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Nola272

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Giesswein 46277 Ammern, Unisex - Erwachsene Hausschuhe, Grau (anthrazit 019), EU 38, (US 7)
Giesswein 46277 Ammern, Unisex - Erwachsene Hausschuhe, Grau (anthrazit 019), EU 38, (US 7)

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Pantoffelhelden, 19. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich liebe Pantoffeln von Giesswein, auch wenn sie meist nach einem Jahr durch sind. Auf Parkett und Laminat hat sich die rutschfeste Sohle bewährt, die viele Pantoffeln heutzutage leider vermissen lassen. Diese neu erworbenen Pantoffeln bekommen leider nur drei Sterne, weil für mich aus der Produktbeschreibung nicht ersichtlich war, dass hier eine Art feste Einlegesohle verarbeitet wurde, die den Pantoffel zwar fester und stabiler, aber auch schmaler und unbequemer macht. Mir waren die Schule ohne diesen geformten, eingearbeiteten "Keil" (an der Ferse höher, was sicherlich fußgerecht sein soll) lieber - denn bekanntlich ist es gesünder, wie "barfuß" zu laufen, also ganz ohne formende Bestandteile, und das war vorher möglich...


Die Geschichten der Mondfrau
Die Geschichten der Mondfrau
von Christiana Güldner
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,50

5.0 von 5 Sternen Wunderschöne Indianermärchen, 19. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieses Buch ist etwas Besonderes. Sieben Märchen erzählt eine alte Indiofrau den Kindern, die immer wieder neue Geschichten von ihr hören wollen. Bei dem Überangebot an Märchen, das es heute für Kinder gibt, sticht dieses Buch angenehm hervor. Fernab von Disney und ohne erhobenen Zeigefinger werden von Kindern nachvollziehbare Situationen zu Märchen, in denen Entscheidungen zu treffen sind und sich beweist, dass Klugheit und Mut Angst und Dunkel besiegen. Und das in einem ruhigen, entspannten Tonfall ohne Schnickschnack und den Versuch, mit Jugendsprache hip zu sein oder sich den mediengewöhnten Kids anzupassen. Auch die Illustrationen sind wunderschön. Wie ich hörte, ist der zweite Band in Vorbereitung. Wer etwas Außergewöhnliches für seine Kinder sucht, ist bei diesem Buch an der richtigen Stelle. Mein Sohn (sieben Jahre) hört jedenfalls immer sehr andächtig und wie verzaubert zu.


Der Zauber der ersten Seite: Roman
Der Zauber der ersten Seite: Roman
von Laurence Cossé
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Muss für jeden Buchhändler, 13. Juni 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein überraschendes, warmherziges und vielschichtiges Buch. Für alle, die Bücher lieben, in denen es um Bücher geht (und davon gibt es eine ganze Menge, wenn man länger darüber nachdenkt), ein Muss - und genauso ist dieses Buch jedem Buchhändler ans Herz zu legen, der Bücher noch wirklich liebt, den es auch ein bisschen schmerzt, sie aus der Hand zu geben und der sich im Innersten wünscht, dass sie in gute Hände kommen. Eigentlich ein Kriminalfall, was man aber bei der rückblickenden Schilderung der Geschichte der Buchhandlung mit dem Titel "Der gute Roman" sehr schnell vergisst. Interessant auch wegen der ideologischen Angriffe, die es im Buch auf diese besondere Buchhandlung in Paris gibt, hier zeigt sich viel gesellschaftliches Konfliktpotential. Man wünscht sich, es gäbe sie wirklich und man könnte sie beim nächsten Besuch der Metropole selbst aufsuchen! Wunderbar auch die Beziehungen zwischen den Figuren - so achtsam gehen die Menschen in unserem Alltag leider nur selten miteinander um. Alles in allem ein Buch, das einen wirklich in eine andere Welt versetzen kann, bei dem man alles vergisst! Empfehlenswert. Ich habe das Buch - leider - in einer Kiste für Mängel-Exemplare entdeckt (wie übrigens auch schon andere wirklich gute Bücher), inzwischen für Freunde aber so manches Exemplar nachbestellt!


Die Landkarte der Zeit
Die Landkarte der Zeit
von Félix J. Palma
  Gebundene Ausgabe

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Konstrukt voller Illusionen, 8. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Landkarte der Zeit (Gebundene Ausgabe)
Wäre es besser, bestimmte geschichtliche Ereignisse ungeschehen zu machen? Oder könnte dadurch das gesamte Zeitgefüge aus der Bahn geraten? Welches der möglichen Leben sollen wir leben? Gespickt mit Bonmots über die Literatur und das Schreiben, wirft der spanische Autor Felix J. Palma in seinem kiloschweren Wälzer grundsätzliche Fragen auf. Vor allem die Dimensionen der Zeit und ihre Dehnbarkeit spielen vor dem Panorama des viktorianischen England eine Rolle.
Die Landkarte der Zeit" nennt Palma einen hypothetischen Roman und will ihn als Hommage an H. G. Wells verstanden wissen. Die Unterschiede zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft scheinen darin außer Kraft gesetzt. Palma schlägt mit diebischer Freude immer wieder Haken, verschachtelt Finten und Tricks und balanciert geradezu artistisch zwischen den verschiedenen Handlungssträngen. Sie erscheinen wie eine unendliche Spirale von Vorspielen, um die eigentliche Romanidee zu entwickeln. Eine der Hauptpersonen ist Wells selbst, dessen Zeitmaschine der Autor ins Spannungsfeld moderner Utopien stellt. Sein Figurentableau im London des ausgehenden 19. Jahrhunderts scheint wie für eine Schachpartie entworfen.
Palma versteht es, das Lesen als Abenteuer zu gestalten und den Anschein zu vermitteln, dass auch er selbst beim Schreiben ein solches erlebt. Er beherrscht die Fähigkeit, den Leser suggestiv in seinen Bann zu ziehen. Der Text liest sich über weite Strecken wie ein Science-fiction-Roman, wirkt aber gleichzeitig wie ein Konstrukt voller Illusionen und Lügen. Denn der ausgebildete Werbefachmann weiß: Die Leute sehen nur, was sie sehen wollen.
Der 42-jährige in Madrid lebende Autor veröffentlichte bereits zahlreiche Kurzgeschichten (nachzulesen unter anderem in Paso doble" - Junge spanische Literatur, erschienen bei Wagenbach). In seiner Heimat wurde er mit mehreren Literaturpreisen geehrt, für das vorliegende Buch vor zwei Jahren mit dem Premio Ateneo de Sevilla. Es liegt inzwischen in mehr als zwanzig Sprachen vor (Übersetzung: Willi Zurbrüggen).
Man mag in diesem dreiteiligen Roman die Kraft der Phantasie bewundern, die Menschenleben retten kann, oder die bedingungslose Liebe, für die es weder Raum noch Zeit gibt. Zum utopischen Roman fehlt allerdings trotz des Bemühens um philosophische Tiefe die Vision. Der Versuch, aus der Gegenwart zu entrinnen, gerät zur Farce. Nichts in diesem Buch ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Palma beschreibt das so: In Wirklichkeit beruht alles auf einem großen leeren Kasten, in dem sich nichts anderes befindet als unsere Ängste."


Die Entdeckung des Lichts
Die Entdeckung des Lichts
von Ralf Bönt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Glückliche Lesestunden, 8. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Entdeckung des Lichts (Gebundene Ausgabe)
Der promovierte Physiker Ralf Bönt schwor nach Forschungsprojekten in New York und Genf und der Übersetzung eines Lehrbuchklassikers der Wissenschaft ab. Es zog ihn hin zur Literatur, zum Theater. Seit 1994 als freier Autor (Icks", Gold") tätig und inzwischen mit einer langen Liste von Stipendien versehen, war er in diesem Jahr zum zweiten Mal nach Klagenfurt eingeladen. Auf der Heimfahrt hatte er den Kelag-Preis im Gepäck, Die Entdeckung des Lichts" zu diesem Zeitpunkt längst vollendet.
Das Buch wird, um es gleich vorweg zu nehmen, von Kritikern unisono mit Kehlmanns Roman Die Vermessung der Welt" verglichen. Wer diesen furiosen Publikumserfolg mochte, wird auch mit Bönt glückliche Lesestunden verbringen. Unweigerlich schleicht sich sogar die Stimme von Ulrich Matthes in den Kopf, der besagten Longseller als Hörbuch markant und eindrücklich erlebbar machte. Bönt verschafft dem Leser ein ebenso wunderbares Leseerlebnis. Welcher Vergnügen, in das Leben des Wissenschaftlers im Keller der Royal Institution einzutauchen, wenn die Szenerie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dabei so lebhaft vor Augen steht!
Der Autor entwirft ein bilderreiches, schlüssiges Panorama von Michael Faradays Lebensjahren in London, die er der Untersuchung von Elektrizität und Magnetismus widmete und in denen nur selten Platz für private Gedanken oder eine körperliche Leidenschaft war. Um wie viel schöner das Licht wird, je mehr man sich mit ihm beschäftigt! Diese verblüffende Feststellung in Ralf Bönts neuem Roman geht mit dem Erstaunen des Lesers einher, welche Entdeckungen mit diesem Buch zu machen sind.
Bekannte Persönlichkeiten tauchen auf und verschwinden wieder zwischen den Seiten: Edison, Volta, Ampere, Newton, Darwin, auch Gauß und Humboldt finden Erwähnung, bei Albert Einstein schließt sich der Kreis. Verschachtelte Episoden zeitgleicher Ereignisse fügen sich kunstvoll und mit großem literarischem Talent erzählt ineinander. Hier ist der Wissenschaftler in seinem Element und der Schriftsteller webt abstraktes Denken zu wohlgesetzten Worten, auch wenn einige von Faradays Erkenntnissen sich vermutlich bis heute nicht jedem Leser erschließen.
Der 46-jährige Bönt gönnt seinem Leser mit diesem äußerst bildhaften und so biografischen wie fiktionalen Roman höchsten Lesegenuss, in den man sich vertiefen kann wie in einen Lieblingssessel. Auch wenn mancher darüber enttäuscht sein mag, dass nach den ersten vier Teilen über Faradays Kosmos unvermittelt abgebrochen wird und die Spuren, auf die sich Jahrzehnte später andere begeben, lediglich angedeutet bleiben: Nach ausufernden, selbstironischen, manchmal fast theatralischen Monologen und der Übung in verschiedenen literarischen Formen hat Bönt in seinem vierten Buch das sicher beherrschte wissenschaftliche Vokabular gekonnt in einen umfangreichen Prosatext gesetzt, dem ich viele Leser wünsche.


Gran Via: Spanische Vorkommnisse - Roman
Gran Via: Spanische Vorkommnisse - Roman
von Peter Richter
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mikrokosmos mit Situationskomik, 8. Februar 2011
Das hat sich der Ich-Erzähler in diesem Buch vermutlich nicht träumen lassen: Sein Auslandsjahr in Madrid inmitten eines illustren Kreises von angejahrten Dirnen, exaltierten Schwulen und professionellen Taschendieben ist eher ein Studium möglicher Arten der Lebenspraxis als der Beschäftigung mit ehrwürdiger Kunst gewidmet.
Der Untertitel Spanische Vorkommnisse" trifft das nicht ganz. Hier geht es nicht um einzelne Vorfälle, Szenen oder Episoden, sondern um ein weitgehend chronologisch erzähltes Werk mit genauem Blick für die Dinge unter der Oberfläche und trotz des plaudernden Tonfalls gelegentlich beunruhigender Dramatik.
Kurzweilig und in lakonischem Tonfall gehalten, amüsiert Peter Richters Roman mit der präzisen Schilderung des Mikrokosmos abseits der Prachtstraßen, einer gehörigen Portion Situationskomik und einem Talent für Rahmen, Auftritt und Wirkung. Dafür nutzt der Autor ausgiebig das Repertoire an Schimpfwörtern (was sich wie die spanische Version von Holidays for Doosie" liest) und schildert unterhaltsam reichlich Nachbarschaftskrach oder die Tricks von Hoteliers und Kneipern. Ein kleines Bier wird zum Anlass ausführlicher Lebens- und Weltbetrachtungen und luzides Träumen zu einem Synonym für Lähmungserscheinungen, die nächtliche Ausschweifungen oder die sommerliche Hitze nach sich ziehen.
Auf wunderbare Weise zutreffende Klischees (schon in bisherigen Veröffentlichungen seine Spezialität), pointierte Beobachtungen und skurrile Erlebnisse sind fein verhäkelt - vom studentisch-hitzigen Debattieren bis hin zu Modefarben, Körpermaßen oder kulinarischen Auswüchsen der spanischen Küche. Nicht zuletzt nutzt Peter Richter die Gelegenheit zu humorigen Betrachtungen zum Beispiel über prachtvolle Schinken, mit denen sowohl die Gemälde im Prado als auch das Speisenangebot fragwürdiger Lokalitäten gemeint sind. Wohltuend ist das Fehlen jeglicher Ost-West-Repliken, die Mitte der neunziger Jahre nahezu zwangsläufig waren - außer einer heimwehkranken Erinnerung an Russisch-Brot und Hansa-Keks.
Der 1973 in Dresden geborene Peter Richter (in den neunziger Jahren selbst als Student in Madrid) hat längst im Feuilleton Fuß gefasst und machte bereits mit den beiden ebenfalls bei Goldmann erschienenen Büchern Blühende Landschaften" und Deutsches Haus" von sich reden. Sein lesenswertes Buch gehört bei einer Madridreise ins Gepäck und ist das ideale Geschenk für jemanden, der selbst mit einem Stipendium das spanische Leben abseits des universitären Alltags studieren durfte. Am liebsten möchte man auf einem Stadtplan die zumeist nächtlichen Streifzüge nachvollziehen und kann in jedem Fall noch etwas über die spanische Hauptstadt lernen.


Die Kinder der Elefantenhüter: Roman
Die Kinder der Elefantenhüter: Roman
von Peter Høeg
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,90

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Fragen des Lebens, 8. Februar 2011
Der 53-jährige dänische Autor Peter Høeg wurde mit seinem auch verfilmten Bestseller Fräulein Smillas Gespür für Schnee" bekannt. Sein neues Buch erinnert an den gleichnamigen Helden in seinem Plan von der Abschaffung des Dunkels", der versucht, hinter die Geheimnisse der Erwachsenen zu kommen. In rasantem Tempo erzählt, kämpfen sich Halbwüchsige durch ein Gewirr von Lügen und Intrigen, Vertuschungen und Unwahrheiten in den höchsten Kreisen der Gesellschaft (Übersetzung: Peter Urban-Halle).
Den Geschwisterkosmos vermag kein Fremder zu durchdringen, ihr Vorgehen hat etwas von einem Geheimkodex. Aus dem Blickwinkel des 14-jährigen Peter erzählt, kommt dieser zusammen mit seinen Geschwistern Tilte und Hans großen Geheimnissen auf die Spur. Mit verblüffender Rhetorik und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Kräfte navigieren sie durch die Ereignisse und gewinnen dabei illustre Unterstützer, um detektivisch die wahren Interessen und Beweggründe der Beteiligten aufzudecken.
Peter und seine ältere Schwester Tilte sind von bemerkenswertem Scharfsinn, woran auch der Leser Vergnügen findet. Während eines Kongresses aller Weltreligionen in der dänischen Hauptstadt, an dessen Scheitern vermutlich ebenso viel Interesse besteht wie an seinem Gelingen, entdecken sie mit kriminalistischem Spürsinn ein Komplott von politischer wie religiöser Tragweite. Høeg entwirft ein hintergründiges Spektrum von Religionsauffassungen und -konflikten, so dass sich das Buch liest wie ein Krimi über Fundamentalismus und Terroristen, Prostituierte und Politiker, Religion und Einsamkeit.
Der vierzehnjährige Peter kämpft zudem mit den inneren Elefanten" seiner seltsamen Eltern, dem plötzlich verschwundenen Pfarrerspaar einer kleinen dänischen Insel. Elefanten nennt er die Dämonen, die jemand in sich trägt, ob religiöser oder psychischer Natur. Letztlich sind es die in den Menschen und den Dingen verborgenen Fragen des Lebens.


Der nächtliche Lehrer: Roman
Der nächtliche Lehrer: Roman
von Klaus Böldl
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Natur- und Seelenlandschaften, 8. Februar 2011
Als Poetologie der erinnernden Wahrnehmung" hat Dorothea Dieckmann die in Klaus Böldls Büchern so kunstvoll wie unspektakulär entworfenen, zart-poetischen Natur- und Seelenlandschaften beschrieben. Außer seiner Geburtsstadt Passau in Drei Flüsse" widmet er sich in seinen Texten stets nordeuropäischen Regionen. Böldl ist Professor für mittelalterliche skandinavische Literatur.
Für das neue, schmale Buch des 46-jährigen Autors sollte man sich Zeit nehmen. Eigentlich geschieht darin wenig. Lennart tritt nach Abschluss des Studiums seine erste Lehrerstelle in einer kleinen Stadt in der schwedischen Provinz an, in einer so tiefen Abgeschiedenheit, dass man sich wohl niemals mehr aus ihr würde herausarbeiten können". Gerade durch seine Entlegenheit gerät in dieser feinen Miniatur der Landstrich unversehens zum Sehnsuchtsort. Hier wird unscheinbar gewohnt und Lennart spürt von Anfang an, dass sein Leben von jetzt an ein anderes sein wird, mit anderen Menschen und anderen Gedanken.
Der diese Landschaft wie das Schulhaus durchstreifende nächtliche Lehrer" mag dem Leser fremd bleiben. Er richtet sich in seiner schweigsamen Welt ein und findet in kleinen Dingen, die ganz von selbst ihren Lauf nehmen, Augenblicke des Glücks. Die Entdeckung, dass Plätze ihre Selbstverständlichkeit verlieren, wenn man sie einmal richtig angesehen hat, kann der Leser mit dem alles in Ruhe bedenkenden Lennart ebenso teilen wie die Erkenntnis, dass "alles jemals Wahrgenommene Teil einer unbeirrt dahinfließenden Geschichte ist".
Trotz schicksalhafter Brüche verläuft das Leben des Lehrers, der sich Kontakten mehr und mehr entzieht, in ruhigen Bahnen: Da man Zeit in erster Linie mit anderen Menschen teilt, hatte sie für Lennart keine Bedeutung." Wie der verwilderte Schulgarten, auf dessen Gelände schließlich ein Parkplatz angelegt wird, scheint auch Lennarts Dasein eingeebnet, "als würde sich der Kreis der vergeblichen Dinge geduldig in ihm ausweiten".
Böldl erzählt davon mit Bedacht, langsam und gemächlich, immer wieder innehaltend. Daraus lässt sich der Eindruck gewinnen, dass in der Abgeschiedenheit des Ortes die Sprache zu ihrem Ursprung findet. So gerät das Buch zu einer Art Lesespaziergang, dem letzten Endes auch eine gewisse Einsamkeit innewohnt.


Nichts: Was im Leben wichtig ist. Roman
Nichts: Was im Leben wichtig ist. Roman
von Janne Teller
  Broschiert
Preis: EUR 12,90

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grenzüberschreitungen, 8. Februar 2011
Bis heute ist umstritten, ob man jungen Lesern mit diesem Buch nicht zu viel zumutet. Janne Tellers Nichts" sorgte bei seinem Erscheinen in Dänemark vor zehn Jahren für einen Sturm der Entrüstung. Gleichzeitig erhielt es aber auch den Kinderbuchpreis des dänischen Kultusministeriums und ist dort trotz aller Kontroversen inzwischen Schullektüre, sogar Prüfungsstoff.
Nun liegt Tellers erstes Jugendbuch in der einfühlsamen Übersetzung von Sigrid C. Engeler auf Deutsch vor und wurde im August mit dem Luchs-Preis für Kinder- und Jugendliteratur ausgezeichnet. Unwillkürlich fühlt man sich an den im Kultbuch Die Welle" von Morton Rhue beschriebenen Unterrichtsversuch erinnert. Die 46-jährige Dänin widmet sich jedoch der Frage, was im Leben wichtig ist und welchen Sinn es haben sollte.
Ein vierzehnjähriger Schulverweigerer verrückt seinen Klassenkameraden den Blick auf das, was seiner Meinung nach wirklich zählt: Nämlich nichts. Das Leben sei die Mühe nicht wert, im Kreislauf von Werden und Vergehen letztlich alles belanglos und beliebig. Seine Mitschüler wollen ihm beweisen, dass er damit nicht Recht hat. Sie schaffen einen Berg aus Bedeutung, zu dem jeder beitragen muss mit der Maßgabe, sich von etwas zu trennen, was ihm besonders am Herzen liegt.
Sind das zunächst Lieblingsohrringe, Fußball oder Angelrute, entwickelt sich nach und nach aus der Absichtserklärung eine perfide Spirale, in der Kränkungen, Grenzüberschreitungen und Zwänge miteinander verschmelzen, obwohl für den erbrachten Beweis nicht geklärt werden kann, wie lange er Bedeutung haben wird: Jenseits des Glaubens an die Bedeutung war Leere." Mit der angehäuften Bedeutung und in dem Bemühen, diese zu ergründen, wachsen auch Schuld und Opfer, Hass und Rache. Mit unheilvoller Dynamik steuert alles auf eine Katastrophe zu.
Für Jugendliche ansprechend gestaltet, schmälert es die Wirkung des Buches jedoch, den detaillierten Handlungsverlauf bereits auf dem Klappentext zu finden. Keinesfalls sollte es als wohlmeinende Lektüre zur Jugendweihe verschenkt oder auf dem Nachttisch des Nachwuchses platziert werden. Dass das erzählte Geschehen zwar unfassbar, aber doch möglich ist, lässt sich besser gemeinsam im Klassenzimmer bearbeiten, vor allem die Frage: Wie würde ich mich verhalten? Eine Inszenierung für das Kinder- und Jugendtheater ist wünschenswert - in Skandinavien wurde das radikale Buch bereits Bühnenstoff. Auch für Eltern und Lehrer lohnt die Auseinandersetzung mit dieser Lektüre: Eine so drastische Parabel hat es im deutschen Jugendbuch lange nicht gegeben.


Der Fliegenpalast
Der Fliegenpalast
von Walter Kappacher
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,90

5.0 von 5 Sternen Vorzügliche Miniatur, 8. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Fliegenpalast (Gebundene Ausgabe)
Schauplatz des Buches ist ein Kurort im Salzburger Land an den ersten Augusttagen des Jahres 1924. Als vorzügliche Miniatur wird auf 170 Seiten der Kosmos gestaltet, der das Gemüt des Dichters Hugo von Hofmannsthal bei seinem Aufenthalt zu dieser Zeit bewegt haben könnte. Der vier Mal für den Nobelpreis nominierte Autor ist heute vor allem für den nicht nur in Salzburg alljährlich inszenierten Jedermann" und das Rosenkavalier"-Libretto bekannt. In besagtem Sommer ist er fünfzig und spürt zunehmend das Altern.
In dem ihm liebgewordenen Bad Fusch umwehen Hofmannsthal die Erinnerungen an gemeinsame Ferien mit den Eltern, besonders die arbeitsreichen Jahre als junger Schriftsteller mit einem Hang zur Antizipation. Überlegungen zu Zeitgenossen wie Joseph Conrad, Paul Valery, Max Reinhardt oder Robert Walser beschäftigen den lyrischen Geist, der sich in einer Schaffenskrise wähnt und von tiefer Sprachskepsis befallen ist.
Hofmannsthal fühlt sich verfolgt, während er sich immer mehr zurückzieht, gleichzeitig aber nach einem Gesprächspartner sehnt. Das früher ausgiebige Wandern und Radfahren scheitert aufgrund des Wetters und einer Kreislaufschwäche des Dichters. Die Beschäftigung mit den alten Griechen oder Balzac, seine liebsten Genres und Gönner - von all dem malt Walter Kappacher ein lebhaftes und deutliches Bild. Für diese Arbeit hat er einen wunderbaren Ton gefunden, der sowohl die Zeitstimmung als auch die Gedankenwelt Hofmannsthals anmutig spiegelt.
Der 70-jährige österreichische Schriftsteller hat hierzulande bisher keinen bekannten Namen. In den letzten Jahren mit dem Hermann-Lenz-Preis, dem Großen Kunstpreis des Landes Salzburg und der Ehrendoktorwürde der Universität Salzburg geehrt, widmet er sich gern ängstlichen, menschenscheuen und einsamen Naturen. Von Kritikern mit Adalbert Stifter oder Henry James verglichen, wird diese scheinbar mit leichter Hand geschriebene Novelle als historischer Künstlerroman gelobt. Kappacher verwebt mit viel Gefühl für Hofmannsthals Seelenlagen Briefauszüge und Zitate kunstvoll mit prominenten Namen, zeitgeschichtlichen Andeutungen und biografischen Eckpunkten des berühmten Dichters. Gesellschaftliche Veränderungen nach dem Sturz der Monarchie bewegen seinen Hofmannsthal in der Fusch ebenso wie das Verschwinden des alten Glanzes. Der Gasthof, in dem er auch bei früheren Aufenthalten zu logieren pflegte, nennt sich jetzt Grandhotel, ist aber ein Haus voller lästiger Fliegen.


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