und vielleicht sogar etwas besser passt. Denn immerhin zeigt der Film doch die Geschichte zweier Menschen, bei ihrer ersten und letzten Liebe.


Get Carter [UK Import]
Get Carter [UK Import]
DVD ~ Michael Caine
Wird angeboten von RevisionNet UK
Preis: EUR 4,66

5.0 von 5 Sternen Tod und beerdigt in Newcastle...., 20. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Get Carter [UK Import] (DVD)
Schade, dass der Film "Jack rechnet ab" (Im Original: Get Carter) aus dem Jahr 1971 bislang noch nicht auf einer deutschsprachigen DVD erschienen ist. Denn der Gangsterstreifen von Mike Hodges ist nicht nur ein Highlight in der Filmographie von Michael Caine sondern sogar einer der besten britischen Filme aller Zeiten. Dabei zeigt die Kamera von Wolfgang Suschitzky extrem stimmungsvolle Bilder von Newcastle, mit dreckigen Hinterhöfen und als Gegensatz schicke Landsitze, wo die Schönen und Reichen und vor allem auch die großen Gangster leben. Jack Carter (Michael Caine) ist ebenfalls durch und durch ein skrupelloser Gangster, aber er arbeitet in London. Dort ist er die rechte Hand vom Boss Gerald Fletcher (Terence Rigby), hat aber ein gefährliches heimliches Verhältnis mit dessen attraktiver Geliebten Anna (Britt Ekland). Als er die Nachricht vom plötzlichen Tod seines Bruders Frank erhält, setzt er sich sofort in den Zug und fährt in seine ehemalige Heimat. Man sagt Frank wäre betrunken gewesen und hätte deshalb diesen fatalen Autounfall verursacht, doch Jack misstraut dieser Version. Er mietet sich ein etwas heruntergekommenes Zimmer in einer Pension bei Edna (Rosemary Dunham) und beginnt mit der Auffrischung früherer Bekanntschaften. Zu diesen gehört auch Franks Lebensgefährtin Margaret (Dorothy White) und deren Tochter Doreen (Petra Markham), die möglicherweise aber auch Jacks Kind sein könnte, da er mit Margaret zu dieser Zeit eine kurze Affäre hatte. Jack beginnt nachzuforschen und erste Spuren führen in zu Eric Paice (Ian Hendry), den er natürlich ebenfalls von früher kennt und der mittlerweile für den zwielichtigen Geschäftsmann Cyril Kinnear (John Osborne) arbeitet. Bei einem Besuch auf dessen Landsitz lernt Jack dessen Geliebte Glenda (Geraldine Moffat) kennen und erfährt, dass Kinnear in einem Gangsterkonkurrenzkampf mit Cliff Brumby (Bryan Mosley) steckt. Dies wirkt sich auf die Nachforschungen aus, der Schnüffler aus London gerät irgendwie zwischen die Fronten. Auch die Nachforschungen werden nicht gerne gesehen. Schläger lauern ihm auf und versuchen ihn zu zwingen den letzten Nachtzug nach London zu nehmen...
Natürlich dreht Michael Caine dann erst richtig auf und er spielt regelrecht enthusiastisch diesen Gangster, der bei seinem Rachefeldzug bald kein Erbarmen mehr kennt und am Ende zahlreiche Leichen hinterlässt. Seine Nachforschungen arten in ein regelrechtes Schlachtfest aus, dazwischen hat er aber immer mal wieder Zeit für eine kleine Affäre oder eine schnelle Nummer. Jack Carter ist eine großartige Gangsterfigur und seine besten Szenen sind unvergessene Kinomomente. Aber auch die Nebenrollen sind sehr gut gewählt. Der Film ist durchgehend grimmig und düster inszeniert und man ahnt sehr bald, dass der Rachefeldzug immer mehr ins Destruktive ausartet, ohne Aussicht auf Gewinner. Nie wieder gelang dem Regisseur Mike Hodges ein Film dieser klassischen Größe, auch wenn er ein Jahr in "Pulp" noch einmal mit Michael Caine zusammenarbeitete.
Bei der zeitgenössischen Kritik kam der dreckige Gangsterstreifen nicht so gut weg, aber "Get Carter" schaffte es in all den Jahren einen guten Kultstatus zu erreichen. Dadurch sieht nun auch die Neubewertung des Films um ein Vielfaches besser aus. Bei der Wahl des BFI der 100 besten britischen Filme gelangte der Film überraschend auf dem 16. Platz. Eine Wertschätzung, die dieses staubtrockene Genre Meisterwerk sich auf alle Fälle verdient hat.


Die schwarze Windmühle
Die schwarze Windmühle
DVD ~ Sir Michael Caine
Wird angeboten von axeldm
Preis: EUR 5,99

4.0 von 5 Sternen Ein Kind wird entführt...., 20. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die schwarze Windmühle (DVD)
Windmühlen sind eher selten Schauplatz für den Höhepunkt von Thrillerfilmen, dennoch kommt sofort Hitchcocks "Foreign Correspondent" in den Sinn und daher erinnert das Szenario am Ende von Don Siegels britischem Spionagefilm "Die schwarze Windmühle" auch an den 30 Jahre früher entstandenen Filmklassiker. Wie Hitchcocks Arbeit ist auch Siegels Ausflug nach England sehr langsam inszeniert, worunter in beiden Fällen die Spannung etwas gelitten hat. Was aber noch lange nicht heißen soll, dass die 1974 inszenierte Literaturverfilmung nach dem Roman "Seven Days to a killing" von Clive Egleton ein schlechter Film geworden ist. Er fängt sogar ziemlich klasse an, das Intro zeigt Kinder, die augelassen auf einer großen Wiese spielen, dazu spielt ein Kinderlied und die "Credits" setzen sich aus bunten Buchstaben-Bauklötzen zusammen. Die Gegend wirkt trist und verlassen, irgendein verlassenes Militärgelände mit Zaun abgeriegelt - irgendwo steht das Hinweisschild "Betreten verboten". Aber das hält die beiden Jungs nicht davon ab mit einem Modellflugzeug dort einzudringen. Sie werden schnell entdeckt und fallen in die Hände von Entführern. Zur selben Zeit bekommt in London der britische Geheimdienstoffizier Major Tarrant (Michael Caine) den Auftrag eine Bande von Waffenschmugglern zu infiltrieren, die nordirische Terroristen beliefern. Zu den Köpfen der Bande gehören Ceil Burrows (Delphine Seyring) und McKee (John Vernon) gehören. Auf ihr Konto geht auch die Entführung des Jungen, aber noch ahnt keiner den Zusammenhang. Die Kidnapper melden sich bei Mrs. Tarrant (Janet Suzman) und verlangen als Lösegeld ungeschliffene Diamanten im Wert von £ 517057. Dieser Betrag stimmt genau mit der Summe überein, die Tarrants Vorgesetzter Cedric Harper (Donald Pleasance) zuvor für deren Erwerb ausgegeben hat. Die einzigen Personen, die über diesen Kauf der Diamanten informiert waren, sind neben Tarrant und Harper ein Komitee des Geheimdienstes und dessen Vorsitzender Sir Edwad Julyan (Joseph O'Connor). Ab diesem Zeitpunkt legen die Kidnapper auch geschickt Fährten aus, die Tarrant selbst als Hauptverdächtigen aussehen lassen. Dieser ist sich bald sicher, dass die Regierung sich weigern wird das Lösegeld für seinen verschwundenen Sohn zu bezahlen. Er beschliesst im Alleingang zu kämpfen..
"Die schwarze Windmühle" wird eher als einer der schwächeren Arbeiten von Don Siegel angesehen, der in den 50er Jahren mit "Terror in Block 11" und vor allem mit "Die Dämonischen" Erfolge feiern konnte. Später gelangen ihm vor allem in der Zusammenarbeit mit Clint Eastwood weitere Klassiker: Allen voran "Dirty Harry", aber auch "Coogans großer Bluff", "Ein Fressen für die Geier", "Betrogen" oder "Flucht von Alcatraz" fanden viele Fans. Seine Spätwerke wie "The Shootist" oder "Telefon" mit Charles Bronson sind ebenfalls in bester Erinnerung.
Bei "Die schwarze Windmühle" kann man vielleicht bemängeln, dass die Action viel zu kurz kommt und das sich die beiden Hauptthemen des Films - einerseits "Agententhriller mit den typischen Plotelementen wie Hochverrat oder Doppelspiel" und andererseits "Vater sucht verzweifelt den Sohn zu retten" irgendwie schwankend gegenüberstehen und nicht so recht als Einheit funktionieren. Trotzdem bleibt gesamthaft ein interessanter Film, der schon sehr gut in Szene gesetzt wurde und auch in seinen besten Momenten eine gute atmoshärische Dichte, ausserdem eine knochentrockene Machart und viel Tristesse aufweist. Michael Caine wirkt etwas distanziert, was aber durchaus nicht unpassend zu seiner spielenden Rolle ist. Sein Major John Tarrant hat einige Anlaufschwierigkeiten, bis er begreift, dass nur er es ist, der seinen Sohn retten kann. Das Szenario ist für einen Agententhriller realistisch, allerdings sind manche Ideen der Kidnapper nicht so ganz nachzuvollziehen. Aber immerhin lassen sie so dem Helden seine hintergründige Seite, denn es ist offen, ob Tarrant selbst mehr in die Geschichte verstrickt ist, als er vorgibt. Gut gelungen dazu die angespannte Beziehung zu seiner Frau.


The Purge: Anarchy
The Purge: Anarchy
DVD ~ Frank Grillo
Preis: EUR 12,99

4.0 von 5 Sternen Jagdnacht in Downtown...., 20. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Purge: Anarchy (DVD)
Im letzten Jahr lief der dystopische Thriller "The Purge" im Kino und ich fand den Film von James DeMonaco spannend, unterhaltsam und auch interessant. Ein Jahr später gibts nun schon die Forsetzung dazu. Wieder schrieb der Regisseur - genauso wie beim ersten Teil - auch das Drehbuch. Im Grunde muss man "The Purge" in einer retrospektiven Sicht sogar etwas aufwerten, denn der Filmemacher hat doch ein recht kompromissloses Szenario erfunden, eines das grimmiger und zynischer nicht sein könnte. DeMonacos Zukunftsvision ist zutiefst verstörend und abgründig, spiegelt aber auch negative Tendenzen unserer Gesellschaft, die immer mehr auf ihren eigenen Vorteil bedacht ist. Eine Welt, in der sich jeder selbst der nächste ist und eine Welt, in der ein Menschenleben ständig an Wert verliert. War es 2013 noch eine Home Invasion Story, so setzt der Filmemacher nun voll auf die totale Anarchie in den Straßen und lässt damit noch mehr seine Wertschätzung für Vorbilder wie John Carpenter und Walter Hill erkennen. Deren Meisterwerke wie "Assault - Anschlag bei Nacht", "Die Klapperschlange" oder "The Warriors" entdeckt man in "The Purge - Anarchy", was den Zukunftshorror mit seinen gesellschaftskritischen Subtexten zu einem neuen Klassiker machen könnte. Ich bin mir da noch nicht 100 %ig sicher, da es ja alles etwas kopiert wirkt...aber ich erkenne auch genügend eigene Ideen, so dass "The Purge - Anarchy" nicht bloß ein Abziehbild seiner Vorbilder bleibt. Teil 2 spielt zeitlich genau ein Jahr nach dem ersten Säubern...es ist der 21. März 2023. Einige Stunden bleiben noch, um sich vor dem jährlichen "Purgen" in Sicherheit zu bringen. Die Regierung der USA führt - um Kriminalitätsraten und Arbeitslosenzahlen extrem niedrig zu halten - eine Nacht der Säuberung durch. Alle Verbrechen - auch Mord sind legal. Von 19 Uhr Abends bis zum frühen Morgen 7 Uhr des Folgetages sind die Notrufsysteme von Polizei, Feuerwehr und Krankenhäusern nichte erreichbar. Natürlich gibt es keine Regeln ohne Ausnahmen: Hohe Regierungsbeamte sind geschützt. Das große Verbarrikadieren in den Wohnungen hat bereits begonnen, doch im zweiten Jahr soll alles noch härter werden. Die sozial Schwachen wollen sich zusammengetan haben und wollen Reiche jagen. Die Reichen haben Spass am Morden gefunden. Es gibt eine Vielzahl von gut bürgerlichen Familien, die gerne heute Nacht "wertlose" Menschen killen wollen. Superreiche der Oberklasse veranstalten "Purge" Partys und lassen sich potentielle Opfer bringen, die gejagt werden. Selbst die Regierung ist nicht untätig, zumal im letzten Jahr die Erwartungen deutlich höher waren als die Zahl der tatsächlichen Opfer. In dieser zweiten Nacht cruist Sergeant Leo (Frank Grillo) mit seinem Wagen durch die Highways, er hat vor jemanden zu töten. Bevor er sich dem Purgen hergibt, wird er aber vier Menschen vor dem sicheren Tod retten. Die Kellnerin Eva Sanchez (Carmen Ejogo) und ihre Tochter Cali (Zoe Soul), die sich auf der Flucht vor einer mordenden Horde befinden. Ebenso gejagt wird auch das junge Ehepaar Shane (Zach Gilford) und Liz (Kiele Sanchez), die von einer Bande Maskierter verfolgt wird. Die hatten auf der Heimfahrt eine Autopanne und mussten feststellen, dass ihre Benzinleitung durchgeschnitten worden ist. Sie flüchten zu Fuß in Richtung Downtown, dort hilft ihnen Sergeant Leo aus der Patsche, doch viel Zeit zum Verschnaufen ist nicht: Sie sind mittendrin im Jagdrevier und der Feind (wer auch immer es sein wird) lauert überall...
das geht natürlich nicht ohne gewisse Logiklöcher, denn wer hält sich beispielsweise an diesem gefährlichen Tag noch 45 Minuten vorher im Shopcenter auf, aber trotz einiger Schwächen präsentiert sich "The Purge - Anarchy" als famoses Genrekino mit vielen guten Einfällen, die haften bleiben. So beispielsweise ist die maskierte Truppe besonders gefährlich anzusehen und sorgen für Nervenkitzel. Ebenso gut gelungen die Purge Party der oberen 10.000 inkllusive deren Gastgeberin, die die kommende Jagd in den Dunkelräumen ankündigt. Hier in diesem Momenten wirkt die Geschichte besonders zynisch.


Oculus
Oculus
DVD ~ Karen Gillan
Preis: EUR 14,99

4.0 von 5 Sternen Böser Lasser-Spiegel...., 20. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Oculus (DVD)
"Oculus" stellt die Frage, ob man seinem eigenen Erleben oder seinen eigenen Augen trauen kann. Der Horrorfilm von Mike Flanagan lässt seine Geschichte auf zwei Zeitebenen ablaufen, was einen zusätzlichen Reiz ausübt. Die Story erzählt vom Schicksal der beiden Geschwister Tim (Brenton Thwaites) und Kaylie Russell (Karen Gillan), die als Kinder im Alter von 10 und 12 Jahren den furchtbaren Mord des Vaters Alan Russell (Rory Cochrane) an der eigenen Mutter (Katee Sackhoff) erleben mussten. Während die starke Kaylie scheinbar die Ereignisse, die nun 11 Jahre zurückliegen, recht gut verarbeitet hat, musste ihr jüngerer Bruder, der den Vater in Notwehr erschießen musste, seine daraus resultierende Psychose jahrelang in einer Psychiatrie behandeln lassen. Nun ist es soweit: Laut ärztlicher Einschätzung ist der inzwischen 21jährige junge Mann so gesund, dass er die schützende Einrichtung verlassen kann. Es wird aber sehr schnell klar, dass seine Schwester nun endlich das Kapitel auf ihre Weise beenden möchte - sie wirkt zwar stark, aber sie hat die Ereignisse von damals nie wirklich verarbeiten können. Denn sie ist immer noch felsenfest davon überzeugt, dass damals eine übernatürliche Macht die Ereignisse im Haus auslöste. Somit glaubt sie, dass auch der eigentlich einfühlsamen Vater so manipuliert worden ist, dass er immer aggressiver wurde, schliesslich auf Befehl seine eigene Frau zuerst im Schlafzimmer ankettete und bald darauf tötete. Die Kinder wären die nächsten gewesen, die der Vater meucheln wollte. Die junge ist davon überzeugt, dass der prunkvolle, schwarze antike Lasser Spiegel, den die Eltern kurz vor der Katastrophe kauften, ein Tor zu einer dämonischen Welt sein muss. Diese gewagte Theorie untermauert die junge Frau mit der recherchierten Geschichte dieses Spiegels, denn keiner seiner Besitzer wurde in der Vergangenheit vom Schicksal verschont. Es gab häufig viele Todesfälle und die Geschichten dazu haben erstaunliche Parallelen. Zum Beispiel war das erste Opfer des Dämons immer der Hund der Familie. Durch seine Schwester kommt auch in Tim wieder die Erinnerung an früher hoch und zunächst vermutet er, dass seine Schwester mgöicherweise auch psychiatrisch behandelt werden müsste. Hat doch sein Therapeut davor gewarnt, dass gerade die Schwester den Heilungserfolg wieder ins Wanken bringen könnte. Sie kann Tim aber dennoch überreden ins alte Haus zurückzukehren, dort hat sie auch den Spiegel bringen lassen, der inzwischen wieder die Besitzer wechselte. Nun heißt es auf die Dämonen von einst zu warten und die geisterhafte Gestalt, eine Frau (Marisol Siegel), die die Kinder damals im Büro ihres Vaters sahen, lässt auch nicht lange auf sich warten...
Seinem preisgekrönten Kurzfilm ließ Mike Flanagan sieben Jahre später einen Langfilm folgen. Sein Genrebeitrag ist zwar ein bisschen B-Picture, aber dennoch mehr als nur ein Horrorfilm, in vielerlei Hinsicht ist ihm ganz nebenbei auch noch ein Drama geglückt. Dabei hat der Film auch raffinierte Feinheiten zu bieten, etwa dann, wenn die neuen Ereignisse im Haus sich mit den Erinnerungen der Kinder szenisch abwechseln und stellenweise sogar überlappen. HIer entfaltet der Film eine gruselige und atmosphärisch dichte Stimmung, ohne offensichtlich zu sein. Der Regisseur hat die Gabe mit den Erwartungen des Zuschauers zu spielen, auch und gerade, weil er sich nicht festlegt, was er diesen nun wirklich vorsetzt. Ist es nun diese übernatürliche Präsenz - im Film tauchen immer wieder Gestalten mit geisterhaften Augen auf - oder ist es die eigene Besessenheit, die den Protagonisten einen derart tödlichen Streich spielen ? Jedenfalls kann Kaylie ihren Bruder irgendwann überzeugen, dass nicht er wahnsinnig war, sondern dass der Spiegel im Haus das Böse verbirgt. Im Zweifelsfalle leiden aber beide an einer gemeinsamen Psychose und dies ist der faszinierende Aspekt des Films "Oculus". Die Frage ist gestellt, ob Erinnerungen aus der Kindheit durch das Bewusstsein eines Erwachsenen so sehr gefiltert werden, dass sie nicht mehr mit der Realität konform gehen. Fest steht nur, egal welcher Auslöser, die beiden Geschwister sind traumatisch völlig aus der Bahn geworfen. Die Rückkehr ins Haus verdreht die Sinne und der Zuschauer ist gebannt von dem dämonischen Treiben, aber was wäre wenn dies nur alles Einbildung wäre. Zuerst war der Film als Found Footage Beitrag geplant, aber man kann die Macher nur beglückwünschen es nicht getan zu haben. Sonst hätte man auf die große Stärke des Films (die Zusammenführung beider Zeitpunkte und Handlungsstränge) womöglich untergraben. Für mich ein sehr geglückter Geisterfilm, der durch seine hintergründige Art gefällt.
Film spielt in zwei verschiedenen Zeitpunkten: die Gegenwart und 11 Jahre zuvor. Die beiden Handlungsstränge parallel durch Rückblenden erzählt.


The Collection - The Collector 2
The Collection - The Collector 2
DVD ~ Josh Stewart
Wird angeboten von world-of-video
Preis: EUR 12,29

2.0 von 5 Sternen Dort, wo der Collector wohnt...., 20. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: The Collection - The Collector 2 (DVD)
Bei "The Collector" von Marcus Dunston bot sich nicht nur durch den raffiniert konstruierten Schluß eine Fortsetzung an. Der Film wurde sehr schnell und spontan bei den Fans hoch gehandelt und dieser geheimnisvolle Fänger, der jedesmal sein fieses rotes Köfferchen dabei hat, eignet sich sicherlich wie bereits vor ihm Freddy Krueger, Jason Vorhees, Michael Myers, Ghostface oder Jigsaw auch bestens für eine länger anhaltende Serie.
Dabei lässt sich sehr schnell die "Saw" Filmreihe als erste Inspiration für "The Collector" ausnachen. Der Stil weißt verblüffende Ähnlichkeiten aus - kein Wunder, denn die Macher von "Collector" haben auch die Teile 4 bis 6 des Vorbilds realisiert.
Die Story war zwar nicht sonderlich originell, aber die Umsetzung doch recht spannend gelungen, denn nur durch eine straffe und technisch makellose Inszenierung, kann so ein gut einstündiges Katz und Maus Spiel zwischen Einbrecher und Psychopathen mit Ledermaske gelingen. Leider ist die Fortsetzung mit dem Namen "The Collection" nur halb so gut gelungen und dies liegt eindeutig an dem lahmen Mittelteil. Wie im Erstling fühte auch Marcus Dunston Regie und tatsächlich gelingt ihm ein furioser Start mit dem Auftauchen des Collectors in einem Disco-Nachtclub. Dorthin hat es die junge Elle (Emma Fitzpatrick) mit ihren Feunden Missy (Johanna Braddy) und Josh (Michael Jardelli) verschlagen, nachdem ihr Boyfriend (Daniel Sharman) ihr mitteilte, dass er heute länger arbeiten muss. Doch auf der Tanzfläche des Underground Nightclubs sieht sie ihn knutschend mit einer Anderen. Leider ist für den eifersüchtigen Ausbruch keine Zeit mehr, denn der Collector (Randall Archer), inzwischen in der ganzen Stadt als schrecklichster Serienkiller aller Zeiten bekannt, hat hier gerade die letzten Vorkehrungen getroffen die meisten Discogäste mit seinen Folterinstrumenten und anderem tödlichem Schnickschnack ins Jenseits zu befördern. Die Disco versinkt im Blut der Leichen und Ella gelangt natürlich in den roten Koffer, aus dem ein paar Minuten vorher der darin gefangene Arkin O'Brian (Josh Stewart) entkommen konnte. Ellas Vater engagiert eine Elitegruppe, um seine Tochter aus den Händen des Folterers zu befreien, doch es fehlt natürlcih jede Spur. Wäre da nicht der entkommene Arkin, der die Truppe zum Dominzil des Killlers führen kann. Doch dieses alte Hotel, wo er sein Unwesen treibt, ist sehr verschachtelt und verwinkelt. Es gibt Räume, die in andere Räume führen, überall sind Fallen aufgestellt und ganz nebenbei gibt es sonderbare Körperwelten in den großen Glasbehältern zu bewundern. Den Zuschauer erwartet eine Location wie ein Mischung aus "Saw" Lagerhalle und "Cube" - nur ist das Vortasten von Raum zu Raum leider dramaturgisch überhaupt nicht spannend und so erweist sich der Nachfolger - trotz knackig kurzer 80 Minuten - als herbe Enttäuschung. Grund dafür ist dieser ausufernde und wenig interessante Mittelteil. Dabei fing alles ziemlich gut an und es endet auch wieder interessant. Soviel kann man schon sagen. Sollten die Finanzen stimmen, so erwartet uns vielleicht der dritte und vielleicht alles aufklärende Abschluß. So bleibt der Zuschauer weiterhin im Unklaren über den Collector und über seine Motive. Aber es gibt wie in "Saw" vielleicht auch hier einer, der die Amanda macht...


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