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Rezensionen verfasst von
Nane Kendel (Braunschweig)

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Über das Grübeln
Über das Grübeln
Preis: EUR 33,99

4.0 von 5 Sternen Zu viel des Grübelns?, 28. April 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Über das Grübeln (Audio CD)
Meine Erwartungen waren höchst hoch, nachdem ich Balbina und ihre Nichtstun-EP entdeckt hatte. Die 5 Stücke auf der EP waren aus einem Guss, thematisch verwandt, lyrisch geschickt formuliert und auch musikalisch mit interessanten Ideen gespickt.
Auch das erste Album, das inzwischen unter den Teppich gekehrt wird und wohl dort versteckt werden soll, enthielt großartige Lieder: "Zauberland", "Sigmund jetzt holen sie mich" und "Fliegen" sind kleine Kunstwerke und auch für's Über-die-Liebe-Singen war sich Balbina bei "Heizung" nicht zu schade.

Bei der Langspielplatte "Über das Grübeln" stört mich nun aber Einiges. Bereits im Vorfeld wurden viele fragwürdige Werbemaßnahmen durchgeführt - eine Indie-Künstlerin in der Major-Maschinerie, dachte ich mir immer. Die Box, ganz weiß und optisch nicht so schön wie erwartet, enthält dann auch eine Faltanleitung, ein ganz schönes Textbuch und - etwas überflüssig für Fans - die Nichtstun-Live-Doppel-EP.
Dass das Album auch "Nichtstun" und "Wecker" enthält, finde ich nicht ganz passend - aus dieser brillianten EP zwei Lieder einfach als Albumfüller aus ihrem Kontext zu reißen war keine gute Idee. An ihnen merkt man die Defizite der anderen Songs.

Los geht es mit dem vom Grübeln zerbrechenden Kopf, der wohl nur wegen des Reims kaputt geht, wie ein Blumentopf der vom Balkon fällt. Aber in Ordnung, unschöner ist das "Ist" - die Überlegung "morgen ist heute schon gestern" ist nicht neu und Balbinas Überlegungen wirken doch recht holprig und unsortiert. "Goldfisch" ist vor allem musikalisch ein Highlight, nur warum wird gerade der Goldfisch als Symbol für Vergesslichkeit gewählt? "Hut ab" ist dann wieder ein Dialog mit einem Hiphopper, ähnlich wie "2 Verlierer" auf dem ersten Bina-Album, nur nicht so witzig und mit einigen Textzeilen, die ich einfach unschön finde ("Du sagst das nur, weil du gemein bist und mich hasst", "Du bist gut - Hut ab - im Schlechtsein"...). "Tisch" ist da die gelungenere Hip-Hop-Kollaboration, Maeckes hat auch schon "Seife" auf der EP eine Nummer cooler gemacht.
Bis hierhin wohl ein 3-Sterne-Album, oder? Doch zum Schluss wird es dann noch einmal fantastisch: "Kuckuck" und "Langsam langsamer" sind musikalisch top und textlich voll mit guten Ideen (aber warum drängelt sich der längst bekannte "Wecker" dazwischen?). "Dicke Luft" ist dann verschroben genug, um den vierten Stern endgültig zu retten.

Ja, ich mag Balbina sehr gerne und ich hoffe sehr, dass sie in Zukunft ganz ohne Arbeitsdruck arbeiten kann. Vielleicht muss sie dazu aber zu einem kleineren Label wechseln. Ich glaube, Vorschriften und Fristen treiben diese interessante Künstlerin zu sehr ins Grübeln.


Bilder Meines Lebens
Bilder Meines Lebens
Preis: EUR 14,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Folge dem Floh..., 18. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Bilder Meines Lebens (Audio CD)
Die Musik von Mary Roos begleitet mich schon seit vielen Jahren durchs Leben. Lange Zeit waren es immer ähnlich klingende Schlager - "Schau dich nicht um", "Sommer" oder "Heute Nacht" sind wunderbare Beispiele, auch wenn Marys Anteil bei diesen Alben sich wohl nur auf die (natürlich großartige) Stimme belief.
"Bis hierhin... und weiter" (2011) war dann ein etwas hybrides Album - neben typischen Schlagern gab es auch Chanson und Bossa Nova zu hören. 2013 ging es bei einem anderen Label konsequenter in diese anspruchsvollere Richtung. Das Konzept, das hinter "Denk was du willst" stand, gefiel mir wahnsinnig gut - vom Cover über die Autoren, den Nu Jazz Stil bis hin zum Vinyl, auf dem das Album veröffentlicht wurde. Ein Haken: die Lieder selbst, bei denen Mary inhaltlich und musikalisch erstmals Einfluss hatte, waren etwas sperrig, mitunter sogar langweilig.

2015 nun zurück zum alten Label, aber in alte Muster verfällt Mary Roos Gott sei Dank nicht. Sie hat sich tolle Autoren ins Boot geholt (Sven Bünger, Pe Werner, Frank Ramond, Johannes Oerding, Der Polar), die ihr zeitgemäße Lieder geschrieben haben. Stilistisch geht es etwas weg vom Jazz und hin zu einer Art Unplugged-Pop mit echten Instrumenten (das muss im Schlager heutzutage leider als etwas Besonderes hervorgehoben werden). Und beim ersten Durchhören ging es mir ähnlich wie beim Vorgängeralbum - alles wirklich nett, klasse getextet ("Unbemannt", "Wartezeit"), unterhaltsam ("Merkste selber"), bewegend ("Du", ein wunderschönes Duett) und natürlich sehr schön gesungen und instrumentiert ("Bilder meines Lebens") - aber so richtig gezündet hat es nicht. Das liegt an den Liedern, dachte ich, es fehlen vielleicht wieder die eingängigen Ohrwürmer?

Und plötzlich schwirrt mir doch ein Lied im Kopf herum: "Entspann dich". "Lass mal locker, lass mal sein, lass mal Fünfe gerade sein". Und dann auf einmal "Die kleinen Dinge". Dann wieder der Mini-Hit "Einzigartig". Dann läuft auf einmal "Unbemannt" im Radio und ich merke, wie fantastisch dieser Song eigentlich ist.
Ja, es ist wohl ein Album, das sich etwas entwickeln muss. Auf jeden Fall ist Mary Roos auf dem richtigen Weg. Man merkt, dass sie selbst Einfluss nimmt und sich darum kümmert, dass es eben nicht nur die Stimme ist, die ihre Alben prägt.

Dafür gibt es vier Sterne - leider gibt es nämlich doch zwei Kritikpunkte: das Booklet wirkt wie schon bei frühreren DA-Records-Alben etwas altbacken und ab und an wirkt die Stimme nicht gut eingemischt, manchmal sogar leicht übersteuert.
Trotzdem bin ich gespannt auf ihre nächsten Projekte, wie auch auf ihre kommende Tour mit Wolfgang Trepper.
Ach ja - und im angejazzten "Kein Plan" folgt Mary wohl eher dem Flow als dem Floh, es dauerte aber recht lange, bis mir das klar wurde...
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 20, 2015 9:48 AM CET


In My World
In My World
Preis: EUR 13,56

2.0 von 5 Sternen Best Of Nina Hagen Teil 3 - 1989-2010, 24. November 2014
Rezension bezieht sich auf: In My World (Audio CD)
Nina Hagen selbst zu bewerten ist objektiv wohl kaum möglich - man mag sie oder eben nicht. Ganz objektiv lässt sich ihre Karriere aber grob in 3 Abschnitte aufteilen. Die "DDR-Karriere", die zwischen 1974 und 1977 so lustige Liedchen wie den "Farbfilm", den "Honigmann" oder "Hatschi-Waldera" hervorbrachte, ist am besten auf der CD "Was denn?" nachzuverfolgen. Die Punk-Zeit vom 1978er Album "Nina Hagen Band" bis "In Ekstase" aus dem Jahr 1985 wird auf der "Very Best Of Nina Hagen" sehr gut nachgezeichnet. Seit 1989 experimentiert Nina Hagen ziemlich wild herum und kein Album klingt wie das andere. Dass eine Best Of, die vorwiegend die 90er und 2000er Jahre berücksichtigt, nicht besonders kohärent klingen kann, ist also klar. Dennoch ist es fantastisch, dass Lieder von Alben, die man inzwischen nur noch gebraucht kaufen kann, hier wieder zu hören sind. Aus diesem Grund finde ich es besonders traurig, dass zahllose Aspekte immer wieder daran erinnern, dass es sich hier um eine Low-Budget-Compilation handelt.

Vom 1989er Album "Nina Hagen", das zu den weniger gelungenen Alben zählt, sind 3 Lieder enthalten, nicht aber das gelungene Elvis-Cover "Viva Las Vegas". Vom wunderbar funkigen "Street" (1991) sind alle wichtigen Lieder enthalten - "Blumen für die Damen", "In my world" sowie "Erfurt & Gera" sind fantastische Lieder, zudem gibt es Schuberts Goethe-Vertonung "Gretchen" aus diesem Album. Auch vom 1993er Album "Revolution Ballroom" gibt es einige Lieder, glücklicherweise auch die Single "So bad". Das 1995er Album "FreuD euch" wurde nun leider völlig außen vor gelassen, hier wären "Tiere" und "Abgehaun" wirklich wichtig gewesen! Auch das 2000er Album "Return of the Mother" wurde ignoriert, diee Zarah Leander-Hommagen "Der Wind hat mir ein Lied erzählt" und "Yes Sir" sind nur in den später entstandenen Swing-Fassungen zu hören. Auch von der fantastischen "Big Band Explosion" ist hier nichts zu hören, dagegen ist das 2006er Album "Irgendwo auf der Welt" mit 12 Titeln deutlich überrepräsentiert. Vom 2010er Comeback-Album "Personal Jesus" ist nur der Titeltrack enthalten, vom 2011er "Volksbeat" gar nichts, wahrscheinlich weil diese beiden Platten noch zum Originalpreis auf dem Markt sind.

Was diese Kollektion aber wirklich kaufenswert macht, sind die zahlreichen Non-Album-Tracks, die man bisher nur auf Single-CDs oder Alben anderer Künstler bekommen konnte. "Go Ahead" (1992), "Let the sunshine in " (1993, mit Uwe Ochsenknecht und Udo Lindenberg), "Romeo & Juliaaah" (1993, mit Udo Lindenberg), "Rock'n'Roller" (1994, für ein Udo Lindenberg-Tribute Album), "Die schwarze Wite" (2001, mit Rosenstolz, ebenso wie die französische Version), "Wer bistn du" (mit Jan Delays Beginnern, 2003) und schließlich der Apocalyptica-Hit "Seemann" (2003), der Nina Hagen um ein Haar zu ihrem ersten Top 10-Hit verholfen hätte.

Soviel zum Inhalt - nun zur grauenhaften Anordnung. Wäre die zweite CD nicht von den Swing-Aufnahmen geprägt (auch wenn sich das poppige "Blumen für die Damen" und die Lindenberg-Kooperationen dazwischen gemogelt haben), so könnte man meinen, man hätte gewürfelt, gelost oder einen Computer entscheiden lassen. Warum das Ganze auf 3 CDs aufgeteilt wurde, ist ebenfalls rätselhaft. Selbst eine Doppel-CD hätte das Material nicht ganz gefüllt. Immerhin ist das Cover schick und in den Inlays sind sämtliche diskographischen Angaben aufzufinden. Dennoch - man hätte es so toll machen können. Eine CD hätte die Singles und Hits enthalten können, die Swing-Aufnahmen hätten auf der zweiten CD perfekt durch die Big Band-Aufnahmen ergänzt werden können, eine dritte hätte die Raritäten enthalten können - vielleicht ja auch noch mit der 2004er Single "Immer lauter", dem UK-Hit "Get your body" mit Adamski und den Kooperationen mit Thomas D und Oomph.

Dennoch, zum kleinen Preis (zeitweise und in einigen Geschäften auch unter 8 Euro) kann man diese Box dankbar hinnehmen, sich das Beste herausziehen und sich seine eigene Best Of zusammenstellen.


Dezembergefühl
Dezembergefühl
Preis: EUR 17,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Abwechslungsreich und Handgemacht, 10. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Dezembergefühl (Audio CD)
Seit 2012 geht Stefanie Hertel einen neuen Weg, schreibt eigene Lieder und tendiert eher zum Schlager als zur Volksmusik. Dieser Weg wird nun von Einigen als großartig und authentisch gepriesen, von Vielen aber auch völlig verrissen. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte, aber gerade dieses Weihnachtsalbum gefällt mir ausgesprochen gut.

Im Gegensatz zu den meisten Schlager-CDs ist diese hier fast ausschließlich mit echten Instrumenten eingespielt worden. Das schafft trotz des Stilmixes einen roten Faden und lässt die Produktion (trotz kleiner Schwächen in den Arrangements) alles andere als billig erscheinen. Dieser rote Faden ist besonders wichtig, weil Stefanie Hertel hier ganz unterschiedliche Lieder präsentiert: neue Weihnachtslieder wie das melancholische "Dezembergefühl" und das wirklich angenehm energiegeladene "Küss Mich", amerikanische Klassiker auf deutsch gesungen ("Sleigh Ride", "Have yourself a merry little christmas"), eine nicht ganz perfekte Eigenkomposition namens "Schneeflockentanz", ein Mundartstück mit ihrem Vater Eberhard, das besonders gelungen ist, und ein Medley aus traditionellen deutschen Weihnachtsliedern.

Am Ende spricht Stefanie die Weihnachtsgeschichte - das ist ein wirklich schönes Ende, weil dem christlichen Hintergrund des Weihnachtsfestes (ebenso wie im Lied "Halleluja") endlich einmal eine ebenso tragende Rolle beigemessen wird, wie dem Schneefall und dem Zusammenkommen der Familie.

Die äußere Gestaltung der CD wird dem Inhalt nicht ganz gerecht, das "Telamo"-Logo vorne auf dem CD-Cover ist nicht gerade eine Zier und auch die Fotos im Booklet wirken nicht gerade wie aus einem Guss. Schade finde ich auch den hohen Preis, der sich auch bei Stefanies letzter CD nie verringert hat und sicherlich einige potenzielle Käufer abschrecken könnte. Sucht man eifrig (in einem Lebensmittelhandel oder einem Schweizer Versandshop), findet man die CD dann aber doch zu einem etwas humaneren Preis. Ich hoffe, dass dieses schöne, musikalisch liebevoll gestaltete Weihnachtsalbum etwas Beachtung findet und bei dem ein oder anderen Adventskaffeetrinken läuft - bei mir wird es das auf jeden Fall!


Give My Love to London
Give My Love to London
Preis: EUR 9,99

20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein bemerkenswertes Album, 27. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Give My Love to London (Audio CD)
Marianne Faithfull schart schon seit Beginn ihrer Karriere interessante Künstler um sich, die letztendlich dafür verantwortlich sind, wie ihre Alben klingen. In diesem Jahrtausend waren das vor allem Beck ("Kissin Time") und PJ Harvey ("Before the Poison"), bevor auf "Easy Come, Easy Go" quer durch die Musiklandschaft gecovert wurde. "Horses and High Heels" war dann ein homogeneres Album, das mir trotz einiger großartiger Lieder ("Why did we have to part", "The old house") etwas zu langweilig war.

Die erste Single aus diesem Album, "Sparrows will sing", hat mich gleich erstmal etwas abgeschreckt. Sehr schrammelig, rockig klang das auf den ersten Blick. In dieses abwechslungsreiche und doch in sich zusammenhängende Album fügt sich der Song aber wunderbar ein. Er folgt dem kleinen Jig "Give my love to London", Faithfulls fröhlicher Hommage an London. Auf "True Lies" hört man eine unglaublich energiegeladene Sängerin, bevor es bei "Love more or less" folkig akustisch wird. Ruhig bleibt es auch bei dem von Nick Cave geschriebenen "Late Victorian Holocaust". Ein absolutes Highlight ist das von Faithfull getextete "Mother Wolf", bei dem man beim Refrain schon fast denken könnte, hier wollte jemand einen Hit komponieren. Es ist aber vor allem der Text, der dieses Lied prägt und zu einem ihrer besten macht!
Einzig "Going Home" - so interessant ich es auch finde, dass Faithfull keine Klassiker covert, sondern stattdessen ein Lied von Leonard Cohens 2012er Platte "Old Ideas" auswählt - ist textlich zu sehr an Cohen gebunden, musikalisch wurde es dafür aber umso rührender umgesetzt, mit Brian Eno im Backgroundchor.

"Give my Love to London" ist vielleicht Marianne Faithfulls bestes Album dieses Jahrtausends, es ist nicht überladen, es nimmt sich nicht zu wichtig, ich finde keine ernsthaften Kritikpunkte!


World Peace Is None of Your Business (Deluxe Edition)
World Peace Is None of Your Business (Deluxe Edition)
Preis: EUR 21,78

3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Oboe Concerto, 13. September 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein Hardcore-Fan von Morrissey bin ich sicherlich nicht, viele seiner Lieder finde ich sogar ein bisschen langweilig, ihn als Menschen und Künstler hingegen ziemlich interessant und Lieder wie "You have killed me", "Let me kiss you", "Alma matters" oder "Interlude" sogar absolut verehrenswert. Ein wirklich innovatives Werk habe ich von Morrissey nicht erwartet, schließlich hat sich sein Sound im Laufe der 25jährigen Solokarriere doch nur geringfügig geändert. Mal war ein Album melodischer (Vauxhall and I), mal einen Tick rockiger (Years of Refusal), aber insgesamt ist das Gesamtwerk doch ziemlich homogen.

Und so bleibt sich Morrissey auch auf "World Peace is none of your business" treu. Der Titelsong überzeugt durch den Mix von süßlicher Musik und ziemlich wütendem Text. "I'm not a man" ist meiner Meinung nach das Highlight des Albums, er vertont seine Ansichten hier sehr überzeugend und vor allem mit einer fantastischen Melodie. Die 6 Minuten vergehen ziemlich schnell, kein Ton ist überflüssig. "Istanbul" war wohl Morrisseys erste Wahl für eine Vorab-Single, den Song finde ich eher durchschnittlich, ebenso wie "Earth is the loneliest planet". Ab und an kommen Flamencoklänge durch, die wohl Gustavo Manzur beigesteuert hat. Das hat inmitten des typischen Morrissey-Rocksounds schon eine sehr erfrischende Wirkung.

So richtig erfrischend sind dann die Lieder "Staircase at the University" und "Kiss me a lot", meiner Meinung nach die Lieder mit dem größten Hit-Potenzial auf dem Album. (Und einen richtigen Hit hätte Morrissey langsam auch mal wieder verdient!) Etwas ruhiger wird es zum Ende hin, auf "Smiler with Knife" leider sogar ein bisschen langweilig, mit "Oboe Concerto" aber nochmal wirklich schön, tatsächlich legt sich hier sogar ein Oboensolo auf die Rockband.

Dass Morrissey seine eigenen Vorstellung davon hat, wie dieses Album promotet werden soll (Videoclips, Werbespots etc.) kann man ihm nicht verübeln. Dass Harvest Records seinen Wünschen nicht entsprechen wollte, obwohl Morrissey durchaus eine kleine Geldquelle sein könnte, spricht wohl für die strauchelnde Plattenindustrie, unter der wirklich selbstbestimmte Künstler wohl am meisten leiden dürften.
Das Album jedenfalls verdient es, angehört und auch gekauft zu werden. Es ist keine Offenbarung, keine Neuerfindung des Rades, aber ein richtig gutes Morrissey-Album.


Wonderland 2014
Wonderland 2014
Wird angeboten von -uniqueplace-
Preis: EUR 21,93

4.0 von 5 Sternen Sa Dingding vs. Conrank, 25. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Wonderland 2014 (Audio CD)
Sa Dingding hat mit ihrem ersten Album "Alive" für viel Aufsehen gesorgt, weil sie traditionelle Elemente aus verscheidenen Kulturen mit modernen Elektroklängen gemischt hat. Ihr zweites Album "Harmony" wurde dann von Marius DeVries produziert, hatte dadurch etwas mehr europäische Elemente und wurde - etwas zu Unrecht - als zu kommerziell abgestempelt. "The Coming Ones" wurde dann in zwei völlig verschiedenen Fassungen veröffentlicht, als CD in Deutschland leider überhaupt nicht. Die chinesische Fassung, die zunächst erschien, ging stilistisch wieder etwas in Richtung ihres Debüts, auch wenn eine Klavierballade und ein Popsong dabei waren, die nicht mehr viel vom interessanten Crossover hatten. Die "internationale" Fassung, in Deutschland immerhin als Download veröffentlicht, kam dann sehr viel reduzierter daher und wurde von Ross Cullum neu produziert.

"Wonderland" wurde nun zunächst nur in China veröffentlicht. Es bietet 9 Remixe (5 aus "Harmony", 4 aus "The Coming Ones") des chinesischen DJs Conrank, die chinesische Fassung des Goldfrapp-Songs "Thea" sowie den Song "Peacock", der nur auf der internationalen Version von "The Coming Ones" enthalten war.
Die Remixe sind wahrhaftig nicht schlecht, sie erhalten die Grundstruktur der Originale und verändern an der Gesangslinie im Grunde fast gar nichts. Die Musik lässt sich wohl am ehesten als Trip Hop beschreiben, das passt wirklich gut zu Sa Dingdings Stimme, hat aber nun wirklich gar nichts mehr mit dem Stilmix des Debütalbums zu tun, dessen sollte man sich bewusst sein. Interessant wäre es sicher auch gewesen, ein paar weitere Produzenten für Remixproduktionen heranzuziehen.
Mitten zwischen den Remixen ist dann zunächst das sehr ruhige, aber auch sehr schöne "Peacock" eingestreut, gefolgt vom Goldfrapp-Song "Thea", das sich wirklich gut einfügt. Sa Dingding hat hier den Backing Track ohne Veränderung von Goldfrapp übernommen, allein durch ihre Stimme erhält der Song einen fremdartigen Anstrich.

Insgesamt ist dieses Album wirklich gut und interessant. Wer aber traditionelle chinesische Instrumente erwartet, wird sicher enttäuscht sein. Wer gut gemachten Trip Hop mit der fantastischen Stimme von Sa Dingding erwartet, wird völlig zufrieden sein. Etwas interessanter dürfte das nächste Album dieser Künstlerin aber dennoch gerne ausfallen.


Gefühl On The Rocks
Gefühl On The Rocks
Preis: EUR 10,99

3.0 von 5 Sternen Endlich ein neues Album von Lou!, 13. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Gefühl On The Rocks (Audio CD)
"Gefühl on the Rocks" ist Lous viertes Soloalbum - und ihr Gesamtwerk könnte heterogener nicht sein. "For You" aus dem Jahr 2003 wurde von Ralph Siegel produziert und enthielt einige potenzielle Eurovisionslieder: Hymnen, Partysongs, Balladen, alle sehr unterhaltsam produziert, leider aber oft mit etwas plumpen Beats, von denen sich Ralph Siegel bis heute nicht ganz lösen konnte. 2004 folgte ein perfekt produziertes deutschsprachiges Album, "Ich will leben", bei dem alles stimmte - nur beworben wurde es kaum, die Promo-Singles waren auch nicht die radiotauglichsten. Danach dauerte es ganze 5 Jahre, bis 2009 schließlich eine Promo-Single mit dem Titel "Im Labyrinth der Liebe" auftauchte und bei einer Radiosendung auch "Dein Bild in meinem Portmonnaie" und "Heut Nacht oder nie" vorgestellt wurden. Eine offizielle Veröffentlichung gab es nicht, stattdessen erfüllte sich Lou den Herzenswunsch, alte Schlager aufzunehmen, die 2011 als Album "Blaue Nacht" veröffentlicht wurden. So sehr man ihr den Spaß beim Singen auch anhört, billigste Keyboardbeats vermiesten den Hörgenuss bei fast allen Liedern. Mit dem aufs Wesentliche reduzierten "Schau mich bitte nicht so an" (La vie en rose) enthielt aber auch dieses Album ein Highlight ihrer Karriere.
Schließlich wurde im Jahr 2013 dann doch noch einmal "Im Labyrinth der Liebe" als Single veröffentlicht - und erfreulicherweise wurde die Version von 2009 völlig neu produziert und klang sehr angenehm. Auch die neue Version von "Heut Nacht oder nie" (der erste von Lou komplett selbstgeschriebene Titel!) wurde im Vergleich zu der 2012 im ARD vorgestellten Version völlig überarbeitet und als zweite Single veröffentlicht. Hört man sich nun das ganze Album an, so gewinnt man den Eindruck von einem gelungenen Schlageralbum, das wirklich liebevoll produziert wurde. Ein paar Schwächen weist es dann aber doch auf, so sind zum Beispiel die Strophen von "Lüg mich nicht an" viel stärker als der Refrain und "So ein Mann" wird dem Original der unvergessenen Margot Werner nicht gerecht.
Schön sind dagegen das starke "Gefühl on the Rocks", das niedliche "Alles Geld dieser Welt" und das swingende "Greif nicht nach den Sternen". Auch "Dankeschön" aus dem Album "Ich will leben" klingt in seiner neuen Version keinesfalls schlechter als das Original.
Bis hierhin sieht es eigentlich nach 4 Sternen aus, allerdings muss ich einen Stern dafür abziehen, dass die CD kein Booklet hat, sondern lediglich ein wenig informatives einseitiges Inlay und dass sie mit 10 Liedern und weniger als 33 Minuten Spielzeit deutlich zu kurz ist. Trotzdem finde ich, dass Lou auf dem richtigen Weg ist und wünsche ihr, dass sie ein weiteres Album aufnimmt, bei dem sie vielleicht noch mehr Lieder selbst schreibt. Bei dem günstigen Preis auf jeden Fall eine Kaufempfehlung von mir!


Take Me to the Land of Hell
Take Me to the Land of Hell
Wird angeboten von Fulfillment Express
Preis: EUR 18,88

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bad Singer... with no regrets!, 23. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Take Me to the Land of Hell (Audio CD)
Ich gebe zu, ich mag Yoko Ono und ihre Musik. Ich kann ihren experimentellen Schrei-Gebilden wie "Mind Train", ihren anrührenden, wenn auch etwas schräg gesungenen Balladen wie "Mrs. Lennon", ihren jazzigeren Nummern wie "Goodbye Sadness" und "Will you touch me", aber auch ihren fast schon trashigen Popsongs auf "Starpeace" etwas abgewinnen.
Seit 1995 und dem Album "Rising" mischt ihr Sohn mit - und, das muss man zugeben, die Qualität ihrer Musik hängt immer zu einem Großteil von ihren Mitmusikern ab. Ein Talent zum Songschreiben kann man ihr nicht absprechen (wie fantastisch "I love you Earth" oder "Toyboat" eigentlich sind, bemerkt man vielleicht erst, wenn Antony von Antony & the Johnsons sie veredelt) - aber ich wage zu bezweifeln, dass ihre Musik bestehen könnte, wenn Yoko sie allein am Klavier vortragen würde.

Dieses Album ist nun das interessanteste, abwechslungsreichste und dennoch irgendwie homogenste Album ihrer Karriere. Dass ihr das mit 80 Jahren gelingt ist erstaunlich, hört man der Platte aber überhaupt nicht an. "Moonbeams" ist eine Klangcollage mit Elektroelementen, in der sie ordentlich schreit und stöhnt, auf "Cheshire Cat" mischt Lenny Kravitz mit, ein typischer, lyrischer Yoko-Rocksong. Dann aber wird es großartig: Tune-Yards versehen "Tabetai" mit einer markanten Basslinie, einem Haufen Percussion, der von dezent bis bombastisch reicht und pusten in Glasflaschen. Dass das Lied in seiner Gesangslinie eigentlich über kaum Melodie verfügt, fällt dabei eigentlich gar nicht auf. Es ist der eindringlichste Song des Albums.

"Bad Dancer" knüpft ein bisschen an die Ono-Songs an, die in den letzten Jahren immer wieder die Nr. 1 der US-Club-Charts erreichen konnten. Auf dem Schlaflied "Little Boy Blue" kehren Tune-Yards zurück und machen ihn mit ähnlichen Mitteln zum zweiten Highlight auf dem Album. "There's no Goodbye between us" ist ein älterer Song, eine Demoversion tauchte in den Neunzigern auf. Sean Lennon macht ihn zu einem zeitgemäßen Popsong. Schlagzeuger und DJ Questlove gibt dem Avantgarde-Gedicht "7th Floor" einen coolen Touch und macht ihn eigentlich erst zu Musik. Für mich das dritte Highlight, dem man jedoch mehr Zeit geben muss, um sich zu entfalten.

Der nächste Popsong heißt "New York Noodle Town", hier klingt Yokos Stimme angenehm wie selten, fast könnte man von Radiotauglichkeit sprechen. Ein nächstes Highlight ist die Klavierballade "Take me to the land of hell" - Sean Lennons Klavierspiel verschmilzt mit Cello und dezenten weiteren Klangelementen, eine enorme Steigerung zum Ende. Hätte Antony Hegarty den Song gesungen, wäre er von Kritikern vielleicht zum Song des Jahres gekürt worden, Yokos Stimme geht dagegen vielen nicht so angenehm ins Ohr. Die zweite Klavierballade "Watching the Dawn" ist melodisch nicht ganz so stark und lebt vom bezaubernden Streicherarrangement. "Leaving Tim" führt auf einmal zurück zu swingenden Songs wie "Yes, I'm your angel" oder "Will you touch me", sehr niedlich, hätte vielleicht etwas mehr Bass vertragen können.
Schließlich folgt mit "Shine, Shine" der rockigste Song, eine Schrei-Stöhn-Gedichtfragment-Collage. Das hat etwas Cooles, ist aber insgesamt kein ganz würdiger Abschluss für dieses großartige Album.

Vergleiche zu John Lennon, den Beatles oder gar Paul McCartney erscheinen mir unnötig, einzuordnen ist diese Platte vielleicht irgendwo zwischen Björk, Nina Hagen und Toyah, deren jüngste Werke sie jedoch allesamt um Längen schlägt. Ich hoffe sehr auf eine weitere Platte mit der Unterstützung von Tune-Yards, Questlove und Sean Lennon.


Vauxhall and I(20th Anniversary Definitive Master)
Vauxhall and I(20th Anniversary Definitive Master)
Preis: EUR 12,99

3 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen 20th Anniversary Edition, 5. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Diese Rezension bezieht sich auf die 20th Anniversary Definitive Master Ausgabe.

Morrissey entdecke ich so nach und nach, mit den "Greatest Hits" ging es los, danach folgten erst die Spätwerke und nun allmählich die Alben aus den 90er Jahren, die es ja alle in mindestens zwei Fassungen gibt.
"Vauxhall and I" wird zurecht als eines von Morrisseys besten Alben angesehen. Ich denke, man muss seine Stimme und den typischen Rocksound mögen, dann sollte einem dieses Album dank sehr guter Melodien gut gefallen.

Von der gerade veröffentlichten 20th Aniversary Definitve Master war ich bereits leicht geschockt, als ich das Album aus dem Briefumschlag nahm: ein völlig verpixeltes Front-Cover und auf der Rückseite nur die Tracklist des Albums, nicht aber von der Bonus-CD vermerkt. Nun gut, wird im Booklet stehen, oder?
Nein, ein Booklet gibt es hier nicht. Sowohl die Tracklist der Live-CD als auch die Songwriting-Credits beider CDs befinden sich... nun ja... auf der CD, also auf dem Label. Das Innere des Digipacks, das beim Auf-den-Tisch-Liegen stets im 45°-Winkel geöffnet bleibt und sich auch nicht so recht ins CD-Regal einfügen möchte, zeigt lediglich einen auf Bahnschienen liegenden Morrissey.

Ich denke, dass es wohl ein Einzelfall ist, aber die zweite CD war bereits beim ersten Herausnehmen mit einem langen Kratzer versehen. An sich ist das Digipack immerhin nach außen geöffnet, sodass solche Kratzer eigentlich vermeidbar wären.
Sehr schade, ich denke, ich werde die CD wohl zurückschicken.

Kaufempfehlung (und deswegen die gnädigen 2 Sterne) nur an Leute, denen es ausschließlich um die Musik geht und aus irgendwelchen Gründen trotzdem nicht gerne auf Downloads zurückgreifen.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 7, 2014 5:36 PM MEST


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