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5.0 von 5 Sternen
Auf Marcus folgt Marcellus, 9. Dezember 2011
Kurz vor Weihnachten ist es also endlich soweit. Mit Marcellus betritt die neue Reihe von Michael Kuhn die Bühne der historischen Romane und steigert sich im Vergleich zur Marcus-Trilogie noch einmal deutlich.
Die Geschichte nimmt den Leser mit an das Ende des 5. Jahrhunderts nach Christus. Nach dem Zusammenbruch des Weströmischen Reiches streiten sich zahllose Kleinkönige um die Vorherrschaft in Westeuropa, so auch die Herrscher Chlodwig, aus dem Geschlecht der Merowinger, und Sigibert, König der Rheinfranken in Köln. An eben jenem Hofe am Rhein tut der junge Krieger Marcellus seinen Dienst in diesen unruhigen Zeiten. Seine erste Bewährungsprobe lässt nicht lange auf sich warten: Im Auftrag seines Herrn soll er dem ihm verhassten Thronfolger eine burgundische Prinzessin zuführen und sie sicher durch das von marodierenden Alamannen bedrohte Gebiet eskortieren. Ein Auftrag, der Marcellus an die Grenzen seiner Loyalität zu Sigibert und in den Einflussbereich des Merowingers Chlodwig führt...
Wer die bisherigen drei Titel aus der Marcus-Reihe von Michael Kuhn kennt und eine ähnliche historische Genauigkeit erwartet, wird nicht enttäuscht. Wieder hat sich der Autor offenbar sehr um Authentizität bemüht (die Aufzählung der Historiker und Archäologen, die anscheinend an dem historischen Background mitgearbeitet haben, vermitteln mir eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Realgeschichte) und webt in diesem Start einer neuen Reihe ein lebhaftes, zeitweise düster-realistisches Bild des frühen Mittelalters. Fernab von Mittelalterklischees und eintöniger schwarz/weiß Zeichnung der Charaktere entwickelt sich mit jeder Seite eine stimmungsgeladene Geschichte, die am Ende nach einer Fortsetzung schreit.
Da ich die Marcus-Reihe bereits kenne, will ich die deutliche Weiterentwicklung der Charaktere in diesem Buch sehr lobend hervorheben. War bei Marcus der ein oder andere Nebencharakter noch Stichwortgeber, füllt Kuhn hier jede Figur mit Leben, eigenen Motivationen und einer ureigenen Stimme. Ganz hervorragend ist die historische Figur des Merowinger Chlodwig gelungen, der alles andere als leicht zu durchschauen ist.
Ebenfalls wieder gut gefallen hat mir der Teil Spurensuche am Ende des Buches, der die einzelnen Handlungsorte der Geschichte noch einmal näher beleuchtet. Zwar finden sich weniger wirklich frühmittelalterliche Gebäude dort aufgeführt (der Autor erklärt es so, dass die Franken römische Bauten einfach 'abgewohnt' haben), aber trotzdem gibt die Spurensuche einen noch tieferen Einblick in die Zeit am Ende des 5. Jahrhunderts. Lobend sei hier auch erwähnt, dass die Zeichnungen und das Kartenmaterial in diesem Buch eine deutliche Steigerung erfahren haben. Qualitativ ganz große Klasse!
Eine ganz klare Kaufempfehlung also für alle Freunde des historischen Romans, die Spaß an lebendiger Geschichte haben. Wer Bernard Cornwell mag, wird sich bei Michael Kuhns Merowingern schnell zuhause finden!