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Rezensionen verfasst von
C. "Christianhorstfan" (GL)

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Brennende Kälte: Denglers vierter Fall
Brennende Kälte: Denglers vierter Fall
von Wolfgang Schorlau
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,99

7 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Denglers vierter Fall..., 5. Mai 2008
... ist reichlich abenteuerlich. Der typische (und bislang immer ganz informative) aufklärerische Unterton Schorlaus richtet sich dieses Mal gegen den Krieg in Afghanistan und besonders gegen die Waffentechnik der Mikrowellenwaffen, die - so wird im Roman verkauft - in der Lage sind, sogar durch dicke Wände Menschen zu "braten", wobei Kleidung und andere nicht wasserhaltige Teile angeblich ganz unberührt bleiben, der Körper aber elendlich verreckt und nachher aussieht wie eine aufgeplatzte Bratwurst. Diese - meine - Umschreibung ist ganz harmlos gegenüber den Schilderungen Schorlaus, nichts für zarte Nerven. Ich kann nicht ermessen, ob die Mikrowaffentechnik tatsächlich dazu in der Lage ist, auf den ersten Blick klingt es aber - wie gesagt - außerordentlich abenteuerlich und konstruiert.

Achja, der Krimi hat auch noch einen Plot. Der ist diesmal aber wirklich lust- und einfallslos und lässt sich mit einem Satz zueammenfassen: Dengler verfolgt einen Mann. Rein krimimäßig eine Bauchlandung.

Für die Geschichte allenfalls 2 Sterne, für die politische Dimension des Buches und die (oft sehr platt daherkommenden) oberflächlichen Denkanstöße zu Afghanistan, Mikrowaffentechnik (daneben auch noch Klimawandel und Kritik am neuen biometrischen Reisepass) 3 Sterne - macht (in dubio pro reo) 3 Sterne. In ein paar Jahren, wenn diese politischen Themen längst von anderen abgelöst sein werden, wahrscheinlich nur noch 2 Sterne.

Im Wettrennen der Forsetzungen zu derzeit guten deutschsprachigen Krimi-Romanfiguren ergeht es Dengler jetzt wie Stachelmann (Ditfurth) und Marthaler (Seghers): Sie fallen im 3. und 4. Roman deutlich ab. Gut dabei sind immer noch: die Boni (Bottini), die Krieger (Klönne) und natürlich - in einer anderen Liga - Kluftinger.

Herr Schorlau: Nächstes Mal vor allem wieder mal einen spannenden Plot - wir warten darauf ;-)
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 6, 2009 7:20 PM MEST


Partitur des Todes
Partitur des Todes
von Jan Seghers
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

30 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Fehlkonstruktion, 10. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Partitur des Todes (Gebundene Ausgabe)
Vorweg - die Figur Marthaler ist ein wirklich guter, etwas übermäßig gutmenschnlicher Ermittler aus der Reihe des neuen deutschen Krimis - ähnlich wie Dengler von Schorlau oder Boni von Bottini - und z.B. "Ein allzu schönes Mädchen" von Seghers ist ein sehr gutes Buch. Mit der Partitur des Todes hat sich Jan Seghers aber keinen Gefallen getan. Der Plot ist reichlich übertrieben - es geht um einen Fünffach-Mord, später kommen noch vier Leichen dazu. Die Hauptkritik - und wer das Buch noch lesen will, der überspringe diese Rezension - liegt darin begründet, dass in dem sehr konstruierten Plot ein schwer verdaulicher logischer Bruch steckt. Seghers legt nicht nur einen sehr konstruierten Krimi vor, sondern eine Fehlkonstruktion.

Seghers bemüht als Schlüssel zur Aufklärung des Falls die Geschichte der Nazizeit. Die Enttarnung eines Auschwitz-Arztes, der bewusst wie Mengele stilisiert wird, macht Seghers abhängig von den verschlüsselten Berichten aus einer Partitur, die nach 60 Jahren auf einmal an die Öffentlichkeit kommt. Ein hahnebüchender Quatsch: Leute mit einem Schuld-Konto vergleichbar dem von Mengele wären - so viel Respekt sollte Seghers den Historikern und der Staatsanwaltschaft doch zollen - zumindest bis zum Jahre 2005 (hier spielt das Buch) intensiv verfolgt worden und wären auch mit doppelter Identität, wenn sie in der beschaulichen Wetterauer Prowinz leben, sicher längst enttarnt; zumal es ja bereits Hinweise auf Name und Aufenthaltsort gab, wie im Buch berichtet wird. Der logische Bruch liegt vor allem darin, dass so getan wird, als beinhalte der Bericht aus der Partitur Dinge, die man - angesichts einer Figur vergleichbar Mengele - nicht auch anders hätte in Erfahrung bringen können. U.a. ist auch der Auschwitz-Prozess (von dem im Buch ja die Rede ist) Beleg dafür, dass es viele überlebende Zeugen gegeben hat, die über einen berüchtigten Lagerarzt viel berichtet hätten. Auschwitz ist ein gut erinnerter Ort der Geschichte, weil zehntausende Häftlinge das Vernichtungslager überlebten und von den mindestens eine Millionen Getöteten berichten konnten. Besonders vor Kriegsende wurde Tausende Häftlinge in Richtung Westen deportiert. Anders sieht es bei anderen Vernichtungslagern aus: In Belzec, heute nahe der ukrianischen Grenze, überlebten bei ca. 600.000 getöteten Juden nur vier entflohene Häftlinge (!) - ein damit fast vergessener Ort.

Es gibt noch andere offene Fragen: Zum Beispiel wird ein Staatssekretär erschossen - und die Ermittlungen weisen überhaupt nicht in Richtung Politik und Innenministerium. Hähh?! Und dieser Quatsch mit der "zufälligen" arte-Recherche-live-Berichterstattung am Anfang. arte ist ein hervorragender Sender, aber nicht so sehr für sensationelle live-Berichterstattung bekannt.

punctum, Herr Seghers - das nächste Mal sollte sich Marthaler wieder von der Geschichte abweden. Dort wandelt er auf allzu dünnem Eis. Es stellt sich die Frage, ob mit gut gemeinten Geschichten nach dem Motto: "So eine schlechte Geschichtsaufarbeitung, dass ein Frankfurter Kommissar einen ganz schlimmen KZ-Arzt, der gleich um die Ecke wohnt, per Zufall enttarnen muss!" - weil total naiv - der Sache wirklich ein Gefallen getan wird.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 3, 2008 11:03 PM MEST


Lüge eines Lebens: Stachelmanns vierter Fall
Lüge eines Lebens: Stachelmanns vierter Fall
von Christian v. Ditfurth
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Stachelmann ist tot - es lebe Stachelmann!, 28. Dezember 2007
Um eines vorwegzunehmen: Joseph Maria Stachelmann ist - war ein Held: in den ersten drei absolut spannenden und witzigen Romanen von Christian von Ditfurth, der zuletzt mit dem „Luxemburg-Komplott“ einen brillanten Plot erfunden hat. Die Stachelmann-Bücher „Mann ohne Makel“ und „Mit Blindheit geschlagen“ habe ich sogar zweimal gelesen, Teil drei, „Schatten des Wahns“ fällt bereits etwas ab. Aus diesem Grund würde ich mich nie weiter aus dem Fenster lehnen, als hier 3 Sterne zu vergeben, für ein leider, leider wirklich sehr bescheidenes Buch.

Um es etwas drastischer auszudrücken: Ich war froh, als das Buch ausgelesen war und ich es wenig beunruhigt zur Seite legen konnte. Während der Plot der anderen Fälle Stachelmanns zwar auch immer total konstruiert, aber immer auch witzig und sogar historisch erhellend war, wird hier, wo der Witz fehlt und der historische Bezug total abstrus ist (wegen einer Habil-Schrift, die es - wie Stachelmann selber zugibt - überhaupt nicht in sich hat, wird geschossen und gemordet), gepflegte Langeweile verbreitet. Stachelmann konkurriert bei seinen Ermittlungen gegen die Polizei, wo sich eigentlich überhaupt kein Spannung aufbauen müsste - nur noch dem Umstand geschuldet, dass die Romanfigur sonst witzlos geworden wäre (und ist!).

Über 280 (sic!) Seiten passiert bezüglich der Aufklärung fast nichts, erst dann kommt der eigentliche Verdächtige ins Spiel, den man allerdings nur deshalb bereits zuvor in Verdacht hatte (spätestens bei der Szene im Krankenhaus), weil immer wieder auf ihn hingewiesen wird, wo es sonst nur Verdächtige gibt, die es nie und nimmer sein können. Es wölbt sich einem eine Spannungskurve auf - wie die Lüneburger Heide. Vor Seite 280 und nach Seite 280: keine Spannung, lahmer Verlauf.

Mein Fazit: Joseph Maria Stachelmann hat sich nach der Trilogie: NS, DDR und 68er in seinem vierten Fall totgelaufen - es lebe Joseph Maria Stachelmann! Hallo, Christian von Ditfurth: Man muss auch loslassen können!

Mein Tipp: Allerhöchstens auf die Taschenbuchausgabe warten. Besser in die öffentliche Bücherei gehen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 10, 2010 6:13 PM CET


Ein Lied Mehr -- The Anthology Archives 1 (Limited Edition)
Ein Lied Mehr -- The Anthology Archives 1 (Limited Edition)
Preis: EUR 34,99

20 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Blumfeld - wie es wirklich war, 8. März 2007
Blumfeld sind (fast) tot - es lebe Blumfeld. Eine (kleine, unverhältnismäßige) Entschädigung für die Bandauflösung: Die Box mit der allerersten (offiziellen und leider ein bisschen blechern klingenden) Live-Aufnahme ist für Fans, die seit 16 Jahren drauf gewartet haben, irgendwie, natürlich ein Hammer. (Ein Wermutstropfen: Musste es ausgerechnet Wien sein, Jochen?! Ahhgäh...) In der Box sind neben den 2 Liveaufnahmen-CDs auch die ersten drei Alben, die wir höchstens deshalb nochmal kaufen, weil die Originale tausend Tränen tief zerkratzt sind. Für Blumfeld-Neueinsteiger absolut lohnenswert: Ich-Maschine und L'Etat et moi (von 92 und 94) sind die Blumfeld-Quellcodes, absolut stilprägend mit den besten Texten und sehr rockig, oft aggressiv, krieg kein frieden... Das "Schnulzen-Album" Old Nobody war, als es 1999 erschien, ein Schock, machen die jetzt auf WDR 4?! Im Nachhinein längst versöhnt, die Liedermacher-Attitude hat die Phase Blumfeld-Postmoderne eingeläutet - in der auch mancher wenig verdauliche Quatsch entstanden ist. Old Nobody gehört (noch) nicht dazu.


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