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Rezensionen verfasst von
Norman Fleischer "it's about progress" (Deutschland)
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   

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The Resistance
The Resistance
Preis: EUR 10,98

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Auf der nächsten Stufe, 13. September 2009
Rezension bezieht sich auf: The Resistance (Audio CD)
Eins muss man Muse ja lassen. Ihr Drang, immer neue Elemente ihrem seit jeher ausladenden Alternative Rock hinzuzufügen spornt sie seit nunmehr 10 Jahren zu immer neuen Höchstleistungen an. Und mittlerweile hat sich auch der Erfolg endlich eingestellt. Die größeren Hallen werden auch abseits der englischen Heimat voll, denn der Ruf, eine der besten Live Bands der Welt zu sein spricht sich langsam rum. Die richtigen Songs dafür haben sie eh schon immer gehabt. So geht auch das mittlerweile fünfte Album 'The Resistance' den Weg kontinuierlich weiter, den zuletzt 'Black Holes & Revelations' eingeschlagen hatte. Die Band öffnet sich neuen Spielarten, die Produktion wird ausgereifter, der raue, wütende Zorn der Anfangstage weicht einer stärkeren Musikalität. Das wird sicher vielen Fans der ersten Stunde nicht sonderlich gefallen, aber Muse haben sich halt weiter entwickelt. Immerhin sind sie keine 20 mehr, wie noch zu 'Showbiz'-Zeiten.

So ist 'The Resistance' natürlich wieder ein gewohnt pompöses, ausladendes Album, dass wie immer dem uneingeschränkt sympathischen Größenwahn frönt. Nach dem thematischen Ausflug in ferne Galaxien auf dem letzten Album, geht es diesmal etwas bodenständiger zu. Wobei die Betonung natürlich auf dem 'etwas' liegen sollte, denn inhaltlich geht's diesmal neben den üblichen Themen Liebe, Sex und Zärtlichkeit natürlich auch um revolutionäre und politische Umbrüche, sowie den gelebten Widerstand. Bereits der Album-Opener, die treibende Single 'Uprising' kündet davon. Im Titeltrack fleht Matthew Bellamy anschließend die Angebetete an, dass ihre Liebe ihr Widerstand gegen all den Rest ist. Ach, schön. Zumal der Song ordentlich Ohrwurmpotential hat. Im Anschluss wird's tanzbarer, denn mit dem groovigen 'Undisclosed Desires' präsentiert man sicher einen der ungewöhnlichsten Muse-Songs. Immerhin ist es der erste, der vollkommen ohne Gitarren- oder Pianospiel von Matt auskommt. Herausgekommen ist ein Song, den Timbaland besser nicht hätte hinbekommen können. Urbaner Elektro-R'n'B inklusive sexy Text. Eine Art konsequente Weiterentwicklung von 'Supermassive Black Hole.' Sicher eine ziemliche Geschmackssache, aber nicht ohne Reiz. Auch die weiteren Songs des Albums zeigen die bisher vielseitigste musikalische Bandbreite der Band. 'United States of Eurasia' gibt all den Leuten, die Muse seit jeher als neue Queen ansehen endgültig Recht, während sich das schwülstige 'Guiding Light' irgendwo zwischen U2 und fiesem 80er-Pop bewegt. Inklusive viel Hall auf den Drums. Das lange 'Unnatural Selection', sowie 'MK Ultra' gehen dann wieder in die klassische Muse Richtung. Nachdem sehr ungewöhnlichen 'I Belong To You' setzen Muse natürlich noch einen drauf und beenden das Album mit der dreiteiligen 'Exogenesis'-Symphonie, welche noch einmal die klassisch-virtuose Seite der Band mit ihrem bekannten Gitarrensound verbindet. Gerade der finale Teil, 'Redemption' ist ein wundervoller Ausklang, der kaum hätte besser sein können.

Und was sagt uns nun dieses Album in seiner Gesamtheit aus? Nur das, was ich schon zu Eingang gesagt hatte' Muse entwickeln ihren Kunstrock konsequent weiter und betonen diesmal, auch aufgrund der erstmaligen Verwendung eines echten Orchesters, ihre symphonische Seite. Außerdem werden die Einflüsse aus den 80ern vielleicht noch eine Spur deutlicher als auf 'Black Holes.' Insgesamt ist 'The Resistance' ein sehr stimmungsvolles und abwechslungsreiches Album geworden, welches die Experimentierfreudigkeit der Band mit anderen Genres feiert und sich hinter vergangenen Alben nicht verstecken muss. Es fehlt vielleicht noch der letzte konsequente Schritt, um es perfekt zu machen, aber nichts wäre fataler, als wenn diese wunderbar begabte Band bereits jetzt bereits ihr ganzes Pulver verschossen hätte. Da scheinen uns sicher noch spannende Jahre ins Haus zu stehen'


Black Swan (Deluxe Edition)
Black Swan (Deluxe Edition)
Preis: EUR 32,25

7 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Überraschend Unsicher, 31. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Black Swan (Deluxe Edition) (Audio CD)
Es ist schon nicht leicht, wenn man als kleinere Band auf einmal einen mittelschweren Hit hat und dann irgendwie immer an dem gemessen wird. Die von mir in den letzten Jahren sehr lieb gewonnene Band Athlete muss sich an vielem messen lassen. Da wäre natürlich das locker-leichte 2003er Debüt 'Vehicles & Animals', welches seinerzeit mit einer Mercury-Prize-Nominierung für Furore sorgte. Zum anderen ist das natürlich 'Wires', der größte Hit vom 2005er Nachfolgealbum 'Tourist', welcher der band ganz schnell den Ruf als Coldplay-Kopie einbrachte, was aber lediglich nur zeigt, dass es keinen einheitlichen Sammelbegriff für melodisch-melancholischen Britpop gibt. Seit dem Nr.1-Album 'Tourist' ist allerdings der Haken drin. Der Nachfolger 'Beyond The Neighbourhood' berief sich auf alte Stärken, lief aber trotz guter Qualität eher bescheiden' die Singles floppten, das Album im Prinzip auch und Athlete waren ihren Major-Plattenvertrag los. Doch so was ist ja bekanntlich immer erst der Anfang. Jetzt sind Athlete wieder da! Das vierte Album 'Black Swan' erscheint beim Indie-Label Friction Records und soll die Band wieder ein Stück nach vorn bringen.

So richtig scheint die Rechnung bisher aber nicht aufzugeben. Die muntere Vorab-Single 'Superhuman Touch' knackt grad so die britischen Top 100 und das Album hat es gerade so in die britischen Top 20 geschafft. Aber da in einer Welt, in der die Black Eyed Peas und Lady Gaga die Charts anführen Chartplatzierungen eh überbewertet und längst kein Qualitätskriterium stellt sich die Frage, was denn nun der schwarze Schwan taugt' Das Ergebnis fällt von meiner Seite aus relativ ernüchternd aus. Es ist kein schlechtes Album, aber irgendwie auch kein wirklich überragendes, wie es bspw. die ersten beiden der Band waren. Irgendwie schrammt 'Black Swan' haarscharf an der Bedeutungslosigkeit vorbei. Es wirkt die ganze Zeit so, als sei hier eine Band am Werk, welche krampfhaft versucht, irgendwie eine große Hymne nach der nächsten abzuliefern. Und es sind gute Anwärter auf diesem Album' 'The Getaway' könnte ein neuer Hit werden, 'Light The Way' ist schön aufbauend und 'Rubik's Cube' am Ende bspw. auch eine wunderschöne Ballade, die es gerade noch schafft, nicht vollständig im Kitsch zu ersticken. Allerdings befinden sich auf Album Nr. 4 auch Songs, wie der Titelsong oder 'The Awkward Goodbye', die einfach nichtssagend sind. Andere Tracks, wie 'Magical Mistakes' oder 'The Unknown' haben durchaus Potential und gute Momente, wirken aber als Songs unausgereift.

Die Band wirkt irgendwie unsicher auf ihrem neuen Album. Als habe sie der überraschende Flop von 'Beyond The Neighbourhood' vorsichtig gemacht. Dadurch begehen sie aber den entscheidenden Fehler. Sie gehen auf Nummer Sicher, fabrizieren zu viele Songs und Momente ohne Überraschung. Das macht 'Black Swan' zum bisher vorhersehbarsten und schwächsten Album dieser ansonsten hervorragenden Band. Die Jungs um Sänger Joel Pott opfern ihre Eigenständigkeit und ihr Gespür für kurzweilige Popsongs einer gewissen Uninspiriertheit. Die Band kann doch eigentlich viel mehr, als nur diese Standard-Formatradio-Britpop-Songs, die man in dieser Form schon drei Dutzend Mal von diversen anderen Bands gehört hat. Zwar haben schon die letzten beiden Alben, insbesondere 'Tourist' gezeigt, dass die Band gern mal dem Pathos frönt, aber das haben sie früher irgendwie wesentlich besser hinbekommen. Hinzukommen einfach zu wenig gute Songs. Die limitierte Bonus-CD bietet noch ein paar weitere, fast durchgängig akustische Songs, von denen einige, wen man weiter an ihnen gearbeitet hätte, durchaus auch Platz auf dem Album gefunden hätte. So ist 'Black Swan' leider eine kleine Enttäuschung. Zu wenig gute Songs treffen auf eine zusehens austauschbarere Musik. Und gerade der letztere Punkt ist das eigentlich schade an diesem Album. Diese Band kann mehr und sollte, aller kommerziellen Verpflichtungen zum Trotz, auch in Zukunft auch wieder mehr wagen. Hoffentlich lässt man sie das auch versuchen. Gemessen an ihrem bisherigen Schaffen ist es diesmal einfach etwas zu wenig.


La Roux
La Roux
Preis: EUR 7,99

31 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Speak & Spell, 3. Juli 2009
Rezension bezieht sich auf: La Roux (Audio CD)
Die Retro-Popwelle schwappt einmal mehr durch die Musikwelt und mit ihr werden auch regelmäßig neue Namen und Hypes an Land gespült, so dass man schon leicht die Übersicht verliert. Besonders heraus ragt Elly Jackson, die (und übersieht man gern) zusammen mit Produzent Ben Langmaid die Sperrspitze darstellt. Nicht nur ihre wilde, rote Mähne ist dabei als Signalfarbe von Vorteil, auch die Songs sind es. Die ersten drei Singles nämlich, 'Quicksand', 'In For The Kill' und 'Bulletproof' waren nämlich allesamt drei unüberhörbare Superhits, die relativ leicht den Spagat zwischen Cool und Kitsch gemeistert haben. Besonders in der britischen Heimat gehen La Roux gerade durch die Decke. Und nun steht das Debüt 'La Roux' in den Plattenläden und muss zeigen, ob es sich seine Vorschusslorbeeren verdient hat oder nicht. Im Prinzip kann man diese Frage durchaus mit einem souveränen 'Ja' beantworten. Es bleibt allerdings festzuhalten, dass die oben genannten drei Songs auch die besten des Albums sind. Promo-technisch also alles richtig gelaufen bei La Roux. Der Rest ist dennoch schwer in Ordnung. Auch 'I'm Not Your Toy' oder das ruhige 'Cover My Eyes' sind anständige Tracks, richtige Ausfälle gibt es auf 'La Roux' nicht. Das Problem, und das haben letztendlich die meisten Popplatten dieses Kalibers, ist die mangelnde Eckigkeit, mit welcher man den Hörer auf Dauer leicht nerven kann. Aber ich meine, wenn man keine laute Musik mag, sollte man sich auch kein Metallica-Album kaufen. Will damit nur sagen: man muss wissen, worauf man sich hier einlässt. Knackiger Hochglanz-Retro-Pop, den Vince Clarke nicht hätte besser produzieren können. Was unterscheidet nun aber La Roux vom Rest, wie Little Boots? Zum Einen sind es einfach wesentlich bessere Songs und zum Anderen ist es Jackson's markante Stimme, welche, gepaart zur Musik, auch gern in die Abteilung Annie Lennox gesteckt werden kann. Die Stimme ragt einfach heraus, schrill, individuell und authentisch. Und so trägt diese Stimme die unwiderstehlichen Popsongs auch über manche Ideenlosigkeit hinweg. Bei La Roux kommen verschiedene Faktoren zusammen' die richtigen Hits, die gute Produktion und das formidable Charisma der eigenen Frontfrau. Ob da in Zukunft noch mehr drin ist, oder ob es sich hierbei nur um eine zufällig entstandene Zusammenkunft toller Popsongs handelt, wird man sehen. Neu ist das natürlich sowieso nicht, aber 'La Roux' ist 2009 definitiv eines der kurzweiligsten Pop-Alben, die zur Zeit zu haben sind.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 23, 2010 11:30 AM MEST


Quicken the Heart
Quicken the Heart
Preis: EUR 11,37

1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vollgas trotz angezogener Handbremse, 13. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: Quicken the Heart (Audio CD)
Ach Gottchen. Nicht schon wieder das berühmte schwere 3. Album (welches auch nicht schwerer, als das 2. ist). Da müssen sich Bands ja bekanntlich beweisen. Brennt das Feuer noch oder kocht es auf Sparflamme? Revolution oder Resignation? Fragen über Fragen. Und wo sind die Antworten? Die finden wir in der Musik und die sollten wir sprechen lassen. Und da sind sie nun: Maximo Park, jene Band, die vor 5 Jahren aus dem Nichts auftauchte, mit ihrem Debüt 'A Certain Trigger' nicht alles, aber vieles in Schutt und Asche, spielte und seitdem nicht mehr Wegzudenken ist. Im Gegensatz zu anderen Vertretern des selben UK-Jahrganges scheint das Motto der 5 Mannen um Frontmann Paul Smith aber 'Konstanz' zu sein. Während sich die Kaiser Chiefs in die Belanglosigkeit und Bloc Party in die weiten Welten der elektronischen Experimentierfreudigkeit verabschiedet haben, bleiben Maximo Park bei dem, was sie am besten können: Zackiger Indie-Pop-Rock mit Hang zur Intelligenz und zur Tanzfläche. Diesen Spagat schafft die Band auch auf 'Quicken The Heart' spielend leicht. Das ist auch keine Selbstverständlichkeit. Und natürlich gibt es, wie schon bei 'Our Earthly Pleasures' hier nicht die offensichtlichen Megahits, welche uns das Debüt noch so zielgenau um die Ohren schmetterte. Eigentlich sind's sogar recht wenige. So kann sich nach dem ersten Hören von 'Quicken The Heart' schon mal ein Gefühl von Gleichgültigkeit einstellen. 'Ja nett, irgendwie. Aber auch nix Neues.' Letzteres stimmt auch irgendwie, aber das dritte Album der Band lebt auch davon, dass es seine Hits nicht sofort offenbart. Sicher, wir hätten da das famose 'A Cloud Of Mystery' und das zackige 'Calm', sowie das versteckte 'Questing, Not Coasting', aber ansonsten? Ansonsten sagen die Songs erstmal nicht viel, doch wenn man ihnen Zeit gibt, ihren nicht so offensichtlicheren Melodien und Smiths' eindringlichen Vocals mit den tollen Texten zuhört, dann entfalten sie ihre heimliche Schönheit. Der sperrige Opener 'Wraithlike' z.B., oder das schnittige 'Let's Get Clinical'. Und die Single 'The Kids Are Sick Again' ist sicher kein zweites 'Apply Some Pressure' oder 'Our Velocity', aber spätestens am Schluss erkennt man: Ah, typische Hymne! Und natürlich gibt's auch Ausfälle auf dem Album' gab's auf den anderen beiden ja auch. Aber richtig schlecht sind auch Songs wie 'Tanned' oder 'In Another World' nicht. Nichtssagend schon, aber qualitativ halten Maximo Park das Niveau der Vorgänger einigermaßen. Und natürlich ist das nicht leicht, besonders wenn man sich als junge Band in einer schnelllebigen Musikwelt immer an den Vorgängerwerken messen lassen muss. So gesehen ist 'Quicken The Heart' sicher das schwächste Album der Band, aber andererseits müssen wir uns dabei auch mal vor Augen führen, auf welchem Niveau wir hier den Qualitätsabsturz beklagen. Alles in Allem hat diese Band immer noch dieses gewisse Etwas, das sie so interessant macht. Das Charisma von Paul Banks spielt dabei genauso eine wichtige Rolle, wie die Fähigkeit Ohrwürmer zu produzieren und sich dabei auf das Wesentliche zu verlassen: Intelligente Popsongs, die Geschichten in weniger als vier Minuten erzählen können. Keine großen, experimentellen Epen, sondern reduziert auf das, was zählt. Und dennoch manifestiert sich am Ende der Gedanke, dass Maximo Park auf 'Quicken The Heart' unter ihren eigenen Möglichkeiten bleiben. Sie können sicher wesentlich mehr. Album Nr. 3 ist recht ordentlich und wenn man jetzt noch Mut hat und die kreative Handbremse löst, dann darf man sich schon sehr auf Nummer Vier freuen.


Sounds Of The Universe
Sounds Of The Universe
Wird angeboten von Allround-Medien 24
Preis: EUR 7,69

13 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Selbstzufriedenheit sieht anders aus..., 24. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Sounds Of The Universe (Audio CD)
Pünktlich wie die Uhr. Alle paar Jahre melden sich Depeche Mode in mehr oder weniger langen Abständen mit neuem Album zurück. Diesmal waren es 'nur' 3einhalb Jahre, die seit dem erfolgreichen 'Playing The Angel' ins Land gezogen sind. Und wie jedes Mal ist das Geschrei aller Orten groß. Aus allen Löchern kommen die Hobby-Kritiker und 'wahren' Fans der Band gekrochen, um sich gegenseitig zu zerfledern, warum denn nun gerade dieses Album ein Meisterwerk oder der größte Scheiß ist. Und egal, wie schlecht es ist: gekauft wird es trotzdem, am besten noch in der Deluxe Version und mit Front-Of-Stage-Konzertticket dazu. In Sachen Finanzierung haben die Herren Gahan, Gore und Fletcher die zuverlässigste Quelle, nämlich ihre eigenen Fans. Damit kann einem die Finanzkrise schon mal nichts anhaben. Und zu anderem versetzt dies das Trio in die privilegierte Lage, machen zu können was man will. Bei Depeche Mode herrscht kreative Narrenfreiheit, welche sie auch bei 'Sounds Of The Universe' wieder ausleben, ungeachtet aller Erwartungen und Vorschriften. So schaffen sie es auch bei Album Nr. 12 wieder, auf der einen Seite wie Depeche Mode zu klingen, während auf der anderen Seite auch wie immer genug Platz ist, um Neues auszuprobieren. Ein Trend, welchem die Band im neuen Jahrtausend wesentlich stärker nachgeht, als früher. So gesehen ist 'Universe' eine konsequente Weiterentwicklung der letzten Alben und führt die begonnene Richtung seit 'Exciter' konsequenter fort, vielleicht sogar konsequenter als das teils etwas erzwungene 'Playing The Angel'.

Erzwungen wirkt bei 'Universe' nichts. Der Retro-Klang beruht auf dem verstärkten Einsatz von alten Analog-Synthesizern, die sich zu einem großen Ganzen zusammenfügen und ein Klangbild erzeugen, welches immer wieder Akzente aus vergangenen DM Phasen aufweist. 'In Sympathy' klingt nach 'Exciter', während 'Hole To Feed' Ansätze von 'Violator' beinhaltet oder das Instrumental 'Spacewalker' direkt als Outtake aus dem jahr 1982 durchgehen kann. Dennoch bekommt es die Band und ihr Produzententeam noch wesentlich besser hin, als noch auf dem Vorgängeralbum, die Songs frisch klingen zu lassen. Nichts wird dem Zufall überlassen. Jedes Soundexperiment wirkt genau platziert, jeder Song sitzt genau da, wo er sitzen soll. Das macht 'Sounds Of The Universe' zum kompaktesten und geschlossensten DM-Album seit vielleicht 'Ultra'. Die Musik wirkt wesentlich warmer, wesentlich klarer und verdichteter. Es wirkt fasst schon so, als hätten Band und Produzent Ben Hillier nach dem 2005-Anfang endlich zusammengefunden und ihre Arbeitsweise perfektioniert. Der Klang ist super, besonders auf Kopfhörern. Diesmal auch ohne unnötig lautes Mastering. Depeche Mode Song's ordnen sich stärker dem Klang unter, als bisher, was aber vollkommen okay ist. Die Songs sind nämlich gut, keine Meisterwerke, aber durchgängig hochwertig, mit vielen Gospel und Blueseinflüssen. Der flehende Opener 'In Chains' regt einen zum Mitklatschen an, 'Little Soul' fleht noch im Dunkeln, während 'In Sympathy' anschließend das Licht rein lässt und dies schließlich in 'Peace', einem der bisher wohl optimistischsten Songs der Band und einem wunderbaren Zusammenspiel von Gahan und Gore mündet. Man scheint angekommen zu sein.

Über was soll eine Band auch noch schreiben, die eigentlich alle Laster, Drogenskandale und Streitigkeiten der letzten Jahre abgelegt hat? Alle sind zufriedene Familienväter, die Millionen auf dem Konto und massive Hits im Backkatalog haben' Depeche Mode müssen der Welt nichts mehr beweisen, sie müssen keine Hits mehr abliefern, zeigen aber dennoch ab und an, dass sie es noch können ('Wrong', 'Perfect')' doch, was soll diese Band machen? Abtreten und die Legende ruhen lassen? Oder Weitermachen, wenn sie noch Spass daran haben? Und momentan machen sie wohl eher Zweites. Sie machen weiter. Nicht weil sie es nötig hätten, wegen des Geldes oder weil sie, wie andere alte Bands nicht loslassen können, sondern weil sie Spass daran haben, neue Ideen und Sounds zu entwickeln. Ein Blick in die Studio-Making-Of's bestätigt diesen Eindruck. Also arbeiten Depeche Mode weiterhin daran, ihre Musik weiterzuentwickeln, neue Elemente einzubauen und vor allem die Akzente anders zu setzen. Natürlich wirkt die reduzierte Version von 'Come Back', welche man schon auf der Homepage anschauen konnte, eingängiger, aber die verzerrten Gitarrenwände auf dem Album untermauern die Verzweiflung in Gahan's Flehen und bringen eine spannende Dissonanz ins Popgerüst, an dessen Vorgaben man sich wohl nur noch bedingt hält. So ist 'Sounds Of The Universe' wohl doch noch nicht das große Alterswerk der Band, aber sie kommen diesem Album wieder näher und es macht Hoffnung, dass diese Band auch jenseits der 50 noch große, zeitlose Musik schaffen kann, die natürlich anders klingen will und muss. All die, die laut rumschreien, kritisieren und die alten simplen Pophymnen der Vergangenheit wiederhaben wollen, bleiben dabei vermutlich auf der Strecke, aber das wird die Band sicher verkraften und müde lächeln. Wer nach 30 Jahren noch so polarisieren kann, der hat definitiv was richtig gemacht.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 5, 2009 10:14 PM MEST


Kingdom of Rust
Kingdom of Rust
Wird angeboten von MasterDVD
Preis: EUR 5,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rostfrei!, 6. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Kingdom of Rust (Audio CD)
Einige Dinge brauchen ihre Zeit. Ein neues Doves Album z.B. Von Platte zur Platte benötigte die Band im Anschluss eine immer längere Pause. Man nahm sich Zeit, experimentierte rum und so hat man eigentlich seit 2006 nicht mehr viel von dem sympathischen Trio aus Manchester gehört, deren erste drei Alben mit zu dem Besten gehören, was in diesem Jahrzehnt von der Insel kam. Fast hätte man sie unter all dem Farbrausch an neuen Bands der letzten Jahre fast vergessen, doch nun meldet sich die Band mit neuem Album 'Kingdom Of Rust' zurück und klingen dabei so, als ob die 4 Jahre zwischen diesem und dem Vorgängeralbum 'Some Cities' nie vergangen wären.

Auch 2009 sind die Doves immer noch eine Ausnahmeerscheinung in der Musiklandschaft. Ihre sphärischen, manchmal auch etwas abstrakten Breitwand-Britpop-Hymnen präsentieren sie seit einer Dekade auf konstant hohem Niveau und dabei irgendwie immer vertraut, wenngleich es immer auch irgendwie etwas anders klingt. Auch 'Kingdom of Rust' vermittelt von Beginn an dieses Gefühl, in der Musik und dem Sound zuhause zu sein, wenngleich Teile davon immer noch überraschen dürften. So gibt sich das Trio auf dem vierten Longplayer nach dem gradlinigen und reduzierten Vorgänger wieder etwas experimentierfreudiger. Bereits der Opener, das pulsierende 'Jetstream' nimmt einen mit auf eine spannende Reise und zeigt, dass die Band wieder mehr mit ihren Rave-Wurzeln liebäugelt. Doch eine Discoplatte ist 'Kingdom Of Rust' selbstverständlich nicht geworden. Denn schon der Titeltrack an zweiter Stelle drosselt das Tempo und präsentiert sich als traumhafte, große Popballade mit Ohrwurmqualitäten. Auch der Rest bietet wieder ein breites Spektrum. 'Winter Hill' ist ein qualitativ hochwertiger Formatradiosong im Stile von 'Snowden' oder 'Catch the Sun', während 'Spellbound' ausladend und das elektrische 'Compulsion' eher experimentell groovend daher kommt. 'The Outsider' baut ordentlich Druck auf, während 'Birds Flew Backwards' sogar etwas an seelige 'Lost Souls'-Zeiten erinnert. Und immer wieder ist es die warme Stimme von Jimi Goodwin, welche einen vertraut durch die Songstrukturen führt. Wie immer gibt es ein stimmliches Wechselspiel mit Zweitstimme Andy Williams, der seinen Job auch wieder hervorragend macht. Das Zusammenspiel beider Vokalisten ist seit jeher ein Markenzeichen der Band.
Und natürlich erreicht auch 'Kingdom Of Rust' nicht die Genialität ihres 2002er Meisterwerks 'The Last Broadcast', aber das entpuppt sich eh als unlösbare Aufgabe. Auch ohne die großen Hmynen beinhaltet das neue Doves-Album viel Spannung, da es viel Raum für Spannung lässt und sich nicht zwingend an klassische Songstrukturen hält. Dazu gibt es jede Menge zu entdecken' elektronische Kleinigkeiten hier, verzerrte Gitarren da, spannende Effekte, Klänge und Melodien, die sich einem halt nicht sofort erschließen. Es ist also wirklich alles beim Alten bei den Doves. Und diese Band stellt eine der wenigen Ausnahmen in der Musikwelt da, wo dies auch vollkommen in Ordnung geht, eben weil der Mut zum Risiko wohl schon zur bandinternen Philosophie gehört. Und wenn einen die Band mit dem traumhaften 'Lifelines' aus diesem Album entlässt, dann ist zumindest mir wieder einmal klar, dass ich wunderbare Musik anhören durfte. Ein Privileg, welches uns die Band hoffentlich auch noch in der Zukunft bescherren wird' auch wenn die Pause dann gern kürzer sein darf.


Vs.Satan
Vs.Satan
Preis: EUR 16,43

6 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen That Joke Isn't Funny Anymore, 26. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Vs.Satan (Audio CD)
Man kennt das ja. Manche Sachen kann man sich immer wieder anhören und anschauen und findet sie immer wieder witzig. Andere Witze verlieren ihre Wirkung mit den Jahren. Art Brut waren der personalisierte Witz der UK-New-Wave Welle vor 5 Jahren' und gehören leider zu der zweiten Gattung Witze. Als sie 2005 mit ihrem Debüt 'Bang Bang Rock & Roll' auftauchten, waren sie, wie all die Maximo Park's und Kaiser Chiefs des damaligen Jahrganges, sowieso frisch, brachten aber noch eine Prise Humor und Anarchie in diese Popwelle mit rein. Personalisiert wird dies alles durch Frontmann Eddie Argos, jenen schrägen Vogel, der mehr spricht, als singt (letzteres tut er ja bekanntlich furchtbar schief). Dazu wirkt er mit seinen pointierten Texten wie die witzige Ausgabe von Morrissey. Zumal einige Songs trotz allem offensichtlichem Schwachsinn auch manchmal immer etwas Ernsthaftes haben, einfach weil Argos über das Leben singt, wie es ist. Ohne Ironie. 'It's just him talking to the kids'' und für 3 Sommer und 2 Alben konnte man sich 'My Little Brother', 'Emily Kane' oder 'Direct Hit' nicht entziehen' zu witzig, zu eingängig, zu energiegeladen.
Daran hat sich 2009 auf dem dritten Album nix geändert. Das sagt schon der Titel. Und so ist auf 'Art Brut vs. Satan' alles beim alten. Die Begleitband schrammelt ihren Garagenrock immer noch recht unprofessionell in knappen Songs dahin. Und Eddie Argos? Der hat auch wieder Themen aller Art, über die er singen kann' seine Abneigung gegen professionellen Stadionrock ('Slap Dash For No Cash') und damit gleich die Erklärung für den Sound, seine Vorlieben ('DC Comics and Chocolate Milkshake'), die Vorteile von öffentlichen Verkehrsmitteln ('The Passengers') und auch sehr viel über seinen ausufernden Alkoholismus und dessen Folgen (z.B. in der ersten Single 'Alcoholics Unanimous'). Also alles beim Alten. Das Ganze ist witzig und pointiert und Argos wie immer die treibende Kraft hinter den Songs. Aber ansonsten? Ja, dennoch beschleicht einen beim dritten Album einfach das Gefühl, als hätte die Band ihrem bisherigen Schaffen nichts mehr hinzuzufügen. Die Musik ist die gleiche, wie vor 5 Jahren, neue Ideen gibt es überhaupt nicht und es wird klar, das Art Brut nur so lang funktionieren, wie Eddie Argos etwas zu erzählen hat. Und auch da wiederholen sich die Thematiken Popmusik, Nach-Trauern der Jugend und Alkohol langsam aber sicher. Wenn eine Band nichts mehr zu sagen hat, dann wird sie auch nicht mehr gehört.

Und wenn eine Band, wie Art Brut immer den gleichen Sound abliefert, dann zählen am Ende nur die Hits und da gibt's, vielleicht mit Ausnahme von 'Alcoholics Unanimous' oder 'Demons Out!' erschreckend wenig auf diesem Album. Die Hit-Qualitäten des Debüts oder auch stellenweise des Nachfolgers werden einfach nicht mehr erreicht und das ist das große Problem. Wenn eine Band nur auf einem Witz basiert, dann hat auch dieser nur eine gewisse Halbwertszeit. Aber ich denke, dessen sind sich die Art Bruts durchaus bewusst. Und solange sie Spaß dran haben und Leute das hören wollen sollen sie das auch machen. Aber Hören will man primär die großen Reißer von 'früher' (ein sehr relativer Begriff). Ansonsten ist dieses Album eigentlich im Großen und Ganzen überflüssig. Irgendwann ist halt alle zum Thema 'Bang Bang Rock and Roll' und alkoholisierten Hedonismus alles gesungen, oder vielmehr geschrieen wurden. Und ich kann Eddie Argos nicht mal sonderlich böse darauf sein, weil er halt so grundsympathisch ist. Und vielleicht sind Art Brut mit ein paar musikalischen Ideen ja auch im nächsten Jahrzehnt noch mal 'Top Of The Pops'! Die Zukunft von Art Brut ist leider so vernebelt, wie ein Morgen nach Argos' letztem Besäufnis.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 16, 2009 7:46 PM MEST


Yes
Yes
Preis: EUR 11,98

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der dritte Fühling, 21. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Yes (Audio CD)
Ach, wie schön wäre es gewesen, wenn das zehnte Studioalbum der Pet Shop Boys totaler Müll gewesen wäre' man hätte jede Kritik und jede Rezension mit einem klaren 'No' überschreiben können! Und die beiden hätten es sicher lustig gefunden. Ganz am Anfang machte sich da auch einige Skepsis bei mir breit. Vom kommerziellsten Album seit 'Very' war die Rede. Erfolg um jeden Preis, noch mal 'nen großen Wurf landen, notfalls auch mit dem Girls-Aloud/Sugababes-Produzententeam Xenomania. Das wirkte mehr, wie zwei Herren um die 50 in der Midlife-Crisis. Dann kam die Vorabsingle 'Love etc.' und die Zweifel waren weggewischt und angesichts des Endresultats möchte ich allen Zweiflern entgegen rufen: No, No No!
Gut, am Ende ist 'Yes' doch ein überschwängliches, kommerzielles, extrovertiertes Zuckerpop-Album geworden, das es in der Form und Konsequenz seit dem 1993er 'Very' nicht mehr gab. Und vielleicht auch aus diesem Grund ist es das beste Pet Shop Boys Album seit eben jenem Nr.-1-Album, welches dieses penetrante 'Go West' beinhaltete. 'Yes' ist genau das, was der Titel ankündigt. Euphorie-Pop, hoffnungslos Melodieverliebt, wie naiv und in seiner Konsequenz, Glätte und Eingängigkeit geradezu rebellisch. Und am Ende doch keinesfalls billig, musikalisch hochwertig und vor allem intelligent. Intelligenz und Tiefsinnigkeit, verpackt in scheinbar oberflächlichen Elektro-Pop! Dafür stehen die Pet Shop Boys seit einem Vierteljahrhundert' doch schon lange nicht mehr klang das so stimmungsvoll, treffend und perfekt, wie auf 'Yes', welches sich bereits jetzt für die besten Alben des Jahres qualifiziert hat.

Das Faszinierende und keinesfalls Selbstverständliche an 'Yes' ist die Tatsache, dass es nicht nur keine schwachen Songs gibt, sondern wie hoch die Hitdichte der vorhandenen Tracks am Ende ist. Die Single 'Love etc.' ist eh eine der besten der letzten Jahre und funktioniert als Opener und packende Hymne auf den Konsumverzicht (und das in Zeiten der Wirtschaftskrise) bestens. Und dann gleich im Anschluss mit 'All Over The World' einer dieser unverschämten Ohrwürmer, den so nur die Boys hinkriegen. Sollte das, wie bereits so halb beschlossen, Single werden, könnte den Boys dank Mitklatsch-Hip-Hop-Beat und Ohrwurm-Refrain noch mal ein richtig großer Wurf werden. Unwiderstehlicher geht's gar nicht. Auch bei 'Beautiful People' nicht, welcher zusammen mit Owen Pallett entstand, der vergangenes Jahr schon die Streicher für die Last Shadow Puppets arrangiert hatte. Und so klingt dieser Song auch ein wenig nach dem Alex Turner Seitenprojekt und den 60er Jahren. Und pausenlos geht's weiter. 'Did You See Me Coming?' ist Power-Disco-Gute-Laune-Pop, der direkt aus den 90ern stammen könnte und sich einmal mehr im Ohr festsetzt. 'Vulnerable', 'More Than A Dream', 'Building a Wall'' man kann das Album im Folgenden Song für Song durchgehen, ohne etwas Schlechtes zu sagen. Die Ballade 'King Of Rome' fungiert als Ruhepol, erinnert an 'Behaviour'-Zeiten und ist traumhaft, danach gibt man mit 'Pandemonium' noch mal Zunder, bevor eine bittersüße Liebesgeschichte in 'The Way It Used To Be' erzählt wird und das Album mit dem epischen Closer 'Legacy' zur Ruhe kommt. Was bleibt ist ein hervorragender Eindruck? Nach dem ersten Hören und sicher auch nach dem zwanzigsten. Neil Tennant und Chris Lowe praktizieren auf ihrem Album einmal mehr die Unwiderstehlichkeit ihres Pops. Intelligente Songs auf billigen Beats.

Damit untermauern sie ihren Status als Ausnahmeerscheinung der Popgeschichte, welcher ihnen in den letzten Jahren sicher etwas abhanden gekommen ist, trotz konsequent hoher Qualität ihrer Alben. Doch 'Yes' ist anders! Irgendwie fügen sich die Puzzelteile hier besser zusammen, als auf 'Fundamental' oder 'Release', irgendwie klingt es zeitgemäßer, vielleicht auch, weil die Zeit wieder reif für den Pop der Boys ist. Wenn Lady Gaga, die Killers, MGMT oder Lily Allen hemmungslos den elektronischen Glamour-Pop der 80er zelebrieren und damit bei Alt und Jung ankommen, dann können das Neil Tennant und Chris Lowe sowieso problemlos. Alterslos sind sie und ihre Musik sowieso. Vielleicht wird am Ende doch alles gut für die unterschätzteste Popband der letzten Jahre und sie werden endlich verstanden. Und wenn nicht, ist dies sicher auch in ihrem Interesse.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 14, 2012 10:16 AM CET


Ladyhawke
Ladyhawke
Preis: EUR 10,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Just like back in the days . . ., 14. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Ladyhawke (Audio CD)
Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben. In der musikalischen Resteverwertung und Retro-Spirale befinden wir uns in einer Art Zeitschleife. Denn nachdem der Indie/New-Wave-Post-Punk in den letzten Jahren zur genüge abgegrast wurde, bewegen wir uns nun schnurstracks durch die 80er. Egal ob MGMT, Ting Tings oder die Killers' die Welt ist wieder einmal bereit für Synthiespielereien, Saxophone, Chorgesang und Discobeats. Den großen Pomp-Pop jener Dekade. Immerhin sind die Schulterpolster und schlechten Frisuren diesmal nicht dabei.
Zur weiblichen Sperrspitze dieser Bewegung sollte eigentlich, wenn alles glatt geht, diese junge Dame werden. Phillipa Brown aka 'Ladyhawke' deren selbst betiteltes Debütalbum eine massive Ansammlung Retropopsongs ist mit gerade zu unverschämt hohem Eingängigkeitsfaktor. Down Under in Australien und Neuseeland, wo das Popsternchen herkommt, hat das Album schon Achtungserfolge gefeiert und im Hype-verwöhnten Großbritannien ist der Name auch schon einigen Leuten ein Begriff. Wird also nur ne Frage der Zeit sein, bis Ladyhawke auch hier durchstartet.

Die Argumente für den Erfolg gibt sie in musikalischer Form. 13 astreine Popsongs auf einem Album, keine Ausfälle, dafür eine fast schon beängstigend hohe Ansammlung an Hits, die problemlos in Indie-Disco und Formatradio laufen können. Einige ragen dann sogar noch raus. 'My Delerium' und 'Better Than Sunday' sind Superhits, genauso wie das bereits bekannte 'Paris Is Burning', der pulsierende Opener 'Magic' oder das schöne 'Crazy World'. Die Rezeptur ist bekannt' Drums mit Hall, extra breite Analog-Synthies, fette Bassläufe, Jingle-Jangle-Gitarren und eine Protagonistin, die ihre unwiderstehlichen Popmelodien mit voller Harmonie dahin schmettert. Wonach klingt das? Kim Wilde? Die 80er-Genesis? Auf jeden Fall nach dieser Art von Musik, die man von früher kennt. Ist das nun gut oder schlecht? Kommt drauf an, von welchem Standpunkt man das betrachtet. Innovationstechnisch und musikalisch ist hier nichts neu. Allein die Detailverliebtheit, mit welcher Ladyhawke den Sound jener Ära reproduziert verdient da Lob. Daran kann man sich stören, genauso wie an der Tatsache, dass das alles aalglatt ist. Aber so ist das Konzept und auf der Haben-Seite stehen 13 Songs, die eigentlich keinen größeren Ausfall zu verzeichnen haben. Und DAS ist das eigentlich Faszinierende an diesem Album' die hohe Hitdichte an eingängigen und packenden Popsongs. Das ist natürlich nicht neu, unglaublich spannend oder tiefgründig, aber unglaublich eingängig. Ich kann gar nicht mehr zu diesem Album sagen, als das. Bitte einfach anhören! Wer auch nur halbwegs ein Gespür für Popmusik hat, der darf dieses Album nicht übersehen.


No Line on the Horizon
No Line on the Horizon
Preis: EUR 9,98

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Entspann dich, Baby!, 26. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: No Line on the Horizon (Audio CD)
Die wichtigste Lektion, wenn es um U2 geht, ist es anscheinend, nicht auf U2 zu hören. All den Wirbel, den die Band selber um ihr neues Album gemacht hatten, lies nicht nur den geneigten Fan hellhörig werden' Da war von einer Neuerfindung die Rede, vom zweiten 'Achtung Baby', mehr Experimenten, Einflüsse von Trance und Hardrock nannte Bono in Interviews, während auch gern der Satz 'Das ist Rock'n Roll 2009!' benutzt wurde' 'Chinese Democracy' kann einpacken, hier kommen U2, der Silberstreif am Horizont der Rockmusik!
Man hätte sich eigentlich denken können, dass die Vorschusslorbeeren übertrieben waren, immerhin sagt Bono nach jedem Album der letzten Jahre immer wieder, dass man sofort Energie und Ideen für das nächste hat, nur um am Ende wieder vier Jahre zu warten. Na ja, im Alter werden Bands oft wunderlich. So ist 'No Line On The Horizon' natürlich nicht die Neuerfindung des Rock'n Roll und keine Revolution' Weit davon entfernt! Nein, es ist am Ende ein U2-Album geworden, welches man so von U2 nach 30 Jahren erwarten kann. Durchaus hochwertig mit vielen guten Ideen und handwerklichem Können, aber auch mit relativ wenig Überraschungen. Nach all den Ankündigungen ist das mit unter die größte Enttäuschung. Zumal 'Get On Your Boots' als Single Hoffnung regte, dass die Band noch hungrig nach neuen Zielen ist. Doch leider bleibt der sperrige, aber auch durchaus reizvolle Track die Ausnahme auf dem Album, sowohl was Schnelligkeit, als auch Experimentierfreude angeht. Das ist nicht nur falsche Werbung, sondern auch verschenktes Potential. Aber ich möchte ja nicht alles schlecht reden, denn unterm Strich ist 'No Line On The Horizion' ein sehr gutes U2-Album geworden. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Alles in allem wirkt die Platte wie eine kleine Quintessenz aus den vergangenen drei Dekaden der Band. Bei jeder Stelle vergleicht man, hört Bekanntest und interpretiert Selbstzitate. Zumal mit dem Produzententrio Lanois/ Eno und Lillywhite sowieso alte Mitstreiter gewählt wurden. Fehlt nur noch Flood! Der Titeltrack ist als Opener ein Einstieg nach Maasen, bevor man mit 'Magnificant' gleich noch eine so was von typische U2-Hymne nachfeuert, welche die 'Joshua Tree'-Fans befriedigen wird. In solchen Moment bekommt man noch mal Glanz in den Augen, wenn man U2 hört. Es folgt mit 'Moment Of Surrender' ein ruhiges, etwas gospel-artiges Stück in der Tradition von 'Stuck In A Moment' oder 'I Still Haven't Found'. Mit siebeneinhalb Minuten vielleicht etwas zu lang, genauso wie das anschließende 'Unknown Caller', welches aber einer der verborgenen Perlen der Platte ist. Hat durchaus Ohrwurmqualitäten. Die hat 'I'll Go Crazy If I Don't Go Crazy Tonight' anschließend sowieso. Das Teil ist als Single schon eingeplant und das merkt man ihm von der ersten Minute an... Es folgen das sperrige 'Boots', welches gerade im Kontext des harmlosen Albums etwas aus dem Kontext fällt, sowie 'Stand Up Comedy', welches wohl die Überbleibsel der Hard-Rock-Ansätze darstellen soll. Bleibt der schwächste Song des Albums. Danach wird's mit 'FEZ/ Being Born' deutlich besser. Das Brian-Eno-Intro dürfte all diejenigen erfreuen, die wie ich, auf mehr Experimente gehofft haben. Der Song als solcher gehört ebenfalls zu den besseren' Die wunderschöne Ballade 'White As Snow' gefällt ebenfalls, während 'Breathe' trotz netter Botschaft mit mehr als einem Bein in der Belanglosigkeit steht. Das Album schließt mit dem wundervoll ruhigen 'Cedars Of Lebanon', in welchem Bono auch textlich noch zeigt, dass er was drauf hat. Bleibt leider die Ausnahme, denn inhaltlich kommt man bei den meisten Tracks nicht um den Begriff 'Phrasendrescherei' herum. Als gesättigte Stadionrocker um die 50 wirken halt viele der revolutionären Ansätze eher fadenscheinig. Das ist kein Sozialneid, sondern der Lauf des Lebens.

Was bleibt nun von diesem Album? Geht's hinterm Horizont weiter oder nicht? Nun, es wird deutlich, dass U2 im Jahre 2009 immer noch U2 sind. Aus ihrer Haut wollen oder können die Herren nun mal nicht raus. So bleiben die Ansätze zur Sounderneuerung auf dem Album eher bescheiden. Allerdings stellt sich auch die Frage, ob die Band so was überhaupt noch nötig hat und braucht. Die Nachfolger, seien es Coldplay oder die Kings Of Leon haben ihnen eh den Rang abgelaufen. Rock'n Roll 2009 klingt definitiv anders. Etwas mehr Mut zur Veränderung und ein Ankämpfen gegen den eigenen Status als selbstgefällige Stadionrock-Gutsmenschen wäre schön gewesen, aber so bleibt alles beim Alten, obwohl viele gute Ansätze vorhanden sind. Alle U2-Fans, werden U2 auch nach diesem Album noch mögen, während alle U2-Hasser auch bei diesem Album wieder viele Argumente für ihre Fraktion finden werden. Dennoch sei gesagt: Es ist zwar einfach U2 zu hassen, aber es ist auch genauso leicht, sie zu mögen' 'No Line On The Horizon' ist kein zweites 'Achtung Baby' oder ein Meilenstein in der Rockgeschichte, aber es ist ein recht gutes Album geworden. Es stört irgendwie nicht' ob das gut oder schlecht ist, sei mal dahin gestellt. Aber vermutlich wird der Rock'n Roll ja auf dem nächsten Album neu erfunden, welches sicher bald kommen wird' Statements von Bono und Co. dazu stehen aber noch aus.


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