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Rezensionen verfasst von
Laruku

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Coco Lavie: Nachtschattenherz
Coco Lavie: Nachtschattenherz
Preis: EUR 3,99

5.0 von 5 Sternen Mitgefiebert bis zum Schluss!, 8. Februar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Es ist passiert. Nichts wird es ändern. Es gibt dafür keine falschen Worte und auch keine richtigen. Vielleicht gibt es einfach keine."
Kapitel 6

Zu Beginn war ich nahezu enttäuscht!
Ich habe das erste Buch verschlungen und war so froh, dass ich es erst entdeckt hatte, als die Fortsetzung schon vorhanden war, sodass ich nahtlos anknüpfen konnte. Die Liebesgeschichte erschien mir wie ein Schmetterling, der sich im ersten Buch ganz langsam und unter großer Anstrengung aus seinem Kokon befreit hatte und gegen Ende mit ausgebreiteten Flügeln ruhte, bereit zu seinem ersten Flug. Und ich war so verliebt in seine Farbenpracht, dass ich es kaum erwarten konnte, ihn fliegen zu sehen. Ich begann also voller Freude, 'Nachtschattenherz' zu lesen - und wurde erst einmal ausgebremst. Der Schmetterling hatte seine Flügel zugeklappt und ich konnte nur sein schwarzes Profil sehen - für einen Flug gab es keinerlei Anzeichen. Das musste ich wirklich erst einmal schlucken. Nachdem ich das dann verdaut hatte kam ich nur träge in den Verlauf hinein und war einfach unzufrieden mit der Entwicklung. Nein, so hatte ich mir das Ganze sicher nicht vorgestellt!
Ich beschreibe die Geschichte absichtlich nur vage und in Bildern, denn ich möchte hier in meiner Rezension nichts darüber verraten. Ich habe selbst einige Rezensionen gelesen und sie haben mir - leider, leider, leider! - durch ihre Andeutungen zu viel über die Geschichte verraten. Plötzliche Wendungen haben mich daher nicht unerwartet getroffen und Überraschungen nahm ich mit einem Nicken hin - ich hatte es mir ja bereits gedacht. Selten, dass ich trotz weniger Rezensionen so viel im Vornherein wusste - und das ist so schade! Punktabzug gibt es dafür natürlich nicht, schließlich kann ich das nicht der Autorin anrechnen.
Ab der Hälfte des Buchs war ich dann aber wieder ganz dabei (und mein Schmetterling auch!) und habe das Buch nur ungerne beiseite gelegt. Dass der Einstieg so lange gedauert hat liegt aber vielleicht eher an mir als an der Geschichte. Ich hatte mir alles anders ausgemalt und musste dann mit dem Geschriebenen mitziehen, weg von meiner eigenen Vorstellung. Aber auch hier kann ich keinen Punktabzug geben. Letztlich macht die Geschichte und ihre Entwicklung zu jeder Zeit Sinn, das kann ich einfach nicht leugnen. Und es ist Uta Maiers Geschichte, nicht meine! Es spricht für die Autorin, dass ich erst einmal enttäuscht war. Meist bin ich ein gnädiger und braver Leser, ich bin offen für alles und folge der Geschichte. In diesem Fall war ich so in die Welt von Coco und Co. eingetaucht, dass ich gar nicht anders konnte, als mir alles auszumalen - ich war Teil der Geschichte! Und für dieses Leseerlebnis bin ich unglaublich dankbar!

Der Schreibstil ist das Schönste an dem ganzen Buch! Trotz (für mich) schwierigem Einstieg flogen die Kapitel nur so dahin, ich habe die Worte und die bildhaften Beschreibungen nahezu in mich aufgesaugt. Selten wurde ich so mitgerissen und hatte so eine herzliche Freude beim Lesen. Ich habe auch im zweiten Teil wieder mit Coco gelitten, gebetet, geliebt und gehasst (zumindest wollte ich letzteres tun).

Die Entwicklung der Charaktere war vorhanden, aber nicht ganz so stark, wie ich sie mir erhofft hatte.
Coco hat Angst. Immer. Okay, wenn ich in ihrer Haut stecken würde ginge es mir genauso. Aber manchmal konnte ich ihre Schwäche und ihr Selbstmitleid kaum noch ertragen. Jaja, sie hat Angst. Das habe ich irgendwann wirklich begriffen. Aber auch diese stetigen Beschreibungen lassen nach der ersten Hälfte nach, letztendlich jedoch, weil das Trauma so groß wird, dass sie sich gefühlsmäßig quasi ausklinkt. Ach, aber Angst hat sie immer noch (wer das jetzt liest und genervt ist: ich überziehe es bewusst, denn wer nach 3x schon die Augen verdreht muss damit rechnen, im Laufe des Buchs wütendes Schnauben nicht unterdrücken zu können!) Ich will mit dieser Ironie das Buch ganz sicher nicht in den Dreck ziehen - ich liebe es! - aber es war wirklich etwas anstrengend. Ich glaube, Coco musste in dem Buch einfach zu viel ertragen, als dass ihr Charakter sich wirklich hätte entwickeln können. Letztlich erscheint mir also auch das wieder sinnvoll. Aber ein bisschen mehr Hoffnung und Glanz wäre doch schön gewesen.
Damontez erschien mir nicht mehr ganz so stark, alles in ihm war auf Coco ausgerichtet. Das hat mein Herz erfreut, meinem Verstand dennoch etwas gereizt. Er möchte Coco vor jeden Gefahr schützen, ungeachtet seiner selbst. Es macht in der Geschichte Sinn, sorgte aber dafür, dass er in meinen Augen verweichlichte und sein Charme etwas verloren ging. Aber hach, da ist ja noch Remo!
Remo konnte ich einfach nicht hassen... er war mies, brutal und gewalttätig, letztlich jedoch nur ein Opfer seiner selbst. Ich hatte gegen Ende fast Mitleid mit ihm (und wollte Coco nur zu gerne von meinen Gefühlen überzeugen), was nahezu paradox war. Seine Entwicklung empfand ich daher als wirklich gelungen!
Pontus mag ich einfach nicht. Heute hü, morgen ho, das ist seine Art. Ich kann sein Verhalten (sowohl damals als auch heute) nicht wirklich nachvollziehen, es ist der einzige Charakter, den mir die Autorin nicht wirklich ans Herz legen konnte.

Das Ende finde ich wirklich gut. Es ist nicht so, wie man es zu Beginn erwarten würde, für mich jedoch zufriedenstellend. Manches bleibt offen, ich persönlich mag das aber, denn so bleibt noch einiges an Freiraum für meine eigene Fantasie.

Fazit:
Ich habe wirklich lange darüber nachgedacht, welche Bewertung ich gebe. Es gab ein paar Dinge, die mir nicht so gefallen haben, aber darüber kann ich leicht hinweg sehen. Das Geflecht aus Leseerlebnis, fantastischem Schreibstil und der Geschichte lässt letztlich ein so schönes Bild in mir zurück, dass ich einfach nicht anders kann: 5 Sterne und die Hoffnung auf weitere wunderbare Bücher von Uta Maier!


Coco Lavie: Spiegelblut
Coco Lavie: Spiegelblut
Preis: EUR 2,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Endlich mal anders!, 26. Januar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Coco Lavie: Spiegelblut (Kindle Edition)
Lange habe ich um Vampirromane einen weiten Bogen gemacht.
Nicht, weil sie mir nicht gefallen - Vampire waren in meinen Augen schon immer die faszinierendsten fantastischen Wesen -, sondern weil die Geschichten mich irgendwann langweilten. Immer wieder die selbe Liebesgeschichte: Die Qual des Vampirs, weil er ist, was er ist und er die Menschen verletzen und sogar töten könnte. Ein Mensch, der alle Ängste über Bord wirft und blind vertraut. Und letztlich eine erfüllte Liebe (die Rollen klar verteilt: der Beschützer und die Zerbrechliche) - meist mit dem Ergebnis, dass auch der Mensch unsterblich wird. Das ganze dann in eine schöne Geschichten gepackt - et voilà. Trotz unterschiedlicher Rahmenbedingungen wird doch immer wieder das Gleiche erzählt (mit wenigen Ausnahmen). Irgendwann verliert das den Reiz.
Es ist der Möglichkeit der Leseproben zu verdanken, dass ich diesem Buch dann eine Chance gab. Und ich muss sagen: Gott sei Dank! Selten habe ich so eine schön verpackte Geschichte erlebt und die Verzweiflung, Ängste und Gefahren dabei selbst gespürt! Ich hatte Herzrasen, habe gelacht und gebetet und selbst wenn ich das Buch einmal aus der Hand legen musste ständig daran denken müssen. Ich musste und konnte gar nicht anders, als jede freie Minute mit dieser Geschichte zu verbringen!

Woran es lag? Nicht zuletzt an dem wunderbaren und verzaubernden Schreibstil! Die Sätze fließen ineinander über und die Beschreibungen sind so ausführlich, dass man selbst in die Umgebung eintaucht. Dabei sind diese jedoch so geschickt platziert und geführt, dass sich das Buch nicht darin verliert.
Cocos besondere Sinne ermöglichen dabei ein ganz neues Leseerlebnis! Sie schmeckt Geräusche, hört Farben oder sieht Gefühle. Eine wunderbare Art, um viele Erlebnisse auf neue und verlockende Weise darzustellen. Es macht die Geschichte greifbarer und realer, als sie eigentlich sein könnte. Durch die vielen Eindrücke kann man sich dem Charme einfach nicht entziehen.
Die Geschichte wird von Coco erzählt. Dabei gibt es ein paar spärlich gesäte Kapitel aus der Sicht eines Vampirs. Diese vermitteln dem Leser ein Wissen, dass die Geschehnisse verständlicher macht - allerdings auch einige vorweg nehmen. So hat man zeitweise mehr Wissen als Coco und wünscht sich dann sehnlichst, dass sie endlich auch die richtigen Schlüsse zieht. Ich persönlich wäre lieber kontinuierlich bei Coco geblieben und hätte die Wahrheit mit ihr herausgefunden, letztlich glaube ich aber, dass dieses Mittel dem Leser ein besseres Verständnis für die Vampire geben soll - mit Erfolg.
Die Geschichte ist zu komplex, um sie hier kurz und ohne Spoiler zusammenzufassen, der Klappentext fasst das nötigste gut zusammen. Es gibt viel, was man aus der Welt der Vampire und ihrer Vergangenheit erfährt, manchmal etwas zu kompakt. So konnte ich nicht immer alles aufnehmen und bin manchmal über Namen oder Bezüge darauf gestolpert. Aber als würde die Autorin damit rechnen webt sie genau an diesen Punkten ein kurzes (und nicht penetrantes) Stichwort ein, sodass man sich dann mit diesem 'Pseudowissen' zufrieden geben kann.
Spannung gibt es durchweg, manchmal erschienen mir die kurzen ruhigeren Momente fast zu kurz. Man kann nur kurz durchatmen, schon wird man wieder in neue Geschehnisse mitgerissen und bangt verzweifelt mit.

Die Charaktere sind liebevoll ausgearbeitet, wenn auch vielleicht nicht wirklich neu. Aber wen stört das, wenn sie einen dennoch begeistern.
Coco ist eine Außenseiterin, geprägt durch schreckliche Dinge, die sie erlebt hat. Demnach erträgt sie das Leid, dass sie erfährt tapfer und mit einer Sturheit, die ihr manchmal zum Verhängnis wird. Sie kann Leid ertragen, lässt es aber nicht still über sich ergehen. Manches Mal hätte ich mir gewünscht, dass sie ihr Schicksal etwas aktiver gestaltet, denn abgesehen von ihrem Protest schreitet sie doch wenig ein (und ab der Hälfte des Buches habe ich sie gedanklich förmlich angeschrien, ihr Geheimnis endlich Preis zu geben). Aber man vergibt ihr bereitwillig, denn wie oben beschrieben hat man ein Wissen, das sie erst noch herausfinden muss. Ich bin gespannt, ob sie im zweiten Buch in der Lage ist, ihre Schutzmauer fallen zu lassen und aus ihrer Opferrolle herauskommt!
Damontez ist auf den ersten Blick bösartig, natürlich aber nur auf den ersten Blick. Dennoch hat er dauerhaft diese typische Vampiraura, ist unnahbar und mächtig. Aber schnell verliert er seinen Schrecken und bleibt ein fantastisch mystischer Charakter, dem man auch als Leser sein Leid abnehmen möchte. Seine Verzweiflung und Qualen machen ihn verletzlich, seine Art all dies zu ertragen dann einfach nur zu einem starken Charakter.

Das klingt dann doch alles nach dem, was mich an Vampirgeschichten nicht mehr reizt? Definitiv! Coco ist schwach und wird von Damontez beschützt - das ist nichts neues! Aber es ist in eine wunderbare Geschichte verpackt, die mich von der ersten Seite an in ihren Bann zog und die so anders ist, als ich es kenne. Kein Vampir wirkt so, als wäre er in seiner Rolle als Blutsauger unzufrieden, das wird eigentlich gar nicht thematisiert. Ja, es wird ihr Blut getrunken und ja, sie stirbt fast daran - aber davon lebt die Geschichte nicht! Die Unsterblichkeit und Gefahr der Vampire ist nicht das vorrangige Thema - es geht um einen Fluch, den nur Coco brechen kann und diese Gabe bringt sie ihn Gefahr. Eine Gefahr, vor der Damentoz sie beschützen will und sie ihr doch unweigerlich in die Arme treibt. Das selbe Prinzip, doch endlich mal wieder in einer wunderschönen und neuartigen Verpackung!

Ich freue mich schon jetzt, gleich in Teil 2 versinken zu dürfen und es graut mich gleichzeitig davor, zu wissen, dass die Geschichte dann schon ein Ende nehmen wird!

FAZIT:
Wäre ich ein Spiegelblut, dann hätte mich das Buch in den Rauch eines Lagerfeuers gehüllt, meine Sicht blutrot getränkt und wäre zugleich ein tragisches Violinenspiel - mit einem Nachgeschmack, der an Zartbitterschokolade erinnert, die noch immer leicht auf meiner Zunge zergeht.
Danke Uta Maier! Danke für ein wunderschönes Leseerlebnis!


Starters: Roman (Starters-Enders 1)
Starters: Roman (Starters-Enders 1)
von Lissa Price
  Gebundene Ausgabe

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Verschenktes Potential, 19. Juni 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Callies Welt ist düster.
Nach einem Biokrieg sind alle Menschen zwischen 20 bis ca.70 ausgelöscht. Es gibt also nur noch sehr junge (Starters) und alte (Enders) Menschen. Durch moderne Medizin können die Menschen locker 150 -200 Jahre alt werden. Diese Generation ist auch die Führende, denn Enders können weiterhin arbeiten und ihre Berufe ausüben. Das Interesse an den Starters ist daher gering, insbesonders an denen, die kein Familienteil vorweisen können, welches in die Klasse der Enders gehört.
Callie ist in solch einer Situation. Sie ist gezwungen, mit ihrem siebenjährigen Bruder Taylor auf der Strasse zu leben und sich das nötige Essen aus Mülltonnen zu klauen, dabei ständig die Angst im Nacken, geschnappt zu werden und in einem der unzähligen Heimen untergebracht zu werden, wo die Zwangsarbeit auf sie wartet. Doch dann offenbart sich ihr eine Chance bei Prime Destinations unter Vertrag zu kommen. Sie muss dafür nur folgendes tun: Für drei Sitzungen schlüpft ein Ender in ihre Haut und übernimmt ihren Körper um wieder den Glanz der Jugend zu erleben. In der dritten Sitzung geschieht jedoch das unmögliche, Callie wacht frühzeitig in ihrem Körper auf, die Stimme der Ender in ihrem Kopf, die eigentlich noch in ihrem Körper sein soll. Und diese macht ihr mit angsterfüllter Stimme klar, dass sie auf keinen Fall zurück zu ihrem Arbeitgeber gehen darf, denn dort würde sie der sichere Tod erwarten.

Auf der Suche nach einer weiteren Dystopie bin ich unweigerlich auf dieses Buch gestoßen und war ganz gespannt auf die Welt, die ich mir wirklich grauenerregend vorgestellt habe. Aber hier fängt meine Kritik an diesem Buch auch schon an: Mal abgesehen von den ersten paar Seiten erlebt man kaum etwas von den grauenvollen Auswirkungen des Krieges. Man wird erst einmal in Callies Straßenleben eingeführt, welches von Hunger und Dreck geprägt ist. Man erfährt, wir schwer sie es hat zu überleben. Doch sobald sie in ihrem gemieteten Körper erwacht ist die Welt eine ganz andere. Die Enders, die man hier kennen lernt. sind alle reich und können mit ihrem Geld gerade so um sich werfen. Die Welt ist bunt und Callie stehen alle Türen offen. Die Probleme drehen sich ab diesem Punkt nur noch um Prime Destinations, nicht mehr um die Fehler dieser zukünftigen Welt. Sehr schade, denn irgendwie macht das doch den Charme einer Dystopie aus.
Traurig ist dabei, dass man soviel Potential vorgesetzt bekommt, das dann aber einfach nicht genutzt wird. Ich kann ja verstehen, dass Callie bei ihrem Leben auf der Straße nicht viel von der politischen Situation erfährt, dennoch kann ich über diverse Mängel nicht hinwegsehen. Man erfährt zum Beispiel, dass Amerika aus Angst vor der Krankheit komplett von dem Rest der Welt abgeschottet ist (Mexiko hat sogar eine Mauer entlang der ganzen Grenze aufgebaut). Wie aber schafft es dann Amerika, den Luxus der Enders aufrecht zu erhalten? Die heutige Welt lebt doch von Import und Export (und das ist auch im geliebten Amerika so). Dazu fällt kein Wort. Oder ein ganz entscheidender Punkt: In wenigen Sätzen kriegt man erzählt, dass der Impfstoff gegen die Sporenkrankheit, den wegen hoher Anfälligkeit erstmal Jung und Alt erhalten hat, Unfruchtbarkeit als Nebenwirkung hat. Davon scheinen alle Starters betroffen. Das war es dann aber auch schon wieder, was man darüber erfährt. Und dabei ist das doch wirklich eine Tatsache, die schreckliche Ausmaßen für die Menschheit bedeutet. Es wird zwar erwähnt, dass die Medizin es ermöglicht, dass die Enders immer älter werden können, aber dass man in Richtung der Fruchtbarkeit forscht wird nicht einmal bedacht. Ich kann mir bei weitem nicht vorstellen, dass soetwas existieren kann. Das Weiterleben der Menschheit ist auch heute schon ein wichtiger Punkt in unserer Gesellschaft, es entzieht sich meiner Vorstellung, dass man so eine Tatsache einfach fallen lassen kann. Man will doch sicher die Sterilität wieder aufheben, um die Existenz der Menschheit zu gewährleisten, anstatt sie nur einfach weiter leben zu lassen. Ich könnte hier leider unzählige solcher wunderbaren dystopischen Ideen aufzählen, die einfach mal erwähnt und dann nie wieder aufgegriffen werden - leider!

Der Schreibstil entspricht leider auch nicht meinem Geschmack. Es liest sich leicht, es gibt kurze Sätze und kaum Fremdwörter. Man entwickelt dabei aber das Gefühl, das Callie, die in der Ich-Perspektive die Geschichte erzählt, das Nivaeu einer Zwölfjährigen besitzt, ihre 16 Lebensjahre kauft man ihr kaum ab. Dabei hat sie 15 Jahre lang behütet gelebt und eine angemessene Erziehung genossen. Hätte sie sich nur auf der Straße aufgehalten könnte ich das ja verstehen, so finde ich das Ganze einfach abschreckend.
Lissa Price verschwendet kaum Worte, um die Umgebung zu beschreiben, meist pickt sie sich nur einzelne Gegenstände heraus, die kurz erklärt werden. Ich mag es ja, wenn man beim Lesen seine eigene Fantasie einbauen kann, aber selbst dafür erhält man zu wenig Anhaltspunkte. Soll man sich denn als Leser die Welt komplett selbst gestalten? Und leider beschränkt sich das nicht nur auf die Umgebung, auch die Erlebnisse werden nur ungenügend erzählt. So findet man beim ersten Date zwischen Callie und Blake folgenden Satz: 'Wir saßen lange in der Sonne, unterhielten uns und lernten uns besser kennen.' (S. 123), eingerahmt mit belanglosen Gesprächen. Was soll das denn? Ich möchte wissen, wie sie sich kennen lernen, annähern und was sie an ihm schätzt. Das reicht mir nicht aus um eine vernünftige Beziehung zwischen zwei Charakteren zu akzeptieren. Enttäuschend!
Begleitet wird das Ganze mit immer wieder auftretenden (wenn auch kleinen) Sinnfehlern. So wird zum Beispiel ein Handy ausgeschaltet, dann aber doch ein Anruf empfangen (innerhalb eines Absatzes!). Oder die Tatsache, dass Blakes Sonnenbrille als Barriere bezeichnet wird, sie dann aber den Ausdruck seiner Augen deuten kann - eine durchsichtige Sonnenbrille stellt meiner Meinung nach keine Distanz auf. Einzelne Fehler kann man verzeihen, wenn man sie aber stetig antrifft wird es dann doch etwas frustrierend.

Kommen wir noch zu den Charakteren...
Callie, die den Leser ja mit ihrer Ich-Erzählung am meisten über sich preis gibt, scheint mir ein emotionsloses Frack zu sein. Denn wenn sie eins kaum zeigt, dann sind das Gefühle. Sicher, sie liebt ihren Bruder, aber auch das deutet sich nur an, weil sie ständig an ihn denkt und ihn gerne in ihre Arme schließt, wenn sie ihn sieht. Nie werden irgendwelche Emotionen ausgesprochen, nicht einmal angedeutet. Sie wird geschlagen und berichtet nicht über Schmerz, sie wird verfolgt und berichtet nicht über Angst, es wird einfach nur erzählt, was sie tut und dass sie dann froh ist, wenn es vorbei ist. So habe ich keinen Draht zu ihr aufgebaut und habe mich regelrecht distanziert gefühlt. Vielleicht wäre die Beobachtungsperspektive die bessere Wahl gewesen, dann hätte ich das verzeihen können. So ist mir Callie sehr unsympathisch und wirkt innerlich tot.
Die Nebencharaktere wirken alle blass. Fängt damit an, dass es nur gut und böse gibt. Will heißen: Den Bösen sieht man immer an, dass sie böse sind, entweder direkt oder in ihren Gesichtszügen. Die Guten sind alle herzallerliebst, lassen sich gerne von Callie auf ihre Seite ziehen und lieben sie sowieso auf den ersten Blick. So bleibt bei jeder neuen Begegnug ein fader Geschmack im Mund zurück - unrealistisch. Leider ist auch Blake, der ja hier für etwas Romatik sorgen soll, sehr schwach. Mal wieder einer, der bedingungslos der Hauptdarstellerin verfällt. Dann gibt es Hoffnung, dass es doch nicht so ist und am Ende muss man dann feststellen, dass es doch genau so ist. Ich finde es wirklich enttäuschend, dass man immer wieder lernen muss, dass die Hauptdarstellerinnen sich einfach alle Macken leisten darf, der Liebende verzeiht sowieso alles. Das ist nicht Stoff eines guten Buches.

Zuletzt noch etwas positives: Die Story. Sie ist der Grund, warum ich hier noch 2 Sterne vergebe. Sieht man mal übder die etwas schnulzige Beziehung hinweg sind die Geschehnisse wirklich gut. Das Buch hat keine Durststrecke und etwa ab der Mitte nimmt die Geschichte dann richtig an Fahrt auf, der Spannungsbogen steigt und steigt und wird dann im Finale voll ausgebaut. Es gibt Überraschungsmomente, die nicht wirklich vorhersehbar waren und Erlebnisse, die mich verblüfft haben. Die Geschichte kann wirklich punkten und macht Lust auf mehr. Auch wenn der Cliffhanger leider etwas vorhersehbar ist und die Spannung auf das nächste Buch etwas drückt muss ich sagen, dass ich es mal ganz angenehm finde, das erste Buch einer Reihe (hier einer Dilogie) auch mal als abgeschlossen hinnehmen zu können.

Fazit:
Viel Potential, das ungenützt zwischen den Zeilen versickert! Und dennoch ein spannendes Buch, das man in einem Rutsch durchlesen muss. Leider ist die Geschichte nicht alles, daher nur 2 Sterne. Ich hoffe auf Besserung in Band Zwei!


Dark Queen: Schwarze Seele, schneeweißes Herz
Dark Queen: Schwarze Seele, schneeweißes Herz
von Kimberly Derting
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

3.0 von 5 Sternen Nicht wirklich ausgereifte, aber faszinierende Idee, 18. Juni 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ludania ist ein Land, welches in Klassen unterteilt ist. Diese Klassenunterschiede sind strikt und zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass man in jeder Klasse eine andere Sprache spricht. Die höheren sprechen dabei auch die Sprachen der unteren Klassen. Es gibt viele Regeln, die die Klassen strikt auseinander trennen und jeder Verstoß wird schnell mit dem Tode bestraft, da die Führung des Landes - die Königin - eine wirklich bösartige Seite hat.
Charlaina - kurz Charlie - darf laut ihrer Klasse nur zwei Sprachen sprechen. Nicht leicht, wenn man ihre Gabe besitzt. Sie hat das Talent, jede Sprache zu verstehen, ob gelernt oder nicht. Eine Tatsache, die schnell ihren Tod bedeuten kann, wenn das Wissen darüber in falsche Hände gerät. Als Charlie Max kennen lernt, ahnt sie nicht, dass er ihr Können schon fast durchschaut hat und ihr Leben aus den Fugen geraten wird. Denn eine Widerstandstruppe will die Königin stürzen und Charlie gerät mitten in diesen Kampf.

Langweilig wird einem beim Lesen in diesem Buch auf keinen Fall. Die Seiten sind gut gefüllt mit Aktionen, die Geschehnisse reihen sich nahtlos aneinander und die Story wirkt dabei nicht überfüllt. Die Geschehnisse sind nachvollziehbar, ebenso wie die Entscheidungen, die Charlie trifft. Kombiniert mit dem angenehmen Schreibstil, der sich leicht und flüssig lesen lässt, scheint man das Buch schon als perfekt beschreiben zu können. Leider hakt es aber doch an einigen Ecken.

Die Welt ist für meinen Geschmack nicht wirklich ausgereift. So soll es sich in dem Buch um eine Dystopie handeln und einige Erzählungen lassen auch das Gefühl erscheinen, als spiele das Ganze auf der Erde. So wird erzählt, dass die Namen Neugeborener gerne aus alten Städtenamen gewählt werden (so heißt Charlies beste Freundin Brooklyn und ein anderes Mädchen Sydney). Jedoch gibt es nichts greifbares, was sonst noch auf unsere Welt hindeutet. So wird nicht erklärt, weshalb alle Länder durch Königinnen regiert werden und es dabei Pflicht ist, eine Frau zu sein. Wie hat sich solch eine Entwicklung zugetragen? Und wieso sollen die Länder dann auch alle fremde Namen haben? Das bedeutet letztendlich, dass unsere Welt und die Politik komplett zusammengebrochen sein muss - eine Tatsache, die nie erwähnt wird. Ein weiterer Aspekt ist, dass - wenn auch bedingt - Magie existiert. Das wäre ja irgendwie denkbar, aber erklärt wird es einfach nicht. Man wird in diese Welt hineingeworfen, was ich gut akzeptieren könnte, wenn es nicht auf der unsrigen basieren soll. Dafür ist der Mangel an Erklärungen einfach zu gross.
Dann das Klassensystem. Gut, Klassen sind denkbar, keine Frage. Aber wie haben sich die Sprachen entwickelt? Hat man die Leute in Abendkurse gesetzt und ihnen erklärt, was für Sprachen sie ab jetzt sprechen sollen? Das ist in der Entstehung einfach sehr fraglich und undenkbar. Und ich kann auch nur schwer die Tatsache akzeptieren, dass Sprachen solch eine Barriere schaffen können. Auch wenn man sie nicht von Kindesbeinen an lernt kann man durchaus auch durch Zuhören andere Sprachen erlernen. Oder eben heimlich. Nicht alle Menschen lassen sich einfach unterdrücken und es gibt immer welche, die versuchen zu rebellieren, in dieser Hinsicht wird jedoch nichts erzählt.

Die Geschichte wird aus Charlies Sicht erzählt, sodass man automatisch mit ihrer Art zu Denken verschmilzt. Sie war mir dabei wirklich sympathisch, zeitweise vielleicht etwas zu trotzig und vor allem naiv. Dennoch habe ich ihr ihre Entscheidungen gut abgekauft und fand ihre Entschlüsse nachvollziehbar. Etwas seltsam fande ich jedoch, dass Charlie zwar das aktuelle System der Königin nicht schätzt, man aber nie den Eindruck hatte, dass sie etwas dagegen unternehmen möchte. Sie nimmt es hin und arrangiert sich damit. Dann nimmt das Ganze eine persönliche Note (mehr kann ich hier nicht verraten, ohne zu spoilern) und auf einmal will sie alles ändern. Das hat mich etwas stutzig gemacht, man hat nämlich immer noch nicht das Gefühl, dass sie wirklich etwas ändern will, sie tut es nur, um das Leid anderer zu verhindern. Somit wird das Ganze dann doch etwas unbefiedigend.
In einzelnen Abschnitten wird die Geschichte (nur für ein paar Seiten) aus Sicht der Königin oder Max geschieben. An und für sich ein guter Einfall, um mehr Eindrücke zu gewinnen. Leider wird dieses Potential verschenkt, denn in diesen kurzen Einblicken erfährt man viel übder Dinge, die Charlie noch nicht weiß, im Laufe der Geschichte aber herausfindet. Die Überraschungsmomente gehen daher leider vollkommen unter, da man zuvor schon ahnt, was passiert. Schade!

Auch hier muss mal wieder eine süße Liebesbeziehung herhalten. Charlie trifft auf Max, er verfällt ihr, sie lässt sich ansteckend und außerdem ist er ja soooo attraktiv. Das habe ich schon hundert Mal gelesen und leider bietet dieses Buch keinen frischen Wind. Das Liebesgeflecht scheint mir nicht wirklich echt, basiert auf Oberflächlichkeiten und macht mir Max einfach unsympathisch. Mag ein Problem meinerseits sein, aber ich finde es nicht erstrebenswert, wenn ein Mann vergisst, was er wertschätzt, nur um ein Mädchen zu beeindrucken und zu beschützen.

Letztlich noch zur Königin. Sie ist böse. Einfach böse. Wirklich böse!
Warum ich das so oft betone? Weil es das Buch auch tut. Die Königin muss mies sein, denn man soll sie ja stürzen, also ist sie es eben: böse. Diesen Stempel bekam sie so deutlich aufgedrückt, dass mich ihre Art schon amüsiert hat. Gut, sie droht bei jedem Regelverstoß mit Tod, aber ihre Form der Unterdrückung kommt sonst nicht rüber. Die Bürger scheinen recht frei leben zu können, solange sie immer ihren Pass bei sich tragen und nur in ihrer Sprache sprechen. Was ist mit politischer Unterdrückung? Steuern? Schließlich ist doch Geld das beste Druckmittel schlechthin. Aber das ist ja alles egal - warum? Sie ist ja so BÖSE!

Fazit:
Wenn man darüber hinwegsieht, dass die Geschichte keine solide Basis hat und die Story zeitweise etwas zu stereotypisch ist, kann man hier wirklich Lesespaß haben. Ein gutes Buch für zwischendurch.


Kyria & Reb - Bis ans Ende der Welt
Kyria & Reb - Bis ans Ende der Welt
von Andrea Schacht
  Gebundene Ausgabe

24 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Story okay, Umsetzung mangelhaft, 4. Juni 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
'Der Verstand weiß viel, Mademoiselle, aber das Herz, das einmal verwundet wurde, braucht lange, um zu akzeptieren, dass man es nicht mit Absicht gemacht hat.' (S. 185)

Ich weiß, meine Meinung scheint sich sehr von allen anderen zu unterscheiden, dennoch oder gerade deswegen will ich sie hier äußern.
Das Buch wird von Kyria in der Ich - Perspektive erzählt und das führt mich zu meinem ersten Kritikpunkt: Auch wenn man alles aus ihrer Sicht erfährt kann ich nicht viel über Kyria sagen, da man nicht viel über sie erfährt. Sie ist ein unreifes Mädchen, dem man nicht abkauft, dass es gerade 18 geworden ist. Sie verhällt sich wie eine kleine Göre. Zwar ist sie in ihrem Leben nur mit Samthandschuhen angefasst worden und was Arbeit heißt weiß sie sicher nicht, aber diese emotionale Unreife finde ich einfach lachhaft. Sie ist aufbrausend und zickig, verhält sich regelmäßig nicht nachvollziehbar - einfach unsympathisch. Ich habe trotz 381 Seiten keine Verbindung zu ihr aufgebaut. Und dann muss man noch bei jedem kleinsten Wehwehchen ihre Todesangst erstragen, wobei man beim Lesen sofort versteht, dass ihr auftretender Schwindel oder ihre Wadenschmerzen einfach gar nichts mit dem Sterben zu tun haben.
Auch die Nebencharaktere sind nicht sonderlich interessant. Nicht einer von ihnen hat mich neugierig gemacht und meinen Wissensdurst entfacht. Sie waren identisch, langweilig und allesamt freundlich zu einer verwöhnten Göre, warum auch immer. Und Reb war - oh Wunder - charakterlich komplett identisch mit Kyria. Zickig, kindisch und absolut unsympathisch. Ich hatte nicht einmal das Gefühl, dass die Charaktere ausgebaut sind oder wirklich durchdacht, was ich doch von einer guten Geschichte erwarte.

Die Liebesgeschichte ist nichts Neues - zwei Charaktere prallen aufeinander, können sich nicht leiden und entwickeln dann doch mit der Zeit Gefühle füreinander. Soweit so gut, ich habe tolle Geschichten mit dieser Grundlage gelesen. Aber das muss man dann eben auch gut umsetzen. Doch hier scheint die Umsetzung daraus zu bestehen, dass Kyria und Reb sich gegenseitig necken - und das nicht einmal amüsant - und dann stellt man eben mal fest, dass man das auf einmal zu schätzen lernt. Es ist vorhersehbar und gähnend langweilig.

Die Story ist ganz in Ordnung. Aber die Spannung lässt wirklich zu wünschen übrig. Erst einmal dauert es wirklich, bis das Buch einen neugierig macht (bis ca. S.150 muss man durchhalten und bis dahin hatte ich mehrfach überlegt, das Buch aus der Hand zu legen) und dann wird mögliches Potential leider nicht ausgeschöpft. Kurz vor dem Ende, wo dann mal etwas Spannung aufkommen könnte, wird das Ganze so langwierig ausdiskutiert, bis es einmal zur Sache kam, dass ich dann einfach froh war, dass es vorbei war. Viele Informationen erhält Kyria durch Zufälle, es ist ja auch wirklich praktisch, immer auf Leute zu stoßen, die bereitwillig alles erzählen, was sie wissen und dann auch noch bereitwillig Informationen suchen, ohne einen eigenen Nutzen aus dem Ganzen zu tragen. Das stellt mich einfach nicht zufrieden, ist zu offensichtlich und zu leicht. Kyria muss einfach nichts machen, um Informationen zu erhalten, auf ihrer Reise erfährt sie es ja sowieso durch glückliche Begegnungen...
Ein riesen Kritikpunkt gibt es auch für die Welt, in der Kyria lebt. Nicht, dass sie nicht interessant ist, man erfährt einfach nur kaum etwas darüber. Kyria beschreibt kaum etwas von den Dingen, die sie kennt oder sieht und neu kennen lernt. Ich konnte mir oft die Umgebung kaum vorstellen. Und dann wurde einfach zuwenig über das politische System erklärt. Kyria lebt angeblich in einem Überwachungsstaat. Das Einzige, was daran erinnert, ist ein ID, den jeder am Körper tragen muss und auf dem alle wichtigen Daten der Person gespeichert sind und der Alarm gibt, wenn er keine Temperatur oder Pulsfrequenz mehr abgibt. Erst später erfährt man dann auch noch beiläufig, wie die Überwachung auch durch Kameras etc. stattfindet, was am Anfang nicht wirklich erwähnt wird. Das ist meiner Meinung nach für einen Überwachungsstaat wirklich zu wenig.

Und zuletzt der Schreibstil... Man kann dam Geschriebenen gut folgen, die Sätze sind leicht und flüssig. Was mich aber wirklich von Anfang bis Ende gestört hat ist die Form der Gespräche. Meistens bestehen sie darin, dass nur immer einzelne Sätze ausgetauscht werden, einfach aneinander gereiht. Wenn dann noch jemand drittes ins Spiel kam fiel es schwer zu folgen, weil teilweise nicht einmal gesagt wurde, wer gerade spricht, man musste es dann aus dem Inhalt erahnen. Ich weiß gar nicht, wie ichs wirklich beschreiben soll, daher hier mal ein Beispiel aus einem Gespräch zwischen Kyria und Reb:
"Streck dein Bein aus, Princess!"
"Kann ich nicht."
"Gott, das alte Lied schon wieder. Ausstrecken!"
Ich schniefte.
"Heulsuse."
Es war mir egal.
"Jämmerliche Elitezicke!"
"Ich sterbe!"
"Quatsch. Jetzt streck dein Bein aus."
(...)
(S.80)
Mir fehlt Emotion dabei, eine Beschreibung der Bewegungen oder sogar der Schmerzen. Es kommt einfach langweilig rüber, beim Leser kommt dabei einfach keine Stimmung auf.

Fazit:
Meiner Meinung nach leider nicht lesenswert. Weder die Geschichte, der Schreibstil noch die Charaktere haben mich überzeugt. Und es ist das erste Mal bei einem Buch, das ich absolut nicht an der Fortsetzung interessiert bin.


Die Bestimmung: Band 1 (Roth, Veronica: Die Bestimmung (Trilogie), Band 1)
Die Bestimmung: Band 1 (Roth, Veronica: Die Bestimmung (Trilogie), Band 1)
von Veronica Roth
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ich bin freiwillig fraktionslos, 31. Mai 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Die Menschen können nicht auf Dauer gut sein, über kurz oder lang befällt uns wieder das Böse und vergiftet unsere Herzen." (S. 432)

In Beatrice' Welt ist alles anders. Anstatt von Rassen- oder Religionstrennung gibt es hier fünf Fraktionen: Altruan, die Selbstlosen; Candor, die Freimütigen; Ken, die Wissenden; Amite, die Friedfertigen und Ferox, die Furchtlosen. Die Menschen in den jeweiligen Fraktionen leben in allen Bereichen nach den Prinzipien ihrer Gemeinschaft. Im Alter von 16 Jahren darf jeder selbst entscheiden, welcher Fraktion er angehören möchte. In einem Eignungstest soll getestet werden, welcher Lebensform man entspricht, die Entscheidung darf man dann jedoch selsbt treffen. Bei Beatrice ist das Ergebnis jedoch nicht eindeutig, sie ist eine Unbestimmte. Soll heißen, dass der Test bei ihr nicht funktioniert. Ein Geheimnis, dass Beatrice für sich behalten muss, sonst könnte sie eine der Fraktionslosen werden, eine Randgruppe der Gesellschaft ohne sozialen Status. Obwohl sie sich dann für die Ferox entscheidet muss sie feststellen, dass sie die Tatsache, eine Unbestimmte zu sein, mehr in Gefahr bringt als sie ahnt und sie dieses Geheimnis nur schwer für sich behalten kann. Und dann fängt das heile System der Fraktionen an, zu zerbrechen und Beatrice befindet sich mitten in diesem Umbruch...

Ich habe lange überlegt, ob ich mir dieses Buch kaufen soll, denn ich hatte meine Zweifel an der Inhaltbeschreibung. Ich konnte mir solch eine Welt nur schwer vorstellen. Und auch wenn ich das Buch innerhalb eines Tages durchgelesen habe, musste ich es mit dem Gedanken schließen, dass sich meine Zweifel nicht wirklich gelegt haben. Zugegeben, ich war wie gebannt von diesem Buch, habe Seite um Seite umgeblättert und es nur genötigter Weise aus der Hand gelegt. Innerhalb der Geschichte kommt nicht einmal Langeweile auf, die Geschehnisse reihen sich nahtlos andeinander und übertrumpfen sich stetig. Aber die Grundsätze werden nur so geringfügig erklärt, dass ich mich wirklich schwer damit abfinden kann. Die 5 Fraktionen, sind alle von ihrer Einstellung geprägt und üben diese in allen Lebensbereichen aus. So sagt ein Candor immer die Wahrheit und ein Altruan lebt dafür, anderen zu helfen. Aber ist das wirklich möglich? Und wie hat sich solch eine Gesellschaftsform entwickelt? Die Entstehung wird nur ganz kurz abgewickelt, aber genau erklärt wird es nicht. Und dabei ist das doch das Spannendste an der Sache! Ich verstehe, dass, wenn man in solch einer Gesellschaftform aufwächst, man voll darin integriert ist, aber die Entwicklung kann ich mir wirklich nicht vorstellen. Die 5 Fraktionen sind so stark voneinander abgegrenzt und unterstützen doch alle die Gesellschaft, wie hat man früher durchgesetzt, dass sich die Leute einfach so für eine Richtung entschieden haben? Und wenn, was ist so dramatisches passiert, dass die Menschen bereit waren, sich so gewaltig einem Gedankengang angeschlossen haben? Fragen über Fragen, auf denen man als Leser einfach sitzen bleibt und dabei finde ich es wirklich wichtig, die Grundidee einer neuen Gesellschaft zu verstehen.

Auch die Aussage des Buches finde ich sehr fragwürdig, weiß nicht einmal, ob eine Aussage dahinter stehen soll. Beatrice ist in der Pubertät und das kommt auch ganz gut heraus, sie hat sich noch nicht gefunden und ist in vielerlei Hinsicht einfach nur hin und her gerissen. Aber sobald sie bei den Ferox landet löst sie sämtliche Probleme mit Aggression. Da wird geprügelt und gehasst, als gäbe es keine andere Freizeitbeschäftigung. Ich kann verstehen, dass bei den mutigen Ferox kein großes Gejammer um irgendwelche Wehwehchen gemacht wird und das man sich auch mal beweisen muss, aber diesen Hass und die Gewalt kann ich einfach als Aussage eines Buches nicht akzeptieren (oder ist es nicht einfach törricht, eine Selbstmord als Tapferkeit zu titulieren???).

Wie schon erwähnt, die Story ist ansonsten wirklich gut, es gibt einen Spannungsbogen, der am Ende vom Buch seinen Höhepunkt erreicht, allerdings dann so rassand verläuft, dass einem fast schon schwindlig wird. Das Ende hätte wirklich ein paar Seiten mehr verdient, da ist soviel passiert, das kaum ausreichend beschrieben wurde. Man fragt sich als Leser wirklich, ob die Seitenzahl begrenzt war oder der Abgabetermin immer näher gerückt ist.
Der Schreibstil ist wirklich flüssig und sehr leicht. Große Wortakrobatik sollte man allerdings nicht erwarten, dafür sind die Sätze und die Schilderungen zu kurz.

Wirklich gut hat mir die Entwicklung zwischen Beatrice und Four gefallen und wie sanft sich das Geflecht der Liebe zwischen den Beiden ausbreitet. Man nimmt es nicht übel, dass das Ganze etwas vorhersehbar ist, die Gefühle sind so gut beschrieben, dass man selbst mitfiebert und eine Schwärmerei für Four entwickelt.

Fazit:
Ein spannendes Buch, das den Leser wirklich fesseln kann. Man sollte jedoch keinen Tiefgang oder eine wirklich solide Geschichte erwarten, in dieser Hinsicht kann das Buch einfach nur enttäuchen. Und dennoch, sollte mich einmal wieder Langeweile überkommen, werde ich gerne nach Teil 2 greifen und mich von einer angenehmen Geschichte überraschen lassen.


Das neue Buch Genesis
Das neue Buch Genesis
von Bernard Beckett
  Broschiert
Preis: EUR 5,95

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 'Ich bin der Denker, der über das Denken nachdenkt', 20. Mai 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das neue Buch Genesis (Broschiert)
'In deinen Augen scheint Denken eine besondere Substanz zu erfordern. Aber versuch es mal von meinem Standpunkt aus zu sehen. Ich sehe viele Wesen mit Gehirnen. Einen Wurm, eine Fruchtfliege oder eine Hummel. Denken sie oder sind sie nur Maschinen?' (S. 122)

Ein Staat, abgeschottet von dem Rest der Menschheit, die sich durch Biowaffen quasi ausgerottet hat. Anaximander (kurz Anax) lebt in diesem Staat und steht vor einer fünfstundigen Prüfung, die über ihre Zukunkt entscheiden soll. Ihr Thema: Das Leben und die Zeit von Adam Forde, einen Menschen, der eine revolutionäre Rolle innerhalb des Staates eingenommen hatte. Ein wichtiger Teil seines Lebens bestand aus Gefangenschaft, wobei er sich seine Zelle mit Art, einer Maschine mit künstlicher Intelligenz, teilen muss. Deren Gespräche über den Unterschied zwischen ihnen und den Sinn des Lebens nehmen bei bei Anax Vortrag eine große Rolle ein.
Mehr beschreiben kann man das Ganze nicht, ohne zuviel vorweg zu nehmen.

Dieses Buch ist wirklich anders. Schon alleine der Schreibstil ist ungewöhnlich. Man erfährt fasst nichts über Anaximander und ihr Leben. Es findet fast immer nur ein Wortwechsel zwischen Anaximander und ihren Prüfern statt, gelegentlich von Anaximanders Gedanken zu dem Ganzen unterbrochen. Somit erscheinen die Charaktere ziemlich blass. Seltsamerweise hatte ich kein bisschen Probleme damit und kam sofort in diese Art des Geschichteerzählens rein. Zumal Anax Leben nicht den Hauptteil des Buches einnimmt, viel prägender und ausführlicher ist das Leben von Adam und dessen Gefangenschaft beschrieben.
Und genau in dieser Gefangenschaft finden die genialen Gespräche zwischen Mensch und Maschine statt, die einen bedingungslos an das Buch fesseln. Dabei ist der Schreibstil so flüssig, dass man sogar bei diesen ernsten Gesprächen nicht hängen bleibt, nur, wenn man das Gelesene noch einmal revuepassieren will, um es besser zu verstehen. Denn dieses Buch ist kein Roman, der sich mal locker lesen lässt, er ist tiefgehend und lässt einen über entscheidende Fragen der heutigen Zeit nachdenken. Ist unser Leben noch sicher? Wie könnte sich das Leben entwickeln? Welche Rolle nehmen Maschinen in unserem Leben ein? Ich könnte unzählige solcher Fragen aufstellen, über die man bei dem Buch nachdenken könnte.
Das Ende ist der Wahnsinn! Auch wenn ich mit einem Teil davon gerechnet habe hat mich die Entwicklung so sehr geschockt, dass ich nach Schließen des Buches erst einmal meine Gedanken sortieren musste. Nur um dann zu begreifen, dass dadurch nur unzählige weitere Fragen aufgeworfen wurden, deren Antwort man wohl nur im Laufe der Zukunft entdecken wird.
Mein Plan für die nächste Zeit: Bei passender Gelegenheit erneute vier Stunden finden, bei denen ich das Buch mit einem neuen Blickwinkel erneut lesen werde. Und ich bin sicher, dass es nicht weniger an Faszination verliert, eher erneut zum Nachdenken über ganz andere Dinge anregen wird.

Fazit:
Ist eine vom Menschen erschaffene Maschine in der Lage, besser als der Mensch zu sein? Wer die Antwort wissen will sollte dieses Buch lesen und sich von der Antwort schockieren lassen. Lesen lohnt sich!


Delirium (Amor-Trilogie, Band 1)
Delirium (Amor-Trilogie, Band 1)
von Lauren Oliver
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,90

11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Amor deliria nervosa - ich bin wohl resistent..., 19. Mai 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
'Liebe, die gefährlichste aller Krankheiten. Sie endet auf jeden Fall tödlich, ob man sie hat oder nicht.
Aber das stimmt nicht ganz.
Der Verdammende und der Verdammte. Der Henker; die Klinge; die Begnadigung in letzter Minute; der keuchende Atem und der gewölbte Himmel über einem und danke, danke, danke, lieber Gott.
Liebe: Sie bringt dich um, aber sie rettet dich auch.' (S. 369)

Als ich von diesem Buch gelesen habe, dachte ich erst einmal 'WOW'! Das ist eine Idee mit einem so großen Potential und ich habe mich wirklich gefreut, als ich das Buch dann in meinen Händen hielt. Und dann wurde ich 409 Seiten einfach nur enttäuscht. Meiner Meinung nach wurde nur ein Bruchteil der Möglichkeiten ausgeschöpft.

Es fängt damit an, dass ich mich gefragt habe, wie Menschen ohne die Fähigkeit zu Lieben wohl sein werden. Da gibt es soviele interessante Möglichkeiten. Leider wurde ich maßlos enttäuscht. Die einzige Beschreibung, die sich stetig durch das Buch gezogen hat, war die, dass die geheilten Menschen starr und ausdruckslos sind. Ich war so sehr entsetzt, dass ich das Buch beinahe aus der Hand gelegt habe. Infolge dessen sind alle erwachsenen Charaktere nicht gut gestaltet, einer mit dem anderen vergleichbar. Vielleicht war das Sinn der Sache, aber ich denke, dass man auch ohne Liebe Charakterzüge entwickeln kann. Davon war nichts zu spüren.
Aber auf die Charaktergestaltung war sowieso nicht viel wert gelegt. So musste ich zum Beispiel mehrfach überlegen, wenn die Rede von irgendwelchen Familienangehörigen war, wer das nun ist, weil ich mit dem Namen niemanden in Verbindung bringen konnte, auch wenn er schon mehrfach erwähnt wurde. Man hat überhaupt keine Bindung zu den Nebencharakteren. Ganz abgesehen davon, dass sie sich nicht einmal treu geblieben sind.
Lena und Alex sind ganz angenehm gestaltet, allerdings erlebt man bei ihnen nichts neues. Ihre Charaktere gehen nicht in die Tiefe, ich habe immer das Gefühl einer Oberflächlichkeit, selbst bei Lena, wobei sie aus der Ich-Perspektive erzählt und man mit ihrem Innersten vertraut sein müssten. Sie waren Stereotypen, haben mich nie mit ihrem Handlungen überrascht und stechen einfach nicht hervor. Das fördert vielleicht das Verständnis für die Person, ist aber eindeutig ein Minuspunkt für die Spannung.

Die Story ist relativ platt. Viel ist vorhersehbar und es kommt quasi keine Spannung auf. Wobei ich glaube, dass das auch mit dem Schreibstil zusammenhängt. Dieser ist einfach nur langatmig. Mehrfach habe ich mich ertappt, wie ich bei Lenas langweiligen Beschreibungen der Umgebung und ihrer Gefühle die Worte zwar gelesen habe, aber in Gedanken ganz wo anders war oder ich ganze Abschnitte einfach übersprungen habe. Ein kurzer Wortwechsel zieht sich endlos über die Seiten, weil zwischen jedem Satz irgendwelche Dinge oder Emotionen beschrieben werden mussten, die sich auf Dauer auch einfach nur wiederholt haben. Ich hab beinah schon die Augen verdreht, wenn wieder einmal geschrieben wurde, dass man lieber aufgrund der Liebe stirbt, als sie nicht zu empfinden. Gähn! Sogar am Ende, wo dann wirklich einmal Spannung aufkommt, schafft es die Autorin , mit ihren Aussschweifungen das Mitfiebern sofort im Keim zu ersticken.

Wirklich gut gemacht fand ich den Übergang von Lena von einer gesteuerten Marionette zu einer Liebenden. Da hat sich der ausschweifende Erzählungsstil doch etwas bewährt, denn man kann gut nachvollziehen, was und welche Beweggründe sie dazu veranlassen, sich nicht mehr auf ihre Heilung zu freuen, sondern die Liebe und die Freiheit zu wählen. Allerdings gab es auch hier stetige Wiederholungen, als wollte die Autorin das Ganze klar deutlich machen, dabei sind ihr aber scheinbar die Ideen ausgegangen, also packt die stetig ein und das selbe in unterschiedliche Verpackungen, wovon man sich aber einfach nicht täuschen lassen kann.

Meine Erwartungen wurden wirklich nicht erfüllt, ich glaube aber, dass genau darin das Problem liegt. Mit nüchternen Augen betrachtet, war das Buch ein ganz angenehmes Leseereignis, das einen zwar nicht fesselt, aber doch irgendwie nicht sinnlos war. Ich denke, dass ich mit meiner Haltung mir viel zerstört habe und nicht unbedingt offen für ihre Vorstellung des Ganzen war. Dennoch kann ich meine Enttäuschung nicht einfach schlucken.

Fazit:
Wer ohne große Erwartung an das Buch herangeht und einfach nur ein bisschen Lesevergnügen haben will wird von dem Buch sicher nicht enttäuscht. Wirklichen Tiefgang und Storyhighlights sollte man jedoch nicht erwarten.


Dark Canopy
Dark Canopy
von Jennifer Benkau
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Packend!, 13. Mai 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Dark Canopy (Gebundene Ausgabe)
"Man denkt, man würde die Unzufriedenheit ertränken, doch man verändert nur die Sicht darauf. Irgendwann wird man blind." (S. 356)

Die genmanipulierten Waffen, welche die Menschen im dritten Weltkrieg benutzt haben - die Percents -, haben sich aus ihrer Unterdrückung befreit und unterjochen nun ihrerseits die Menschen. Die forche Joy gehört einem Rebellenclan an, der sich dieser Art zu Leben nicht anpassen will, dem es jedoch an Mitteln fehlt, wirklich etwas ausrichten zu können. Als sie dann in Gefangenschaft gerät und einem Percent namens Neél in die Hände fällt, scheint dies das Ende ihrer Existenz zu bedeuten. Doch dann muss sie feststellen, dass der Feind kein emotionsloser Körper ist, sondern durchaus Gefühle hat. Und nicht nur das, auch unter den Percents scheint es Widerstand gegen das Regime zu geben. Ein Widerstand, der weitaus mehr zu tun bereit ist, um die Politik zu verändern, als es die Menschen je waren. Welche Seite ist nun die Richtige? Will Joy Sicherheit oder die Freiheit? Und dann kommen da noch die Gefühle auf, die sie für den wortkargen Neél gegen alle Vernunft entwickelt.

Von der ersten Seite an begreift man in diesem Buch, dass die Welt dunkel und grausam geworden ist. Und das liegt nicht nur daran, dass eine Maschine namens Dark Canopy die Sonne verdunkelt, da die Percents eben diese nicht vertragen. Jennifer Benkau schreckt nicht davor zurück, die Trostlosigkeit dieser Welt genaustens zu beschreiben. Die Menschen sind verbittert, leben in Unterdrückung und Angst und müssen stets fürchten, dass ihr Handeln unangenehme Konsequenzen hat. Aber auch die Percents stehen dem ganzen mit ihrem Hass auf die Menschen in nichts nach, denn immerhin waren die es, die sie vor Jahren als Kriegsmaschinen missbraucht haben. Und so sind die Fronten verhärtet. Von vielen Grausamkeiten erfährt man nur am Rande, denn Joy lebt trotz ihrer Gefangenschaft doch recht behütet, aber eben dieses Zufällige ist es, was das Ganze noch ausgeprägter macht. Man lässt seine eigene Fantasie spielen, welche durchaus Grenzen überschreitet. Aber auch, wenn Joy von Neél recht gut behandelt wird, so erfährt auch sie durchaus Gewalt, wenn auch in Form eines Trainings. Und auch hier wird nicht davor zurückgeschreckt, Verletzungen zu verniedlichen oder nur anzudeuten. Die Dinge werden klar und deutlich beschrieben, was einem gar nicht erst die Möglichkeit gibt, diese Welt ein wenig heller zu gestalten. Auch hat es mich begeistert, wie die Autorin die Realität in klaren Worten bezeichnet, so wird bei einer Leiche über die Ausscheidung gesprochen oder nach einem Bohnengericht über die blähende Wirkung dieser Mahlezeit geschrieben. Ich persönlich schätze das sehr. So werden keine harten Szenen verweichlicht oder verschönert und manchmal muss man schmunzeln, denn manche Dinge kennt jeder, aber sprechen tut man doch eigentlich nicht wirklich darüber.
Joy passt brilliant in diese Welt. Ihr Charakter ist forsch und abgebrüht, Kraftwörter sind ihr ebenso vertraut wie das Messer in ihrer Hand. Und dennoch war sie mir von Anfang an sympatisch, denn ihre Art passt so wunderbar in diese Welt. Und wie wäre man wohl selbst, wenn man in einer Welt voller Armut und Hass aufwachsen würde. Dennoch merkt man, wie sie im Laufe des Buches eine Wandlung durchmacht. Sie wird entspannter, man hat gegen Ende fast das Gefühl, sie fühlt sich in der Welt der Percents wohler, als sie es je in iherer eigenen getan hat.
Neél ist eigentlich fast schon Joys Gegenpart. Er ist gezwungen, eine harte Schale aufzuweisen, innerlich ist er dann jedoch sehr gefühlsvoll, was man als Leser Stück für Stück begreift und ihn mit Joy zu lieben lernt. Diese Wandlung finde ich unheimlich gut gemacht, man bekommt sie erst gar nicht mit und muss dann plötzlich feststellen, dass man die Seiten gewechselt hat. So war ich erst auf der Seite der Menschen, die so schändlich unterdrückt werden und habe überrascht am Ende des Buches feststellen müssen, dass ich eben diese überhaupt nicht mehr verstehen kann und ihr Hass solch extreme Maße annimmt, dass ich es nur noch als abstoßend empfand. Ich meine, auch die Percents sind keine Engel, aber irgendwann einfach sympatischer geworden. Wie Jennifer Benkau das gemacht hat ist mir selbst nicht ganz so schlüssig.

Der Schreibstil ist berauschend, man kann teilweise einfach nicht mehr aufhören. Mal leicht und locker und dann, ganz plötzlich, kommt wieder etwas, das einen stocken, zurückblicken und die Passage noch einmal lesen lässt. Nicht, weil man es nicht begriffen hätte, sondern weil es mit so wunderbar gewählten Worten beschrieben ist, dass es einem unter die Haut geht. Selbst im Mittelteil des Buches, bei dem nicht wirklich viel geschieht, kann man es nicht aus der Hand legen, die Worte locken immer weiter, sodass auf einmal der Schlaf doch viel kürzer werden muss, wie man ursprünglich geplant hat, weil man jede Müdigkeit verliert. Denn obwohl diese Welt so dunkel ist entfacht sie im Leser ein Licht und eine Freude, die nur eine wirklich gute Geschichte auslösen kann.

Fazit:
Ich danke für diese unglaublich beeindruckende Dystopie - die Beste, die ich bisher gelesen habe - und kann es nicht erwarten, bis ich im zweiten Teil versinken darf!


Cassia & Ky - Die Flucht: Band 2
Cassia & Ky - Die Flucht: Band 2
von Ally Condie
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen 'Cassia & Ky - Die Wanderung', 4. Mai 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
, das hätte der richtige Titel des Buches sein sollen. Es mangelt zu jeder Zeit an Spannung und das Gefühl einer Flucht kommt meiner Meinung nach nur in wenigen Szenen auf. Den größten Teil des Buches laufen sie einfach nur durch die Gegend und hängen ihren Gedanken nach. Dabei haben mich so viele Punkte gestört, dass ich diese hier unmöglich alle aufzählen kann. Aber einige sind durchaus erwähnungwert:

Der erste Schock hat mich direkt auf der ersten Seite getroffen: In diesem Buch wird die Geschichte nicht nur aus Cassias Sicht beschrieben, sondern auch aus der von Ky. Dabei wird jedes Kapitel geswitcht, eins Cassia, eins Ky, eins Cassia, ... Auch wenn das die Geschichte erweitert finde ich es einfach schrecklich und macht das Ganze zu einem ganz anderen Buch. Die 3 Bücher sollen schließlich eine Geschichte erzählen, wieso macht es Sinn, erst mittendrin auch aus anderen Perspektiven zu berichten?! Es hat mich geärgert, wobei ich Kys Ansichten meistens nicht einmal nachvollziehen konnte. Ich kann dem Ganzen nur einen Grund zuschreiben: Ohne Kys Sicht der Dinge wäre das Buch nur halb so dick und das wäre mit Sicherheit nicht gewollt, allerdings ist Quantität eben nicht immer Qualität.

Der Schreibstil war wieder sehr flüssig und das Lesen ist wirklich leicht , allerdings gab es auch hier viele Dinge, die mir nicht gefallen bezüglich der Story. Die Liebe zwischen Cassia und Ky wirkt nicht greifbar und (obwohl aus beiden Perspektiven beschrieben) sehr unreal. Mir kam es manchmal so vor, als sollen die beiden sich jetzt eben lieben und das muss man dann dem Leser auch mal aufs Auge drücken. Es ist zu viel, zu kitschig, zu bedingungslos. Im Laufe des Buches gibt es einen Knick in dem Vertrauen der Beiden und dennoch sehen sie einfach darüber hinweg, stellen nur fest, dass das Leben nie ohne Einschnitte verläuft (in ca. 20 Seiten). Wenn das realitätsnah sein soll, dann weiß ich auch nicht. Das ganze Buch vermittelt mir nicht das Gefühl, dass diese Liebe großen Bestand hat, wenn die Verliebtheit irgendwann mal nachlässt, auch wenn Cassia dafür ihr Leben verändert hat.
Ich hatte auch immer wieder das Gefühl, dass die Autorin das Buch irgendwie schnell runter schreiben wollte, mir fehlt das Gefühl für die Geschichte und die Emotionen. So finde ich fast alle neuen Charaktere lieblos gestaltet, durchschaubar und unsympathisch. Ich wollte teilweise nicht einmal mehr über sie erfahren. Und ich finde es furchtbar, dass außer Ky eigentlich niemand aus dem ersten Buch mehr vorkommt. Natürlich gibt es die Story nicht her, aber die Charaktere aus dem 1. Buch waren wenigstens durchdacht und liebevoll gestaltet.
Spätestens ab der Mitte des Buches ist mir dann noch eine Sache aufgefallen, welche sich kontinuierlich durchgezogen hat: Auf ca. 400 Seiten wandern die Charaktere durch den Canyon, Cassia klettert (zum Teil ungesichert) viermal von einer Schlucht zur anderen (wobei ich nicht weiß, wie realistisch das nun wirklich ist) und nicht ein einziges Mal beschwert sich auch nur einer über irgendwelche Schmerzen oder Wunden. Es werden zwar mal wunde Hände bemerkt, aber nie bejammert. Zumindest Cassia ist körperliche Anstrengung kaum gewöhnt, kennt ja eigentlich nur das Laufband. Und dann rennt sie zu Beginn gleich mal 40 Kilometer Non Stop und schleppt sich einfach weiter, ohne auch nur einmal wirklich über Erschöpfungssymptome zu beklagen? Das ist genau, was ich meine, man hat das Gefühl von Lieblosigkeit dem Geschriebenen gegenüber.

Und dann die Spannung... ich weiß nicht, wo sie in dem Buch aufgetaucht ist. Nicht mal gegen Ende, es wurde nicht im Ansatz ein Spannungsbogen geschaffen. Das enttäuscht beim Lesen und nimmt einem wirklich die Freude. Woran liegts? ich glaube, zum Teil daran, dass nicht wirklich viel geschieht. Es wird gelaufen, geklettert, zurück gelaufen, wieder geklettert... Und zwischendurch passieren dann mal kleine Dinge, die aber wirklich nicht großartig mitreißend sind. Natürlich läuft alles, was passiert auf einen Aufstand hinaus, aber es ist so lustlos zusammengeflochten, dass ich manchmal kurz davor war, das Buch aus der Hand zulegen.

Warum es dann doch noch 2 Sterne geworden sind?
Ich habe mich eigentlich nie gelangweilt, war eher genervt und etwas verärgert. Der Schreibstil ist so locker, dass man das 'Nichts-Geschehen' erst später bemerkt. Und die Geschichte weißt nun doch darauf hin, dass im 3. Buch einiges geschehen wird, irgendwann muss es ja mal richtig los gehen und spannend werden. Ich werde es kaufen und hoffe auf Besserung!


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