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Rezensionen verfasst von
Jochen Frankl "Baccalaureus" (Würzburg)
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Der zerrissene Vorhang
Der zerrissene Vorhang
DVD ~ Paul Newman
Preis: EUR 4,97

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hitch as Hitch can, 29. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Der zerrissene Vorhang (DVD)
Als sich der US-amerikanische Atomphysiker Michael Armstrong über Stockholm in die DDR absetzt, entscheidet sich seine Verlobte und Assistentin Sarah Sherman spontan, ihm zu folgen. Zwar mißbilligt sie sein Vorhaben und seinen Verrat, auf der anderen Seite liebt sie ihn zu sehr, um ihn alleine gehen zu lassen. Sie weiß allerdings nicht, daß Armstrong nur vorgibt, in den Osten zu emigrieren, um mit einem DDR-Wissenschaftler ins Gespräch zu kommen, dessen Forschungsergebnisse für die USA und Armstrongs persönliches wissenschaftliches Fortkommen von immenser Bedeutung sind. Nachdem Armstrong einen östlichen Geheimdienstler getötet hat, müssen er und Sherman überstürzt in den Westen fliehen.
Hitchcock teilt diesen Film in 3 Akte ein, der erste wird vor allem aus Sarah Shermans Perspektive erzählt, der zweite aus Michael Armstrongs, der dritte verfolgt deren gemeinsame Flucht. Für Hitchcock typisch ist die Undurchschaubarkeit der Handlung: Michael Armstrongs Rolle ist nicht klar, scheinbare Nebenfiguren gewinnen an Bedeutung, und eigentlich kann man erst sagen, worum es in dem Film genau geht, nachdem man ihn gesehen hat.
Für deutsche Zuschauer ist der Film einerseits ein zeitgeschichtliches Dokument, die gefährliche weltpolitische Situation, in der die beiden Supermächte einander an der Berliner Mauer belauerten wie die Schlange und das Mungo, dieses Leben auf dem Pulverfaß wird sehr genau und in eiseskalten Bildern eingefangen. Jeder weiß, daß eine falsche Bewegung oder Äußerung für ihn tödlich sein kann.
Zum anderen wird der deutsche Zuschauer sich freuen zu erfahren, daß Hitchcock mit Schauspielern wie Hansjörg Felmy, Günter Strack und Wolfgang Kieling gearbeitet hat, die hier keine unbedeutenden Rollen haben.
Die DVD bietet den Film in bestmöglicher Qualität und mit einem guten "Making-Off" als Bonusmaterial. Ich war hochzufrieden, deswegen gibt's die volle Punktzahl fürs Produkt.
Ach ja: Julie Andrews singt nicht. Danke, Alfred!


Latein ist tot, es lebe Latein!: Kleine Geschichte einer großen Sprache
Latein ist tot, es lebe Latein!: Kleine Geschichte einer großen Sprache
von Wilfried Stroh
  Gebundene Ausgabe

66 von 73 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein großes Buch, 4. Juni 2007
Wie fange ich es an? Dieses Buch ist genauso, wie ich es erwartet hatte: Hervorragend zu lesen, sehr informativ, gelegentlich witzig und für Lateiner und solche die es werden wollen ungemein wichtig und empfehlenswert.

Professor Stroh entwirft eine Geschichte der lateinischen Sprache von ihren faunischen Anfängen bis zur Gegenwart, wobei er jeweils prominente Vertreter einer jeden Sprachepoche vorstellt. Dabei streift er unterschiedlichste Fragestellungen, stellt die Arbeitsmethoden eines Philologen vor und erklärt, warum Latein trotz seines fortwährenden Sterbens immer noch lebt.

Problematisch wird es, wenn man sich schon vorher von einigen Autoren ein gewisses Bild gemacht hat - gerade von einem gewissen gerissenen Advokaten, der sich selbst (wenn auch nicht völlig zu Unrecht, zugegeben) für den größten Redner Roms gehalten hat, und sich auch nicht scheute, das wiederholt zu betonen.

Was Stroh meiner Meinung nach hier vernachlässigt ist die Tatsache, daß Cicero zwar wahnsinnig viel geredet hat - aber eigentlich nicht viel zu sagen hatte. Strohs Hymnus auf die Sprache Ciceros mag berechtigt sein - leider ist eine schöne Form nicht alles. Cicero hat die Philosophie als Wissenschaft per hervorragender Übersetzungsleistung nach Rom gebracht und dem Abendland dienstbar gemacht. Neues beigetragen hat er aber nicht. Seine Leistungen als Politiker wären unbeachtet geblieben, hätte er nicht selbst darüber geschrieben. So ist der schwülstige und exuberante Stil eines Anwalts (der ja vor allem daher rührt, daß er vor Hunderten von Leuten auf einem offenen Platz so sprechen mußte, daß alle ihn verstehen konnten, was Wiederholungen und rhetorische Tricks geradezu erzwingt) zur Qual eines jeden Lateinstudenten geworden. Das wirklich schöne, humorvolle, alle Finessen der Sprache ausnutzende Latein eines Tacitus, die hervorragend tiefgründige Syntax von Seneca und Livius - alles nichts gegen Ciceros selbstgefälliges Gelaber? Alles Geschmackssache, sagte der Affe und biß in die Seife.

Mit besonderem Genuß allerdings habe ich die Kapitel über das Latein des Mittelalters, der Renaissance und des Barocks gelesen. Hier ist allerdings das Feld so groß, daß wirklich nur auf die absoluten Höhepunkte hingewiesen wurde. Besonders liebevoll behandelt Stroh das Jesuitendrama.

Hilfreich und auch klar verständlich sind die in der Appendix enthaltenen Aussprachehilfen zur lateinischen Sprache - mirum, ut exstet tale bonum: schön, daß es noch so etwas Gutes gibt.


Ruf! Mich! An!
Ruf! Mich! An!
von Else Buschheuer
  Taschenbuch

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Woody Allens Großstadtneurotiker hat eine Nachfolgerin, 26. September 2006
Rezension bezieht sich auf: Ruf! Mich! An! (Taschenbuch)
Paprika Kramer ist (erfolg-) reich und sieht aus wie Iris Berben. Sie lebt in einem Luxus-Apartement im Berlin der Jahrtausendwende. Der letzten, versteht sich. Versteht sich ebenfalls, daß sie sämtliche Neurosen entwickelt hat, die man in einer Großstadt nur entwickeln kann, unter anderem zwanghaftes Einparken in jeden beliebigen freien Parkplatz, einen Ekel vor der Masse und eine fundierte Tablettensucht. Sie hat keine persönlichen Bindungen an irgendwen, nur zwei Freunde, die sie auch noch gegeneinander ausspielt: Einen Dauerstudenten, der auf de Sade abfährt, und einen Orchestermusiker, der auf alte Filme steht.

Sie selbst sammelt besonders peinliche Schlagzeilen des Breviers Imbeziler und Lahmdenkender Deutscher, amüsiert sich über die vor die Mattscheibe gezerrte Plebs bei Bärbel Schäfer und ernährt sich von hippen Artikeln aus dem jeweiligen In-Supermarkt.

Eigentlich ist das für sie soweit auch in Ordnung, aber dann verliebt sie sich in die Stimme des Mannes von der Telephonvermittlung - und ihre Ruh ist dahin. Sie läßt sich auf eine Affaire ein, bei der sie sexuell ausgenutzt und gedemütigt wird und allemal den kürzeren ziehen muß. - Und sie fühlt sich dabei zum ersten Mal in ihrem Leben, diesem Leben im auf der Sonnenseite des Lebens, wirklich lebendig.

Doch während sie immer erfolgreicher wird (nebenbei schafft sie es sogar mittels einer defekten Spracherkennungssoftware zur In-Schriftstellerin konkreter Poesie aufzusteigen, schließlich ändert Iris Berben sogar ihr Aussehen, um nicht mehr auszusehen wie Paprika Kramer), verfällt sie ihrem Geliebten immer mehr. Es kommt zum selbstzerstörerischen Showdown.

Else Buschheuer gelingt ein großartiges Portrait einer Großstädterin. Und jeder, der in einer Großstadt wohnt (und heiße sie auch nur Hagen oder Augsburg), wird sich zu einem gewissen Teil in Paprika oder einer ihrer Neurosen wiederfinden. Und die Ressentiments gegen "Broiler" - Hand aufs Herz - die kennen wir Wessis doch alle, oder?


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