Profil für Muschelkalk > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Muschelkalk
Hilfreiche Bewertungen: 2678

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Muschelkalk (Hamburg)

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8
pixel
"Downton Abbey - Season 5" - UK-Import (Region 2) - Sprache: Englisch.
"Downton Abbey - Season 5" - UK-Import (Region 2) - Sprache: Englisch.
Wird angeboten von sandra7508
Preis: EUR 44,97

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen „I feel a shaking …, 5. Dezember 2014
… of the very ground I stand on” – Mal wieder harte Zeiten für Carson: Dieses Mal ist es kein Telefon und kein Grammophon, sondern ein Radio, das den würdigsten aller Butler aus dem Gleichgewicht bringt. Doch der Fortschritt hält unermüdlch Einzug in Downton: Die Röcke werden kürzer, die Haare auch. Statt zum Dinner lädt man zur Cocktailparty, die ist schneller vorbei und man muss sich nicht mit so vielen langweiligen Leuten unterhalten, findet Lady Grantham. Manche Dinge ändern sich upstairs allerdings nie – Lady Edith rennt ihrem Glück hinterher, und die Chancen, es zu finden, standen noch nie so schlecht. Lady Mary, ebenfalls auf der Suche nach Glück und Liebe, greift mal wieder zu unorthodoxen Maßnahmen und wird dabei nicht eben sympathischer. Tom zerreißt sich zwischen der Welt, in der er lebt, und der Welt, die er für die gerechtere hält.

Downstairs geht es endlich wieder um andere Fragen als die, welches Küchenmädchen mit welchem Diener. Daisy entdeckt ungeahnte Talente, Miss Baxter verrät ihr Geheimnis und Mr Molesley entpuppt sich als der heimliche Star der Serie. Ein Hoch auf Mr Molesley an dieser Stelle – wer hätte denn bitteschön bei der ersten Staffel erwartet, dass dieser etwas linkische Aushilfsbutler sich zu einem echten Sympathieträger entwickeln würde?

A propos Entwicklung, die findet im Fall der Bates-Saga nicht statt. Ganz im Gegenteil, man dreht sich einmal im Kreis herum, und das ist wirklich enttäuschend. Was auch einer der Gründe ist, weshalb ich der Staffel „nur“ viereinhalb Sterne gebe: Es dauert wahrhaftig vier Folgen, bis die einzelnen Handlungsstränge in Gang kommen. In der ersten Hälfte der Staffel wird unendlich viel ausgewälzt und auseinander gezogen. Was mir anfangs gefehlt hat, waren die echten Downton-Momente, Szenen, bei denen man erst einmal nach Luft schnappen oder in die Hände klatschen muss (ich meine Szenen wie das Ende von Mr Pamuk. Oder Matthews wohlgezielter Faustschlag in Richtung Sir Richard Carlisle im Weihnachts Special 2012). In zweiten Teil der Staffel geschieht dann soviel, dass man die Hälfte verpasst, wenn man zwischendurch nach dem Teewasser schaut.

Auf der Plusseite stehen drei Nebendarsteller, nämlich die beiden außerordentlich gut gecasteten Kinder Sybbie und George, die ihren Großpapa (und den Zuschauer) ratzfatz um den Finger wickeln, und Mr Spratt, der kurz vor einer Karikatur stehende, aber umso unterhaltsamere Snob von einem Butler Ihrer Ladyschaft, der Dowager Countess. Womit wir da wären, wo das Herz von Downton schlägt. Zum einen lernen wir, dass auch eine Persönlichkeit wie die Dowager Countess eine Vergangenheit hat, zum anderen – und das war für mich der bessere Handlungsstrang – sehen wir, wie sich die Freundschaft zwischen Ihrer Ladyschaft und Mrs Crawley entwickelt hat. Mrs Crawley ist übrigens immer noch mit ihrem späten Verehrer unterwegs.
Habe ich jemanden vergessen? Natürlich, das ewige Sorgenkind, Thomas-I’m-Mr-Barrow-now, der nie ein richtiger Fiesling werden wird, solange ihn sein persönliches Dilemma immer wieder einholt. Am Ende wollte ich ein Plakat hochhalten: Ein bisschen Glück für Thomas, bitte!

Im ersten Teil ist der fünften Staffel tatsächlich ein wenig die Luft ausgegangen – im zweiten Teil kommt der Downton-Freund hingegen voll auf seine Kosten. Explosive Dinnerszenen, Herzschmerz, wunderschöne Kostüme und große Schauspielkunst sind selbstverständlich ebenfalls wieder im Gesamtpaket enthalten. Die Original DVD enthält englische Untertitel, Extras zu den Dreharbeiten, eine ausführliche Dokumentation zu Sitten und Zeiten mit Alistair Bruce, dem historischen Berater der Serie, und, last but not least, einen sehr langen Trailer zum diesjährigen Weihnachts Special, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigt.

Off Topic: Zum Schluss noch ein Wort zu der hier geführten Diskussion über den hohen Preis auf amazon.de. Der Preis ist hoch, weil die DVD im regulären deutschen Handel noch nicht erhältlich ist und von Wiederverkäufern vertrieben wird – wer sie auf amazon.co.uk nach Deutschland bestellt, spart rund fünfzig Prozent. Für diesen Umstand kann man weder amazon.de verantwortlich machen noch die Produktionsfirma. Die DVD aber nur aufgrund des hohen Preises mit einem Stern abzuwerten ist meiner Meinung nach ein Schlag ins Gesicht für die Schauspieler und Macher der Serie, die uns in den letzten fünf Jahren so viele schöne Momente beschert haben.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 12, 2014 11:33 AM CET


Der vergessene Strand
Der vergessene Strand
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Mogelpackung, oder: Von Männern und Ingwerkeksen, 22. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Der vergessene Strand (Kindle Edition)
*** ACHTUNG, SPOILER!***

Vor einigen Jahren habe ich einen der Neuseeland-Romane der Autorin gelesen, und da ich den in positiver Erinnerung hatte, meinte ich, mit diesem Buch nichts falsch machen zu können – nette Unterhaltungslektüre für den verregneten Herbstnachmittag.

Nun ja. Irren ist bekanntlich menschlich. Bereits die Umschlaggestaltung hätte mich stutzig machen sollen, zeigt es doch für diesen in Wales angesiedelten Roman eine bekannte Küstenformation auf der anderen Seite der Insel in East Sussex– fast so, als hätte der Coverdesigner dem Inhalt des Buches auch nicht vertraut.
Also der Inhalt: Amelie steht vor den Scherben ihrer Beziehung, denn Michael bekommt mit einer anderen Frau ein Kind. Nichtsdestotrotz will er Amelie unbedingt zurückhaben, und Amelie steht nun vor der schwierigen Frage, ob sie mit diesem Mann, der sie mehrfach belogen hat, den Bund für’s Leben schließen will. Sie tut, was frau in solchen Situationen tut, jedenfalls wenn sie keinen festen Job und trotzdem genügend Kohle hat: Sie packt ihre Sachen und geht auf Recherchereise nach Wales, woselbst sie das Leben der Gesellschaftsdame Beatrix Lambton erforschen und niederschreiben will.
Im beschaulichen Pembroke überschlagen sich die Ereignisse sozusagen – die Einheimischen benehmen sich alle miteinander sowas von eigenartig, Amelies Konsum von Ingwerkeksen steigt rasant an und sie macht schockierende Entdeckungen über ihr Forschungsobjekt, sich selbst und ihre Familie (was diesen Punkt angeht hätte sie sich viel Ärger erspart, wenn sie einfach irgendwann in den vergangenen dreißig Jahren ihres Lebens mal einen Blick auf ihre Geburtsurkunde geworfen hätte).

Drei Punkte sind es, die mich mit jeder Seite mehr zweifeln ließen, ob ich da tatsächlich ein Buch von derselben Autorin wie der des schönen Neuseelandromans in Händen hielt:

Zum einen konnte ich mich an keiner Stelle in die Protagonistin Amelie hineinversetzen – zu klischeehaft die Grundvoraussetzungen, zu verhuscht die ganze Person, die ständig heulend und hilflos beim örtlichen Apotheker vor der Tür sitzt, der sie erstaunlicherweise immer wieder aufnimmt, mit Ingwerkeksen füttert und etwas zu essen kocht. (Nebenbei scheint er sich auch dadurch positiv von dem untreuen Michael abzuheben, dass er liebend gerne abwäscht).

In Rückblenden wird die Geschichte von Beatrix Lambton erzählt, die vor über hundert Jahren mit ähnlichen Beziehungsproblemen wie Amelie zu kämpfen hatte. Beatrix wird als eine Dame der vornehmen Gesellschaft beschrieben, eine Gräfin, die literarische Salons besucht und sich für Kunst und Kultur begeistert. Ja, so wird sie beschrieben, nur wirklich GEZEIGT wird sie uns nie in dieser Form. Gezeigt wird sie uns als eine Frau, die sich mit ihrer Familie und dem außerehelichen Nachwuchs ihres Gatten herumschlägt – ein eher frustrierendes als glamouröses Dasein. Gerade diese Rückblenden wirken eigenartig lieblos herunter erzählt, bis sie am Ende wahrhaftig im Sand des vergessenen Strandes verlaufen.

Mein letzter Kritikpunkt: Wer immer dieses Buch gegengelesen, lektoriert oder korrigiert hat, muss mit einer Familienpackung Ingwerkeksen außer Gefecht gesetzt gewesen sein, um die zahlreichen inhaltlichen Fehler zu übersehen. Über den fantasievollen Umgang mit englischen Adelstiteln will ich mich mal nicht weiter echauffieren … wobei … SPOILER … vielleicht sollte ich den „souveränen, weltgewandten Duke of G–“ erwähnen, mit dem Beatrix‘ Schwester eine Affäre eingeht. Beatrix möchte wissen, wer der heimliche Liebhaber ist, kennt aber nicht mehr als den Titel „Duke of G-“ und meint, dass es mithin unmöglich sei, die Identität des Mannes herauszufinden. Offensichtlich gab es vor hundert Jahren in England eine ganze Telefonbuchseite voller „Herzöge von G-“ – heute dürfte die Aufgabe laut Herrn Wikipedia etwas leichter sein.
Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, inhaltliche Fehler. Arme Keira Knightly, hat Natalie Portman ihr doch glatt die Hauptrolle im Kostümfilm „Die Herzogin“ geklaut. Nur auf den ersten Blick besser geht es dem Dienstmädchen Franny, dem auf Seite 222 ein langes Leben bis 1965 beschieden ist. Hundertfünfzig Seiten später ist die Gute aber bereits 1918 an der Spanischen Grippe verschieden. – Irgendwann entsteht dann der fatale Eindruck, dass die Autorin ihr eigenes Romanpersonal nicht richtig kennt.

Mein Fazit: Leitmotiv des Romans ist eheliche Untreue im Verlauf der letzten hundertzwanzig Jahre inklusive der Fragen, wie der Partner damit umgeht und welche Folgen das für die ganze Familie hat. Sicher kein typisches Thema für einen Unterhaltungsroman. Mit weniger Fehlern und weniger Klischees hätte trotzdem eine lesenswerte, möglicherweise berührende Geschichte daraus werden können. So hatte ich am Ende das Gefühl, einer riesigen Mogelpackung aufgesessen zu sein, und das nicht nur, weil ich Ingwerkekse liebe.


Das ferne Land: Historischer Roman
Das ferne Land: Historischer Roman
Preis: EUR 15,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Aufbruch ins Morgenland, 11. September 2014
Katherina Orsini, jung, blond, Kölnerin, hat ein Problem: Erst büxt ihr venezianischer Ehemann mit ihrem Vermögen aus, und dann ist er auch noch tot. Wildentschlossen, seine im heutigen Jemen versteckten Weihrauchvorräte zu finden, macht sie sich auf eine Reise, die vor fast vierhundert Jahren mehr als abenteuerlich war und heute vermutlich von den Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes verhindert werden würde. Behilflich auf dem schweren Weg sind ihr ihre treuen Diener Jokasta und Pjotr sowie der ortskundige Venezianer Massimo, der praktischerweise arabische Wurzeln hat, ein wenig Handel treibt, möglicherweise für mehr als eine Seite spioniert und nebenbei zufällig verdammt gut aussieht.

Charlotte Thomas erzählt Katherinas Abenteuer gewohnt flüssig und intelligent. Was mir besonders gut gefallen hat: Katherina – endlich mal eine historische Romanheldin, die definitiv nicht heilkundig ist, aber gerne dafür gehalten wird. Rote Haare hat sie auch nicht, dafür ist sie ein wenig zu lang geraten, kämpft ständig mit ihrer Körpergröße und hat ein auf einer solchen Reise gut passendes Hobby. Eine lebendige und sympathische Hauptfigur. Zweiter Pluspunkt: Die exotische Kulisse zwischen Ägypten und Jemen. Sitten, Landschaften, Märkte, Menschen werden dank eindrucksvoller Recherche lebendig, ohne dass der Text je belehrend wirken oder sich in weitschweifigen Beschreibungen verlieren würde. Und ganz nebenbei ist man noch erstaunt, wie selbstverständlich über lange Zeit verschiedene Religionen ganz friedlich miteinander leben konnten.

Ein klein wenig kritisch möchte ich anmerken, dass die Geschichte nicht allzu viele Überraschungen parat hält, insbesondere wenn man schon mehr als ein Buch von Charlotte Thomas gelesen hat. Die eine oder andere Figur kommt einem dann seltsam bekannt vor, die (und dies ist kein Spoiler) absehbare Liebesgeschichte entwickelt sich routiniert nach dem Schema Sie hassen sich – sie lieben sich- und dann kommt das große Missverständnis, das das Happy End in Gefahr bringt.

"Das ferne Land“ ist ein schöner Unterhaltungsroman mit Schwerpunkt LIebesgeschichte und leichtem Abenteuer-Touch, der besonders durch seinen ungewöhnlichen Hintergrund besticht. Die liebevolle Gestaltung des Hardcovers mit Lesebändchen und Illustrationen trägt zusätzlich zum Lesevergnügen bei.


Reiseführer Lissabon - Zeit für das Beste: Sehenswürdigkeiten, malerische Gassen, Paläste, Gärten, Kaffeehäuser, Museen, Bars, Geheimtipps, Highlights und Wohlfühladressen in der Haupstadt Portugals
Reiseführer Lissabon - Zeit für das Beste: Sehenswürdigkeiten, malerische Gassen, Paläste, Gärten, Kaffeehäuser, Museen, Bars, Geheimtipps, Highlights und Wohlfühladressen in der Haupstadt Portugals
Preis: EUR 9,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mal ehrlich..., 14. März 2014
Dieser Reiseführer will ein bisschen anders sein als die Konkurrenz: Einzelne Sehenswürdigkeiten, Parks, Plätze, aber auch kurze Spaziergänge durch Stadtviertel werden auf mehreren Seiten ausführlich beschrieben, am Seitenrand erfolgt eine Vertiefung mit Autorentipps und sehr schönen Fotos, und am Ende wird jedes einzelne Kurzkapitel mit allgemeinen Infos, zum Beispiel zu Erreichbarkeit, Cafés, Einkaufsmöglichkeiten, abgeschlossen.

Ein guter Plan, der für mich (erster Aufenthalt in Lissabon, vier Tage Zeit) aber nicht aufging. Das Problem beginnt bei den Basics, die ein Reiseführer bieten sollte: Der Stadtplan. Die in dem Buch vorhandenen sind entweder zu grob, um mehr als einen generellen Überblick zu verschaffen, oder zu winzig, um irgendeine Orientierungshilfe zu bieten.
A propos Plan: Lissabon verfügt über ein kleines, feines U-Bahnnetz, das automatisch zum Urlaubsgefühl beiträgt -wo sonst auf der Welt bitteschön findet man Metrolinien, die mit Schiffen, Kompassen, Möwen und Blümchen gekennzeichnet sind? Einige Haltestellen sind begehbare Kunstwerke, und entspannte portugiesische Lebensart zeigt sich in der Tatsache, dass man Fahrpläne an den Haltestellen vergeblich sucht (die Metro fährt aber trotzdem sehr zuverlässig). Und was man auch vergeblich sucht ist ein Übersichtsplan über dieses prima Verkehrsmittel im Reiseführer.

Trotz der ausführlichen Einzelkapitel war der Informationsgehalt für mich teilweise doch eher fragwürdig. Beim Spaziergang über die Avendia da Liberdade wird auf den Antikmarkt hingewiesen, der am Sonntag stattfindet - tatsächlich findet dieser auch am Samstag statt (und sollte keineswegs verpasst werden, hier gibt es alles, vom klassischen Serviettenring bis zum Beauty Case Modell 1920). In den Sintra-Kapiteln wird auf die Möglichkeit hingewiesen, die Schlösser zu Fuß statt per Hop-on-Hop-off- Bus zu erkunden - eine realistische Zeitangabe dazu oder auch nur eine brauchbare Karte: Fehlanzeige. Welche Fluggesellschaften Lissabon anfliegen, erfährt man - wie man vom Flughafen in die Stadt kommt hingegen nicht (mit der Metro, rote Linie, die mit dem Kompass, etwa fünfundzwanzig Minuten).
Dann gibt es noch die kleinen roten Kästchen im Text mit der Überschrift: "Mal ehrlich...". Da wird in der Regel eine touristische Grundweisheit in Zweifel gezogen, zum Beispiel der Besuch des Castelo des Sao Jorge, das einem eingangs noch als Top-Ten-Sehenswürdigkeit verkauft wurde. "Mal ehrlich" meint: Mehr als ein paar alte Mauern stehen da eigentlich nicht herum. Um im nächsten Satz hinzuzufügen, dass die Aussicht doch sehr eindrucksvoll sei. Ja, was denn nun? Mal ehrlich, meine Meinung: Der abenteuerliche und nicht immer schwindelfreie Rundgang über die alten Kastellmauern inklusive der besagten Aussicht über ganz Lissabon und den Tejo ist definitv ein Top-Ten-Erlebnis, und zwar sowohl für große als auch für kleine Besucher.

Mein Fazit: "Lissabon - Zeit für das Beste" punktet mit viel Hintergrundwissen und macht beim Durchblättern Lust auf ausgiebige Stadterkundungen. Für einen ersten Aufenthalt empfehle ich den Reiseführer jedoch nicht - für Wiederholungstäter mag er eine gute Ergänzung darstellen. Daher: Fünf Sterne für Lissabon, für "Zeit für das Beste" leider nur drei.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 24, 2014 8:54 AM MEST


Ebbe und Glut
Ebbe und Glut

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Fifty Shades für Erwachsene, 28. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ebbe und Glut (Kindle Edition)
Vom Unglück verfolgtes, mit äußeren, nicht aber mit finanziellen Vorteilen gesegnetes Aschenputtel verfällt wohlhabendem, weltgewandten Geschäftsmann, der seine düstere Vergangenheit mit eigenwilligen erotischen Dienstleistungen zu vergessen versucht. – Kennen Sie? Nein, kennen Sie garantiert nicht, denn Mia ist keine dauererrötende Studentin, sondern eine erwachsene Frau, Arthur ist kein allzeit bereiter Multi-Milliardär, sondern lediglich Penthouse-Besitzer in der HafenCity, und, das allerbeste, Katharina Burkhardt ist nicht E. L. James, sondern jemand, der tatsächlich eine spannende, prickelnde und bewegende Geschichte erzählen kann.

Was auf den ersten Blick schockierend und fragwürdig beginnt, entwickelt sich Kapitel für Kapitel zu einer ganz besonderen Liebesgeschichte. Wie bei einer Zwiebel muss Mia Schicht um Schicht von Arthur entfernen, um zu seinem Kern vorzudringen, und selbst als sie (und der Leser, der schon ein bisschen schlauer ist) meint, nun alles über ihn zu wissen, ist immer noch eine unbekannte Ebene übrig. Um einen Weg zu Arthur zu finden, muss Mia sich aber auch mit ihrem eigenen Leben und ihrer Vergangenheit auseinandersetzen, und das macht den eigentlichen Reiz des Buches aus. Niemand ist perfekt, jeder trägt sein Problempäckchen mit sich herum (und muss sich diesen Problemen irgendwann stellen), und statt Schwarz-Weiß-Malerei gibt es… nun ja, viele verschiedene Schattierungen von Grau.

Das Buch liest sich angenehm und flott weg, ohne große sprachliche Überraschungen, aber gelegentlich mit schönen Einsichten und leisem Humor. Hin und wieder ist Kommissar Zufall im Einsatz, um die Handlung zu entwickeln. Die dritte Hauptrolle spielt übrigens die schönste Stadt der Welt, an deren Hafen Mia gerne spazieren geht, während Arthur aus seinem Elfenbeinturm auf die Elbe schaut und vernünftige Dinge über Kreuzfahrtschiffe denkt.

Mein Fazit: Eine Geschichte, die in jeder Beziehung wohltuend anders ist, sehr emotional, ein schönes Lese-Erlebnis und eine echte Entdeckung im ebook-Dschungel.


Sherlock - Series 3 [2 DVDs] [UK Import]
Sherlock - Series 3 [2 DVDs] [UK Import]
DVD ~ Benedict Cumberbatch
Wird angeboten von sent2u
Preis: EUR 13,99

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Er ist wieder da, 26. Januar 2014
Er ist wieder da, und das ist auch gut so. Niemand hätte es länger ohne ihn ausgehalten: John nicht, Molly nicht, Mrs Hudson nicht, G. Lestrade nicht, ich nicht und er selbst wahrscheinlich auch nicht. Er ist wieder da, mit Mantel, Hut und defizitärem Sozialverhalten, und wenn John bei seinem Anblick nicht erfreut "You're not dead. Let's solve crimes together" ausruft, dann liegt das daran, dass zwei Jahre eine verdammt lange Zeit sind, für trauernde Freunde genauso wie für an einem Cliffhanger zappelnde Zuschauer. Die interessiert natürlich nur eine Frage: Wie hat er's gemacht? - aber dazu später mehr.

Es hat sich einiges getan während seiner Abwesenheit: Jemand, von dem man das nie erwartet hätte, ist neuerdings sein größter Fan. John hat tatsächlich eine Freundin, die es länger als bis zum nächsten Weihnachtsumtrunk mit ihm aushält. Selbst Molly hat sich Ersatz für ihn gesucht. Nachdem wir so lange auf ihn gewartet haben, ist es nur recht und billig, dass die erste Folge sich viel Zeit nimmt für ihn, sein Umfeld, das Wiedersehen und die Frage: Wie hat er's gemacht? Halt, war da auch noch ein Fall? Ja, da war ein Fall, einer mit Action-Einlagen und den üblichen Taschenspieler-Tricks, die einmal mehr deutlich machen, weshalb die Serie auch visuell Maßstäbe setzt. Dritte Hauptrolle: Die Londoner U-Bahn. Und am Ende haben wir alle dazugelernt, wie man eine Bombe entschärft, selbst wenn der Zugang zum Mind Palace gerade versperrt ist. Und wie er's gemacht hat.

In der zweiten Folge The Sign of Three erfahren wir, wie man einen sub-optimalen Junggesellenabschied organisiert und was man bei einer Trauzeugenrede besser nicht sagt. Das ist alles ganz nett und putzig, aber irgendwie ein bisschen zu... putzig. Es menschelt plötzlich ganz enorm, wo wir ihn doch eigentlich dafür mögen, dass Menschliches ihm so wenig vertraut ist. Dabei entfernt er sich nicht nur immer weiter von seinem vertrauten Selbst, sondern auch von seiner literarischen Vorlage. Der Fall? Ach ja, auch ganz putzig, aber nicht mehr. Wie die ganze Folge halt.

Womit wir bei der letzten Folge wären, His Last Vow. Wie, schon wieder fast zu Ende? Aber es hat doch noch gar nicht richtig angefangen! denkt man, und dann steckt man plötzlich wieder mittendrin. Sprachlos. Fassungslos. Atemlos. In einer wendungsreichen Handlung, in Überraschungen und Irreführungen, in cleveren Zitaten, in großartiger (Selbst-)Ironie, im Conan-Doyle-Kanon, im Kampf gegen einen richtig bösen Bösewicht, in nägelkauender Spannung... in SHERLOCK halt. Jetzt ist er wirklich wieder da! Wer hätte gedacht, dass man noch aufregender Fallen kann als vom Dach des St Barts Hospitals? Wer hätte gedacht, dass mit Charles Augustus Magnussen ein widerlicher Fiesling die Bühne betritt, mit dem man um keinen Preis der Welt zum Dinner verabredet sein möchte (während eine Teestunde mit Moriarty doch immer einen gewissen Unterhaltungswert versprach)? As ever you see but you don't observe, spricht der Meister persönlich im Zuschauerkopf, wenn die eine oder andere Andeutung aus der überfrachteten ersten und der als belanglos abgetanen zweiten Folge plötzlich einen Sinn erhält.

Da ich keinesfalls spoilern möchte, hier nur ein kleines Beispiel dafür, wie geschickt die Herren Moffat und Gatiss ihre und die Original-Geschichten miteinander verschachteln: Arthur Conan Doyle erweckte seinen Helden in der Geschichte The Empty House wieder zum Leben. Hundert Jahre später sind einige Leute davon überzeugt, dass sein Leichenwagen leer war: The Empty Hearse. In derselben Folge könnte allerdings ein U-Bahn-Waggon zum echten Leichenwagen werden. Und ganz zum Schluss, in His Last Vow, spielt dann plötzlich auch ein leeres Haus eine Rolle.

Er ist wieder da, und das ist gut so. Er ist ein bisschen menschlicher geworden, er lässt den einen oder anderen Blick hinter die Fassade zu, er schenkt uns ungewöhnlich viele Momente mit liebenswerten Charakteren wie Molly, Mrs Hudson und G. Lestrade. Trotz aller Veränderungen ist er aber nachwievor der geniale, arrogante, soziopathische und bei Gelegenheit vollkommen betriebsblinde Detektiv aus 221B Baker Street. Und der beste Freund von John Watson.

Schauspielerisch ist die dritte Staffel wie immer makellos. Über Martin Freemans Fähigkeit, nur mit seinen Augen die gesamte emotionale Bandbreite zwischen tiefster Trauer, absolutem Erstaunen und größtem Glück auszudrücken, könnte man ein Buch schreiben. Und Lars Mikkelsen ist wahrscheinlich im wahren Leben ein netter Mensch - nach seinem Auftritt C. A. Magnussen ist das nur leider schwer zu glauben. Das Bonusmaterial der DVDs beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Thema "Fallen", wobei man einen guten Eindruck bekommt, wie kleinteilig und aufwendig das ist, was im fertigen Film dann nur noch rasant und faszinierend wirkt. Und wie viel Spaß die Herren Moffat und Gatiss mit ihrer Erfindung haben. Und das ist auch gut so, denn:

Er ist wieder da. Und dieses Mal ist er gekommen um zu bleiben.

PS: Bleiben sollte auch der Zuschauer. Bis zum Ende des letzten Nachspanns.


Downton Abbey: The London Season (Christmas Special 2013) [UK Import]
Downton Abbey: The London Season (Christmas Special 2013) [UK Import]
Wird angeboten von sent2u
Preis: EUR 11,99

103 von 109 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "You can always hold my hand..., 4. Januar 2014
...if you need to feel steady."

Dear Mrs Hughes,

bereits zweimal habe ich mir erlaubt, mich anlässlich eines Christmas Specials bei Mr Carson für eine Anstellung in Downton Abbey zu empfehlen - bisher leider ohne Erfolg. Mittlerweile ist mir allerdings klar geworden, dass Mr Carson nicht nur ein very busy man ist, sondern auch der falsche Ansprechpartner für mein Anliegen. Wie wir in der vierten Staffel mehr als einmal erleben durften, sind Sie es, Mrs Hughes, an die man sich wenden muss, wenn man ein Problem hat. Ganz egal, ob es intrigante Zofen, bösartige Kammerdiener oder auch nur die täglichen Dramen in der Küche sind: Mit einer guten Portion gesunden Menschenverstand schaffen Sie jedes Problem aus der Welt. Sicher auch meines. Sehen Sie, Sie leben in einem Land, in dem man dem Fernsehzuschauer zu Weihnachten eine Sonderausgabe Downton Abbey schenkt und zu Neujahr die dritte Staffel Sherlock - Staffel 2 [2 DVDs]. Bei uns gab es am ersten Feiertag "Weihnachten mit Helene Fischer" und am 1. Januar das "Traumschiff". Da muss man sich doch nach Alternativen umschauen!

Verzeihen Sie, Mrs Hughes, ich schweife ab. Und ich gestehe: Nach der Katastrophe vom letzten Jahr war ich mehr als kritisch, was das diesjährige Weihnachtspecial anging. Die Taschentücher lagen griffbereit, und ganz ehrlich, hätte wieder jemand in allerletzter Sekunde einen Abgang gemacht, wäre es bei mir aus gewesen mit der Downton-Freundschaft. Die diesjährige Weihnachtsfolge trägt ihren Namen jedoch vollkommen zurecht, denn was könnte schöner sein, als den Crawleys in London auf prächtige Bälle und Gesellschaften zu folgen? Mrs Levinson herself hat sich dazu mitsamt ihrem Sohn aus Amerika herüberbemüht, Lady Mary lässt ihre Verehrer um die Wette tanzen, Lady Rose sorgt wie immer für Chaos und Durcheinander, Lord Grantham vermisst seinen Hund, nicht aber seinen Schwiegersohn, und die Legende, also die Dowager Countess, erhält die schönste Aufforderung zum Tanz, die man jemals in Downton gehört hat. Nur Edith ist furchtbar, furchtbar traurig. All das ist wunderbar anzusehen, und insbesondere die Szenen von Lady Roses Einführung bei Hofe sind ein Fest für's Auge.

Downstairs... nun, da kennen Sie sich ja viel besser aus als ich, Mrs Hughes, doch gestatten Sie mir die Anmerkung, dass mir geradezu ein Stein vom Herzen gefallen ist, weil Anna endlich wieder lachen kann. Und bitte verstehen Sie dies nicht als Ausdruck mangelnden Respekts vor einer Autoritätsperson, aber auch Mr Carsons Mienenspiel bei seinen Unterhaltungen mit Mr Levinsons Diener hat zur Bewegung meiner Lachmuskeln beigetragen. Dann noch die zusätzliche Herausforderung, einen Ausflug für das Personal organisieren zu müssen... gut, dass Mr Carson immer auf Sie zählen kann, Mrs Hughes. In dem Zusammenhang fällt mir noch ein: Gibt es für die Position des Under-Butlers eigentlich eine Job-Description? Mir ist nämlich nicht so recht klar, worin der Aufgabenbereich von Thomas-I'm-Mr-Barrow-now besteht. Außer Rauchen und Herumstehen scheint er nicht viel zu tun zu haben, und da ist es natürlich kein Wunder, dass er mal wieder auf dumme Gedanken kommt, seine unsympathische Seite auf Hochglanz poliert und mit dienstfertigem Lächeln Unverschämtheiten verteilt. Bitte, Mrs Hughes, behalten Sie ihn im Auge!

Erlauben Sie mir noch anzumerken, dass das einzige, was mir in diesem Weihnachtsspecial gefehlt hat, ein echter roter Faden ist. Klar, da ist Lady Roses Debüt und natürlich das Drama des verlorenen Briefes (aber ich will keine Indiskretionen ausplaudern, die die Monarchie gefährden könnten). Und natürlich geht es einmal mehr um die Konfrontation von englischer Upper-Class-Lebensart mit amerikanischer Weltanschauung, personifiziert in Mutter und Sohn Levinson. Gerade diesen Handlungsstrang fand ich aber überflüssig - dass Mrs Levinson die Engländer für bekloppt hält, wussten wir schon vorher, und Mr Levinson... naja, den haben wir jetzt vier Staffeln lang nicht vermisst. So ist mein Eindruck, dass den neuen Figuren unverhältnismäßig viel Platz eingeräumt wird, während die vertrauten alten Bekannten irgendwie in der Luft hängen. Viel lieber als Mr Levinson und Miss Allsopp hätte ich zum Beispiel Mrs Crawley und ihrem Verehrer beim Picknicken zugeschaut. (Ich persönlich finde es nämlich eine ganz reizende Idee, Mrs Crawley nach ihrem schrecklichen Verlust mit einem späten Verehrer zu bedenken). Auch wie es mit Mr Molesley und dem Geheimnis um Miss Baxter weitergeht, interessiert mich brennend. ("I'm always on the side of the downtrodden", um Mr Crawley zu zitieren). Letztendlich werden nur wenige offene Fragen aus der vierten Staffel beantwortet, so dass ich am Ende das Gefühl hatte, dass man mich anderthalb Stunden lang mit einer Zuckertüte bei Laune gehalten hat, die ich erst im nächsten Herbst zur fünften Staffel öffnen darf.

Doch das ist Jammern auf hohem Niveau, verehrte Mrs Hughes. Bitte sprechen Sie Mr Julian Fellowes meine besondere Hochachtung dafür aus, dass er es nach so vielen Folgen immer noch vermag, uns Downton-Freunde zu überraschen. Nicht weniger groß ist meine Bewunderung für Sie, Ihre Mitarbeiter und Ihre Vorgesetzten, die Downton und seine Bewohner so wunderbar zum Leben erwecken. Es war mir eine Ehre und ein Vergnügen, die "London Season 1923" mit Ihnen verbringen zu dürfen.

In tiefstem Respekt verbleibe ich
Ihre
Muschelkalk

PS: Bitte erlauben Sie mir noch den Hinweis, dass sich für jeden, der sich über unangemessene Preise wundert, ein Blick auf die englische Seite des Hausherrn lohnt.
Kommentar Kommentare (16) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 25, 2014 7:56 PM MEST


Kein Titel verfügbar

64 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Downton Reloaded, 16. November 2013
Die Abbey im Winterschlaf: Der Park liegt kahl und trist unter einem grauen Himmel, upstairs und downstairs schleicht man auf Zehenspitzen herum, während Lady Mary, die Schneekönigin aus dem Eiszapfenland, sich nach den letzten Ereignissen emotional in den Bezirk nördlich des Polarkreises zurückgezogen hat. Und dort ist sie unerreichbar - für ihre Familie, für Baby George, für Anna und sogar für Mr Carson.

Man kann weiter darüber nachgrübeln, was der Fangemeinde im allgemeinen und Downtons Bewohnern im besonderen mit dem grausamsten Weihnachts-Special aller Zeiten angetan wurde. Angesichts der stark geschriebenen, wunderschön melancholisch bebilderten und selbstredend großartig gespielten ersten Folge der neuen Staffel kommt man aber auch nicht umhin zu denken: Vielleicht war dieser harte Einschnitt genau das, was die Serie im vierten Jahr brauchte, um einen echten Neustart hinzulegen?

Zunächst herrscht verkehrte Welt: Isobel, drei Staffeln lang damit beschäftigt, die Welt zu retten, ganz egal, wie sehr sie ihren Mitmenschen dabei auf die Nerven geht, hockt leer und traurig vor ihrem Kamin und fühlt sich nur noch als Bürde für die Crawleys. Branson kämpft einerseits mit dem Gefühl, am falschen Ort - und oft auch in den falschen Klamotten - zu stecken und andererseits mit dem Bedürfnis, Downton in Matthews Sinn weiterzuführen und den Einfluss seines Schwiegervaters, der leider nachvievor nicht mit Geld umgehen kann, möglichst gering zu halten. Pechmarie Edith scheint auf der Suche nach ihrem kleinen Stückchen Glück endlich erfolgreich zu sein und blüht geradezu auf. Nur eine ist unverändert: The Dowager Countess, die zwar bekanntlich nicht auf den Mund gefallen ist, aber immer noch große Schwierigkeiten hat, den Namen Tom auszusprechen.

Downstairs entpuppt sich Thomas ("I'm Mr Barrow now") als Kinderfreund, um wie jedesmal, wenn man gerade anfängt ihn zu mögen, seine unfeine Seite hervorzukehren. Mrs Patmore hat alle Hände voll damit zu tun, das Liebesdrama zwischen Küche und Servant Hall unter Kontrolle zu bringen, Mr Carson verteilt Aufgaben und Lebensweisheiten mit gewohnter Autorität und Mrs Hughes beweist bei mehr als einer Gelegenheit, dass das ganze Haus ohne sie zusammenbrechen würde, insbesondere, als Anna und Mr Bates aus ihrer kleinen, glücklichen Nische auf grausame Art und Weise vertrieben werden.

Die vierte Staffel Downton Abbey bietet neben Altvertrautem viele Überraschungen und sicher auch den einen oder anderen Grund zu Kritik (und damit meine ich nicht die Tatsache, dass die gute Luft in Yorkshire jegliche Form von Alterung aufhält). Einige Handlungsstränge wirken überflüssig - wer hätte Edna nach dem Weihnachts-Special noch wiedesehen wollen? Manche Folgen sind überfrachtet an Ereignissen, weshalb einige Szenen dann so kurz und schnell und hastig abgetan sind, dass ihre Wirkung verpufft. Mehr als einmal stellt sich ein Déjà-vu ein: Es scheint eine Eigenart der britischen Upperclass zu sein, wichtige Briefe zu schreiben, die dann erst nach dem eigenen Ableben auftauchen. Peinliche Gesprächssituationen lässt man mit Vorliebe dadurch entstehen, dass diverse Figuren vergessen, wen ihr Gegenüber da gerade unter tragischen Umständen verloren hat. Und wie viele Freunde und Verwandte die Crawleys haben, von denen man auch nach zehnjähriger Bekanntschaft noch nichts gehört hat... naja. Wie das Serienleben halt so spielt.

Letztendlich überwiegen aber die Downton-Glücksmomente, die Dialoge, die einen laut auflachen und schnell den Rücklauf einschalten lassen, der liebevolle Blick auf die Bewohner, die cleveren kleinen erzählerischen Details - wer erinnert sich noch an das Telegramm, mit dem die allererste Folge begann und das per Fahrrad ausgeliefert wurde? Dieses Mal kommt wieder ein Telegramm an, aber der Bote fährt mittlerweile Motorrad. Wie viel Herz nachwievor in der Serie steckt, zeigt der Handlungsstrang um Mr Molesley, bekanntlich auch kein vom Glück beschienener Charakter, der sich nach dem Verlust seines Arbeitgebers mit Gelegenheitsjobs durchschlagen muss.

Was mir auch besonders gut gefallen hat: Am Ende haben alle Traurigen- Mary, Isobel, Branson und jawohl, man glaubt es kaum, auch Mr Molesley - einen echten Lernprozess durchgemacht. Ohne zu spoilern: Die Staffel endet zumindest upstairs erheblich fröhlicher, als sie begonnen hat.

Das Sonderlob für besonders bewegende Schauspielkunst geht an Joanne Froggatt alias Anna - großer Taschentuchalarm. Das DVD-Set enthält acht Folgen zu 45 Minuten, die erste und letzte Folge sind wie immer etwas länger. Als Extras ist das obligatorische Making-Of dabei sowie eine Einführung der diversen neuen Figuren.

Wie lange Downton nach diesem Neustart weiterleben wird? Ich habe keine Ahnung. Erst einmal freue ich mich auf das diesjährige Weihnachts Special, und im übrigen halte ich mich hoffnungsvoll an ein Gespräch der Dowager Countess mit Isobel: "How long does this go on for?" - "Ages!" - "Oh, goody goody!"
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 6, 2014 10:12 PM CET


Just One Evil Act (Inspector Lynley Book 18) (English Edition)
Just One Evil Act (Inspector Lynley Book 18) (English Edition)
Preis: EUR 6,27

13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Lynley goes to Italy, 12. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Una premessa importante: Empfehle zur Lektüre nicht Tee und Scones, sondern Cappuccino und Dolce (bitte beides kursiv gedruckt).

Das gute und das schlechte Ende des letzten Bandes Believing the Lie (Inspector Lynley Mysteries 17) ließen so etwas wie Vorfreude auf den nächsten aufkommen: Während Lynley ganz allmählich auf die Sonnenseite des Lebens zurückzukehren schien, erlebte Barbara Havers ihren persönlichen Super-Gau - Hadiyyah, Nachbarskind, Ersatz-Tochter und Lesers Sonnenschein wird von ihrer eigenen Mutter Angelina entführt... oder auch nicht, denn Hadiyyahs Vater, Barbaras heimliche Liebe Azhar, ist nicht offiziell als ihr Erzeuger eingetragen und besitzt somit keinerlei Rechte. Bleibt nur die Hilfe von Privatdetektiven, die auch nichts herausfinden, bis Hadiyyah eines Tages wirklich entführt wird - mitten von einem belebten mercato (bitte kursiv lesen) in Lucca. Während für Angelina klar ist, dass nur Azhar dahinter stecken kann, beginnt für die italienische Polizei ein Wettlauf mit der Zeit, den Barbara durch Manipulieren von Presse und Kollegen zu gewinnen versucht. Lynley reist als Verbindungsbeamter nach bella Italia, und an die Entführung schließt sich dann doch noch ein veritabler Mord an...

Just One Evil Act setzt nahtlos da an, wo der Vorgänger aufhörte, und auf den ersten Blick ist es ein Buch, das die Herzen aller Havers-Freunde höher schlagen lässt, denn Barbara steht so sehr im Zentrum des Geschehens wie selten zuvor. Routiniert wie eh und je spinnt Elizabeth George ihre Figuren, legt Innenleben und Gefühle bloß, schreibt dicht und immer wieder nach dem Prinzip "Show, don't tell".
Habe ich eben "routiniert" gesagt? Jawoll, und damit beginnen die Probleme: In all der Routine scheint ihr nicht mehr aufgefallen zu sein, wie klischeehaft einige Personen geraten sind. Der italienische Polizist, der sich bei der Mamma mit Pasta bekochen lässt? Der schmierige Privatdetektiv, der geradewegs einem schlechten Krimi entstiegen zu sein scheint? Seine Assistentin aka Superwoman, die in ihren jungen Jahren schon so ziemlich jeden Job gemacht hat, den es gibt, von Scheich auf Privatjacht bekochen bis Security bei Ich- weiß-nicht-mehr-wem?

Und dann das "italienische Ambiente". Nie, nie, nie hätte ich erwartet, dass einem Routinier wie Elizabeth George ein solcher Fehler unterlaufen könnte, aber sorry, mi dispiace, italienisches Ambiente schafft man NICHT, in dem man alle paar Zeilen ein paar Brocken Landessprache einfügt. Ein Markt wird nicht italienischer, indem man ihn konsequent mercato nennt - und das ist noch das geringste Übel. Gerechterweise muss ich sagen, dass die sprachlichen Verwirrungen ab einer bestimmten Stelle tatsächlich Sinn machen, nämlich wenn Barbara Havers die sonnige Bühne Italiens betritt und nur noch Bahnhof versteht. Zu diesem Zeitpunkt hat der Leser allerdings bereits den Eindruck, selbst ein paar Gläser vino zuviel getrunken zu haben, denn was uns da als Barbara Havers verkauft wird, IST nicht Barbara Havers, sondern ein verliebtes Mädchen, das sich taub, blind und beratungsresistent über jede Regel von Polizeidienst (und gesundem Menschenverstand) hinweg setzt, dabei ihren Arbeitsplatz und ihre Freundschaft zu Lynley riskiert und sich nicht ein einziges Mal Gedanken über die Folgen macht. Halt das pubertierende Mädchen von nebenan, aber NICHT Barbara Havers.

Gibt's etwas Positives zu sagen? Natürlich. Der Titel ist klug und typisch George, wie wir sie mal kannten, denn welches nun die erste böse Tat war, die viele weitere böse Taten erzeugt hat, darf sich der Leser selbst überlegen. Die eine böse Tat, die zum erwähnten Mord führt, ist gut versteckt. Die Themen - Trennungen, die in Auslandsentführungen von Kindern enden, Einfluss der Presse auf Ermittlungen, aber auch Barbaras ausweglose Einsamkeit - könnten spannend und bewegend sein. In dieser Umsetzung werden sie jedoch von der Möchtegern-italienischen Kulisse und dem sonderbaren Verhalten einiger Figuren völlig an die Wand gespielt. Zum ersten Mal - zum allerersten Mal nach fast zwanzig Lynley-Krimis - hatte ich das Gefühl, dass da jemand aus Amerika über Europa schreibt und wirklich keine Ahnung hat, was er dabei tut. Von der Cleverness und Spannung solcher Romane wie Playing for the Ashes und In the Presence of the Enemy (Roman) ist Just One Evil Act meilenweit entfernt. Und dass ich hier drei Sterne anklicke, hat mehr etwas mit alter Verbundenheit als mit innerer Überzeugung zu tun. Zu empfehlen lediglich für optimistische Hardcore-Fans, die sich auch den nächsten Band noch zulegen werden - denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 23, 2014 11:26 AM CET


Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert: Roman
Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert: Roman
von Joël Dicker
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

13 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Die wirklich wahre Wahrheit über den Fall Harry Quebert, 24. September 2013
Marcus Goldman, Nachwuchsstar der amerikanischen Literaturszene, hat ein Problem: Ihm fällt nichts mehr ein. Ablenkung naht, als die Leiche eines seit über dreißig Jahren vermissten Mädchens auf dem Grundstück seines Mentors Harry Quebert gefunden wird. Marcus macht sich auf, den väterlichen Freund vom Mordverdacht reinzuwaschen... und findet dabei weit mehr als nur ein Thema für seinen neuen Roman.

"Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" gehört zu den Büchern, die alleine deswegen lesenswert erscheinen, weil sie mehr als ein Genre bedienen. Krimi - ja, schließlich gibt's reichlich Leichen, Verdächtige und falsche Spuren, aber auch ein Entwicklungsroman, denn Nachwuchsstar hin oder her, erwachsen ist Marcus noch lange nicht, eine Liebesgeschichte, ein Blick in die amerikanische Kleinstadtwelt, ein Buch über das Bücherschreiben, und, besonders clever, ein schön verschachtelter Roman im Roman. Der letzte Punkt äußert sich schon in der Aufmachung (die ein guter Grund ist, sich ein altmodisches Papierexemplar und kein Ebook zuzulegen), wird konsequent bis zur Danksagung durchgehalten und durch ein wenig Schnickschnack unterstrichen - so zählen wir die Kapitel rückwärts und erfahren nebenbei von Harry Quebert selbst, wie man ein richtig gutes Buch schreibt.

Nun bestehen Bücher aber nicht nur aus Aufmachung und Ideen, sondern auch aus der Umsetzung. Schon die Ausgangssituation konnte mich nicht so recht überzeugen: Marcus Goldman, dessen erklärtes Ziel es ist, Harrys Unschuld zu beweisen, darf so ohne weiteres den zuständigen Polizeibeamten bei seinen Ermittlungen begleiten und das, was er dabei erfährt, für seinen Roman verwenden. Dabei zaubert der Autor bis zum Ende hin immer wieder ein paar Kracher aus dem Ärmel, die die Spannung hoch halten. Genauso konsequent öffnet er aber auch ständig neue Logiklöcher, die mit der Auflösung nicht kleiner werden.

Dann ist da die Sache mit Nola. Der Autor hat die schwierige Aufgabe, uns Lesern eine echte Liebesgeschichte zwischen der fünfzehnjährigen Nola und einem zwanzig Jahre älteren Mann zu verkaufen. Und das misslingt meinem Empfinden nach völlig. Weder wirkt Nola auch nur ansatzweise wie eine Fünfzehnjährige (und ich schreibe mit Absicht nicht "wie eine normale Fünfzehnjährige"), noch versteht man, was die beiden aneinander finden - außer reichlich Gelegenheit, sich mit "Meine Allerliebste" - "Mein Allerliebster" anzuschmachten.

Das größte Problem ist aber in meinen Augen der Erzählstil. Der Roman ist extrem dialoglastig, wobei man sich vorzugsweise siezt und mit Vornamen anspricht. Das mag dem französischen Original geschuldet sein, wirkt auf über 600 Seiten aber irgendwann nur noch unnatürlich. Wenn dann wirklich mal erzählt wird, geschieht das sparsam, abgehackt und ohne jede sprachliche Originalität. Echte Nähe zu den Figuren entsteht dabei kaum, einige wirken klischeehaft und nicht ausgereift, andere überzeichnet und manche schlicht unglaubwürdig. Und vieles kommt einem auch irgendwie bekannt vor: Ein Hauch "Twin Peaks", eine gute Prise "Psycho", ein Schuss "Phantom der Oper" und woher kenne ich noch die Zutat "Nola"? - ach ja, aus Woody Allens "Matchpoint". Fertig ist der Buchcocktail.

Die wirklich wahre Wahrheit über den Fall Harry Quebert? Harry Quebert sagt es selbst: "Ein gutes Buch, Marcus, ist ein Buch, bei dem man bedauert, dass man es ausgelesen hat." Nach über siebenhundert Seiten habe ich tatsächlich Bedauern gespürt. Allerdings nicht, weil ich das Buch ausgelesen hatte, sondern weil aus der tollen Idee kein besserer Roman geworden ist.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8