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Rezensionen verfasst von
Beatrice Berger (Oberfranken)
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Tina und Tini, Band 10: Tina und Tini und die spanischen Zwillinge
Tina und Tini, Band 10: Tina und Tini und die spanischen Zwillinge
von Enid Blyton
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,90

2.0 von 5 Sternen Zerrbilder über die spanische Jugend (schon anno 1981 reichlich angestaubt), 17. April 2014
Tina, Tini und Tinas unvermeidlicher Bruder Tobi dürfen in den Ferien eine Kreuzfahrt machen. Es stellt sich heraus, dass die beiden einzigen anderen menschlichen Wesen in ihrem Alter, die sich auf dem Schiff befinden, die Zwillinge Isabella und Maria sind. Diese befinden sich aber stets in Gesellschaft ihrer strengen, schwarzgekleideten und unduldsamen Gouvernante, der vor allem Tobi ein Dorn im Auge ist, der es verständlicherweise nicht lassen kann, Isabella von Zeit zu Zeit zuzuzwinkern. Da trifft es sich zunächst nicht schlecht, dass die Gouvernante von einem zunehmend heftigem Ruhebedürfnis heimgesucht wird. Gleichzeitig häufen sich merkwürdige Vorfälle auf dem Schiff: Ein Kanister mit Maschinenöl wird auf dem Deck verschüttet, die Bücher in der Bibliothek sind systematisch mit Tinte beschmiert, etc. Was geht da vor?

Ich habe dieses Buch zum ersten Mal vor knapp dreissig Jahren gelesen, und seitdem hat sich mein erster Eindruck relativ deutlich verfestigt: es ist mir egal, wer dieses Buch nun genau geschrieben hat, und auch, wann es erstmals erschienen ist (anzunehmen: 1981): es bedient in einer Weise Zerrbilder über Angehörige verschiedener Nationen, die keine Empfehlung sein kann - schon gar nicht für Mädels im Teeniealter als den Adressatenkreis dieses Buches. Als ich es zum ersten Mal las, selbst im Teenageralter, konnte ich das noch nicht so ganz beurteilen, weil ich keine einzige Spanierin je zu Gesicht bekommen hatte. Kurz darauf hatte ich dann eine spanische Brieffreundin und war zuerst mal erstaunt, dass die kein bißchen anders getickt hat als ich (und das war in den 1980ern, da war Franco noch keine zehn Jahre tot). Dieser Band war schon vor 30 Jahren komplett aus der Zeit gefallen.

Ähnlich südseekönigliches, ich weiß, haben auch Leute über Einzelbände der Serie „Tim und Struppi“ geschrieben und über andere Bücher (v.a. Jugendbücher). Ich neige, was das angeht, gewiss nicht zu übertriebenem Eifer, aber: müssen wir solche nationalen Klischees wirklich noch weiter in dieses Jahrhundert hineinziehen?
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 6, 2014 10:05 AM MEST


Charlotte von Mexiko: Triumph und Tragödie einer Kaiserin
Charlotte von Mexiko: Triumph und Tragödie einer Kaiserin
von Erika Bestenreiner
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Lesbar, aber einseitig pro-Habsburg dargestellt, 17. April 2014
Positiv hervorzuheben ist an dem Buch, dass es eine relativ umfassende Darstellung zumindest der habsburgischen Seite der Angelegenheit ist. Neben der Lebensgeschichte der Erzherzogin Charlotte wird auch die ihres Ehemanns bis zum bitteren Ende erzählt – und darüber hinaus, nämlich was die unvermeidlich ins Kraut schießenden Spekulationen über, nennen wir es Alternativlösungen, betrifft. Der sprachliche Duktus ist gelegentlich etwas rührselig (Bei E.B.s Buch über Franz Ferdinand empfand ich das als schlimmer).

Das Negative möchte ich aber nicht ausblenden. Nicht, dass es überwiegt, aber in dieser Rezension wird es den überwiegenden Raum einnehmen müssen.

Zunächst fehlt eine auch nur ansatzweise vollständige Darstellung über den „Gegenspieler“ in dieser Angelegenheit, nämlich Benito Juarez. Warum die fehlt, ist leicht erklärt: Es gibt nicht viel (man könnte auch sagen: eher gar keine) deutschsprachige Literatur über diesen Mann. Und ausländisch rezipiert Frau B. offensichtlich nur dann, wenn es französisch ist (vgl. das Literaturverzeichnis). Daran schließt sich aber zwanglos an, was bei mir zu der Reaktion führt: jetzt reicht es mir aber mit dem Unfug! Und gipfelt in dem Satz (S. 279): „dass Maximilian gegen jegliches Rechtsempfinden… erschossen… wurde“.

Ein bißchen allgemeines Staats- und Völkerrecht des 19. Jahrhunderts sollte eine Historikerin schon beherrschen. Wie aber denn nun? Wir haben auf der einen Seite ein Land, das seine Unabhängigkeit ungefähr 50 Jahre vorher erlangt hat, mit einem gewählten Präsidenten, der erheblich mehr demokratisch legitimiert ist als viele seiner Vorgänger und einige seiner Nachfolger. Es erscheint im Gefolge einer Invasionsarmee (nicht etwa des Landes, von dem die Unabhängigkeit erlangt wurde, sondern eines, dass sich in der Rolle eines Quasigerichtsvollziehers für ein im übrigen wucherisches Darlehen wähnt) jemand, der behauptet, er sei das neue Staatsoberhaupt? Das kann man mal vorsichtig als ein leicht hochverräterisches Unternehmen qualifizieren. Im Unterschied zu dem, was Frau B. offenbar meint, reicht es als Rechtsfertigung hierfür nicht zwingend aus, Abkömmling eines nach eigener Einschätzung mit dem Gottesgnadentum behafteten Erzhauses zu sein (dass sich derartige Ideen nicht auf Dauer über den Atlantik exportieren ließen, war an sich seit George Washington allgemein bekannt – und ich kann persönlich nicht sagen, dass ich das besonders bedauerlich finde) - und wie man in Old Europe mit vergleichbaren Unternehmen und ihren Urhebern umgegangen wäre, brauche ich nicht auszuführen - ich kann mir aber lebhaft vorstellen, dass Frau B.s „Rechtsempfinden“ von analogen Versuchen, sich Franz Josephs I. und seiner Regierungsform zu entledigen, nicht sonderlich angetan wäre.

Insgesamt reicht mir ein rührseliges „der arme Maximilian, er hat es doch nur gut gemeint“ nicht aus, um die Position der Gegenseite von vornherein als verbrecherisch zu behandeln. Dass in diesem Fall ein Träger des Nachnamens „Habsburg“ zweiter Sieger wurde, ist erst recht kein ausreichender Grund. Abgesehen davon halte ich nichts davon, irgendjemanden zu erschießen. Nur, um auch das klargestellt zu haben.


Ofengerichte von A-Z
Ofengerichte von A-Z
von Dr. Oetker Verlag
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Convenience und Kalorien, 31. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Ofengerichte von A-Z (Gebundene Ausgabe)
Es ist wirklich so: die Reihe ist hübsch, aber inhaltlich durchwachsen. Während einige Serienbände mit interessanten und abwechslungsreichen Rezepten aufwarten, sind die anderen (vor allem die "Landfrauen", mein persönlicher Dorn im Auge) uninspiriert und nicht des Lesens (von anderem noch gar nicht die Rede) wert. Dieses hier ist kein Höhepunkt der Serie. Eine Vorrezensentin bemerkte eine auffällige Vorliebe für Bacon. Die ist in der Tat vorhanden: das Zeug wird bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit eingesetzt. Ich stelle dazu noch eine Vorliebe für Convenience-Produkte fest, da ich von so was traditionell genervt bin. Mein persönliches Highlight kombiniert Frikadellen aus dem Kühlregal (kann man das essen?) mit Tiefkühlrosenkohl. Aber auch Fertigsaucen und Konserven mit Zeugs, dass auch frisch relativ leicht zu bekommen wäre, kommen reichlich zur Anwendung, jedenfalls reichlicher als es die Vorschläge für kreatives Würzen (ich meine ohne fertige Gewürzmischung) tun.

Was dagegen reichlich zum Einsatz kommt, sind Kalorienbomben, vor allem Sahne in Großportionen (Verzeihung, aber bei einem Rezept für vier Personen einen Dip als Ergänzung vorzuschlagen, dessen Zutatenliste beginnt mit "1/2 Liter Sahne" - das ist schon heftig) oder größere Mengen Käse. Die gefühlte Durchschnittskalorienzahl pro Portion beläuft sich bei diesem Buch auf 800 (wobei ich sie im Einzelfall nicht nachgerechnet habe, sondern mich auf die Angaben im Buch verlasse), meist schon im Rezept selbst. Oft genug sind es auch mal 600 und der Vorschlag "dazu frisches Baguette" (weil das Rezept selbst oft genug leider arm an Sättigungsbeilagen ist). Da es sich gerade bei Aufläufen (nicht nur bei süßen) nicht ohne weiteres empfiehlt, Zutaten auszutauschen oder zu ersetzen, bleibt als Fazit: für mich ist das nichts.


Balkanbeat: Meine Suche nach Patrick Leigh Fermor
Balkanbeat: Meine Suche nach Patrick Leigh Fermor
von Michael Obert
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,95

3.0 von 5 Sternen gemischte Gefühle (ich bin kein Fermor-Fan), 20. März 2014
Der Autor, freiberuflicher Reisender-und-schreib-darüber, begibt sich von Berlin aus über Wien, Bratislava, Esztergom, Belgrad und vielen Orten mehr nach Belgrad, um dort Patrick Leigh Fermor zu suchen und zu besuchen, der dort seit Jahrzehnten zurückgezogen wohnt. Teilweise wandelt Obert auf den Spuren von Fermors legendärer großer Reise (und sucht, was noch übrig ist von der damaligen Welt), teilweise wandelt er auf anderen verschlungenen Pfaden.

Mein erstes Problem mit dem Buch ist, dass ich „reisende Literatur“ im allgemeinen nicht besonders schätze. Ich finde es begrenzt interessant, wenn jemand über Stätten und Städte textet, die ich kenne, aber mit der Beschreibung von Orten, die ich nicht aus eigener Anschauung kenne: das prickelt selten richtig. Außerdem, ich bewundere zwar die große Reise Fermors an sich, die schwärmerische Verehrung für Patrick Leigh Fermor, den Paten aller Rucksackreisenden, kann ich allerdings nicht so richtig teilen. Damit mich ein Buch mit diesem Thema mitreißen könnte, müsste es schon ausgesprochen genial sein. Und ausgesprochen genial ist dieses hier nicht.

Da stört mich schon zu Beginn dieses „huch, meine Kreditkarte ist heillos überzogen“ – dabei entlockt die Karte bis zum Ende der Reise treu und brav dem Geldautomaten das jeweils gewünschte, zudem bin ich sehr wenig empfänglich für die streckenweise mystischen Erlebnisse des Reisenden („der Blinde“; „das Plakat in Wien“). Der Augentrost als ständiger Begleiter ist dabei ebensowenig ein Trost wie die Reminiszenzen an das Verschüttetsein des Autors in einer mexikanischen Höhle.


Suppen & Eintöpfe von A-Z
Suppen & Eintöpfe von A-Z
von Dr. Oetker
  Broschiert
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Vorliebe für Porree und Sellerie..., 19. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Suppen & Eintöpfe von A-Z (Broschiert)
Nachdem ich von den "Landfrauenrezepten von A - Z" alles andere als begeistert war und die entsprechende "Kalte Küche" auch nicht ganz meine Zustimmung fand: von den Suppen und Eintöpfen bin ich überwiegend angetan. Es sind nicht nur viele brauchbare Rezepte in dem Buch, sondern auch viele mit Kalorienzahlen unter 400 pro Portion (meistens ohne dass zu dem Gericht noch ein Haufen nicht mitgerechneter Beilagen gegessen werden müssen, damit man satt wird.) Auffällig allerdings ist die Vorliebe der Redakteure für Stangensellerie und Knollensellerie (hilfsweise Petersilienwurzel), was gefühlt in jedem dritten Rezept auftaucht (und mich stört) sowie eine vergleichbare Vorliebe für Porree (die mich nicht stört). Die Bandbreite an Zutaten ist insgesamt groß, süße Suppen (vermisse ich nicht) sind nur wenige aufgenommen. Ein wenig stört mich allerdings beim Benutzen in der Prakis, dass (beispielsweise) weiße Bohnen zwar immer im Trockengewicht angegeben werden, Kichererbsen aber nur in Dosenform zum Einsatz kommen sollen - ein Umrechnungsfaktor für beides aber fehlt. Da ich aber nun mal meine Kichererbsen nicht in der Dose vorrätig habe, geht das dann eher mehr als weniger Daumen mal Pi...


Reise um Japan: Das Land der aufgehenden Sonne im letzten Jahrzehnt der Tokugawa-Zeit (1603-1868)
Reise um Japan: Das Land der aufgehenden Sonne im letzten Jahrzehnt der Tokugawa-Zeit (1603-1868)
von Rudolf Lindau
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 34,00

4.0 von 5 Sternen Großartige editorische Leistung, 24. Februar 2014
Rudolf Lindau (preußischer Staatsangehöriger, Bevollmächtigter der Schweiz zu Vorverhandlungen und Verhandlungen zum Abschluß eines Handelsvertrages zwischen Japan und der Schweiz, später Beamter im Auswärtigen Amt und im Diplomatischen Dienst des deutschen Kaiserreiches) hatte in den 1850er/60er Jahren die Gelegenheit, um (und auch in!) Japan zu reisen, als das Land sich gerade erst einmal vorsichtig dem Westen geöffnet hatte (von einer wirklichen Öffnung oder Offenheit konnte aber noch nicht so richtig die Rede sein). Damit berichtete er als einer der ersten und letzten von einer Welt, die gerade dabei Anlauf nahm, sich rapide zu verändern.

Neben den zahlreichen (zeitbedingten, aber das macht die Lektüre nicht angenehmer) Ausführungen über die Unter- oder Überlegenheit dieser oder jener „Rasse“ über eine andere (und der Überlegenheit der christlichen Zivilisation ist das wirklich unangenehme bei der Lektüre dieses Buches, dass Rudolf Lindau bestrebt ist, seinen schriftstellerischen Stil so zu gestalten, dass er jeden Anflug von Humor und Ironie unterlässt. Das macht den Reisebericht an manchen Stellen so trocken, dass es staubt. Die Tatsache, dass es sich hier um einen einzigartigen und wertvollen Bericht handelt, wird dadurch nicht in Frage gestellt.

Beeindruckend finde ich das Nachwort: Der Herausgeber bereitet die Biographie dieses Rudolf Lindau mit einer Akribie auf, die ihresgleichen sucht (inklusive der Schilderung über die Übergabe Helgolands von Großbritannien an Deutschland, auch wenn das eher eine Anekdote am Rande ist – für mich als Süddeutsche ein total fremdes Stück deutscher Geschichte). Was mir ein bißchen fehlt – und auch damit möchte ich den editorischen Wert dieses Buches in keiner Weise geschmälert sehen – ist eine kritische Aufbereitung des eigentlichen Lindau-Berichtes. Dieser ist subjektiv gefärbt, bezieht sich auf die Zeit seiner Entstehung und verwendet oft Bezeichnungen für (japanische und manchmal auch andere) Orte, Menschen und Ereignisse, die nicht mehr so ganz dem üblichen Sprachgebrauch entsprechen. Wenn er (nur beispielsweise) über umstrittene Inseln im japanischen Meer berichtet, wäre eine herausgeberische Fußnote über das spätere Schicksal dieser Insel nicht schlecht. Wenn er eine merkwürdige, aber subjektive Beobachtung schildert, wäre gelegentliche Einordnung dieser Beobachtung in den allgemeinen Kontext der japanischen Kulturgeschichte auch nicht schlecht – zumindest für den nicht-Japanologen.


Zwischen Kahn und Kohlenkeller: Roman
Zwischen Kahn und Kohlenkeller: Roman
von Horst Bosetzky
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

3.0 von 5 Sternen Die Bosetzkys (Matuschewskis) 1918 bis 1945, 19. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Horst Bosetzky schildert in diesem Teil der Bosetzky-Matuschewski-Familienchronik das Schicksal des Otto Matuschewski, Vater des Manfred Matuschewski (= Horst B. selbst) aus "Brennholz für Kartoffelschalen“ in der Zeit zwischen dem Ende des ersten Weltkriegs und seiner Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft. Man kann es nicht anders sagen: leicht tut er sich nicht damit, und leicht macht er es auch dem Leser in diesem Band (für andere Bände gilt das ausdrücklich nicht) nicht, das mit der Lektüre auch durchzuhalten.

Das Problem liegt in erster Linie in der Gewichtung: Bosetzky schildert, allerdings sehr knapp zusammengefasst, die Ereignisse der großen Politik, und stellt diesen die Ereignisse im Kreuzberger bzw. Neuköllner Kiez gegenüber, garniert mit Schmöckwitzer Gartenseligkeit. Die Verzahnung beider Komponenten ist, aufs Ganze gesehen, stark suboptimal. Die Wiedergabe der – inhaltlich eher nichtssagenden - väterlichen Tagebücher über diverse Fahrten auf Deutschlands Flüssen mit seiner Margot lähmt die Handlung ganz gewaltig, über manche Stellen, die für den Leser mehr von Interesse wären als die wiederholte Schilderung von Familienfeiern (zum Beispiel die Situation in Berlin vor 1939 und 1944/45, über die Bosetzky allzu knapp wegbügelt, obwohl er das Denken und Tun der Mitglieder und Freunde der weitverzweigten Familie auch hätte schildern und damit mehr in die Tiefe gehen könnte) geht er sehr knapp hinweg.

Dabei schimmert natürlich auch ein anderes Problem durch die Ritzen der Geschichte: Bosetzky ist Angehöriger der Generation, die ihrer Vätergeneration relativ deutlich vorgeworfen hat, nichts getan und geschwiegen zu haben. Otto M., bis zu einem gewissen Punkt sozialdemokratisch engagiert, hat nach 1933 auch nichts getan, wobei Horst B. die Erklärung&Entschuldigung, er habe sein Leben und seine Familie schützen wollen (wer wollte das nicht?) bedingungslos akzeptiert (ich bin weit entfernt, ihm das vorzuwerfen, es ist ja auch conditio sine qua non der eigenen horst-bosetzkyschen Existenz). - auch wenn man bei anderen da unduldsamer ist (was hat der Mann eigentlich gegen Theodor Heuss? Die Anmerkung S. 229 ist weder handlungsfördernd noch gerecht.)

Lesenswert ist das Buch in erster Linie deshalb, weil es vieles erklärt, was das Leben des Manfred Matuschewski in "Brennholz für Kartoffelschalen“ so schwer macht. Otto, das uneheliche Kind, fühlt sich im Leben zu kurz gekommen. Richtig, er ist in gewisser Weise benachteiligt (aber wie sagte meine Mutter – aus der Manfred-Generation stammend: was die damals alles schon gemacht haben, daran haben wir nicht einmal denken können), aber sein Problem ist, dass er darauf mit heftigem Selbstmitleid reagiert – ein Erbe der Bosetzky-Sippe. Manfred wird dieselben Charakterzüge zeigen, kommt aber mit diesem Teil im Wesen seines Vaters seinerseits ebensowenig klar wie es Margot tut: Zündstoff für die heftigen Reibereien der Folgebände…

Und ein Kuriosum am Rande (S. 218): da hat man wenig Geld für den Urlaub, spart sich das während des Restjahres vom Munde ab, geht dann Flußfahren und Campen, um dann diesen Lebensstil (ich glaub’s einfach nicht…) dringend unterbrechen zu müssen, weil man im nächsten Dorf den Friseur aufsuchen muß, um sich rasieren zu lassen… Merkwürdige Zeiten waren das…


Zwischen Barrikade und Brotsuppe: Roman
Zwischen Barrikade und Brotsuppe: Roman
von Horst Bosetzky
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,90

5.0 von 5 Sternen Deutschland und die Bosetzkys - 1848 bis 1918, 19. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Horst Bosetzky schildert in diesem Teil der Bosetzky-Matuschewski-Familienchronik das Schicksal der Bosetzky-Familie aus Tamsel und der Anna Walter, verheiratete Matuschewski, bis zum Ende des ersten Weltkrieges.

Das Leben der Bosetzkys ist generationenübergreifend gekennzeichnet von verpassten Chancen und verlorenen Einsätzen, gepaart mit Unzufriedenheit und Träumerei, wie es hätte besser kommen können, wenn… Anders kann man das kaum sehen: Nachdem Erdmann von Bosetzki den unter Friedrich dem Großen erworbenen Adel in den napoleonischen Kriegen gegen das nackte Überleben eingetauscht hatte, landet sein Sohn Friedrich Bosetzki durch eine Verkettung unglücklicher Umstände mitten in der 1848er Revolution, wird zu Festungshaft verurteilt, begnadigt, um nach Amerika auswandern zu können. Dort erweist sich seine Überlebensfähigkeit als den Umständen nicht ganz angepasst. Er kehrt zurück, landet als Schlafbursche und Fabrikarbeiter in Berlins Elendsquartieren, bis ihn schließlich eine alte Liebe (die es inzwischen zu einem Wirtshaus in Stralau gebracht hat) erlöst. Sein Sohn Heinrich hat zwar die Tatkraft seiner Mutter geerbt, aber auch die Neigung zu Unzufriedenheit, Selbstüberschätzung und Träumerei: er wird einer der größten gründerzeitlichen Bauunternehmer Berlins, sein Hauptstreben gilt aber der Vernichtung eines Konkurrenten, der ihm die Hand seiner Tochter verweigert hatte (das arme Mädchen hat sich umgebracht!) – womit er am Ende seine Firma, sein Leben und sein Vermögen in den Abgrund reißt. Durch Zufall trifft er auf das Dienstmädchen Anna Walter, die sich (obwohl viel pragmatischer veranlagt) auf seine Versprechungen verlässt, und dann ist auf einmal der kleine Otto unterwegs…

Dieses Buch ist (im Unterschied zum Folgeband "zwischen Kahn und Kohlenkeller“ absolut lesenswert, trotz der Charaktereigenschaften der Hauptpersonen Friedrich und Heinrich, die einen schier verrückt machen können. Es ist eine packende Schilderung der verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen, die das Berlin der Gründerzeit besiedelten: zwischen den Arbeiterquartieren und dem professoralen Haushalt in Wilmersdorf (wo Anna arbeitet), dem Villenviertel in Lichterfelde, den Offizierskreisen, in denen Friedrichs Schwester zu Hause ist, der Lebendigkeit der Ausflugsgaststätte in Stralau, etc. Wenn man es gelesen hat, versteht man allerdings auch sehr gut, warum Margot Matuschewski in „Brennholz für Kartoffelschalen“ ihren Manfred manchmal am liebsten an die Wand klatschen möchte – er hat genau die Eigenschaften der Bosetzky-Familie geerbt, die Horst B. hier in epischer Breite vor dem Leser ausbreitet...


The Dragon, The Thief and The Princess
The Dragon, The Thief and The Princess

4.0 von 5 Sternen Roadmovie nilaufwärts, 2. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Prahotep hat sich in seinem bisherigen Leben nicht als sonderlich talentiert erwiesen: sein sterbender Vater weist ihn aus dem Haus, weil er Unglück bringt. Er gelangt nach Theben, wo ihn der Oberpriester nacheinander an verschiedene Handwerker vermittelt. Es geht jedes Mal schief. Am Ende, kurz vor der Verzweiflung, versucht er sich als Grabräuber - die erste Höhle, in die er einbricht, ist konsequenterweise kein Grab, sondern die Höhle der Drachendame Hathor. Sie ist die letzte dieser Art in der Gegend von Theben, hat aber gehört, nilaufwärts in Nubien gebe es noch Verwandte. Also macht man sich - per Boot und nachdem man den Drachenhort sicher eingeladen hat - auf den Weg, nilaufwärts nach Nubien. Wo sich zu diesem Zeitpunkt gerade der Sturm zusammenbraut: Prinzessin Kandaki wacht eines Nachts auf und muß feststellen, dass ihre Eltern vom Ehemann ihrer Cousine ermordet wurden, der nunmehr nach dem Thron strebt. Um Kandaki erfolgreich aus dem Weg zu räumen, entschließt sich der neue König, sie einem ihm bekannten Drachen zu opfern...

Das ist eine nette (und dank Hathor, die immer das letzte Wort behält, sehr witzige) Geschichte, allerdings an manchen Stellen etwas dünn: zu einfach sind manche Lösungen, zu ereignisarm manche Schlüsselszenen - trotzdem lesenswert, ich hätte mir nur manchmal eine atmosphärisch dichtere Darstellung gewünscht.


Brennholz für Kartoffelschalen: Roman eines Schlüsselkindes
Brennholz für Kartoffelschalen: Roman eines Schlüsselkindes
von Horst Bosetzky
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

4.0 von 5 Sternen Neukölln nach dem Krieg, 2. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Heinz Bosetzky schildert - dem Vernehmen nach stark autobiographisch eingefärbt - die Kindheitsjahre seines Helden Manfred Matuschewski im Nachkriegs-Neukölln: während sich der Vater noch in Kriegsgefangenschaft befindet, geht die Mutter einem anstrengenden 48-Stunden-die-Woche-Job nach und hat beim besten Willen abends nicht mehr die Kraft, sich um Hausaufgaben, Haushaltsaufgaben und die Erziehung eines neunjährigen Sohnes zu kümmern, die ihr immer mehr entgleitet...

Ich habe dieses Buch vor Jahren schon einmal gelesen und hatte es als so bedrückend in Erinnerung, dass ich mehrere Jahre gezögert habe, bis der Folgeband "Capri und Kartoffelpuffer" eher zufällig den Weg in meinen Bücherschrank fand. Es lohnt sich aber. Während ich es allerdings beim Folgeband als gelungen empfunden habe, dass der Autor sich auf die Beschreibung beschränkt, ohne jemals sonderlich zu werten, empfinde ich es in diesem Buch eher als Verlust. Es geht hier in weiten Teilen um den Seelenzustand dieses Manfred Matuschewski, der von Ängsten (v.a. Ratten und dunkle Räume, ganz deutlich eine Folge von zu vielen Nächten im Luftschutzkeller) sich einerseits unverstanden fühlt, sich aber andererseits auch unglaublich tolpatschig und unzuverlässig zeigt. Bosetzky beschreibt das zwar im Detail (was ich übrigens für eine sehr tapfere Leistung halte, wenn auch nur die Hälfte autobiographisch ist), es hängt aber auch vieles sehr in der Luft.

Zum darüber hinausgehenden Teil des Inhalts, zwischen verträumten Wochenenden bei Oma im Schmöckwitzer Schrebergarten und einer speziellen Hölle namens Schule kann ich mich auf das beziehen, was ich schon zu "Capri und Kartoffelpuffer" gesagt habe: die auch dieses Mal unglaubliche Menge an Schweinigeleien halte ich für unnötig. Die ausführliche Beschreibungen des Berliner Nahverkehrssystems (insbesondere die Typenbeschreibungen der einzelnen Straßenbahnen) ist etwas für Freaks und Experten (ich bin keiner). Etwas genervt bin ich regelmäßig von Protagonisten, deren größtes Vergnügen darin zu bestehen scheint, wenn sich ein anderer in die Hose macht oder versehentlich in einer entsprechenden Lache Platz nimmt, oder auch die Hose auszieht und in U-Hose (der dann auch regelmäßig ein vorhersehbares Malheur widerfährt...) auf dem Tisch tanzt. Diese übermäßig starke Betonung von Vorgängen der Körperentleerung finde ich irgendwo schon ein bißchen seltsam...


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