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Rezensionen verfasst von
Norman Fleischer "it's about progress" (Deutschland)
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   

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WhB
WhB
Wird angeboten von RFH Global
Preis: EUR 5,62

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Something to do . . ., 10. April 2010
Rezension bezieht sich auf: WhB (Audio CD)
Endlich kann ich auch mal ein wenig Hipster-mäßig Sätze á la 'Die Band kannte ich schon vor allen anderen' und so raus hauen' Gut, den Zenit ihrer Popularität hat das Londoner Trio We Have Band noch nicht erreicht, dennoch kann die Band mittlerweile eine gewisse Aufmerksamkeit seitens der Musikpresse für sich verbuchen. Verdient haben sie sich diese durchaus. Es war irgendwann im Sommer 2008 als mir ein Kurztrip in Englands Hauptstadt den Erstkontakt mit dieser Band bescherte. Irgendeine hippe Londoner Bar/ Kneipe/ Club/ Szenetreff hatte zum Bandabend geladen. Und während sich die Foals und Does If Offend You, Yeah? im Publikum die Hände reichten, gab es Beschallung durch Nachwuchsbands, die ja bekanntermaßen die statt überwuchern, wie Asbest alte Plattenbauten. Da war einiges aus dem Bereich 'nett' dabei, doch erst als relativ spät We Have Band auf die winzige Bühne stiegen, ihre Synthies anwarfen und zum munteren Tanz einluden, kam Leben in die Bude. Schnell standen die Leute und machten mit zu den zackigen Beats, deren ungeheure Treffsicherheit und Melodieverliebtheit bereits damals bei mir hängen blieb.

Ein wenig dauerte es dann noch, doch Stück für Stück kam die Karriere ins Rollen. Erste Eigenveröffentlichungen bspw. beim Kitsuné Label folgten und schnell hatte man nicht nur die Band, sondern auch ein paar Fans. Nun hat man dann sogar endlich das Album, zu dem ich jetzt nach der langen Vorgeschichte eigentlich kommen wollte. Das Debüt heißt schlicht 'WHB' und repräsentiert die Band und ihren Sound außerordentlich gut. Der schwankt irgendwo zwischen Indie-Rock und -Pop mit ein paar dicken Elektronikanleihen aus den guten alten 80ern. Groovig, verspielt und gern mal hypnotisch hymnisch, stellenweise auch irgendwie bewusst unfertig, hab ich manchmal das Gefühl. Also schwer einzuordnen, aber im Allgemeinen sehr ansteckend und von Kultproduzent Gareth Jones (ja, DER Gareth Jones) astrein auf Clubtauglichkeit und 'Retro' produziert. Während der Beginn des Albums mit dem Intro 'Piano' und dem anschließenden 'Buffet' noch relativ verhalten ausfällt, drückt man den Hörer ab der schnittigen Single 'Divisive' relativ direkt Richtung Tanzfläche. Die wummernden 80er-Bassläufe treffen auf das interessante Gesangsspiel von Darren, Thomas und Dede und laden zum Tanz ein. Generell ist das Wechselspiel zwischen diesen drei unterschiedlichen Stimmen einer der Motoren des WHB-Sounds. Man beschreitet den Gesang unterschiedlich, wechselt sich dabei ständig ab und bereichert alles mit ordentlich Backingvocals, was dem ganzen einen gewissen Drive gibt. Auch live bleibt man nicht immer stur an den Instrumenten hängen. Und so geht es munter weiter, mit dem eingängigen 'Love, What You're Doing?', sowie den sehr schmissigen Vorabsingles 'Oh!' oder 'Honeytrap'. Und 'Centerfolds & Empty Screens' ist wirklich ein richtig amtlicher Hit, der mir, ohne Scherz, bereits 2008 im Ohr hängen geblieben ist. Zum Ende hin drosselt man mit dem hypnotischen 'Hero Knows' wieder ein wenig das Tempo ohne dabei an Qualität einzubüßen. Diese kann man 'WHB' nämlich durchaus zuschreiben. Sonderlich innovativ ist das Ganze dennoch nicht, wenngleich einige Aspekte, wie bspw. der Wechselgesang zwischen den Protagonisten durchaus eine interessante Bereicherung zum bisherigen Spektrum an Retro-80s-Whatever-Bands sind. Und gelegentlich merkt man der Band halt auch an, dass ihre Musik lediglich ein gut durchdachtes Puzzle aus bereits altbekannten Versatzstücken ist und einige Songs, wie 'How To Make Friends' oder 'You Came Out' eher gute Ideen, als gute Popsongs sind. Ein wenig ist man wohl noch auf der Suche nach dem eigenen Sound und gelegentlich auch einer konsequenten Struktur. So ist 'WHB' eher eine Art Sammelsurium der letzten beiden Bandjahre. Dieses wirft aber, und das ist der Grund, warum diese Platte am Ende doch von Interesse ist, einige ordentliche Pophits ab. Diese funktionieren ohne Wenn und Aber auf den Tanzflächen der Indieclubs genauso wie im Hausgebrauch. So ist das Debütalbum von We Have Band sicher kein Meisterwerk geworden, aber eine kurzweilige Ansammlung von Popsongs. Ob ihre Sterne darüber hinaus in Zukunft noch etwas heller am Pophimmel strahlen werden, wird sich aber noch zeigen. Ich bleibe vorsichtshalber einfach mal weiter am Ball, nur um am Ende halt sagen zu können, ich hätte es ja sowieso gewusst ;-)


Ocean Eyes
Ocean Eyes
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 6,81

17 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zuckerschock, 1. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Ocean Eyes (Audio CD)
Adam Young ist vermutlich der netteste Mensch auf Erden. Er geht immer nur bei Grün über Ampeln, trinkt gern Brause, mag Käfer, rasiert sich jeden Tag und setzt sich gern mal auf den Balkon und entspannt bei einer schönen alten' sagen wir mal, Platte der Pet Shop Boys. Letzteres kann ich sogar gut nachvollziehen. Und er hat sicher ganz viele Freundinnen und so, aber in der Highschool war er stets der schüchterne, kleine Junge, der sich lieber zuhause vorm PC beschäftigt habt. Doch wie bereits Farin Urlaub es ankündigte, wollte sich auch Young eines Tages rächen und die Herzen aller Mädchen brechen. Vor meinem geistigen Auge spielt sich quasi der Film dazu ab. Jetzt ist Young Owl City und ein Popstar, den man einfach nur knuddeln möchte. So ist Amerika halt!

Nix da! Ich verweigere mich der plüschigen Kuschelrunde! Anfangs dachte ich ja auch noch, dieses 'Fireflies' ist ein ganz kurzweiliger Popsong. Irgendwie süß halt. Doch letztendlich ist es ja immer so, dass man sich bei übermäßigem Zuckerkonsum gern mal den Magen verdirbt. Und so fühlt es sich beim Anhören des Owl City Debüts 'Ocean Eyes' auch an' als ob man zuviel Zuckerwatte gegessen hat. Man wird einfach auf diesem Album von einer so überschwänglich harmoniesüchtigen Naivität, dass einem fast schlecht wird. In welchem Land, hinter welchem Regenbogen ist denn so was hörenswert? Ich kann es Mr. Young ja nicht mal übel nehmen, dass er so locker flockige Songs über Würmer und Vögel, sonnige Strandspaziergänge oder gar Zahnarzt besuche schreibt. In seiner grenzenlosen Verweigerung gegen alles Schlechte dieser Welt ist das ja schon fast konsequent durchgehalten. Trotz nettem Songwritings und unabstreitbaren kompositorischen Grundfähigkeiten ist 'Ocean Eyes' von einer dermaßen unberührenden Oberflächlichkeit überzogen, dass es, zumindest mich, richtig sauer macht. Adam Young's Bubblegumpop bewegt sich konsequent um den berühmten heißen Brei herum und weiß auch nicht richtig wohin er soll. Richtig schön, wenn eine Elektropop-Power-Nummer wie 'Umbrella Beach' mal ausbricht und Tanzstimmung verbreitet. Der Rest bleibt aber irgendwo im Midtempo-Bereich hängen und die Songs fangen schnell an, zu langweilen und sich auf erschreckende Art und Weise zu ähneln. Von der unnötig exzessiven Autotune-Benutzung mal ganz abgesehen. Oh, und diese ganze Postal-Service-Problematik dürfte ja mittlerweile auch hinlänglich bekannt sein.

Es ist toll, dass dieser Mann sich das alles selbst im heimischen Hobbyraum zusammengebastelt hat und auch zu dem steht, was er tut. Aber am Ende des Tages ist 'Ocean Eyes' einfach nur eine belanglose, oberflächliche Ansammlung naiver Popsongs, die auf Dauer einfach zu wenig Abwechslung und Spannung bieten. Vielleicht ist das nett für Frischverliebte, die auf Wolke 7 schweben, Menschen, die noch eine unaufregende Untermalung beim Bügeln suchen und Teenager, die sich nach Miley Cyrus mal mit 'echter' Musik versuchen wollen. Hat vermutlich auch alles seine Berechtigung, aber mich persönlich beschleicht beim Hören das permanente Gefühl der Überflüssigkeit. So nett der Adam auch sein mag . . .
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Tourist History
Tourist History
Wird angeboten von -uniqueplace-
Preis: EUR 13,75

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Forever Young!, 1. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Tourist History (Audio CD)
Drei junge Herren aus Großbritannien mit eingängigen und tanzbaren Indie-Poprock-Songs. Das ruft im Allgemeinen mittlerweile ja gern mal ein lautes Gähnen hervor, denn davon hatten wir ja bekanntermaßen in den letzten fünf Jahren mehr als genug. Gut, manchmal waren es auch vier Typen, selten fünf, aber die Röhrenhosen und Wuschelhaare gehörten dennoch zum Equipment dazu. Braucht man also im Jahr 2010 mehr davon? Eigentlich nicht mehr' und deshalb gingen mir auch Two Door Cinema Club ursprünglich mit ihrem locker-flockigen Melodie-Indie-Pop eigentlich ziemlich weit am Allerwertesten vorbei. 'Sollen sich mal die jungen Mädchen damit befassen' dacht ich mir so'

Das Ganze hat aber bekanntermaßen einen schönen Haken und das ist gleichzeitig das größte Kapital des Trios aus Nordirland: deren Debüt-Album 'Tourist History' ist leider eine fast schon zu perfekt funktionierende Hitmaschine, der man sich als halbwegs popinteressierter Mensch einfach schwer entziehen kann. Kaum eine Chance, dieses Album zu hassen. Zu viel Melodien, zu eingängig, zu schwungvoll. Das Urteil fällt eindeutig zugunsten der Angeklagten aus. Zehn Songs, zehn Volltreffer. Neben eingängigen Refrains, vielen 'Ohhs' und 'Uuhs' überzeugt auch die butterweiche Produktion, die wirklich jeden Ansatz von Ecken oder Kanten ausgemerzt hat. Dazu gibt's schöne Synthieflächen, die ewig jinglenden Indiegitarren und auch gern mal ein paar Cowbells zu den stampfenden Disco-Beats. Die Rezeptur ist bekannt' etwas Phoenix hier, eine Prise Friendly Fires da: das Hauptgericht wird sehr hittig serviert. 'Undercover Martyn', 'What You Want', 'Do You Want It All?' oder 'I Can Talk' lass ich da gern mal als Tipps herausstechen. Letztendlich kann man aber eigentlich jeden Song nehmen. Wie ein lauer Sommerabend oder, um mal metrologisch näher am 'jetzt' zu bleiben, gern auch ein heller Frühlingstag. Lebensbejahende, junge, schwungvolle Indie-Pop-Songs, die eben jene Art Leichtigkeit und Unbekümmertheit ausstrahlen, die man daran schon seit Jahren schätzt oder ggf. auch hasst. Keine der beiden Seiten wird durch dieses Album vom Gegenteil überzeugt werden. Und obwohl das alles halt nicht neu oder sonderlich originell ist, so haben des die drei Herren vom zweitürigen Kinoclub geschafft, eine erstaunliche Anzahl munterer, und durchaus kurzweiliger Popsongs zusammenzustellen, welche es sicher schafft für viele junge und jung gebliebene Menschen der passende Soundtrack zum Frühling und auch Sommer 2010 zu werden. Alles darüber hinaus muss auch nicht interessieren. Hier und jetzt ist 'Tourist History' absolut ausreichend und zufrieden stellend.


One Life Stand
One Life Stand
Preis: EUR 11,42

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Im eigenen Schatten, 3. Februar 2010
Rezension bezieht sich auf: One Life Stand (Audio CD)
Schafft man es eigentlich, eine Hot-Chip Rezension zu schreiben, ohne dabei das N-Word in den Wund zu nehmen? Nein, ich dieses N-Wort' Ich meine natürlich 'Nerd'. Hot Chip werden ja gern mal als solche bezeichnet und machen auch keine Anstalten, etwas dagegen zu unternehmen. Man frickelt stets an neuen Ideen, hat ein überdimensioniertes Wissen in Sachen Popmusik und Front-Softie Alexis Taylor pflegt sein Fabel für große Hornbrillen auch im Jahr 2010 immer noch einigermaßen. Die Frage ist natürlich, wo geht diese meist wegweisende Band in der neuen Dekade denn musikalisch hin? Die letzten Platten waren mit ihrem wilden Genre-Mix stets eine erfrischende Bereicherung in der bunten Musikwelt und zeigten, dass Experimentierfreudigkeit und eingängige Popsongs keinen Widerspruch darstellen müssen. Die Messlatte liegt nach dem 2008er 'Made In The Dark' jedenfalls hoch.

Und wieder schafft es die Band mit dem nun mehr vierten Album zu überraschen' wenngleich sie das auf andere Art und Weise tut, als man es erwartet. Denn stärker als je zuvor will das Kollektiv Hot Chip den Pop. Diese drei Buchstaben sind das Credo unter dem 'One Life Stand' steht. Der Lernprozess ist vorbei. Folgt also am Ende die Kür? Das neue Hot Chip Album ist das bisher eingängigste und melodieverliebteste Album der fünf Briten. Die Frage ist natürlich, inwieweit dies eine gute oder eher unvorteilhafte Entwicklung der Band ist. Auf der Haben-Seite stehen aber wieder einmal unverschämt eingängige Ordner. Der treibende Beginn mit 'Thieves In The Night' oder das Synthie-Streicher-verliebte 'I Feel Better'. Diesen Songs kann man sich nicht widersetzen, hier spielt die Band ihre Trümpfe aus. Nach dem netten, aber irgendwie etwas belanglosen Titeltrack wird dann erstmal das Tempo gedrosselt und die Herren Taylor und Goddard können ihrer Vorliebe für schmalzigen Soul frönen, wie sie es schon auf dem Vorgänger bestens gemacht haben. Hier geht dem Album aber etwas die Luft aus' prinzipiell sind Songs wie 'Brothers' oder 'Slush' okaye Songs, aber gerade letzteres ist viel zu lang und schafft es nicht, die Spannung durchgängig zu halten. Ein kleines, feines Juwel, wie 'Alley Cats' hingegen zeigt, dass die Band es neben all dem nerdigen Elektrogefitzel auch schafft, einen einfach nur mit traumhaften Melodien zu bewegen. Am Ende reißt man dann das Ruder noch etwas rum und gerade der luftig leichte Schlusspunkt 'Take It In' verdient noch einmal vollste Hingabe. Soweit so handelsüblich.

Das eigentliche Problem an der ganzen Sache ist aber irgendwie nicht, dass die Songs nicht unbedingt ausreichen, sondern es ist der eigene Schatten, welcher über der Band liegt. Ich meine lassen wir mal das relativ uninspirierte 2004er Debüt 'Coming On Strong' außen vor' aber 'The Warning' und 'Made In The Dark' waren einfach in vielen Bereichen aufregender, überraschender und auf eine positive und spannende Art und Weise gewöhnungsbedürftiger. Es fehlt 'One Life Stand' trotz ausgeprägtem Retropop- und Melodiegespür ein wenig die besondere Note, die Hot Chip immer anhaftete. Selber Schuld, wenn man die Messlatte so hoch legt, ihr Nerds. 'One Life Stand' ist also kein schlechtes Album, sondern sogar ein überdurchschnittlich gutes Popalbum. Und das muss man ja, angesichts des vielen Einheitsbreis in der bunten Welt der Popmusik immer noch betonen' dennoch fehlt da diesmal ein wenig dieses gewisse Etwas, wo ich als Hörer spontan 'Wow!' aufschreien würde. Gerade in den ruhigen Momenten sülzt man unnötig herum. 'One Life Stand' ist also weder Fisch, noch Fleisch, sondern einfach nur Pop' dafür aber von hoher Qualität. Für die Verbreiterung der Fanbasis könnte das aber von Vorteil sein. Und die Welt soll ja auch langsam mal raffen, wie gut diese Band ist. Beim nächsten mal von mir aus auch wieder mit mehr Mut zum Wagnis. Vielleicht sind Kontaktlinsen ja schon mal der erste Schritt.


Teen Dream
Teen Dream
Preis: EUR 16,67

18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Traum in Weich, 3. Februar 2010
Rezension bezieht sich auf: Teen Dream (Audio CD)
Als ich das erste Mal mit dem Bandnamen Beach House in Kontakt kam, nahm ich ganz assoziativ an, wir würden hier mit irgendwelcher Café del Mar-Lounge-Music beschallt werden. Weit gefehlt, wenngleich die wunderschöne Musik des amerikanischen Duos trotzdem zum Träumen und Entspannen einlädt. Per Zufall stieß ich auf die Gratis-Single 'Norway' und war sofort begeistert von der verträumten und gefühlvollen Atmosphäre, die dieses kleine Pop-Wunder ausstrahlte. Die weichen Soundflächen, die relaxte Melancholie und die wundervolle Stimme von Victoria Legrand, welche weit davon entfernt ist, wie die weibliche Konkurrenz zu klingen, sondern etwas sehr eigenes hat, vielleicht auch weil Legrand nicht versucht, wie ein süßes Zuckerpüppchen zu trällern, wenngleich es die Musik natürlich erlauben würde.

Das nunmehr dritte Album 'Teen Dream' schaffte es mich in seiner Gänze, genauso wie die Single zu fesseln. Lengrand und Bandkollege Alex Scally schaffen ein wunderbar stimmungsvolles Stück verträumten Indiepops. Verspieltes Piano, zirpende Gitarren und ein weicher Orgelklangteppich bilden zusammen mit Lengrands Stimme die Grundlage für zehn astreine Popsongs, die sich irgendwo zwischen klassischem Pop und Folklore bewegen und dabei eine ganz eigene Stimmung verbreiten. Das kann, um den Bogen zum Anfang spannen, auch gern genutzt werden, um den Sonnenuntergang am Strand zu genießen. Gleichzeitig kann diese Musik auch kalte Winterabende wärmen. Und zum Mitsingen lädt die Platte gelegentlich auch ein' Songs, wie 'Zebra' oder 'Lover Of Mine' sind bspw. so unscheinbare Hits, wogegen man sich in Songs wie 'Walk In The Park' einfach hineinfallen lassen möchte. Bewusste Drosselung des Tempos ist hier angesagt. Beach House verfolgen, insofern ich das als Quereinsteiger beurteilen kann, ihren bisherigen Stil weiter. Dadurch wird 'Teen Dream' natürlich etwas einseitig. Aus dem gewohnten Klangbild bricht nämlich keiner der Songs großartig heraus, alles wirkt wie ein melancholischer, aber schöner und in Watte verpackter Traum. Aber nur so funktioniert 'Teen Dream' am Ende auch, nämlich als in sich geschlossener, musikalischer Traum, den man nur hören und genießen sollte, wenn man bereit für diese Art von Musik ist. Darüber hinaus fehlt es dem Ganzen halt etwas an Abwechslung und neuen Impulsen, aber angesichts so schöner Musik frage ich mich einmal mehr, ob es so etwas überhaupt braucht. Für alle, die sich mal wieder für rund 48 Minuten in traumhafte, gut gemachte Musik fallen lassen wollen, ist 'Teen Dream' genau das Richtige. Und auch der Rest da draußen sollte reinhören und sich diesen kleinen akustischen Strandurlaub gönnen.


Contra
Contra
Preis: EUR 7,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gegen den Frost!, 12. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Contra (Audio CD)
Nichts mit Winterdepression bei Vampire Weekend! Ein wenig blöd ist die Veröffentlichung des Zweitwerks 'Contra' zeitlich schon gelegen, zählte das frische Debüt doch zu meinen persönlichen Sommerhighlights des Jahres 2008. Ein wunderbar leichtes Indie-Pop-Album, das leider ohne den Hype-Stempel 'Afro-Beat' nicht wirklich auskam. Änderte aber bekanntlich nichts an der Qualität. Und die hat das Quartett aus New York City auch auf dem Nachfolger beibehalten, wenn nicht sogar verbessert. Sämtlichen Vorurteilen der kalten Jahreszeit wird gleich von Beginn an entgegen gewirkt' bereits in den ersten Textzeilen von 'Horchata' wird beim Genuss von Erfrischungsgetränken im Dezember nichts Widersprüchliches gesehen. Und gleich im dritten Song 'Holiday' wird auf wundersame Leichtigkeit die Flucht in den Sonnenschein angepriesen. Nein, es besteht kein Zweifel darin' Vampire Weekend haben das leichte Leben und den Ideenreichtum auch auf 'Contra' gepachtet. Auch diesmal ist nach gut 36min wieder Schluss und alles erzählt, was man wissen sollte. Wieder zaubert die Bands wunderbare kleine, schrullige Popsongs aus dem Hut, die vom verrückten, sich stets wechselnden Rhythmus vorangetrieben werden und mit allerhand klangtechnischer Spielereien versehen sind. Da gibt es natürlich die lustigen Keyboard-Elemente, viele Streicher, Bongos, Percussions und wild aufspielendes Gitarrengezirpe. Und die Mehrstimmigkeit nicht vergessen. Ansonsten haspelt sich Frontmann Ezra Koenig wieder gewohnt durch zehn kurzweilige Popsongs mit dem allerhand witzigen Alltagsgeschehnissen. Seine Stimme wirkt dabei vielseitiger, als auf dem Debüt. Von 'ganz leise und sanft' auf 'Taxi Cab', über 'hoch und schrill' auf 'California English' (Auto-Tune-Verfremdung inklusive) bis hin zum eunuchenartigen Abschluss bei 'I Think U Are A Contra'' da hat jemand sein Handwerk perfektioniert. Gleiches gilt auch für Koenigs Bandkollegen.

Die selbst getroffene Aussage, dass 'Contra' wesentlich näher an dem sei, was Vampire Weekend eigentlich sind, wirkt nachvollziehbar. Denn anstatt hier nur eine Afro-Beat-Welle vorbeischwappen zu sehen, sollte man lieber eine Indie-Rock-Band erkennen, die sich nicht zu schade ist, die eigenen Grenzen des Genres zu sprengen. Und so können gradlinige Hits wie 'Run' oder 'Giving Up The Gun' hervorragend neben schrägen Ausbrüchen wie 'Cousins' bestehen, da die Band ihre verschiedenen Stilmittel stets wohl zu dosieren weiß. So wird 'Contra' zu keinem Zeitpunkt langweilig und schafft es am Ende mit 'Diplomat's Song' sogar eine 6-Minuten-Nummer unterzubringen, wenngleich es sich die Band auch hier nicht verkneifen kann, die Grundstimmung innerhalb des Songs mal kurz über den Haufen zu werfen. Nein, Langeweile sieht anders aus. Mit ihrem abwechslungsreichen Rhythmuskonzept, dem sture Gradlinigkeit nicht zur Befriedigung ausreicht, schafft es die Band auch 2010 immer noch so frisch und unbeholfen, wie auf dem Debüt zu klingen. Und den Fehler, dass man sich beim zweiten Album als Band immer gleich maßlos übernimmt hat man schon mal nicht gemacht, was ihnen sehr hoch anzurechnen ist. Also gibt es natürlich von mir ein absolutes 'Pro' in Sachen 'Contra'! Und jetzt Vorhänge zu, Heizung auf, Badeshorts an und dazu ein Schirmchengetränk im Wohnzimmer genießen! Man gönnt sich ja sonst nichts'


Vexations
Vexations
Preis: EUR 8,97

19 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Im Dickicht des Waldes, 12. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Vexations (Audio CD)
Zwar hat uns China mittlerweile als Exportweltmeister endgültig überholt, aber ein paar Dinge gibt es dann dennoch, auf die Germany zurückgreifen kann. Die guten deutschen Autos zum Beispiel' auch das gute Bier natürlich. Musikalisch' na ja, da hätten wir Tokio Hotel für die Teenies dieser Welt und Rammstein für' ja, für wen eigentlich? Mir fallen dann noch Scooter ein und die guten alten Kraftwerk, aber dann war's das auch. Der Indie-Rock-Sektor lässt zu wünschen übrig' nachdem The Notwist zusehens langweiliger werden, hält seit gut zwei Jahren ihr bayrischer Landmann Konstantin Gropper die nicht-unbedingt-schwarz/rot/goldene Fahne oben. Das Debüt 'Rest Now, Weary Head, You Will Get Well Soon' war ein anständiger Erfolg und eine der besten Platten, die dieses Land in den letzten Jahren hervorgebracht haben. Das hat dann auch das europäische Ausland mitbekommen. Und nachdem er mit Get Well Soon ausgiebig durch alle möglichen Lande tourte und mit dem Schreiben von Filmmusik beschäftigt war, hatte man gar nicht vermutet, das Gropper so fix den Nachfolger einspielt. Doch der Mann ist ein Arbeitstier, denn 'Vexations' wurde in Rekordzeit eingespielt und das Beste daran: man hört es dem Album nicht an!

Natürlich geht Gropper auf Nummer Sicher und lässt hier nichts anbrennen. 'Vexations' geht den Weg des Debüts weiter und folgt, getreu dem Intro 'Nausea' einem verwunschenen Pfad mitten hinein in eine kleine Fantasiewelt. In dieser entfaltet Gropper wieder einen hymnischen Indie-Pop, der voll Größe und Erhabenheit in der internationalen Liga spielt. Dabei schlägt er mit Get Well Soon deutlich düstere und melancholischere Klänge an, als noch auf Album Nummer Eins. Die Grundstimmung ist verzweifelter, in sich gekehrter und nachdenklicher. Sozusagen passt dieses Album noch besser als der Vorgänger in den verschneiten, düsteren Winter. Das Bild eines dunklen Waldes kommt einem in den Sinn, nicht nur wenn man das Video zur Single 'Angry Young Man' vor Augen hat. Dazu gibt es wie immer jede Menge Streicher, Bläser und bei 'A Burial At Sea' auch schon mal einen schicken Chor. Beerdigungspop mit hohem Unterhaltungswert. Dazu so unverschämt versteckte, aber doch offensichtliche Hits wie 'We Are Free' oder das bittersüße 'Werner Herzog Get Shot' (die Thematik 'Tod eines Volksschauspielers' wurde ja bisher auch eher ungenügend in der Popmusik verbraten)' und natürlich auch die tiefe Melancholie eines simplen Glanzlichtes wie 'That Love'. Und selbst wenn da am Ende des Waldes ein Licht ist' Gropper dreht sich einfach um und rennt noch mal in die andere Richtung. Das schöne an der ganzen Geschichte ist aber, das 'Vexations' jetzt keine Suizidstimmung verbreitet, sondern in seiner Zelebrierung der Melancholie gerade zu etwas Erhebendes hat. Wie der Vorgänger schafft es auch dieses Album, Trost und Wärme zu schenken, die einem durch all die Dunkelheit und Verzweiflung dieser Welt helfen kann. So hinterlässt der Abschluss 'We Are The Roman Empire' auch ein Gefühl der Hoffnung und Zuversicht beim Hörer. Produktionstechnisch legt 'Vexations' noch mal einen Grad zu gegenüber dem Debüt. Man merkt, dass Gropper das Werk diesmal nicht in mühsamer Einzelarbeit zusammen gefrickelt hat, sondern dass da eine ganze Riege fähiger Musiker am Werk war. Und so hält 'Vexations' das hohe Niveau des Vorgängers problemlos und bezaubert erneut mit wundervoll schwermütigen Klängen. Vielleicht hat dies nicht mehr den A-ha-Effekt des Debüts, aber daran sollte man sich eh nicht messen. Zwei Produkte, zweimal hervorragende Leistung' da soll die Autoindustrie mal schauen, ob sie hier nachziehen kann.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 26, 2011 1:24 AM CET


Acolyte
Acolyte
Preis: EUR 7,26

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hi-Energy, 7. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Acolyte (Audio CD)
Mad-, Mad-, Madchester! In regelmäßigen Abständen wirft die ehemalige Industriestadt Manchester im Norden Englands tolle, neue Bands in die Musiklandschaft, die es schaffen, mich immer wieder mitzureißen. Das fängt bei Joy Division und den Smiths an, hört bei Elbow oder den Doves noch lang nicht auf. Und nun, 2010, macht sich eine neue Band auf, mein Herz im Sturm zu erobern, denen man die Wurzeln ihrer Heimat natürlich deutlich anhört. Aber das ist ja, wie wir wissen, durchaus ein Qualitätsmerkmal. Bereits seit meinem ersten Kontakt mit dem Quartett, vergangenes Frühjahr als Support von Bloc Party, warte ich gespannt auf das jetzt erscheinende Debütalbum. Doch kann diese tolle Live-Band, die im Laufe der letzten drei Monate mit den tollen Singles 'Counterpoint', 'This Momentary' und 'Doubt' bereits für Aufregung sorgte, nun auch auf Albumlänge begeistern? Aber natürlich kann sie das! Das Werk mit dem kryptischen Namen 'Acolyte' ist ein elektrisierendes Stück Indietronic-Pop geworden, irgendwo zwischen New Order und vielleicht auch Underworld, wenngleich Delphic natürlich alles in allem songorientierter wirken, ohne dabei aber den Dancefloor zu vernachlässigen, denn den beherrscht man automatisch. Hauptsache die Beats sind Four-To-The-Floor und die Synthieflächen helfen, den Trancezustand zu verstärken. Und so sind die Sequenzer, Basslinien und Synthie-Einsprengsel in ständiger Bewegung um den Zuschauer mitzureißen. Allein der über 8minütige Titeltrack sollte da schon Beispiel genug sein. Ansonsten vermeldet man keine Ausfälle. Die trancigen Poptracks wie 'Red Light' oder 'Halcyon' ziehen einen mit treibenden, aber nie zu harten Beats und weitläufigen Synthieflächen in den Bann, so dass einem die Länge gar nicht mehr stört, da die Zeit davonfliegt. Dennoch verlässt man sich nicht nur auf die Rave-Elemente, sondern lässt auch Gitarrensprechen. Im dringlichen Opener 'Clarion Call' bspw. oder im entspannt groovigen 'Submission', dass ein wenig das Tempo rausnimmt. Und ein so traumhafter Abschlusspopsong wie 'Remain' gelingt auch nicht jedem. Man kann Delphic natürlich mangelnde Abwechslung vorwerfen, aber ich will da nicht päpstlicher als der Papst sein, denn mit seinem entspannten, aber dennoch druckvollen 90er-Trance-Elementen zieht mich die Band einfach magisch in ihren Bann. Produzent Ewan Pearson hat natürlich drauf geachtet, dass hier alles schön clubtauglich bleibt, wenngleich Delphic durchblicken lassen, dass sie, eben wie New Order auch gute Songs schreiben können. Wohin sich die Band dann in Zukunft hin bewegen wird, muss sich zeigen.

Bis dahin bleibt 'Acolyte' eines der spannendsten Debüts des noch jungen Jahres, so viel steht bereits fest. Eine wunderbar eingängige Platte, die auf wunderbar klare und mitreißende Atmosphäre Indierock mit clubbigen Elektroelementen verbindet, ohne sich dabei allzu sehr an den vielen anderen neuen, viel gehypten Elektro/Rock-Bands anzulehnen. Gerade die Orientierung an Acts wie den Chemical Brothers bspw. hebt Delphic ein wenig von all den 80er-Retro-Sachen momentan etwas ab. Gut, man kann sich jetzt streiten, inwieweit man ein 90er-Revival bereits jetzt benötigt. Gute Popsongs, die trotzdem Hands-Up-Rave sein können! Wenn Tony Wilson das noch erleben könnte . . .


In This Light and on This Evening
In This Light and on This Evening

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie ein dunkler Traum, 24. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: In This Light and on This Evening (Audio CD)
Ein wenig seltsam fühlt sich das dritte Editors-Album beim ersten Hören schon an. Denn bereits das Titelstück zu Beginn gibt den Weg vor. Eine treibende Sequenzer-Basslinie trifft auf Tom Smiths düstere Liebeserklärung gegenüber seiner Heimatstadt London, sowie auf breite Synthieflächen, die uns direkt in die 80er mitnehmen. Bereits der erste Song kreiert eine bedrohliche, aber durchaus vertraute Atmosphäre, die bestimmend ist für den Rest des Albums. Auch das kontrollierte Chaos am Ende von Track Nummer Eins beweist dies. Die Neuerfindung der Editors überrascht und zieht dabei aber gleichzeitig sofort in den Bann. Die Dunkelheit besiegt im Gegensatz zum Vorgänger 'An End Has A Start' diesmal das Licht und serviert uns auf 9 Songs ein Album voller großer Momente und traumhafter Songs' vorausgesetzt man hat Lust darauf, über die Dunkelheit zu träumen. Die Einflüsse von Depeche Mode, über New Order bis hin zum Blade-Runner-Soundtrack, wie die Band immer wieder im Vorfeld betonte, hört man an allen Ecken und Enden. Die Bassläufe sind düster, die Beats mechanisch präzise und kalt. Dazu singt Sänger Tom Smith mit düster-flehender Stimme von allerhand pessimistischen Thematiken. Im Prinzip klingen die Editors ganz neu, aber irgendwie auch doch nicht, denn die Songs sind so gut, wie eh und je und die Melodien sind da, entweder eindeutig, wie bei 'Papillon' oder 'Like Treasure' oder versteckt wie beim introvertierten 'The Big Exit.' Statt der üppigen Gitarrenwände bilden nun Synthesizer und Sampler den zentralen Kern des Sounds. Eine Veränderung, die durchaus Sinn macht. Zu sehr war das Quartett zuletzt von sich selbst genervt und so setzt man dem Trend Richtung Stadionrock, Coldplay und Formatradio eine erstaunliche Kompromisslosigkeit entgegen. Sicher, so sperrig ist es am Ende auch nicht, denn Songs wie 'Papillon' oder 'Eat Raw Meat = Blood Drool' bleiben einfach gute Popsongs mit tollen Melodien und spannenden Arrangements. Doch die Editors gehen nun einen neuen Weg, probieren sich in neuen Bereichen aus und fordern nun etwas Bereitschaft vom Hörer, sich auf die Reise einzulassen. Wenn man dies tut, dann nimmt einen 'In This Light And On This Evening' auf eine spannende Reise, hinein in die Dunkelheit und Melancholie. Somit untermauert diese Band ihren Status als eine der spannendsten und bewegensten Bands, die es in den letzten Jahren gab und bewegt sich weiterhin kontinuierlich nach oben auf der Erfolgskurve. Zum Glück schlagen sie dabei einen spannenden vielseitigeren Weg ein, als die Konkurrenz.


XX - Digipack
XX - Digipack
Preis: EUR 9,99

54 von 61 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dunkle Schönheit, 27. September 2009
Rezension bezieht sich auf: XX - Digipack (Audio CD)
Ich persönlich hab ja gern mal ein Problem, mich bestimmten Hypes in der Musikpresse anzuschließen. Außer Schall, Rauch und ein paar seltsamen Frisuren ist da oft nichts dahinter. Doch hier kommt mit The XX eine Band um die Ecke, welche ausnahmslos sämtliche Vorschusslorbeeren verdient hat und auf dem besten Wege ist, ganz unscheinbar das Überraschungsalbum des Musikjahres 2009 hervorzubringen.

Puristischer geht's dabei gar nicht. Kurzer Bandname, der gleichzeitig auch Albumname ist und natürlich ein Cover, welches lediglich von einem 'X' verziert wird. Wie bei der Schatzsuche markiert sozusagen das X die Stelle. Und wenn man nach dieser Musik gräbt entpuppt sich dieses Album als ein unglaublich minimalistischer, aber gerade dadurch unglaublich mitreißender Traum. Das Quartett aus London entfaltet eine düstere Schönheit mit den einfachsten Mitteln. 2 Gitarren, ein Bass und getriggerte Beats aus'm Drum-Computer sowie ein paar leichte Elektroversatzstücke reichen aus, kombiniert natürlich mit unglaublichen Hits, die eigentlich alles sein wollen, nur nicht eben solche. Es ist so, als ob die düstere Verzweiflung und Grundstimmung der frühen Cure und Joy Division eine erstaunliche Neuinterpretation erlebt, die in dieser Form im ausgehenden Jahrzehnt sicher wenigen Bands gelungen ist. Die Musik ist traurig, melancholisch, erlaubt sich aber immer wieder Momente der Hoffnung. Besonders wenn Romy Madley Croft mit ihrer wunderbaren Stimme das Mikro ergreift und damit einen fragilen Soul und eine ehrliche Wärme in die Musik bringt, wie man sie auf den ersten Blick nicht erwarten würde. Besonders im Wechselgesang mit Bandkollegen Oliver Sim macht dies unglaublich Spaß, denn er ist sozusagen das düstere Gegenstück zu seiner Mitstreiterin. So wirken die Songs manchmal fast wie Dialoge. Introvertierte Liebeslieder in düsteren Zeiten. Ideal für den Herbst, manche mögen auch schreiben für die Finanzkrise' das sollen aber andere entscheiden.

Dieses Album ist so unglaublich groß und wunderbar anzuhören, dass es einem fast die Tränen in die Augen treibt. Lange wurden Verzweiflung, Isolation und Dunkelheit nicht mehr so gut in Musik verpackt, wie hier. Besondere Songs zu nennen, die hier herausragen macht keinen Sinn. Sie tun es alle auf ihre eigene Art und Weise. Einfach die ersten 2,3 Songs anhören, um zu wissen, worauf man sich hier einlässt. Am Ende hinterlässt dieses fast 40minütige Werk bei mir ein so unglaublich gutes Gefühl, dass ich es ohne nachzufragen noch ein zweites Mal in den Player lege. Und das schaffen nur wenige Platten. 'The XX' ist ein ehrliches, emotionales und unglaublich gutes Album voll wunderbarer leiser Töne.
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