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Muschelkalk (Hamburg)

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Kains Erben: Historischer Roman
Kains Erben: Historischer Roman
von Charlotte Lyne
  Gebundene Ausgabe

12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von Amseln, Schafen und Eisbären, 7. Dezember 2012
Die britischen Inseln am Ende des 13. Jahrhunderts: Ganz England hört auf das Kommando von König Edward. Ganz England? Nein, im äußersten Süden, auf der Isle of Wight, herrscht die Gräfin Isabel de Fortibus auf ihrer mächtigen Burg Carisbrooke wie eine kleine Königin.
Zu ihren Untertanen gehört auch das Findelkind Amicia, ein Mädchen, das es eigentlich gar nicht gibt - zum einen, weil sie unter Mönchen aufwächst, zum anderen, weil sie ihr Gedächtnis verloren hat. Bis der König der streitbaren Gräfin seinen unsympathischen Steuereintreiber auf den Hals jagt und Amicia langsam herausfindet, dass sie doch eine Vergangenheit hat.

"Kains Erben" erzählt viele Geschichten: Erstens natürlich eine - sehr schöne - Liebesgeschichte, zweitens eine - wirklich schreckliche - Familiengeschichte, drittens die - wohl fast wahre - Geschichte einer unabhängigen Frau zu Zeiten, in denen Frauen selten unabhängig sein durften, viertens die - fast vergessene - Geschichte der Judenvertreibung aus England und fünftens die zahlreichen Geschichten größerer und kleinerer Nebenfiguren. Dementsprechend gibt es auch unterschiedliche Erzählperspektiven, die an jedem Kapitelanfang mit einer liebevollen Illustration eingeleitet werden. So steht die Silhouette einer Burg für Isabel, eine Amsel für Amicia und ein kleines Schäfchen für das etwas größere Schaf Magdalene, eine äußerst liebenswerte Nebendarstellerin.

Der Roman wirkt ein wenig milder als die Vorgänger Das Haus Gottes oder Glencoe: Historischer Roman: Die Ausdrucksweise ist seltener derb, die Figuren scheinen nicht ganz so wild entschlossen, unglücklich zu sein, die Liebesgeschichte nimmt einen sehr großen Raum ein - nur das Wetter und die Grundstimmung sind unverändert düster. Macht aber nichts, denn "Kains Erben" ist wie alle Romane von Charlotte Lyne in einer wunderschönen Sprache voller Bilder und Emotionen geschrieben, die eine ferne Zeit heraufbeschwört und alle Beteiligten in glaubwürdige Persönlichkeiten mit Tiefe und Charakter verwandelt. Selbst die Tatsache, dass Amsel Amicia mal wieder zum heilkundigen weiblichen historischen Romanpersonal gehört, nimmt man ohne Augenverdrehen zur Kenntnis - so gut ist das Buch geschrieben. Gegen Ende zieht es sich ein bisschen, Dramatik und Theatralik nehmen ein wenig überhand, aber das ist nicht wirklich störend.

Mein Fazit: Ein ungewöhnlicher, emotionaler und lesenswerter Schmöker. Die schöne Hardcover-Ausstattung mit Karten auf den Vorsatzblättern und den schon erwähnten Illustrationen vergrößert das Lesevergnügen. Ein Extra-Sternchen hat Charlotte Lyne übrigens verdient, weil sie ein Herz für Eisbären hat sowie äußerst vernünftige Ansichten darüber, was Tiere in Danksagungen zu suchen haben.


Downton Abbey - Series 3 [3 DVDs] [UK Import]
Downton Abbey - Series 3 [3 DVDs] [UK Import]
DVD ~ Hugh Bonneville
Wird angeboten von QualityMediaSuppliesLtd
Preis: EUR 14,49

58 von 65 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Coming Home..., 12. November 2012
... oder: Die große Maggie Show.

Frühjahr 1920: Der große Krieg ist endgültig abgehakt, die Bewohner von Downton Abbey wenden sich von der Weltgeschichte ab und der Zukunft zu. Matthew und Mary stehen nur noch einen halben Schritt vom Traualtar entfernt (aber sie wären nicht Matthew und Mary, wenn sie die Angelegenheit nicht noch einmal ordentlich kompliziert machen würden), Edith befindet sich nachwievor auf der Jagd nach dem idealen Ehemann, Lord Grantham kämpft mit den Folgen einer Fehlentscheidung, die die Existenz von ganz Downton in Frage stellt, und alle miteinander versuchen sich mit dem Mann anzufreunden, der nicht mehr "the chauffeur", sondern Sybils Gatte ist. Zwangsläufig erinnert man sich an die erste Staffel und Matthews gelegentliche Ausrutscher - putzige Kleinigkeiten im Vergleich zu dem, was die Crawleys mit einem irischen Sozialisten im Familienkreis erwartet. Wenn selbst die Drohung der Dowager Countess "Ich halte seine Hand auf die Heizung, bis er sich normal benimmt" wirkungslos verhallt, kann man sich auf einige interessante Dinnertisch-Szenen sowie reihenweise zu Berge stehende Augenbrauen seitens Mr Carsons freuen.

Downstairs dreht sich das Personal-Karussell weiter und sorgt dafür, dass Mama Hughes und Papa Carson nie wirklich zur Ruhe kommen. Die Bates-Saga will kein Ende finden, und die diversen neuen Mitarbeiter haben nichts besseres zu tun, als Foxtrott zu tanzen, ins Kino zu gehen und sich ineinander zu verlieben. Als Mrs Hughes dann auch noch den technischen Fortschritt in Form eines elektrischen Toasters anschleppt, ist klar, dass der Untergang des Britischen Empires unmittelbar bevorsteht - zumindest für Mr Carson.

Die dritte Staffel von Downton Abbey besticht wie immer durch ihre wunderbare Ausstattung und ihr einmal mehr durch die Bank großartiges Schauspielerensemble. Ja, Downton ist eine Seifenoper (allerdings eine äußerst luxuriöse), und so kann es nicht ausbleiben, dass der eine oder andere Handlungsstrang an Vorhersehbarkeit leidet, oder dass Verwandte und Bekannte, von denen man zwei Staffeln lang nie was gehört hat, urplötzlich hervorgezaubert werden. Aber es gibt auch wieder genügend Momente, die einen laut auflachen - oder noch lauter schluchzen - lassen, echte Downton-Momente, die kleine Durchhänger vergessen machen. Ein kleines Sonderlob geht an Mr Barrow, formerly known as Thomas, the evil footman, neuerdings Lord Granthams Kammerdiener, der sich nachwievor für schlauer hält, als er eigentlich ist und sich dieses Mal wider besseres Wissen den ganz falschen Gegner ausgesucht hat. Nicht gut für ihn, umso besser für den Zuschauer.

Der wahre Grund, aus dem auch die dritte Staffel ohne den geringsten Zweifel fünf Sterne verdient hat, ist allerdings eine altmodisch gekleidete Dame in den Siebzigern, die sich mit Hilfe eines Gehstocks fortbewegt: The Dowager Countess. Immer wieder ist sie es, die Downton - Familie, Haus und Serie - zusammenhält, und das nicht nur mit ihren legendären Einzeilern. Um das Duell Maggie Smith gegen Shirley MacLaine für sich zu entscheiden, muss sie sich nicht einmal aus dem Sessel erheben - das Zucken einer Augenbraue genügt völlig. In ihrer bewegendsten Szene sieht man sie übrigens nur von hinten, und in diesem Augenblick... nein, ich sage nichts, außer: Am besten gleich Tempo Taschentücher Klassik 56x10 Tücher, 56 Päckchen mitbestellen.

Downton Abbey 3 kommt inhaltlich nicht immer an das Niveau der ersten Staffel heran, ist aber nachwievor großartige Unterhaltung mit Suchtfaktor. Wer bereits beim Abspann Entzugserscheinungen spürt, sei getröstet - auch in diesem Jahr gibt es ein Christmas Special!

PS: Die dritte Staffel besteht aus drei DVDs mit acht Folgen zu etwa 45 Minuten, wobei die erste und letzte Folge jeweils etwas länger sind. Das Englisch ist wie immer gut zu verstehen, außerdem gibt es englische Untertitel. Als Extras werden diverse Berichte über die Dreharbeiten und den historischen Hintergrund geboten - entfallene Szenen gibt es nicht. Und der altgediente Downton-Freund wirft preistechnisch natürlich erst einmal einen Blick auf amazon UK.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 4, 2014 12:17 PM CET


Fifty Shades of Grey: Book One of the Fifty Shades Trilogy (Fifty Shades of Grey Series)
Fifty Shades of Grey: Book One of the Fifty Shades Trilogy (Fifty Shades of Grey Series)
von E L James
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,49

766 von 813 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sprachlos in Seattle, 30. Juni 2012
Zuallererst: Dass ich dieses Buch gekauft habe, beruht auf einem Missverständnis. Der angeblich vorhandene Internet-Hype ist völlig an mir vorbeigegangen, und als ich es in meiner Lieblingsbuchhandlung zwischen Cecelia Ahern und einer Biographie der Queen entdeckte, dachte ich etwas in der Form von "Prickelnde Sommerlektüre". Cecelia Ahern und die Queen - wer soll denn bei solcher Nachbarschaft etwas Böses ahnen?

Also lassen Sie sich von den vier Sternen neben der Überschrift nicht täuschen: Dies ist ohne den geringsten Zweifel die größte Katastrophe in Buchform, die mir je untergekommen ist. Leider weigert sich der Hausherr beharrlich, meine Ein-Sterne-Bewertung zu veröffentlichen. Weshalb ich beschlossen habe, es mal mit vier Sternen zu versuchen und dies zu begründen, indem ich die positiven Seiten des Buches suche. Positive Seiten? Ja, die gibt es. Unter Garantie. Die wenigsten Dinge sind nur schwarz oder nur weiß, sondern vielmehr Schattierungen von Grau.

Und damit wären wir schon bei einem echten Pluspunkt des Buches: Dem Titel. Ein Aufsehen erregender Titel ist ja schon mal die halbe Miete, und dieser hier hat mich von Anfang an begeistert. Damit kann man prima spielen! "Filthy Shades of Gruesome" - "Fifty Grunts of Shame" - "Five Hundred Pages of Great Rubbish" -Die Variationen sind endlos und die Phantasie freut sich. Dafür gibt es auf jeden Fall den ersten Stern.

Dann haben wir die beiden Hauptpersonen. Schön ist es ja, wenn man sich beim Lesen ganz neue, fremde Lebenswelten erschließen kann, und das ist hier definitiv der Fall. Zum einen haben wir da Ana, die Studentin, der in ihren einundzwanzig Lebensjahren noch kein Mann auch nur auf Kussentfernung nahe gekommen ist. Nein, sie ist in keiner fundamentalistischen Sekte oder dergleichen - der Richtige ist einfach noch nicht vorbeigekommen. Toll, dass es sowas heutzutage noch gibt! - Auf der anderen Seite steht Christian, der siebenundzwanzigjährigen Selfmade-Milliardär. Jawohl, Milliardär, nicht Millionär. Selfmade. Kritisch könnte man anmerken, dass nie erwähnt wird, wie er zu seiner Milliarden gekommen ist. Vielleicht mit seinem Äußeren. Denn abgesehen von seiner ganzen Kohle sieht er auch noch verdammt gut aus. Wie so ein Mann wohl lebt? Mit einem großen Herzen für die Armen dieser Welt. Und einer Folterkammer unter dem Dach, wegen seiner schweren Kindheit. Faszinierende psychologische Studie. Dafür gibt's einen zweiten Stern.

Als nächstes die Abteilung "Erzählstil". Hier wurde verschiedentlich angemerkt, der Schreibstil sei unter Schulaufsatz-Niveau. Dem kann ich nicht widersprechen. Andererseits: Ein aufmerksames Studium dieses Werkes spart den Kurs für "Kreatives Schreiben". Hier lernt man nämlich wirklich ALLES, was man tunlichst vermeiden sollte. Um nur ein Beispiel zu nennen: Ja, man KANN mit dem minimalen Aufwand von nur zwei unterschiedlichen Buchstaben in jeder Situation maximale Überraschung ausdrücken: "Wow". Aber man sollte das nicht auf fünfhundert Seiten vierhundertmal wiederholen. Merke: Auch der friedliebendste Leser wird irgendwann zum Rumpelstilzchen, wenn man ihn immer wieder mit grey eyes, sardonic smiles und Varianten von holy *** konfrontiert.

Was die... äh... hmm... Momente intimen Beisammenseins angeht: Auch das habe ich aus diesem Buch gelernt - nämlich wie man vermeintlich prickelnd-romantische Szenen so beschreibt, dass sie sich wie Anweisungen zu unbequemen, unappetitlichen und vermutlich äußerst schmerzhaften Gymnastikübungen lesen. Dieser - sehr umfassende - Teil der Handlung findet seinen fesselnden Höhepunkt in der Aussage: "He's my very own Christian-Grey-flavored popsicle." In welchem Zusammenhang dieser Satz fällt überlasse ich jedermanns Fantasie - für den bei mir hervorgerufenen Lachanfall vergebe ich aber gerne den dritten Stern.

Den vierten Stern bekommt dieses Buch für seine versöhnende Wirkung. Ja, es hat mich versöhnt. Nämlich mit der Twilight-Saga. Hätte ich die Verbindung "Handlungsort Seattle - liegt im Staat Washington - dort gibt es Vampire - oh Gott, das ist Fanfiction" früher gemacht, hätte ich dieses Buch nicht gekauft. So jedoch hat es mir die vollkommen unerwartete Erkenntnis beschert: Bella Swan ist gar nicht so dusselig, wie ich immer dachte, und jeder Glitzervampir ist glaubwürdiger als ein siebenundzwanzigjähriger Selfmade-Milliardär mit sardonischem Lächeln und schwerer Kindheit. Danke, E. L. James! - Und ein Kompliment: Wenn man es schafft, mit einer Kombination aus Handlungsarmut und schlechtem Stil einen zehnmillionenfachen Bestseller herzustellen, dann hat man zwar immer noch kein Talent zum Schreiben, wohl aber eines für gutes Marketing.

Bleibt zum Abschluss zu hoffen, dass die Dame vor dem Verfassen weiterer schriftstellerischer Werke einen Grundkurs für kreatives Schreiben absolviert und sich ein Textverarbeitungsprogramm zulegt, das Wortwiederholungen mit einem akustischen Alarmzeichen hervorhebt. Geld genug hat sie ja jetzt.
Kommentar Kommentare (69) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 20, 2015 11:33 AM CET


Die Wildrose: Roman (Rosen-Trilogie, Band 3)
Die Wildrose: Roman (Rosen-Trilogie, Band 3)
von Jennifer Donnelly
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,99

110 von 117 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!, 9. Mai 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der kleine Junge ist groß geworden: Seamie Finnegan, der in Die Teerose noch unter den Röcken seiner Schwester Verstecken spielen durfte und in Die Winterrose: Roman die wildesten Abenteuer bestand, ist endgültig erwachsen geworden. Als anerkannter Polarforscher fehlt ihm zu seinem Glück nur noch eines, nämlich eine Frau. Da er seine große Liebe Willa Alden schon vor Jahren verloren hat, entscheidet er sich für die Pfarrerstochter Jennie. Klar, dass die Sache nicht gutgehen kann - erstens weil Jennie dubiose Kontakte pflegt, zweitens weil gerade der erste Weltkrieg ausbricht, und drittens weil Willa bald nicht nur in Seamies Gedanken, sondern ganz real wieder in seinem Leben auftaucht.

In ihrem letzten Teil der "Rosen-Trilogie" spannt Jennifer Donnelly einen weiten Bogen, der in den Eisfeldern des Mount Everest beginnt und über die arabische Wüste nach London führt. Entsprechend vielfältig sind ihre Themen: Spionage, arabischer Unabhängigkeitskampf, Drogensucht, Kriegstrauma, der Kampf ums Frauenwahlrecht, Londoner Verbrecherbanden - und die Finnegans-Bristows-Baxters immer mittendrin beziehungsweise: Auf der richtigen Seite. Die junge Katie Bristow betätigt sich bereits im zarten Alter von fünfzehn Jahren als Journalistin, ihr Papa will natürlich den unvermeidbaren Krieg vermeiden, und ihre Tante, die Ärztin, hat praktischerweise gerade ein Anwesen übrig, das sich in ein Hospital umwandeln lässt. Diese Leute sind alle miteinander sowas von anständig und tapfer - man entwickelt zwangsläufig den guten Vorsatz, der nächsten verfügbaren alten Dame über die Straße zu helfen.

Die einzige, die nicht dem versammelten Gutmenschentum anhängt, ist die schwierige Anti-Heldin Willa. Willa hat eine Bein-Prothese und ein gebrochenes Herz, und sie versucht beides zu vergessen, indem sie sich in die wildesten Abenteuer stürzt. Sie rennt, sie springt, sie klettert bis zu dem Punkt, an dem auch die Autorin die Prothese vergessen hat und anmerkt, dass einer von Willas Füßen schmutzig ist. Willa ist ein interessanter und ungewöhnlicher Charakter, aber die erzählerischen Möglichkeiten, die so eine Persönlichkeit bietet, bleiben meist ungenutzt. Die Auseinandersetzung mit ihrer Behinderung bleibt letztendlich oberflächlich, auch die Schmerzmittel, von denen sie abhängig wird, haben mehr etwas mit ihrem gebrochenem Herzen als mit dem verlorenen Bein zu tun. Und so dürfen wir dann doch glauben, dass Willa Alden den Mount Everest kartographiert, die Wüstenkämpfe im ersten Weltkrieg per Filmkamera festgehalten und Lawrence of Arabia das Leben gerettet hat - ein ganz normales Romanhelden-Dasein halt, in diesem Fall hin und wieder begleitet von Phantomschmerz.

Erzählt wird die Geschichte in gewohnt flottem Stil, der stellenweise etwas zu modern wirkt - aber das mag auch an der Übersetzung liegen und fällt nicht weiter ins Gewicht. Der Humor und die Wärme, die die beiden ersten Bücher so ausgezeichnet haben, bleiben allerdings häufig auf der Strecke. Selbst India, die in der Winterrose mit Vorträgen über den Nährwert von Porridge und Broccoli selbst die fiesesten Verbrecher an die Wand quatschen konnte, wirkt handzahm.

Schwierig fand ich die Rolle einer Hauptperson namens "Zufall". Zufall spielt auch in den ersten beiden Romanen eine nicht geringe Rolle, aber in diesem dritten Teil wird sein Part noch weiter ausgebaut. Zufall sorgt immer wieder dafür, dass die richtigen Leute zur richtigen Zeit an den unglaublichsten Orten aufeinander treffen. Zufall ist auch für (wenn ich richtig gezählt habe) nicht weniger als vier Auferstehungen von den Toten verantwortlich. Zufall im Übermaß sorgt leider dafür, dass die Handlung schlecht konstruiert wirkt, weshalb mir die letzte dramatische Wendung dann nicht mehr dramatisch, sondern seit hundert Seiten vorhersehbar erschien.

"Die Wildrose" ist ein Unterhaltungsroman, und unterhalten hat er mich, wenn auch nicht so gut wie seine beiden Vorgänger. Am Strand unterm Sonnenschirm, auf einer langen Bahnfahrt, erkältet im Bett ist das Buch bestens zu lesen. Als Abschluss einer Trilogie, die mich in den ersten beiden Teilen begeistert hat, ist es eine klitzekleine Enttäuschung.

PS: Machen Sie sich nach der Lektüre bitte kein schlechtes Gewissen, weil Sie weder den Kampf ums Frauenwahlrecht noch den arabischen Freiheitskampf unterstützt und weder den Mount Everest noch den Südpol erforscht haben. Bleiben Sie lieber ein Held des Alltags und helfen Sie einer alten Dame über die Straße.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 20, 2014 8:35 PM MEST


Der Beobachter
Der Beobachter
von Charlotte Link
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Starker Start mit schwachem Finish, 9. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Beobachter (Taschenbuch)
Eine heulende Frau auf einer Hotel-Toilette. Eine alleinstehende Rentnerin in einem anonymen Hochhaus. Ein perfektes Kleinstadt-Familienidyll mit unsichtbaren Rissen. Ein Arbeitsloser, der sich in das Leben anderer Leute hineinträumt. Eine alte Frau in einem großen Haus mitten im Wald.

Dies sind die Zutaten für den "Beobachter": Mehrere verschiedene Handlungsstränge, die auf den ersten Blick überhaupt nichts miteinander zu tun haben und doch auf gemeinsamen Nenner hinauslaufen: Einsamkeit. Einsam ist so ziemlich jeder der Protagonisten, wenn auch auf unterschiedliche Art. Die eine hat sich der Tochter entfremdet, der andere ist schüchtern, der nächste inszeniert sich gerne als "einsamer Wolf", und die furchtbarste Variante ist die der Einsamkeit in der eigenen Familie. Nebenbei haben wir auch noch den Jahrhundertwinter 2009/2010, es ist bitterkalt und selbst in Süd-England ständig verschneit. Warm um's Herz wird einem da wirklich nicht so schnell.

Die unterschiedlichen Erzählstränge am Anfang wirken auf den ersten Blick verwirrend, laufen aber jeder für sich auf einen Cliffhanger hinaus, bei dem ein simpler Schluss-Satz für Gänsehaut sorgt. Das erinnert an den besten Stellen an Elizabeth George und ist absolut spannungsfördernd. Schließlich finden die Handlungsstränge im perfekten Zuhause der Familie Ward zusammen, und die Erzähl-Perspektiven schränken sich auf Gillian Ward, den einsamen Wolf John Burton und den Beobachter Samson ein. Das ist immer noch oft genug haarsträubend spannend, aber nur bis etwa hundertfünfzig Seiten vor Schluss - dann steht der Täter fest, sitzt jedoch noch nicht hinter Schloss und Riegel, und die übrigen Beteiligten verfallen in so irrationale Verhaltensweisen, dass sich dem Leser abermals die Haare sträuben. Stellen Sie sich vor, Sie hätten starken Grund zu der Annahme, dass sich in einem menschenleeren, eingeschneiten Gebiet ein Mörder aufhält. Was würden Sie tun? Die Polizei informieren, damit ein Großaufgebot die Gegend durchkämmt? Oder die Polizei nicht informieren, sondern auf eigene Faust mit dem eigenen Wagen (und vermutlich ohne Schneeketten) hineinfahren? - Dies nur als ein Beispiel für diverse Logiklöcher, die sich im letzten Viertel des Romans ausbreiten.

Dreieinhalb Sterne für einen starken Start mit schwachem Ende. Und zuletzt noch die Anmerkung, dass Charlotte Links England nicht immer sehr englisch wirkt und es der Spannung keinen Abbruch getan hätte, hätte sie ihre Geschichte zwischen Hamburg und Schwarzwald angesiedelt. Da war's im Winter 2009/2010 ähnlich verschneit.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 25, 2012 6:17 PM MEST


Pflicht und Verlangen: Roman (EDITION CARAT)
Pflicht und Verlangen: Roman (EDITION CARAT)
von Eva-Ruth Landys
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Anspruch und Wirklichkeit, 9. April 2012
Ehrlich gesagt: Titel und Cover ließen mich zunächst vermuten, dass es sich um die Art Roman handelt, bei dem die Heldin hauptsächlich die Pflicht hat, sich die Kleider vom Leib zu reißen, um ihrem Verlangen nachzugehen. Im Klappentext stand allerdings etwas von "in der Tradition von Jane Austen", und die Geschichte klang auch angenehm ungewöhnlich und vielversprechend: Miss Charlotte Brandon, mittellose Waise mit unfreundlicher Verwandtschaft, bildungshungrig und aufgeschlossen, verliebt sich in einen verheirateten Mann. Das ist zu Zeiten, in denen eine Scheidung dem gesellschaftlichen Selbstmord gleichkommt, keine gute Idee. Überdies sitzt Miss Brandon noch eine gräßliche Tante im Nacken, die sie schnellstmöglich mit the right honourable Gaylord Terency verehelichen will. Der allerdings entpuppt sich als weit weniger ehrenwert als sein Titel vermuten lässt.

In Teilen entwickelt sich daraus tatsächlich die berührende Liebesgeschichte, die der Klappentext verspricht. Dies gilt insbesondere für Captain Battingfield, der in der intelligenten Miss Brandon so offensichtlich eine Seelenverwandte findet und doch in der Ehe mit einem blonden Dummchen gefangen bleibt. Immer wieder deutlich wird auch der Irrsinn einer kaum durchlässigen Klassengesellschaft, in der frau ausschließlich durch Ehemann und Herkunft zu Ansehen kommen kann - ein frustrierender Zustand für die gebildete, selbständige Miss Brandon und eine nachdenklich stimmende Tatsache für die heutige Leserin.
Zu überschäumender Begeisterung hat mich das Buch trotzdem nicht gebracht. Die Charaktere sind teilweise entsetzlich eindimensional. Miss Brandon ist gebildet, schön, hat ein Herz für die sozial Benachteiligten dieser Welt und hält Gute und Böse mit traumwandlerischer Sicherheit auseinander. Für den Fall, dass wir vergessen sollten, wie schlau und schön sie ist, wird dies alle paar Seiten wiederholt. Die überflüssige Ehefrau ist, wie erwähnt, blond und dumm, die gräßliche Tante ist gräßlich, die versnobte Schwiegermutter versnobt, der Bösewicht ist böse, die Guten sind gut - und so weiter und so fort.

Was den Schreibstil angeht lasse ich am besten Miss Brandon persönlich zu Wort kommen: "(...). Tatsächlich bat ich heute Mittag Betty, die Zofe meiner Tante, nach eben diesem Vorbild mein Haar zu richten. Wie Sie wissen, gefällt man sich derzeit darin, in der Mode nach antikem Vorbild zu streben, aber Sie dürfen mir glauben, dass mich manchmal das seltsame Bemühen meiner Geschlechtsgenossinnen, dieses Vorbild mit Federn, Spitzen, Bändern und allerlei Tand zu ,verschönern`, recht befremdet. Als mein Vater vor mehr als zwanzig Jahren mit seiner Forschung begann, interessierten sich nur wenige für dieses Sujet. Nun ist es geradezu en vogue, nach antiken Vorbildern zu streben und sich mit den Schätzen der Vergangenheit zu schmücken. Aber die Beschäftigung damit scheint mir bedauerlicherweise nicht von wirklichem Interesse für das Thema beseelt zu sein. (...)."
Falls Sie meinen, dass ich mit Absicht das schlimmste Beispiel herausgesucht habe, muss ich energisch den Kopf schütteln. Miss Brandon spricht immer so. Und nie unter einer halben Seite.

Scherenschnittartige Personen und geschwurbelte Sprache hätte ich noch locker mit einer Tasse Tee hinuntergespült. Allerdings tauchten zwei weitere Schwierigkeiten auf: "In der Tradition von Jane Austen" steht es wohl kaum, wenn Miss Brandon nur begleitet von zwei Herren eine Nacht in einem einsamen Gebäude fern von Zuhause verbringt, wenn Captain Battingfield sein intimes Eheleben vor Bruder UND Schwägerin ausbreitet und eine Dame von vornehmster Geburt ihren Zustand guter Hoffnung mit den Worten "Ich bin schwanger" am Frühstückstisch propagiert. Dann war da noch die Sache mit den Titeln. Weiß der Himmel, weshalb ein braver Sir Alistair mal zu Mr Millford, mal zu Lord Millford mutiert*, oder warum die Gattin des Earl of Mornington nicht Lady Mornington, sondern Lady Wellesley heißt**. Ganz zu schweigen von dem ständig als the right honourable Gaylord Terency*** betitelten Schurken.

Kurz: Ein schneller Klick auf die englische Wikipedia-Seite kann erhellender sein als vierzig Fußnoten. Denn bevor Sie jetzt herummäkeln, dass ich es mit der historischen Akkuratesse gerade etwas übertreibe - ich würde nicht halb so viel Theater darum machen, würde die Autorin nicht erfolgreich den Eindruck besonders ausführlicher Recherche erwecken. Zwanzig Seiten Anhang und Fußnoten über die Hauptmonde des Jupiter und den Ursprung des arianischen Streites im vierten nachchristlichen Jahrhundert sind eine beeindruckende Sache. Aber dann sollten auch die englischen Basics stimmen.

Der Klappentext verspricht: "Ein berührender Liebesroman in der Tradition von Jane Austen, jedoch schneller, spannender, emanzipierter." Ein berührender Liebesroman, dem stimme ich zu. Allerdings weder sprachlich noch inhaltlich in der Tradition einer witzigen, spritzigen, ironischen, intelligenten, eleganten Jane Austen. Und daher nicht schneller, sondern langsamer, ab einem bestimmten Punkt vorhersehbar und zuweilen entsetzlich wichtigtuerisch.

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* "A baronet is referred to and addressed as, for example, "Sir <Joseph>" (using his forename)." (Quelle: Wikipedia)

** "An earl has the title Earl of [X] when the title originates from a placename, or Earl [X] when the title comes from a surname. In either case, he is referred to as Lord [X], and his wife as Lady [X]."
(Quelle: Wikipedia)

*** "As with dukes, all sons of a marquess have the courtesy style of "the Honourable Lord Forename [Surname]" and all daughters have the courtesy style of "the Honourable Lady Forename [Surname]"
(Quelle: Wikipedia)
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 2, 2012 8:15 PM MEST


Glencoe
Glencoe
von Charlotte Lyne
  Gebundene Ausgabe

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Jenseits von Highland-Kitsch, 20. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Glencoe (Gebundene Ausgabe)
Jeder, der einmal an einem Schottland-Reiseführer vorbeigekommen ist, kennt die Geschichte: Im Winter 1692 verrieten Soldaten vom Clan Campbell das heilige Gastrecht der Highlands, mordeten Angehörige vom Clan MacDonald of Glencoe und trieben die Überlebenden in den eisigen Schnee.

Charlotte Lyne erzählt die Hintergründe, die zu dem Massaker führten, in drei Handlungssträngen: Zum einen aus Sicht von Mary, der überforderten Königin von England und Schottland, die sich lieber mit der Einrichtung ihres nagelneuen Kensington Palace beschäftigen möchte als mit irgendwelchen furchteinflößenden Wilden im schottischen Hochland. Zum anderen aus den Augen von Robert Campbell of Glenlyon, einem oft betrunkenen und stets in Geldnöten steckenden Schwächling, der die Leute von Glencoe für sein Unglück verantwortlich macht und am Ende derjenige sein wird, der das Schwert gegen sie zieht. Die Haupthandlung dreht sich aber um die Familie des Häuptlings von Glencoe, insbesondere um seinen etwas wunderlichen Sohn Sandy Og und dessen Frau Sarah, die trotz aller Liebe zueinander ein grundlegendes Kommunikationsproblem haben.

Bei Charlotte Lyne kann man sich auf drei Dinge verlassen: Sperrige, vielschichtige Charaktere, kräftige, bildreiche, oft poetische Sprache und ein harter, realistischer Blick auf die Geschichte. Rothaarige Hebammen-Heilerinnen und ähnliches in "historischen" Romanen verbreitetes Volk sucht man bei ihr angenehmerweise vergeblich. Was man statt dessen erwarten darf, ist eine packende Erzählung jenseits von Highland-Kitsch und Kilt-Romantik.

Wirklich gut gefallen haben mir die Beschreibungen der Landschaft und des kargen, schweren Alltags im Hochland: Die Kriegszüge der Männer, die sich einer sinnlosen Schlacht nach der anderen stellen müssen, und die Stärke der Frauen, die die tägliche Last des Lebens in Glencoe allein zu tragen haben. Die Highlander sind stolz und ihren Traditionen verpflichtet, und die Engländer sind genervt und wollen endlich Ruhe da oben haben - mit allen Mitteln.
Eines haben dabei alle Protagonisten gemeinsam: Sie sind unglücklich. Mary ist unglücklich, weil sie alleine in Kensington Palace hockt. Rob Campbell ist unglücklich, weil in seinem Leben alles schief gegangen ist, was schief gehen kann. Sandy Og und Sarah sind unglücklich, weil... und da beginnt das Problem. Die anrührende Liebesgeschichte, die der Klappentext mir verkaufen will, zieht die erste Hälfte des Romans mächtig in die Länge, ohne dass man wirklich verstehen würde, weshalb. Weshalb sprechen Sandy Og und Sarah nicht einfach mal miteinander? Weshalb reden sie nur in ihren Gedanken miteinander? Und auch dann ständig aneinander vorbei? Und kaum, dass Sarah doch mal den Mund aufmacht und Sandy Og ihrer Aufforderung "Mach mir ein Kind" nachkommt, verfallen die beiden wieder in... Schweigen. Verfluchter Teufelskuss, um den Häuptling von Glencoe zu zitieren, das war mir irgendwann einfach zu viel. Zu viel Leiden, zu viel Unglück. Zu viel Dramatik, zu viel Schweres auf den Protagonisten-Seelen. Zu viel gedanklicher Monolog, zu viel unheilvolles Familiengeheimnis. Und irgendwann dann auch zu viel Verfluchter-Teufelskuss-Mach-mir-ein-Kind-Sprache.

Fazit: Ich gebe zu Protokoll, dass Charlotte Lyne eine ungewöhnliche und bemerkenswerte Autorin in der überfüllten Landschaft des historischen Romans ist, und ich kann verstehen, dass ihre Art Geschichten zu erzählen viele Leser begeistert und fasziniert - bei Das Haus Gottes ging es mir nicht anders. "Glencoe" bietet einen ungewöhnlichen und glaubwürdigen Einblick in eine untergegangene Welt. Die schöne Aufmachung mit Landkarte auf den Vorsatzblättern und das interessante Glossar ergänzen die Lektüre. Dennoch fiel es mir schwer, einen Zugang zu dem Buch finden. Das Gefühl, selbst in ein tiefes schwarzes Tal hineingezogen zu werden, wurde mit jeder Seite stärker. Am Ende stand eine Erkenntnis, die mich selbst überrascht hat: Nächstes Mal dann doch lieber wieder eine Prise Highland-Kitsch.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 5, 2013 12:27 PM MEST


Sherlock - Series 2 [2 DVDs] [UK Import]
Sherlock - Series 2 [2 DVDs] [UK Import]
DVD ~ Benedict Cumberbatch
Wird angeboten von zoreno-deutschland
Preis: EUR 8,89

30 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Being Cumberbatched, 30. Januar 2012
Wenn Ihnen in den nächsten Tagen jemand begegnet, der

- scheinbar sinnlos eine spannungsgeladene Melodie vor sich hin pfeift
- auf Kontaktversuche mit dem Satz "I don't have... fffriends" reagiert
- in hysterisches Gelächter ausbricht, sobald Sie das Wort "boring" aussprechen...

... dann haben Sie einen Fall von "Being Cumberbatched" vor sich. Seien Sie nett zu diesem armen Menschen. Sorgen Sie dafür, dass er sicher nach Hause kommt. Drücken Sie ihm eine Tasse Tee in die Hand und stellen Sie seinen DVD-Spieler in Endlosschleife. Natürlich mit der richtigen DVD. Dieser hier.

London, The Pool, kurz nach Mitternacht: Die Frage, wie John und Sherlock aus DEM Cliffhanger herauskommen, löst sich putzigerweise so, wie man heutzutage öfter aus unangenehmen Unterhaltungen herauskommt. Anschließend geht es dreimal neunzig Minuten lang in typischer Hochgeschwindigkeit quer durch London, das UK und den Arthur-Conan-Doyle-Kanon, kurze Atempausen bei Weihnachtspunsch und Cream Tea inklusive. Nebenbei erfahren wir dann noch, wie Sherlock zu der Kopfbedeckung kam, mit der ihn alle Welt kennt, obwohl er ein "public image" eigentlich vermeiden will, wie viele Arten von Zigarettenasche es gibt und wie Lestrade mit erstem und John mit zweitem Vornamen heißt. Womit auch schon alles Wichtige gesagt wäre, denn alleine von diesen Szenen ist jede einzelne ihre fünf Sterne mit Ausrufezeichen und Auszeichnung wert.

Die neuen Folgen sind vollkommen unterschiedlich und doch durch drei rote Fäden miteinander verbunden: Johns Entwicklung vom Begleiter und Blogger zum lebenswichtigen Partner, Sherlocks Arroganz, mit der er sich in zunehmendem Maße selbst gefährlich wird, und das dumme Gefühl, dass irgendwo da draußen Jim Moriarty darauf wartet, sein großes Spiel zu Ende zu spielen.

A Scandal in Belgravia ist, ähnlich wie die Studie in Pink in der ersten Staffel, ein tiefer Griff in die Trickkiste mit allen möglichen und unmöglichen Überraschungseffekten. Wenn man überkritisch sein wollte, könnte man anmerken, dass die Sherlock-Macher ein klitzekleines bisschen in Gefahr geraten, die Sache mit den irren Wendungen ein wenig zu übertreiben - aber dann fallen einem Szenen ein wie die mit dem oben erwähnten public image... oder die mit Molly beim Weihnachtspunsch... oder die mit dem Agenten, der aus dem Fenster fiel... und dann hört man Mrs Hudson "Boys!" rufen und "I'm your landlady not your housekeeper", und man hat alles, was übertrieben und verworren sein könnte, vergessen (zumal man sich die Serie ja eh nicht wegen ihrer realitätsnahen Darstellung der Arbeit eines Consultant Detectives anschaut).

In The Hounds of Baskerville wird das Tempo etwas gedrosselt. Hier geht es um drei Dinge: Die Postkartenlandschaft des Dartmoors (die besonders geheimnisvoll wirkt, wenn Sherlock sich im langen Mantel auf einer Felsformation hineinstellt), das Grauen, das durch Dinge hervorgerufen wird, die da sind, obwohl wir sie nicht sehen, und die Freundschaft zwischen John und Sherlock. Weshalb die besten Szenen nicht die sind, in denen mal wieder der berühmte Hund gejagt wird, sondern die, in denen unsere beiden Helden Unterhaltungen über die Anzahl ihrer Freunde führen.

Die letzte Folge, The Reichenbach Fall, gipfelt wie in der ersten Staffel in der Begegnung mit Sherlocks kriminellem alter ego Jim Moriarty. Wer den Typen in der ersten Staffel etwas zu abgedreht und durchgeknallt fand, sei gewarnt: Es wird nicht besser. Dieses Mal jagt er einem allerdings echte Eisschauer über den Rücken, wenn er sich anschickt, seine Drohung aus dem ersten Teil wahr zu machen: "I'll burn you. I'll burn the heart out of you." John und Sherlock werden in eine Geschichte hineingetrieben, aus der es nur einen Ausweg gibt - und gerade deshalb ist The Reichenbach Fall... die spannendste, dramatischste, traurigste, schrecklichste, beste aller Sherlock-Folgen. (Pause, ich muss kurz nach den Taschentüchern greifen).

Zu den Schauspielern: Vieles spricht dafür, dass es sich bei Benedict Cumberbatch um den verlorenen Enkel von Ur-Holmes und Irene Adler handelt. Martin Freeman bekommt keinen Extra-Stern, sondern eine Extra-Supernova für die letzte Folge... (oh je, ich brauche schon wieder die Taschentücher). Andrew Scott ist der ungewöhnlichste und furchterregendste Moriarty aller Zeiten - ganz großes Kino.

Die Original-DVD der BBC enthält englische Untertitel und Audiokommentare zu A Scandal in Belgravia und The Hounds of Baskerville, die weiteren Extras sind mit zwanzig Minuten Kurz-Interviews und Filmausschnitten relativ mager. Halb so schlimm, schaut man sich halt die neuen Folgen nochmal an.

Die zweite Sherlock-Staffel ist witzig, mutig, schlau, very British und alles andere als "boring". Wer sich über Realitätsferne, Logikfehler und mangelnde Nähe zum Original echauffieren möchte, findet die eine oder andere Gelegenheit, aber, bitteschön, dann erwähne ich's halt nochmal: Eine Serie, die so viel Witz und Ironie in eine so kurze Szene wie die mit dem public image steckt, hat nicht weniger als fünf Sterne verdient. Um genau zu sein, sie schafft das Kunststück, das nur die wenigsten Serien schaffen: Staffel zwei ist so gut wie Staffel eins. Wenn nicht gar besser.
Kommentar Kommentare (11) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 10, 2012 1:08 PM CET


Believing the Lie (Inspector Lynley Mysteries 17)
Believing the Lie (Inspector Lynley Mysteries 17)
von Elizabeth George
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 28,18

8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schöner Leiden mit Lynley, 15. Januar 2012
Herbststimmung in Nord-England: Der Neffe von Lord Fairclough ist im Lake Windermere ertrunken, und weil die Familie Zweifel an dem Untersuchungsergebnis "Unfalltod" hat, schickt Scotland Yard seinen besten Mann undercover in den Lake District. Thomas Lynley ist halbwegs erleichtert, ein wenig Abstand zwischen sich und seine Vorgesetzte Isabelle Ardery zu bringen, und nimmt zur fachlichen Unterstützung seine Freunde Deborah und Simon St James mit. Vor Ort stellt sich dann heraus, dass ... aber wir sind in einem Elizabeth-George-Roman, da versteht es sich von selbst, dass alles anders ist als es scheint, während unsere Ermittler in einen Abgrund aus Lust, Betrug und, hier ganz wichtig, Lebenslügen schauen.

"Believing the Lie" ist ein ruhiger Krimi mit sehr melancholischer Grundstimmung, der erst im letzten Viertel das Tempo richtig anzieht - dann allerdings in bester George-Manier mit einem Plot-Twist, bei dem der Leser nur noch denkt: "Was? Nein? Wie... oh mein Gott!".
Zuvor ist es über vierhundert Seiten lang sehr gemächlich zugegangen, die Flut schwappt an die Ufer der Morecambe Bay, die Bergspitzen liegen im Nebel, die Familie Fairclough residiert in schönen Häusern am Seeufer, derweil ihr Leben von Lynley und den St James seziert wird. Jeder einzelne der Protagonisten ist zutiefst unglücklich in seinem Leben, denn darum geht es in erster Linie: Um Lebenslügen und deren Folgen. Dabei nimmt das Privatleben unserer Ermittler einen ungewöhnlich großen Teil der Erzählung ein, so dass der Titel "Believing the Lie" letztendlich auch auf sie zutrifft - auf Lynley, der in eine neue Beziehung verstrickt ist und in Gedanken doch immer wieder die wunderbaren Kommentare seiner geliebten Helen hört (und auch der Leser freut sich in diesen Augenblicken über ihre Stimme) und auf Barbara Havers Superstar, die auf Anweisung von ganz oben dabei ist, sich in eine andere Persönlichkeit zu verwandeln - zumindest äußerlich. Und auf Deborah und Simon St. James.
Womit ich bei dem ersten meiner beiden Kritikpunkte wäre: Deborah als "Undercover-Agentin" fällt hier eine äußerst unglückliche Rolle zu. Als Leser möchte man sie angesichts ihres Verhaltens permanent schütteln und anschreien: Gib endlich Ruhe! Hör auf!!- Und vor allen Dingen: Das geht dich nichts an!!!
Der zweite Kritikpunkt betrifft die anfangs erwähnte Ruhe und Gemächlichkeit - hier sind die Charaktere wirklich ausschließlich mit sich beschäftigt, mit ihrer Vergangenheit, ihren Gedanken, ihren Problemen. Das ist zwar nichts Neues bei Elizabeth George, ruft aber bis zu besagtem Plot-Twist hin und wieder mal ein verhaltenes Gähnen hervor. In der Weiterführung des Plot-Twistes ist es dann nicht ausgeschlossen, dass sich dem Leser der Magen umdreht - zum Ende hin erschien mir manche Szene zu drastisch und plakativ auf Schock-Effekt ausgelegt.

Fazit: Dreieinhalb Sterne für einen soliden Lynley-Roman mit Pluspunkten auf der Lynley&Havers-Seite und Minuspunkten in der Krimi-Handlung. Wer noch nie von Lynley und Havers gehört hat, sollte tunlichst die Finger davon lassen und beim ersten Band der Reihe anfangen. Wer die beiden seit langem kennt, wird sich freuen zu hören, dass Elizabeth George uns ein gutes und ein böses Ende beschert. Beides bedeutet: Fortsetzung folgt!
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 1, 2012 12:30 PM CET


Christmas at Downton Abbey [UK Import]
Christmas at Downton Abbey [UK Import]
Wird angeboten von sandra7508
Preis: EUR 13,49

244 von 255 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Life is a game..., 6. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Christmas at Downton Abbey [UK Import] (DVD)
... in which the player must appear ridiculous."

Dear Mr Carson,

mit diesem Schreiben erlaube ich mir, Ihnen meine Bewerbung um eine Anstellung in Downton Abbey zu übermitteln. Zu meinen Qualifikationen: Sie werden mich für beinahe jede Position geeignet finden, außer für die Küche - nicht, weil ich nicht kochen könnte, sondern weil ich nicht dafür verantwortlich sein möchte, dass das Dreamteam Daisy und Mrs Patmore auseinandergerissen wird. Außerdem versichere ich Ihnen, dass Sie mit mir nicht solche Reinfälle wie mit Ethel und Jane erleben werden. Das Wort "nein" beherrsche ich in mehreren Sprachen, und ich gelobe zusätzlich, dass ich weder Seine Lordschaft noch Bates noch irgendwelche schmierigen Offiziere anhimmeln werde (allerdings kann ich Mr Crawley in diese Aufzählung nicht einbeziehen - aber dazu später mehr).

Wichtiger als meine Qualifikation erscheint mir meine Motivation: Seit nunmehr fast einem Jahr bereichern Sie, verehrter Mr Carson, und Ihre Mitbewohner in Downton Abbey mein Fernseh-Leben. Die erste Staffel war eine magische Wundertüte - voller Überraschungen, voller Menschlichkeit, voller Klugheit und voller Witz (die Szene, in der Sie Ihre Telefonansage üben - Loriot hätte Sie auf der Stelle adoptiert). Ich gestehe, dass ich während der vergangenen zweiten Staffel nicht immer zufrieden war mit dem Lauf der Dinge, aber ich denke, dass werden Sie mir nachsehen - kein Mensch kann mir weismachen, dass ausgerechnet SIE Ethel gemocht hätten.

Mit dem Christmas Special haben Sie und die Ihrigen mein Herz wieder ganz und gar erobert. Die größte Schwäche des Christmas Specials - es ist nur anderthalb Stunden lang - ist seine größte Stärke: Es ist nur anderthalb Stunden lang. Das lässt keinen Raum für nervtötende Nebenhandlungen um maulige Hausmädchen. Statt dessen geht es Schlag auf Schlag (im wahrsten Sinne des Wortes) um die beiden Fragen, die nicht nur Ihnen, Mr Carson, seit Wochen den Nachtschlaf rauben: Wird Bates schuldig gesprochen? Und werden Matthew und Mary irgendwie - irgendwo - irgendwann noch die Kurve kriegen?

Ach Mr Carson, das Christmas Special steckt so voller kleiner Highlights, die dem Downton-Abbey-Freund das Herz hüpfen lassen. Hat Lady Sibyl wirklich den Mann geheiratet, der für ihren Vater nachwievor "the chauffeur" heißt? - Und schießt dieser Mann Fasane? Und wie schön, dass es nicht nur die "großen" Liebesgeschichten Anna&Bates, Matthew&Mary sind, die den Zuschauer bewegen. Nein, William schafft es auch in Abwesenheit einmal mehr, die Augen zu befeuchten. Dazu noch ein kleiner Hauch Magie - völlig ok, es ist ja schließlich Weihnachten.
Lieber Mr Carson, das waren anderthalb Stunden Gefühlsachterbahn. Ich habe gelacht, geweint, gekichert und geschluchzt, und an einer Stelle hatte ich sogar das Bedürfnis, jemanden zu verprügeln - aber das hat dann netterweise jemand anderes für mich übernommen.

Ich hoffe, mit diesem Bekenntnis schockiere ich Sie nicht allzusehr, ist mir doch klar, dass Sie emotionale Ausbrüche dieser Art Ihrem Berufsethos entsprechend für äußerst unprofessionell halten. Aber habe ich schon erwähnt, welch außerordentliches Vergnügen es ist, Ihnen und Ihrem Bilderbuch-Englisch zu lauschen? Wieviel Freude einem selbst drei kurze Worte bereiten können, wenn sie nur von der Dowager Countess ausgesprochen werden? "I doubt we'll meet again, Lady Grantham." - "Do you promise?". Und wenn Mr Crawley den Mund aufmacht und man denkt: Ja, bitte, sprechen Sie weiter, und wenn Sie mir dann noch Shakespeares achtzehntes Sonett vorlesen könnten und das Londoner Telefonbuch... aber nein, nein, Sie haben ja recht, Mr Carson, ich will mich da nicht einmischen. Die Sache mit Mr Crawley und Lady Mary ist kompliziert genug.

Zurück zu meiner Bewerbung: Ich möchte ich Sie noch darauf hinweisen, dass Sie in mir eine unschätzbare Stütze finden werden, sollte Thomas jemals wieder versuchen, downstairs Zwietracht und Intrigen zu säen. Ich weiß zwei, drei Dinge über ihn... und über Miss O'Brien... Ihnen würden die Haare zu Berge stehen. Nein, nicht die Haare, wohl aber die Augenbrauen.

Lieber Mr Carson, es war mir ein außerordentliches Vergnügen, dieses Weihnachtsfest bei Ihnen erleben zu dürfen. Bitte übermitteln Sie Mr Julian Fellowes meine aufrichtige Dankbarkeit für die wunderbaren Geschichten, mit denen er den Bewohnern Ihres Haushalts Leben eingehaucht hat, und sprechen Sie dem gesamten Ensemble meine Bewunderung aus für anderthalb Stunden perfekte Schauspielkunst. Bei Ihnen zu Gast gewesen zu sein war wie immer ein Fest für's Auge, für den Verstand und für's Herz - auch ohne Extras auf der DVD (die man sich schlauerweise besser über amazon.co.uk besorgt).

In Erwartung Ihrer wohlwollenden Antwort verbleibe ich in tiefstem Respekt
Ihre
Muschel Kalk
Kommentar Kommentare (42) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 9, 2015 9:18 PM CET


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