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Rezensionen verfasst von
½
(TOP 50 REZENSENT)   

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Familienalbum: Roman
Familienalbum: Roman
von Penelope Lively
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Verfall des Hauses als Spiegelbild für den Verfall der Familie?, 9. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Familienalbum: Roman (Gebundene Ausgabe)
Eine ungewöhnliche Familie: Sechs Kinder, zwei Eltern und ein Au-pair-Mädchen, das nach vierzig Jahren immer noch da ist und im Garten Spargel anbaut. Charles, der schreibende Vater. Alison, die leidenschaftlich (und gut) kochende Mutter, die so gerne Rezepte tauscht und Kochkurse gibt. Ingrid, das Au-pair mit grünem Daumen, die mit einer exzellenten Beobachtungsgabe ausgestattet ist, und mit einem Sinn für Geheimnisse, die nur ihr gehören. Wer einst das Manuskript des Familienoberhauptes zerschnitten hat … sie weiß es. Dass Sandra ihre ältere Schwester an deren Geburtstag so geschubst hat, dass eine Narbe übrig blieb, … Ingrid hat es gesehen. Als Einzige.

Die Kinder. Paul, der Älteste, Liebling der Mutter, mit dem Vater im Dauerdisput. In jungen Jahren Drogenprobleme. Eine Karriere als Fahrradkurier. Zwei Jahre als Hausmeister an einer Schule. Irgendwann später ein Job im Gartencenter. Dass eine frühere Bekannte von ihm gegen seinen Willen sein Kind abgetrieben hat, daran denkt er noch heute.

Gina, die Karriere als Fernsehreporterin gemacht hat. Sie reist durch die Weltgeschichte. Heute Irak. Morgen Südafrika. Und übermorgen?

Roger, der Kinderarzt, der mit einer chinesischstämmigen Kanadierin in Toronto lebt.

Katie, mit einem Amerikaner verheiratet. Sie wünscht sich sehnlichst ein Kind. Aber ach, künstliche Befruchtung und alle möglichen Tests haben nichts geholfen. Sie hat zu ihrem Leidwesen nichts von der Harperschen Fruchtbarkeit geerbt.

Sandra, die Ex-Modejournalistin, hat hingegen zwei Abtreibungen hinter sich. In Rom ist sie Geschäftsführerin einer Boutique.

Und Clare, das Nesthäkchen. Die Jüngste, die äusserlich so ganz anders aussieht als ihre Geschwister. Wohnsitz in Frankreich. Eine Tänzerin. Sie tourt mit ihrer Compagnie durch aller Herren Länder.

„Das Haus hört alles. Das Haus weiß Bescheid. Es weiß alles, was hier gesagt, was getan worden ist.“ (89)

Das Haus. Allersmead. Ein Haus als heimlicher Protagonist? Ein herrschaftliches Anwesen mit tausend Quadratmeter Grund. Perfekt für eine Großfamilie mit Hund. Zwischenzeitlich allerdings etwas heruntergekommen. Es tropft durch's Dach. Auch anderweitig besteht Renovierungsbedarf. Der Verfall des Hauses als Spiegelbild für den Verfall der Familie?

Das Haus. Zeuge des Familienlebens. Die Kellerspiele der Kinder. Der deutsche Austauschschüler – ein Fall kultureller Inkompatibilität. Die Feier zum 25-jährigen Hochzeitsjubiläum der Eltern. Besucher der Kinder im Hier und Heute. Vergangenheit und Gegenwart. Penelope Lively folgt keinem linearen Aufbau. Sie springt zeitlich vor und zurück. Und sie wechselt die Erzählperspektiven. Im großen und ganzen bleibt es dennoch übersichtlich. Ich hatte jedenfalls kein Problem der Geschichte zu folgen. Wenn ein und dieselbe Begebenheit von verschiedenen Personen wiedergegeben wird, zeigt dies wie unterschiedlich Erinnerung sein kann. Nach und nach entsteht das Bild einer Familie. Die fernen, früheren Ausgaben der Figuren huschen jedoch am Leser vorbei, wirklich zu fassen waren sie für mich nicht. Das liegt vielleicht auch am Erzählstil. Der klingt phasenweise (nicht immer) so:

„Ingrid machte sich eine komplizierte Flechtfrisur, deshalb kommt sie später als sonst. Katie ist schon vor ihr unten, entdeckt in der Garderobe ein Hundehäufchen und putzt es weg, damit der Hund keinen Ärger bekommt.
Roger übt in seinem Zimmer Handstand, bis Alison ihn zur Eile antreibt. Gina hört Radio, während sie...“ (39)
und so weiter
und so fort

Soll durch derartige Aufzählungen der Eindruck eines turbulenten Familienlebens erzeugt werden? Wenn ja, so hat dies bei mir nicht funktioniert. Alltägliche Banalitäten. Was soll das? Selbst das große Familiengeheimnis wird relativ schnell gelüftet. Jeder kennt es, keiner spricht es an. Erst ganz am Schluss entscheidet sich die Betroffene zu Offenheit, legt ihre Gefühle dar. Endlich! Habe ich als Leser gedacht.

„Sie wissen es. Letzten Endes wissen es alle. Sie wissen es, aber das Wissen wird unterdrückt und weggeschoben, aus den Augen, aus dem Sinn. Das Haus weiß Bescheid und schweigt, sperrt alles weg, was getan, gesagt, gedacht worden ist.“ (126)

Ist es die beste Taktik, wenn man schweigt? Ist das die Botschaft? Am Ende des Buches habe ich mich tatsächlich gefragt, was mir die Autorin eigentlich sagen will. Was bleibt von dieser Geschichte? Vertraut und gleichzeitig rätselhaft. Irgendwie undurchdringlich. Vielleicht komme ich später drauf. Manche Dinge brauche Zeit …

Deswegen von mir 4 Sterne.


Russia and the Arabs: Behind the Scenes in the Middle East from the Cold War to the Present: Behind the Scenes in the Middle East from the Cold War to Now
Russia and the Arabs: Behind the Scenes in the Middle East from the Cold War to the Present: Behind the Scenes in the Middle East from the Cold War to Now
von Yevgeny Primakov
  Gebundene Ausgabe

4.0 von 5 Sternen Jahrzehntelange Berufserfahrung im Nahen und Mittleren Osten, 8. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Yevgeny Primakov war Prawda-Korrespondent und Sonderkorrespondent von TASS. Er war Direktor des Orientinstitutes der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften, Chef der Auslandsabteilung des KGB, Aussenminister und Premierminister unter Jelzin. Er traf Saddam Hussein im Januar 1970, um die Kurdenfrage zu diskutieren. Saddam war in der damaligen irakischen Regierung für die Kurden zuständig. Noch keine Führungsposition, nur ein einfacher Ansprechpartner für den Journalisten Primakov (vgl. S.332). 1983 traf Primakov den irakischen Machthaber in seiner Funktion als Direktor des Orientinstitutes (vgl. S.54) und 2003 war er Sonderbeauftragter von Putin. Drei Wochen vor der amerikanischen Invasion unterbreitete er Saddam Hussein einen Lösungsvorschlag, auf welchen der irakische Präsident jedoch nicht einging.

Der Sechs-Tage-Krieg, der Yom Kippur Krieg, der israelisch-ägyptische Friedensvertrag, die Annährung durch Nasser, die Entfremdung unter Sadat, der Libanon, die Kurdenfrage, das Phänomen Arafat, Saddam Hussein und noch ein paar andere Themen werden angesprochen. Das vollständige Inhaltsverzeichnis finden Sie, wenn Sie die Blick-ins-Buch-Funktion nutzen.

Primakov erklärt die allgemein bekannten geschichtlichen Hintergründe. Daneben beschreibt er Vorgänge, die ihm aufgrund von seinen verschiedenen Tätigkeiten bekannt sind. Dazu zählen insbesondere Treffen mit Repräsentanten von verschiedenen Ländern sowie Berichte, die er für das Politbüro oder andere sowjetische Behörden verfasst hat. Und er erzählt von seinen Missionen. Die Annäherung Israels und der Sowjetunion zum Beispiel. Golda Meir hatte über den finnischen Aussenminister um ein Treffen gebeten: „anytime, any place, at any level – for an exchange of views about the situation in the Middle East.“ (263) Und wer wurde mit den ersten Gesprächen beauftragt? Natürlich Primakov. Unter konspirativen Bedingungen reiste er nach Tel Aviv. Oder der Bericht, den Primakov 1971 über den ägyptischen Präsidenten Sadat verfasste, in dem er Zweifel an dessen Loyalität aufwarf. Etwas, das man damals in Moskau nicht hören (und nicht glauben) wollte, das sich aber später als wahr herausstellte. In diesem Fall und auch anderweitig zitiert Primakov oder fasst seine früheren Berichte zusammen.

Besonders interessant fand ich persönlich die fehlgeschlagenen Initiativen oder Verhandlungen, die Gespräche hinter verschlossenen Türen. Also das, worüber man normalerweise in der Presse nichts liest. Primakov äussert sich mitunter sehr offen über Vergangenes. Es bleibt nicht aus, dass er dabei auch seine Meinung über die Amerikaner freizügig äussert.

Über Al-Qaeda: „... used by the United States during the cold war – with, as it turns out, no thought to the consequences.“ (17)

Über die US-Invasion im Irak, Originalton Condoleezza Rice: „Don't worry – firstly there has not yet been any political decision, and secondly, if we do strike, we've thought it all through.“ Alles durchdacht? Wirklich?

Mein Fazit:
Alles in allem fand ich dieses Buch über die russisch (sowjetisch)-arabischen Beziehungen ausgesprochen interessant. Und weil der Autor immer wieder seine persönlichen Erlebnisse und Erinnerungen einfliessen lässt, ist es auch noch kurzweilig und unterhaltsam. Deswegen von mir eine Empfehlung.


Liebe kommt auf sanften Pfoten: Roman
Liebe kommt auf sanften Pfoten: Roman
von Lucy Dillon
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Eine zauberhafte Wohlfühlgeschichte mit Hund(en), 6. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Acht Monate ist es her seit Juliets Mann Ben unerwartet gestorben ist. Ihre große Liebe aus Jugendtagen. Fünfzehn Jahre waren die beiden zusammen. Mit 31 Witwe. Allein in einem renovierungsbedürftigen Haus, das sie und Ben vor kurzem gekauft hatten, um daraus ein Familienheim zu gestalten. Aber halt – nicht ganz allein, denn Minton der Terrier ist bei ihr. Aber leider kommt er viel zu selten bei Tageslicht ins Freie. Juliet igelt sich ein und geht bevorzugt nachts einkaufen und Gassi.

Ein unhaltbarer Zustand, finden Juliets Mutter und ihre Schwester Louise, und geben ihr Bestes, um die junge Frau nach draussen zu locken. Dabei hat gerade Louise ihre eigenen Probleme. Eine Schwangerschaft hat das Leben der erfolgreichen Staatsanwältin komplett verändert. Sie versucht die perfekte Mutter zu sein, aber der Alltag macht ihr zu schaffen. Hinzu kommen Eheprobleme. Dass sie sich gut (zu gut?) mit dem einzigen Mann aus ihrer Elterngruppe versteht, macht die Sache nicht einfacher. Im Gegenteil. Denn Michael kann nicht nur unglaublich gut zuhören … Als letzten Ausweg (und als Ablenkung) beschließt Louise, sich als Teilzeitkraft wieder ins Arbeitsleben zu stürzen.

Währenddessen nimmt Juliet endlich die Renovierungsarbeiten in Angriff. Tatkräftig unterstützt von Lorcan, der nebenan bei einer etwas lauten Familie wohnt. Vier Kinder, ein paar tierische Hausgenossen und Eltern, die in der Musikszene zuhause sind. „Emers Ehemann kennt Mark Knopfler“, stellt Juliets Mutter fest, die Lorcan natürlich gleich mal ausgefragt hat. Und nicht nur Mark Knopfler, auch noch jede Menge anderer Musikgrößen.

Ausserdem entwickelt sich Juliet zur professionellen Tiersitterin. Katzen mit Toffee im Fell, das möglichst so beseitigt werden sollte, dass die Besitzerin nichts merkt. Ein Dackelrüde, der ausbüchst, um eine Spanieldame zu beglücken. Es ist ein abwechslungsreiches Leben für Juliet. Die Fellnasen halten sie auf Trab. Erst Mutters alte Hündin Coco, dann oben erwähnter Dackel namens Hector, später dann auch seine Herzensdame, das Spanielmädchen Damson. Und eben diese Spanieldame hat ein sympathisches Herrchen. Sehr sympathisch sogar. Erstmals seit langer Zeit geht Juliet wieder aus. Aber ach! Als sie eines Tages bei Damson ist, steht ausgerechnet ihre Schwester Louise vor der Tür. Damsons Herrchen ist kein anderer als Louises Michael.

So und mehr wird nicht verraten. Wie es mit der Ehe von Louise weitergeht und wer Juliets Herz gewinnt, darf jeder selber herausfinden. Reichlich zwischenmenschliche Verwirrungen. Bezaubernde Hunde und Katzen mit manchmal eigenwilligem Verhalten. Lebensfrohe Kinder. Hilfsbereite, freundliche Nachbarn und Freunde. Sprich: jede Menge sympathischer Figuren sind hier versammelt. Lucy Dillon hat eine wunderbare Wohlfühlgeschichte geschrieben. Keine komplizierte, anspruchsvolle Literatur, sondern eine Geschichte mit ganz viel Herz. Hat mir gefallen.


Das Who is Who der Bildmotive: Der Taschenführer fürs Museum
Das Who is Who der Bildmotive: Der Taschenführer fürs Museum
von Marcus Lodwick
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Antike sowie biblische bzw. religiöse Gestalten, 5. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein klasse Nachschlagewerk nicht nur zum besseren Verständnis von Gemälden in Museen, sondern auch wenn man einfach nur mehr zu einer bestimmten antiken oder biblischen/religiösen Figur wissen will. Der erste Teil widmet sich den olympischen Göttern, mythischen Helden, Fabelwesen und historischen Persönlichkeiten der Griechen und Römer. Im zweiten Teil werden berühmte Figuren der Bibel, des Frühchristentums und des Mittelalters vorgestellt. Die Gliederung erfolgt weitestgehend alphabetisch, wird aber gelegentlich auch durchbrochen. Auf Hagar und die Heilige Helena folgen erst Jakob, der Heilige Jakobus der Ältere sowie der Hl. Jakobus der Jüngere bevor der Heilige Hieronymus an der Reihe ist. Kain und Abel tauche nach dem Heiligen Benedikt von Nursia auf. Die Heilige Katharina von Alexandrien folgt dem Brüderpaar bevor es im Alphabet mit der Heiligen Cäcilia weitergeht. Wenn man eine bestimmte Figur nicht auf Anhieb im Textteil findet, lohnt ein Blick ins hintere Register oder ins vordere Inhaltsverzeichnis, um die Seite herauszufinden, wo der/die Betreffende vorgestellt wird.

Die meisten Figuren werden auf einer Seite porträtiert. Ein Bildbeispiel, eine Beschreibung, antike oder biblische Quellen, Attribute und wichtige Gemälde sind in einem separaten Merkkasten aufgeführt. Manchmal wird der Inhalt auf zwei oder mehr Seiten vor dem Leser ausgebreitet. Im Falle von Jesus Christus werden mehrere Bildbeispiele gezeigt. Worum es sich bei den Bildbeispielen handelt, kann man in den Merkkästen erkennen. Das jeweilige Gemälde ist durch einen Pfeil gekennzeichnet. Die andere wichtigen Darstellungen sind mit Aufzählungspunkten gelistet.

Zusätzlich zu den Personenbeschreibungen werden in einem Glossar wesentliche Begriffe erklärt. Von Amazonen, Apokalypse, Apokalyptische Wesen, Apokryphen bis zu Titanen, Trinität und Trojanischem Krieg.

In der Einführung erhält man Hinweise zur Nutzung und auf einer Zeitachse einen Überblick über kunstgeschichtliche Strömungen sowie historische Ereignisse.

Sehr gut gefällt mir der Flexi-Einband. Eine Art besonders stabiles Taschenbuch, nicht so starr wie ein gebundenes Buch.

Mein Fazit:
Eine feine Sache, nicht nur für Museumsbesuche, sondern auch wenn man mehr zu dieser oder jener antiken oder biblisch/religiösen Figur wissen will.


Storm Warning: Riding the Crosswinds in the Pakistan-Afghan Borderlands
Storm Warning: Riding the Crosswinds in the Pakistan-Afghan Borderlands
von Robin Brooke-Smith
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,81

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Beeindruckend! Ein autobiografischer Erlebnisbericht aus Pakistan., 3. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
We are people of different countries, faiths and races living in harmony and friendship. We work together and try to learn the secret of fellowship and peace. We hope our lives may be more useful and his spirit of helpfulness will enrich the province in which we live to the greater glory of God.
Rev R. H. Noble, Former Principal, Edwardes College
gefunden auf der Webseite der Schule

Edwardes College, Peschawar, im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet. Gegründet im Jahr 1900 als weiterführende Schule der Edwardes High School. Major General Sir Herbert Edwardes, der das Fundament für die High School gelegt hatte, war Commissioner von Peschawar. Eine Mischung von Armeeoffizier und christlichem Missionar.

Im Sommer 1995 wird die Stelle des Leiters des Edwardes College ausgeschrieben. Robin Brooke-Smith, dessen Stiefvater Michael Charlesworth einst als Prinzipal am Lawrence College in Pakistan tätig war, bewirbt sich und wird angenommen. Zunächst zieht er alleine nach Peschawar. Später folgt seine Frau. Die beiden Söhne setzen die Ausbildung in England fort.

In den vorliegenden Erinnerungen erzählt Robin von dem Alltag am College, den Stolpersteinen und Schwierigkeiten, mit denen er konfrontiert war. Eine stetige Gratwanderung, da zwei unterschiedliche Parteien versuchten, Einfluss zu nehmen. Auf der einen Seite die Kirche, der das Gelände zu weiten Teilen gehörte, auf der anderen Seite die Behörden, der Gouverneur, an den er berichten muss. Erschwert wird seine Arbeit dadurch, dass Ansprechpartner kurzfristig ausgetauscht oder ins Gefängnis geworfen werden. Pakistanische Willkür. Aus einer besonders heimtückischen Intrige kann Robin sich nur deswegen retten, weil sein Stiefvater den zweitmächtigsten Mann in Pakistan kennt: General Mahmood Ahmad, den Chef des ISI, des pakistanischen Geheimdienstes. Auch der Mann, der Kontakte zu verschiedenen Al-Kaida-Köpfen unterhalten hatte.

Afghanisch-pakistanische Grenzerfahrungen. Die Madrassen in Peschawar und die Gästehäuser Bin Ladens, die Taliban und der Tod des letzten kommunistisch geprägten Präsidenten Afghanistans Najibullah, der einst auch am Edwardes College studierte. Die ersten fünf pakistanischen Atombomben werden während der Amtszeit von Robin gezündet. Sicherheitswarnungen, Reibereien mit Indien. Eine aufregende, abenteuerliche Zeit.

Am College kann Robin eine wesentliche Veränderung durchsetzen: Im September 1999 nehmen die ersten 25 Frauen ihr Studium auf. 25 Frauen und 1600 Männer. Erst einmal müssen Anlaufschwierigkeiten gemeistert werden. Damentoiletten und separate Sportumkleidekabinen zum Beispiel. Und dann gibt es natürlich reichlich Kritik von aussen.

Des Weiteren organisiert Robin das 100-jährige Jubiläum mit Galadinner, Feuerwerk und jeder Menge Veranstaltungen.

Kurz: Es waren intensive Jahre, die Robin Brooke-Smith in Pakistan verbracht hat. Weil seine Schilderungen so überaus lebendig sind, macht es Spaß seinen Ausführungen zu folgen. Phasenweise ist es sogar regelrecht spannend. Vor allem bietet dieses Buch aber einen hervorragenden Einblick in den pakistanischen Alltag, dem Lavieren zwischen Militär, Regierung, Kirche und Extremisten.

Wem Drei Tassen Tee – Wie aus Fremden Freunde wurden von Greg Mortenson gefallen hat, der wird sicher auch von diesem Bericht begeistert sein.


Kain: Roman
Kain: Roman
von José Saramago
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das alte Testament im Schnelldurchgang, 2. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kain: Roman (Gebundene Ausgabe)
Im Mittelpunkt des Geschehens: Kain, der Brudermörder. Zur Strafe für seine Tat soll er fortan unstet auf Erden umherirren. Damit ihm niemand etwas zuleide tut, versieht ihn der Herr mit einem Zeichen auf der Stirn. Querfeldein durch Zeit und Raum. Vom heimatlichen Flecken Erde zu einer verfallenen Hütte. Weiter in das Land Nod. Er arbeitet als Lehmstampfer. Fällt der Herrin Litlith auf, die ihn geraume Zeit später in ihr Schlafgemach einlässt. Ein Esel bringt Kain zu seinem nächsten Einsatzort, wo er Isaak das Leben rettet. Der eigentlich zuständige Engel hatte sich nämlich verspätet. Der Turmbau zu Babel, Sodom, der Berg Sinai, der Angriff auf Jericho. Kain lernt Hiob kennen und darf mit auf die Arche. Kurz: Saramago schickt seinen Helden auf eine einzigartige Reise quer durch das biblische Geschehen.

Mit manchmal eigenwilligen Interpretationen des Geschehens. Schon die Sache mit dem Bruder wird kreativ ausgeschmückt. Abel verhöhnt Kain, kommentiert bissig das fehlgeschlagene Opfer. Und weil sich die Szene eine Woche lang wiederholt, sieht Kain keinen anderen Ausweg mehr. Wenn sich der eine oder andere Leser an derartigen Ausschmückungen stört, so habe ich dafür Verständnis. Schließlich wird Altbekanntes völlig neu, in ganz anderem Licht gezeigt. Andererseits ist es aber auch interessant, wenn man Saramagos Geschichte zum Anlass nimmt, um mal wieder die Originalversion nachzulesen und zu vergleichen.

Nur eine Sache ist gewöhnungsbedürftig: Die Aneinanderreihung des gesprochenen Wortes in Gesprächen. Ein Beispiel von Seite 36 – Bitte achten Sie auf Kommasetzung und Groß-/Kleinschreibung:

„Dann werde ich für meine Tat also nicht bestraft, fragte Kain, Meine Mitschuld spricht dich nicht von deiner Schuld frei, du wirst deine Strafe bekommen, Welche Du wirst unstet auf Erden umherirren, Dann wird mich jeder töten können, Nein, denn ich werde dir ein Zeichen auf die Stirn drücken, niemand wird dir etwas zuleide tun, doch als Gegenleistung für mein Wohlwollen bemühe du dich, niemanden etwas zuleide zu tun, sagte der Herr und legte den Zeigefinger auf Kains Stirn, worauf sich dort ein kleiner schwarzer Fleck bildete, Dies ist das Zeichen deiner Verdammnis, aber auch das Zeichen, dass du dein Leben lang unter meinem Schutz und meiner Aufsicht stehst, ich werde dich überwachen, wo immer du dich befindest, Ich bin einverstanden, sagte Kain, Du hättest gar keine Wahl, Wann beginnt meine Bestrafung, Ab sofort, Kann ich mich von meinen Eltern verabschieden, Das ist deine Sache, …“

Und so weiter und so fort. Der Satz ist noch lange nicht zu Ende, aber ich glaube das ist ausreichend, um das „Problem“ zu erkennen. Verwirrend, wenn man nicht konzentriert liest. Möglicherweise nicht jedermanns Sache.

Alles in Allem hat mir die eigenwillige Zeitreise des Kain dennoch sehr gut gefallen. Eine originelle Idee, kurzweilig umgesetzt, mit Überraschungseffekten.


Out of the Flames: The Remarkable Story of a Fearless Scholar, a Fatal Heresy, and One of the Rarest Books in the World
Out of the Flames: The Remarkable Story of a Fearless Scholar, a Fatal Heresy, and One of the Rarest Books in the World
von Lawrence Goldstone
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beeindruckend!, 2. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Geschichte eines Mannes – Michael Servetus, der im calvinistischen Genf den Flammentod starb, zu seinen Füssen das damals letzte bekannte Exemplar seines Buches Christianismi Restitutio.
Die Geschichte eben dieses Buches, von dem drei Exemplare auf wundersame Art und Weise der Zerstörung entkommen konnten.
Nicht nur Religionsgeschichte, sondern auch Medizingeschichte, da Michael Servetus in seinem Buch auch eine bedeutsame Entdeckung niedergeschrieben hatte. Vor allem aber die Geschichte einer Epoche, die von Umbrüchen gekennzeichnet war.

Michael Servetus wurde am 29. September 1511 als Miguel Serveto Conesa alias Reves in einem kleinen Dorf in Aragon geboren. Der Älteste von drei Söhnen. Seine Eltern gehörten zum Landadel. Schon früh fiel Miguels Sprachtalent auf. Mit 13 Jahren sprach er neben seiner Muttersprache bereits Französisch, Griechisch, Latein und Hebräisch, was bedeutete, dass er das Alte Testament im Original lesen konnte. Seine Hebräisch-Kenntnisse waren vor allem deswegen aussergewöhnlich, weil es in der damaligen Zeit keine gängige Sprache war. In Frankreich durfte Hebräisch zB erst ab 1531 offen unterrichtet werden. Miguel wurde nach Zaragossa zum Studium geschickt, wo er Juan de Quintana kennenlernte, den späteren Beichtvater von Karl V. Eine wichtige Begegnung. Servetus sollte nach einem Studienaufenthalt in Toulouse zu Quintana zurückkehren, um am Hof von Karl V zu arbeiten. In der Folge der Krönungszeremonie in Bologna quittierte Servetus jedoch den Dienst.

Damals war Basel ein Ort, in dem sich Gelehrte zum Austausch trafen. Servetus fand Unterschlupf bei dem früheren Assistenten von Erasmus Johann Hausschein, auch unter dem Namen Oecolampadius bekannt. Schon bald überwar sich der Spanier aber mit seinem Gastgeber. Ursache des Streites waren die unteschiedlichen Auffassungen zur Dreifaltigkeit. Servetus floh und veröffentlichte im nahen Strassburg einen 120 Seiten langen Aufsatz den Fehler der Dreifaltigkeit. Ein Bestseller. Die erste Auflage war ruckzuck ausverkauft. Aber auch ein Verhängnis, denn jetzt war die spanische Inquisition hinter dem jungen Mann her. Fortan war er immer wieder gezwungen zu fliehen und unterzutauchen. Etwas, das ihm lange Zeit überraschend gut gelang. Bis zu dem Tag, an dem er in Genf erkannt wurde.

Lawrence und Nancy Goldstone verfolgen aber nicht nur den Lebensweg von Michael Servetus, sondern beschreiben auch die wesentlichen Zeitgenossen. Sehr viel Raum nimmt dabei ein gewisser Jean Chauvin ein, der unter dem Namen Calvin bekannt werden sollte. Ein unnachgiebiger Gegenspieler von Michael Servetus.

Neben der Religionsgeschichte werden medizinische Fortschritte beschrieben, denn Michael Servetus studierte in Paris erfolgreich Medizin. So erfolgreich, das er die Assistentenstelle von Andreas Vesalius übernahm als dieser nach Padua fliehen musste. Derselbe Vesalius, der später ein 663 Seiten langes umfassendes Anatomiebuch veröffentlichte, welches in den folgenden Jahrhunderten als Standardwerk galt. Eines hatte Vesalius im Blutkreislauf jedoch übersehen, und Servetus entdeckte es. William Harvey sollte später die Lorbeeren für diese Entdeckung ernten. Tatsächlich hatte Michael Servetus den Sachverhalt aber schon in seiner Christianismi Restitutio beschrieben.

Der Bericht endet nicht mit dem Tod von Michael Servetus. Im dritten Teil folgt das Autorenpaar den Spuren des Buches und sie beschreiben die Auswirkungen der Ideen des Michael Servetus. Dabei haben sie mich mit immer wieder mit unerwarteten Verknüpfungen überrascht. Von Gottfried Wilhelm Leibniz bis William Osler, dem berühmten amerikanischen Mediziner. Der Faktenreichtum, den Lawrence & Nancy Goldstone für diese ganz besondere Biografie zusammengetragen haben, ist überwältigend. Man kann die dahinter stehende Rechercheleistung nur bewundern. Eine ausführliche Bibliografie und ein umfangreiches Register schließen das Buch ab.

Mein Fazit:
Beeindruckend!
Es wäre toll, wenn sich ein Verlag finden würde, der eine deutsche Übersetzung in Auftrag gibt, damit dieses Buch möglichst viele Leser erreicht.


Martin Luther: Sein Leben und seine Zeit
Martin Luther: Sein Leben und seine Zeit
von Veit-Jakobus Dieterich
  Taschenbuch
Preis: EUR 15,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Überraschend anders – Eine anschauliche Präsentation anstelle von trockenen Fakten, 1. März 2015
Gleich der erste Blick in diese Luther-Biografie hat mich neugierig gemacht:

* Viele Bilder (zeitgenössische Gemälde mit kurze Erläuterungen).

* Farbig hinterlegte Merkkästen (oder solch ich sagen Merkfelder?), in denen wesentliche Ereignisse oder Fakten kurz und präzise zusammengefasst werden; zB die Herrschergestalten in Europa zur Zeit Luthers, längere Reisen Luthers aber auch Luther-Sehenswürdigkeiten auf der Wartburg und in Eisenach.

* Viele Zitateinschübe; von Luther und über Luther.

* Kartenmaterial erleichtert die Übersicht über die Herrschaftsgebiete und die Ausbreitung der Reformation.

-->> Es handelt sich hier um eine überaus lebendig gestaltete Biografie. Wenn Sie die Blick-ins-Buch-Funktion nutzen, können sie sich selber ein Bild davon machen.

Die Fakten kommen dabei nicht zu kurz. Kindheit und Jugend werden nur gestreift. Auf die weitere Ausbildung und insbesondere auf das Wirken des Reformators wird ausführlich eingegangen. Das Familienleben wird angesprochen und auch die Schattenseiten werden thematisiert. Widersprüchliches wird thematisiert: Einerseits stimmt Luther dem Töten von „Zauberinnen“ zu (vgl. S. 183), andererseits zeigt er Sensibilität zur Situation der Frau (vgl. S. 184). Auch seine verheerende antijüdische Hetzschrift von 1543 wird angesprochen.

Mein Fazit:
Keine Verklärung, sondern eine umfassende Darstellung der bekannten Fakten. Das hat mir sehr gut gefallen. Zusammen mit der lebendigen Gestaltung deswegen von mir eine Empfehlung.


Die Identitätsfalle: Warum es keinen Krieg der Kulturen gibt
Die Identitätsfalle: Warum es keinen Krieg der Kulturen gibt
von Amartya Sen
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine einfache Grundidee – Eine interessante Analyse, 1. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Eine Frau, eine Deutsche, Hundeliebhaberin, Bastelfan, Käuferin von Büchern und anderen Dingen, Amazon-Rezensentin … jeder Mensch besteht aus unterschiedlichen Identitäten, so der Grundgedanke des indischen Wirtschaftswissenschaftlers und Nobelpreisträgers Amartya Sen.

In dem vorliegenden Buch hinterfragt Amartya Sen insbesondere die Frage der religiösen und kulturellen Identität. In welchem Zusammenhang stehen unsere unterschiedlichen Identitäten? Ist eine davon vorherrschend? Sind wir durch eine unserer Identitäten Zwängen unterworfen? Welche Wahlfreiheit besitzen wir? Seine Botschaft ist dabei klar und deutlich: Menschen haben Wahlmöglichkeiten und sie haben die Fähigkeit zum Zweifeln und zum Infragestellen. Eine Fähigkeit, die natürlich von Ausbildung und Begabung geprägt ist, zumal es Umstände gibt, die das Zweifeln und Fragen nicht fördern, und dennoch eine Fähigkeit, die jeder besitzt und nutzen kann.

Wie es dennoch sein kann, dass Menschen religiösen oder anderen Rattenfängern folgen und sich freiwillig auf eine Identität beschränken lassen, darauf geht Amartya Sen ausführlich ein. Des Weiteren zeigt er anhand von aktuellen Krisengebieten (zB Irak oder Afghanistan), wo von Regierungs- bzw. Verwaltungsseite Fehler gemacht werden indem Menschen auf ihre Religions-/Stammeszugehörigkeit reduziert werden. Eine Strategie, die zwar kurzfristig einfach umzusetzen ist, langfristig aber Nachteile bringen kann.

„Moderne Konflikte, die ohne Berücksichtigung aktueller Ereignisse und Machenschaften nicht angemessen zu verstehen sind, werden auf diese Weise zu uralten Fehden aufgeblasen, in denen die heutigen Akteure in angeblich altüberkommenen Dramen in vorher bestimmten Rollen auftreten.“ (56) Bei diesem Satz musste ich an eine Aussage des früheren amerikanischen Aussenministers Christopher zu den Vorgängen in Bosnien/Serbien denken: The hatred between all three groups ... is almost unbelievable. It's almost terrifying, and it's centuries old. That is really a problem from hell Problem from hell von Samantha Power. Amartya Sen's Haltung ist auch hier eindeutig: Durch einen Verweis auf einen uralten Konflikt wird eine Analyse der Vorgänge, die zur Aufwiegelung und Gewaltbereitschaft geführt haben, verhindert oder behindert. Oder anders ausgedrückt: Eine einfache Erklärung ersetzt komplizierte Untersuchungen. Wie bequem!

Ausserdem werden Themen wie Verwestlichung, Demokratie, Toleranz & Werte angesprochen.

Ausführliche Anmerkungen und ein Personenregister schließen das Buch ab.

Mein Fazit:
Ein Aufruf zum eigenständigen Denken.
Ein Aufruf, sich nicht von Rattenfängern vereinnahmen zu lassen.
Ein wichtiges Buch.
Unbedingt empfehlenswert.


Russland verstehen: Der Kampf um die Ukraine und die Arroganz des Westens
Russland verstehen: Der Kampf um die Ukraine und die Arroganz des Westens
von Gabriele Krone-Schmalz
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,95

13 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Autorin wirbt um Verständnis für die russische Sichtweise. Es handelt sich jedoch keineswegs um eine vollständige Chronik..., 25. Februar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
... der Ereignisse „im Kampf um die Ukraine“. Insofern war ich etwas enttäuscht von dem vorliegenden Buch. Es ist meiner Meinung nach kein „Standardwerk zur Ukraine Krise“, sondern

- Eine Klarstellung des Standpunktes der Autorin.
- Eine Offenlegung von Medien-/Propagandastrategien.
- Eine Zusammenfassung der russischen Geschichte seit dem Auseinanderfallen der Sowjetunion.
- Eine Kurzeinführung in die ukrainische Geschichte und die gegenwärtigen Ereignisse dort.

Dass dieses Buch von mir mit 4 Sternen bewertet wird, liegt insbesondere an den ersten beiden Punkten. Ich bewundere Frau Krone-Schmalz für ihre Hartnäckigkeit und für die Art und Weise wie sie sachlich ihre Argumentation vorträgt. Des Weiteren finde ich es ausserordentlich wichtig, wenn auf Doppeldeutigkeiten oder Ungenauigkeiten in der Berichterstattung hingewiesen wird. Dafür kann man Frau Krone-Schmalz gar nicht genug danken, wie sie Formulierungen seziert und offenlegt wie und wo manipuliert wird.

Weniger begeistert war ich von den geschichtlichen Hintergründen und den Ausführungen zu den gegenwärtigen Ereignissen. Das liegt vor allem daran, dass ich mir Was passiert in Russland bereits im Jahr 2008 gekauft hatte und seitdem mehrfach Themen daraus nachgelesen habe. Es ist schade, dass dieses andere Russlandbuch von Frau Krone-Schmalz nur noch antiquarisch erhältlich ist. Ehrlich gesagt hatte ich eine Neuauflage erwartet. In WAS PASSIERT IN RUSSLAND geht die Autorin sehr viel ausführlicher und faktenreicher auf die jüngere russische Geschichte ein. Unbedingt, ganz klar empfehlenswert!

Tatsächlich – so schien es mir – hat sie in ihrem neuen Buch hauptsächlich die dortigen Inhalte zusammengefasst. Auf die Ereignisse seit 2007 geht sie nämlich in Bezug auf Russland nur bedingt ein. Dabei gibt es da durchaus Interessantes: zB die russische Unterstützung der Flugverbotszone in Libyen. Meines Wissens nach basierte diese Zustimmung keineswegs auf einer breiten russischen Zustimmung. Der damalige Präsident Medwedew hat seine Vollmachten ausgenutzt. Putin war hingegen dagegen. [1] Jedem, der behauptet, Russland bzw. Putin wäre nicht demokratisch, würde ich diese Ereignisse vorzeigen. Putin hat sich der präsidialen Macht gebeugt und akzeptiert, dass der Präsident anderer Meinung ist. Letztendlich sehe ich aber auch in den Ereignissen in und um Libyen die Ursache für die dritte Amtszeit (abweichend von Frau Krone-Schmalz, die meint, es seinen die Umstrukturierungen im Land, die von aussen nicht vertrauensvoll unterstützt worden waren – vgl. S. 86).

Hier zeigt sich aber auch wie fokussiert nicht nur die Medienwelt sondern auch Frau Krone-Schmalz auf die Figur Putin sind. Alles dreht sich immer um Putin. Über die unterschiedlichen Parteienmeinungen oder die unterschiedlichen Strömungen in der Regierung erfährt man hingegen nichts. In der englischsprachigen Welt gibt es für letztere Gruppierungen immerhin Bezeichnungen: Atlantic integrationists und Eurasian sovereignists. Es wäre interessant gewesen hierüber die Meinung von Frau Krone-Schmalz zu lesen.

Ein wesentlicher Punkt in den Ereignissen der letzten Monate streift die Autorin nur: die Handelssanktionen. Zählt dies nicht zum Kampf um die Ostukraine? Was ist mit anderen Aspekten des Wirtschaftskrieges: die zunehmende Anzahl von bilateralen Abkommen Russlands, in denen der US-Dollar als Leitwährung eine Absage erfährt. Im Gegenzug der Absturz des Rubels Ende letzten Jahres. Und wer stützt eigentlich die ukrainische Währung? (Währungsentwicklung siehe oanda-Webseite, historical exchange rates; bis zu fünf Jahre kann man sich ansehen).

Stattdessen wird der Leser aufwendig über die deutsche Berichterstattung über den ersten Hilfskonvoi aufgeklärt. Das ist zwar interessant, aber nur ein Aspekt. Es handelt sich jedenfalls meiner Meinung nach nicht um eine umfassende Darstellung. Darauf warte ich noch. Aber vielleicht ist das auch eine Aufgabe für zukünftige Generationen von Historikern.

Mein Fazit:

Wer noch kein Russland-Buch von Frau Krone-Schmalz gelesen hat, der findet hier den Standpunkt der Autorin zusammen mit interessanten Informationen zur Berichterstattung in den deutschen Medien. Der Hintergrund der russischen Geschichte ist in ihrem Vorgänger-Russlandbuch ausführlicher geschildert (allerdings nur bis 2007). Wer die Möglichkeit hat, dieses zu lesen, kann dort sehr viel mehr Fakten finden.

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[1] Links darf man nicht einfügen. Zum selber Suchen: ein SPIEGEL-Artikel vom März 2011 mit Titel "Putin gegen Medwedew: Gaddafi befeuert Machtkampf in Moskau“. Alternativ einfach Putin + Medwedew + Machtkampf + Libyen googeln.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 26, 2015 1:37 PM CET


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