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Beiträge von Ray
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Rezensionen verfasst von Ray "rayw260" (Rheinfelden)
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Der Gute, der Böse und der Hässliche...., 4. April 2013
Dem übergroßen Westernepos kam er immer näher. Von der actionhaltigen Ballade über den Einzelgänger, der eine Stadt von den Gangsterbanden befreit "Für eine Handvoll Dollar" bis hin zu einer melancholischen Meditation eines Europäers, wie er den Traum von Amerika sieht und an die Betrachter weitergibt..."Spiel mir das Lied vom Tod", die perfekte Kinomagie. Dazwischen zwei Bindeglieder, die zu den besten Filmen des Genres gehören und wie geschaffen sind für die große Kinoleinwand, vor allem auch weil die Filme so groß sind. Der erdige, antiepische Kopfgeldjägerstrefien "Für ein paar Dollar mehr" und der ähnliche, aber im Gegensatz dazu extrem epische Verwandte "Zwei glorreiche Halunken" (im Original: The Good, The Bad and the Ugly), für viele Genrefans der beste Western überhaupt. Episch vielleicht auch durch seine geschichtliche Zuordnung, denn "Zwei glorreiche Halunken" spielt während des New Mexico Feldzugs, einer militärische Operation während des Sezessionskrieges, die vom Februar bis April 1962 dauerte. Sibley, ein General der Konföderierten marschierte mit seinen Truppen in das New Mexico Territorium ein, das zu dieser Zeit die Gebiete zwischen Kalifornien im Westen, Texas im Osten, Nevada, Utah und Colorado im Norden sowie der jungen Republik Mexiko im Süden umfasste. Das Ziel der Nordstaaten wr die Kontrolle des Territoriums. Für die drei Antihelden des Films, der Gute, von allen der Blonde genannt (Clint Eastwood), der Böse Sentenza (Lee van Cleef) und der Hässliche Tuco (Eli Wallach) sind die Kriegshandlungen zunächst mal eher nur zweitrangig. Denn sie verdienen ihr Geld mit Banditentum, Gaunereien und Kopfgeldjägerprämien. Der Blonde, ein zigarrenrauchender Gringo, der nicht viel Worte macht ist Komplize von Tuco, für dessen Kopf eine Prämie von 2.000 Dollar zu holen sind. Der Blonde liefert so Tuco an die Gesetzeshüter aus, kassiert die Prämie - doch kurz bevor der Mann am Strick baumelt, hat ihn der Partner mit seinen guten Schießkünsten vom Galgen befreit - immer in letzter Sekude versteht sich. Irgendwann gehen sich die beiden auf den Sack und ihre Wege trennen sich. Währenddessen jagt Sentenza, der Kopfgeldjäger und spätere Major der Konföderierten einen Goldschatz, der auf einem riesigen Friedhof begraben sein muss. Durch Zufall weiß Tuco auf welchem Friedhof sie suchen müssen, der Blonde aber hat die noch viel bessere Information auf welchem der hunderten Gräber man graben muss. So kreuzen sich die Wege der drei Männer und da Krieg herrscht, werden sie auch ein Teil dieser Auseinandersetzung. Der Showdown findet auf diesem Massenfriedhof statt, es kommt zum weltberühmten Duell zu Dritt... "Zwei glorreiche Halunken" hat eine Laufzeit von 171 Minuten, der Score von Ennio Morricone gehört sicherlich in die Top Ten der besten Filmmusiken. Für die Kamera war Tonino Delli Colli (Spiel mir das Lied vom Tod, Es war einmal in Amerika, 120 Tage von Sodom, Pasolins tolldreiste Geschichten, Ginger und Fred, Bitter Moon) verantwortlich. Einmal mehr drehte Leone einen perfekten Kinotraum. Die meisten seiner Filme sind Meisterwerke der Filmgeschichte. Im Laufe der Zeit fand er immer mehr die perfekte Dosierung einer faszinierenden Melancholie in seinen Werken.
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1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Kopfgeldjäger...., 3. April 2013
"Für ein paar Dollar mehr" ist der zweite Part von Leones berühmter Dollartrilogie und einer meiner erklärten Lieblingswestern. Er entstand 1965, legendär nicht nur der geniale Soundtrack von Ennio Morricone - es treffen auch einige der großen Italo Western Helden aufeinander: Neben dem stoischen Clint Eastwood, der mit wenig Worten auskommt, gibts ein Wiedersehen mit Lee van Cleef, der hier als Rächer eine seiner besten Rollen abliefert. Dazu gesellt sich Gian Maria Volonte als geistig instabiler Gangsterboss und als Schmankerl gibts einen Klaus Kinski, der mit dem üblichen Wahnsinn agiert. El Indio (Gian Maria Volonte), der meistgesuchte Verbrecher im westlichen Territorium wird von seiner Bande aus dem Gefängnis befeit. Die Regierung setzt und ein Kopfgeld von satten 10.000 Dollar aus, egal ob tot oder lebendig. Das lockt natürlich die besten Kopfgeldjäger an. Und zwei der gefährlichsten haben sich bereits kennengelernt. Der schweigsame, dubiose Monko (Clint Eastwood) und der ehemalige Elitesoldat Colonel Douglas Mortimer (Lee van Cleef) kommen sich bei der Jagd auf den Gangster Cavanagh in die Quere. Nun gilt es aber bei der Ergreifung von El Indio gemeinsame Sache zu machen. Der Plan sieht vor, dass Monko sich bei der Bande einschmüggeln soll. Obwohl der coole Monco auch den Banditen als dubios erscheint, wird er durch das Wohlwollen von Indio aufgenommen und soll beim nächsten großen Coup bereits mitmachen. Die Bande hat den Plan die einbruchsichere Bank von El Paso auszurauben, Indio inszeniert zur gleichen Zeit einen fingierten Überfall in Santa Cruz, den Monco und drei weitere Bandenmitglieder ausführen müssen. So entkommt Indio mit dem Banktresor, aber der gemeinsame Plan der beiden Kopfgeldjäger geht in die nächste Runde. Es kommt zum großen Showdown in Mexico... Dabei stellt sich der kalte und berechnende Partner am Ende als Rächer für eine familiäre Katastrophe heraus, er ist diesmal nicht auf das Kopfgeld aus. "Für eine paar Dollar mehr" ist ein Westernepos mit einer perfekten Atmosphäre. Alles stimmt bei diesem Film, die Charaktere sind großartig gewählt, jede Einstellung vermittelt die ultimative Westernatmosphäre und die ganzen 127 Minuten ist man mittendrin im Geschehen. Großartig die famose Kameraarbeit von Massimo Dallamano, der auf die berühmten Close up Aufnahmen der Figuren setzt, die zum Markenzeichen des Italo Westerns wurden. Der Mann hat einige Jahre später auch selbst Regie geführt, bspw. in "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" - ein Edgar Wallace Film sowie in dem Giallo "Der Tod trägt schwarzes Leder". Ein perfekter Film.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Der Revolverheld und sein Lehrling...., 3. April 2013
Tonino Valeri hat sein Handwerk beim großen Sergio Leone gelernt. Er war assistierender Regisseur bei den Klassikern "Für eine Handvoll Dollar" und "Für ein paar Dollar mehr". Von seinen eigenen Filmen ist "Man nannte ihn Nobody" sicherlich der erfolgreichste und populärste, seine beste Arbeit ist aber m.E. der einzige Italo Western, bei dem mit Giuliano Gemma und Lee van Cleef zwei Ikonen des Genres gemeinsam vor der Kamera stehen. "Der Tod ritt dienstags" heisst die italienisch-deutsche Coproduktion aus dem Jahr 1967. Das Thema des Films ist recht einfach gehalten, es geht um ein äusserst umstrittenes Idol und um seinen gelehrigen, aber im Laufe des Films auch lern- und kritikfähigen Schüler. Dieser junge Mann heisst Scott (Giuliano Gemma) und ist der Aussenseiter in seiner Stadt. Die Bürger von Cliton verhöhnen und erniedrigen den jungen Mann, denn seine verstorbene Mutter war eine Prostituierte, den Vater hat er nie gekannt. So tristet er ein Leben in Armut und macht mit einer Kehrmaschine die Stadt sauber, denn er beseitigt den Müll seiner Mitbürger, die ihn - auch als menschichen Müll und Bastard- verachten. Was die Leute aber nicht wissen: Der junge Mann hat ganz gut schießen gelernt. Gelernt hat er diese Schießkünste vom alten Murph Allen (Wof Rilla), der mal ein ausgezeichneter Schütze und sogar Sheriff war. Eines Tages verändert sich die Welt des jungen Scott, denn ein Gunman kommt in die Stadt. Sehr schnell bewundert Scott diesen gerissenen Revolverhelden Frank Talby (Lee van Cleef), der im Saloon von einem Bürger herausgefordert wird. Das Resultat ist ein Bürger weniger in Clifford und ein Talby, der laut Richter Cutcher (Lukas Ammann) in Notwehr gehandelt hat. Er wird freigesprochen und reitet weiter. Doch der involvierte Scott soll nun den Ärger der Bürger zu spüren bekommen. Er verlässt die Stadt und reitet seinem Idol hinterher. Dieser entschliesst sich nach eigenen unfairen Lektionen den jungen Mann als Weggefährten und Schüler mitzunehmen. Durch Talbys Pläne führt der Weg aber wieder zurück nach Clifford, dort tritt der Revolverheld zu einem blutigen Rachefeldzug an. Mit von der Partie sein gelehriger Schüler, der auch gewillt ist seine Kränkungen heimzuzahlen... Erst sehr spät bemerkt der junge gute Kerl, dass er da einem falschen Vorbild nachgeeifert hat. Die Dramaturgie steuert zielsicher auf das unausweichliche Duell der Revolverhelden zu. "Der Tod ritt dienstags" ist ein äusserst spannender und dicht inszenierter ItaloWestern mit zwei guten Hauptdarstellern, die dem Film den Stempel aufdrücken. Der Nachwuchsheld wird mit einfachen Mitteln psychologisch manipuliert, aber auch eine Läuterung findet statt, die allerdings auch Opfer fordert. Für Westernfans ein Muß. Ein sehr guter Vertreter des Genres.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Der Professor und der Bandit...., 3. April 2013
Es gibt drei ganz große Sergios des Italo Western: Sergio Leone, Sergio Corbucci und Sergio Sollima, der vor allem durch seine Cuchillo Western-Trilogie in die Filmgeschichte einging: 1966 entstand der populärste der drei Filme "Der Gehetzte der Sierra Madre", es folgte ein Jahr später der eher psychologische "Von Angesicht zu Angesicht", beendet wurde die Trilogie 1968 mit "Lauf um dein Leben". Alle drei Filme gehören zu den besten 20 Italo Western aller Zeiten. Brad Fletcher (Gian Maria Volonte", ein Geschichtsprofessor aus Boston verlässt seine Heimat und den Lehrstuhl an der Universität, weil er eine angeschlagene Gesundheit hat. Der Lehrer war beliebt bei seinen Schülern, er gilt als rechtschaffener Mann, besucht den Gottesdienst und hat tadellose Ideale. Sein Chef wünscht ihm alles Gute für seinen Neuanfang in Texas, das Klima soll dort viel günstiger sein. Ausserdem gibt er dem sensiblen Mann mit auf den Weg ein bisschen mehr Biß zu zeigen, denn durch seine eher sanfte Art hat er nicht viel in Sachen Karriere hinbekommen. Der wilde Westen ist aber auch ein viel aggressiveres Pflaster - dies muss der Professor schon bald erkennen. Er betreibt in der neuen Heimat inzwischen eine Station, wo auch die Postkutschen vorbeikommen und halten. Eines Tages taucht dort eine Kutsche auf, bei den Insassen handelt es sich um ein paar Polizeibeamte, die den Outlaw und Bandenführer Solomon Beauregard Bennet (Tomas Milian) als Gefangenen mit sich führen. Die Gesetzeshüter behandeln ihren Gefangenen ziemlich miies, nicht mal Wasser wird ihm gegeben. Dies kann Fletcher mit seinem Gewissen nicht vereinbaren, es reicht dem Bandit einen Becher. In dem Moment wird er auch schon von diesem überwältigt und wird als Geisel mitgenommen. Es entsteht sehr bald ein gegenseitiger Respekt zwischen den beiden ungleichen Männern. Fletcher lernt Beauregards Bande "die Wilde Horde" kennen und ist vom vogelfreien Leben, der dort zelebrierten Gewalt fasziniert und integriert sich schliesslich in deren Siedlung Pietra di Fuoco, wo die Banditen mit Frauen und Kindern leben. Gleichzeitig ist der intelligente Pinkerton Detektiv Siringo (William Berger). Dieser versucht sich bei der Bande als neues Mitglied einzuschleusen... Aus psychologischer Sicht ist vor allem die Verwandlung des Professors interessant, der eine geradezu merkwürdige Verwandlung vom schüchternen ruhigen Bürger in einen kalten und berechnend agierenden Dieb und Möder durchläuft. Er findet zunehmend Geschmack an der Macht - tut das Gleiche wie der bei seinen Männern beliebte und respektierte Bandenboss, doch bei Fletcher wirkt die gleiche Handlung viel gefährlicher und eben anders. Umrahmt wird das ganze mit einem sehr schönen Western Kolorit, untermalt wird von Maestro Morricones genialer Westernmusik. Der showdown des Films ist atemberaubend und beinahe schon von einer hypnotischen Schönheit. Melancholischer wurde das Sterben in der Wüste selten eingefangen.
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2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Joe, der eisame Fremde...., 30. März 2013
Die ersten Filmwerke von Sergio Leone waren in der Antike angesiedelt. Doch den "Koloß von Rhodos" hat er nach eigenen Angaben nur deshalb realsiert, weil er Geld für die Hochzeitsreise brauchte. Da der Sandalenfilm in den frühen 60er Jahren langsam an Publikumszuspruch verlor, wollte Leone ein anderes Genre aufgreifen. Er war - unter anderem auch durch den Riesenerfolg der deutschen Karl May Western wie "Schatz im Silbersee" oder "Winnetou" - davon überzeugt, dass europäische Westernfilme eine erfolgreiche Zukunft haben könnten. Mit dem 1964 entstandenen "Für eine Handvoll Dollar" begründete der Regisseur die lange Zeit erfolgreiche Kinoreihe der Italo- oder Spaghettiwestern. Die Story orientierte sich an den großen Samuraiepos "Yojimbo" von Akira Kurosawa. In diesen 1961 entstandenen Klassiker verschlägt es einen Samurai in eine Stadt, die von zwei rivalisierenden Banden terrorisiert wird. Leone verlegte die Handlung vom historischen Japan in den Wilden Westen oder noch genauer in ein abgelegenes Dorf namens San Miguel in New Mexico. In diesem Kaff werden die Einwohner von zwei rivalisierenden Gangsterfamilien terrorisiert. Auf der einen Seite sind es die amerikanischen Baxters (Wolfgang Luschky, Margarita Lozano) und die mexanischen Rojos Brüder Don Migue Rojo (Antonio Brieto), Ramon (Gian Maria Volonte) und Esteban (Sieghard Rupp). Die Brüder haben darüberhinaus die schöne Marisol (Marianne Koch) in ihrer Gewalt. Eines Tages reitet ein cooler und mysteriöser Fremder (Clint Eastwood), der sich Joe nennt und sich sehr schnell einen Namen durch seine vortrefflichen Fähigkeiten als Revolverheld macht. Ausserdem ist er intelligent und verfolgt den gefährlichen Plan, die beiden verfeindeten Familien gegeneinander auszuspielen. Eine gute Hilfe ist ihm der Kneipenwirt Silvanito (Jose Calvo)... Clint Eastwood, für 15.000 Dollar verpflichtet, begründete mit diesen ersten Teil der Dollar-Trilogie seinen Weltruhm Leones Werk spielt perfekt mit dem Westernmythos und kombiniert die zum Klischee gewordenen Bestandteile des Genres mit einem sehr zynischen Blick auf die Figuren, auf ihre Taten und Motive. Dieser neue Typus von Westernheld ist weder der Moral verpflichtet, er ist nicht der klassische "Gute" und besitzt keine persönliche oder historische Identität mehr. Der Zuschauer nimmt ihn als anonymen einsamen Mann wahr, dessen Vergangenheit und Zukunft ubekannt sind, der sein Profil erst in der Gegenwart gewinnt. Zur damaligen Zeit wurde der Film nicht besonders gut von der Kritik aufgeommen, inzwischen ist er natürlich ein unvergesslicher Klassiker des Italo Western bzw. des Westerngenres überhaupt.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Die Cousins...., 30. März 2013
Claude Chabrol war mit Sicherheit einer der wichtigsten Regisseure der französischen Neuen Welle (Nouvelle Vague), eine Stilrichtung des französischen Kinos, die sich Ende der 50er Jahre langsam als Gegenpol zum kommerziellen Kino entwickelte. Ausserdem ist Chabrol vor allem für seine sozialkritischen Filme über das französische Bürgertum bekannt, diese Themen würzte der von Alfred Hitchcock beeinflusste Filmemacher mit abgründigen und doppelbödigen Thrillermotiven. 1959 stand er aber noch ganz am Anfang seiner langem Karriere und hatte soeben seinen hochgelobten Erstling "Le beau Serge" (Die Enttäuschten) realisiert. Mit den gleichen Hauptdarstellern und ähnlicher Geschichte folgte sehr schnell "Les Cousins" (Schrei wenn du kannst) - ein präzise gestaltetes, sehr kühles Werk über zwei unterschiedliche Cousins. Sehr schüchtern ist der introvertierte junge Charles (Gerard Blain) aus der Provinz, der als Student nach Paris kommt. Er kommt bei seinem Vetter Paul (Jean Claude Brialy) unter, der etwas gleichaltrig ist und ebenfalls Jura studiert. Paul ist selbstbewusst, extrovertiert, ja sogar großspurig - aber er kennt jede Menge lebenslustiger Altersgenossen. Für Charles ist dieses Ausleben vom Dolce Vita und die Dekadenz von Pauls Freunden eher sehr irritierend, aber auch er lässt sich langsam immer mehr vom Vergnügen und Nichtstun treiben. In Pauls Wohnung werden Partys gefeiert, es ist dort immer was los - auch hält sich dort der etwas ältere Schmarotzer Clovis (Claude Cerval) immer mal wieder auf. Charles lernt bei diesem Müßiggang die attraktive Florence (Juliette Mayniel) kennen und verliebt sich in das Mädchen. Die landet aber eines Tages in Pauls Bett und Charles akzeptiert auch, dass sie Pauls Geliebte in der gemeinsamen Wohnung wird. Er stürzt sich voller Eifer und lernt wie ein Besessener. Paul jedoch geht in die Prüfung trotz seiner eklatanten mangelhaften Kenntnisse.... Auch "Schrei wenn du kannst" wurde zu seiner Zeit ein großer Kinoerfolg- der Erfolg dieser ersten Werke der Nouvelle Vague ebnete nicht nur Chabrol, sondern auch anderen Regiedebütanten den Weg. Damals beschrieb der Film sehr realistisch das Leben wohlhabender Studenten in Paris, heute wirkt der Film natürlich auch sehr nostalgisch. Er zeigt aber viel vom Lebensgefühl der damaligen Generation und ist nicht zuletzt ein bitterer Vergleich zwischen einem ruhigen Provinzler mit einem lebensgewandten Blender, der mit seiner zynischen eleganten Art in allen Belangen viel leichter und besser durchs Leben kommt - der Erfolg bei den Mädchen und im beruflichen Werdegang fällt dem leichtsinnigen Typen einfach zu. Sein Vetter müht sich redlich ab, er schuftet für den Erfolg - doch er bleibt ein Verlierer. Der Film lebt auch vom Spiel der beiden Hauptdarstellern Brialy und Blain, die ihre Rollen perfekt auf den Punkt bringen. Ich kannte mich bisher mit dem Frühwerk von Chabrol nicht besonders gut aus, doch es lohnt sich wirklich, die Beschäftigung mit dieser Neuen französischen Welle, die durch ihre Machart merklich auf die Entwicklung des progressiver geprägten 60er Jahre Kinos Einfluss nahm. Ein sehr beeindruckendes Frühwerk.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Bond in gesundheitlicher Krise...., 29. März 2013
Ein Sturz...beinahe vom Himmel: Den erlebt 007 James Bond (Daniel Craig) während einer Mission in der Türkei. Gemeinsam mit seiner Kollegin Eve Moneypenny (Naomie Harris), sonst eher in der Verwaltung und am Schreibtisch tätig, jagt er dort auf Geheiß von M (Judi Dench) den Schurken Patrice (Ola Rapace) in der furiosen 12minütigen Eröffnungssequenz, gleichzeitig auch der beste Teil des Films "Skyfall". Dieses Intro endet damit, dass M der guten Moneypenny den Befehl gibt, auf den Schurken zu schießen, obwohl dieser sich gerade im Nahkampf mit Bond befindet...auf einem fahrenden Zug versteht sich. Dann folgt der Nr. 1 Smash Hit von Adele in gut gemachter Optik, somit beginnt die eigentliche Story erst nach einer guten Viertelstunde Laufzeit und die ist natürlich geprägt von der Spannung zwischen Bond und M, weil die ja Bond für das Vaterland geopfert hätte. Wie schon im neuen Batman ist es inzwischen wohl üblich, dass der Held müde wirken muss, seiner einstmalige Stärke beraubt , Sam Mendes zeigt den Superagenten in gar nicht besonderes guten Verfassung. Er soll einen neuen Auftrag übernehmen, aber da seine gesundheitliche, psychische und mentale Verfassung besorgniserregend aussieht, ist Geheimdienstkoordinator Gareth Mallory (Ralph Finnes) gar nicht erfreut, dass M den neuen Fall Bond überträgt. Muss sie auch, denn schliesslich wird in London ein fieser Anschlag aufs Hautqartiier des MI6 verübt. Wie üblich wird Bond von Q (Ben Whishaw) instruiert, nur hat sich dieser optisch von einem betagten Tüftler zu einem jungen Computer-Nerd entwickelt. Insgesamt aber eine der positiven Aspekte in "Skyfall". Bond muss jedenfalls nach Shanghai und dort trifft er auf Severine (Berenice Marlohe), die zwar geheimnisvoll und zwiespältig wirkt, aber durchaus Bond Girl werden könnte. Aber dieses Ziel unterbindet der durchgeknallte Cyberterrorist Raul Silva (Javier Bardem). Dafür will dieser selbst mal seinem Gefangenen Bond an die Wäsche, aber für mehr ist kaum Zeit, denn der Psychopath will nach England und sich an M rächen... "Skyfall" heisst auch der Landsitz in Schottland, der Bonds Eltern gehörte und wo der spätere Superagent als Kind aufwuchs. Nach deren Tod zog der Wildhüter Kincade (Albert Finney) den Jungen auf. Dort findet auch der Showdown des 23. Films der Bond Reihe statt. "Skyfall" hat eine üppige Laufzeit von 143 Minuten und verzichtet eine weiteres Mal auf Ironie und Überzeichnung und ist im Gegensatz zu vielen Vorgängern knochentrocken und sehr ernst gehalten. Die übertriebene Supermann-Mentalität bleibt da auf der strecke, der Held ist angreifbar und das macht sich auch im erotischen Bereich sichtbar: Bond hat soviel mit dem Feind zu tun, dass gar keine Zeit bleibt für das Girl. dass ihm in den Abenteuer beisteht. Von der Presse wurde der Film als bester Bond aller Zeiten gefeiert, Auch das Milliarden-Einspielergebnis passt da zur allgemeinen Begeisterung - er liegt dort in der liste der erfolgreichsten Filme aller Zeiten auf Platz 7. Ich fand den Film zwar gut, aber er kommt in meiner Gunst nicht an die besten Bond Streifen heran, für mich sind "Im Geheimdienst ihrer Majestät", "Casino Royale", "Liebesgrüße aus Moskau" und "Goldfinger" ganz weit oben in der Best Of Liste. "Skyfall" ist spannend, aber völlig trash- und humorfrei - kein Augenzwinkern für die Aktionen des Superhelden kann aufkommen. Das macht den Film auch etwas schwerer, vielleicht auch etwas schwerfälliger.
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1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
Operation Entebbe..., 29. März 2013
Der 4. Juli 1976 ist ein historisches Datum. Am frühen Morgen dieses Tages gelang es den israelischen Sicherheitskräften die auf dem Flughafen von Entebbe in Uganda gefangen gehaltenen Geiseln zu befreien. Vorausgegangen war die dramatische Entführung einer Air France Maschine am 27. Juni 1976 durch das Kommando "Che Guevera". Diese Entführer kamen aus der Volksfront zur Befreiung Palästinas, aber auch die zwei deutschen Terroristen der revolutionären Zellen, Wilfried Böse (gespielt von Horst Buchholz) und Brigitte Kuhlmann. Der Flug sollte ursprünglich von Tel Aviv über Athen nach Paris führen, wurde aber bereits kurz nach dem Start in die Gewalt der Terroristen gebracht. Diese leiteten den Flug nach Uganda um, dort wurden die Passagiere von Staatschef Idi Amin (Yaphet Kotto) begrüßt, der höchstwahrscheinlich dieses Terrorkommando unterstütze, jedoch sich gleich als Vermittler zur Verfügung stellt, um - wie er sagt - alle Geiseln zu retten. Mit der Flugzeugentführung soll die Freilassung von insgesamt 53 Inhaftierten aus Gefängnissen erpresst werden. Außerdem fordern die Entführer fünf Millionen US-Dollar von der französischen Regierung für die Rückgabe des Flugzeuges. Die Passagiere werden in der Transithalle des Terminals von Entebbe als Geiseln gehalten und getrennt in Juden und Nichtjuden. Die israelischen Staatsbürger bleiben Gefangene, alle anderen Geiseln kommen frei. In Israel selbst ist der Krisenstab mit dieser schwierigen Aufgabe betraut, Nach langem Hin und Her entscheidet sich Yizahr Rabin (Peter Finch) für die Durchführung der Operation Entebbe. Bei der Befreiungsaktion unter der Leitung von Brigadegeneral Dan Shomron (Charles Bronson) und dem jungen Kommander Yonathan Netanyahu (Stephen Macht) werden in einer Blitzaktion alle Geiselnehmer getötet. Drei Geiseln und etwa 25 ugandische Soldaten kamen bei Feuergefechten ums Leben. Eine weitere Geisel wurde später in einem ugandischen Krankenhaus von ugandischen Offiziellen ermordet. Da kenianische Stellen die Israelis unterstützt hatten, wurden in der Folge auf Veranlassung Amins mehrere hundert Kenianer in Uganda ermordet. Irvin Kershners Film "Die keine Gnade kennen" entstand 1976, im Original heißt der Film "Raid on Entebbe" und kommt gar nicht überraschend wie ein TV-Film rüber, denn ursprünglich wurde der Film für das Fernsehen konzipiert. Der Film hält sich weitestgehend an Tatsachen und arbeitet die wahre Begebenheit sehr seriös auf - dabei standen eine Vielzahl von kompetenten Darstellern auch in Nebenrollen zur Verfügung: Robert Loggia, Jack Warden, Martin Balsam, James Woods, John Saxon, Sylvia Sidney oder Eddie Constantine. Leider blieb die Spanung sehr oft auf der Strecke, dramaturgisch hat der Film einige Schwächen und man sollte die Erwartungen nicht allzu hoch ansiedeln. Ich hab den Film vor allem deshalb gekauft, weil ich Charles Bronson sehr mag. Der spielt sich zwar wieder selbst, ist aber lediglich in einer tragenden Nebenrolle zu sehen. Der Film plätschert mit seinen ca. 140 Minuten Laufzeit so dahin und hat kaum fesselnde Akzente. Unterm Strich bleibt eine Mischung aus Politthriller, Doku und Katastrophenfilm, jedoch insgesamt zu keiner Zeit über dem Durchschnitt herausragend.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Das Nazi-Internat...., 29. März 2013
Im dritten Reich wurden die Nationalpolitische Erziehungsanstalten auch "Napola" genannt. Es waren Internatsoberschulen, die vor allem aus Gemeinschaftserziehungsstätten fungierten. Der Besuch der Schule führte zur Hochschulreife. Die Schulen waren Eliteeinrichtungen zur Heranbidlung des nationalsozialistischen Nachwuchses. "Tüchtig an Leib und Seele für den Dienst an Volk und Staat" - so war der Leitgedanke. Die Lehrer hatten die Aufgabe ihre Schüle zur kommenden Führungsschicht Deutschland auszubilden. Es bliebt aufgrund des Krieges nicht aus, dass sich diese Schulen immer mehr zu Nachwuchsschulen für Wehrmacht und SS entwickelten. Dennis Gansels Film "Napola" aus dem Jahr 2004 erzählt seine Geschichte über eine Freundschaft von zwei sehr unterschiedlichen, gleichaltrigen Napola-Schülern. Der 17jährige Friedrich (Max Riemelt) ist ein begeisterter Sportler, vor allem das Boxen hat es ihm angetan. 1942 wird er von einem Sportlehrer der Napola (Devid Striesow) bei einem Boxkampf im Berliner Wedding gesehen und erhält von diesem den Rat sich dringend um einen Platz in die Napola Allenstein (fiktiv) zu bemühen. Tatsächlich schafft Friedrich ohne Wissen seines regimekritischen Vaters die Aufnahmeprüfung an der Eliteschule. Doch der Vater verbietet ihm die Schule zu besuchen. Heimlich fälscht Friedrich die Unterschrift des Erziehungsberechtigten und ist somit neuer Schüler des Nazi-Internats. Dort freundet er sich sehr schnell mit dem sensiblen Schöngeist Albrecht Stein (Tom Schilling), dessen Vater (Justus von Dohnany) ein angsehener Gauleiter ist und sich eher für seinen sanften Sohn zu schämen scheint. Die Methoden in der Schule sind mitunter nicht nur hart, sondern sehr unmenschlich. So muss der Bettnässer Siegfried Gladen (Martin Goeren) drakonische Strafen über sich ergehen lassen. Nur schwer kann Friedrich von der Faszination des Nazi-Menschenbildes abrücken....Dennis Gansels "Napola" ist erst in zweiter Linie Geschichtsaufarbeitung, dominierend funktioniert das Jugenddrama als Genrefilm mit viel Ähnlichkeit zu Filmen wie "Evil" oder "King of Devils Island", also so eine Art "Club der toten Dichter" in historischem Gewand. Dabei kann Gansel auf zwei hervorragende Jungdarsteller zurückgreifen, die den Film mühelos tragen können. "Napola" ist für mich eine viel bessere Arbeit als Gansels "Die Welle", dem populären Jürgen Vogel Film über ein Sozialexperiment und offensichtliche Parabel über das dritte Reich. "Napola" setzt auf eine effektive Kameraarbeit: Thorsten Breuers Bilder zeigt perfekt ausgeleuchtete blonde Jünglinge mit nacktem Oberkörper - die Riefenstahl Optik sorgt bein Zuschauer für das zwiespätige Gefühl, dass der Film lange Zeit vermitteln will. Erst durch die Erschießung der polnischen Jugendlichen wird der Zuschauer wachgerüttelt. Dies hat Gansel dramaturgisch sehr gut gemacht, denn spätestens hier erfolgt dann auch Demaskierung der Ideologie.
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4.0 von 5 Sternen
Widerstand im Jahr 1942..., 29. März 2013
Lange vor Marc Rothemunds 2005 entstandenen Film "Sophie Scholl - die letzten Tage" hat sich auch Michael Verhoeven im Jahr 1982 der Widerstandsgruppe "Die weiße Rose" angenommen. Sein gleichnamiger Film konnte genauso wie Rothemunds Arbeit den deutschen Filmpreis in Silber erringen und ebenso wie Julia Jentsch wurde auch Lena Stolze für ihre Darstellung der Sophie Scholl mit dem Filmpreis in Silber ausgezeichnet. Die Weiße Rose war der Name einer christlich motivierten Widerstandsgruppe in München während der Zeit des Nationalsozialismus. Im Juni 1942 wurde die Gruppe von jungen Studente gegründet und während dieser Zeit bis zu ihrer Aufdeckung im Februar 1943 verfassten, druckten und verteilten die jungen Leute unter Lebensgefahr insgesamt sechs Flugblätter, mit denen sie zum Widerstand gegen die Nazis aufriefen. Mitglieder der Weißen Rose waren die beiden Geschwister Hans (Wulf Kessler) und Sophie Scholl (Lena Stolze) sowie deren Kommilitonen Christoph Probst (Werner Stocker), Alexander Schmorell ( (Oliver Siebert) und Willi Graf (Ulrich Tukur). In dieser Zeit können sie auch ihren Universitätsprofessor Kurt Huber (Martin Benrath) von ihrem Widerstand überzeugen und eine Menge Sympathisanten für ihre Sache gewinnen. Während Rothemunds Film vor allem ein Kammerspiel zwischen der jungen Sophie Scholl und dem Gestapo Ermittler Robert Mohr und die anschliessende Inhaftierung und Gerichtsverhandlung durch den Nazirichter Dr. Roland Freisler zeigt, legt Verhoeven seine Geschichte viel früher an und gibt Einblick in die Widerstandsarbeit der Gruppe. Er zeigt die Aktivitäten der Weißen Rose, gibt auch Einblick in das private Leben der Mitglieder. Während sich die Schlinge der Gestapo dann aber immer enger um die Gruppe zieht, knüpfen diese Kontakte zu anderen Widerstandsgruppen im Reich oder auch zu hohen Militärs. Dieses immer steigende Risiko muss natürlich in der Aufdeckung enden. Der Film ist gut, jedoch im Vegleich zu Sophie Scholl eher konventionell gemacht und erzählt. Geprägt von einer guten authentischen Stimmung ist auch die Dramaturgie gut gelungen und spannend. Trotzdem finde ich persönlich "Sophie Scholl" insgesamt fesselnder. Es mag vielleicht daran liegen, dass die Aufarbeitung deutscher Geschichte durch die Machart des Kammerspiels noch viel beklemmender wirkt. Verhoeven beschäftigte sich auch noch mit weiteren Filmen mit der Geschichte des deutschen Reichs, empfehlenswert sind auch "Das schreckliche Mädchen" und "Mutters Courage".
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