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Beiträge von Jürgen Zeller
Top-Rezensenten Rang: 810
Hilfreiche Bewertungen: 619
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Rezensionen verfasst von Jürgen Zeller (Kanton Bern, Schweiz)
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Authentische Katastrophenberichte mit fein gesponnenem Seemansgarn, 4. Juli 2012
Das zutiefst verklärte und in weiten Teilen der Literatur auch romantisierte Sujet der Seefahrer eignet sich perfekt für ergreifende Geschichten mit grossen Spannungsbögen. Matrosen die von vergangen Taten in exotischen Ländern und dort erlebten Abenteuern berichten. Nicht selten schmücken sie ihre packende Erzählungen mit fein gesponnenem "Seemannsgarn" aus. Der Mensch als Individuum und als Mitglied einer willkürlich zusammengestellten Gruppe wird auf dem beengten Raum eines Schiffes in den unkontrollierbaren, ja manchmal entfesselten Naturgewalten von Meer und Sturm auf die Probe gestellt. Bei einer Havarie treten plötzlich ganz eigene Regeln auf und das Verhalten jedes einzelnen wird unberechenbar. Überlebensinstinkte gegen die allgemein gültigen Regeln der Seefahrt und der strikten Hierarchie auf dem Schiff. Wie das seiner Gefährten hängt das Leben eines jeden Seemanns an einem seidenen Faden und das tödliche Schauspiel der Schiffbrüche übt, so ungeheuerlich es auch klingen mag, seine eigene Faszination auf den Leser aus. In vier in sich abgeschlossen Erzählungen schildert Alexandre Dumas von solchen Schiffsunglücken und den menschlichen Dramen die sich mit ihnen abspielen. Die Geschichten sind nicht frei erfunden sondern Dumas greift auf Aufzeichnungen von Logbüchern und Überlieferungen von Überlebenden zurück. Er schreibt sie in seiner bekannten und gewandten Prosa und beweist ein untrügliches Gespür für dramatische Inszenierungen. Sein Behelf auf die authentischen Katastrophenberichte sind für die erzählerische Dramaturgie zweifelsohne ein Gewinn und das formale Gerüst der Geschichten bringt den spektakulären Inhalt nachdrücklich zur Geltung. Die Kapitel stellen jeweils einen Kapitän oder das Schiff als solches ins Zentrum und diese sind zugleich auch namensgebend. Nicht immer sind die Ursachen der Havarien so wie man es erwarten würde. Als wären die Elemente Feuer, Wasser, Erde, Luft nicht genug der Gefahr wird auch der Faktor Mensch zu einer tückischen Bedrohung. Gestorben wird in diesen Geschichten viel und auf ganz unterschiedliche Art und selbst das sehnlichst herbeigesehnte und vermeintlich rettende Land birgt viele Gefahren. Die Lehre dieses Buches besteht nicht in dem, was man in ihm in Geografie, an Berichten unbekannten Ländern, an Einzelheiten der Sitten dazulernen wird. Nein, es geht um die grosse Wahrheit, die jeweils einer grosse Gefahr entspringt. Nämlich darum, dass sich in der äussersten Stunde jener Gefahr der menschliche Geist auf Gott ausrichtet, so wie die Magnetnadel, die das nicht mehr existierende Schiff einst führte, auf den Pol ausrichtet. Die Seeleute waren religiös und gläubig und wenn die körperliche Erschöpfung an seinem letzten Punkt angelangt ist wurde das Leben freimütig in Gottes Hand übergeben. Nicht der Kampf führt zum Überleben sondern Unterwerfung. Trotz düsterem Inhalt passt dieses Buch wunderbar in die beginnende Sommerurlaubszeit. Die Geschichten sind deutlich einfacher zu lesen als erwartet und stellen keine allzu grossen Anforderungen an den Leser und es ist gleichzeitig eine Möglichkeit sich mit einem Autor vertraut zu machen der wahre Klassiker der Literatur geschrieben hat. Die vierte Geschichte fand ich nicht so überzeugend und ich erlaube mir deshalb einen Amazon-Stern in der Wertung abzuziehen. Ein Sonderlob kriegt der Verlag für die hochwertige und sehr schöne Aufmachung des Buches!
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Die Geschichte von einem armen Jungen der zu einem Gentleman wurde, 1. Juli 2012
Zu Ehren des vor genau 200 Jahren geborenen Autors und englischen Romanciers Charles Dickens gibt es zahlreiche Publikationen und Veranstaltungen. Auch der Carl Hanser Verlag hat sich etwas zu diesem Jubiläumsjahr einfallen lassen und den Roman "Grosse Erwartungen" von Melanie Waltz neu übersetzen lassen. Beim lesen dieses Buches hatte ich jederzeit das Gefühl einen Klassiker der Weltliteratur zu lesen und trotz genialer Neuübersetzung verlangt die Sprache vom Leser immer noch etliches an Konzentration ab. Dennoch liest es sich angenehm flüssig und bereitet dem Leser, gerade weil sich der Roman vielleicht etwas langsamer lesen lässt, viele zauberhafte Lesestunden. Die Geschichte handelt vom Waisenjungen Philip Pirrip dessen kindliche Zunge nichts verständlicheres bilden konnte als Pip und so wurde er fortan Pip genannt. Er wächst bei seiner älteren Schwester und ihrem Mann Joe in der Dorfschmiede in der Einöde des meist nebligen englischen Marschlands in den Schleifen der Flussmündung auf. Eines Tages muss er dem entflohen Sträfling Magwitch unter androhung schlimmster Qualen von seinen Fesseln befreien und ihm Essen bringen das er aus der Speisekammer seiner Zieheltern stibitzen muss. Diese kurze Begegnung sollte später ungeahnte Folgen haben ebenso die Bekanntschaft mit der skurrilen Miss Havisham und ihrer Pflegetochter Estella in die sich Pip prompt unglücklich verliebt. Die Zeit vergeht und Pip steht in der Lehre zum Schmied in der heimischen Werkstatt bis eines Tages ein mysteriöser Anwalt auftaucht und verkündet das Pip zu einem ansehnlichen Vermögen kommen wird, sofern er sich in London zu einem Gentleman erziehen lassen will - anders gesagt zu einem Jungen mit "Grossen Erwartungen". Der Traum eines jeden Menschen in Armut ist wahr geworden und die verstiegendsten Phantasien von der nüchternen Wirklichkeit übertroffen! Wer die/der grosszügige Wohltäter/in ist bleibt natürlich ein Rätsel und das Geheimnis bleibt über lange Zeit verhüllt. Über zwei Drittel des Romans erleben wir Pip in der Entwicklung zu und als Gentleman und wie er sich dank oder wegen seinem Reichtum zu verändern beginnt und das nicht nur zum Guten. Es ist ein Lebensabschnitt des sozialen Aufstiegs und Verschwendungssucht, später aber auch ein Weg der seelischen Läuterung der Selbsterkenntnis und menschlichen Reifung. Wie sagt man so schön, kein Lack kann die wahre Maserung des Holzes übertünchen und je mehr Lack man aufträgt desto unverkennbarer tritt die Maserung hervor. Charles Dickens veröffentlichte diesen Bildungsroman 1860/61 Stück für Stück in seinem eigenen Magazin. Jede Woche ein neues Kapitel und das über zwei Jahre hinweg. Er beschreibt das zeittypische victorianische England mit all den Schattenseiten. Slums und Gefängnisse, Armut, Gewalt und Tod aber auch die Heuchelei der elitären Gesellschaft, die abgeschottete und gefühllose Welt der Snobs und Gentleman. Es ist viel menschliches und unwahrscheinliches in den Tiefen der Charakteren zu finden. Die Namen einprägsam und nicht zufällig gewählt, Pip trifft allenthalben auf illustre Gestalten auf seiner Reise durchs Leben. Charles Dickens ist ein Autor von Weltformat und dieses Buch bereitet dem Leser der bereit ist sich darauf einzulassen sehr viel Lesespass. Dennoch erlaube ich mir, mit einem schlechten Gewissen und all der Demut die ich dem Autoren entgegenbringe, einen Amazon-Stern abzuziehen da es doch die ein oder andere Länge in dieser Geschichte hat. Dickens ist ein genialer Fabulierer mit überbordener Phantasie aber zwischendurch verliert er sich in den Figuren und den Handlungen und eine Kürzung bzw. Straffung an den richtigen Stelle wäre meiner Meinung zum Wohle des Romans gewesen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Glanz, Glamour und ein Mord in Iffezheim, 20. Juni 2012
Das Rennfieber ist in Iffezheim ausgebrochen! Prickelnde Atmosphäre auf der traditionsreichen Galopprennbahn, aufregender Nervenkitzel bei denen die Wetten abgeschlossen haben, spannungsvolle Erwartungen über den Ausgang des Rennens und welcher Vollblüter bzw. Gestütsbesitzer das hochdotierte Preisgeld gewinnt! Die glamourösesten und verrücktesten Hüte der Welt zur Schau getragen von Stars und Sternchen und natürlich des blaublütigen Adels! Es ist ein Sehen und Gesehen werden und das beschauliche Baden-Baden steht Kopf und ganz im Zeichen des Pferdesports der "Grossen Rennwoche". In diese voller champagnerlaune getränkte Atmosphäre geschieht nach dem Rennen, als sich der Adrenalinspiegel der meisten Anwesenden gesenkt und der Promillespiegel entsprechend erhöht hat, ein Mord in einer Pferdebox! Der Besitzer eines hochgehandelten Rennpferdes wird erstochen zwischen Strohballen aufgefunden! Die Tatwaffe ist, ganz der gediegenen Umgebung angepasst, ein edles und kostbares Messer. Wer hat den Mord begangen und aus welchem Motiv? Geht es um Manipulation bei den Wetteinsätzen oder Doping an den Pferden? Spielt Stolz, Anerkennung und Ansehen unter Pferdezüchtern eine Rolle? Eifersucht von Ehefrauen oder geht es um Erbschaften? Wenn man etwas unter die glattpolierte Oberfläche und den Schein der elitären Gesellschaft blickt findet man viel Lug und Trug und es ist nicht alles Gold was glänzt. Gründe für einen Mord gibt es plötzlich viele... Und so wie es bei den Galopprennen einen packenden Schluss mit einem Herzschlagfinish geben kann hat auch diese Kriminalgeschichte ein dramatisches Finale bei dem es um Sekunden geht! Dies ist der zweite Band der "Baden-Baden Krimis" von Rita Hampp. Mit dabei sind natürlich wieder die Journalistin Lea Weidenbach die im Auftrag der Zeitung "Badischer Morgen" auf der Rennbahn weilt, Kommissar Maximilian Gottlieb der sein freies Wochenende beim Galopprennen verbringt und natürlich die krimilesende Rentnerin Marie-Luise Campenhausen die es bedauert alles von zu Hause aus mitzuerleben. Bei den Ermittlungsarbeiten geht es anschliessend mehr um die Hintergründe und darum einen Blick hinter die Kulissen des eher mondänen Sports zu werfen. Da stehen dann die Pferdepfleger und Jockeys im Brennpunkt des Geschehens. Natürlich ermitteln die Journalistin Lea Weidenbach und Kommissar Gottlieb getrennt und verfolgen ihre eigenen Hinweise, was zu unterschiedlichen Verdächtigungen und Standpunkten führt. Sogar Marie-Luise Campenhausen macht sich wieder auf Miss Marples Spuren und betätigt sich als Amateurdetektivin. Die Autorin spricht von ihren ersten Büchern übrigens von "ollen Kamellen" aber mir gefallen sie ausnehmend gut. Es ist erfrischend einen Krimi zu lesen der sich nicht über Gewalt und Brutalität definiert sondern mit einer spannenden Geschichte aufwarten kann die charmant geschrieben, mit Raffinesse angereichert ist und über eine Portion Humor und Leichtigkeit verfügt. Es ist die Art wie alles erzählt wird, Stil kann man eben nicht lernen, entweder man hat ihn oder man hat ihn nicht. Rita Hampp hat Stil, definitiv! Fünf Amazon Sterne für einen tollen Krimi und ein Gläschen Champagner für mehr Lebensfreude und Genuss!
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen
Kriminal- und Phantasieroman mit ungewöhnlicher Auflösung, 20. Juni 2012
Der Direktor des Naturwissenschaftlichen Senckenbergmuseums in Frankfurt wird erstochen unter dem Skelett eines Tyrannosaurus Rex aufgefunden. Die Obduktion des Pathologen zeigt, dass er mit einem Messer langsam zu Tode gemartert wurde. Die Kriminalpolizei findet keine verwertbaren Spuren und die Ermittlungsarbeit gestaltet sich frustrierend und Ernüchterung macht sich breit. Weshalb gibt es am Tatort nicht das kleinste Pfitzelchen eines zweckdienlichen Hinweises? Hat hier tatsächlich das Perfekte Verbrechen stattgefunden das nicht aufgeklärt werden kann? Da wird eine weitere Leiche mit tödlichen Schnittverletzungen auf der Toilette eines Schnellimbissrestaurants am Bahnhof aufgefunden und wieder keine Hinweise, nicht mal die Identität des verstümmelten Toten kann geklärt werden. Während die Kripo mit nervtötender Akribie die Überwachungsvideos der Bahnhöfe auswertet schlägt der Mörder ein drittes mal zu... Das Debüt der Autorin Kirsten Slottke beginnt spannend und der Schreibstil vermag mich zu überzeugen. Die ermittelnden Kriminalkommissare/-in Katharina Bergen und Thomas Lauter sind sympathisch und glaubwürdig gezeichnet und als Leser fiebert man bei der Ermittlungsarbeit in und rund um Frankfurt mit. Die Missstimmung der Kripo-Beamten über den schleppenden Verlauf der Polizeiarbeit schimmert durch ohne aber nervend zu wirken. In einem 2. Erzählstrang wird im Institut des Physikers Philipp Degen eingebrochen - hängt das mit seiner Arbeit zusammen bei der er eine phänomenale Entwicklung und Entdeckung macht? Und dann ist da noch ein Unbekannter der sich schnell als Mörder herausstellt. Er bleibt natürlich lange namenlos und wird nur als ER bezeichnet und es wird von SEINEN Taten gesprochen. Durch die Erzählung in Tagebuchform und immer aus wechselnder Perspektive der Personen entwickelt sich ein unheimlicher Sog und die kurzen Abschnitte laden dazu ein immer noch einen und noch Abschnitt zu lesen. Soweit so gut, bis hierher alles in Ordnung aber dann, so ab ungefähr zwei Dritteln der Geschichte, nimmt die Handlung eine Wendung die mir überhaupt nicht gefallen hat. Ich kann natürlich in dieser Meinungsäusserung zu diesem Buch nicht detailliert darauf eingehen aber ich ordne diese in den Bereich der Phantastik ein. Ich gestehe der Autorin viel Mut zu eine solche Wendung einzubauen und sich damit zu exponieren, aber sie muss auch mit der Reaktion von Leser wie mir leben denen das ganz und gar nicht gefällt und denen das Rätseln um den Täter und somit ein Teil der Leselust damit genommen wird. Von da an habe ich das Lesetempo deutlich verschärft und das Buch zügig ausgelesen. Schade, für die vielversprechende erste Hälfte die wirklich gut geschrieben ist. Wie heisst es so schön auf dem Cover - Ein etwas anderer Krimi - Das stimmt, aber leider nichts für mich und deshalb nur 2 Amazonsterne von mir.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
... und die Jahreszeiten wechseln als wäre nie etwas geschehen, 17. Juni 2012
"Die Wälder, das üppig bewachsene Flussufer sehen wunderschön aus. Die Blätter der Bäume sind saftig grün und schwer vom Regen, die verschlungen Äste der Brombeerbüsche glitzerten und bieten Unterschlupf für Kaninchen und Schlangen. Sogar der giftige Efeu, der sich um die Eichen schlängelte, war so schön grün, dass ich ihn am liebsten berührt hätte. Aber wie bei giftigem Efeu trügt der Schein. Unter all dieser Schönheit bergen die Wälder am Fluss dunkle Dinge..." Es ist die wirtschaftlich harte Zeit der Grossen Depression in den dreissiger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als die Rezession Amerika voll in ihren bösartigen Klauen hatte. Harrys Familie lebt auf einer kleinen Farm am Rande von dunklen Wäldern im tiefen Süden Amerikas nahe einem Fluss. Der Vater arbeitet als Constable und Friseur und sie können sich mit dem wenigen Geld gerade so über Wasser halten und überleben. Eines Tages, als der elfjährige Harry seinen schwer verletzen Hund Toby von seinen Leiden erlösen sollte, findet er eine übel zugerichtete Leiche einer dunkelhäutigen Frau in den dornigen Büschen am Flussufer. Harrys Vater, der das Gesetz vertreten will, scheint mit dem Fall überfordert zu sein und stösst auf eine Mauer des Schweigens und Gleichgültigkeit. Niemand hat ein Interesse den Fall einer toten Schwarzen zu untersuchen und schon bald geschehen weiter brutale Morde... Nach Kahlschlag ist dies das zweite Buch das ich von Joe R. Lansdale gelesen habe und ich beginne mich langsam in seine Welt hineinzuversetzen und zu verstehen. Ich fühle was ihn antreibt, seine Beweggründe über eine moralische verdorbene, in ihrer Gesinnung fehlgeleitete Gesellschaft zu schreiben. Er zeigt was blinder Hass in den Herzen der Menschen anrichtet und welche Tragik in ihre Handlungen liegt und welche sie auslösen. Die bittere Armut und die Perspektivlosigkeit zu dieser Zeit tut das ihrige dazu und lässt viele Menschen verzweifeln und innerlich abstumpfen. In ihrer Starre und Gefühlskälte verlieren sie jeglichen Gerechtigkeitssinn und sind empfänglich für die krudesten Ideologien was zu einem höchst explosiven Mengengemisch führt. Lansdale versteht es eine an und für sich einfache Geschichte in einer eingängigen Sprache zu erzählen und löst damit beim Leser unangenehme, klebrige Gefühle aus. Wie die Schwüle an einem heissen Sommertag wenn die Luft zum schneiden dick ist und sich schliesslich in einem heftigen Unwetter entlädt, ähnlich denen die regelmässig über Texas hinwegfegen und nichts als Verwüstung hinterlassen. Aber er liebt seine Heimat, die amerikanischen Südstaaten, über alles und dies wird aus seinen Beschreibungen deutlich, allerdings muss man diese manchmal zwischen den Zeilen suchen und sie erreichen den Leser nur in seinem Unterbewusstsein. Obwohl die Aufklärung der Morde das Handlungsgerüst darstellen geht es nicht primär um die Auflösung der Verbrechen es geht um weit mehr... auch wenn Lansdale die Moralkeule gelegentlich etwas zu oft schwingt. Warme Tage, kalte Nächte, dunkle Wälder und ein schäumender Fluss. Blätter in vielen Farben, der Mond hell und golden... Düsternis, Aberglaube, Gewalt und Rassismus! Ein ausdruckstarkes Buch voller Gegensätze!
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19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Wenn der Bach versiegt, hört die Mühle auf, sich zu drehen, 9. Juni 2012
Bologna im Jahr 1495 - Der junge Bauernsohn Aurelio betrachtet ehrfürchtig eine nahezu perfekte Engelsstatue mit starken Schultern, Armen und Beinen und zerbrechlichen weich gefiederten Flügeln mit denen er sich jederzeit mühelos in den Himmel aufschwingen könnte. Eine Statue so schön und erhaben, dass der Verstand sie nicht zu erfassen vermag. Da erscheint eine halbverhüllte Gestalt die über die Statue zetert und schimpft. Die Ausarbeitung von Händen, Füssen und Flügeln sei zu wenig filigran und die Proportionen, die Proportionen die so wichtig sind könnte man getrost als missraten bezeichnen. Aurelio erfährt später das er dem Erschaffer der Statue höchstselbst begegnet ist... Michelangelo Buonarroti! Diese flüchtige Begegnung sowie sein ebenmässiges und fabelhaftes Aussehen sollte Aurelio dazu verhelfen mehr als eine Dekade später eine Arbeit als Gehilfe beim mittlerweile berühmten Bildhauer Michelangelo zu erhalten. Der grosse Meister konnte sich ebenso an diesen kurzen Moment in Bologna erinnern und Aurelio wird schliesslich zu seinem "Quell der Inspiration". Eigentlich sollte Michelangelo das zukünftige Grabmal von Papst Julius II gestalten aber der päpstliche Architekt und Künstler Bramante, ein verhasster Konkurrent ebenso wie Raffael Santi, hat sich diesen Auftrag gesichert und Papst Julius wünscht von Michelangelo das er das Kirchengewölbe der sixtinische Kappelle mit Fresken verziert. Bramante hofft, dass Michelangelo mit dieser Aufgabe überfordert ist und scheitert, schliesslich ist er kein ausgebildeter Maler, aber da sollte er sich gewaltig irren... "Raffael ist ein Meister seines Fachs und dies ist Schönheit, Anmut und Grazie. Mein Fach dagegen ist Ringen, Schmerz, das Streben nach dem ewig Unerreichbaren. Jemand, der nicht weiss, was Entbehrung bedeutet, wird das niemals verstehen, denn er wird es nicht fühlen! Und eine Kunst, die nicht wahrhaft gefühlt ist, wird immer seelenlos bleiben!" Seite 458 Michelangelo ist einer der bedeutendsten Künstler der Renaissance. Er verstand sich primär als Bildhauer aber er war auch ein begabter Maler, Architekt und sogar als Dichter hatte er erfolg. Zu seinem wohl berühmtesten Werk nebst der David Skulptur, dem Deckenfresko der sixtinischen Kappelle in Rom, musste er vom Papst gezwungen werden. Voller Widerwillen begann er die Arbeit aber er steigert sich in diese hinein und in einer Art Wahnvorstellungen bei dem er niemanden und am wenigsten sich selbst von den Strapazen schonte schuf er ein Kunstwerk von göttlicher Schönheit das alles bisher bekannte um Längen übertraf. Die Schöpfungsgeschichte eingeteilt in neun Szenen. Angefangen bei der Scheidung von Licht und Finsternis über die Sintflut bis zur Trunkenheit Noahs. Dazwischen die Erschaffung von Sonne, Mond und Pflanzen und in der Mitte Adam und Eva, genau in dem Moment in dem Gott ihm die Seele einhaucht... es ist ein Fresko das vor Leben aus den Fugen platzt! Leon Morell ist ein brillanter Erzähler und hat hier einen wirklich grossen Historischen Roman geschrieben. Er nähert und beschreibt Michelangelo wie er wohl war, ein seltsamer Kauz der getrieben ist von seinen nie versiegenden Gedanken und seinem unstillbaren Ehrgeiz. Ein Perfektionist der an den eigen Ansprüchen scheitert und sich im Umgang mit anderen Menschen grob und verletzend zeigt. Eine höchst eigenwillige und komplexe Figur mit der ich wohl keine zwei Minuten ausgekommen und wütend davon gestampft wäre aber hier genoss ich jede einzelne der rund 560 Seiten und bin dem Autoren dankbar für jede Lesestunde! Ich weiss inzwischen wer sich hinter dem Pseudonym Leon Morell verbirgt und ich werde mir seine anderen Bücher mal genauer Ansehen und dennoch hoffe ich, das Leon Morell ein weiteres Buch im Genre der Historischen Romane schreibt. "Denn wer nichts besseres im Sinn hat, als sich im eigenen vergänglichen Glanz zu spiegeln, der wird Gottes Licht niemals erblicken".
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Woll tau seihn!, 3. Juni 2012
Mit dem Spruch "Woll tau seihn" wurden früher auf dem Fischland die heimkehrenden Seefahrer in Empfang genommen. Diese Begrüssung gilt auch für alle Leser/innen dieses Kriminalromans der auf dem Fischland spielt. Die/Der ein oder andere Leser/-in hat vielleicht die Die verborgene Kammer der Autorin Corinna Kastner gelesen und kann sich an diesen beschaulich-verträumten Flecken Erde erinnern. Für alle anderen: Die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst ist im Norden Deutschlands zu finden, genauer gesagt im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern, westlich der Insel Rügen. Über Jahrhunderte hinweg hat auf der einen Seite die rauhe Ostsee und auf der anderen Seite das flache Binnegewässer, genannt Bodden, die Halbinsel geformt und geprägt. Kassandra Voss gehört seit ein paar Monaten eine Frühstückspension in Wustrow und eines Morgens findet sie einen Feriengast komplett durchnässt und tot auf seinem Bett. Wie kommt aber ein Ertrunkener zurück in sein Bett? Die herbeigerufene Kriminalpolizei ermittelt und bald ist die unrühmliche Vergangenheit von Kassandra ebenso ein zentrales Thema wie die Künstlerkolonie die sich um 1890 in Ahrenshoop gebildet hat. Die ungewöhnlichen Nachbarn und ein paar Menschen die man als "Originale" bezeichnen kann sorgen für Spannung, lockern die Geschichte auf oder helfen bei den Nachforschungen. Ein netter und spannender Krimi der in seinem Aufbau an Agatha Christie und im Finale an Hercule Poirot erinnert. Die Handlung und die Auflösung verlangen nach etlicher Aufmerksamkeit vom Leser, sonst versteht er die teilweise recht dialoglastigen Passagen und Verwicklungen nicht ganz und am Schluss bleibt möglicherweise die ein oder andere Frage offen. (Ich hab die letzten zwei oder drei Kapitel zwei mal gelesen bis mir alles vollkommen klar war). Ein gutes Buch aber für fünf Sterne reicht es meiner Meinung nach nicht. Ein Roman mit viel Lokalkolorit der maritime Stimmung verbreitet und den man wohl am besten zur Urlaubszeit irgendwo am Meer liest und ganz entspannt miträtselt was sich da kriminelles ereignet hat. Die Beschreibungen der Kapitänshäuser mit hübschen Vorgärten, bunten Türen und Fenstern und den kleineren älteren Villen, gesäumt von Lindenbäumen lassen dem Leser das Fluidum Wustrows und des ganzen Fischlandes wie eine leichte Ostseebrise um die Nase wehen.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Authentisch, atmosphärisch und packend erzählt!, 28. Mai 2012
Die Sparte der Regionalkrimis wächst und bald hat jede Stadt oder Region "ihren Krimi". Sie sind vielfältig und bunt und erfreuen sich grosser Beliebtheit. Dabei genügt längst nicht jeder Roman höheren Ansprüchen und ist qualitativ nicht über jeden Zweifel erhaben. Manche Schriftsteller wehren sich sogar in diese Schublade eingeordnet zu werden aber schlussendlich muss es ja einen Handlungsort geben und der darf gerne in einer deutschen Stadt/Region liegen. Das Siegerland, zwischen Rothaargebirge und Westerwald, zählte einst mit seinen dicht bewaldeten Bergen zu den bedeutendsten Regionen für Erzbergbau und Stahlverarbeitung und hat eine bewegte Industriegeschichte vorzuweisen. Anscheinend hat es von seiner Bedeutung etwas verloren und angeblich ist das Beste an Siegen die Autobahnauffahrt nach Köln... wie die Autorin mit einem Augenzwinkern bemerkt. Natascha Krüger hat die Polizeiausbildung abgeschlossen und muss/darf ihre Sporen in Siegen abverdienen. Für sie ist es jedoch eher ein "in den sauren Apfel beissen" und sie möchte die Region die ihr wie die sprichwörtliche Walachei erscheint so schnell wie möglich wieder Richtung Rheinland und Köln verlassen. Sie ermittelt mit ihrem Vorgesetzten Hannes Winterberg am Fall des vermissten Schülers René Staudt als Knochen in einer Tupperdose in einem Geocacherversteck gefunden werden. Ob die beiden Fälle auf eine vertrackte Art und Weise zusammenhängen? Die Autorin Melanie Lahmer beweist mit ihrem ersten Buch das es im Genre der Regionalkrimis spannende und gutgeschriebene Geschichten gibt. Sie ist talentiert und hat ein feines Gespür was in Menschen vorgeht und kann dies mit einer fesselnden Handlung verbinden. Spannungen bzw. (Ver-) Stimmungen zu erkennen ist das eine, die Szenen aus dem Alltag gekonnt in Worte zu fassen das andere. Es gibt immer wieder kleine Abschweifungen bzw. weitergehende Ausführungen die so ganz nebenbei erwähnt werden. Sie sorgen für Authentizität und Lokalkolorit aber sie bremsen die Handlung nicht. Mir gefällt, dass in diesem Kriminalroman insgesamt alles etwas ruhiger und atmosphärischer zu und her geht und auf brutale blutrünstige Szenen weitestgehend verzichtet wurde. Wobei brutal ist es schon und Blut fliesst auch aber man muss es ja nicht bis ins hinterletzte Detail schildern. Melanie Lahmer ist ambitioniert und bindet in ihr Erstlingswerk so einiges mit ein. Sie erklärt was Menschen mit ihren kombinierten Sinnen wahrnehmen wenn sie Synästhetiker sind und blickt hinter die Fassade gutbürgerlicher Familien, erzählt was Schüler in ihrer Freizeit so treiben und lässt uns Leser zusammen mit Natascha Krüger das landschaftlich schöne Siegerland erkunden. Es ist wie überall, wenn man sich die Zeit nimmt etwas tiefer unter die Oberfläche zu blicken entdeckt man ganz erstaunliche, beängstigende aber auch interessante Sachen die im Verborgenen schlummern. À propos verborgene Dinge, das Geocachen spielt eine zentrale Rolle in diesem Roman. Für mich waren das bisher nur seltsame Menschen die mit Koordinaten und einem GPS-Gerät im Wald nach versteckten Sachen gesucht haben, ähnlich wie Wünschelrutengänger einen Wasserlauf... ;-) aber es scheint eine reizvolle Freizeitbeschäftigung zu sein die sehr viel Spass macht. Ich habe erfahren, dass die Autorin gerade eine Fortsetzung bzw. am zweiten Band schreibt und ich kann ihr versichern, dass ich auf jeden Fall wieder mit dabei bin wenn es im Siegerland etwas zu ermitteln gibt oder Verborgenes ans Tageslicht gebracht werden muss!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
"Reden, reden, reden, das ist alles, was ihr könnt. Ihr labert zu viel und macht zu wenig", 22. Mai 2012
Der Zufall führt die hübsche Bonnie Abbzug, die mit Doc Sarvis liiert ist, mit dem Mormonen Seldom Seen Smith und dem ehemaligen Green Beret Elite-Soldat George Hayduke zusammen. Jede(r) für sich ein spleeniger, eigenbrötlerischer Charakter oder mit dem Aussehen eines Waldschrats versehen aber sie verstehen sich auf Anhieb und sie vereint die Liebe zur Natur und den Hass gegen die rücksichtslose Ausbeutung und Verschandelung der durch profitgierige Konzerne. In einem Anfall von Idealismus beschliessen sie sprichwörtlich Sand ins Getriebe zu werfen und starten damit nachts Baumaschinen zu sabotieren. Was mit dem durchschneiden von Kabeln und dem befüllen von Tanks mit Sand und Sirup beginnt steigert sich in einen Anschlag auf einen Güterzug und selbst eine Brücke wird zum Ziel. Was wohl aus dem Plan wird einen Staudamm zu sprengen...? Willkommen zu einer schrägen Gaunergeschichte um vier kauzige Gestalten die zu ihrer Naturverbundenheit stehen und sogar bereits sind für ihre Überzeugung Gesetze zu brechen und das Recht in ihre eigene Hand nehmen. Sie verfolgen leidenschaftlich ihre Ziele und sind in ihrer Weltanschauung doch herrlich naiv, stets den Blick auf das gerichtet was unmittelbar vor ihrer Nase liegt. Vom Adrenalinkick berauscht und vom Abenteuer belebt halten sie sich über Wasser und schaukeln sich gegenseitig hoch, immer in der Einbildung das Richtige zu tun und für andere ein Vorbild zu sein. Sie verlieren sich in der Euphorie und fühlen die alchemistische Macht der Glückshormone. Dabei sind sie doch nur ein winziger Splitter in der Maschinerie der Industrialisierung die sich längst verselbstständigt hat. Diesem Buch haftet zu Recht der Nimbus an ein Kultroman zu sein. Geschrieben vor mehr 35 Jahren hat es nichts von seiner Aktualität eingebüsst. Würde es heute geschrieben wäre vom Wutbürger die Rede, von Menschen die sich gegen die Ausbeutung der Natur von Grosskonzernen auflehnen und auf ihre Weise dagegen protestieren. Natürlich sind die Methoden der vier freakigen Ökoterroristen grundfalsch und zu verurteilen aber dadurch das der Focus fast vollständig auf den Protagonisten liegt vermag man als Leser Verständnis aufzubringen und sich sogar in sie hineinzuversetzen. Ganz ehrlich, wir sind doch Gefangene in den eisernen Klauen eines technischen Molochs, einer seelenlosen Maschinerie mit einem schnellen Brüter als Herz. Eine weltweite Hochindustrialisierung die wie ein Krebsgeschwür wächst. Wachstum um des Wachstums willen, Macht um der Macht willen. Da sind Menschen die sich dagegen auflehnen irgendwie sympathisch oder nicht? Geschrieben ist das Buch im Stil und dem Humor der 70er Jahre, auch mit einem Blick auf die Westernfilme dieses Jahrzehnts. Es hat etliche witzige bis pathetische Dialoge und bei der Beschreibung der Natur und ihrer Schönheit geht einem Leser zwischendurch das Herz auf. Die wunderbaren comichaften Illustrationen machen dieses Buch zu einem echten Prachtexemplar. Die Geschichte ist gewiss kein Kinderkram aber heutzutage schon fast ein harmloses Werk, zumindest wenn ich schaue welche brutalen Thriller in den Regalen der Buchhandlungen stehen. Ziviler Ungehorsam in einer kriminellen, radikalen Art aber immer darauf bedacht das keine Menschen zu Schaden kommen. Ein kurzweiliger Lesegenuss abseits des Mainstreams ein Geheimtipp.
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5.0 von 5 Sternen
Der ist in tiefster Seele treu, wer die Heimat liebt wie Du, 17. Mai 2012
Salima wächst als eines von vielen Kindern des Sultans in behüteter Umgebung auf der exotischen Insel Sansibar auf. Sie ist das was man als einen Wildfang bezeichnen könnte und sie kostet ihre unbeschwerte Kindheit mit jeder Faser ihres Körpers aus. Nach dem Tod ihrer Mutter und des Sultans ändert sich nach und nach so manches für Salima und die junge Frau übernimmt Verantwortung für ihre eigene Plantage. Als der Deutsche Kaufmann Heinrich Ruete in ihr Leben tritt ändert sich schlagartig alles und Salima wird gezwungen ihre vergötterte Heimat für die grosse Liebe zu verlassen und nach Hamburg auszureisen. Bitter und salzig schmeckt der Abschied und in ihr tobt ein Gefühlschaos aus Hoffnung und Ängsten, mit ihren Zweifeln und der unstillbaren Sehnsucht verkörpert sie das Schicksal einer jungen Frau zwischen Orient und Okzident. Die Autorin Nicole Vossler ist ganz in ihrem Element wenn sie von exotischen Orten eine Geschichte erzählen kann. Feudal und ausladend schafft sie leuchtende und ausdrucksstarke Bilder und versetzt den Leser in vergangene, fremde Welten. In kräftigen Farben malt sie ein kontrastreiches Antlitz von Sansibar und legt über die halb arabische, halb afrikanische Insel einen ganz eigenen Zauber. Die Gewürznelken sind der Reichtum der Insel und sie verströmen ihr kräftiges Aroma und sind der unverwechselbare Duft von Sansibar. Dort wo alles derart üppig blüht und im Saft steht, dass für europäische Verhältnisse schon eine beinahe Unanständige Sinnlichkeit in der Luft liegt. Da es sich um eine authentische Geschichte einer realen Historischen Person handelt ist der Handlungsverlauf vorgegeben. Wie die Figuren im Detail gezeichnet werden, wie sie fühlten und was für Beweggründe für ihre Taten hatten ist der Vorstellungskraft der/des Schriftstellers(in) überlassen. Das eine Liaison zwischen einer muslimischen Prinzessin und einem Deutschen Kaufmann unangenehme Folgen hat ist abzusehen aber das es zu einem solchen dramatischen Politikum wurde vermag zu überraschen. Nicole Vosseler hat sich der Herausforderung gestellt einen Roman über das wahre Leben von Prinzessin Salima von Oman und Sansibar zu schreiben ohne ihr zu Nahe zu treten, etwas zu verfälschen oder zu beschönigen. Nach der Lektüre dieses bewegenden Romans möchte ich der Autorin auf diesem Weg mitteilen das ihr dies meiner Ansicht nach ganz und gar gelungen ist. Die Fakten kann ich nicht beurteilen und überprüfen aber die Art und Weise wie ihre Geschichte in diesem Buch erzählt wird ist erstklassig und wird höchsten Ansprüchen gerecht. Gewiss keine Buch für Freunde seichter geschichtlicher (Liebes-) Romane sondern eins für Leser anspruchsvoller Historischer Romane das das Herz zwischendurch höher schlagen lässt aber auch ganz melancholische Momente hat. Eine ganz wunderbare, mal bittere mal süsse Lesereise durch das abenteuerliche und wechselhafte Leben von Salima bint Sa'id bzw Emily Ruete! Eine dicke Leseempfehlung von mir!
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