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Rezensionen verfasst von
Georg Peez "mail11914"
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Warum das Huhn vier Beine hat: Das Geheimnis der kindlichen Bildsprache
Warum das Huhn vier Beine hat: Das Geheimnis der kindlichen Bildsprache
von Knut Philipps
  Broschiert
Preis: EUR 24,00

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Faszination Kinderzeichnung, 1. Dezember 2011
Dieses Buch ist eine hervorragende Einführung in das Verständnis der Kinderzeichnung. Zielgruppe dieser Veröffentlichung sind Erzieherinnen und Eltern. Die Darstellungen eignen sich aber auch einführend für alle Interessierten, weil sie inhaltlich klar und präzise sind, einen sehr guten Überblick zur Kinderzeichnungsforschung vermitteln und alle wesentlichen Aspekte ansprechend illustrieren und erläutern. Die kunstpädagogische Botschaft und Überzeugung von Philipps ist, dass Kindern möglichst keine Schablonen, Klischeezeichnungen wie Malbuchvorlagen oder Mandala-Vordrucke vorgelegt werden sollten. Philipps widerlegt zudem viele Vorurteile und auch frühere Forschungsansätze, etwa dass ein Kind bei einer 'normalen' Entwicklung in einem bestimmten Alter eine ganz bestimmte Stufe des bildnerischen Gestaltens erreicht haben müsse. Solche Stufen- und Phasentheorien bezeichnet er ' aktuellen Forschungen entsprechend ' als "überholt" (S. 59), weshalb er auch nicht von Schemata, sondern von "Sinnzeichen" (S. 48) spricht. (Ein gezeichnetes Huhn kann als Tier vier Beine haben.) Insbesondere ist beim Lesen die Achtung des Autors vor den bildnerischen Produkten der Kinder zu spüren sowie die Hingabe, mit der er sich den typischen Elementen der Kinderzeichnung mit hervorragendem Bildmaterial und präzise erläuternden Texten nähert, wie etwa Anthropomorphes Denken, Prägnanzdenken, Röntgenbild, Darstellung von Bewegung, Menschendarstellung, Größenverhältnisse, so einige der Kapitelüberschriften. Auch grundsätzliche Phänomene und Herausforderungen bildnerischen Gestaltens werden dargestellt, etwa Farbe, Raumauffassung oder Magische Sinnzeichen, ein Aspekt, der immer wieder in Kinderzeichnungen zu finden ist, der aber beispielsweise von der kognitionsorientierten Kinderzeichnungsforschung vernachlässigt wird. Zudem werden grundsätzliche kunstpädagogische Themen behandelt, etwa die Frage, inwieweit Erwachsene eine Kinderzeichnung analysieren sollten und können oder wie stark die (Lebens-)Geschichte zum Verständnis eines Bildes eine Rolle spielt. Dieses ansprechende und zugleich lehrreiche Buch ist allen zu empfehlen, die sich für Kinderzeichnungen interessieren.


Wozu zeichnen?: Qualität und Wirkung der materialisierten Geste durch die Hand
Wozu zeichnen?: Qualität und Wirkung der materialisierten Geste durch die Hand
von Béatrice Gysin
  Broschiert

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Künstlerische Forschung, 10. November 2010
Die an der Kunsthochschule Bern lehrende Künstlerin Béatrice Gysin legt mit diesem umfangreichen und in bester Druckqualität erstellten Kompendium zum Zeichnen einen Extrakt ihrer jahrelangen künstlerischen Forschung zu diesem Thema vor. Die Herausgeberin erkundet, visualisiert und ordnet Zeichnen-Akte und deren Manifestation in der sichtbaren Spur hierarchie- und wertfrei. Dies tut sie mittels Reproduktionen der unterschiedlichsten grafischen Formen: Kinderzeichnung, Tattoos, Kreidezeichnung auf dem Bürgersteig, lineare Phänomene auf Fotografien, technische Zeichnung, Telefonkritzelei, Comic, 'Blind'-Zeichnung - um nur wenige Spielarten von Zeichnung auf ganz unterschiedlichen Untergründen zu nennen. Zeichnung auf Papier und Zeichnungen von professionell Kunstschaffenden stehen freilich im Mittelpunkt.
Ein zweiter Bereich des Buches sind Aussagen von Expertinnen und Experten zum Thema, teils aus Befragungen, teils als schriftliche Statements. Diese Beiträge stammen z.B. von der Leiterin der Grafischen Sammlung der Schweizer Nationalbibliothek, einem Philosophen, einer Psychoanalytikerin oder einem Bildungswissenschaftler, der das Thema aus lerntheoretischer Sicht erörtert. Hier geht es auch um Fragen neurologischer Vorgänge während des Zeichnens. Insbesondere verknüpft Gysin die Aussagen der Fachpersonen durch kurze, sehr hilfreiche, weil fokussierende Überleitungen.
Béatrice Gysin selbst steuert zudem eigene, auf Recherchen und Felderkundungen beruhende Reflexionen bei, etwa zur Bedeutung der Hand und zu Materialerfahrungen beim Zeichnen oder durch den Besuch an einer Blindenschule (S. 108ff.). Auch dem berühmten Moment vor der ersten 'Berührung zwischen Zeichenstift und Blatt' (S. 118) wird nachgegangen. Eine Umfrage unter Laien (Kindergartenkinder, Schulkinder, junge Erwachsene, Erwachsene mittleren Alters und Senioren) über Merkmale einer 'guten Zeichnung' wird ausgewertet.
Zeichnen als bildnerische und bildende Tätigkeit ist eine Art Scharnierstelle zwischen Materialität und Immaterialität. Der Band bietet viele unterschiedliche wissenschaftliche, alltagspraktische und künstlerische Zugänge zum Phänomen. Die dargebotenen Mehrdeutigkeiten machen Zeichnen so wertvoll. Eine gründliche, vielfältige und sehr anregende künstlerische Forschung!


Oldenbourg PRAXIS Bibliothek: Mit Kindern künstlerisch arbeiten: Kunst fachfremd unterrichten für 3. und 4. Schuljahr. Buch mit Farbabbildungen und Kopiervorlagen auf CD-ROM
Oldenbourg PRAXIS Bibliothek: Mit Kindern künstlerisch arbeiten: Kunst fachfremd unterrichten für 3. und 4. Schuljahr. Buch mit Farbabbildungen und Kopiervorlagen auf CD-ROM
von Dr. Simone Hell
  Taschenbuch
Preis: EUR 24,50

50 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Dekorativer Selbstzweck, 24. Juli 2010
Es gibt sie leider noch, diese Anleitungen für den Kunstunterricht: Sprichwörtlich sind die gleichen "Tulpenfelder", wie sie sich in den Grundschulen an Wänden oder Fenstern zeigen. Hier handelt es sich um weitgehend inhaltslose Bastel-Beschäftigungen für Kinder, die stets ähnliche Ergebnisse im Klassensatz ergeben. Je mehr das Bild den Vorstellungen der Lehrerin entspricht, desto "besser" ist das Ergebnis. Mit Kreativität hat dies nichts zu tun. Der Titel des Buches verspricht "künstlerisches Arbeiten". Der Band richtet sich an Lehrende in der Grundschule, die "Kunst fachfremd unterrichten". Das Dekorative steht jedoch im Vordergrund. So legen die Autorinnen in ihrem Vorwort die Zielperspektiven fest: "Die entstandenen Schülerwerke sollen dazu beitragen, das Schulhaus ästhetisch zu gestalten. Die Kinder empfinden Stolz, wenn ihre liebevoll gemalten Bilder von Mitschülern, Eltern und Lehrern bewundert werden" (S. 5). Der Kunstunterricht verkommt auf diese Weise zu einem dekorativen Selbstzweck und vereinheitlicht den Geschmack der Kinder in Richtung einer klischeehaften Schul- und Kunstunterrichts-Ästhetik, wie sie schon vor 40 oder 50 Jahren herrschte. Den Schülerinnen und Schülern wird durch Unterricht nach solchen Büchern die Chance genommen, ästhetische Erfahrungen zu machen, eigenständig bildnerische Kompetenzen im Visuellen und Gestalten zu entwickeln. Neben den anzufertigenden Kartengrüßen (Weihnachtskarte, Osterkarte, Herzkarte) findet sich der Klassiker "Tulpenwiese (Bastelarbeit/Faltschnitt)". "Die Tulpenkelche sind in verschiedenen Größen mittels Faltschnitt sehr schnell zu erstellen", um sie danach in eine "spannungsreiche Anordnung der Einzelblüten" (S. 31f.) zu bringen. Es geht u.a. um "Überschneidungseffekte" (S. 33). Anspruchsvolle und zeitgemäße Ziele ästhetischer Bildung, wie sie etwa von der "Arbeitsgruppe Grundschule" im BDK, Fachverband für Kunstpädagogik, ausführlich und überzeugend auch mit hervorragenden Praxisanregungen darlegt wurden, kennen die Autorinnen offenbar nicht.
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Béatrice Gysin: Werke 1990-2008
Béatrice Gysin: Werke 1990-2008

5.0 von 5 Sternen Monografie Béatrice Gysin, 10. Februar 2009
Diese Monografie der Schweizer Künstlerin Béatrice Gysin dokumentiert Arbeiten aus den letzten zwei Jahrzehnten. Vor allem sind es Zeichnungen. Aber dieses zweisprachige, mit großer Sorgfalt gestaltete Buch (deutsch/ französisch) gibt auch Einblicke in das plastische Werk. Béatrice Gysin erforscht mit außerordentlicher künstlerischer Intensität die Phänomene der Welt. Sie spürt den feinsten Nuancen nach, lässt sich Zeit und kommt mit Nachdruck zu einer Tiefe, die gerade an der Oberfläche, an den Strukturen und Umrissen der Gegenstände, deren Wesen erkennt (siehe das Titelblatt). Dieses nur scheinbare Paradoxon macht einen großen Teil der Spannung ihrer Kunst aus. Sie spürt den Details auf der Oberfläche nach und gelangt so zum Wesentlichen. Im Betrachten der grafischen Arbeiten oder im Berühren der Skulpturen nehmen wir an diesem Wahrnehmungsakt teil. Wir sind fasziniert von einer Kraft, die methodisch so achtsam erfolgt. Lisa Schmückli formuliert diese packende Gegensätzlichkeit folgendermaßen: "Und wenn ich dann hinschaue, mich faszinieren lasse und berührt werde, komme ich wieder zu mir, werde ich erst zur beunruhigten-ruhigen Betrachterin." (S. 59) - Die Objekte der Aufmerksamkeit für Béatrice Gysin sind u.a. Pflanzen, Mineralien, Haushaltsutensilien, Stoff- und Hautfalten, Kontinente, Hölzer, Verwobenes, Vernetztes und Verfärbtes. - Die Künstlerin, Dozentin an der Hochschule der Künste Bern, bildet mit forschend-gestaltender Präzision ihren vortastenden Zugang zur Welt auf sehr unterschiedliche Weise: mit Bleistiftzeichnungen auf Papier, mit Schwarz-Weiß-Fotografien, mit Stickereien, mit fragilen Wandobjekten aus Silikonfolie, mit Haar-Knäuel oder indem sie Alabaster schmirgelnd bearbeitet, wie dies Andreas Meier in seinem Beitrag eindrucksvoll schildert. - Béatrice Gysin (geb. 1947) schreibt im Vorwort: "Langsamkeit und Ereignislosigkeit erlebe ich als Qualitäten" (S. 1) Genau hierin liegt die Faszination und der unerhörte Ereignisreichtum ihres Oeuvres. Mit Texten von Andreas Meyer, Lisa Schmückli, Anna Stüssi, Patrick Savolainen und Annelise Zwez sowie der Künstlerin selbst.


Leitlinien zur Interpretation der Kinderzeichnung: Praxisbezogene Anwendung in Diagnostik, Beratung, Förderung und Therapie
Leitlinien zur Interpretation der Kinderzeichnung: Praxisbezogene Anwendung in Diagnostik, Beratung, Förderung und Therapie
von Christa Seidel
  Gebundene Ausgabe

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kinderzeichnung - Diagnostik, Beratung, Therapie, 3. Oktober 2008
Dieses Buch ist zweifellos ein Grundlagenwerk im Bereich der Kinder- und Jugendzeichnungsforschung. Die Autorin, promovierte Psychologin und im Bereich der Kinder- und Familientherapie tätig, fasst hierin ihr über Jahrzehnte gesammeltes Erfahrungswissen zusammen. Herausgekommen ist ein äußerst klar strukturiertes Buch, in welchem sie das Phänomen differenziert darstellt. Hervorzuheben sind insbesondere die Einführungskapitel, in denen Christa Seidel auf der Basis bisheriger u.a. kognitions- und entwicklungspsychologischer Untersuchungen sowie der intensiven kritischen Rezeption der Kinderzeichnungsforschung eine sehr einsichtige Einteilung der Entwicklungsstufen vornimmt.
Ein zweiter wichtiger Bereich sind die vielen ausführlichen Falldarstellungen aus der Praxis. Hier überzeugt den Leser insbesondere die sowohl sorgfältig dokumentierende, wissenschaftliche als auch äußerst sensible Herangehensweise an die Individualität der einzelnen Kinder und Jugendlichen. In diese ausführlichen Langzeit-Darstellungen fließen u.a. ein: die Analyse freier Zeichnungen und Ergebnisse aus diversen Zeichentests, Teilnehmende Beobachtungen z.B. während des Zeichenvorgangs anhand eines hervorragenden "Strukturierten Beobachtungsbogens", festgehaltene Kommentare und längere Gespräche, Briefe der Betroffenen im Rahmen des auf dem Frostig-Konzept (Humanistische Psychologie) beruhenden Therapieverlaufs. Vorgestellt werden u.a.: Verhaltensprobleme und emotionale Beeinträchtigungen, Entwicklungsstörungen, Lese- und Rechtschreibstörungen, Hochbegabung, Intelligenzminderung und Sonderformen der Begabung. Die sehr anschauliche Darstellung der Fälle macht dieses Buch besonders wertvoll. Zudem ist es ein Nachschlagewerk zur bildnerischen Entwicklung, zu diversen Zeichen-, Wahrnehmungs- und Entwicklungstests und es gibt in einem speziellen Kapitel praxisorientierte Antworten für Eltern und alle Berufsgruppen, die mit Kindern malen und zeichnen. Dem Vorwort der berühmten Kreativitätsforscherin Erika Landau ist uneingeschränkt zuzustimmen: "Dieses Buch wird vielen Menschen die Augen öffnen und durch die genaue Beobachtung, Wertschätzung und sorgfältige Bewertung der Kinderzeichnung helfen, hoffnungsvolle Wege für die weitere Arbeit mit Kindern aufzuzeigen."


Evaluation in der Erziehungswissenschaft (Schriften der DGfE)
Evaluation in der Erziehungswissenschaft (Schriften der DGfE)
von Hans Merkens
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Chancen und Risiken des Evaluierens, 10. Februar 2005
Diese Veröffentlichung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft gibt einen Überblick über die gegenwärtigen Diskussionsstränge, die die verstärkte Evaluation erziehungswissenschaftlicher Forschung und Lehre an den bundesdeutschen Hochschulen mit sich bringt. Hierbei stehen nicht praxisnahe Schilderungen oder gar Anleitungen zur Evaluation oder Selbstevaluation im Vordergrund, sondern reflexive Erörterungen der Thematik. So stellt der Herausgeber in einem eigenen Beitrag die teils sehr verzweigten sowie tief greifenden Auswirkungen auf die Entwicklung der Disziplin Erziehungswissenschaft dar, etwa die so genannte Internationalisierung des Faches, was mit einem „Verlust an bisher für wertvoll gehaltenen Traditionen und Themenfeldern" einher geht (S. 113). Auch die verstärkte Ausrichtung der Evaluatoren an der Lehrerbildung, an dem Berufsfeld Schule, ist ein solcher Punkt. Diese Ausrichtung läuft Bestrebungen im Fach zuwider, das sich mit den eigenständigen Hauptfachstudiengängen zu profilieren versuchte. - Die Grundsatzfrage nach finanziellem Aufwand für erziehungswissenschaftliche Forschung und Lehre und dessen Ertrag wird zwar grundsätzlich als wichtige Blickrichtung anerkannt. Dieser Grundsatzfrage wird aber auch sehr kritisch begegnet. Zentral für diese Kritik sind freilich die Kriterien, mit denen meist möglichst viel über einen Kamm geschert wird, und die Qualifikation der Evaluatoren selbst. - Das Buch bietet eine Einführung in die Grundkonzeption der Evaluation sowie einen Blick auf die Grenzen des Evaluierens. Die Praxis des Evaluierens wird ebenso erfasst, wie die Perspektive einer Agentur, die Hochschulrankings erstellt. Besonders aufschlussreich sind die Darstellungen der Kriterien und Standards zur Forschungsevaluation. Um sich für Grundsatzdiskussionen zu wappnen und einen aktuellen Einblick in den Diskurs zu erhalten ist das Buch durchaus hilfreich.


Biografische Entwürfe: Ästhetische Verfahren in der Lehrer/innenbildung
Biografische Entwürfe: Ästhetische Verfahren in der Lehrer/innenbildung
von Manfred Blohm
  Taschenbuch

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Biografie im erziehungswissenschaftlichen Fokus, 12. Dezember 2004
Lebensgeschichtlich frühe Erfahrungen sind grundlegende Voraussetzung für die Berufspraxis von Lehrerinnen und Lehrern, für die Entwicklung der Lehrer/innenpersönlichkeit. Hinzu treten die gesellschaftlichen und kulturellen Vorstellungsmuster und Klischees über die Lehrer/innenrolle, welche wir alle in uns tragen. Werden solche Facetten des eigenen Lehrerinnen(selbst)bildes nicht reflektiert, so wirken sie ein Leben lang teils unkontrolliert und unbeabsichtigt weiter.
Verschiedene Ansätze biografischer Selbstreflexion in Bezug auf die spätere Profession finden sich inzwischen vermehrt in erziehungswissenschaftlichen und kunstpädagogischen Studiengängen. Doch der Fokus Seydels liegt nochmals eingegrenzter auf den ästhetischen Anteilen in diesen Prozessen der (Re-) Konstruktion von Biografie. Anknüpfungspunkte für ästhetische Erfahrungsprozesse mit unterschiedlichsten Materialien und Gesten oder für künstlerisch-ästhetisch initiierte bewusste Wahrnehmungen und Empfindungen in der biografischen Arbeit sucht er in künstlerischen Verfahren der Spurensicherung. Auf diese Weise werden Teile der eigenen Lebensgeschichte (re-) konstruiert und verfremdet, so dass Distanz zum professionellen Selbst gewonnen und doch zugleich eine große Unmittelbarkeit zum eigenen Lebensweg erfahren werden kann.
Es ist zu wünschen, dass das Buch - eine als Dissertation an der Universität Hannover anerkannte vorwiegend qualitativ-empirische Forschung - nachhaltig auf die Strukturen und Inhalte der Lehrerausbildung wirkt, denn Fritz Seydel plädiert in seiner wegweisenden Studie eindringlich für eine verstärkte Beachtung biografischer Arbeit. Denen, die an Hochschulen, Studienseminaren sowie in der Fortbildung tätig sind, sei dieses Buch sehr empfohlen.


Im Banne der Ungewissheit: Bilder zwischen Medien, Kunst und Menschen
Im Banne der Ungewissheit: Bilder zwischen Medien, Kunst und Menschen
von Doris Schuhmacher-Chilla
  Taschenbuch
Preis: EUR 22,50

5.0 von 5 Sternen Performative Bild-Welten, 27. November 2004
Die Kunstwissenschaftlerin und Kunstpädagogin Doris Schuhmacher-Chilla (Universität zu Köln) lud renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu einer Fachtagung ein, um der Frage nachzuspüren, wie sich der Bildbegriff hier und heute näher eingrenzen lässt. So finden sich erziehungswissenschaftliche, kunstgeschichtliche, kunstpädagogische, medienwissenschaftliche und vor allem anthropologisch orientierte Standpunkte, von denen aus die Charakteristik von Bildern - allgemeiner: von visuellen Wahrnehmungsphänomenen - erkundet wird. Von der Reflexion zeitgenössischer Kunst über innere Repräsentationen, welche im Alltag leichtfertig als „innere Bilder" bezeichnet werden, bis hin zur Schulbuch-Illustration reichen die Buchbeiträge. In einzelnen Beiträgen wird konkret die Funktion der Bilder in den Medien behandelt, etwa die der Digital-Fotos von gefolterten Häftlingen in Gefängnissen der US-amerikanischen Armee im Irak. Matthias Winzen bringt es auf den Punkt, wenn er schreibt: „Die Kunst ist heute der einzige Ort in der Gesellschaft, an dem Bilder beharrlich einer sachlichen, einer auf visuelle Wahrnehmung bezogenen Kritik unterworfen werden." (S. 207) Denn Bilder werden in vielen gesellschaftlichen Kontexten produziert. Doch nur in der Kunst wird „an irgendeiner Stelle innerhalb der Bildstruktur" (S. 220) reflektiert, dass sie Bilder sind. In der Gesamtschau der Buchbeiträge kristallisiert sich ein facettenreicher Bildbegriff heraus, der anthropologisch geprägt klare Unterscheidungen und auch Wertigkeiten setzt. Denn der „performative turn" betont im Gegensatz zum „iconic turn", wie Menschen mit Bildern umgehen und wann Bilder im performativen Sinne zu ästhetischen Ereignissen werden.


Kinder zum Olymp! Wege zur Kultur für Kinder und Jugendliche
Kinder zum Olymp! Wege zur Kultur für Kinder und Jugendliche
von Karin von Welck
  Taschenbuch

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Innovative Projekte Kultureller Bildung, 24. Mai 2004
Die von der „Kulturstiftung der Länder" getragene Publikation gliedert sich in zwei Teile: Im ersten Teil geht es um theoretische Blicke und Einsichten, warum Angebote kultureller und ästhetischer Bildung wichtig sind, wie diese zu planen und zu begründen sind. Hier kommen Expertinnen und Experten mit teils durchaus praktischen Erörterungen zu Wort; wie etwa zum Kulturmanagement. Viele Gedanken aus diesem Teil können als Legitimationsargumente für die in der Praxis Verantwortlichen dienen.
Der zweite Teil versammelt insgesamt 85 zwei- bis vierseitige Kurzdarstellungen von Kulturprojekten für Kinder und Jugendliche aus allen Bundesländern - zur Inspiration und Nachahmung empfohlen. Bei der Auswahl wurde besonders wert auf die allgemeine Zugänglichkeit der Angebote für Heranwachsende gelegt, weshalb in viele der Projekte Kindertagesstätten und allgemein bildende Schulen einbezogen sind. Hier bestechen die Vielfalt und Lebendigkeit der praktischen Umsetzung der ausgefallenen kulturpädagogischen Ideen.
Ästhetische Kompetenzen, aber auch die Stärkung des Selbstbewusstseins, die Kooperationsfähigkeit sowie die Festigung der Persönlichkeitsentwicklung lassen sich mittels kultureller Bildungsangebote fördern. Und dass diese Förderung die entsprechende Wirkung hat, dafür stehen prominente Paten, wie Georg Baselitz (Künstler), Petra Gerster (TV-Nachrichten-Moderatorin) oder Dietrich Fischer-Dieskau (Kammersänger).
Dieses sehr ansprechend und übersichtlich gestaltete Handbuch wird komplettiert durch mehrere Verzeichnisse, z. B. Kontaktadressen relevanter Stiftungen in Deutschland, die Projekte für Kinder und Jugendliche unterstützen.


Aspekte der Farbwahrnehmung: bei Schülern im Alter zwischen 11 und 16 Jahren
Aspekte der Farbwahrnehmung: bei Schülern im Alter zwischen 11 und 16 Jahren
von Martin Oswald
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Standardwerk der Ästhetischen Erziehung, 10. Mai 2004
Farbe spielt in der ästhetischen Erziehung fast immer eine Rolle, doch darüber, wie Kinder und Jugendliche Farbe wahrnehmen, wie sie mit Farbe umgehen, wie sie gesehene Farben wiedergeben, wusste die Kunstpädagogik bisher kaum etwas. Das Buch gliedert sich in einen theoretischen und einen empirischen Teil sowie in eine Zusammenfassung der Empirie mit fachdidaktischen Konsequenzen für den Kunstunterricht. Im empirischen Teil finden sich acht recht unterschiedliche, äußerst fundiert durchgeführte und detailreich sowie statistisch ausgewertete Untersuchungen. Die Forschungsergebnisse sind von hoher Relevanz für die Kunstdidaktik. Wichtigste Auswertungskriterien sind neben den Altersgruppen das Geschlecht. Aber sowohl regionalspezifische Aspekte als auch Interessen, wie etwa im "handwerklich-musischen Ausbildungszweig", spielen ab und zu eine Rolle. Das schwarz-weiß gedruckte Buch ist im wahrsten Sinne des Wortes "preiswert", weil es zum einen einen festen Hardcover-Einband besitzt und sehr stabil gebunden ist und weil zum anderen eine CD-ROM beiliegt, durch welche man Zugriff auf den gesamten farbigen Buchblock im PDF-Format hat. Insgesamt bieten die Forschungen Martin Oswalds umfassende, für die Kunstpädagogik längst überfällige, aufschlussreiche Erkenntnisse zum Thema "Farbe". Diese Publikation wird für lange Zeit ein Grundlagen- und Standardwerk der Ästhetischen Erziehung sein.


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