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Beiträge von Jens Neumann
Top-Rezensenten Rang: 4.914
Hilfreiche Bewertungen: 156
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Rezensionen verfasst von Jens Neumann (Stadthagen)
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Intensive Erzählungen, 17. August 2010
In diesem schmucken Büchlein sind alle Erzählungen und Anekdoten Kleists vertreten, den ich in der Schule und im Studium noch wegen seiner gar wahnsinnigen Satzbaukonstruktionen gefürchtet, inzwischen aber lieben gelernt habe. In den Erzählungen spiegeln sich bei genauerem Hinsehen Kleists innere Zerrissenheit und Zweifel wider, denn auch seine Protagonisten sind oftmals mit den gesellschaftlichen Entwicklungen und Strömungen überfordert und auf der Suche nach Halt und Zuversicht - die sie jedoch nur selten finden. Auch die Kritik am Adel, dessen feste Prinzipien und Ansichten Anfang des 19. Jahrhunderts immer mehr überholt werden, ist ein wichtiger Bestandteil der einzelnen Beiträge. Definitiv lesenswert, Klassiker bleiben eben Klassiker. ;)
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5.0 von 5 Sternen
Ein Einblick in Kafkas Gedankenwelt, 11. August 2010
Nachdem Franz Kafka im Jahr 1919 seine mittlerweile dritte Verlobung bekannt gibt, kommt es zwischen ihm und seinem Vater, der die beabsichtigte Braut scharf kritisiert, zu einer intensiven Auseinandersetzung. Diesen Konflikt nimmt Kafka zum Anlass, einen ausführlichen Brief an seinen Vater zu schreiben, in dem er auf intime Weise seine Kindheit - bestehend aus Angst, Demütigung und Zurückweisung durch den Vater - reflektiert. So wird von mehreren traumatischen Kindheitserlebnissen berichtet, der Einsamkeit, dem nicht Verstanden werden, der Ignoranz und der Ablehnung. Der Leser lernt hier Franz Kafka auf faszinierende Weise beinahe privat kennen, man wird in seine Gedanken und Emotionen eingeweiht, wie in keinem anderen Werk!
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4.0 von 5 Sternen
Geschichte und Krimi grandios vereint, 7. August 2010
München, in der Umbruchsphase der Weimarer Republik: Zum wiederholten Male lässt Robert Hültner den sympathischen Kriminalkommissar - pardon, mittlerweile Privatdetektiv - Kajetan ermitteln. Seine Sehnsucht nach einer Wiedereinstellung in den Polizeidienst wird jäh unterbrochen, als er in seiner Wohnung seinen ehemaligen Polizeiprotege blutüberströmt auffindet und sich kurze Zeit später als Hauptverdächtiger auf der Polizeiwache wiederfindet. Inmitten der Lagerkämpfe zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten nimmt kajetan die Spur nach den wahren Tätern auf, um seine eigene Unschuld beweisen zu können. Wie schon zuvor fasziniert Hültners Roman auch hier mit wunderbar bayerischem Lokalkoloriert, detaillierten historischen Beschreibungen aus der Weimarer Republik und - nicht zuletzzt - einem spannendem Kriminalfall!
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4.0 von 5 Sternen
Die Folgen eines Verbrechens, 31. Juli 2010
Die 18jährige Kim verabredet sich mit ihren Freunden für den Abend, steigt in ihr altes Auto - und wird seitdem nicht mehr gesehen. Zurück bleiben ihre Familie, ihre Freunde und Bekannte - unschlüssig und überfordert, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Die Polizei findet Spuren, das Auto wird gefunden, doch Kim bleibt verschwunden, jahrelang. Stewart O'Nan beschreibt wie gewohnt sachlich und detailliert, welche Auswirkungen das Verschwinden der jungen Frau auf die Kleinstadt Kingsville hat. Glücklicherweise steht hier nicht das Verbrechen und die Kriminalistik im Vordergrund, sondern die Folgen für Kims beste Freunde und ihre Familie. Trauer, Wut, Aktivismus, Ernüchterung, das nicht Aufgeben wollen und können - mit sehr feinem psychischen Gefühl beschreibt O'Nan das Leben in Kingsville nach dem verhängnisvollem Tag. Definitiv zu empfehlen.
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18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Kaleidoskop der BRD, 28. Juli 2010
Der Leser begleitet in diesem wundervollen Roman den erzählenden Protagonisten von seiner Geburt in der Nachkriegszeit bis in die achtziger Jahre hinein. Zusammen mit seinem Zwillingsbruder besucht Johannes zunächst ein Internat, lebt danach jahrelang in Rom, beteiligt sich aktiv an den deutschen Studentenunruhen, pendelt über Paris und Lissabon Ende der 70er Jahre wieder nach Deutschland.Mich hat der Scheibstil stark an Grass' "Blechtrommel" erinnert, hinter der sich "Schwerenöter" zumindest inhaltlich nicht zu verstecken braucht. "Schwerenöter" erweist sich als wahres Füllhorn der deutschen Nachkriegsgeschichte! und Gesellschaftsentwicklung Anhand des Lebenslaufes ergibt sich ein kaum zu bändigendes Kaleidoskop aus Philosophie, Geschichte, Politik und Alltagsleben. Johannes "erlebt" die ersten 25 Jahre der Bundesrepublik Deutschland wie wohl kaum kein anderer. Von den Jahren unter Adenauer, über die philosophischen Grundgedanken Adornos und Marcuses bis hin zur politischen Gründung der Grünen - den Leser erwartet eine dichte, wuchtige und hochinteressante Lektüre, die wie aus einem Guss wirkt!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Preussische Gesellschafts- und Militärgeschichte, 15. Juli 2010
Anhand der Adelsfamilie Finckenstein, die vom frühen 17. bis Mitte des 20. Jahrhunderts im heutigen Brandenburg residierte, zeichnet de Bruyn ein lebendiges Bild vom Aufstieg, der Blütezeit und schließlich dem Untergang Preußens nach. Teilweise direkt dem König unterstellt, sind die Finckensteins für mehrere Generationen unmittelbar an Preussens Entwicklung beteiligt und machen Bekanntschaften mit damaligen Geistes- und Kunstgrößen, die für den Leser in kurzweiligen und sehr interessanten Essays aufbereitet werden. Zudem wird sehr schön veranschaulicht, wie der historische Wandel im 19. Jahrhundert auch Veränderungen in der Adelsfamilie mit sich bringt. Für Interessierte an Preussens Geschichte sehr zu empfehlen. - eine sehr gelungene Mischung aus Gesellschafts- und Militärgeschichte. :)
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4.0 von 5 Sternen
Liebe, Krieg und Tod - ein klassischer Hemingway par excellance!, 13. Juli 2010
Hemingway erzählt, teils autobiographisch, die Erlebnisse eines jungen amerikanischen Soldaten, der nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs sein Architekturstudium abbricht und für die Italiener als Sanitäter in den Krieg zieht. Der zermürbende Alltag an der Front, bestehend aus untätigem Warten und heftigen Kampfhandlungen wird sehr realistisch beschrieben und lässt sich ausgezeichnet nachvollziehen. Einen Lichtblick im grauen Kriegsalltag bildet für den Protagonisten die Krankenschwester Catherine - eine Begegnung, die zu einer langjährigen Beziehung führt, die schließlich ein jähes Ende findet... Ein typischer Hemingway mit sehr detaillierten Landschaftsbeschreibungen, auf jeden Fall empfehlenswert!
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5.0 von 5 Sternen
Sprachliches Glanzstück, 3. Juli 2010
Nathan Glass, geschieden und von seiner Familie und Verwandschaft isoliert, wartet auf seinen Tod und zieht nach Brooklyn, nichtsahnend, dass sein Leben noch weit davon entfernt ist, zu ende zu gehen. Wie in fast allen Büchern von Paul Auster spielt der Zufall eine große Rolle, der auch in der "Brooklyn-Revue" Nathan mit seinem Neffen und dessen Schwester zusammentreffen lässt. Es entsteht eine ganze Kette mal glücklicher, mal unglücklicher Umstände, die nathan nach und nach zu seiner Familie zurückführen lassen. Ein sehr herzerwärmendes, amüsantes und auch mit ernsten Untertönen angereichertes Buch über Familie, deren Auseinanderbrechen und schließliches Zusammenfinden. Ganz ganz toll!
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4.0 von 5 Sternen
Hammerstein, 1. Juli 2010
Es fällt mir schwer, "Hammerstein" einem bestimmten Genre zuzuordnen. Auf dem ersten Blick scheint den Leser eine Biographie des nazikritischen und nie mit seiner Meinung zurückhaltenden Generals Kurt von Hammerstein zu erwarten, die sich nach den ersten Seiten jedoch zu etwas viel weitläufigerem entfaltet. Enzensberger verknüpft die Biographie des Generals und seiner Familie äußerst geschickt mit detailliert recherchierten Exkursen zur damaligen Militärgeschichte, mitsamt des komplexen Geheimdienst- und Spionageapparates zwischen der Weimarer Republik und der Gründung von BRD/DDR. Vom Inhalt her kann es "Hammerstein" mit populären fiktiven Thrillern aufnehmen - mit dem gewaltigen Unterschied, dass Enzensberger sich ausschließlich auf historische Quellen und Fakten beruft. Kurzum: Sehr spannend, sehr interessant, sehr lesenswert!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Paul is dead - Hoax, 24. Juni 2010
1969. Die Beatles veröffentlichen "Abbey Road" und während einer Radiosendung aus Detroit, Michigan kommt zum ersten Mal ein Gerücht zum Vorschein, dass die nächsten Wochen das mediale Interesse der USA auf sich ziehen wird: Beatle Paul McCartney ist 1966 bei einem Autounfall gestorben und wird seitdem durch einen Doppelgänger namens Billy Shears ersetzt. Doch damit nicht genug: Anstatt dies geheim zu halten, verstecken die Beatles seitdem Hinweise und Tipps auf ihren Albencovern und in den Songtexten! Der Autor zeichnet die Geschichte des "Paul is dead-Hoax" auf amüsante und informative Weise zusammen, erklärt Zusammenhänge, mögliche Entstehungsgeschichten und man erfährt als Leser, wie das Gerücht in wenigen Wochen das komplette amerikanische Campusleben an den Unis beeinflusste. Für jeden Beatles-Fan ein absolutes Muss!
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