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Rezensionen verfasst von
Mia Sinapis

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Härte: Mein Weg aus dem Teufelskreis der Gewalt
Härte: Mein Weg aus dem Teufelskreis der Gewalt
von Andreas Marquardt
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

5.0 von 5 Sternen Ein Leben ohne MutterSschutz, 15. März 2012
Alles im Leben des Zuhälters 'Karate-Andi' muss akkurat und perfekt sein. Eine Szene, die die Tragik seiner Geschichte auf den Punkt bringt, ist das Weihnachtsgeschenk, das ihm eine seiner Prostituierten macht: Sie schmückt den Weihnachtsbaum mit phantasievoll gefalteten Hunderten. Nach den Feiertagen nimmt er den Baumbehang ab, bügelt die Geldscheine sorgfältig und legt sie in den Schuhkarton zu den anderen gebügelten Scheinen. Disziplin, Ordnung und Perfektion sind die Triebwerke, die sein Leben bestimmen. Andreas Marquardt ist sieben Jahre alt, als seine Mutter mit den sexuellen Übergriffen beginnt und ihn wie die Speispinne im Netz ihrer Lebenslügen gefangen hält. Nacht für Nacht spuckt sie ihre klebrigen, lähmenden Spinnfäden auf ihr Opfer, tackert ihren Sohn wie eine Beute ans Bett und bringt ihm die Technik ihrer sexuellen Wünsche und Vorlieben bei. Als Pubertierender kann er das Perfide nur noch aushalten, wenn er ihr gibt was sie will. Und er schweigt, denn seine Glaubwürdigkeit ist gelähmt und er ist gefangen im Netz der Zerstreuungen. Als Erwachsener führt er fort, was er lernte: Nun webt er seine Fäden, umgarnt die Frauen und tackert seine Beute auf den Straßenstrich. Sind sie im Netz, müssen sie ihm geben, was er will.
Hier schließt sich der Teufelskreis: die Mutter schult das Kind zum Liebhaber, später schult und perfektioniert er die Prostituierten dahingehend, jeden Handgriff am Freier gewinnbringend einzusetzen. Karate-Andi wiederum bügelt zwanghaft die Falten aus seinen Zuhältereinnahmen um den innerlich geknickten Andreas Marquardt nicht sichtbar werden zu lassen.

Können Mütter (Frauen), die sich an (ihren) Kindern vergehen nicht vorstellen, dass schon allein ein inzesthaftes Klima eine Bannmeile verursacht, in der eine menschliche Entwicklung keine Chance mehr hat?
Wie soll man denn nach solchen Erlebnissen eine Beziehung aufbauen, die mit Vertrauen, Verantwortung, Sicherheit und Treue zu tun hat? Antwort gibt das Kapitel 'Cholera oder Pest'. Eine normale Entwicklung klappt bei solch' einer Mutter nicht. Sie hat die Tür zum Teufelskreis geöffnet, jede ihrer weiteren inzesthaften Handlungen trennt ihren Sohn von künftig normaler Beziehungsaufnahme. Aber trotzdem gibt es Hoffnung: die gewissenlose Selbstbedienung am Sohn lähmt, sie tötet nicht. Speispinnen sind kurzsichtig, sie können keine langen Fäden spinnen.

Das Buch ist spannend geschrieben, ich hatte es nach 12 Stunden durch und brauchte drei Tage, um es aus dem Kopf zu kriegen. Faszinierend ist die klare und eindeutige Lebensgeschichte, alles ist wie es ist und komplizierte Verhaltensweisen sind logisch auf den Punkt gebracht. Da es in Zusammenarbeit mit seinem Therapeuten Jürgen Lemke entstand, fiel mir beim Lesen oft der Begriff 'Tatortreiniger' ein. Einen normal aufgewachsenen Menschen überfordert eine Begegnung mit den Karate-Andis dieser Welt. Kaum jemand wagt einen Blick in die Pforten des Teufelskreises, denn dort sieht man blutverschmierte, von Maden zersetzte und verwest riechende Kinderseelen. Hier braucht es einen 'seelischen Tatortreiniger', der mit Spezialputzmittel agiert und dem es gelingt, den von der Mutter verursachten Dreck nach und nach zu säubern, den Verwesungsgeruch zu neutralisieren und menschliche Beziehungsgeflechte gemeinsam mit dem Opfer/Täter an einen ordentlichen Platz zu räumen.

Gut zu wissen, dass es Menschen gibt, die ihren Teufelskreis durchbrechen. Dazu gehört Mut zur Schwäche und das kostet Kraft. Jeden Tag aufs Neue.

Eine Empfehlung an Frauen mit Gewalterfahrungen, sie erhalten in dem Buch 'Härte' einen Einblick in die bösartige Denke eines gewalttätigen Mannes und verlieren vielleicht an Blauäugigkeit. Eine Empfehlung an Fachkräfte und Öffentlichkeit, sich endlich eingehender mit der Thematik 'Missbrauch durch Mütter' zu befassen und betroffene Kinder vor ihren Müttern zu schützen.

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