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Rezensionen verfasst von
Jürgen Zeller (Kanton Bern, Schweiz)
(TOP 1000 REZENSENT)   

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Im Schatten des Banyanbaums
Im Schatten des Banyanbaums
von Vaddey Ratner
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,95

4.0 von 5 Sternen Papierboot, 27. August 2014
Kambodscha – Ein Land von dem ich bloss zwei Dinge weiss. Eines verkörpert das Gute, nämlich das UNESCO-Weltkulturerbe der riesigen Tempelbauten von Angkor Wat, und eines das pure Böse, die Schreckensherrschaft der Roten Khmer Mitte bis Ende der 70er Jahre von welchen ich als kleiner Bub in den Nachrichten gehört habe. Ansonsten weiss ich nichts über dieses faszinierende Land und seine Bewohner. Dieses Buch ist einer meiner wenigen Spontan- und/oder Zufallskäufe die ich tätige, normalerweise informiere ich mich vor vorher über ein Buch und wähle sorgfältig aus. Als ich es in der Hand hielt und den Klappentext las hatte ich einfach ein gutes Bauchgefühl – und nach der Lektüre kann ich sagen das es mich nicht getäuscht hat.

Im Nachwort ganz am Schluss des Romans erklärt die Schriftstellerin Vaddey Ratner, dass die Geschichte der Hauptfigur Raami im wesentlichen ihre eigene Lebensgeschichte ist. Quasi eine Autobiografie in Romanform verfasst, wenn auch mit ein paar Abweichungen, Auslassungen und Ergänzungen. Geschrieben in der Ich-Form aus der Sicht eines siebenjährigen Mädchens beginnend im Jahre 1975 als die Roten Khmer mit brutaler Gewalt die Macht an sich rissen und Millionen Menschen vertrieben und ebenso viele getötet haben. Aus dem Blickwinkel eines Kindes zu erzählen ist schwierig, fehlen den Kindern doch die Reife und Lebenserfahrung um Ereignisse einschätzen zu können, andererseits muss es für die erwachsene Leserschaft so geschrieben sein, dass sie über knapp 380 Seiten interessiert das Geschehen mitverfolgen. Ein sprachlicher Spagat, eine Herausforderung bei dem es auf beiden Seiten Zugeständnisse braucht, sei es aus stilistischen, sprachlichen oder inhaltlichen Überlegungen. Wie und was nimmt ein Kind von den Gräueltaten des Terrorregimes wahr? Wie ordnet es die Deportationen und Massenmord ein? Wie versuchen die Erwachsenen die fragile Kinderseele zu schützen, welche Geschichten erzählen sie? Irgendwann schafft die Psyche einen imaginären Zufluchtsort um sich vom Schrecken um sich herum ins Innere zurückzuziehen zu können.

Die unglaublich schönen Beschreibungen von Land und Leuten Kambodschas, Religion, Brauchtum, Kultur sowie Flora und Fauna werden laufend in den Text mit eingeflochten und bilden den schönen Widerpart zum Grauen das um sie herum geschieht. Dabei wirkt der Erzählstil immer wieder etwas idyllisch und poetisch und will so gar nicht zur Hölle der Geschehnisse passen. Ein Zugeständnis an die kindliche Hauptfigur? Ein stilistischer Kontrapunkt zum real existierenden Bösen? Jedenfalls unterlegt er die Geschichte mit einem warmen Grundton

Ein gelungenes Buch, gewiss nicht perfekt, aber eines das beim Lesen Gefühle weckt, zum Denken anregt und mich beschäftigt hat. Ein symbolisches Papierboot welches die Geschichten der Leidgeplagten und Opfern in einer ruchlosen Zeit transportiert und ihnen eine Stimme gibt.


Der letzte Ort: Roman
Der letzte Ort: Roman
von Sherko Fatah
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wenn zwei unterschiedliche Kulturkreise aufeinander treffen, 20. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Der letzte Ort: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mir fällt es schwer ein abschliessendes Urteil über diesen Roman zu fällen und ihn zu bewerten. Der Schriftsteller Sherko Fatah beherrscht sein Metier, das des Schreibens, sehr gut was sich auch in zahlreichen Auszeichnungen und Nominierungen für Buchpreise niederschlägt. Der Klappentext seines neuesten Werkes klingt hochinteressant und zusammen mit seiner Vita war es für mich Grund genug dieses Buch zu kaufen und zu lesen. Nach der Lektüre habe ich zwiegespaltene Gefühle gegenüber dieser Geschichte. Rein aus literarischen Sicht gesehen befindet sich der Inhalt auf recht hohem sprachlichen Niveau, die Worte geschliffen und sie sitzen passgenau aber aus meiner bescheidenen Warte als einfacher Leser hat mich der Inhalt nie richtig angesprochen und ich las das Buch mit einer merkwürdigen Distanziertheit die es mir schwer machte mich in die Erzählung einzufühlen.

Die Kurzbeschreibung gibt den Inhalt recht gut wieder weshalb ich auf eine eigene Beschreibung verzichte. Die missliche Lage in der sich Albert und Osama befinden und die Abgeschiedenheit in der kargen irakischen Einöde bieten den idealen Nährboden damit sich die beiden Hauptfiguren mit sich selbst, der eigenen Vergangenheit und dem jeweils andern beschäftigen können. Leider sind mir beide Protagonisten, die aus komplett gegensätzlichen Kulturkreisen stammen, nicht ans Herz gewachsen. Der Autor streut zwar Passagen aus der Vergangenheit sowie familiäre Herkunft der beiden mit ein aber es genügt nicht um ein emotionales Band zu mir als Leser herzustellen. Ansätze sind da aber leider nichts was sich im Verlaufe des Romans gefestigt hätte. Zu skizzenhaft die Personenzeichnung, zu unterkühlt der Erzählton um Emotionen zu wecken, zu sachlich-nüchtern die Sprachebene.

Da ich die erste Meinung zu diesem Buch schreibe bin ich gespannt, wie die Bewertung anderer Leser ausfallen wird. Ich find den Roman insgesamt solide bis gut aber zu verkopft. Eine Geschichte mit brisanter Ausgangslage die viel Potential bietet welches aber nicht vollständig ausgeschöpft wird. Ein Werk das den Intellekt anspricht aber Bauchgefühl und Gemüt aussen vor lässt. Meine Wertung liegt zwischen drei und vier Amazon-Sternen ... mit etwas gutem Willen kann ich auf vier Amazon Sterne aufrunden.


Tony & Susan: Roman
Tony & Susan: Roman
von Austin Wright
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

3.0 von 5 Sternen Nachttiere, 16. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Tony & Susan: Roman (Taschenbuch)
Ein Kriminalroman mit einer boshaften Geschichte in der grossen Rahmengeschichte und eine Hauptfigur die Parallelen einer erfundenen Handlung zu sich selbst und dem eigenen Leben sieht. Der Klappentext klingt in meinen Ohren hochinteressant und verspricht spannende Lesestunden. Ich mag diese plumpen und immer brutaler werdenden Thriller nicht und hab einen mit feinen, subtilen Anspielungen erwartet dessen diffuser Grusel sich langsam von den Händen über die Arme, das Rückenmark hoch bis ins Gehirn und das Unterbewusstsein schleicht. Einer mit Scharfsinn der einem mit psychologischer List umgarnt und den Schauer peu à peu anwachsen lässt. Leider waren meine Erwartungen zu hoch und der Inhalt vermochte diese nicht zu erfüllen.

Susan krieg von ihrem Exfreund Edward, den sie seit Jahren nicht mehr gesehen hat, ein Manuskript zugestellt mit der Bitte dieses zu lesen und ihre Meinung dazu zu schreiben. Edward hat schon immer gerne geschrieben war aber diesbezüglich mit wenig Talent gesegnet. Ob sich dies in den letzten Jahren geändert hat? Als Susans Mann bei einem Ärztekongress ist beginnt sie zu lesen und kann sich von der Geschichte nicht mehr lösen ... Sie erkennt nach und nach Ähnlichkeiten zum eigenen Leben. Es ist unheimlich, wenn Menschen die man seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hat einem plötzlich eine Art Spiegel zur eigenen Existenz vorhalten, auch wenn es wie in diesem Fall auf Umwegen geschieht. Warum schreibt Edward die Story so wie sie da steht und woher weiss er gewisse Sachen? Oder ist alles einfach Zufall? Es entsteht ab der Mitte des Romans ein Wechselspiel zwischen Phantasie und Realität.

Das erste Drittel des Romans ist extrem spannend und entwickelt den erhofften Sog. Allerdings nicht subtil sondern wie bei einem gewöhnlichen Krimi gewohnt mit dem sich anbahnenden Verbrechen. Dabei steht der fiktive Tony im Mittelpunkt, ein schmächtiger Mathematikprofessor der sich gegen die Übermacht von drei Kriminellen nicht zu helfen weiss und in seiner Passivität und Unsicherheit verharrt. Hätte ihm ein couragiertes Auftreten in der bedrohlichen Situation geholfen? Das er sich im Verlaufe der Geschichte ändert vermag das Geschehene leider Gottes nicht mehr rückgängig zu machen.

Nach dem ersten Drittel verflacht sich die Handlung zusehends und der Autor verlagert den Schwerpunkt nach und nach auf die psychologische Schiene. Leider verfügt er nicht über die literarischen Qualitäten die es benötigt hätte um mich ab diesem Zeitpunkt an die Handlung zu fesseln. Das handwerkliche Rüstzeug wie Sprache und Schreibstil heben sich durch nichts hervor und das Geschehen plätschert in einer lieblosen Atmosphäre so vor sich hin. Die verschiedenen Ebenen, die Mehrschichtigkeit ist zwar erkenn- und fühlbar aber eher Mittelmässig umgesetzt, so so la la halt. Die Geschichte erschien in der englischen Originalfassung im Jahre 1993 und entschuldigt einige Szenen mit altmodisch wirkender Technik/Vorgängen über die ich gestolpert bin.

Ich kann in diesem Fall nicht tirilieren und laut Juchheisassa schreien wenn der Krimi bei mir nicht die erhofften Wirkungen entfaltet und Begeisterung ausgelöst hat. Es gibt hier auf Amazon etliche Rezensenten/-innen die den Krimi über den Klee loben und dort hat es die Leser-/innen gepackt. Überhaupt gehen die Meinungen zu diesem Buch weit auseinander und es bleibt wie immer Geschmackssache.


Das Verbrechen: Kommissarin Lunds 2. Fall
Das Verbrechen: Kommissarin Lunds 2. Fall
von David Hewson
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,90

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Wahrheit ist das erste Opfer des Krieges, 10. August 2014
Endlich ein Krimi bei dem man schon am Titel und Umschlag auf den ersten Blick erkennen kann, dass es sich um eine Fortsetzung oder eben den 2. Fall einer Ermittlerin handelt. Und gleich zu Beginn beantworte ich die Frage die alle stellen die das erste Buch nicht gelesen haben: Kann ich dieses Buch lesen ohne das Erste zu kennen? Aus meiner Sicht würde ich dringend empfehlen Kommissarin Lunds 1. Fall zu Lesen bevor man zu diesem Kriminalroman hier greift. Einiges ist aus dem Zusammenhang und mit Rückblenden zwar zu erahnen aber ohne Kenntnisse aus den vorigen Buch laufen einige Anspielungen ins Leere und trüben die Lesefreude. Aber selbstverständlich gilt, jede(r) Leser/-in wie es ihr/ihm beliebt.

Eine tote Frau die an einem Denkmal aus dem 2. Weltkrieg gefesselt aufgefunden wird und der Leiter der Mordkommission Lennart Brix steht bei diesem Gewaltverbrechen vor einem Rätsel. Die Hinweise deuten auf den Ehemann als Täter aber Brix misstraut den Indizien. Er bittet die vom Dienst suspendierte Sarah Lund (warum sie abgesetzt wurde wird im 1. Fall klar) die inzwischen in einer ländlichen Einöde Dienst tut, sich die Akten anzusehen. Als weitere Menschen brutal getötet werden stellt sich der Zusammenhang schnell heraus. Alle Verstorbene waren Armeeangehörige einer Eliteeinheit die in Afghanistan Dienst verrichteten und in einen tödlichen Zwischenfall verwickelt waren. Das erste Opfer, die tote Frau, war Anwältin und an den Ermittlungen im Hindukusch beteiligt. Sarah Lund wird vorübergehend wieder in den Polizeidienst aufgenommen und ermittelt in dieser nur auf den ersten Blick klaren Sache. Sind hier islamische Terroristen am Werk die Rache üben? Was hat die Militärjustiz herausgefunden und was weiss der Geheimdienst? Wurde hier etwas vertuscht was niemand erfahren darf? Was hat es mit einem Gesetz auf sich das das dänische Parlament in Kürze beschliessen soll?

Lunds 2. Fall ist im Grundgerüst ähnlich aufgebaut wie der Vorherige, warum sollte man ein erfolgreiches Konzept auch ändern? Erneut spielen Polizei, Geheimdienst, Militär und die hohe Politik, bis hin zum dänischen Ministerpräsidenten, eine grosse Rolle und alle sind irgendwie in diesen undurchsichtigen Fall verwickelt und kochen ihr eigenes versalzenes Süppchen. Intriganten noch und noch und als erstes bleibt wie immer die Wahrheit auf der Strecke. Nun kommen noch islamische Fanatiker hinzu die offensichtlich auf einem Rachefeldzug sind.

Es gibt schon zahlreiche Krimis die eine identische oder zumindest ähnliche Ausgangslage haben, dieser hier gehört ganz sicher zu den besseren. Die parallel verlaufenden und weit verästelten Geschichten in der Geschichte sind gut durchdacht und aufgebaut. Inhaltlich haben mich die verschiedenem Handlungsstränge überzeugt. Rein vom Konzeptionellen und Stilistischen haben mich die kurze Sätze und der häufige Szenenwechsel innerhalb der Kapitel gestört. Hier entsteht eine fieberhafte Hektik die zwar den Druck unter dem die Ermittler stehen wiedergibt aber für eine latente Zappeligkeit bei der Leserschaft führt. Einigen Lesern mag diese nervöse Wechselhaftigkeit gefallen, mir nicht. Mindestens jeden dritten Perspektivwechsel fand ich überflüssig, etwas länger beim jeweiligen Protagonisten und der Szene zu verweilen hätte dem Handlungsfluss gutgetan. Die allerletzte Szene ... grosses Lob den Roman so abzuschliessen.


Blut will reden: Eine wahre Geschichte von Mord und Maskerade
Blut will reden: Eine wahre Geschichte von Mord und Maskerade
von Walter Kirn
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Worin besteht der Schlüssel zur Manipulation der Menschen? Eitelkeit, Eitelkeit, Eitelkeit!", 4. August 2014
Zweifellos ein interessantes Buch welches mir da in die Hände geraten ist und eines das sich meiner Meinung nach in keine vorgegebene Schublade stecken lässt. Es hat etwas von einem Kriminalroman und zugleich biografische Züge, eine Gerichtsreportage und ein psychologisches Exposee in einem. Zwei Lebenswege, die eines Journalisten und Schriftstellers und die eines begnadeten Hochstaplers, kreuzen sich und es entwickelt sich eine Bekanntschaft die über Jahre hinweg anhält. In diesem Werk beleuchtet der amerikanische Autor Walter Kirn wie er auf den Betrüger, und wie sich später herausstellen wird sogar Mörder, Clark Rockefeller hereinfallen konnte und wie willfährig er sich in seiner Gegenwart verhalten hat. Geblendet vom grossen Namen übersieht er Hinweise auf die falsche Identität und will nicht erkennen was schlicht nicht sein kann. Schliesslich gibt es zahllose Menschen in Rockefellers Umfeld die ihm hofieren und ihn als das sehen was seine Lügengeschichte vorgibt zu sein, ein Mitglied einer der renommiertesten Familien Amerikas, ein Rockefeller!

Die Geschichte beginnt Ende der 90er Jahre langsam aber emotional. Clark Rockefeller adoptiert einen behinderten Hund und Walter Kirn, der gerade in einer Sinneskrise steckt, chauffiert diesen von Montana bis nach New York. Das steinreiche Leute Spleens haben ist bekannt und wer einen kranken Hund bei sich aufnehmen will muss einfach im Kern ein guter Mensch sein. So beginnt die ungewöhnliche Freundschaft zwischen Kirn und Rockefeller und sie endet 15 Jahre später beim Gerichtsprozess, als sich herausstellt, das Rockefeller in Wirklichkeit keiner ist sondern Christian Gerhartsreiter heisst, ausgewandert aus Bayern und er ist nicht nur ein Hochstapler mit mehreren Identitäten sondern auch ein Mörder. Er erhält für seine abscheuliche Tat eine lebenslange Haftstrafe. Und nein, ich verrate mit diesem Abschnitt nicht zuviel.

Es geht in diesem Buch nicht um schuldig oder unschuldig sondern darum wie Menschen einem genialen Manipulator verfallen können. Es geht im Rückblick um Selbstreflexion des eigenen Tuns und die Erkenntnisse die daraus gewonnen werden. Für mich ein Kritikpunkt des Buches, Walter Kirn mit seinen Schlussfolgerungen stellt sich zu sehr in den Mittelpunkt. Da es aus seiner Warte geschrieben ist verständlich aber halt für mich doch eine Beanstandung wert. Andere Leser/-innen mögen das anders sehen. Zudem wird es nach dem gefühlsbetonten Beginn recht schnell sachlich und etwas trocken, die Freude an der Lektüre dadurch etwas getrübt.

Als die letzten Seiten gelesen waren, habe ich mich gefragt, was ich wirklich vom Soziopathen Christian Gerhartsreiter alias Clark Rockefeller und vom Schriftsteller Walter Kirn erfahren habe. Gewiss, vieles wurde angesprochen, thematisiert und beurteilt und dennoch ergibt sich für mich kein vollständiges Bild. Der Reiz des Buches besteht unter anderem darin, dass es sich um Tatsachen handelt und im Eingangs erwähnten Genremix, er verleiht dem Roman fraglos ein literarisches Alleinstellungsmerkmal was besonders für Vielleser spannend sein könnte. In der Bewertung dieses Buches schwanke ich zwischen drei und vier Amazon Sternen.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 23, 2014 9:09 PM MEST


Der Berg: Roman
Der Berg: Roman
von Dan Simmons
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Licht und Schatten, 2. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Berg: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Kurzbeschreibung dieses Buches erinnert mich frappant an Dan Simmons Bestseller "Terror" und auch auf dem Umschlag unterhalb des Titels wird offen darauf Bezug genommen. Da mir der Roman damals sehr gut gefallen hat, bis auf die letzten rund 80 Seiten, habe ich mir dieses Buch für den stolzen Preis in der Hardcover Ausgabe gekauft. Diesmal soll es also keine Expedition in die Arktis sein sondern der Autor führt die Leserschaft in die Höhen des Himalaya Gebirges bis zum höchsten aller Berge, dem Mount Everest. Nach Klappentext soll ein dumpfes Heulen aus dem dichten Schnees für gruselige Momente sorgen. Nach der Lektüre bin ich etwas konsterniert weil dieses Buch meiner Meinung nach nicht an "Terror" heranreicht und weil der leicht reisserische Klappentext etwas suggeriert was die Geschichte anschliessend nicht einhalten kann.

Dan Simmons ist ein begnadeter Erzähler und gilt zurecht als einer der ganz Grossen seiner Zunft. Er hat die Fähigkeit die Leser/-innen mit seiner geschmeidigen Schreibweise gefangen zu nehmen und man folgt gebannt seinen Ausführungen und verliert während des Lesens jegliches Zeitgefühl. Auch hier nach der längeren Einleitung des (fiktiven) Abenteurers und Bergsteigers Jake Perry der Simmons seine Memoiren in Form eines Manuskripts nach seinem Tod überlasst. Es werden also Perrys Erinnerungen aus den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erzählt. Und nun der erste grosse Kritikpunkt: So gefällig Simmons auch erzählen kann, es dauert mir viel zu lange bis die Geschichte fahrt aufnimmt. Er verliert sich bei der beherzten Vorstellung seiner Protagonisten in unzähligen Details und es hat immer wieder langatmige Passagen die man entweder ganz streichen oder hätte kürzen können. Ich bin ein Verfechter das man Schriftsteller/-innen den notwendigen Platz gewähren muss um die Geschichte ihrer Figuren vollständig auserzählen zu können, meist werden sie durch Verlage seitenmässig zu sehr eingeengt, aber in diesem Fall hätte das Lektorat eingreifen und auf etwas mehr Zielstrebigkeit pochen sollen damit es nicht ausufert. Bis zum Aufbruch ins Himalaya Gebirge vergehen etwa dreihundert Seiten und bis zum "Heulen im Schnee" rund fünfhundert Seiten. Für mich zu lange und ich gebe zu, dass ich bei etlichen Stellen sehr zügig gelesen habe.

So ab Seite Fünfhundert wird das Handlungstempo verschärft und es folgen spannende Szenen und es wird rasch aufgeklärt was es mit dem schaurigen Heulen auf sich hat und was dahinter steckt. Die meisten Leser/-innen werden es vielleicht vorausgeahnt haben. Ich jedenfalls bin mit dem letzten Viertel des Buches nicht sonderlich glücklich. Ich empfinde es als Unausgegoren, sogar etwas seltsam. Aber das ist nur meine bescheidene Meinung die nicht repräsentativ sein muss.

Insgesamt ein eher historischer Roman der enorm viele Fakten rund ums Bergsteigen vor fast hundert Jahren enthält und der Leserschaft viel Wissen über dieses Sachgebiet vermittelt. Man beginnt zu verstehen was Abenteurer wie den bekannten Britten George Mallory angetrieben hat solch waghalsigen Expeditionen zu unternehmen und das eigene Leben zu riskieren. Ich würde den Roman daher auch nur Lesern ans Herz legen die eine Faible für Bergtouren, Bergsteigen gepaart mit dem Interesse rund um die Vorgänge am Mount Everest haben und die über das notwendige "leserische" Durchhaltevermögen besitzen. Wer primär einen Schauerroman mit etwas Gruselelementen lesen möchte für den dürften die knapp 750 Seiten unendlich lang werden.


Alles Licht, das wir nicht sehen: Roman
Alles Licht, das wir nicht sehen: Roman
von Anthony Doerr
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Gleichzeitigkeit der Augenblicke, 27. Juli 2014
"Im August 1944 brannte das alte Saint-Malo, das strahlendste Juwel der Smaragdküste der Bretagne, fast völlig nieder ... Von den 865 Häusern innerhalb der Stadtmauern blieben nur 182 stehen, unversehrt blieb nicht eines."

Ein blindes Mädchen namens Marie-Laure LeBlanc das ohne Mutter mit dem geliebten Vater in Paris lebt und nur mit den Mitarbeitern aus einem Naturwissenschaftlichen Museum Kontakt hat. Ein Waisenjunge aus dem Ruhrgebiet namens Werner Hausner der mit seiner kleinen Schwester Jutta neben einer Zeche aufwächst ... was zu einer rührseligen Schmonzette hätte ausarten können wird einem der besten Romane den ich je gelesen habe. Während des Lesens hat sich eine behagliche innere Ruhe eingestellt und ich konnte mich vom Sog dieser hypnotischen Geschichte nicht mehr lösen.

Der Krieg und die vorrückenden Nazis zwingen Marie-Laure zusammen mit ihrem Vater Paris zu verlassen. Im Gepäck unter anderem das Meer der Flammen das vor den Schatzjägern der Nazis gerettet werden soll ... Ein Diamant der mit einem Fluch belastet ist oder ist es eine von drei nachgemachten Kopien die die Nazis verwirren soll? Die beiden gehen zu ihren Verwandten nach Saint-Malo, ein bretonisches Festungsstädchen das von drei Seiten vom Wasser umgeben ist. Dort sind sie fürs Erste in Sicherheit. Wie schon in Paris baut Marie-Laures talentierter Vater eine massstabgetreues kleines Modell der Kleinstadt für die blinde Tochter damit sie sich besser zurechtfinden kann.

Der schmächtige Waise Werner interessiert sich für Radios und experimentiert solange mit ihnen rum bis er sie bis ins letzte Detail versteht. Er wird sogar in eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt, eine sogenannte Napola, aufgenommen wo er seine mechanischen und mathematischen Fähigkeiten schärft und mehrfach erfolgreich unter Beweis stellt. Er wird an die Ostfront berufen und spürt dort versteckte Partisanensender auf. Bis er zu einem Einsatz in der nordfranzösischen Bretagne abkommandiert wird ...

Von Anthony Doerr habe ich vor diesem Roman weder was gelesen noch gehört und mit diesem brillant erzählten Roman gesellt er sich nicht nur zu meinen absoluten Top Zehn Schriftsteller-/innen sondern er hat sich in mein Herz geschrieben. Er besitzt eine meisterhafte Beobachtungsgabe und den geschärftem Blick für Details samt einem untrüglichen Gespür für das Gefühlsleben der Protagonisten. Mit sensibler Sprache und geschliffenen Worten erzählt er eine den Menschen zutiefst zugewandte Geschichte vor und während des zweiten Weltkriegs über die Dauer von zehn Jahre hinweg. Mit einer stoischen Ruhe und als hätte er alle Zeit der Welt legt er chronologisch ungeordnet Stück für Stück vom Leben der beiden Hauptfiguren offen und wird zu einem Seelentransporter für die Leser/-innen. Alle drei oder vier Seiten wechselt die Sicht und über hunderte Kilometer Distanz stellt sich eine Gleichzeitigkeit der Augenblicke ein. Das die Leserschaft lange, sehr lange auf einen ganz bestimmten Moment warten muss wird zur Nebensächlichkeit, der Weg dahin ist das Ziel.

Jetzt hab ich viel geschrieben und doch so vieles unerwähnt gelassen, die Abschnitte von Jules Vernes Bücher oder die kleine Résistance der Damen oder Schatzjäger von Rumpel. Es gibt so viele kleine Dinge in diesem Roman zu entdecken. Die Handlung mit den zahlreichen Zeitsprüngen ist gewiss nicht einfach zu verstehen, wer eher wenig liest dürfte mehrfach Mühe haben sich in der sprunghaften Handlung zurechtzufinden, und wer kitschige, melodramatische Romantik erwartet wird bitter enttäuscht werden. Für routinierte Leser hingegen könnte es die literarische Entdeckung des Jahres werden. Mit den letzten Seiten bin ich nicht ganz glücklich beziehungsweise sie verwirrten mich und ich musste diese mehrfach lesen. Aber schliesslich ist ein echter Diamant auch nie ganz ohne Einschlüsse, also niemals ganz perfekt. Dennoch, ein Werk wie eine linksgewundene Wellhornschnecke, ein seltenes Glück so eine(s) zu finden.


Dunkle Gewässer: Krimi
Dunkle Gewässer: Krimi
von Joe R. Lansdale
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

4.0 von 5 Sternen "Der kleine Fels hemmt grosse brandende Fluten", 24. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Dunkle Gewässer: Krimi (Gebundene Ausgabe)
"Den Fluss hinunter trieben sie. All die Träume, die je geträumt über mondlosem, dunklem Gewässer"

Ein Buch von Joe R. Lansdale musste mehr als ein Jahr im Stapel ungelesener Bücher warten bevor ich es gelesen habe... Schande über mein Haupt. Nun habe ich diese rasante Erzählung in zwei Tagen gelesen und ich bin von der düsteren Stimmung bis hin zum kleinen glimmenden Funken Hoffnung und Menschlichkeit die von dieser Geschichte ausgeht begeistert. Rein vom handwerklichen Schreiben betrachtet mag es ganz gewiss nicht zur Oberklasse gehören aber der starke Sog den der Inhalt entwickelt find ich grandios. Gewiss kein Buch für Stilisten aber für solche die eine packende Abenteuergeschichte mögen.

Wie immer bei Lansdale spielt die Handlung in Osttexas. Der ungezähmte Sabine River durfte mit seiner wilden Schönheit wie schon beim ein oder anderen seiner Romane die heimliche Hauptrolle übernehmen. Die Handlung ist wieder mal in der leidvollen Zeit der Grossen Depression in den Dreissiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts angesiedelt. Die Menschen auf dem Land sind bettelarm, hausen in heruntergekommen Hütten in der Nähe des Flusses und ernähren sich was die Natur bietet. Fischen, wildern im Wald und dazu Wurzeln und Beeren bilden die eintönige Lebensgrundlage. Ist ein kleines bisschen Geld vorhanden wird es in hochprozentigen Whiskey umgesetzt, am ehesten in Schwarzgebrannten. Die Männer desillusioniert von der Hoffnungslosigkeit und besoffen vom Alkohol werden gewalttätig gegen Frau und Kind. Das Gesetz ist zwar auf dem Papier vorhanden, Sheriffs und Constables sind im Amt üben es aber ohne jegliche Würde aus und so ziemlich alles kümmert sie einen Dreck. Kurz gesagt, die Welt der Rednecks, wie man sie in ihrem stereotypen Verhalten vorstellt, sind die Hauptpersonen in diesem Roman.

May Lynn Baxter wird tot aus dem Fluss gefischt. Jemand hat die junge Schönheit getötet und mit einer klobigen Nähmaschine um ihre Füsse im Sabine River versenkt. Dem Constable scheint dieses Verbrechen egal zu sein und die Tote wird beerdigt. Ihre Freundin Sue Ellen findet ihr Tagebuch, liest von May Lynns einziger Hoffnung nach Hollywood zu gehen und von verstecktem Geld das aus einem Banküberfall stammt. Zusammen mit der farbigen Jinx und dem homosexuellen Terry finden sie das Geld und die drei Jugendlichen beschliessen die Asche der Verstorbenen nach Hollywood zu bringen und dort zu verstreuen. Das Problem ist das das plötzlich vorhandene Geld nicht verborgen bleibt sondern tödliche Gier weckt und der Beginn eines krachenden Sturms wird der über die jungen Protagonisten hinwegfegt ...

Niemand ist in Osttexas wirklich glücklich. Alle möchten weg, aber irgendwie scheinen die Menschen festzustecken wie tiefverwurzelte Bäume. Sie können sich nicht vorstellen was jenseits der Sümpfe und Wälder liegt. Das Gefühl eine Heimat zu brauchen, und sei sie noch so trist, ist offensichtlich viel tiefer im menschlichen Unterbewusstsein verankert als wir glauben. Eine Geschichte die mich übrigens an Stephen Kings Novelle "Stand by me – Das Geheimnis eines Sommers" erinnert nur viel rasanter und brutaler ebenso wie auch an James Dickeys "Flussfahrt". (Beides übrigens sehr empfehlenswerte Bücher) Die schwarzen Vorsatzblätter die die Buchseiten einfassen dürften bewusst gewählt sein und sie stehen Sinnbildlich für die düstere Geschichte die die Leserschaft im inneren erwartet. Ein gutes bis sehr gutes Buch von Lansdale das aber objektiv gesehen ein klitzekleines bisschen hinter seinen besten Romanen zurückbleibt.


Vulkantöchter: Roman
Vulkantöchter: Roman
von Steffanie Burow
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Fürs Herz und den Verstand, 22. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Vulkantöchter: Roman (Taschenbuch)
Urlaub! Zeit der Entspannung, Erholung und Musse. Als Vielleser greife ich in dieser Atempause vom Alltag natürlich gerne zum guten Buch. Gleich zum Auftakt ein Werk von Steffanie Burow, eine Schriftstellerin die ich persönlich kenne und sehr schätze. Ich hoffe, dass meine Meinungsäusserung hier trotzdem als (einigermassen) objektiv wahrgenommen wird. Zusammen mit ihrem Mann hat sie mehrere Jahre in Asien gelebt, die Länder als einfache Weltenbummlerin mit Rucksack bereist und kennt daher Land und Leute sehr sehr gut. Dort hat sie auch das Schreiben angefangen und erzählt von Reisenden aus Europa die auf die Kultur und Mentalitäten der asiatischen Bewohner treffen. Das es hie und da zu zu Verständnisproblemen und seltsamen Begegnungen führt mit sonderbaren Folgen und Missverständnissen lässt sich wohl nicht vermeiden ...

Von einer Reise in die Ferne verspricht sich ein deutsches Ehepaar neuen Schwung in der Liebe und traute Zweisamkeit. Der gleichförmige Alltag hat der Beziehung geschadet und die Beiden haben sich in den vergangen Monaten auseinandergelebt. Ob eine Reise nach Malaysia samt Besichtigungstouren durch das Umland aber das Richtige ist um ihre Beziehung zu kitten? Die launische, hie und da gar divenhafte Alexandra wirkt Überspannt und der unkomplizierte Martin ist von ihr genervt. Er beginnt eine Liaison mit einer Einheimischen und ist eines Morgens verschwunden. Alexandra engagiert die lokale Reiseführerin und sie machen sich auf Martins Spuren und entdecken dabei nicht nur die exotische Schönheit der Region sondern denken auch über das eigene Leben nach und beginnen sich den Erkenntnissen über das eigene Ich zu stellen.

Steffanie Burow schreibt flüssig, gekonnt und kreiert interessante Persönlichkeiten. Die Gunst oder das gegenteilige Kopfschütteln über die Figuren dürfte bei den meisten Leser-/innen zu Beginn ähnlich ausfallen. Das sich die Anfangs klaren Kontouren nach und nach verflüchtigen spricht für eine Konfrontation der Protagonisten mit verdrängten Problemen/Gefühlen und der damit herbeigeführten Persönlichkeitsentwicklung. Das viel Lokalkolorit mit in den Roman mit eingeflossen ist versteht sich von selbst und sorgt für Momente in denen einem das Fernweh packt. Eine interessante Nebenhandlung führt einem mehr als hundert Jahre in die Vergangenheit und Taten aus vergangener Zeit schimmern bis ins Hier und Jetzt.

Eine gekonnte Mischung aus Lokalkolorit, Abenteuer und zwischenmenschlichen Beziehungen spannend und engagiert erzählt von einer Schriftstellerin die die exotische Region Südostasiens aus dem Eff Eff kennt. Prädikat lesenswert!


Die Kairo-Affäre: Thriller
Die Kairo-Affäre: Thriller
von Olen Steinhauer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Komplexer bis verworrener Geheimdienst-Thriller, 19. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die heissen Sommertage und die teils lauschigen, teils schwülwarmen Sommerabende verbringe ich gerne lesend draussen auf der Terrasse. Von diesem Thriller vor der exotischen Kulisse der pulsierenden Grossstadt Kairo versprach ich mir ein Abschalten vom Arbeitsalltag, spannende Lesestunden und eine Handlung die mit den politischen Geschehnissen der letzten drei Jahre rund um den Arabischen Frühling verknüpft ist welcher in den vergangenen Monaten in den Medien omnipräsent war und immer noch ist. Der Schriftsteller Olen Steinhauer hat vor diesem Buch eine Krimi-Trilogie geschrieben welche recht gut bewertet wird und nun dieses neue Werk in der wertigen Hardcover Ausgabe. Meine Erwartungen waren hoch ... vielleicht etwas zu hoch den dieses Buch mit seinen verästelten Geschichten war für mich insgesamt eine leise Enttäuschung. Es ist nicht schlecht, ich finde es in der Summe trotzdem nur durchschnittlich bis gut, wobei ich anmerken muss, dass ich eher selten Agentenromane lese und es mir in diesem Sub-Genre an Vergleichsmöglichkeiten fehlt. Dennoch, das ein oder andere hätte besser oder anders strukturiert und/oder erzählt sein können ...

Die Idee das Zeitgeschehen mit den gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen im Nahen Osten samt einem Geheimplan gegen den inzwischen getöteten libyschen Diktator Muammar Gaddafi sowie Wiki-Leaks in die Geschichte einzubauen klingt vielversprechend. Der erste Teil zeigt wie das Leben eines Geheimdienst Mannes beginnen und verlaufen könnte. Ziemlich multikulturell bewegen sie sich an städtischen Brennpunkten im europäischen Ostblock, Ex-Jugoslawien und dem Nahen Osten. Das Privat- und Eheleben kann je nach Aufgabe und wie man sich in der stets neuen Stadt/Umgebung zurechtfindet darunter leiden. So geht es auch Emmet Kohl und seiner Frau Sophie. Als Emmet in Ungarn in einem Restaurant erschossen wird versucht Sophie in Kairo hinter die verwirrenden Fassaden der Geheimdienstwelt zu blicken und muss erkennen, dass zwischen klaren Fakten und vorgespiegelten Tatsachen manchmal nur Nuancen in der Betrachtungsweise der Dinge liegen. Zuviel verraten darf ich an dieser Stelle natürlich nicht.

Der flüssige Erzählstil von Olen Steinhauer passt zu einem Thriller und die komplexe Handlung erfordert ein stetes Mitdenken um einerseits den roten Handlungsfaden wie auch den Gesamtüberblick nicht zu verlieren. Die Erzählperspektive und das Tempo variieren oft und die Sprünge auf der Zeitachse sind nicht immer leicht zu verstehen. Manchmal dachte ich, warum einige Szenen den nun unbedingt im Buch stehen müssen und ob man das Ganze zügiger oder zumindest etwas weniger verwirrend hätte erzählen können. Ich würde das Buch eigentlich nur Leser/-innen empfehlen die ein Faible für Geheimdienst-/Agententhriller haben. Wertung 3 1/2 Amazon-Sterne.


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