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Rezensionen verfasst von
Clemens Keuner (Köln am Rhein)

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Die Eroberung Europas durch die USA
Die Eroberung Europas durch die USA
von Wolfgang Bittner
  Broschiert
Preis: EUR 12,90

29 von 97 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Väterchen Putin trotzt amerikanischen Verbrechern, 22. Januar 2015
Ich kann Ihnen dieses Buch nur ans Herz legen, wenn Sie gerne ungefiltertes Schwarz-Weiß-Denken konsumieren. Bittner erzählt die Geschichte einer kriminellen US-Regierung, die in der Ukraine (u.a. mittels eines Mordkomplotts auf dem Maidan (wer weiß?)), einen faschistischen Putsch inszenierte. Ziel ist die Einkreisung und wirtschaftliche Ausbeutung Russlands, dessen friedliebender Präsident sich unentwegt Provokationen seitens der USA, ihrer ukrainischen "Marionettenregierung" und der willfährigen, geschichtsvergessenen europäischen Staatenlenker ausgesetzt sieht. Die sogenannte Qualitätspresse, die in Amerika schon lange nicht mehr frei ist und auch in Deutschland amerikanisch gesteuert ist, hetzt bei dem begleitenden Propagandafeldzug fleißig mit. Wenn Sie sowas gerne lesen, dann lesen Sie dieses Buch.
Allerdings müssen Sie damit leben, dass ein erheblicher Teil des Buches aus halbseitigen Zitaten von Bittners intellektuellen Vorbildern Karel von Wolferen, Albrecht Müller und Willy Wimmer besteht. Star des Buches ist allerdings Wladimir Wladimirowitsch Putin. Allein 23 der 140 Buchseiten bestehen aus unkommentierten Reden des Moskauer Friedensfürsten, darunter als Abschluss der komplette Text von Putins Rede am 18. März 2014 zur... friedlichen Wiedervereinigung Russlands mit der Krim. (Der Verlag bedankt sich beim Büro des Präsidenten der Russischen Föderation für die Abdruckrechte.)
Kommentar Kommentare (71) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 8, 2015 9:38 AM MEST


Kein Titel verfügbar

9 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Überzogen, 16. Juli 2013
Hier hat es jemand für meinen Geschmack ein bisschen zu gut gemeint mit den verschiedenen Pflanzenextrakten. "The Duke" ist ein Gin mit einem verhältnismäßig intensiven Gesamtgeschmacksbild. Aber der Kern eines Gins - nach meinem Verständnis ein intensiver Wacholdergeschmack und vor allem ein feines Wacholderaroma - kommt zu kurz. Es ist eher ein Kräuterwasser mit durchaus bemerkenswerter eigener Note.
Möglicherweise ist "The Duke" für einen Gin Tonic, was jetzt nicht so mein Geschmack ist, ganz gut geeignet, aber ein "für sich" feiner Gin ist er nicht. Ich würde den Bombay Sapphire oder den Hayman's 1850 Reserve Gin klar bevorzugen. Was deutsche Gins angeht, würde ich den Sünner Dry Gin aus Köln - o.k., als Lokalpatriot bin ich da vielleicht etwas voreingenommen - vorziehen. Für Gintrinker, die wie ich Wert auf eine ordentliche Wacholder-Grundnote legen, fällt "The Duke" auch in Sachen Stimmigkeit des Geschmacksbildes gegen gute Standard-Wacholderschnäpse wie den Uerdinger deutlich ab.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 6, 2015 10:09 PM CET


Wird China das 21. Jahrhundert beherrschen? Eine Debatte
Wird China das 21. Jahrhundert beherrschen? Eine Debatte
von Henry A. Kissinger
  Broschiert
Preis: EUR 9,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Interessant, aber mit Längen und unfreiwillig komisch, 9. April 2013
Dieses Buch ist im Wesentlichen ein Transkript einer Diskussionsveranstaltung am 17. Juni 2011 in Toronto. Eingeladen hatte ein reicher Mäzen, dem es sehr um die mediale Verbreitung seiner Veranstaltung ging. Dieses Buch ist offenbar Teil davon.
Die Debatte selbst ist recht interessant und bringt auf sehr knappe Weise verschiedene Positionen zur Frage "Wird China das 21. Jahrhundert beherrschen?" auf den Punkt. Anschließend beantworten die Diskussionsteilnehmer ein paar Fragen prominenter Zuschauer.
Was einerseits stört und andererseits wieder ganz amüsant ist, ist das Theater, was die Diskutanten, aber auch die Organisatoren der Debatte machen. Niall Ferguson scheint ein bisschen den "Bad Boy" spielen zu wollen, gibt sich narzisstisch und ideologisch. Auch die anderen - am wenigsten noch Kissinger - präsentieren sich als sehr von sich selbst überzeugt. Es ist eigentlich eine amerikanische Version einer Polit-Talkshow. Noch penetranter ist die Schaumschlägerei um die Debatte herum, die ein bisschen an Boxsendungen erinnert, bei denen ein 50-Minuten-Europameisterschafts-Kampf im Halbschwergewicht in einem endlosen Vorabbericht zu DEM Boxereignis des Jahres gehypt wird. Vom Klappentext über das Vorwort bis zur Anmoderation des Diskussionsleiters wird auf die "brilliant geführte", "höchst aufschlussreiche", "faszinierende" Debatte hingefiebert, der stark formalisierte und etwas künstliche Aufbau erklärt und begründet - und natürlich dem Mäzen (und seiner Frau) gedankt, ohne die dieses einmalige Ereignis gar nicht denkbar gewesen wäre. Der Mäzen entleiht dann weite Teile seines Vorworts der Anmoderation des Diskussionsleiters. Das Ganze wirkt schon ausgesprochen amerikanisch.
Vielleicht ist so auch zu erklären, weshalb der deutsche Verlag eine ansatzweise schnörkelige Schriftart gewählt hat, die den Lesefluss erheblich stört, unter anderen durch eine mir bisher unbekannte st-Ligatur: Bei (fast) jedem "st" befindet sich ein kleiner Schnörkel über dem "s", der an Akzente für Zischlaute in slawischen Sprachen erinnert.
Insgesamt eine sachlich ganz interessante Diskussion, die durch eine absolut überzogene Marketing-Verpackung geradezu ins Lächerliche gezogen wird.


Nachspielzeit: Eine unvollendete Fußballkarriere
Nachspielzeit: Eine unvollendete Fußballkarriere
von Timo Heinze
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Einigermaßen interessant, aber nichts besonderes, 14. Dezember 2012
Heinze, der das Buch - wenn man nach dem Schreibstil geht - ganz oder weitgehend selbst verfasst haben dürfte, hatte eigentlich nicht sehr viel zu erzählen oder wollte es nicht tun. Vielleicht auch deswegen teilt er es in zwei Erzählebenen ein: Die "Rahmenhandlung" umfasst einen Backpacker-Urlaub auf Bali direkt nach seinem Karriereende und nimmt wohl insgesamt etwa ein Drittel des Buches ein. Dazwischen erzählt er halbwegs chronologisch seine unvollendete Fußballerkarriere: Seit der D-Jugend bei Bayern, Jugendnationalspieler, dann Bayern-U23, eine langwierige Verletzung, die schwierige Wiedereingliederung, der Abschied vom Verein und das Versanden der Laufbahn in Unterhaching.
Man hat das Gefühl, dass dem Autor eher der erste Erzählstrang auf Bali wichtig ist, während man sich als Leser eher für das Leben als Jungfußballer interessiert.
Man merkt, dass Timo Heinze im Karriere-Teil schwankt, ob er Dinge berichten oder sich eher zurückhalten soll. Das Resultat ist, dass er häufig im Allgemeinen bleibt. Er hadert mit seiner unvollendeten Karriere, mit seiner langwierigen Verletzung und dass er sich im entscheidenden Jahr danach von seinem Trainer nicht ausreichend betreut und berücksichtigt fühlt. Er schreibt, dass es in den Mannschaften viel Konkurrenzdenken gebe. Da hätte er manche Punkte besser mit ein paar Anekdoten illustriert, gerade woran er es festmacht, dass er in seinem letzten U23-Jahr keine wirkliche Chance bekommen habe. Er will offenbar Ärger vermeiden, was man ihm menschlich nicht verdenken kann - er hat wohl keine Lust auf Ärger oder Unterlassungsklagen. Auch sonst werfen die Geschichten, die er erzählen kann, eher einzelne Schlaglichter als dass sie wirklich die Erzählung unterstützen. Überraschenderweise leistet er sich zwischendurch schon mal ein unnötiges verbales Foulspiel (Samy Kuffour). Für den interessierten Leser ist nicht so interessant wie es eigentlich sein könnte. Aufschlussreich wird es eher, wenn Heinze via Themenwahl und Schwerpunktsetzung indirekt über sich Auskunft gibt. Die starke Ich-Zentrierung des Buchs lässt vermuten, dass so etwas zum Fußballerdasein gehört.
Wer sich dagegen für den Selbstfindungs- und "Fußball-ist-nicht-alles"-Aspekt interessiert, wird auf seine Kosten kommen. Im Bali-Teil blüht Heinze richtig auf und vielleicht sind diese Abschnitte auch Teil der Selbstverarbeitung, dass der Traum nicht erfüllt wurde, in den er seine gesamte Jugendzeit investiert hat.

Das Buch kann man sicherlich mit einigermaßenem Gewinn lesen und ich finde es gut, dass Heinze es veröffentlicht hat. Aber es ist ein Buch, das mit angezogener Handbremse geschrieben ist, die erst dann losgelassen wird, als er aus dem Fußball schon raus ist. Es ist interessant, wenn es um die Person geht, aber weniger, wenn es um das Fußballermilieu geht. Mir hat Ronald Rengs "Traumhüter" (über Lars Leese) deutlich besser gefallen.


Wer hat Angst vor Rot, Blau, Gelb?
Wer hat Angst vor Rot, Blau, Gelb?
von Susanna Partsch
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eingängig, aber unkritisch, 13. November 2012
Die Autorin Susanna Partsch bietet hier einen niedrigschwelligen Einstieg in die Welt der modernen Kunst (seit dem Impressionismus im letzten Viertel des 19. Jh.) an. Das Buch wendet sich explizit an Kunstneulinge bzw. Gelegenheitsinteressierte, die vielleicht die Frage "Was soll das alles?!?" umtreibt. Vorbildung wird nicht vorausgesetzt.
Sie bietet den Einstieg anhand von etwa sechzig kurz und einordnend beschriebenen Werken, die zeitlich etwa gleichmäßig über die 125 Jahre verteilt sind. Anhand dieser werden (zumindest im ersten Teil) auch die hinter den Stilrichtungen stehenden Theorieansätze angerissen - Technik, Farbgebung, Konzeption, Weg in die Abstraktion. In der ersten Hälfte dieses Buches gelingt dieser Versuch recht gut. In der zweiten Hälfte wird die Sache in dem Sinne schwieriger, dass bekanntlich etwa seit dem Krieg kaum noch zusammenhängende Stilrichtungen erkennbar sind. Angesichts dessen etwas hilflos, beschränkt sie sich auf Bild- und Materialbeschreibung und ein paar Interpretationsversuche. Es fällt in diesem Teil schwer, etwas mitzunehmen, auch wenn das wahrscheinlich mehr am diffusen Objekt als an der Autorin liegt. Auch kann man natürlich keine Vollständigkeit verlangen. Dass so ein bedeutender Künstler wie Marc Chagall unberücksichtigt bleibt, liegt einfach daran, dass man sich auf eine gewisse Zahl exemplarischer Beispiele beschränken muss, wenn man jedes ausgewählte Werk auch nur einigermaßen angemessen behandeln will.
Zu kritisieren ist, dass das Buch größtenteils bei der Beschreibung und Erklärung bleibt und die "allgemeine Ansicht" der Dinge wiedergibt. Es wird kaum versucht, ein kritisches Selbstbewusstsein des Kunstbetrachters zu wecken. Eher kommt der Eindruck auf, der Kunstbetrieb, Künstler, Kuratoren oder wer auch immer seien vorzugeben in der Lage, was herausragende Kunst ist, die angemessen gemäß Katalog zu bewundern sei und was nicht. Zum Beispiel sei Rudolf Bauer, "den heute kaum noch jemand kennt", viel weniger befähigt als z.B. Wassily Kandinsky, dessen Bilder gut und sorgfältig komponiert seien. Das könne jeder feststellen. Anhaltspunkte dazu werden keine gegeben. Der in der Allgemeinheit verbreiteten Vermutung, der moderne Kunstbetrieb sei eine große Aufführung des Märchens "Des Kaisers neue Kleider", kann so nicht begegnet werden. Die Attitüde: "Das Werk 'Ohne Titel IV (Kuhmist und Büroklammern)', das Sie hier sehen, ist ein epochales Kunstwerk und der Künstler will uns damit das und das sagen. Punkt." lässt das Misstrauen bestehen.

Das Buch ist gut lesbar und gefällig geschrieben, gleitet aber in der zweiten Hälfte mitunter stark ins Kinderbuchhafte ab. Kurze Sätze sind kein Selbstzweck. Überhaupt achtet die Autorin vielleicht etwas zu sehr darauf, ihre Leserinnen und Leser nur ja nicht zu überfordern.


Elftausend Jungfrauen
Elftausend Jungfrauen
von Ralf König
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Lustlos erzählte Ursulalegende, 17. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Elftausend Jungfrauen (Gebundene Ausgabe)
Ralf König arbeitet sich weiter an Religion und katholischer Kirche ab und hat sich hier die Ursulalegende vorgenommen, eine Heiligenlegende (oder besser: Heiligensage?) seiner Wahlheimat Köln. Dieser Stoff, über die Jahrhunderte immer wieder variiert, teilweise aus offen kommerziellen Gründen (Reliquienhandel!), eignet sich eigentlich hervorragend für eine komische Adaption, wie es etwa Jacques Offenbach mit der hochmoralischen Orpheussage gemacht hat.
Aber hier wird der Stoff an sich nur leicht variiert. Ja, natürlich ist Prinzessin Ursulas Versprochener stockschwul und hat ebensowenig Interesse an einer Verbindung wie die fromme Ursula mit ihrem Jungfräulichkeitsgelöbnis. Klar ist der Papst ein Lüstling (aber nicht schwul, auch nicht bei Ralf König!). Und es fahren gleich elftausend Jungfrauen mit nach Rom.
Eigentliches Thema der Satire ist die Lustfeindlichkeit der Kirche, durch die jegliches Lustempfinden (und erst die -ausübung!) verpönt und tabuisiert wird. Daher flüchten sich die allgegenwärtigen, zur Keuschheit verpflichteten Mönche und Nonnen in die allgemein propagierte Buße durch Selbstgeißelung und leben unter diesem Etikett masochistische Triebe aus. Verklemmte Lust allerorten, nur die Heiden (Angelsachsen und Hunnen) haben einen Heidenspaß. Insgesamt geht's eigentlich nur um Religion und Lustbefriedigung.
Zwischendurch wird auch mal Kölsch gesprochen (und getrunken), aber keine Angst, lieber auswärtiger Leser, in einer weichgespülten, allgemeinverständlichen Form.
Nett gezeichnet, unverzagt und auch mit einigen netten Einfällen. Aber ansonsten nichts besonderes und deutlich schwächer als die vorigen Bände Proto- und Archetyp. Da hätte die heilige Ursula (bittefüruns!) etwas Besseres verdient gehabt.


Amerikanische Religion: Evangelikalismus, Pfingstlertum und Fundamentalismus
Amerikanische Religion: Evangelikalismus, Pfingstlertum und Fundamentalismus
von Michael Hochgeschwender
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,80

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gute Kathederliteratur, 2. August 2012
Ich hätte diesem Buch fünf Sterne gegeben, wenn es "Geschichte des US-amerikanischen Protestantismus" geheißen hätte. Denn darauf läuft das Buch beinahe von der ersten bis zur letzten Seite hinaus.

Die Intention des Autors war anscheinend, dem Leser, der durch immer wiederkehrende Presseberichte über die Überspannungen amerikanischer Religiosität verstört ist, eine sehr fundierte geschichtliche Einordnung des Phänomens zu bieten. Entsprechend geht er chronologisch vor - von den calvinistischen Wurzeln des englischen Puritanismus über die verschiedenen Erweckungsbewegungen bis zu den evangelikal geprägten politischen Strömungen um 2000 herum.

Auf diesem Weg erfährt der Leser, dass das heutige politisch-religiöse Spannungsverhältnis nichts neues ist, sondern die gesellschaftlichen Debatten schon seit der der amerikanischen Kolonialzeit maßgeblich prägt. Überhaupt ist die Darstellung für jeden an der amerikanischen Geistes- und Gesellschaftsgeschichte Interessierten hochinteressant. Auch theologische Entwicklungsstränge werden über lange Zeiträume hinweg verfolgt.

Was dabei manchmal in den Hintergrund gerät, ist die Religion selber. Einzelne Denominationen, deren Entstehung und Glaubensinhalte werden nur "unterwegs" kurz erläutert, wenn es gerade passt. Insofern ist dieses Buch nur eingeschänkt dazu geeignet, sich zügig einen Überblick über die religiöse Landschaft Amerikas zu machen, zumal sich das Buch im Wesentlichen auf den Protestantismus beschränkt.

Der Stil des Buches ist eher wissenschaftlich ausgerichtet. Der Autor beweist sehr reiche Literaturkenntnis. Im Gegenzug wirkt diese stark literaturfixierte Darstellung unpersönlich. Man könnte auf die Idee kommen, das Buch wäre von jemandem geschrieben, der seinen Katheder bzw. seine Bibliothek nie für eine Reise nach Amerika oder das direkte Gespräch mit Amerikanern verlassen hätte. Auch die Anforderungen an den Leser sind hoch, was die erwartete Vorbildung in amerikanischer Geschichte und christlicher Theologie sowie den Fremdwortgebrauch angeht.


Classics Forever: Dt. /Engl.
Classics Forever: Dt. /Engl.
von Peter Morscheck
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klasse Klassik-Grundstock, 18. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Classics Forever: Dt. /Engl. (Taschenbuch)
Dieses Notenbuch enthält zwanzig gut spielbare Gitarren-Transkriptionen (von Ausschnitten) sehr bekannter klassischer Stücke. Sie sind gut gesetzt und zumeist sehr gut anzuhören. Von der Schwierigkeit her würde ich mindestens frühe Mittelstufe ansetzen. Mehrstimmiges Spiel, Barrégriffe und Lagenspiel müssen schon einigermaßen sitzen. In der Mehrzahl der Stücke dominieren aber Passagen in der ersten bzw. zweiten Lage. Als Einstieg ins Solospiel für "Schrammler" würde ich es nicht empfehlen, denn auch die rechte Hand bekommt einiges zu tun. Wenn die genannten Voraussetzungen erfüllt sind, geht es meistens sehr schnell, sich die Stücke zu erarbeiten.
Fast alle Stücke sind ziemlich gelungen; es gibt nur ein paar wenige, die ich lieber überblättere. In den letzten Jahren zählte dieses Buch zu den Notenbüchern, die am häufigsten zur Hand nehme.


Die radikale Rechte in Deutschland 1871-1945: Eine politische Ideengeschichte
Die radikale Rechte in Deutschland 1871-1945: Eine politische Ideengeschichte
von Stefan Breuer
  Broschiert
Preis: EUR 6,60

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ideengeschichte des deutschen Nationalismus bis 1933, 1. November 2011
Stefan Breuer gibt in diesem Buch einen Überblick über Ideen und Gestalten am äußersten rechten Rand des deutschen Geisteslebens 1871 bis 1933 (nicht 1945).
Breuer beschreibt Strömungen der radikalen Rechten und ordnet sie in ein zweidimensionales Schema ein: Erstens nach ihrer Einstellung zum technischen Fortschritt und dessen gesellschaftlichen Konsequenzen: Während die meisten Strömungen ihn und Deutschlands führende Rolle darin begrüßen, wollen andere (die Völkischen) die gesellschaftlichen Konsequenzen aufhalten und wieder andere versinken ob der mechanisierten, kulturlosen Epoche in Welthass und politreligöses Sektierertum. Zweitens unterscheidet er nach den beabsichtigten Trägern und Adressaten der jeweiligen Ideologie: Während der "alte" Nationalismus im Kaiserreich sich vorwiegend als Bewegung von Adel und Bildungsbürgertum sieht, der die Arbeiter und Kleinbauern entweder für willige Untertanen oder potentielle, zu unterdrückende Sozialdemokraten hält, ist der "neue" Nationalismus stärker kleinbürgerlicher Natur und schießt die Arbeiter als Teil des Volksganzen ein. Drum herum schwirren Rassengläubige und Erdenker autoritärer Weltgesellschaften. Was fast alle eint, ist der Glaube an den autoritären Staat und der Hass auf die Juden.

Was - trotz des Titels - ganz ausgespart wird, ist die nationalsozialistische Ideologie ab 1933. Dafür bekommt der Leser eine Teilantwort auf die Frage, warum so viele Menschen 1930 - 1933 dermaßen verrückten politischen Ideen hinterherliefen: es gab sie einfach bereits ziemlich lange. Schon im letzten Drittel 19. Jahrhunderts wurden so ziemlich alle Perversitäten von deutscher Weltherrschaft über Rassenzüchtung bis zur Judenvernichtung schon einmal gedacht und publiziert. Nationaler Größenwahn und spinnerte Ideologie erreichen über kleine Zirkel und "vaterländische" Verbände den Kaiserhof und die öffentliche Meinung.
Nach dem Weltkrieg ging die extreme Rechte in Fundamentalopposition zum neuen Regierungssystem und reagierte mit der Bildung immer neuer, oft kurzlebiger Gruppierungen sowie politischer Gewalt. Breuer beschränkt sich hier weitgehend auf die Beschreibung rechter Ideologien, Ideologen und politischen Splittergruppen. Eine zusammenhängende Schilderung der poltischen Aktionen fehlt; nur an einzelnen Stellen wird z.B. auf Positionen einzelner Gruppen zum Kapp-Putsch oder zum Dawes-Plan eingegangen. Als Hitler schließlich zum ersten charismatischen Führer auf der extremen Rechten aufsteigt, erklärt sich das auch daraus, dass er innerhalb jenes Spektrums eine Figur der Mitte ist, mit der sich die meisten arrangieren können.

Auf die heutige Zeit bezogen macht das Buch nachdenklich: Was, wenn der radikalen Rechten in Deutschland oder z.B. in den USA (Tea Party) mit ihren abstrusen Ideen tatsächlich ein charismatischer Führer erwächst?

Das Niveau des Buches ist recht hoch. Der Autor setzt voraus, dass man sich in der deutschen Geschichte 1871 - 1933 auskennt. Das Buch ist geeignet für die universitäre Lehre und historisch Interessierte mit speziellem Interesse in diesem Bereich. Es wird zwar, wie geschildert, eine Einordnung der verschiedenen Strömungen untereinander geboten, die Einordnung in den geschichtlichen Kontext überlässt der Autor jedoch fast vollständig dem Leser - es ist also einiges an Hintergrundwissen nötig. Einsteiger mögen sich einerseits etwas überfordert fühlen, andererseits werden viele detaillierte Angaben zu einzelnen Splittergruppen für sie einfach nicht von Interesse sein. Etwas störend sind zudem ein manchmal mühsamer Schreibstil und gelegentlicher unnötiger Einsatz seltener Fremdwörter und lateinischer Satzfragmente.


Eden Lake
Eden Lake
DVD ~ Michael Fassbender
Preis: EUR 4,99

2 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Guter Storyansatz als Vorwand für ein voyeuristisches Gemetzel, 21. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Eden Lake (DVD)
Was hätte dieser Film doch für ein guter Thriller werden können, eine Mischung aus Action-/Horrorfilm und Sozialdrama.
Die Idee ist gar nicht so schlecht: Ein junges britisches Städterpärchen reist raus in die Landeinsamkeit und macht dort Bekanntschaft mit einer feindlichen Kultur: Jugendliche aus nicht materiell, aber sozial verwahrlostem Milieu, deren Lebensraum von der vordringenden Stadt bedroht ist, machen aus ihrer Ablehnung gegen die "Fremdlinge" keinen Hehl und greifen sie mit steigendem Aggressionspotential an. Dem "Anführer" der Jugendlichen, der psychopathische Züge hat, gelingt es geschickt, seine Kumpels dazu zu bringen, aus Machtspielchen absolut tödlichen Ernst zu machen.
Leider wird diese gute und durchaus viel Action verlangende Story in Filmblut ertränkt. Nach einem guten Drittel des Films wird die Handlung zu bloßer Staffage für immer neue Darstellungen von Gewalt, Brutalität, Verstümmelungen und Schmerzen. Vielleicht ist es heutzutage so, dass der "suspense" einfach aus der Mode gekommen ist. Morde, Gewalttaten, Quälereien und schlimme Verletzungen werden in Nahaufnahme und ohne etwas auszusparen gezeigt. Die Bekannten, mit denen ich den Film angeschaut habe, waren davon ganz angetan, aber mir fehlt für so etwas das Verständnis.
Die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler, insbesondere Jack O'Connell als fortwährend seine unreife Vorstellung von Männlichkeit beweisen müssender Rädelsführer, können beeindrucken, während die beiden Hauptdarsteller verhältnismäßig blaß bleiben. Kelly Reilly gibt routiniert die in Horrorfilmen pflichtmäßig panisch umherirrende Opfer-Frau.
Im Nachhinein wirkt der Film wie ein saftiges Steak, ertränkt in einem Meer von Tomatenketchup.

P.S.: Der einzigen Szene mit "suspense" konnten meine Mitzuschauer interessanterweise überhaupt nichts abgewinnen. Ich finde es auch merkwürdig, dass viele Rezensionen hier das gut gelungene Ende bemängeln. (Bearbeitung: Ich glaube zwar nicht, dass die an dieser Stelle folgende Bemerkung ein Spoiler war, aber ich habe sie trotzdem mal entfernt.)


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