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Rezensionen verfasst von
Tristram Shandy
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   

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Fort Worth - Edwin L. Marin - Randolph Scott
Fort Worth - Edwin L. Marin - Randolph Scott

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen No Noose Is Good News, 17. Dezember 2014
Wenn ein Mann, der gut mit der Waffe umgehen kann, diese ablegt, um sich fortab anderen Dingen zu widmen, dann weiß der geneigte Westernliebhaber, daß eine solche Entscheidung nur von kurzer Dauer sein kann, denn früher oder später gilt es, sich gegen Schurken zu erwehren, die nur eine Sprache verstehen. Diese Erfahrung muß auch Ned Britt (Randolph Scott) machen, der Held des von Edwin L. Marin gedrehten Westerns „Fort Worth“ aus dem Jahre 1951. Britt ist fest entschlossen, seiner gewaltgeprägten Vergangenheit den Rücken zu kehren und zusammen mit seinem Freund Ben Garvin (Emerson Treacy) eine Zeitung herausgeben, was er eigentlich in San Antonio tun will. Als er jedoch auf dem Wege dorthin in seiner alten Stadt Fort Worth vorbeikommt, überreden ihn seine alte Flamme Flora (Phyllis Thaxter) und deren Verlobter Blair Lunsford (David Brian), dazubleiben und vor Ort eine Zeitung zu gründen. Etwas widerwillig zunächst, willigt Britt schließlich ein.

Doch eine friedliche Karriere als Zeitungsherausgeber scheint ihm nicht beschieden zu sein, denn bald schon taucht der zwielichtige Gabe Clavenger (Ray Teal) mit seinen Cowboys auf, um Terror zu verbreiten. Er sieht durch die von Lunsford geplante Eisenbahnlinie nämlich seine Felle wegschwimmen, da die Bahn den langwierigen Viehtrieb überflüssig machen wird. Also versucht er, die Eisenbahn mit allen Mitteln aus Fort Worth fernzuhalten. Doch Unheil droht nicht nur von ihm, hat doch Ben Garvin den Verdacht, daß Clavenger eigentlich im Auftrage Lunsfords handelt, dem daran gelegen ist, möglichst viel Land in der Umgebung zu niedrigen Preisen einzukaufen, und kurz nachdem Garvin Lunsford gegenüber seinen Verdacht geäußert hat, findet man den alten Zeitungsmann mit einem Messer im Rücken in seiner Redaktion. Spielt Britts alter Freund Lunsford ein ehrliches Spiel, oder steckt er mit Clavenger unter einer Decke?

Die Antwort wird hier natürlich nicht verraten, denn die Auflösung ist einer der Reize, die dieser alte, zwar nicht sonderlich originelle, aber doch höchst unterhaltsame Western für den Zuschauer bereithält. Ein anderer Reiz war für mich persönlich, den Mimen Ray Teal, den ich aus meiner Kindheit als Sheriff in der Serie „Bonanza“ kannte, mal in einer etwas hervorgehobenen Rolle zu erleben, und hier hat Teal mich wirklich überzeugt. Wie er seinem rauhbeinigen Schurken eine gewisse Schmierigkeit verleiht und die Gelegenheit, mal ein wenig glänzen zu dürfen, gleichermaßen nutzt wie genießt, ist schon sehr sehenswert. Auch ansonsten vermag „Fort Worth“ gut zu unterhalten, wenngleich der in der Handlung angelegte innere Konflikt Britts nicht wirklich darstellerisch ausgeschöpft wird. Sowohl Lunsford als auch Flora drängen ihn immer wieder, gegen Clavenger die Waffe in die Hand zu nehmen – schon allein, um einen kleinen Jungen zu rächen, der durch Clavenger zu Tode kam –, doch spielt Britts persönlicher Kampf zwischen seinen guten Vorsätzen und den vermeintlichen Erfordernissen der Situation so gut wie keine Rolle. Wir sind hier – das sollte jedem klar sein, der mit dem Film liebäugelt – Lichtjahre von der ergreifenden Intensität der Boetticher-Kammerspiele entfernt und haben statt dessen eher einen handwerklich soliden, actionreichen und routinierten Western vor uns. Gerade das Richtige für einen verregneten Sonntagnachmittag. Nicht mehr, nicht weniger.


Kaufmann Neuheiten KIHHW003 Aqueduck Wasserhahnverlängerung, blau
Kaufmann Neuheiten KIHHW003 Aqueduck Wasserhahnverlängerung, blau
Preis: EUR 9,95

3.0 von 5 Sternen Kommt sehr gut an, hat aber ein paar Einschränkungen, 16. Dezember 2014
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Zunächst war ich sehr skeptisch gegenüber der Aqueduck Wasserhahnverlängerung, weil ich dachte, dies sei einer der Artikel, die die Welt nicht braucht, aber nach einer Woche Einsatz muß ich mein Urteil dann doch revidieren:

Diese kleine Vorrichtung paßt sehr gut auf einen eckigen Wasserhahn und gestattet es meinem Nachwuchs, der noch nicht zu ganzer Körperhöhe ausgewachsen ist, sich unter fließendem Wasser die Hände zu waschen oder auch die Zahnbürste mit Wasser zu benetzen. Zwar kommt das Kind noch nicht eigenhändig an den Hebel, mit dem man das Wasser anstellt, doch würde ich es ja ohnehin nicht ohne Aufsicht im Badezimmer herumexperimentieren lassen. Ein großer Vorteil der Verlängerung besteht aber darin, daß sich die Kleine auf einen Fußschemel stellen und von dort aus an den verlängerten Wasserstrahl heranreichen kann, so daß ich nicht mehr gezwungen bin, sie auf dem Arm zu halten, während sie sich die Hände wäscht. Ihr macht das Ganze einen unheimlichen Spaß, auf diese Weise ein wenig plantschen zu können. Insofern finde ich das Produkt eigentlich für jüngere Kinder als die im Werbespot gezeigten zweckmäßig.

Der einzige Nachteil ist allerdings der Preis, der mir recht übertrieben erscheint, denn der Artikel ist gänzlich aus Kunststoff und ist zudem nicht wirklich notwendig, sondern einfach nur nett. Würde die Verlängerung für weniger Geld zu haben sein, bekäme sie von mir vier Sterne – vier, weil die meisten Drei- oder Vierjährigen ja auch mit der Verlängerung nicht an den Hebel kämen. Angesichts des Preises bleiben von diesen vier Sternen dann noch drei übrig.


Dein finsteres Herz: Detective Max Wolfes erster Fall. Kriminalroman
Dein finsteres Herz: Detective Max Wolfes erster Fall. Kriminalroman
von Tony Parsons
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Max Wolfe hat Potential, 16. Dezember 2014
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Mit „Dein finsteres Herz“ (engl. Originaltitel „The Murder Bag“) haben wir nun auch in Deutschland Tony Parsons‘ Krimidebüt vor uns liegen, das – wie ich finde – alles in allem gut gelungen ist und auf jeden Fall beim Leser für einige spannungsgeladene Stunden sorgen wird.

Zur Handlung will ich gar nicht viel schreiben, denn bei einer Krimirezension verbietet sich diesbezüglich jedes zu weit gehende Wort. Nur so viel: Aufgrund einer besonderen Heldentat, die eigentlich eher Max Wolfes‘ Eigensinn als etwaiger Besonnenheit entsprungen ist, findet sich der Beamte, alleinerziehender Vater einer fünfjährigen Tochter, auf eigenen Wunsch bei der Mordkommission wieder und wird dort unter der Leitung seines neuen Vorgesetzen Mallory mit einem besonders grausamen Fall konfrontiert: Einem wohlsituierten Banker ist mit einer geheimnisvollen Mordwaffe sauber die Kehle durchtrennt worden – der Buchrücken kündet davon etwas reißerisch: „Ein Killer geht um. Er schlitzt Kehlen auf. Und er ist gut darin.“ –, und kurze Zeit später folgen noch weitere ähnliche Morde. Schnell findet die Polizei heraus, daß zwischen den Mordopfern ein Zusammenhang besteht. Gut – das ist nicht sonderlich überraschend, doch dem Twist des Buches wird man ein Überraschungsmoment der besonderen Art schwerlich absprechen können.

Plot und Ausführung des Buches finde ich sehr gelungen, und auch Parsons‘ Schreibstil verrät auch in der Übersetzung noch den versierten Literaturkritiker und Journalisten, auch wenn manche Metaphern ein wenig grell geschminkt sind.

Besonders gut gefiel mir auch der Ton menschlicher Wärme, der in manchen Passagen deutlich wird. So zählen für mich zu den Höhepunkten des Romans durchaus die eigentlich nicht kriminalistischen Passagen, in denen der Erzähler uns das Leben Wolfes mit seiner Tochter und seinem Hund nahebringt und in denen klar wird, daß Wolfe mit seiner Tochter unter dem Verlust der Mutter leidet. Als Erzähler bringt Parsons auch den notwendigen Respekt für die good guys mit, während die bad guys doch eher stereotyp gezeichnet sind. Das paßt aber für mich persönlich, wenn man sich vergegenwärtigt, daß Parsons mit seiner Figurenzeichnung vielleicht auch ein wenig Sozialkritik an den gegenwärtigen Verhältnissen in seinem Heimatland üben möchte.

Weniger gefallen haben mir einige Passagen unnötiger Brutalität, und auch den furiosen Beginn, mit dem Wolfe eingeführt wird, fand ich eher übertrieben. Zudem ist zu spüren, daß sich Parsons sehr mit seiner Hauptfigur zu identifizieren scheint, die er beinahe als perfekten, nicht etwa gebrochenen Helden, darstellt: Woher Wolfe die Zeit nimmt, als alleinerziehender Vater neben seinem Beruf noch ausgiebig Boxen zu gehen, ist mir beispielsweise – trotz der hilfreichen Mrs. Murphy – nicht einsichtig. Auch die Liebesgeschichte, die mal eben so eingestreut wird, erscheint mir ein wenig aufgesetzt. Lebt hier ein Autor ein wenig in seiner Hauptfigur? Wenn dem so ist, wäre ihm ein bißchen Selbstironie zu wünschen.

Insgesamt ist „Dein finsteres Herz“ ein gelungener Roman, den ich fast an einem Stück – mit den notwendigen Unterbrechungen, um Lebensfunktionen aufrechtzuerhalten – durchgelesen habe. Auf weitere Fälle dieses Ermittlers bin ich gespannt.


Xoro KidsPAD 901 22,9 cm (9 Zoll) Tablet-PC für Kinder (Rockchip A9 Dual Core, 1,2 GHz, 1GB RAM, 8GB FLASH, Android 4.2, WLAN, 2x CAM, Kindersicherung) inkl. Silikon-Schutzhülle gelb
Xoro KidsPAD 901 22,9 cm (9 Zoll) Tablet-PC für Kinder (Rockchip A9 Dual Core, 1,2 GHz, 1GB RAM, 8GB FLASH, Android 4.2, WLAN, 2x CAM, Kindersicherung) inkl. Silikon-Schutzhülle gelb
Preis: EUR 99,94

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine schöne Idee, die überzeugend umgesetzt wurde, 12. Dezember 2014
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Computerspiele und das Internet dürften viele Eltern heutzutage vor bedeutsame Herausforderungen stellen, denn mittlerweile sind diese reizvollen Medien bei Kindern wohl schon vor dem Grundschulalter angesagt, und will man die lieben Kleinen zu einem vernünftigen Umgang mit ihnen erziehen und sie nicht durch Entzug zu Halbzombies machen, die später ihr Smartphone wie einen besonders häßlichen Körperteil vor sich hertragen, dann sollte man sie frühzeitig mit diesen Medien vertraut machen. Das Xoro KidsPAD 901 bietet sich meiner Meinung hervorragend dafür an, Kinder im Rahmen einer kontrollierten Selbständigkeit die Möglichkeit zu geben, ihre Erfahrungen mit Tablets und dem World Wide Web zu sammeln.

Das Xoro KidsPAD ließ sich bei mir problemlos einrichten, wobei einerseits die ausführliche Bedienungsanleitung hilfreich war; andererseits erlaubt es auch eine intuitive Bedienung. Es besteht ferner die Möglichkeit, das Tablet auch als Erwachsenen-Tablet zu nutzen, wobei man dann den vorhandenen Speicherplatz von 8 GB vielleicht mit einem externen Speicher ein wenig aufbessern sollte. Man arbeitet hierbei mit einem Android 4.2 Jelly Bean Betriebssystem, d.h. es führt kein Weg an Google vorbei.

Für Kinder ist das Xoro KidsPAD meiner Meinung nach sehr gut geeignet, denn als Erwachsener kann man bis zu vier verschiedene Kinderkonten – jeweils mit eigenem Passwort – erstellen, denen man jeweils eigene Funktionen zuordnen kann. Auf diese Weise läßt sich beispielsweise auch steuern, welche Internetseiten mit einem bestimmten Konto aufgerufen werden können, was ja besonders wichtig ist: Einfach mit dem Elternkonto eine Auswahl treffen, und sie dem betreffenden Konto zuordnen, und schon kann das jeweilige Kind nur auf die selektierten Websites Zugriff erhalten. Auf diese Weise läßt sich zudem bei Bedarf festlegen, wieviel Zeit ein Kind am Stück und auch am Tag mit dem Tablet verbringen darf. Es kann also festgehalten werden, daß das Xoro KidsPAD die Möglichkeit bietet, die Aktivitäten eines Kindes im Netz und am Tablet zu kontrollieren, ohne daß man als Erwachsener dem Kind stets über die Schulter gucken müßte.

Darüber hinaus ist die Oberfläche für die Kinderkonten auch sehr schön animiert – eben nach Kinderbedürfnissen – und trägt dazu bei, daß die Kinder das Gerät intuitiv bedienen können. Anfangs werden bei jüngeren Nutzern sicherlich auch einige Erklärungen notwendig sein, aber der Schritt in die Selbständigkeit kann schon früh getan werden. 16 Kinderanwendungen sind vorinstalliert, doch läßt sich aus einem Angebot von 500 Lernangeboten weiteres Input wählen. Eine nette Idee ist auch die Möglichkeit, ein Haustier zu adoptieren, das man füttern, waschen, spazierenführen etc. kann. Dieses Spielzeug wird einem Kind bestimmt nicht zu schnell langweilig, doch garantiert es eben auch, daß es – neben dem Umgang mit einem Tablet – andere Dinge lernen kann.

Die integrierte Kamera dürfte die Bedürfnisse Erwachsener sicher nicht befriedigen, doch für den Gebrauch durch Kinder ist sie allemal okay. Mich überzeugt außerdem der Lieferumfang, der u.a. ein Netzkabel zum Aufladen, ein USB-Kabel und einen – in meinem Fall gelben – Silikonrahmen umfaßt. Dieser Rahmen kann genutzt werden, um das Tablet zu schützen; gleichzeitig gibt er dem Kind auch die Möglichkeit, das Gerät zu tragen.

Alles in allem hat mich das Xoro KidPAD auf ganzer Linie als Kinder-Tablet überzeugt.


GEO Epoche 68/2014 - Der Wilde Westen
GEO Epoche 68/2014 - Der Wilde Westen
von Michael Schaper
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 10,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Blick hinter die Kulissen des Frontier-Mythos, 8. Dezember 2014
Den jedenfalls verspricht die 68. Ausgabe des GEO-Epoche-Magazins, die sich mit dem Wilden Westen befaßt, jenem rauhen, von Abenteuern durchraunten Traumland, das mich schon seit meiner Kindheit faszinierte und zu dem ich durch die wöchentlichen „Western von gestern“- und „Rauchende Colts“-Sessions, unzählige Westernklassiker aus der Flimmerkiste im Hause meiner Großeltern sowie die Werke Karl Mays Zugang fand. Noch heute brauche ich einfach einmal pro Woche einen Western, so wie andere Leute ihren morgendlichen Kaffee brauchen, und fiebere mit, wenn Shane als strahlender Held die Welt in Ordnung bringt und anschließend wieder aus ihr verschwindet oder wenn Ethan Edwards oder Howard Kemp den Kampf mit ihren inneren Dämonen ausfechten.

Die Wirklichkeit des Wilden Westens war freilich oftmals eine andere als die, von denen uns die geliebten Westernklassiker erzählen – aber dem Westernfan geht es ja eigentlich nicht vordringlich um die Geschichte hinter den Geschichten. Diese wird uns in Schlaglichtern in der 68. GEO-Epoche nahegebracht. Sehr interessant fand ich beispielsweise die zwei Artikel, die sich mit dem Unrecht beschäftigen, das die Ureinwohner von seiten der Kolonisatoren erfuhren: So beschäftigt sich Cay Rademacher mit dem Schicksal der fünf Stämme im Osten der USA, die sich frühzeitig der Lebensweise der Neuankömmlinge anpaßten, dann aber doch dem unmäßigen Landhunger und der Gier der Weißen weichen mußten – eigentlich wie in Anthony Manns Western „Devil’s Doorway“ (1950) – und schließlich mit Einschüchterung, vagen Versprechungen und Waffengewalt gen Westen deportiert wurden. Fünfzig bis sechzig Jahre später sollte auch die Prärieindianer im Westen das Schicksal ereilen, in Reservate abgedrängt zu werden; von dem Kampf der stolzen Komantschen gegen dieses Unrecht und von den Opfern, die er auf beiden Seiten erforderte, erzählt der Beitrag von Ralf Berhorst. Auch in anderen Beiträgen wird immer wieder deutlich, wie die Rechte der Ureinwohner mit Füßen getreten wurden: So macht Johannes Strempels Artikel „Stadt ohne Gesetz“, in der es um die Entstehungsgeschichte der Stadt Deadwood – wer kennt nicht die dazugehörige Mini-Serie? – geht, deutlich, daß es sich um eine illegale Stadt handelt, die goldgierige Abenteuer auf Sioux-Territorium inmitten heiligen Gebietes errichteten.

Auch andere Aspekte des Wilden Westens werden mit kritischem Blick beleuchtet: So gibt Mathias Mesenhöller Einblick in die Geschichte des Baus der transkontinentalen Eisenbahn. Was von Hollywoodveteranen wie John Ford („The Iron Horse“, 1924) oder Cecil B. DeMille („Union Pacific“, 1939) als technisch-zivilisatorische Großtat und Beitrag zur Vereinigung des Landes ungeachtet des Bürgerkrieges verklärt wurde, zeichnet Mesenhöller vor allem als ein Wettrennen zweier Kapitalgesellschaften, die mit allen Mitteln versuchten, möglichst viele Streckenmeilen zu verlegen, um in den Genuß der damit verbundenen finanziellen Vorteile zu gelangen. Auch die historische Bedeutung der Strecke, die endgültig dazu beitrug, die Lebensweise der freien Prärievölker zu untergraben, wird kritisch hinterfragt. Einen weiteren Mythos durchleuchtet der Aufsatz von Christina Schneider, die sich mit dem Leben des Gesetzlosen Jesse James beschäftigt und dabei aufzeigt, wie er schon zu Lebzeiten von einem geschäftstüchtigen Journalisten zu einer Art modernem Robin Hood verklärt wurde.

Weniger überzeugend finde ich hingegen die Entscheidung der Historikerin Isabelle Berens, den Goldrausch in Kalifornien nur anhand nebeneinandergestellter Zeitzeugendokumente aufzuarbeiten, denn hier hätte man sich ungeachtet der manchmal sehr bewegenden Eindrücke mehr Hintergrundinformationen gewünscht.

Weitere Artikel befassen sich mit dem Leben der Trapper, des legendären und tragisch endenden Donner-Trecks, dem Alltag der Cowboys und dem Oklahoma Land Run. Immer wird eigentlich deutlich, daß es letztlich harte Dollars waren, die das Leben der Menschen geprägt und auf ihre Entscheidungen Einfluß genommen haben und daß der Frontier-Gedanke bestenfalls als ideologischer Überbau fungierte. Wer den Western so liebt wie ich, wird beim Lesen dieses Heftes immer wieder Ernüchterung und auch Enttäuschung spüren, aber dennoch dankbar für die kritischen Stimmen sein.

Gewünscht hätte ich mir noch einen Beitrag über das Genre des Hollywood-Westerns und wie es jeweils teils kritische, teils affirmative Antworten auf drängende politische und kulturelle Fragen des 20. Jahrhunderts gab, denn wenn man schon die Geschichte hinter dem Mythos betrachtet, wäre auch ein Blick auf den Mythos selbst interessant. Dem Neugierigen sei diesbezüglich ein Blick in Richard Slotkins vorzügliche Monographie „Gunfighter Nation. The Myth of the Frontier in Twentieth-Century America“ empfohlen, den Schlußband einer Trilogie, dessen erste zwei Bände ebenfalls sehr lesenswert sind.


Epson PS-500B E11E205013 Aktivitäts- und Herzfrequenztracker Pulsense
Epson PS-500B E11E205013 Aktivitäts- und Herzfrequenztracker Pulsense
Preis: EUR 199,00

2.0 von 5 Sternen Ich komme mit diesem Gerät einfach nicht zurecht, 8. Dezember 2014
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Im folgenden möchte ich meine persönlichen Eindrücke zu der Epson PS-500B E11E205013 Aktivitäts- und Herzfrequenztracker Pulsense wiedergeben, die freilich keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erheben, denn die Bewertung mag vielleicht schon ganz anders aussehen, wenn man ein Smartphone hat, das mit dem Gerät kommunizieren kann – das neue Smartphone meiner Frau zeigte sich hier inkompatibel – und somit nicht darauf angewiesen ist, den Tracker mit dem Computer zu verbinden. Ich sollte vielleicht auch hinzufügen, daß ich kein besonders versierter Technikfreak bin und daß ich keinerlei Geduld habe, mich lange durch irgendwelche Installationsvorgänge und Uploads zu pfriemeln, sondern Geräte bevorzuge, die sich intuitiv bedienen lassen. Insofern wird dies hier ein eher subjektiv gefärbter Erfahrungsbericht.

Kommen wir erst einmal zur Hardware: Einige Rezensenten haben die Klobigkeit des Aufladegeräts bemängelt, die eher einer Klammer gleicht. Dies stört mich, ehrlich gesagt, nicht weiter, denn der Akku reicht für ungefähr 2 Tage, so daß man den Tracker nicht täglich aufladen muß. Was mich allerdings sehr stört, ist der Umstand, daß hier kein Netzstecker mitgeliefert wurde, so daß ein Aufladen von der Steckdose aus nicht möglich ist. Stattdessen muß ich den Tracker jedesmal am PC aufladen – ein Umstand, den man leicht hätte vermeiden können.

Der Tracker selbst sieht schon recht auffällig aus, und da er am linken Handgelenk getragen werden muß, ersetzt er eine dezente Uhr, ohne dabei dezent zu sein. Da dies ja nicht ein Herzfrequenzmesser ist, den man sich mal eben zum Sport anlegt, sondern ein Gerät, das 24 Stunden am Tag getragen werden muß, damit es weitreichende Informationen zum Fitnesszustand liefert, wäre es sicher von Vorteil gewesen, wenn man es ein wenig unauffälliger gestaltet hätte.

Ein weiterer, gravierender Nachteil ist, daß die Einstellungen an dem Tracker nicht am Gerät selbst vorgenommen werden können, sondern auch wieder nur, indem man ihn an einen Computer anschließt (oder mit einem Smartphone koppelt). Nicht einmal die Uhrzeit läßt sich – soweit sich mir die Handhabung erschließt – „manuell“ ändern.

Wie gesagt, das Smartphone meiner Frau läßt sich nicht mit dem Tracker koppeln, so daß wir uns über den PC angemeldet und ein Konto angelegt haben – ist auch so eine Sache, seine persönlichen Daten auf einem Server zu speichern, aber das weiß man ja vorher. Nachdem das Konto angelegt war, konnte ich auch endlich, endlich einen Blick auf die Gebrauchsanweisung tun, denn abgesehen von einem Quick Start Guide liegt dem Gerät keine gedruckte Anleitung bei. Dies ist eigentlich eine Unart, die leider immer häufiger vorkommt, denn auf diese Weise bin ich gezwungen, jedesmal wenn ich eine Information bezüglich der Handhabung des Gerätes benötige, ins Netz zu gehen, und da ich nicht zu den Leuten gehöre, die ständig online sind, halte ich ein solches Verfahren schon für sehr umständlich. Abgesehen davon finde ich die Gebrauchsanleitung auch ausgesprochen unübersichtlich, da sie mir nicht in systematischer Weise die Handhabung des Trackers mit allen Funktionen erklärt. Jedenfalls bin ich mit der Gebrauchsanleitung und mit der Hilfe-Seite nicht wirklich gut zurechtgekommen.

Zudem haben wir das Problem, daß die Daten, die meine Frau durch das Tragen des Trackers gesammelt hat, nicht in ihr persönliches Profil übertragen werden. Den in den FAQ angegebenen Hilfestellungen bin ich gefolgt – leider ohne Erfolg.

Insofern können wir den Tracker gegenwärtig nur als Herzfrequenzmesser benutzen – eine Sache, die das Gerät wirklich sehr gut macht, indem es beispielsweise auch starke Belastungszeiten anzeigt. Doch werden zum Beispiel all die Schritte, die meine Frau am Tag zurückgelegt hat und die vom Gerät selbst angezeigt werden, nicht in ihr Profil übertragen. Auch die Uhrzeit wird nicht korrekt angezeigt, was schon beim ersten Koppeln des Gerätes mit dem PC der Fall war. Vielleicht hat man all diese Probleme nicht, wenn man ein kopplungsfähiges Smartphone benutzt, und vielleicht bin ich mit meinen technischen Problemen auch nur der Ausnahmefall unter den PC-Nutzern – ich weiß es nicht, aber mittlerweile habe ich es aufgegeben, mich durch die Bedienungsanleitung zu klicken und herumzutüfteln.

Dementsprechend fällt meine subjektive Bewertung an dieser Stelle nicht sonderlich positiv aus, doch bleibe ich bei zwei Sternen. Zum einen, weil die Herzfrequenzanzeige ja gut funktioniert; zum anderen – und dies ist der Hauptgrund –, weil ich mir vorstellen kann, daß meine schlechten Erfahrungen auf technische Probleme zurückzuführen sind, die nur mein Exemplar des Gerätes betreffen.


babies best Magics Premium 3.0 Windeln Gr.4 Maxi 7-18 kg Monatspackung, 174 Windeln
babies best Magics Premium 3.0 Windeln Gr.4 Maxi 7-18 kg Monatspackung, 174 Windeln
Preis: EUR 29,48

3.0 von 5 Sternen Leicht und dünn, aber die Aufnahmefähigkeit hat mich nicht ganz überzeugt, 3. Dezember 2014
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Zunächst einmal hatte ich einen sehr guten ersten Eindruck von den babies best Magics Premium 3.0 Windeln, denn sie sind wirklich viel dünner als manch andere Windel, nehmen in der Wickelkommode deshalb wenig Platz ein und ermöglichen dem Baby natürlich auch eine größere Bewegungsfreiheit. Auch die Form dieser Windeln überzeugte mich, denn durch die ausgeprägten Seitenbündchen, die so angelegt sind, daß sie nicht scheuern, wird ein Auslaufen der Flüssigkeit gut verhindert, und die zwei Klebestreifen, mit denen man die Windeln verschließen kann, sind so flexibel, daß das Fehlen eines dehnbaren Bereiches im hinteren Bereich der Windel perfekt ausgeglichen wird.

Mit anderen Worten: Die Windel sitzt sehr gut. Paß, wackelt und hat Luft! Auch habe ich bislang bei unserer kleinen Testperson noch keine wunden Stellen bemerkt, und wir testen die Windeln schon seit einigen Tagen. Allerdings vornehmlich tagsüber, d.h. in einer Situation, in der die Windeln sehr häufig gewechselt werden.

Heute nachmittag habe ich dann mal eine der babies best Windeln mit einer herkömmlichen Windel – kein teures Markenmodell! – zusammen einem kleinen Test unterzogen. Ich legte beide Windeln auf den Tisch nebeneinander und ließ jeweils 100 ml blaugefärbtes Wasser darauflaufen, was sicherlich der Menge entspricht, die ein Baby nachts in die Windeln macht. Beide Windeln saugten das Wasser auf, die babies best zunächst sogar etwas schneller. Doch was mir nicht so gefiel, war, daß die babies best an der Oberfläche feuchter war als die andere Windel. Als ich meine Hände sachte auf jeweils eine der beiden Windeln drückte, war die babies-best-Hand um einiges feuchter als die andere Hand. Ich muß also davon ausgehen, daß bei einer Menge von 100 ml der mit dieser Windel gewickelte Babypo tendentiell feuchter bleibt, was für mich bedeutet, daß ich sie unserem Baby nachtsüber nicht anlegen würde. Ich weiß freilich nicht, wie das Ergebnis ausfällt, wenn man die 100 ml nicht auf einmal in die Windel gibt: Vielleicht ist die Saugkraft in solch einem Fall höher, doch sind 100 ml ja auch nicht eine so große Menge.

Fazit: Tagsüber, wenn man ohnehin häufiger wechselt, dürfte die babies best sicher gut geeignet sein, doch in der Nacht bzw. bei größeren Mengen scheint sie durchaus an ihre Grenzen zu stoßen.


Einhell BT-BO 35 A Starthilfekabel, Benzinm. bis 7.000 ccm/Dieselm. bis 4.000 ccm, inkl. Tragetasche
Einhell BT-BO 35 A Starthilfekabel, Benzinm. bis 7.000 ccm/Dieselm. bis 4.000 ccm, inkl. Tragetasche
Wird angeboten von SVH Handels-GmbH
Preis: EUR 34,95

5.0 von 5 Sternen Sehr gute Qualität, 29. November 2014
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Natürlich habe ich jetzt nicht vorsätzlich die Autobatterie meines Wagens entleert, um das Einhell BT -BO 35 A Starthilfekabel zu testen, sondern eher den Vergleich mit einem anderen Kabel gesucht. Hierin überzeugte mich das Einhell Starthilfekabel allerdings vollends.

Zwar ist mein altes Kabel um vieles leichter und auch etwas dünner als das Einhell Starthilfekabel, so daß ich es ohne Probleme unter meinem Autositz verstauen konnte, doch auch dieses Kabel kann noch bequem unter dem Sitz gelagert werden, hat es in seiner mit einem Reißverschluß verschließbaren Plastiktasche – praktischerweise mit angenähtem Griff – doch als Paket eine Höhe von 5,5 bis 6 cm. Ebenfalls gut ist, daß die Isolierung fest mit den sehr stabilen Klemmen verarbeitet ist, so daß hier nichts verrutschen kann. Bei meinem alten Kabel waren die Griffe der Klemmen einfach mit Kunststoffhülsen überzogen, die durchaus reißen oder verrutschen können. Nach mehrfacher Benutzung waren die Klemmen meines alten Kabels zudem leicht ausgeleiert, doch habe ich bei diesem Kabel den Eindruck, daß die Klemmen lange in Form bleiben werden, so daß ich mich so bald nicht um ein neues Kabel werde kümmern müssen.

Zu erwähnen ist auch die gezackte Form der Metallklemmen, die dafür sorgt, daß das Starthilfekabel nicht so leicht verrutschen kann. Für diejenigen, die sich beim Starthilfekabel unsicher sind, welche Klemme wo angeschlossen werden und, vor allem, wie der Überbrückungsvorgang zu beenden ist, gibt es auch noch eine sehr gut verständliche Anleitung.

Insgesamt ist dieses Zubehör für das eigene Auto sehr zu empfehlen.


Briefe aus dem Jenseits
Briefe aus dem Jenseits
DVD ~ Robert Cummings
Preis: EUR 10,48

4.0 von 5 Sternen „The Lost Hour and a Half“, 29. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Briefe aus dem Jenseits (DVD)
[Vorsicht, Spoiler!]

Zu diesem wenig schmeichelhaften Urteil kam Hauptdarstellerin Susan Hayward selbst, nachdem sie sich Martin Gabels Mystery-Romanze-Literaturverfilmung “The Lost Moment” (1947) angesehen hatte, und wenn ihr süffisantes Wortspiel auch gar zu vernichtend ist – gehört Haywards großartige Verkörperung der Frau mit der gespaltenen Persönlichkeit doch gerade selbst zu den Gründen, warum man hier nicht 90 Minuten seines Lebens vertrödelt –, so ist dieser Film doch mit einigen Schwächen behaftet, die den Zuschauer am Ende ein wenig verstimmt zurücklassen.

Gabel legt dieser seiner einzigen Regiearbeit die Erzählung „The Aspern Papers“ von Henry James zugrunde, die er jedoch in wesentlichen Punkten abändert. Der Verleger Lewis Venable (Robert Cummings) ist auf der Suche nach den verschollenen Liebesbriefen, die der berühmte Dichter Jeffrey Ashton, der in den 1840er Jahren spurlos verschwand, seiner Geliebten Juliana geschrieben hat. Venable ist der festen Überzeugung, mit diesen Briefen einen poetischen Schatz zu heben, den er der Welt zugänglich machen möchte. Mit Hilfe eines Mannes namens Charles (John Archer) findet er heraus, daß die besagte Juliana Borderau (Agnes Moorehead) noch immer, im stolzen Alter von 105 Jahren, zurückgezogen in einem alten Haus in Venedig lebt und daß sie die Briefe versteckt halten könnte. Unter falschem Namen mietet sich Venable in Julianas Haus ein – gegen den Willen ihrer Nichte Tina (Hayward), gleichwohl geduldet von der alten Dame, die in Venable vor allem eine sprudelnde Einnahmequelle sieht. Venable erschleicht sich langsam das Vertrauen der Greisin – wenn die berechnende alte Frau überhaupt eines solchen Gefühles fähig ist – sowie des jungen Hausmädchens Amelia (Joan Lorring), doch kommt er dabei auf seiner Suche nach den Briefen nicht wirklich weiter. Eines Nachts allerdings wird er von melancholischer Klaviermusik aus seinem Zimmer gelockt und trifft auf Tina, die nun nicht in ihr übliches Schwarz gehüllt ist und mit streng zurückgebundenen Haaren auftritt, sondern in einem weißen altmodischen Kleid mit offenem Haar und dem Ring ihrer Tante am Finger am Klavier sitzt. Als sie Venable sieht, reagiert sie keineswegs so abweisend wie sonst, sondern bittet ihn heran, nennt ihn ihren Geliebten und beschwört ihn, sie nicht zu verlassen. Venable merkt indes sehr schnell, daß diese inbrünstigen Gefühle nicht ihm gelten, sondern dem verschwundenen Dichter, nennt sie ihn doch „Jeffrey“. Er nutzt die Gunst der Stunde, weil er denkt, auf diese Weise an die Briefe kommen zu können, doch bringt ihn sein Spiel nicht weiter. Vater Rinaldo (Eduardo Ciannelli), Geistlicher und Vertrauter Julianas, erklärt dem verwunderten Venable, daß Tina an einer Gemütskrankheit leidet, die sie dazu bringt, nachts in die Rolle der Juliana zu schlüpfen und sich an den Schatten einer Liebe aus der Vergangenheit zu delektieren. Er deutet an, daß Tina durch eine wahre Liebe erlöst werden könnte und daß er ferner den Eindruck habe, Venable empfinde etwas für die junge Frau. Hierauf gibt der Verleger seinen Gefühlen für Tina ungehemmt Raum, doch als sich eine günstige Gelegenheit bietet, läßt er sich wieder von seinem Vorhaben, die Briefe zu bekommen leiten, wodurch er ein lang verschwiegenes Verbrechen aufdeckt und beinahe eine Katastrophe heraufbeschwört.

„The Lost Moment“ kann am besten als eine Mischung aus Melodram, Gothic und Liebesgeschichte bezeichnet werden, und man muß Gabel zugestehen, daß er es verstand, eine melancholisch-gruselige Atmosphäre zu schaffen, mit der er in den besten Momenten des Filmes an Hitchcocks „Rebecca“ (1940) erinnert. Ein auf dem Studiogelände nachgebautes Venedig muß zwar auf die typischen Sehenswürdigkeiten, die sich ein Hitchcock nie hätte entgehen lassen, verzichten, doch entschädigt dafür die Atmosphäre in dem verwunschenen Haus mit seinen dunklen Vorhängen, seinen verwinkelten Gängen, flackernden Kerzenständern und lauernden Schatten für vieles. Auch der stimmungsvolle Anfang des Filmes – ein Dolly Shot über ein Bücherregal, in dem eine Lücke klafft, und ein Voice-Over der Hauptfigur – ziehen den Zuschauer von vornherein in seinen Bann und deuten mit den Close-Ups auf Gegenstände und dem Fehlen von Menschen an, daß Venable mehr an der Kunst (und ihren finanziellen Möglichkeiten) als an Menschen interessiert ist. Diese finster-schwüle Atmosphäre hält Gabel bis zum Ende durch, so daß es eigentlich bedauerlich ist, daß er keine weiteren Filme mehr drehen durfte, nachdem sich „The Lost Moment“ als kommerzieller Mißerfolg erwiesen hatte.

Auch Susan Hayward brilliert in ihrer grotesken Doppelrolle, was bei ihr ja beileibe nicht immer der Fall war. Als Tina gleitet sie wie seinerzeit Miss Danvers gespenstisch durch den Raum, oft aus der Untersicht gefilmt, in schwarzem, hochgeschlossenem Kleid, mit zurückgestecktem Haar und vor der Brust verschlossenen Händen, während sie als Juliana voll schwärmerischer Leidenschaft ist. [1] Agnes Moorehead hingegen hat wegen der Maske keinerlei Möglichkeit, dem Film ihren Stempel aufzudrücken, und ich hätte sie auf keinen Fall unter dem Schleier und dem Make-up erkannt. Es bleibt allerdings zu sagen, daß gerade diese alte Frau – mehr dürre Mumie als Mensch – und vor allem ihr erster Auftritt, bei dem man zunächst nur ihre runzlige Hand mit dem Brillantring sieht, die die Lehne eines Stuhles wie eine vertrocknete Spinne umklammert, am stärksten zu der unheilvollen Aura des Hauses beitragen. Gabel benutzt bisweilen geschickt die Kamera, um uns in die Perspektive des Protagonisten zu versetzen, etwa wenn die Kamera beim Betreten eines Raumes hin- und hergleitet und erste Eindrücke sammelt.

So gut Gabel auch als Regisseur ist, so enttäuschend ist er bisweilen als Geschichtenerzähler, denn er läßt dem Drehbuch zu viele Schwächen durchgehen. So ist zum einen die Motivation des mysteriösen Charles nicht wirklich einsichtig, wenn dieser versucht, eigenmächtig an die Briefe zu gelangen und die Beziehung zwischen Venable und Tina zu untergraben. Zudem werden Charles‘ Störmanöver allzu leicht vereitelt, was den betreffenden Handlungsstrang letztlich überflüssig macht. Auch ist nicht wirklich nachvollziehbar, warum ausgerechnet Vater Rinaldo bemerkt haben sollte, daß Tina etwas für Venable und dieser etwas für sie empfindet. So erscheint das Eingreifen des Geistlichen denn als ein ungeschickter Deus-ex-machina-Effekt. Alles in allem hätte dem Film eine Straffung um nicht weniger als zehn Minuten gutgetan.

Persönlich halte ich auch Robert Cummings in der Rolle eines zerrissenen Mannes, der auf der einen Seite merkt, daß er immer mehr für eine junge Frau empfindet, auf der anderen Seite aber auch nicht von einem eigennützigen Plan lassen kann, für fehlbesetzt. Cummings war eher eine Art glatter Schönling, der allenfalls unter erfahrenen Regisseuren wie Hitchcock oder Anthony Mann differenzierte Charaktere spielen konnte. Mit der Darstellung des Konfliktes, der in Venable schwelt, war Cummings jedenfalls restlos überfordert, und so wirkt er eher wie ein harmloser junger Mann, der sein ebenmäßiges Gesicht inmitten haarsträubender Ereignisse spazierenträgt.

Dennoch hat „The Lost Moment“ insgesamt viel zu bieten, vor allen denjenigen, die gern Melodramen mit Gothic-Atmosphäre schauen. Die DVD aus dem Hause Koch Media bringt den Film mit leichten Alterserscheinungen in deutscher und in englischer Sprache und mit einem informativen, wohlrecherchierten Booklet.

[1] Wenn möglich, sollte man den Film allerdings im Original genießen, denn Haywards schläfrig-dumme deutsche Synchronstimme, mit ihrer unseligen Neigung, aus Wörtern wie „ist“ ein nachlässiges „is‘“ zu machen, will nicht recht zu den beiden von Hayward verkörperten Frauenfiguren passen.


Pilgrimage [Spanien Import]
Pilgrimage [Spanien Import]
DVD ~ Henrietta Crosman
Wird angeboten von Arco Celeste Dvd
Preis: EUR 14,50

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen „You Have a Mother, Don’t You?“, 28. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Pilgrimage [Spanien Import] (DVD)
[Vorsicht, Spoiler!]

Mit dieser Gegenfrage soll John Ford einmal auf die Frage eines Interviewers gekontert haben, warum in vielen seiner Filme die Familie als ein so wichtiges Thema auftauche. Fords filmisches Werk ist denn auch reich an liebevollen, edlen und zur Selbstaufopferung bereiten Mutterfiguren – wer denkt hier nicht an die nur wenig Leinwandpräsenz besitzenden, aber durchaus die Handlung bestimmenden Mütter aus „Three Godfathers“ (1948) oder „The Searchers“ (1952) –, und selbst dort, wo die Mutter als Person eher wenig einnehmend ist, wie in „Stagecoach“ (1939) oder „Seven Women“ (1966), gelten sie und ihr neugeborenes Kind doch als etwas so Zartes und Kostbares, daß man es unbedingt gegen eine feindliche Außenwelt bewahren muß.

Umso merkwürdiger nimmt sich vor diesem Hintergrund in Fords Œuvre eines seiner ersten großen Meisterwerke, nämlich das Melodram „Pilgrimage“ aus dem Jahre 1933, aus, haben wir es doch hier mit einer Mutter zu tun, deren Liebe hart und selbstsüchtig ist und die eher eiskalt den Tod ihres Sohnes in Kauf nimmt, als daß sie ihn in die Arme der ihn liebenden Frau entließe. Die verwitwete Farmerin Hannah Jessop (Henrietta Crosman) aus Three Cedars, Arkansas, bewirtschaftet den kleinen Familienbetrieb zusammen mit ihren erwachsenen Sohn Jim (Norman Foster), den sie an der kurzen Leine hält, als wäre er noch ein kleines Kind. Als sie bemerkt, daß er sich in seine Nachbarin Mary (Marian Nixon) verliebt hat, versucht sie, die beiden mit allen Mitteln auseinanderzubringen und schreckt – als ihre Vorhaltungen nicht fruchten und sich eine Heirat zwischen Jim und Mary abzeichnet – auch nicht davor zurück, ihren Sohn als Soldaten für den gerade in Europa tobenden Ersten Weltkrieg rekrutieren zu lassen. Jim wird eingezogen und erfährt von Mary kurz vor seiner Übersetzung nach Europa, daß sie von ihm schwanger ist. Für eine Hochzeit ist nun allerdings keine Zeit mehr, und wenig später fällt Jim in Frankreich an der Front. Hannah nimmt die Nachricht vom Tode ihres Sohnes mit einer Mischung aus Trauer und vor allem verdrängten Schuldgefühlen entgegen, die dazu führen, daß sie in den folgenden Jahren zusehends verhärtet und auch ihrem Enkel Jimmy (Jay Ward), der als unehelich geborenes Kind von einigen der Nachbarn diskriminiert wird, ebenso wie dessen Mutter mit kalter Ablehnung begegnet. Als sie im Rahmen des Gold Star Mothers Clubs dazu ausgewählt wird, für die Gemeinde als Mutter eines Kriegshelden mit anderen Soldatenmüttern an einer großen Trauerzeremonie in Frankreich teilzunehmen, beginnt für sie eine Pilgerreise der besonderen Art. Zunächst gelingt es ihr noch, gegen ihre latenten Schuldgefühle anzukämpfen, doch der Niederlegung von Blumen an den Gräbern der verstorbenen Söhne entzieht sie sich, indem sie in Gegenwart der anderen Mütter ihren eigenen Sohn als pflichtvergessen und undankbar brandmarkt. Erst, nachdem sie sich des jungen Amerikaners Gary Worth (Maurice Murphy) annimmt, dessen Mutter (Hedda Hopper) sich gegen seine geplante Ehe mit der Französin Suzanne (Heather Angel) sträubt, erkennt sie das gesamte Ausmaß ihrer Schuld gegenüber ihrem verstorbenen Sohn, und es kommt zur Versöhnung mit dem Andenken des Toten sowie mit Mary und ihrem Enkel.

Die Beschreibung des Filminhaltes mag Befürchtungen von einer die Taschentücher über Gebühr beanspruchenden, kitschigen Schmonzette wecken, doch ist „Pilgrimage“ nichts weniger als gerade dies, sondern – im Gegenteil – eines der intensivsten und am besten gelungenen Frühwerke Fords, das über weite Strecken jedwede Sentimentalität geschickt vermeidet, mit faszinierender Bildersprache und Symbolik arbeitet und ein differenziertes Porträt einer nicht ganz so liebenswerten Mutter entwirft.

Schon die erste Einstellung belegt dies, wenn Ford uns das Farmhaus der Jessops zeigt. Hier läßt der spätere Westernregisseur, der gekonnt die Weiten des Monument Valleys und anderer amerikanischer Urorte in Szene setzen sollte, das Haus den gesamten Bildausschnitt der ersten Einstellung ausfüllen, was sofort das Gefühl von Enge und Eingesperrtsein vermittelt. Hannah erleben wir zunächst dabei, wie sie die Hühner füttert, von denen sie recht viele Eier erwartet. Ihrem Sohn wirft sie einen besorgten Blick nach, als er aufs Feld zur Arbeit geht, und später – als er über einen Zaun springt, um zu Mary zu gelangen – wird dieser Blick finster und verkniffen. Die Szenen auf der Farm mögen auf den ersten Blick idyllisch anmuten, doch ihre Enge verlieren sie nie. Ein erbitterter Wortwechsel zwischen Sohn und Mutter findet in einem dunklen Treppenhaus statt, wobei der Schein der Petroleumlampen grell in die bleichen Gesichter fällt, und kulminiert in Hannahs unheilvollen Worten: „Nothing’s gonna take you away from me. Nor nobody.“

In einer stark symbolisch aufgeladenen Szene gelingt es Ford, anzudeuten, daß die Beziehung zwischen Jim und Mary längst über das Händchenhalten hinausgegangen ist: Jim durchquert das Feld und läuft dabei auf die Kamera zu, wobei er – entgegen allen Regeln der indirekten Erzählweise – direkt in die Kamera blickt, als wolle er Kontakt zum Zuschauer aufnehmen und um Verständnis werben. Er nimmt einen Stein auf und wirft ihn – eine gelungene Metapher – in einen vor ihm liegenden Weiher, auf dessen Oberfläche sich sofort Kreise ausbreiten. Als diese sich gelegt haben, erkennen wir auf der Wasseroberfläche das gespiegelte Bild einer Frau, die Kamera schwenkt hoch, und wir sehen zum ersten Mal Mary, die den direkten Blick in die Kamera erwidert. Fast scheint es so, als sollte die Tatsache, daß der Zuschauer in beiden Fällen Adressat der Blicke geworden ist, ihn der Ernsthaftigkeit dieser jungen Liebe versichern und somit zu ihrem Bündnispartner machen. Auch Hannah wird einige Minuten später diesen unmittelbaren Blick in die Kamera tun – beim Abendessen, mit der Bibel vor sich liegend, über den Tisch hinweg, als sie ihrem Sohn einschärft, er habe auf seine Mutter zu hören –, doch wird ihr Blick viel härter und kälter ausfallen, so daß dem Zuschauer keine Zweifel an der egoistischen Natur ihrer pervertierten Muttergefühle bleiben.

Der krankhafte Egoismus auf dem Grund von Hannahs Mutterliebe offenbart sich auch in einer der Schlüsselszenen des Filmes, wenn Hannah, angetan in dunklem Mantel und mit der Reitpeitsche in der Hand, sich schließlich aufmacht, um die Befreiung ihres Sohnes vom Militärdienst aufzulösen. Der für die Aushebungen zuständige Mann, ein Barbier, sagt voller Bewunderung zu Hannah, sie sei die erste Mutter, die freiwillig auf die Zurückstellung ihres Sohnes verzichte, und sie müsse ihr Land wirklich sehr lieben, woraufhin Hannah ihm unwirsch erwidert: „What do you know about loving anything?“ – eine Frage, die sie sich genausogut selbst stellen könnte. Allerdings zögert sie anfangs noch, ihre Unterschrift unter das notwendige Dokument zu setzen, so als schäme sich ein Teil in ihr ihrer Handlungsweise, doch schließlich siegt ihre verbissene Entschlossenheit, Jim Mary wegzunehmen, und sie greift nach der Schreibfeder. Hier nutzt Ford, was er selten genug tut, einen Close-up, mit dem die Kamera vom ersten bis zum letzten Buchstaben mitverfolgt, wie Hannah Jessop ihren Namen unter das Dokument setzt.

Wenig später wird Jim, der sich ja eigentlich auf den Militäreinsatz gefreut hatte, ursprünglich aber immer wieder von seiner Mutter daran gehindert wurde, sich freiwillig zu melden, im Schützengraben den Tod finden, und auch hier wendet Ford wieder eine deutliche Symbolik an. So wird der junge Mann nicht etwa erschossen oder von einer Granate getroffen, sondern lebendig von einem Erdrutsch (Mutter Erde) begraben. Hier folgt nun ein grandios gefilmter Szenenwechsel von der Front zur heimatlichen Farm in Arkansas, wobei die Geräuschkulisse der Front – das Donnern und Pfeifen der Granaten – beim Szenenwechsel beibehalten wird und plötzlich, passend und ohne Verfremdung, ein tosendes Unwetter begleitet, das über die nächtliche Farm hereingebrochen ist. Fensterläden flattern im Wind, die Regenrinnen speien Wassermassen aus, und im Haus erwacht die ahnungsvolle Mutter mit dem Namen ihres Jungen auf den Lippen. Bezeichnenderweise wird in dieser unheilvollen Nacht auch der kleine Jimmy geboren, so als solle schon früh nahegelegt werden, daß Hannah an ihm wiedergutmachen könne, was sie ihrem Sohn angetan hat.

Mit der Nachricht vom Tode ihres Sohnes, die Hannah zwar tief trifft, die sie aber doch nicht daran hindert, ihrer Nachbarin aufzutragen, dem Bürgermeister (Francis Ford) als dem Überbringer Kaffee anzubieten, besteht nun die Gefahr für den Film, in eine Schmonzette abzugleiten. Doch Ford läuft nicht in diese Falle. Den Kampf zwischen Trauer, Bitterkeit und wohl auch Schuldgefühlen visualisiert der Regisseur durch eine Großaufnahme von Hannahs Händen, die ein zerrissenes Bild ihres Sohnes wieder zusammenlegen. Später wird sie übrigens die einzige Mutter sein, die kein Bild ihres Kindes bei sich trägt. In der Folge gewinnt der Charakter dieser harten Frau, die schlimme Schuld auf sich geladen hat, in den Augen des Zuschauers sogar in bescheidenem Maße an Sympathie – und zwar durch ihre hartgesottene und nüchterne Betrachtungsweise ihrer Umgebung. So bekommt ihre Bösartigkeit mitunter einen kaustisch-humorvollen Beigeschmack: Als der Bürgermeister die Initiatorin der Pilgerreise mit den Worten vorstellt, ihr Vater sei General gewesen und ebenfalls im Krieg gefallen, antwortet Hannah trocken-naiv: „I didn’t know generals ever got killed.“

Auch die Überfahrt nach Frankreich und die ersten Tage in Paris werden herrlich unsentimental erzählt, und hierbei kommen Ford sein bodenständiger Humor – der sicher nicht jedermanns Sache ist, in „Pilgrimage“ aber wirklich dazu beiträgt, daß der Zuschauer Hannah trotz ihrer schweren Schuld und ihres ruppigen Charakters ansatzweise liebgewinnt – sowie seine Fähigkeit zur Hilfe, seinen Nebenfiguren mit wenigen Pinselstrichen eine pulsierende Lebendigkeit einzuhauchen. So zeichnet Ford hier verschiedene Formen, mit der Trauer umzugehen – neben der einfachen Verdrängung, wie sie Hannah ausübt: Während sich Mrs. Rogers (Louise Carter) ungehemmt der Wehmut hingibt und oft in der Vergangenheit weilt, hat sich die resolute Mrs. Hatfield (Lucille La Verne) in den Verlust ihrer Söhne dreingefunden, indem sie sich zwar den Gefühlen der Trauer nicht verwehrt, ihnen im Alltag aber auch nicht übermäßig viel Raum gibt. Einer anderen Mutter, deren Sohn verschollen ist, geht es um die symbolische Aussöhnung mit dem Unvermeidlichen: Sie gibt Hannah eine kleine Topfblume mit der Bitte, diese auf das Grab ihres Sohnes zu stellen. „What’s my son to you?“ herrscht Hannah die Frau barsch an, im Hinterkopf wohl die beschämende Erkenntnis, daß sie selbst nicht gerade das Andenken ihres Sohnes so pflegt, wie es sich ziemt, doch schließlich nimmt sie bescheiden die Blume entgegen, als die Frau ihr ihre Geschichte in wenigen Worten erzählt hat. Diesen Beispielen individueller, echter Trauer stellt Ford eine fragwürdige öffentliche Zelebrierung der Helden und ihrer Mütter gegenüber, die durch das atemlose Pathos eines französischen Generals mit Fistelstimme (un)gewollt lächerlich wirkt. Ohnehin läßt der Regisseur an vielen Stellen erkennen, daß er die politische Ausbeutung dieses Leides durch die herrschende Klasse, die den Krieg ja unterstützt hat, fragwürdig und geschmacklos findet. Den Politikern, Militärs und Journalisten, die die Reise der Gold Star Mothers öffentlichkeitswirksam ausschlachten, stellt er die einfachen Mütter gegenüber, die um ihre Söhne trauern – und auch hier, wie beispielsweise auch in „Drums Along the Mohawk“ (1939), nutzt er die Gelegenheit, das Nationalitätengemisch darzustellen, aus dem sich die USA speisen, wenn er unter den Müttern eine jüdische, eine irische und, eine italienisch- eine deutschstämmige Frau auftreten läßt. Wirkungsvoll inszeniert er dabei den Gegensatz zwischen dem pompösen, linkisch wirkenden offiziellen Trauerakt und den individuellen Bezeugungen von Trauer und Gedenken an die Toten durch die leidtragenden Mütter.

Die psychologische Entwicklung Hannahs wird weiter vorangetrieben, als sie, überwältigt von der Trauer Mrs. Rogers‘, im Kreis der Gold-Star-Mütter aufspringt und bekennt, sie gehöre nicht zu ihnen und könne nicht an das Grab ihres Sohnes gehen. Anstatt sich aber ihrer eigenen Schuld zu stellen, richtet Hannah die Ablehnung, die sie eigentlich wegen ihrer Tat gegen sich selbst hegt, auf ihren Jungen, den sie vor ihren Zuhörerinnen als einen schlechten Sohn verunglimpft, während doch alle anderen Mütter in ihrem Kreise gute Söhne gehabt hätten. Den letzten Schritt auf dem Weg, sich ihre eigene Schuld einzugestehen und mit ihrem Sohn ins reine zu kommen, findet Hannah dann durch einen Zufall, der unter dem alleinigen Aspekt der Wahrscheinlichkeit konstruiert wirken dürfte, psychologisch gesehen aber nur folgerichtig ist. Ford symbolisiert die Tatsache, daß sich hier etwas Neues anbahnt, durch den Umstand, daß er Hannah eine Seinebrücke – unter ihr das Dunkel des Wassers und der Brückenpfeiler, über ihr der nächtliche Himmel – überqueren läßt, wo sie den jungen Gary vom Selbstmord abhält, und zwar auf die resolute, dominierende Art, die ihr zu eigen ist, indem sie einfach die Zügel seines Lebens übernimmt. In der Folge lernt sie, sich mit der Liebe zwischen Gary und Suzanne zu identifizieren, so daß es ihr ebenso ergeht, wie es dem Zuschauer bei Jim und Mary widerfuhr, und erkennt in Garys tyrannischer, besitzergreifender Mutter sich selbst wieder. In ihrem – erfolgreichen – Versuch, das Herz dieser Mutter zu erweichen und ihren Blick für die Bedürfnisse ihres Sohnes zu klären, gelangt sie zu einem Eingeständnis ihrer eigenen Schuld und des Selbstbetrugs, mit dem sie diese Schuld vor sich selbst zu verbergen suchte – „We call our cruelty by high-sounding names“ –, und findet schließlich den Weg ans Grab ihres Sohnes sowie zu Mary und dem kleinen Jimmy.

Einen derartigen Stoff so zu verfilmen, ohne dabei in melodramatischen Kitsch zu verfallen, und ihn dabei über weite Strecken mit lebensbejahendem Humor darzustellen, dies ist zweifellos eine große dramaturgische Leistung – und vielleicht gar eine, die John Ford seinen irischen Wurzeln zu verdanken hat. Auf jeden Fall würde ich „Pilgrimage“ zu den ganz großen Werken dieses großartigen Regisseurs zählen, wobei es zu bedauern ist, daß dieser Film arg in Vergessenheit geraten ist.

Rezensiert wurde übrigens auf Grundlage der spanischen DVD-Ausgabe von dem Label „Memory Screen“, die den Film im englischen Original mit ausblendbaren spanischen Untertiteln bringt. Bild- und Tonqualität sind für einen Film dieses Alters sehr gut, so daß ich jedem Ford-Fan den Kauf wärmstens ans Herz legen möchte.
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