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MQ (Berlin)

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Circles
Circles
Preis: EUR 14,62

8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vergangenes Jahr erschien, 6. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Circles (Audio CD)
Vergangenes Jahr erschien nicht nur ein neues Album der Psychedelic Rocker aus San Fransisco Wooden Shjips, nein, deren Mastermind Erik „Ripley“ Johnson debütierte ferner auf einem deutschen Label mit seinem Sideproject Moon Duo.

Dazu braucht der wie ein Hippie-Guru dreinschauende Johnson nur sich, seine wie Raumschiff Enterprise unendliche Weiten erkundende E-Gitarre mit diversen Effektgeräten, einen Drum-Computer, sowie seine Lebensgefährtin und Keyboarderin Sanae Yamada.

Und schon letztes Jahr befanden nicht Wenige das Sideproject als im spacig-wabernden Sinne besser als die Hauptband. Umso überraschender nun, dass, und vor allem wie Johnson gleich nachlegt. Als wären wir schon längst runter vom „Mazes“-Trip und seinen enigmatisch-hypnotisierenden Melodien, was wir definitiv nicht sind, kommt nun, na klar, nach dem Labyrinth der Kreis. Und „Circles“ hat’s schwer drauf.

Die hingeworfen erscheinende Fertigkeit spielerisch einen unwiderstehlichen Sog zu entwickeln und Melodien, Riffs und Rhythmen wie Rauschmittel wirken zu lassen, von denen man mehr möchte und die uns sanft in abgefahrenes Gedankengut, aka Hör-Trips, versetzen, ist die größte von Johnsons vielen Stärken. Ganz ehrlich: monotoner Rock; das will keine Schwein mehr im Jahre 2012. Und doch schafft es diese Band zu hypnotisieren, uns einzunehmen und den Rausch der wabernden Beständigkeit über uns zu legen wie eine flauschige Decke die des Nachts in wilden Farben, Symbolen und Kreisen plötzlich zu illuminieren beginnt.

Herausragend süchtig machend sind „Circles“, „Sparks“ und „Dance Pt 3“. Risiken und Nebenwirkungen? Ein erweitertes Verständnis für die Macht von Musik. An Shining erinnernd durch eine selbstgewählte Isolation in den eingeschneiten Rocky Mountains entstanden und in Studios in San Fransisco und Berlin verfeinert, ist „Circles“ der zur Zeit vielleicht beste Beweis, dass du kein kiffender, zur Körperhygiene ein zu entspanntes Verhältnis habender, kleiner Faulpelz sein musst, um diesen formidablen Space Rock voll swag zu finden.

MQ


Hearts on Hold
Hearts on Hold
Preis: EUR 17,10

5.0 von 5 Sternen In einem ewig alten Rolling-Stone-Interview beichtete Tom Waits mal, 30. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Hearts on Hold (Audio CD)
In einem ewig alten Rolling-Stone-Interview beichtete Tom Waits mal inzwischen dem metropolitanen L.A. abgeschworen zu haben, freigeistig mit Familie auf dem kalifornischen Land zu leben, nur recht selten ins nächste Städtchen zu schauen und gut und gerne einmal im Monat im ausgewählten Plattenladen seiner Wahl vorbeizuschauen und seinen vertrauenswürdigen Dealer zu fragen: „Was gibt’s Neues, was hast du für mich, was muss ich mir unbedingt anhören?“

Die unumstößliche Antwort seines Freundes und Versorgers müsste demnächst lauten: Tu Fawning. Im wahrsten Sinne des Wortes mit Pauken und Trompeten schlängelt sich dieses Quartett aus Portland, Oregon mit einem inkommensurabel starken Debüt voller gespenstischer Harmonien und antiquiertem Sound in die Gehörgänge. Kompositorisch überragend, dramaturgisch äußerst gekonnt und von einem künstlerischen Wert, wie ihn Pop-Musik nur sehr selten zum Ausdruck zu bringen vermag, ist „Hearts On Hold“ wie eine Reise in weit entfernte Gebiete, unentdecktes Land, wüstenähnliche Weiten und polarkalte Endweltgegenden. Jeder Song an seinem wohlüberlegt rechten Platz, jeder Instrumenteneinsatz wohltemperiert und gezielt legen Corrina Repp und Joe Haege, die gleichberechtigten Köpfe von Tu Fawning, all ihre kreativen Erfahrungen in einem Topf, die sie bei, unter anderem, den in Portland gefeierten 31 Knots und jene andere Indie-Band deren Album gerade allzu reichlich Magie versprüht, Menomena, bei denen Haege Bestandteil der Liveband ist, und rühren kräftig um. Multi-Instrumentalisten Toussaint Perrault und Liza Rietz komplettieren ein Aufgebot, welches spielend leicht vermag den Einsatz von Piano, Drums, Pauke, unendlich weitere Percussions, Gitarre, Samples, Trompete, Posaune, Gitarre Piano, Violine und Gesang harmonisch klingen zu lassen.

Nach dem altbewerten Grundsatz gute-Alben-fackeln-nicht-lange sticht „I Know You Know“ derart fulminant in den zu erobernden Herzensraum, das keine weiteren Fragen offen bleiben: bedrohlich kündigt ein Sing-Sang im Call-and-Response-Modus eine irre Achterbahnfahrt aus Intensität, Gejaule und träumerischer Undurchdringlichkeit an, die sich im Refrain eruptiv Bahn bricht. In Falsett-ähnlichen Höhen weiß Sänger Joe Haege zu zementieren: „I know you know/I know you know/I know you know that I won’t forget you“. Im Weiteren umtänzeln minimalistische Chöre schlafwandlerisch komplexe Popsongs, die mit einer Schar aus Perkussionsinstrumenten, Trompeten, Pianos und spärlichen Gitarrengebrauch in musikalisches Gold gegossen werden; das Uh-uh-oh’s und Oh-oh-uh-oh’s so absolut schön, angebracht, notwendig und richtig klingen können hatte man fast schon vergessen, denn was „The Felt Sense“ und „Diamonds“ mit diesen simplen Stimmeinsätzen und einer quasi impressionistischen Songstruktur für ein Gefühlsmeer zu öffnen im Stande sind, grenzt an Verzauberung. Kuhglocken, Kastagnetten, Rasseln aller Coloeur, Schellen und diese manisch simplen und deshalb schönen Hintergrundchöre: sie sind das Salz in der Suppe Tu Fawnings. Das Piano trägt indes nicht nur „Diamonds“ in ungeahnte Höhen, auch „Sad Story“ pulsiert vaudevillesque in Dresden-Dolls-ähnlicher Manier um einen kräftigen Schlagzeug-Takt herum, nur um urplötzlich in einem pfeilscharfen Rockriff aufzugehen, dass nichts als staunend macht und sofort von Trompeten in Pianogefilde zurücktransferiert wird. Soghaft entwickelt „Hearts On Hold“ seinen Zauber.

Einen Zauber der auch mit den leisere Töne anschlagenden „Apples“ und „Mouths Of Young“ nicht verglimmt. Und wieder: Schellen, Rasseln, Rhythmen, Rhythmen und noch mal Rhythmen, gepaart mit diesen simplen Chören. Alpdruckartiges Grollen naht mit „Hand Grenade“; eine auf Harmonium getrimmte Orgel wird dabei Stück um Stück in friedlichere Gefilde zurückgeschifft. „Multiply’s“ karge Trompete in Verbindung mit garstig-gruseligen Chören lassen anschließend endgültig gewahr werden: auf „Hearts On Hold“ passiert etwas Außergewöhnliches. Ein in ruhigeren Fahrwassern dahintreibender Ausklang („Lonely Nights“, „Just Too Much“) vollenden eine musikalische Reise die wahrscheinlich genau die war: just too much.

Musikalisch gesehen geht das Jahr mehr als gut los. Die famosen Debütanten Tu Fawning aus Portland, zusammen mit den in enger Verbindung stehenden Tausendsassa von Menomena, teilen sich derzeit nicht weniger als die Krone der besten und spannendsten Indie-Rock-Alben.

MQ


Blue Songs
Blue Songs
Preis: EUR 13,54

3.0 von 5 Sternen Hercules And Love Affair, 30. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Blue Songs (Audio CD)
Nicht wenigen war klar, dass ein Nachfolger des in aller Disco-Munde befindlichen Hercules And Love Affair-Debüts ohne Antony Hegarty’s sirenengleicher Falsett-Stimme und Nomi Ruiz femininer Gesangszuarbeit schwierig werden könnte. Nun sind vom Debüt tatsächlich lediglich Kopf Andrew Butler und Sängerin Kim Ann Foxmann übrig geblieben, Hegarty’s stimmliche Präsenz fehlt tatsächlich spürbar, eine regelrechte Veredelung der Hälfte der Albumsongs fällt also weg.

Dass also ohne den zu Recht ewig hoch gepriesenen, hermaphroditischen Gesangsgott unserer Tage einem neuen Hercules-And-Love-Affair-Album irgendwie etwas Entscheidendes fehlen könnte, war, kurz gesagt, mit Ansage zu prognostizieren. Um so sympathischer schließlich, dass Andrew Butler mit seiner Band den Sprung weg von den Erfolgsrezepten konsequent wagt. Außer Kim Ann Foxmann’s gewachsenere Gesangsrolle gibt es durchweg neue Sänger, einen neuen Produzenten, und vielleicht am Wichtigsten, den emanzipatorischen Weggang vom Mutter- und Erfolgslabel DFA-Records, welches von New York aus unermüdlich mit den Flagschiffen The Rapture und LCD Soundsystem, aber auch vielerlei sympathischen Fußsoldatenbands, wie etwa Radio 4, alle erdenklichen Spielarten von Disco nach heutigem Verständnis unter die Radiowellen dieser Welt zu bringen versucht.

London’s Own Moshi Moshi ist die neue Heimat geworden, auch zog sich Produzent und ewiger Big Apple-Szene-DJ Butler aus New York in die Gefilde seiner Herkunft nach Colorado zurück. An Ernsthaftigkeit ohne den Hegarty-Bonus und ohne die helfenden DFA-Beziehungen sich emanzipieren zu wollen mangelt es also Butler definitiv nicht. Und so präsentiert sich „Blue Songs“ als emanzipatorischer Schritt, dass zwar bisweilen deutlich hinter dem furiosen Debüt zurückbleibt, dennoch aber gute Momente des Zitate-Pop zu zelebrieren weiß.

Zitate-Pop ist dabei der Dreh und Angelpunkt allen Schaffens Butler’s. Er ist nun einmal zuerst als DJ und erst dann als Bandleader zu Erfolg gekommen. Selbstredend der frühe Disco-House aus Chicago, die gefühlsüberbordende Disco-Theatralik der 80er Jahre, ganz viel Pet Shop Boys und versteckte Verweise für die Vinyl-Nerds traben gemächlich auf „Blue Songs“ durch das sentimentale Tanzgemüt. Mal gelungen wie in „Painted Eyes”, dem mit erfrischend gekonnten Nonsens-Vokabeln angereicherten „My House“ oder dem Funk-Verweis „Answers Come In Dreams“, mal ermündend und tendenziell aufgegossen, wie in „Leonora“, dem Titelsong oder „Boy Blue“.

Des Weiteren ruft „Falling“ das Disco-Revival in ein wenig zu authentischer Weise auf den Plan, „I Can’t Wait“ tanzt gut daher und Bloc-Party-Sänger Kele Okereke sorgt für poppigen Pep auf dem relativ lahmen „Step Up“, bevor das Sterling Void-Cover „It’s Alright“, das schon die Pet Shop Boys rezitierten, diesen Zitate-Entwurf in melancholisch-optimistischer Manier abschließt.

Man muss die Soul-, Funk- und House-Disco schon in ähnlicher Weise lieben wie Butler; den alten 80er Hits der Pet Shop Boys wehmütig nachblicken und im Allgemeinen einen Hang zu, man möchte sagen, modisch bewusster Melancholie haben um das zweite Hercules-And-Love-Affair-Album umfassend zu lieben. In welcher Weise Hegarty’s stimmliche Präsenz in der Lage ist Musik zu dominieren und schlicht besser zu machen verdeutlicht „Blue Songs“ ungewollt auf etwas tragische Weise. Der Versuch, also, ist streckenweise ganz gut, das Ergebnis aber insgesamt nicht annähernd gut genug.

MQ


Let England Shake
Let England Shake
Preis: EUR 7,97

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Polly Jean Harvey achtes Studioalbum ist erneut eine veritable Überraschung, 30. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Let England Shake (Audio CD)
Polly Jean Harvey achtes Studioalbum ist erneut eine veritable Überraschung. Nachdem „White Chalk“ ihre Tendenz der letzten Jahre ins Abstrakte, durchaus auch Vertrackte, zu gehen auf einen bisherigen Höhepunkt brachte und das Seelenunheil ihrer eigenen Person in künstlerisch beängstigend guter Fremdartigkeit darzustellen vermochte, geht sie nun mit „Let England Shake“ in eine ihr völlig unbekannte Richtung.

So sehr sich ihr Sound vom typischen Alternative Rock weiblicher Prägung der 90er Jahre zu einem eigenständigen und unberechenbaren Harvey-Klangkosmos auswuchs im Verlauf ihrer musikalischen Karriere, immerhin eine Konstante blieb doch: Harvey sang nur über Harvey oder besser: über Harveys Leben. Eine Künstlerin mit aktivem gesellschaftlichem Engagement war sie noch nie.

Bis jetzt. „Let England Shake“ ist eine politische Brandbombe, ein Anschlag auf den Zustand ihrer Heimat England. Das gerade erst für „White Chalk“ erlernte Pianospiel wird weitgehend verbannt. Insgesamt gebiert sich das Songwriting wieder Folk-haftiger. Aber vor allem: Die Harvey besingt den von ihr diagnostizierten gesellschaftlichen Missstand ihres Mutterlandes. Direkt, unverblümt und in einem Konzeptalbum dessen Name Programm ist. „Englands dancing days are gone“ heißt es gleich zu beginn und man glaubt verwirrt seinen Ohren nicht recht, wenn im weiteren Verlauf die Anrufung der UNO als politisches Mittel der Bürgerwehr angedroht wird („The Words That Maketh Murder) und postuliert wird, dass in der adäquaten Erziehung Englands einzig Frucht, der Kinder, zukünftiges Gesellschaftsheil liege („The Glorious Land“). Töne die man von der Harvey wahrlich nicht kannte bisher.

Dabei gibt der Entstehungsprozess ihres achten Albums einen guten Hinweis auf die Heimatlastigkeit der Albumkonzeption. Die unter anderem in Dorset aufgewachsene Harvey mietete sich eine alte Kirche aus dem 19. Jahrhundert in eben jenem Fleckchen Südwestenglands, um in ihr das Material für „Let England Shake“ aufzunehmen. Konflikte, Kriege oder der Zustand des Landes werden schonungslos angeprangert und bewertet, die englische Politikerschar kommt dabei durchgehen sehr schlecht weg und muss sich stellenweise regelrecht beschimpfen lassen. Eine gewisse Spontaneität wohnt den strukturell einfachen, aber klangtechnisch mit vielen Spielereien veredelten Songs inne, Xylophon, Trompeten und eine Autoharp fächern buntes Treiben in die ambitionierten Anprangerungen und lassen ihre Musik somit nicht in die Nähe einfachen Polit-Pops mit der Akustikgitarre unterm Arm erscheinen.

Als Konzeptalbum folgerrichtig hebt sich kein Song stark hervor aus „Let England Shake“ (außer vielleicht das manisch schöne „All And Everyone“), die Botschaft geht dieses Mal über die Gefühlsverarbeitung mittels Musik weit hinaus: Polly Jean Harvey will wachrütteln, am gesellschaftlichen Meinungsbildungsprozess ihres Heimatlandes mitwirken und vielerlei Dinge in eine aus ihrer Sicht bessere Richtung lenken. Alles in allem eine Revolution in Harveys bisherigem Schaffen und zwar eine gelungene.

MQ


Return to the Ugly Side
Return to the Ugly Side
Preis: EUR 15,26

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wenn Portishead’s Geoff Barrow eine Band über den Klee lobt darf man ruhig genauer hinhören, 30. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Return to the Ugly Side (Audio CD)
Wenn Portishead’s Geoff Barrow eine Band über den Klee lobt darf man ruhig genauer hinhören. Nicht nur, weil er das selten tut, sondern weil er als Hauptarrangeur des portishead’schen Klangkosmos und verantwortlicher der Sampleauswahl ein dick-derbes Musikwissen haben muss.

Also hörten alle genauer hin letztes Jahr beim Debüt der ebenfalls aus Bristol stammenden Malachai, die nach dem Rechtsstreit mit dem gleichnamigen Rapper sich fortan mit „ch“ und nicht mehr mit „k“ schreiben. Typisch Bristol war das Ergebnis einigermaßen crazy zwischen Massive Attack, Portishead und Tricky zielsicher anzusiedeln. Malachai’s Debüt, „The Ugly Side Of Love“, war schwerer Tobak, durchgeknallt, komplex und Sampleüberladen. Aus Geoff Barrows Tipp, der das Debüt zudem produzierte, wurde so etwas wie ein erweiterter Geschmackshinweis für Portishead-Maniacs.

Doch nun, ein Jahr später, knallen Malachai uns gleich den noch finsteren Nachfolger ins Gesicht. Und der ist der richtig große Wurf. Thematisch dichter, mit wiederkehrender Samplemotivwahl und Klangelementen à la Dopplung und Stimmverzerrung reiten wir 35 verschwitzte Minuten auf einer Achterbahn der Wahrnehmung. Musik für den schweren Rausch, eindeutig. Donnernde Perkussionsgewitter entladen sich über mächtige Samples voller fieser Fallen und irrer Wortwahl.

Wer derartige Promotionfotos (klick) sein eigen nennt, hat nicht nur nicht mehr alle Tassen im Küchenwandschrank, sondern wohl noch einiges mehr. Worin sich „Return To The Ugly Side“ am meisten vom Debüt unterscheidet ist also seine dramaturgische Stringenz. Alpdruckartig wankt man beim hören gleich durch mehrere diffuse Träume, doch der Wolkenhimmel bleibt die ganze Zeit bedrohlich geladen und tiefdunkel. Nach einer heftigen Flakseite Perkussionsbeschuss greift der weiße Hai im Opener unvermittelt an, nur um im nächsten Moment in ein Meer aus Violinenmelodien sich elegisch aufzulösen. Die Drums- und Percussionsamples sind auch im Weiteren das, was „Return To The Ugly Side“ pointiert zu gefährlich guter Musik werden lässt. Ob im manisch-polternden „Anne“ oder im Gleichschritt zum Rockgitarrensample marschierenden „Mid Antarctica (Wearin’ Sandals)“: allgegenwärtig versetzt es Schläge, Trommeln und schepperndes Knallen. Perfekte Übergänge zu hypnotisch tickenden Anschleichern wie „Rainbows (feat. Katy Wainwright)” machen die Sache endgültig zum staunenden Kopfschütteln, bevor auf „(My) Ambulance“ der schiere TripHop-Wahnsinn regiert.

„Monster“ ist der perfekte Titel für ein Ungetüm an Song, der die vorherrschende Stimmung auf Malachais Zweitwerk adäquat versinnbildlicht: schneidende Streicher, Gewährsalvengetrommel und unberechenbare Gesangsmelodien machen berauscht wie eine gute Droge. Und es wird nicht locker gelassen: das croonende „The Don’t Just“ reitet auf Gefühlswellen der Gänsehaut und so erst recht der vielleicht eingängigste der 14 gemein-gefährlichen Songs, „Let Em Fall“, mit seiner Hookline zum Zunge schnalzen.

Man möchte Domino Recordings einen Orden verleihen für ihre Labelarbeit; gibt es eigentlich einen einzigen überflüssigen Act bei ihnen? Malachai jedenfalls, von dessen Protagonisten man nicht viel mehr weiß als das sie Gee (Gesang) und Scott (Samples) heißen, sind mit diesem Album angekommen in der großen weiten gemeinde international aufsehenerregender Musik. Geoff Barrow, der alte Sample-Meister von Portishead, hatte doch Recht: man ziehe sich Malachai ins Gemüt!

MQ


Ep
Ep
Preis: EUR 7,99

3.0 von 5 Sternen Schlichter Discosound, 30. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Ep (Audio CD)
Schlichter Discosound der wiedererkennbar dem Duo der Simian Mobile Disco zuzuordnen ist und der unverkennbar von Beth Dittos magischer Stimme getragen wird präsentiert sich auf dieser netten kleinen Debüt-EP der Ditto, deren Ambitionen mal Abseits ihrer Hausband Gossip umtriebig zu sein, anhand zahlreicher Kollaborationen und Gastauftritte in den letzten Jahren durchaus absehbar war.

So zum Beispiel auf dem letzten Simian Mobile Disco-Album, wo Ditto und das Elektro-Duo für „Cruel Intentions“ bereits zusammenarbeiteten. Im Dezember letzten Jahres dann die Meldung, dass Ditto und SMD gemeinsam im Studio an Tracks arbeiten würden. Das Ergebnis ist diese durchaus gelungene Debüt-EP, deren Disco- und Elektro-Pop-Sound hochmodern in die derzeitige Disco-Revival-Strömung à la Hercules And Love Affair passt.

Irgendwie absehbar, dass Beth Ditto jetzt in dieser Kerbe singt, Gossips gang in den Mainstream und der damit einhergehenden, heutzutage notwendigen Electro-sierung des Sounds einer ursprünglich als Garagen-Punk-Band angefangen habenden Kombo, gab bereits einen guten Hinweis darauf. Und nicht zuletzt der massive Erfolg des letzten Gossip-Albums und Dittos Aufstieg zu einer der schillerndsten Sirenen des Pop ließen irgendwie antizipieren: die Ditto wird, erstens, bald Solo unterwegs sein und, zweitens, ihre Stimme von gänzlich anderen Sounds untermalen lassen als denen ihrer Band. Man denke nur an die musikalische Wandelbarkeit Antony Hogarty’s, der regelmäßig auf verschiedensten Stilhochzeiten singt und ausnahmslos mit seiner Stimme das jeweilige Projekt aufzuwerten hilft.

Insofern darf man sich nach dem Genuss von „De Construction“ fragen, warum eigentlich nicht mehr daraus geworden ist, vor allem der letzte Song dieser Vier-Track-EP geht tauglich und Disco-genussbringend ins Gehör. SMD schneidern der Ditto perfekte moderne Disco-Songs auf dem Leib, die sich durchaus vergleichbar im Stile Róisín Murphy’s bewegen, aber noch durch mehr tendenzielle minimale Enthaltsamkeit sich auszeichnen. Passt perfekt in den New York-London-Berlin-Disco-House-Revival-Diskurs und ist somit ein eindrückliches Zeugnis für Sound im Jahre 2011.

MQ


Wounded Rhymes
Wounded Rhymes
Preis: EUR 11,46

3.0 von 5 Sternen Lykke Li’s Zweitwerk nach dem elfenhaften, zuckersüßen Mädchenpopdebüt fällt um einiges rauer und kantiger aus, 30. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Wounded Rhymes (Audio CD)
Lykke Li’s Zweitwerk nach dem elfenhaften, zuckersüßen Mädchenpopdebüt fällt um einiges rauer und kantiger aus. Zum Glück ist „Wounded Rhymes“ also kein Aufguss. Der neue Sound der schwedischen Weltenbummlerin hört sich insgesamt satter und bandlastiger an als ihre feingeistigen Popstrukturen auf „Youth Novels“, präsentiert sich aber letztlich doch als ein dem Debüt nachstehender, leicht schwächelnder Nachfolger.

Dynamisch legt der Rhythmus im starken Opener „Youth Knows No Pain“ in überzeugender Indie-Rock-Manier los. Lykke Li rockt hier regelrecht und setzt ein absichtlich anderes Richtungszeichen. Auch „I Follow Rivers“ lebt von aktiver Rhythmik und Perkussion und weiß somit angenehm zu überraschen. Nach der Debüt-Zartheit nun also ein vertonter Reifungsprozess. Lykke Li als ernstzunehmende Künstlerin, die mehr als eine Gefühlsklaviatur beherrscht. Doch die sich anschließenden Balladen- und Folkversuche „Love Out Of Lust“ und „Unrequited Love“ gebären sich melodiös eintönig und unspannend und sind zudem keine lyrischen Meilensteine. Lykke Li als Festgerannte in ihrer emotionalen Schublade.

Wann immer „Wounded Rhymes“ zu überzeugen weiß trägt Perkussion und Rhythmik den Song. So auch auf „Get Some“ mit Westerngitarre und Spoken-Word-Anleihen. Das gleiche gilt für „Rich Kids Blues“ treibendes Schlagzeugspiel und seiner satten Instrumentierung. Lykke Li steht die Rolle als stimmliche Bandleaderin richtig gut. Aber sofort geht der nächste Song wieder in die unausgegorene weder-Fisch-noch-Fleisch-Richtung, Balladesk, nur der Stimme Raum gebend, doch mit zuvielen Störfaktoren drumherum wissen die downtempo-Nummern oft nicht wo sie eigentlich hin wollen. „Sadness Is A Blessing“ mit seinem lyrisch fragwürdigen Gejammer ist so ein Fall.

Selbst das dramaturgisch klug hinten angestellte, sparsame, weil rein akustische „I Know Places“ geht wie es gekommen ist: unspannend. Doch dem Auf und Ab des Albums folgend geht es mit „Jerome“ noch mal kräftig nach vorn. Lykke Li, wer hätte es gedacht nach dem Zartpopdebüt, kann ganz gut mit druckvoller Musik. „Silent My Song“, abschließend, ist ein richtiger Rausschmeißer, elegisch, hochtrabend, und, ja, tendenziell überflüssig.

Lykke Li hat die Bürde ihres gefeierten Debüts tapfer auf ihrem Kreuz getragen und einiges Neues gewagt. Vor allem, dass sie mit Band und uptempo-Nummern nicht fehl am Platze wirkt ist die erfreuliche Erkenntnis aus „Wounded Rhymes“. Doch zu sehr sucht die junge Musikerin hier noch nach dem rechten Zukunftsweg, beziehungsweise begeht den alten oder eventuelle neue schlicht nicht konsequent genug. Lykke Li: statt stark nur noch gut.

MQ


Where the Oceans End
Where the Oceans End
Preis: EUR 19,03

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die französischen Folk-Popper von Cocoon legen nach ihrem 2007 gefeierten Debüt „My Friends All Died In A Plane Crash“ nach, 30. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Where the Oceans End (Audio CD)
Die französischen Folk-Popper von Cocoon legen nach ihrem 2007 gefeierten Debüt „My Friends All Died In A Plane Crash“ nach. Ihr amerikanisch inspirierter englischsprachiger Folk strahlt nach wie vor eine intime wohlige Wärme aus, aber entrückte Outkast- und Amy-Winehouse-Cover bedarf es nun nicht mehr um der Band Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Nach vielerlei Kritikerlob und Bekanntheitssteigerung durch ihre musikalische Verwendung in Werbeclips kam eine ausgedehnte Welttour auf Mark Daumail und Morgane Imbeaud zu, die sie unter anderem nach China, Australien und in die USA führten. Nun also ist das Duo aus der Provinz Auvergne zurück. In allgemeiner Folktradition stehend, haben sie sich auch eine hübsche Geschichte, die die 12 Songs zusammenhalten, ausgedacht, um einen Phantasiewal namens Yum Yum, der ihre Kindheit repräsentieren soll und im Verlauf der Reise/des Albums notwendigerweise stirbt und Platz machen muss für die Verwerfungen und Probleme, die das Erwachsenenleben so mit sich bringt.

Was Daumail und Imbeaud uns erzählen wollen auf „Where The Oceans End” indiziert ganz gut, was wir für ein Seichtwasserfolk wir hier vor uns haben. Wärmende Americana-Momente hin oder her, das zweite Album von Cocoon ist im Positiven wie Negativen äußerst harmlos. Ein Güte und Sanftmut verbreitendes Album, das man am besten leise bei Kuschelstimmung mit Kamingeknister im Hintergrund sich zu Gemüte führt, manchmal zwischen Sufjan Stevens, manchmal Air oder auch Tindersticks, aber insgesamt wenig Magisches und schon gar keine Sogwirkung zu etablieren vermag.

Insgesamt treiben und zünden die im Duett gesungen Songs am meisten, „Comets“ und „Mother“ seien hier genannt, da diese einen auf die besungene Reise kraft der energischeren Gesangsleistungen tatsächlich mitzunehmen verstehen. Viele spärliche Momente, ob von Daumail oder Imbeaud allein besungen, fehlt es an künstlerischer Prägnanz und könnten auch eingereichte Tapes vom schüchternen Indie-Mädel von neben an sein, die sich heimlich an der Gitarre am Bett die Sorgen von der Seele singt. Die orchestrierteren Songs, mit Streichern, mehreren Stimmen und mehr als einem Instrument also sollten die Zukunft von Cocoon darstellen, sonst droht wohl auch der Folk-Fan irgendwann dabei einzuschlafen. Hübsches Cover indes.

MQ


The Sound of Everything
The Sound of Everything
Wird angeboten von MRTOPSELLER GERMANY
Preis: EUR 9,00

3.0 von 5 Sternen Zarte Töne bringt der Frühling in Form des Seattler Debüt-Duos Thousands, 30. September 2012
Rezension bezieht sich auf: The Sound of Everything (Audio CD)
Zarte Töne bringt der Frühling in Form des Seattler Debüt-Duos Thousands. Zu verdanken haben wir dies der eifrigen Lobbyarbeit des Fleet Foxes-Gitarristen und Freundes Skye Skjelset, der sie ihrer britischen Indie-Label-Heimat Bella Union vermittelte.

Reine und wohltemperierte Akustikgitarren und beseelt sich verschränkender Gesang der beiden Protagonisten Kristian Garrard und Luke Bergman bestimmen „The Sound Of Everything“. Dazu gibt es selten eingestreute Harmoniumklänge aber vor allem erfrischende Naturgeräusche, die der entrückten Gesamtvorstellung ein wenig die Studiosterilität nehmen. Da zwitschern Vögel, saust der Wind, plätschert der Bach und rascheln die Blätter. Recht hübsch das Ganze, insbesondere wenn man der Idealvorstellung der Band folgt und ihrem Treiben via Kopfhörer lauscht und zwar unter freien Himmel und sich nebenan unter dem newtonschen Apfelbaume die beiden Akustikgitarrenmucker vorstellt.

Unter anderen Grundbedingungen sind Thousands indes nur begingt zu gebrauchen. Zu sehr ist diese Sanftheit abhängig von konkreter Willensvoraussetzung, vermag die Band es anders gesagt nicht einen einzunehmen wie manch bedrückende Einfachheiten Elliot Smith’ beispielsweise. Doch das macht Thousands nun weiß Gott nicht schlecht; die inneren Emotionen der menschlichen Stimme tragen die beiden in einem konstanten Puls vor, der innere Ausgeglichenheit und Seelenstärke reflektiert. Eine schöne klangliche Reinheit ist die größte Stärke dieses neuen Duos am Acoustic-Pop-Himmel, auch wenn die großen Melodiespuren noch nicht hängen bleiben und kein Song irgendeinen anderen überragt. Homogenität und Geschlossenheit ist bisweilen sowohl Segen als auch Fluch: so bleibt bei Thousands kein Song herausragend im Gehör, doch wirkt das Album im Gesamten als schöner dreiviertelstündiger Seelenfrieden. Thousands haben noch viel Luft nach oben unter ihrem freien Himmel.

MQ


Mazes
Mazes
Preis: EUR 11,43

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Für Yuri Gagarin, 30. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Mazes (Audio CD)
Für Yuri Gagarin. Es wabbert, dröhnt und fuzzt auch in diesem Projekt des kalifornischen Gitarristen Erik Johnson, der mit seiner Hauptband Wooden Shjps psychedelische Rockwelten erkundet. Doch Moon Duo kommen um einiges berauschter und im Rockmusiksinne spaciger daher.

Zusammen mit Sängerin und Keyborderin Sanae Yamada debütierte das Moon Duo bereits mit zwei interessanten EP’s, nun folgt ein etwas songorientiertes, höchst Gelungenes Psychedelic-Rock-Album-Debüt. Auch wenn San Fransisco der Heimathafen für Johnson, Yamada und ihren Drumcomputer ist, die weiten unendlich ewigen und gleichen Welten des Alls sind ihr Zuhause. Wenn der Beat sich etabliert hat und die Akkorde zur Entfaltung gekommen sind ändert sich bis auf Spielereien nicht mehr viel, um nicht zu sagen gar nichts mehr. Und trotz dieser Eintönigkeit bleibt „Mazes“ spannend bis zum Schluss, beschleicht einen bei den ersten Durchläufen das Gefühl einen 44-minütigen Song gehört zu haben und erschließen sich nach und nach differente Reiche der abgefahrenen Eintönigkeit innerhalb dieses psychedelischen Kosmos der Gleichheit.

Langgezogene Gitarrenpassagen und ein dezent eingesetztes, auf dreckig und alt getrimmtes Drumcomputing mit gewürzartig eingesetzten Bass- oder Keyboardläufen bestimmen das gesamte Album, indem es schwer fällt Einzelnes herauszunehmen. „Mazes“ funktioniert auf jeden Fall als geschlossenes Werk am Besten. Dennoch haben das geradezu melodiöse „When You Cut“, das die Reiserakete startende „Seer“, das in Gitarrensoliwelten sich verlierende „Fallout“, das rhythmus- und keyboardlastige „Scars“ und der treibende songorientierte Closer „Goners“ hervorhebenden Erwähnungscharakter.

Man braucht nicht viele Einordnungskriterien für das Debüt von Moon Duo: entspannt, stoisch und eintönig geht es seinen Weg auf eine Reise, in der man in fuzzzende, wabernde, dröhnende und berauschte Welten eindringt, die das Spannende an dieser Unternehmung darstellen. Und für das betreffende Genre vielleicht das dickste Lob: Nicht allein unter Drogen ein Genuss.

MQ


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