Profil für theSilentNoirFreak > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von theSilentNoirFreak
Top-Rezensenten Rang: 14.912
Hilfreiche Bewertungen: 955

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
theSilentNoirFreak (Somewhere over the rainbow ... and beyond!)

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-12
pixel
Hedy Lamarr - Secrets of a Hollywood Star / Ekstase (2 DVDs)
Hedy Lamarr - Secrets of a Hollywood Star / Ekstase (2 DVDs)
DVD ~ Hedy Lamarr
Preis: EUR 25,99

9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine Hollywood-Karriere zwischen Ekstase & Erfindung: Hedy Lamarr - Leinwand-Göttin der 40er Jahre, 6. Juni 2010
Hedwig Eva Maria Kiesler wurde 1914 als Tochter eines Bankdirektors und einer Konzertpianistin in Wien geboren und ging noch als Teenager nach Berlin, um sich dort bei Max Reinhard in der Kunst des Schauspiels zu üben. Es folgten Rollen in Spielfilmen, so spielte Hedwig Kiesler bereits 1932 eine ihrer ersten Hauptrollen (neben Heinz Rühmann und Hans Moser) in MAN BRAUCHT KEIN GELD. Doch erst im folgenden Jahr entstand der tschechisch/österreichische Film unter der Regie von Gustav Machatý, der sie berühmt machen und in die Geschichte des Films eingehen lassen sollte: SYMPHONIE DER LIEBE, bis heute besser und allgemein bekannt als EKSTASE. Der melodramatische Charakter des Films ging schnell unter, im Gespräch waren die skandalösen Nacktszenen: Hedwig Kiesler badet im See, läuft durch den Wald und über Wiesen hinter ihrem flüchtigen Pferd hinterher - alles splitternackt. Doch als mindestens ebenso skandalträchtig erwies sich ihr lustvoll verzücktes Mimikspiel beim anschließenden, außerehelichen Sex (bei dem sie, ebenso wie ihr Partner, vollkommen angezogen ist!), das dann letztendlich auch zur neuen und bleibenden Titelvergabe EKSTASE führte. Hedwig Kiesler hatte sich in der Filmwelt soeben einen Namen gemacht, durch ihre anschließende Heirat mit Fritz Mandl erlitt ihre Karriere als Filmschauspielerin allerdings zunächst einen Knick. Mandl, der für die Rüstungsindustrie tätig war und sowohl mit Benito Mussolini wie mit Adolf Hitler in 'geschäftlicher Beziehung' gestanden haben soll, soll Hedwig despotisch von der Schauspielerei ferngehalten und sogar jede vefügbare Kopie von EKSTASE aufgekauft haben, um diese zu zerstören. Hedwig floh aus Wien und in London begegnete sie dann Louis B. Mayer (Studio Boss der MGM-Studios in Hollywood), der just zu dieser Zeit auf Talentsuche in Europa unterwegs war: Ein neues hatte er jetzt in der Hauptdarstellerin aus EKSTASE gefunden und noch bevor beide in Amerika ankamen, war aus der ehemaligen Hedwig Kiesler bereits Hedy Lamarr geworden (den Namen erwählte Mayer in Anlehnung an den ehemals erfolgreichen, wegen Drogenmißbrauchs früh verstorbenen Stummfilmstar Barbara Lamarr) - in Hollywood gab es jetzt ein neues Gesicht, einen neuen Namen ... einen neuen Star!
Zum Star wurde Hedy Lamarr nämlich schlagartig durch den von Walter Wanger produzierten Film ALGIERS (ein Remake des französischen Films PÉPÉ LE MOKO) aus dem Jahr 1938 - der Erfolg des Films war sensationell, etablierte ihr erotisches Image sowie ihre Frisur und sorgte für eine Reihe weiterer Hollywood-Filmproduktionen (davon später einige in eigener Produktion) - obwohl Hedy Lamarr am Set/im Studio als wenig ambitioniert und sogar schwierig galt. In der weiblichen Hauptrolle und als Partnerin von Victor Mature in Cecil B. DeMille's Bibel-Film SAMSON UND DELILAH (1949) ist sie den allermeisten Zuschauern vermutlich noch am besten in Erinnerung, doch wurde ebenfalls bereits ihre Performance in dem Film WHITE CARGO (1942) berühmt - dies durch ihren legendären Spruch "I am Tondelayo!", der sich in den USA zum Kult entwickelte.
Der Hollywood Star machte sich allerdings noch auf einem anderen Gebiet einen Namen, nämlich auf dem der Erfindung. Zusammen mit dem Hollywood Komponisten George Antheil entwickelte die erklärte Gegnerin des Nationalsozialismus während des Zweiten Weltkrieges ein Verfahren zur Funkfernsteuerung von Torpedos auf der Basis von störungssicheren, selbsttätig wechselnden Frequenzen (= 'frequency-hopping') und meldete dies 1942 zum Patent an. Das Patent kam damals militärisch zwar nicht zum Einsatz, wurde aber in den 90er Jahren wieder entdeckt und gewürdigt, da 'frequency-hopping' (noch heute) in der Kommunikationstechnologie (Bluetooth und WLAN) genutzt wird. Hedy Lamarr bekam daher 1997 einen 'Pioneer Award' verliehen und ihr Geburtstag, der 9. November, gilt mittlerweile als 'Tag der Erfinder'.
Durch die 50er Jahre hindurch erschien die Schauspielerin immer seltener vor der Kamera, in den 60ern gelangte ihr Name durch die Veröffentlichung ihrer Autobiographie "Ecstacy and me", jedoch noch zuvor im Zusammenhang mit einem Ladendiebstahl erneut in die Medien (und letzteres 1991 ein weiteres Mal). Hedy Lamarr, die im Laufe ihres Lebens sechs mal verheiratet gewesen war (u.a. mit dem britischen Schauspieler John Loder sowie mit dem deutschen Bandleader Teddy Stauffer) und ebenso oft geschieden wurde, zog sich zusehends aus dem öffentlichen Leben zurück, lebte für eine Zeit in New York und zog später nach Florida. Sie strebte in den 90ern ein Verfahren gegen den Software-Hersteller Corel an, der ohne Lizenz eines ihrer Fotos für seine Produktverpackung verwendet hatte - darüber hinaus wurde es ruhig um die ehemalige 'Hollywood-Göttin', die knapp den 'Sprung' ins neue Millennium schaffte und 85-jährig im Januar 2000 verstarb.

Die wichtigsten Stationen des bewegten und interessanten Lebens von Hedy Lamarr wurden in der 2005/2006 entstandenen/veröffentlichten Dokumentation von Donatello & Fosco Dubini und Barbara Obermeier noch einmal zusammengefasst. Dabei kommen viele Zeitzeugen zu Wort, darunter Leute aus der Filmbranche, Schauspieler Mickey Rooney, ehem. Freunde & Freundinnen, Adoptivsohn James Loder oder auch Autor/Independant Filmer Kenneth Anger sowie, durch eingeschnittene Szenen eines 1970 aufgenommenen Interviews, Hedy Lamarr selbst. Begleitet werden alle ihre Aussagen von Fotos, Filmausschnitten und Ton-Samples, welche - über die eigentliche Zielsetzung dieser Doku hinaus - die klassische Hollywood-Ära noch einmal aufleben lassen. Ca. 84 Minuten können selbstredend nicht erschöpfend ein Leben wie dieses reflektieren, dennoch sollte honoriert werden, daß hier erfolgreich ein Schritt in eine richtige Richtung unternommen wurde - anders, als in Fällen von z.B. Marilyn Monroe oder Charles Chaplin, herrschte bezügl. dieses Film Stars bislang ein 'Dokumentationsvakuum'. Was sich dem interessierten Zuschauer hier präsentiert, ist das aufschlußreiche Portrait einer vielschichtigen, faszinierenden Persönlichkeit sowie eines eben solchen Lebens.
Die Doku befindet sich auf Disc 1 dieser DVD-Präsentation und zusätzlich, wie bei der 'Edition Filmmuseum' bereits üblich, gibt es zahlreiche Extras (einmal mehr auch im ROM-Part dieser DVD), die an dieser Stelle unmöglich alle aufgeführt werden können, ohne den Rahmen der Rezension zu sprengen (wirklich beachtlich!!!), komprimiert dazu nur so viel: Haufenweise Fotos, einige Zitate (von Hedy), div. Pressemeldungen, abgedruckte Interviews, die nicht in der Doku erschienen, ein Auszug aus den Hays-Zensurbestimmungen und ein ca. 13-minütiges Interview mit dem Hollywood-Friseur Eric Root, das für ergänzende Informationen sorgt.

Auf Disc 2 wird dann der 'skandalöse' Klassiker EKSTASE präsentiert (und im ROM-Part, nur über Computer einzusehen, gibt's weitere gedruckte Texte). Der Film, der in die Geschichte einging, als der erste Film, der - jenseits pornographischer Intentionen - Nacktszenen zeigte, ist eigentlich ein Melodram. Hedy Lamarr/Hedwig Kiesler spielt eine jung verheiratete Ehefrau die im Eheleben umkommt vor Langerweile und in der Folge mit einem jüngeren Liebhaber in sinnliche EKSTASE gerät. Nachdem ihr Ehemann dramatisch ums Leben kommt, wird sie glücklich mit ihrer neu gefundenen Liebe. Die insgesamt nur ca. 79 Min. Filmlänge bedeuten für die Darstellung des tatsächlichen Inhalts eigentlich schon beinahe Überlänge, für Filmhistoriker ist das Ansehen dennoch (und nicht allein wegen der Nacktszenen der damals noch 17-jährigen Hedwig) ein kleines Fest: Die Wortarmut sowie signifikante Szenen von symbolträchtiger Bildkomposition lassen erkennen, daß sich noch stark an den Mustern des Stummfilms orientiert wurde, wobei es an musikalischer Begleitung, an 'Tonkulisse' also, wirklich nicht fehlt. Bedauerlich ist, daß es sich bei dieser DVD nicht um das Original handelt, sondern offenkundig um eine Video-TV-Aufzeichnung (bei der eigentlich schon vollauf gerechtfertigten 5-Sterne-Wertung für diese gesamte DVD-Edition hätte es die Original-Version vom 'Filmarchiv Austria' sein müssen - somit "nur" 4 Sterne). Tatsächlich aber erhält Deutschland auf diesem Wege überhaupt erstmals die Möglichkeit, sich den Film-Klassiker (mit leichter, dabei nicht sonderlich beeinträchtigender Tendenz zur Überbelichtung) auf DVD ansehen zu können, was für jeden Sammler und besonders für Hedy Lamarr-Fans selbstredend eine wahre Bereicherung darstellt.

TV-Format: 16:9 PAL / 4:3 PAL, Originalformat: 1,77:1 / 1,33:1, Tonformat: Dolby Digital 2.0 Mono, Sprache: Deutsch/Engl. (+ deutsche/engl. Untertitel), Regionalcode: 0 (= kann in aller Welt auf jedem DVD-Player abgespielt werden). Insgesamt darf man mit dieser Doppel-DVD sehr zufrieden sein, bedenkt man, daß auf dem deutschen DVD-Markt bislang keine Filme mit Hedy Lamarr angeboten werden (was bedauerlicherweise auch daran liegt, daß einige ihrer Klassiker zum sog. 'Öffentlichen Eigentum' gehören). Durch diese DVD-Veröffentlichung nun besteht eine tolle Möglichkeit, sich Leben und Werk des ehemaligen Film Stars zu nähern. Für Fans des Hollywood-Stars sowie für Hollywood-Fans allgemein und ebenfalls für Freunde des frühzeitlichen, europäischen Tonfilms ist HEDY LAMARR - SECRETS OF A HOLLYWOOD STAR ein definitives 'Must Have' - für interessierte 'Neueinsteiger' eine wirklich hervorragende Gelegenheit zur 'Weiterbildung'. In jedem Falle eine unbedingte Empfehlung!!!
-- theSilentNoirFreak
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 31, 2012 10:50 PM MEST


Whirlpool
Whirlpool
Wird angeboten von Tolle Unterhaltung
Preis: EUR 8,03

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gene Tierney in Hypnose ... unter Otto Preminger's Regie, 4. Juni 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Whirlpool (DVD)
Rezension zur US-DVD, veröffentlicht durch FOX:

In Otto Preminger's Film WHIRLPOOL (1949 durch die Fox-Studios realisiert) spielt Gene Tierney Ann Sutton, Ehefrau des Psychoanalytikers Dr. William Sutton (Richard Conte) und ... Kleptomanin! In einem Kaufhaus am Wilshire Blvd. stiehlt sie eine Brosche und wird prompt dabei erwischt. Einer Anzeige und somit einem Skandal - als Gattin einer Persönlichkeit des öffentlichen Lebens wäre dieser unabwendbar - kann sie aber entgehen, als sich der eloquente Hypnotiseur David Korvo (José Ferrer) einschaltet, der die Geschäftsleitung des Kaufhauses davon zu überzeugen versteht, daß sich die Angelegenheit auch diskret und diplomatisch regeln läßt. Nachdem Ann den ersten Schock überwunden hat, fragt sie sich natürlich, warum Korvo sich für sie eingesetzt hat - die Antwort läßt nicht lange auf sich warten: Schon sehr bald erhält sie von Korvo einen Anruf und er besteht darauf, sich mit ihr zum Mittagessen zu treffen - hat Ann eine Wahl? Das Treffen gestaltet sich für Ann wie ein Wechselbad der Gefühle, aus dem sie letztlich aber erleichtert heraus geht; das Vertrauen, das sie jetzt zu David Korvo gefunden hat, begünstigt eine weitere Verabredung und dieses Mal begleitet Ann ihn zu einer Party, wo er sie zum ersten Mal hypnotisiert: Korvo sorgt auf diesem Weg dafür, daß sie ihre Schlafstörungen überwindet, doch lotet er dabei simultan bereits ihre psychische Resistenzfähigkeit aus. Geschickt stellt er es an, Ann mehrfach wieder zu treffen (ohne, daß Ann's Ehemann jemals davon erfährt), sie erneut in Hypnose zu versetzen ... und ihr schließlich einen Auftrag zu erteilen. Theresa Randolph ist Korvo eine unliebsame Person und außerdem Patientin bei Ann's Mann, der Audio-Aufzeichnungen seiner Patientengespräche (auf Schallplatte) zu Hause archiviert. Ann soll nun eines Abends zwei der Schallplatten mit Aufzeichnungen von Theresa Randolph's Sitzungen aus dem Archiv ihres Mannes entwenden, damit zu Theresa Randolph's Haus fahren und sie dort verstecken. Da Korvo's Hypnose auf Ann wirkt, erledigt sie in Trance alles, wie es ihr aufgetragen wurde, nur ... Theresa Randolph ist zu Hause, sie sitzt währenddessen auf ihrem Sofa ... und zwar tot - ermordet! Der Sicherheitsdienst, der just in diesem Augenblick des Szenarios ansichtig wird, ruft sofort die Polizei und Lieutenant Colton (Charles Bickford) nimmt jetzt die Ermittlungen auf. Ann ist - wie kann es anders sein? - dringend tatverdächtig, wie soll sie die Polizei und auch ihren Mann von ihrer Unschuld überzeugen, ohne dabei unliebsame Geheimnisse von sich selbst preis zu geben ... ?

WHIRLPOOL ist eine solide, 'glatte' Hollywood-Produktion und dies ist eindeutig zurück zu führen auf die professionelle Arbeit des Regisseurs Otto Preminger, der Routine und Expertise zu kombinieren wußte. Die Story klingt interessant, wirkt allerdings wenig glaubwürdig, obwohl Preminger auch an diesem Aspekt gearbeitet hatte (unter Einbeziehung von Medizinern und eines Hypnotiseurs) - am Drehbuch arbeitete u.a. Ben Hecht mit. Ein wirklicher 'Film Noir', im klassisch definierten, enger gefaßten Sinne, ist WHIRLPOOL nicht, unübersehbar aber wurde der Krimi im Noir-Stil gedreht - auf diese Art der Inszenierung verstand sich Otto Preminger und mit Arthur C. Miller (u.a. THE OX-BOW INCIDENT, SONG OF BERNADETTE, THE PROWLER) stand ein versierter Kameramann zur Verfügung. Die Inszenierung sieht einige dialogintensive Szenen vor, ebenfalls aber längere, wortlose Sequenzen, die bravourös von David Raksin's Musik untermalt wurde.
Zu den Darstellern gehören einige der bereits etablierten Namen bei Fox: Gene Tierney (nach längerer Abwesenheit, bedingt durch die Geburt ihres zweiten Kindes, wieder vor der Kamera), Richard Conte sowie Charles Bickford - Newcomer: José Ferrer, noch am Anfang seiner Laufbahn. Ferrer überzeugt von allen am meisten (wer übrigens seinen Sohn, Miguel Ferrer, in der TV-Serie TWIN PEAKS - als Agent Rosenfield - gesehen hat, darf hier der frappierenden Ähnlichkeit zwischen Vater und Sohn ansichtig werden), wird der Darstellung des zwielichtigen David Korvo den gesamten Filmverlauf über gerecht. Gene Tierney ist in einigen Szenen wirklich gut, schwächelt dafür in manchen anderen, in denen ihr Mimikspiel Schauspielkunst vermissen läßt - Richard Conte ist guter Durchschnitt, Charles Bickford einfach passend besetzt. In der Gänze wirkt der Film auf mich, wie eine 'sauber', dabei nicht gänzlich makellos ausgeführte Auftragsarbeit. Nach dem ersten Ansehen rangierte WHIRLPOOL für mich zunächst eindeutig in der 3 Sterne-Kategorie, ein erneutes Ansehen hat mich dann doch dazu bewogen, einen weiteren Stern zu erteilen und den gibt es für die Inszenierung. Kameraeinstellungen, Belichtungen sowie die Musik in einer ohnehin gelungenen Szenenabfolge, an der es keine unnötigen Längen zu bemängeln gibt (in der Endphase sogar eher das Gegenteil), machen WHIRLPOOL zu einem guten Film im klassischen Hollywood-Stil, der den Zuschauer 98 Minuten lang genrespezifisch zu unterhalten vermag: Otto Preminger not at his best, but still very good! Dieser Regisseur verstand einfach sein Handwerk.
Die Kritiken spalteten sich: Die Geschichte wurde von manchen als unglaubwürdig, die Darstellungen als künstlich bezeichnet, andererseits wurde auch José Ferrer's Performance lobend hervor gehoben - dies, wie bereits erwähnt, zurecht.

Da es sich bei dieser DVD um ein US-Produkt handelt, ist sie auf Regionalcode: 1 genormt (also nicht problemlos auf europäischen DVD-Playern abspielbar), als einzige Sprache steht die englische (in mono & stereo) zur Verfügung, darüber hinaus engl. und span. Untertitel. Extras: Audio-Kommentar von Richard Schickel und der Kinotrailer, außerdem 7 weitere Trailer von Fox-Filmen, die dem 'Noir'-Genre verwand sind. Der DVD ist ebenfalls ein Blatt mit zusätzlichen, filmspezifischen Informationen beigelegt.
Der Film ist kein erklärtes 'Muß', wird Freunden des Hollywood-Films, besonders der 'Schwarzen Serie', dennoch Spaß machen und darf in eine Sammlung mit diesem Schwerpunkt auch ohne Reue integriert werden - für Preminger-, Tierney-, Conte-, Ferrer- und Bickford-Fans versteht sich die DVD-Anschaffung von selbst. Viel Spaß beim Ansehen ... nur José Ferrer nicht zu tief in die Augen schauen!
-- theSilentNoirFreak


Days Of Wine And Roses [UK Import]
Days Of Wine And Roses [UK Import]
DVD ~ Jack Lemmon

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Erschütterndes Alkoholikerdrama mit Jack Lemmon & Lee Remick von Blake Edwards, 3. Juni 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Days Of Wine And Roses [UK Import] (DVD)
Regisseur Blake Edwards ist allgemein bekannt für Filme der leichteren Unterhaltung; die PINK PANTHER-Reihe sowie FRÜHSTÜCK BEI TIFFANY'S machten ihn auf diesem Sektor berühmt, mit DER PARTYSCHRECK, BLIND DATE oder auch SWITCH führte er diese Linie fort. Noch in der Frühzeit seiner Karriere 'wagte' Edwards sich allerdings gelegentlich auch in andere Genres vor und so entstand 1962 das Drama DAYS OF WINE AND ROSES (deutscher Titel: "Stärker als alle Vernunft"), das für viele Preise (darunter 4 Oscars) nominiert wurde und einige auch gewann, darunter den Oscar für den Besten Song (Text: Johnny Mercer, Musik: Henry Mancini). Der Film behandelt das Thema Alkoholsucht.

Jack Lemmon spielt Joe Clay, der in der PR-Branche tätig ist und eines Tages Kirsten Arnesen (Lee Remick) kennnen lernt. Joe ist das Trinken gewohnt, Kirsten trinkt nie. Als die beiden eines Abends ausgehen, überredet Joe sie zu einem schmackhaften Drink und Kirsten findet Gefallen daran. Joe und Kirsten heiraten, bald ist Nachwuchs unterwegs - Joe will selbstverständlich seiner Verantwortung gerecht werden und die Familie ernähren, doch nimmt der Druck durch seine Arbeit zu und er weiß sich nicht anders zu helfen, als seinen Alkohokonsum zu steigern, um abzuschalten. Mehr und mehr verliert er die Kontrolle darüber und Kirsten leistet ihm beim Trinken Gesellschaft - doch trinkt sie mittlerweile auch allein, wenn er beruflich noch bis in den Abend eingespannt ist. Eines Abends setzt sie im Rausch die Wohnung in Brand, Joe verliert zudem seinen Job, die Familie muß in eine billige Absteige umziehen - doch an Joe's und Kirsten's Trinkgewohnheiten ändert das alles nichts. Eines Tages allerdings 'erwacht' Joe, als er sein Spiegelbild in einer Fensterscheibe als das Gesicht eines 'Penners' identifiziert. Nach Jahren des Mißbrauchs, in denen er mehrfach seinen Job verlor, beschließt er, daß es an der Zeit ist, etwas zu ändern. Familie Clay zieht für eine Zeit zu Kirsten's Vater (Charles Bickford), der eine Blumenzucht betreibt. Joe's Plan sieht vor, Kirsten's Vater zu unterstützen, die Arbeit an der frischen Luft würde gut tun und Kirsten und er könnten, jenseits der gewohnten Atmosphäre, ihr Ziel verwirklichen und Abstand vom Alkohol gewinnen. Zunächst sieht auch alles erfolgversprechend aus, doch bekanntlich reicht ein einziger Drink ... und der läßt das Paar dann auch wieder 'umkippen'. Joe ist bereit, sich einzugestehen, daß er Alkoholiker ist und es ohne 'Hilfe von außen' nicht schaffen wird, Kirsten bezeichnet sich nicht als Alkoholikerin und ist der Meinung, sie schafft's schon, wenn sie es wirklich will. Das Paar entzweit sich, Joe wendet sich an die Anonymen Alkoholiker und findet in seinem Betreuer Jim Hungerford (Jack Klugmann) echte Hilfe. Er findet auch erneut die Stärke, sich von seiner Sucht zu befreien - wenigstens für eine Zeit -, während Kirsten immer tiefer fällt. Ihre gemeinsame Tochter Debbie lebt gegenwärtig bei Joe, der sich wieder gefangen hat und Joe wünscht sich nichts mehr, als daß sie alle wieder als eine Familie zusammen leben können ... doch die Gefahr des Rückfalls ist schon für ihn allein zu groß ...

Das Ende des Films bleibt mehr oder minder offen und das ist nur allzu realistisch - die tatsächliche Schlußszene nämlich bringt eine Wahrheit auf den Punkt: Einmal Alkoholiker, immer Alkoholiker ... ob 'naß' oder 'trocken'. Es hat bereits andere Verfilmungen zum Thema gegeben, die ebenfalls in eindringlichen Bildern das Dilemma der Problematik aufzeigten: Die Abhängigkeit, den Selbstbetrug, den Exzess, die Scham, den Kampf. Was aber DAYS OF WINE AND ROSES von seinen Vorgängern unterscheidet ist, daß es hier um kein Einzelschicksal geht, sondern um ein Paar, woraus sich die zusätzliche Problematik ergibt, daß einer den anderen wieder herunter zu ziehen vermag, wenn er/sie 'umkippt' - die Belastung der obligatorischen Trennung, solange nicht beide 'am selben Strang ziehen', kommt zur eigenen Therapierung hinzu. Die dargestellte Therapierung durch Einbeziehung einer Gruppe Gleichgesinnter, den Anonymen Alkoholikern, dürfte 1962 ebenfalls innovativ gewesen sein. Jack Lemmon liefert hier ohne Zweifel eine ungewöhnlich intensive Performance ab, Lee Remick allerdings steht ihm in absolut nichts nach. Sie spielt über den gesamten Filmverlauf großartig und stellt dabei auch die Persönlichkeitsveränderungen des Kirsten-Charakters 'gruselig' gut dar. Beide Hauptdarsteller wurden auch bereits für einen Oscar prämiert, Charles Bickford und Jack Klugman überzeugen in ihren Nebenrollen ebenfalls - der Film fand bei Kritik und Publikum Beachtung. Auffällig ist seine Zweiteilung: Die erste Hälfte wirkt oft noch komödiantisch, zeigt auch Jack Lemmon in einigen Szenen, wie man ihn aus seinen erheiternden Filmen kennt - im zweiten Teil erst schält sich ohne Verklärungen der Drama-Aspekt heraus. JP Miller schrieb das Drehbuch, von ihm stammte überhaupt im Ursprung die Story, die 1958 bereits für das Fernsehen verfilmt wurde - seinerzeit hatte Charles Bickford ebenfalls die Rolle von Kirsten's Vater gespielt. Die titelgebende Zeile DAYS OF WINE AND ROSES entstammt einem Gedicht des Engländers Ernest Dowson.

Der Film liegt auf dieser DVD in englischer wie in spanischer Sprache vor (mono) und trotz einer Flut von (insgesamt 15 verschiedenen) Untertiteln wird die deutsche Sprache komplett vernachlässigt (es gibt aber englische) - zum Bild heißt es auf dem Cover: Aspect Ratio 1.85 Widescreen. Das Bonusmaterial beinhaltet einen aufschlußreichen Audio-Kommentar von Blake Edwards, zwei Original Trailer und ein früheres Interview mit Jack Lemmon, das ebenfalls interessant ist. Regionalcode: 2. In Deutschland erschien der Film bislang nicht auf DVD - Interessierte haben also kaum eine Wahl, bei der z.T. bereits niedrigen Preislage sollte die Entscheidung allerdings nicht schwer fallen. Unzweifelhaft handelt es sich um kein angenehmes Thema, das Blake Edwards hier verfilmte, ebenso unzweifelhaft aber gaben Lemmon und Remick in der insgesamt gelungenen Inszenierung außergewöhnliche Darbietungen. Wer sich davon überzeugen möchte und sich dem 'Sucht-Horror' gegenüber gewappnet sieht, dem sei Edwards's Ausnahme-Film unbedingt empfohlen!
-- theSilentNoirFreak


Breezy - Begegnung am Vormittag
Breezy - Begegnung am Vormittag
DVD ~ William Holden
Wird angeboten von music_fun
Preis: EUR 15,25

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Clint Eastwood's 3. Film in eigener Regie - bemerkenswert "anders", 2. Juni 2010
Rezension bezieht sich auf: Breezy - Begegnung am Vormittag (DVD)
Wenn man an Clint Eastwood denkt, besonders an die Jahre, die ihm seine anfänglichen Erfolge bescherten und ihn somit in der Film-Welt etablierten, so fallen einem wohl zu allererst seine Verkörperungen von schweigsamen Westernhelden mit verkniffenem Mimikspiel ein oder seine (mehrfach wiederholte) Darstellung des zynischen Cops DIRTY HARRY. Eastwood begann allerdings bereits in den frühesten 70ern - also lange vor seinen beachteten sowie z.T. auch prämierten Regie-Erfolgen, wie u.a. ERBARMUNGSLOS, DIE BRÜCKEN AM FLUSS, MYSTIC RIVER oder MILLION DOLLAR BABY - sich ebenfalls in der Kunst der Regieführung zu üben. 1971 entstand SADISTICO in eigener Regie, zwei Jahre später EIN FREMDER OHNE NAMEN ... und im selben Jahr BREEZY. BREEZY war die erste Regie Arbeit Eastwoods, in der er selbst vor der Kamera nicht präsent war und in BREEZY änderte sich auch das Sujet: Western- oder Krimi-Motive wichen hier einer durchaus vielschichtigen Beziehungsthematik. An den Kinokassen erwies sich der Film als nicht sonderlich lukrativ - als Grund dafür soll Eastwood den Universal-Studios vorgeworfen haben, daß zu wenig zielgerichtete Werbung betrieben wurde -, Hauptdarstellerin Kay Lenz erhielt dennoch eine Nominierung für den Golden Globe als "Beste Nachwuchsdarstellerin".

Edith Alice Breezerman, genannt 'Breezy' (Kay Lenz), ist ein junges Hippie-Mädchen. Sie lebt diese Kultur, hat somit wenig materielle Ansprüche, erweist sich allerdings als erstaunlich reif in einigen ihrer Anschauungen bezüglich der Werte im Leben, die das Materielle übersteigen. Und mit eben dieser Art beeindruckt sie Frank Harmon (William Holden), als sich ihre Wege kreuzen. Frank und Breezy trennen ca. 3 Jahrzehnte Lebenszeit von einander und somit obligatorisch auch Erfahrungsschatz und Lebensgrundsätze. Frank - im Immobiliengeschäft tätig - war bereits verheiratet, ist mittlerweile geschieden, läßt sich seither mit Frauen gern für eine Nacht ein, hat darüber hinaus aber (weitgehend) keine Ambitionen - er ist beziehungsscheu und schätzt das Alleinseinsein. Und jetzt tritt Breezy in sein Leben, die mit ihrer Gitarre (die sie niemals spielt) durch Los Angeles zieht und sich eines Morgens zu ihm ins Auto setzt, als Frank zur Arbeit fährt. Abends ist sie wieder da, plappert wieder drauf los, duscht und ißt bei Frank und verabschiedet sich - nur um am folgenden Abend abermals auftauchen. Frank hat sich mit dem 'Plappermaul' Breezy einen kleinen 'Quälgeist' aufgehalst, doch u.a. ihre jugendliche Vitalität, ihre Begeisterungsfähigkeit und ihre Einstellung zur Liebe bewegen ihn emotional. Die Zeit, die er mit Breezy verbringt, stellt eine 'Auszeit' zu seinem sonstigen Leben dar, das von gesellschaftlichen Konventionen und Routine geprägt ist - und dann ist sie auch schon wieder weg ... und wieder da. Ihrer beider Tagesinhalte, die unterschiedlicher kaum aussehen könnten, gestalten Frank und Breezy separat von einander, sie treffen sich gewissermaßen in den 'Zwischenräumen' ihrer Leben ... doch auf diesem Weg kommen sie einander immer ein Stück näher, emotional und auch körperlich. Als alles dann aber erkennbar auf eine Beziehung hinaus läuft, weil sich, außer Nähe und sich vertiefenden Emotionen schon ein Hauch von Routine einschleicht, macht Frank einen Rückzieher ... doch dann geschieht etwas, das ihn seine Entscheidung noch einmal überdenken läßt ...

In BREEZY manifestierte Clint Eastwood in seiner Eigenschaft als Regisseur bereits früh, was ihn mittlerweile längst auszeichnet: Einfühlsam porträtierte Charaktere, die, jenseits von Kitsch und Klichée, für Glaubwürdigkeit und Originalität sorgen. Und unter diesem Aspekt stellen William Holden und Kay Lenz auch eine hervorragende Wahl für die Personifizierungen von Frank und Breezy dar - dies zeigt sich sowohl in den Momenten, in denen sie als Kontrast zu einander fungieren sollen, wie in jenen, die sie in Harmonie mit einander teilen. Beide demonstrieren vor der Kamera sehr natürlich, wie - trotz Generationskonfliktpotential - Reife, Erfahrung und routinierte Lebensfunktionalität mit jugendlicher Energie und Lebensfreude, ungetrübter Liebesfähigkeit und idealistischem Gedankengut einen wunderschönen Austausch finden können. Auf dem Vorwege gehört bereits zur Stärke der Story, daß BREEZY keine Lobeshymne auf den 'Hippie-Lifestyle' sein soll, ebenso wenig, wie auf das 'Establishment', an beidem soll jedoch auch nicht grundsätzlich Kritik geübt werden - hier geht's um effektvolle Kontrastierung. Eastwood's Inszenierung vermag es, weitestgehend neutral die Charakteristika beider Welten sichtbar heraus zu stellen, darüber hinaus aber - und dies zeigt sich sehr gut auch in einigen Nebenrollendarstellungen, von denen der Film ebenfalls entscheidend profitiert - einfach Menschen mit ihren Bedürfnissen und Eigenheiten zu porträtieren und dies im Kern weitgehend unabhängig von ihrer jeweiligen Lebensweise. Das Script sieht zudem viele Dialoge vor, auf die sich der Zuschauer gern einläßt, weil oftmals vorhandene, wirkliche Substanz unüberhörbar ist.
BREEZY leitet sich ab von dem engl. Wort 'breeze', das als Substantiv so viel wie 'Hauch' oder 'Lüftchen' bedeutet, im Sinne des Verbs mit 'sanft wehen' übersetzt werden kann. Und in diesem Sinne runden auch die Zeilen, die für den Titelsong zu Michel Legrand's Musik geschrieben wurden, ein Gesamtbild ab: "Maybe we'll make each other laugh and maybe we will cry ... and maybe we'll be each other's friends before we say goodbye ..." Genau so gestaltet sich letztlich der Inhalt: Einer leichten Brise gleich weht Breezy in Frank's Leben, 'berührt' ihn kurz und weht wieder davon ... bis zum nächsten Windhauch - ihrer beider Leben scheinen sich temporär flüchtig zu berühren und bei jeder weiteren Begegnung bleibt etwas zurück, dennoch scheint es zu keiner 'Verfestigung' zu kommen.

Zur Zeit seiner Entstehung und Veröffentlichung stellte BREEZY aufgrund seines Gesamtcharakters sicher ein Ausnahme-Phänomen in Clint Eastwood's Film-Historie dar - aus heutiger Sicht wirkt der Film wie ein Vorbote auf seine späteren Regie-Arbeiten. Wie zielsicher/effizient er bereits damals vorzugehen wußte, zeigt sich ganz besonders in der Inszenierung der Szene, die den Auftakt zu Frank's und Breezy's erster Liebesnacht darstellt; die Regieführung darf aber in ihrer Gänze vorbehaltlos als gelungen bezeichnet werden, ihre Qualitäten zeigen sich nämlich auch in weiteren Details.
Die von 'Koch Media' heraus gegebene DVD kommt ohne Extras, sondern präsentiert lediglich den digital remasterten Film in deutscher sowie englischer Sprache (DD 2.0, Bild: 1.85:1 / 16:9) ohne Untertitel.
Wer Liebesfilme fern von Klischée und Melodram mag, ist hier genau richtig. BREEZY - BEGEGNUNG AM VORMITTAG ist definitiv ein sehenswerter Film, was ebenfalls daran liegt, daß, über den Beziehungsaspekt hinaus, erfolgreich das Porträt einer Gesellschaft in die Handlung mit eingeflochten wurde. Viel Spaß beim Ansehen.
-- theSilentNoirFreak
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 7, 2010 11:31 PM MEST


Dark Hope
Dark Hope
Preis: EUR 10,23

29 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sie kann's!, 1. Juni 2010
Rezension bezieht sich auf: Dark Hope (Audio CD)
Klar kann sie's, Renée Fleming's treuer Hörerschaft ist dies nichts Neues. Nur wird diese in aller Regel eher die Qualitäten dieser außergewöhnlich begabten Sängerin in ihrer Eigenschaft als Sopranistin zu würdigen wissen. Seit ihrem 1986er Debüt gewann 'The Beautiful Voice' viele Preise (u.a. Grammy Awards, Solti-Preis, Metropolitan Opera National Auditions), sang bislang 51 verschiedene Partien und dies z.T. in einigen der größten Opernhäuser der Welt (u.a. Wiener Staatsoper, Met, Scala & Covent Garden). Was manche vielleicht gar nicht wissen: Während ihrer Studienzeit sang Renée Fleming, deren Eltern als Gesangslehrer tätig waren, in einem Jazz Trio.
Mit DARK HOPE begab sich die Sängerin nun jüngst auf ein Terrain, das sie bislang - zumindest auf Tonträger - noch nicht erschlossen hatte, schlicht: Die Pop-Musik. Das Konzept für dieses Album entstand initiativ zunächst intern bei (der Plattenfirma) Universal; die Idee war, oft noch gar nicht so bekannte Stücke von z.T. jüngeren Künstlern durch eine klassisch geschulte Stimme einsingen zu lassen - für Renée Fleming offenbar eine Herausforderung, der sie auch voll und ganz gerecht geworden ist. Heraus gekommen ist dabei letztendlich eine CD mit Werken u.a. von Duffy ("Stepping Stone"), Muse ("Endlessly") und Arcade Fire ("Intervention"), ebenso wie von Depeche Mode ("Mad World"), Jefferson Airplane ("Today"), Peter Gabriel ("In Your Eyes") und Leonard Cohen ("Hallelujah"). Im Booklet der CD kann nachgelesen werden, daß sich die Sängerin bei einer riesigen Vorauswahl für die vorliegende Zusammenstellung entschied, weil sie der Meinung war, daß die Stücke schon von ihrem Text her irgendwie zu ihr passen mußten ... Glückwunsch, Renée, schöne Wahl! Einige der Stücke sagten mir zuvor gar nichts, aber, durch diese Stimme eingesungen, brennen sich die Worte in die Seele ein, was man nur allzu gern zuläßt. Obwohl Renée Fleming sich - gemessen an ihrer gesanglichen Expertise - für diese Aufnahmen zurück genommen hat und noch nicht einmal so klingt, wie man sie eigentlich kennt ... ihre ganz eigene Kraft schwingt unverkennbar in jedem einzelnen Stück mit und macht DARK HOPE zu einem interessanten Hörerlebnis. Hier dominiert musikalisch einmal nicht die Klangfülle eines klassischen Orchesters (oder die verhaltene Begleitung eines Pianos), sondern primär Elektronik, Beats und Gitarren, die - im Kontext einiger wirklich interessanter Arrangements - nicht allein für ein hörenswertes Klangerlebnis sorgen, sondern ebenfalls erfolgreich ein weiteres Gesicht der vielschichtigen Persönlichkeit Renée Flemings zu enthüllen vermögen. Ihr persönliches Charisma, ihr Sinn für Ästethik vermitteln beinahe den Eindruck, als gehörten viele dieser Songs längst zu ihrem Standard-Repertoire - eben darin zeigt sich die Sensibilität, die Einfühlsamkeit dieser Ausnahmesängerin. Unterstützt wurde sie im Studio von Profis, die ebenfalls unüberhörbar ihr Handwerk verstehen.
DARK HOPE ist tatsächlich von ein wenig Dunkelheit durchwirkt (die sich nicht allein durch die überwiegend tiefere Stimmlage der Vokalistin auf diesem Album darstellt), doch ebenfalls schwingt Hoffnung mit, der CD-Titel ist schon gut gewählt, sorgt für Stimmigkeit - stimmig in sich ist die Zusammenstellung dieser 11 Titel allerdings nicht unbedingt (was keiner Abwertung gleich kommt!); es gibt Momente, in denen man DARK HOPE von vorn bis hinten durch hören kann, je nach Stimmung, bevorzuge ich persönlich es allerdings, jeweils einzelne Stücke (und gern laut) für sich zu hören - soll letztlich jede/r für sich selbst entscheiden. Meiner Meinung nach hat DARK HOPE das Potential, jüngeren Hörern erfolgreich nahe zu bringen, daß die Top-Titel ihrer Favourites auch in einer anderen Variante fantastisch klingen können und ebenfalls, einem älteren, eher klassisch ausgerichtetem Publikum - das dabei dennoch in alle Richtungen offen ist - aufzuzeigen, daß diese Sängerin, neben ihren bereits etablierten Qualitäten, auch auf einem anderen Sektor zu überzeugen vermag ... sie kann's eben! Weil die eingesungenen Stücke im Ursprung ganz unterschiedlichen Dekaden entstammen, bin ich der Meinung, daß sie auch ein Publikum anzusprechen vermögen, das sich aus ganz verschiedenen Altersgruppen zusammen setzen kann. Ich halte DARK HOPE für ein zeitlos gutes Werk, das es wert ist, gehört zu werden und wünsche daran viel Freude.
-- theSilentNoirFreak
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 18, 2010 3:37 PM CET


Blind Husbands (Die Rache der Berge)
Blind Husbands (Die Rache der Berge)
DVD ~ Erich Stroheim
Preis: EUR 16,99

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Erich von Stroheim's Regie-Debüt BLIND HUSBANDS - eine würdige DVD-Präsentation, 31. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Blind Husbands (Die Rache der Berge) (DVD)
Bereits lange vor der Zeit des Nationalsozialismus, als viele Regisseure, Schauspieler, Kameraleute etc. des deutschsprachigen Raums in die USA emigrierten, war der gebürtige Wiener Erich Oswald Stroheim in Hollywood angekommen - 5 Jahre lang übte er die verschiedensten Tätigkeiten aus, bevor er 1914 Zugang zur Filmbranche fand. Hier etablierte er sich u.a. als Stuntman und als solcher, der sich bei einem Sturz vom Dach die Rippen brach, beeindruckte er den Regisseur David Wark Griffith während der Dreharbeiten zu dessen Kino-Klassiker BIRTH OF A NATION (1915). Griffith fand diesen Einsatz (im positiven Sinn) ungeheuerlich und fand für den Mann, der sich als Erich von Stroheim vorstellte, zukünftig qualifiziertere Aufgaben: Schon bei Griffith's nächster monumentaler Filmproduktion, INTOLERANCE im Folgejahr, war Stroheim (neben u.a. Tod Browning) einer der Regie-Assistenten. Stroheim hatte bereits früh damit begonnen, Drehbücher und Geschichten zu schreiben und nachdem er ebenfalls Gelegenheit bekommen hatte für Griffith wie u.a. auch für Douglas Fairbanks vor der Kamera zu agieren (und dies nicht länger als Stuntman) überzeugte er Carl Laemmle, den Boss der Universal-Studios, von den Qualitäten seiner eigens geschriebenen Story "The Pinnacle". Es wurde 1919 daraus der Film BLIND HUSBANDS, Erich von Stroheim selbst führte die Regie und übernahm eine der Hauptrollen. Es gilt bis heute als kleines Wunder, daß Universal im Vorfeld der Premiere des Films eine aufwendige Werbekampagne startete, wie man sie bis dato in vergleichbarer Form nur von D.W. Griffith- oder Cecil B.DeMille-Filmen her kannte. Stroheim's Regie-Debut schlug bei Presse und Publikum gleichermaßen ein und in Hollywood zelebrierte man einen neuen Namen: Erich von Stroheim.

Was zu jener Zeit den Reiz von BLIND HUSBANDS ausmachte, war, daß ein delikater Stoff behandelt, dabei aber nicht geschmacklos verarbeitet wurde ... "Daring theme - cleanly handled" besagte einer der Werbeslogans, der allgemein deutlich machte, daß ein erwachsenes Publikum angesprochen wurde, daß eine Zensurbehörde allerdings nicht einschreiten mußte. Bereits im Vorspann zum Film, dessen Sujet eine Art von Dreiecksgeschichte darstellt, wirft Stroheim (in Textform) die Frage auf: Wenn es zur Entfremdung zwischen Eheleuten kommt, wer trägt dann den größeren 'Schuldanteil', wenn sich die Konsequenzen einstellen ... der 'andere Mann', der sich um die Gunst der vernachlässigten Ehefrau bemüht (und dafür in aller Regel von der Welt verdammt wird) oder der Ehemann, der sich doch bereits auf dem Vorwege für diese Vernachlässigung verantwortlich zeichnet ... ?
In den ersten Minuten des Films wird der Zuschauer in die Atmosphäre einer kleinen Ortschaft in den Dolomiten eingeführt, der erste greifbare Charakter ist Sepp (T.H. Gibson Gowland, der später auch in Stroheim's Klassiker GIER spielte), "ein Sohn der Berge". Sepp erhält ein Telegramm, das die Ankunft von Dr. Armstrong und Gattin ankündigt und sofort erinnert er sich zurück, wie der amerikanische Dr. Armstrong ihm während eines vormaligen Aufenthalts in den Bergen das Leben rettete - daraus entstand eine, auf Ehrgefühl basierende, lebenslange Freundschaft. Dr. Robert Armstrong (Sam De Grasse) sitzt mit seiner Ehefrau Margaret (Francelia Billington) bereits in einer Kutsche, die das Paar zum Gasthaus fährt, in dem es während seines diesjährigen Aufenthalts, unterkommt. Schon in dieser Szene wird deutlich, daß das Ehepaar ohne viele Worte und Berührungspunkte auskommt - Dr. Armstrong liest, Pfeife rauchend ... seine Gattin sieht sich die Umgebung an. Dies entgeht nicht dem dritten Fahrgast, einem Mann, der zum Schein eine Militäruniform trägt und dessen Name und Titel wohl demgemäß ebenso unglaubwürdig sind: Leutnant Eric von Steuben (Erich von Stroheim) - er nimmt Mrs. Armstrong bereits ins Visier, erweist ihr seine Aufmerksamkeit. In der Folge nimmt der Zuschauer wahr, daß die Militäruniform von Steubens ihre Wirkung bei den Damen nicht verfehlt, der 'Leutnant' ist ihnen gegenüber auch niemals abgeneigt, doch hat er sein eigentliches 'Opfer' längst auserkoren: Mrs. Armstrong. Der schweigsame Sepp beobachtet von Steuben genau und durchschaut dessen Absichten recht schnell. Von Steuben läßt keine Gelegenheit aus, Margaret Armstrong seine Avancen zu machen und seine Beharrlichkeit scheint sich bereits auszuzahlen - doch Sepp paßt auf. Dann beschließen Dr. Armstrong und Leutnant von Steuben den 'Pinnacle' zu besteigen - einen Berg, dessen gefährliche Nordwand noch von niemandem bezwungen wurde, viele haben es bereits versucht, doch kamen sie alle dabei zu Tode. Die Bergexpedition erweist sich als Tour-de-Force im doppelten Sinn: Der Berg fordert beiden Männern einiges ab, doch gelingt es ihnen, die Spitze des 'Pinnacle zu erreichen. Dort angekommen eröffnen sich Dr. Armstrong, aufgrund einer Notiz, nun unzweifelhaft von Steuben's Absichten bezüglich Margaret und auf der Bergspitze tragen die Männer ihre Rivalität aus. Nur einer der beiden kann nach einem Sturz gerettet werden ... der andere hat eine fatale Begegnung mit dem 'Geist der Berge' ...

Die Offenheit, wie die Natürlichkeit in dieser melodramatischen Inszenierung soll in Hollywood neue Maßstäbe für zukünftige Filmproduktionen mit ähnlichen Inhalten gesetzt und somit u.a. bereits Einfluß auf Cecil B. DeMille's Film DON'T CHANGE YOUR HUSBAND genommen haben. In Österreich lief BLIND HUSBANDS, leicht umgeschnitten, unter dem Titel DIE RACHE DER BERGE, dies erst 1921. In tatsächlich geschnittener (= gekürzter) Form wurde der Film 1924 in den USA wieder aufgeführt und in dieser Form wird er in Amerika auch heute auf DVD veröffentlicht. Die lange verschollen geglaubte, österreichische Version, deren Fund noch gar nicht so lange zurück liegt, gilt, mit einigen Minuten Zeitunterschied bei gleichem Abspieltempo, gegenwärtig als die vollständigste (= längste) der Welt, sie beinhaltet deutsche Zwischentitel. Diese Version liegt vor, auf der DVD, die durch die 'Edition Filmmuseum' veröffentlicht wird.
Optional stehen ebenfalls englische Untertitel zur Verfügung, für eine erstklassige, neu eingespielte Musik sorgte der Dirigent, Komponist, Pianist und Geiger (und mittlerweile 'Stummfilm Routinier') Günter A. Buchwald. Zu den zahlreichen Extras gehören Komplettabdrucke von interessanten Texten (zu Stroheim, wie zum Film), die im Buchhandel längst vergriffen sind (dies im CD-Rom-Part - die Disc muß zum Lesen also in ein Computerlaufwerk eingelegt werden; die DVD ist Macintosh-kompatibel), ein 20seitiges Booklet mit zusätzlichen Informationen und Fotos, ein Vergleich der US- mit der österreichischen Version anhand einiger Beispiele, eine Bildergalerie sowie ein kurzer Wochenschaubericht, der Erich von Stroheim's Ankunft in Österreich 1948 zeigt. Außerdem steht der Textvorspann der Original-Universal-Version (natürlich in engl. Sprache) zum Einblenden zur Verfügung.
Ton: DD 2.0, Bild: 4:3 / 1:1,33, Regionalcode: 0 (also weltweit auf jedem DVD-Player abspielbar).

Insgesamt ist diese, einmal mehr gelungene, DVD-Veröffentlichung von 'Edition Filmmuseum' jedem Stummfilmliebhaber sowie jedem Erich von Stroheim-Fan nur wärmstens zu empfehlen. Das Bild ist nicht zu jeder Zeit makellos, keinesfalls aber kommt es zu ernsthaft schweren Beeinträchtigungen - der Film läßt sich durchweg gut ansehen und das auch noch bei seinem nicht weg zu leugnenden Alter. Es ist eine Freude, eines jungen Erich von Stroheim ansichtig zu werden, der die Figur des Erich von Steuben sehr selbstironisch charakterisiert hat, wie dem Kenner nicht entgehen wird. Außer "Von" spielen aber auch alle anderen Darsteller ihre Rollen sehr gut. Die Regieführung ist, von kleinen Längen abgesehen, in ihrer Gänze ebenfalls gelungen, was umso positiver auffällt, da es sich um ein Debüt handelt. Eine würdige DVD-Veröffentlichung, für jede gut sortierte Stummfilm-Sammlung unverzichtbar!
-- theSilentNoirFreak


Fremde, wenn wir uns begegnen - SZ Cinemathek Traumfrauen 18
Fremde, wenn wir uns begegnen - SZ Cinemathek Traumfrauen 18
DVD ~ Richard Quine

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kirk Douglas, Kim Novak & die "verbotene" Liebe ..., 26. Mai 2010
Larry Coe (Kirk Douglas) ist Architekt mit innovativen Ideen, die er gegenwärtig durch den Hausbau für einen Schriftsteller realisiert. Für ihn ist wichtig, seine kreativen Energien umzusetzen, Larry's Ehefrau Eve (Barbara Rush) hingegen wäre auch zufrieden, wenn er gewöhnliche Auftragsarbeiten ausführen würde - die sorgen gesichert und problemlos fürs Einkommen. In diesem Punkt teilen die Eheleute nicht dieselben Ansichten.
Maggie Gault (Kim Novak), neu in der Nachbarschaft, ist Ehefrau, Mutter und Hausfrau. Wenn ihr Mann Ken (John Bryant) abends von der Arbeit nach Hause kommt, ist sein Tag gelaufen - sein Leben ist organisiert, Emotionen nehmen darin allerdings keinen hohen Stellenwert ein. Ken's Ignoranz ihrer emotionalen Bedürfnisse und Maggie's daraus entstehene, unerfüllte Sehnsüchte schaffen, jenseits der Alltagsroutine, ein Vakuum innerhalb der Ehe.
Maggie hat einen Sohn, den sie morgens zum Schulbus bringt, genau wie Larry - an der Bushaltestelle sehen sie sich zum ersten Mal ... das nächste Mal im Supermarkt und hier betreiben sie schon ein wenig Konversation. Ein weiteres Mal fragt Larry Maggie spontan, ob sie ihn nicht zum Bauplatz begleiten will ... sie zögert, willigt dann aber doch ein und die beiden verbringen einen ungezwungenenn, schönen Vormittag. Larry lebt auf, indem er sich ihr mitteilen kann und Reaktionen erhält, Maggie gefällt Larry's Energiepotential, seine Vitalität und, daß sie Aufmerksamkeit erhält.
Danach kehren beide zunächst in ihre jeweils 'eigene Welt' zurück ... was die beiden sich selbst noch nicht eingestehen wollen, ist dem Zuschauer natürlich bereits klar: Es hat gefunkt! Doch wie soll's weiter gehen, beide haben schließlich Familie ... siegt die Vernunft oder der Magnetismus? Natürlich letzteres und wieder macht Larry den ersten Schritt: Er schlägt ein Treffen in einem Motel in Malibu vor und Maggie geht darauf ein. Fortan treffen die beiden sich, wann immer ihnen ihr Alltagsleben ein wenig Zeit gönnt und aus dem amourösen Abenteuer wird langsam Liebe - doch völlig ungetrübt können sie ihre geheime Affäre nicht genießen, sie müssen sich 'verstecken', in der Öffentlichkeit sind sie 'Fremde, wenn sie sich begegnen'. Zudem kommt Maggie's Mutter ihrer Tochter relativ schnell auf die Schliche und auch der Nachbar Felix Anders (Walter Matthau) verdeutlicht Larry irgendwann, daß er im Bilde ist. Ihre Schuldgefühle gegenüber ihren Ehepartnern konnten Larry und Maggie bislang noch weitgehend erfolgreich ausblenden, doch langsam wird deutlich, daß es nicht immer so weiter gehen kann ...

Regisseur Richard Quine hat das Melodram STRANGERS WHEN WE MEET 1960 (als er und Kim Novak auch ein Paar waren) stilsicher, einfühlsam und im Grunde zeitlos gut realisiert - der Film braucht keine wilden Sex-Szenen (die zu jener Zeit in einem Hollywood-Film auch unmöglich gewesen wären), um aufzuzeigen, was in zwei Menschen vorgeht, die sich in dieser Situation befinden. Zwischen Kirk Douglas und Kim Novak soll die Chemie nicht ganz so gestimmt haben, doch davon ist nichts zu merken: Beide Hollywood-Stars versprühen nicht allein ihr Charisma (wovon sie mehr haben, als nahezu alle anderen im Film), sondern agieren auch im Zusammenspiel glaubhaft, im Rahmen eines Hollywood-Films. Doch sind es nicht die beiden allein, die den Film sehenswert machen, im weiteren Verlauf gewinnt unbedingt auch Barabara Rush als Larry's Frau Eve dazu (als sich ihr die Wahrheit offenbart), Walter Matthau überzeugt ebenfalls als 'Miesling' und für einen Touch von (Tragi-) Komik sorgt zudem Ernie Kovacs als Schriftsteller Roger Altar. Interessant ist das Gesellschaftsbild, das hier gezeichnet wird: Keine der gezeigten Ehefrauen aus der Nachbarschaft scheint einen Job zu haben, arbeiten tun noch allein die Männer, eine Reflektion der 50er. Im gezeigten Lifestyle, das betrifft primär die Party, die Eve für die Nachbarschaft in Larry's und ihrem Haus gibt, keimt bereits eindeutig das 'Lebensfeeling' der kommende Dekade, der 60er, auf - weder nostalgisch, noch progressiv ist FREMDE, WENN WIR UNS BEGEGNEN ein 'Kind seiner Zeit'. Und daran gemessen war es durchaus noch ein kleines Wagnis, den Ehebruch für die Länge eines gesamten Spielfilms zu thematisieren, da es aber keine anstößigen (Intim-) Szenen gab, kann man von einer insgesamt abgerundeten, nicht zeitgebundenen Verfilmung sprechen, die dem eher tabuisierten Sujet voll und ganz gerecht wird, damals wie heute. Der Film besticht zudem durch manche, bereits relativ offene Äußerungen der Frauen zu ihrem Ehe- und Vorleben, die sie nicht 'makellos rein' erscheinen lassen.
Ob aus einem Wunschdenken oder bereits aus eigener Lebenserfahrung oder einfach aus Interesse heraus ... wer sich der Thematik einer außerehelichen Affäre in irgend einer Form zugeneigt, verbunden fühlt, wird sicher nicht enttäuscht.

Die SZ-Cinemathek Edition von FREMDE, WENN WIR UNS BEGEGNEN bietet keine Extras (außer Werbung in eigener Sache), dafür, neben der deutschen auch die englische Originalsprache (+ deutsche/engl. UT).
Nicht allein für Kirk Douglas- und Kim Novak-Fans ein sehenswerter Film, sondern für jeden, dem nach einem zeitlos gut inszenierten Melodram der Sinn steht. Viel Spaß beim Ansehen.
-- theSilentNoirFreak
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 28, 2010 1:39 PM MEST


Charlie Chaplin - Die Nächte einer schönen Frau (OmU)
Charlie Chaplin - Die Nächte einer schönen Frau (OmU)
DVD ~ Edna Purviance
Wird angeboten von cvcler
Preis: EUR 13,98

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der erste Charles Chaplin Film (fast) ohne Charles Chaplin - und Charlie's erster für die United Artists, 24. Mai 2010
Als Charles Chaplin 1923 seinen Film A WOMAN OF PARIS (= "Die Nächte einer schönen Frau" / in Deutschland zuvor auch als "Eine Frau in Paris" veröffentlicht) präsentierte, schien das Kinopublikum überfordert zu sein. Es handelte sich um keine Slapstick-Comedy und der 'Tramp' tauchte nicht ein einziges Mal auf, zu Lachen gab's also nichts, stattdessen (melo-) dramatische Augenblicke - beim Publikum fiel der Film durch, das Kritikerlob hingegen fiel auffallend positiv aus.
Was läßt A WOMAN OF PARIS so anders, als andere Chaplin-Filme, erscheinen? Charlie selbst ist nicht dabei. Tatsächlich, wie späterhin Alfred Hitchcock in schöner Regelmäßigkeit in seinen eigenen Filmen, ist Chaplin nur für Sekunden in einer unbedeutenden Rolle zu sehen - man muß schon genau hinsehen, will man ihn erspähen. Es war Chaplin's Ehrgeiz, einmal etwas ganz anderes, jenseits der Comedy, zu realisieren und ebenfalls, sich auf diesem Wege in der Kunst der Regieführung zu perfektionieren. Zudem fand er, daß Hauptdarstellerin Edna Purviance, die in mehr als 30 von Chaplin's Filmen bereits zu sehen gewesen war (und mit der er zuvor bereits für ca. 2 Jahre auch liiert gewesen war), nun zu 'reif' für reine Comedy geworden war - er wollte ihre Karriere 'pushen', indem er sie nun auch in einer 'reiferen' Rolle präsentierte und zudem einmal nicht an seiner Seite vor der Kamera agieren ließ. Ohne Erfolg. Dafür war dieser Film der weiteren Laufbahn von Adolphe Menjou sehr zuträglich, der seiner Rolle als Pariser 'Lebemann' in DIE NÄCHTE EINER SCHÖNEN FRAU auch hervorragend gerecht wird.

Edna Purviance spielt Marie St. Clair, die in einem provinziellem Vorort von Paris lebt, wo sie mit dem Künstler Jean (Carl Miller) eine Beziehung pflegt, die nicht das Wohlwollen ihrer beider Eltern findet. Marie und Jean beschließen daher, nach Paris zu gehen, wo sie heiraten wollen. Doch kurz vor der Abreise stirbt Jean's Vater und Jean will die gemeinsamen Pläne verschieben ... Marie allerdings - bereits am Bahnhof, mit dem Zugticket in der Tasche - beschließt spontan, die Reise nach Paris allein anzutreten. Im Laufe eines Jahres findet sie Zugang zur High Society, indem sie die Geliebte von Pierre Revel, dem reichsten Junggesellen von Paris, wird, der zwar für sie sorgt, die übrige, gut situierte Damenwelt dabei dennoch nicht ignoriert. Eines Abends erhält Marie einen Anruf von einer ihrer Freundinnen, die sie spontan zu einer mondänen Party einläd, wo es 'hoch her geht' und als Marie vor Ort eintrifft, irrt sie sich in der Wohnungstür und begegnet so Jean wieder, der sich im selben Haus ein Künstleratelier eingerichtet hat. Nach ein wenig Small-Talk mit Jean und seiner verwitweten Mutter kommen Marie und Jean überein, daß er ein Portrait von ihr malen soll. Im Zuge dessen wird deutlich, daß sich an seinen Gefühlen ihr gegenüber nichts geändert hat. Marie sieht sich jetzt zwischen einem Mann, der ihr Sicherheiten, aber keine Treue bieten kann und einem, der zwar talentiert, aber arm ist, sie dennoch aufrichtig liebt. Dann kommt es - Jean betreffend - zu einer fatalen Verzweiflungstat, die in der Folge Marie und Jean's Mutter (die Marie gegenüber bislang immer noch negativ eingestellt war) ein ganzes Stück näher bringt ... und Marie führt fortan ein gänzlich anderes Leben, außerhalb der Pariser Gesellschaft, indem sie sich auf andere Werte im Leben besinnt ...

Mit der Ausnahme eines einzigen hoch dramatischen Szenarios ist A WOMAN OF PARIS - übrigens Chaplin's erste Produktion für die, von ihm mit gegründete Produktionsgesellschaft 'United Artists' - durch und durch Melodram. Dennoch, auch ohne den Tramp und dessen Späßchen, trägt dieser Film (wenigstens für einen Chaplin-Kenner) erkennbar Chaplin's Handschrift. Dies reflektieren zum einen die Zwischentitel, deren Wortwahl von der guten Beobachtungsgabe des Regisseurs, den Dingen des Lebens gegenüber, zeugt (etwas, das er visuell immer auch in seinen Kurzfilmen umzusetzen wußte) und ein gewisser Humor kommt in manchen Sequenzen ebenfalls nicht zu kurz, treffendstes Beispiel vielleicht: Während Marie's Freundin Fifi (Betty Morrissey) unentwegt am Schnattern ist und dabei eine Zigarette raucht, mißbraucht sie dabei, so nebenbei und ganz selbstverständlich, Pierre Revel's herum liegendes Saxophon als Aschenbecher - ähnlichen Mißbrauch betrieb Chaplin als Tramp in einem seiner früheren Filme mit dem Zylinder eines 'hohen Herrn'.
In der Gänze darf schon gesagt werden, daß Chaplin seiner Intention, einen ernsten Film drehen zu wollen, gerecht wurde. In der Anfangsphase schwächelt er dabei ein wenig in punkto Erzähltempo, viele einzelne Szenarios für sich betrachtet sind allerdings wirklich sehenswert - und dies auch mehrfach. Inspirieren zum Inhalt ließ er sich von den Erzählungen einer kurzen Beziehung, namens Peggy Hopkins Joyce, für den Feinschliff bezügl. der Charakterisierungen der weiblichen Figuren, der 'Lebefrauen' aus der Pariser Gesellschaft, soll der Stummfilmstar Pola Negri als Modell fungiert haben - Chaplin und Negri gingen, kurz nach ihrer Ankunft in Hollywood, eine Beziehung ein, die während der Arbeit an A WOMAN OF PARIS fortdauerte und pünktlich zum Dreh-Ende ebenfalls ihren Abschluß fand. Es heißt, daß Charles Chaplin ohne ein Script arbeitete, daß er alle Szenen, die er (sehr unüblich) auch in chronologischer Reihenfolge drehte, auf dem Vorwege, im Geiste, bereits sehr präzise ausgearbeitet und lediglich auf Notizzetteln festgehalten hatte. Interessant inszeniert sind die mondänen Eigenheiten des gesellschaftlichen Lebens in höheren Kreisen und um auf dem Vorwege potentiellem Ärger mit Zensur/Lizensierung aus dem Weg zu gehen, verlegte Chaplin die Handlung, über Amerika's Grenzen hinaus, ins ferne, lebenslustige Paris. Auffällig ist, daß er die Darsteller dazu anhielt, nicht zu ausgeprägt vom 'Overacting' - im Sinne der Kompensation für fehlende, gesprochene Worte - Gebrauch zu machen, sondern sich zurück zu nehmen. Dies galt zu jener Zeit als bahnbrechend und wurde zukünftig auch von anderen Regisseuren übernommen. Innerhalb der 'Filmwelt' wurde A WOMAN OF PARIS insgesamt als 'besonders' aufgenommen/gefeiert, an den Kinokassen, wie bereits erwähnt, floppte er - kein Chaplin-Film hatte bis dato weniger Geld eingespielt, als dieser.
Chaplin selbst war allerdings immer stolz auf A WOMAN OF PARIS gewesen und davon zeugt, daß er sich noch im hohen Alter (1976, ein Jahr vor seinem Tod mit 88 Jahren) daran machte, eine neue Musik für den Film zu komponieren und sie in einem Filmstudio einspielen zu lassen - der letzte Akt in seiner Jahrzehnte andauernden Karriere. Und in eben dieser Form liegt der Film, im Andenken an seinen kreativen Regisseur, auf der DVD auch vor.

Ein wirklich erwähnenswertes Extra der DVD ist die ca. 26 minütige Dokumentation, in der Liv Ullmann, sowie div. Zeitzeugen/ am Film Beteiligte Ansichten sowie Informationen veräußern, die dem Zuschauer eindrucksvoll ein noch besseres Gesamtbild zur Filmproduktion sowie zur Zeit ihrer Entstehung vermitteln können.

Ich halte den Film, im Sinne einer Empfehlung, geeignet für Charles Chaplin-Fans, die über die meisten seiner berühmt gewordenen Klassiker bereits verfügen und eine Gelegenheit wahrnehmen möchten, tiefer in Charlie's Lebenswerk einzusteigen (wozu definitiv auch MONSIEUR VERDOUX empfohlen wird) - DIE NÄCHTE EINER SCHÖNEN FRAU ist 'Chaplin für Fortgeschrittene'. Für Chaplin- wie Stummfilm-Fans gleichermaßen, die in beiderlei Hinsicht bereits über eine reichhaltige Sammlung verfügen, wird feststehen, daß derselbigen auch dieser Film zugeführt gehört. Viel Spaß beim Ansehen.
-- theSilentNoirFreak


Sexy Beast
Sexy Beast
DVD ~ Ray Winstone
Preis: EUR 10,99

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schräge Charaktere, heftige Situationen, derbe Sprache, außergewöhnlicher Film!, 22. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Sexy Beast (DVD)
Rezension zur Wiederveröffentlichung von SEXY BEAST durch 'Universum Film':

Bei Jonathan Glazer's Regiedebüt SEXY BEAST aus dem Jahr 2000 handelt es sich um einen wirklich schrägen Film. Der gebürtige Londoner Glazer, der zuvor Werbespots (z.B. Wrangler, Guiness, Volkswagen) und Musikvideos (u.a. für Massive Attack, Jamiroquai, Radiohead & Nick Cave) produzierte, bewies mit dieser Filmproduktion ein untrügliches Gespür für Skurrilität (bis hin zum Absurdum), das zwar nicht zum finanziellen Erfolg geführt haben soll, dafür Beachtung bei diversen Film-Festivals fand. Immerhin qualifizierte sich der Film für eine Oscar-Nominierung in der Kategorie "Bester Hauptdarsteller" für Ben Kingsley's unglaubliche, dabei einmalige Darbietung.
SEXY BEAST zeichnet sich aus durch schräge Charaktere, heftige Situationen und eine derbe Sprache ... "Wo ein Sc***ß Wille ist, ist auch ein Sc***ß Weg!" ist lediglich eine markanter Kernthese - all diejenigen, die auf genau diese Art verbaler Entäußerungen bestens verzichten können, sollten von SEXY BEAST Abstand nehmen, denn in dieser Manier startet der Film bereits und die Linie wird konsequent fort geführt. Für alle Interessierten ist die Sprache allerdings noch gar nichts, im Vergleich zur Personifizierung einiger Figuren, dabei vordergründig zunächst Don Logan, gespielt von Ben Kingsley. Vom ehemaligen Ghandi ist hier keine Spur mehr zu finden, Don Logan tritt provokant, beleidigend, aggressiv, arrogant, dominant, hartnäckig, unberechenbar, brutal und somit respekt- und sogar furchteinflößend auf, dies nicht zuletzt wegen seiner Zugehörigkeit zum System, für das er tätig ist: Die 'Upper Class' der Londoner Unterwelt - unterm Strich ist der 'kleine Giftzwerg' letztlich ein cholerischer, z.T. infantiler, dabei dennoch intelligenter Psychopath. Trotz seines Namens ist Logan nicht der uneingeschränkte 'Don', sondern eher 'der Mittler' ... die wirklich 'coolen Typen' sind Leute wie Stan Higgins und Teddy Bass (Ian McShane). Und die planen einen verwegenen Coup: Das Ausräumen eines angesehenen Londoner Instituts, das über eines der modernsten Sicherheitssysteme Europas verfügt und hinter dessen meterdicken Stahlwänden daher in Schließfächern wertvollste Schätze eingelagert sind - dafür werden acht routinierte Profis benötigt. So ein Profi, aufs Knacken von Tresoren spezialisiert, ist Gal Dove (Ray Winstone), doch der hat sich aus dem Geschäft längst zurück gezogen und in Europa's Süden abgesetzt ... und so beginnt der Film ...:

Gal ist "sc***ß heiß", denn er läßt sich Spanien's Sonne auf den nicht weg zu leugnenden Bauch scheinen. Ihm geht's gut, er lebt in einer kleinen Villa mit Swimmingpool, hat das graue London längst hinter sich gelassen, ebenso wie seine besten Jahre ... und bevor er sich nun absehbar der Senioren-Altersklasse nähert, ist nur noch 'Dolce Vita' angesagt: Sonnen, essen, Bier trinken, schwimmen und seine Frau Deedee (Amanda Redman), ein ehemaliger Porno Star. Doch Spanien's Idylle, die Gal und Deedee mit Jackie (Julianne White) und Aitch (Cavan Kendall), einem befreundeten, ebenfalls aus dem Londoner Milieu stammenden Paar, teilen, wird bereits innerhalb der ersten 10 Minuten des Films getrübt: Nachdem Gal ein anrollendes, dabei im wahrsten Sinne des Wortes über ihn hinweg rollendes Unglück überlebt hat, rollt auf vier Rädern schon das nächste an: Don Logan ist unterwegs zu Gal's Villa, um ihm mitzuteilen, daß man sich in London auf seine Teilnahme beim Einbruch verläßt. Die Stimmung der zwei Paare sinkt auf den Nullpunkt, als sie von Logan's Anreise erfahren und noch darunter, als Don Logan dann eintrifft - er beherrscht die Szene, wohlwissend um seine Wirkung und wie vorsichtig und dennoch unmißverständlich Gal ihm auch verdeutlicht, daß er sich doch lange im 'Ruhestand' befindet: Don Logan kann und will ein "Nein" nicht akzeptieren! Dennoch muß er unverrichteter Dinge in Richtung Flughafen wieder abziehen. Dorthin begibt sich am nächsten Tag auch Gal, für den sich zwischenzeitlich nun doch gute Gründe ergeben haben, - wenn auch widerwillig - nach London zu fliegen und tatsächlich am großen Coup mitzuwirken. Stan und ganz besonders Teddy wundern sich vor Ort allerdings, warum Don Logan, den sie selbst nach Spanien geschickt hatten, jetzt nicht dabei ist und ebenfalls darüber, daß dieser seit dem Vortag auch nichts mehr von sich hören lassen hat. Gal fühlt sich nicht wohl, denn er weiß, daß Teddy, nachdem die Schließfächer erst einmal ausgeräumt wurden, nicht aufhören wird, ihn mit Fragen zu Logan's Verbleib zu löchern, auf die er (= Gal) ihm einfach keine Antworten liefern kann. Und Teddy Bass ist kein Choleriker wie Logan, sondern eher der Typ, der einem, noch mit einem Grinsen auf den Lippen, in die Augen sieht, während er den Abzug einer Schußwaffe betätigt ... wird Gal Spanien's Sonne jemals lebend wieder sehen ... ?

Der Film wird zuweilen als Krimi-Komödie betitelt, was nur bedingt zutrifft: Die Elemente von beidem sind unübersehbar vorhanden, dies allerdings überwiegend wechselwirksam. Belustigend wirken am ehesten die Überspitzungen absurder, degenerierter Szenarios (inkl. Sprache) dazu gehört u.a. irgendwann auch Kingsley's Performance sowie das Erscheinen einer Kreatur, halb Mensch, halb Tier (das muß man gesehen haben). Doch Augenblicke des Amusements entkräften dabei keinesfalls die ernsteren Krimi-Momente, die knallhart für sich stehen - der Charakter einer Kriminalkomödie, im Sinne eines Klichées, ist nicht gegeben. Man fühlt sich zuweilen ein wenig an David Lynch und Quentin Tarantino erinnert, doch obwohl es so aussieht, als hätte Jonathan Glazer (oder die Drehbuchautoren Louis Mellis und David Scinto, bzw. auf dem Vorwege bereits der eigentliche Autor Andrew Michael Jolley) den beiden Meistern in einigen Szenen tatsächlich seine Referenz erweisen wollen, steht SEXY BEAST eindeutig für sich - der Film wird Lynch- und Tarantino-Fans entgegen kommen, stellt dennoch keinen müden Abklatsch dar. Das liegt zu einem Teil an der Art der Kameraführung/an optischen Effekten und mindestens ebenso am Schnitt, der sich besonders in zwei signifikanten Szenen ausgesprochen begünstigend auf die filmische Erzählung auswirkt. Neben Ben Kingsley's extravaganter Rolle überzeugt auch Ray Winstone in einer genau gegenteiligen, hervorragend sind außerdem Ian McShane und Amanda Redman in ihren Personifizierungen (in einer der ebenfalls gut besetzten Nebenrollen ist auch James Fox zu sehen). In seiner Gänze wirkt der Film wie eine gelungene Collage, die, außer der dominanten Crime-Komponente (Heist- und Mafia Filmelemente) eine Menge weiterer Teilaspekte enthüllt: In kurzen Sequenzen wird die Tiefe von Gal's und Deedee's Empfindungen zu einander autenthisch dargestellt, in einer anderen Szene sehen wir Gal und Don Logan - jenseits der Meinungsverschiedenheiten - bei einem Drink in ein Männergespräch vertieft (das für Enthüllungen von Logan's Seite aus sorgt), durch einen seltsamen Traum von Gal entsteht aber auch kurzfristig ein surrealer Eindruck, zumal er sich realitätsübergreifend auswirkt. Der große Coup erscheint dem 'erprobten' Cineasten dann wie eine moderne Fortführung des seinerzeit bereits gewagten Unternehmens in dem französischen Filmklassiker RIFIFI von Jules Dassin und die eigenwillige Schlußszene schafft durchaus Raum für mehrere Interpretationsmöglichkeiten. Entsprechend facettenreich erklärt sich somit auch der Soundtrack: Neben treibenden, von Elektronik durchsetzten Beats sind u.a. ebenfalls Henry Mancini (mit "Lujon"), die Stranglers (mit "Peaches"), die Gibson Brothers (mit "Cuuuuuba") oder Dean Martin (mit "Sway") zu hören.

Die DVD, die nun am 4.6.2010 durch Universum Film veröffentlicht wird, scheint, bei ein wenig komprimierten Extras, identisch mit der vormaligen Veröffentlichung durch Universal zu sein - man kann sich den Film demgemäß bei Interesse auch in englischer Originalsprache ansehen.
SEXY BEAST entstand in britisch/spanischer Co-Produktion, darf aber als weiterer Beitrag des moderneren Brit-Cinemas gesehen werden, der allemal mit den, im weiteren Sinne, genreverwandten Filmen GANGSTER NO. 1 und selbst A MURDER BALLAD mithalten kann. Bedauerlicherweise wurde auch Jonathan Glazer's zweiter Film BIRTH (2004) kein großer Erfolg und seither ist's scheinbar still um diesen Regisseur geworden. Dabei macht SEXY BEAST Lust auf mehr - ein origineller Film, den man bestimmt nicht jedem empfehlen kann, der aber längst seine eigene Fan-Gemeinde hat ... zurecht!
-- theSilentNoirFreak
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 25, 2010 11:47 PM MEST


Deception - Tödliche Versuchung
Deception - Tödliche Versuchung
DVD ~ Hugh Jackman
Preis: EUR 11,50

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen DECEPTION: (Ent-) Täuschung oder Volltreffer ... ?, 19. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Deception - Tödliche Versuchung (DVD)
Ewan McGregor ist Jonathan McQuarry, ein Buchprüfer in New York City. Es liegt in der Natur seines Jobs, temporär in den verschiedensten Firmen eingesetzt zu werden, um dort, überwiegend isoliert von den Mitarbeitern des jeweiligen Unternehmens, seiner Arbeit nachzugehen - und "herzlich gern" auch schnell wieder verabschiedet zu werden. Jonathan's Welt sind also die Zahlen ... und die Isolation, der Kontaktmangel. Somit kommt es sehr gelegen, als er, im Rahmen eines neuen Auftrags, Wyatt Bose (Hugh Jackman) kennen lernt, einen Anwalt, der im Leben erfolgreich und bei den Frauen beliebt zu sein scheint, der weiß, wie man lebt und genießt. Wyatt und Jonathan freunden sich oberflächlich an, kiffen und spielen Tennis zusammen und abends führt Wyatt Jonathan auch in New York's Nachtleben ein ... der schüchterne Jonathan ist dankbar für diese neuen Impulse, eine willkommene Abwechslung in seinem drögen Leben. Während eines Treffens um die Mittagszeit eröffnet Wyatt ihm, daß er geschäftlich für die nächsten Wochen nach London reisen muß und als beide sich von einander verabschieden, vertauschen sie - scheinbar zufällig - ihre Handys. Als Jonathan das 'Mißgeschick' bemerkt, ist ihm dies zunächst unangenehm, doch lernt er schnell die Vorzüge dieser Situation kennen und schätzen. Er erhält über Wyatt's Handy nämlich jetzt Anrufe von Frauen, die schnell zur Sache kommen: "Sind Sie heute Abend frei?" Zunächst zögerlich - weil er sich der Verwechslung bewußt, darüber hinaus aber eben auch schüchtern ist - doch mit wachsender Begeisterung beantwortet er die Frage, zunehmend selbstbewußter, mit "Ja!", trifft Verabredungen und hat allabendlich den Sex seines Lebens ... er ist 'drin'. Drin in der 'Liste', so nämlich nennen es die Mitglieder dieses Sex-Clubs, der die 'Ökonomie der Verfahrensweise' schätzt und pflegt: Intimität ohne Bedingungen, keine Vertraulichkeiten, keine Namen - somit können Angehörige auch der höheren Gesellschaftsschichten ungehemmt ihre Bedürfnisse ausleben. Jonathan freundet sich nur allzu schnell und problemlos mit den Konditionen an, bis er auf diesem Wege einer Frau begegnet, die ihm zuvor schon einmal angenehm in einem U-Bahnhof aufgefallen war und von der er immerhin weiß, daß ihr Name mit einem "S" beginnt. "S" (Michelle Williams) hat es ihm angetan, was auf Gegenseitigkeit zu basieren scheint, denn beide treffen sich nun auch zum Essen, scheinen sich in einander zu verlieben. Dann passiert etwas seltsames in einem Hotel in Chinatown: Jonathan kommt, nach kurzer Abwesenheit, zurück ins Zimmer, doch anstatt "S" sieht er einen Blutfleck auf dem Laken des Bettes und erhält im nächsten Augenblick einen Schlag gegen den Kopf, der zur Bewußtlosigkeit führt. Als er wieder zu sich kommt, alarmiert er die Polizei, doch Detective Russo (Lisa Gay Hamilton) kann keinen Blutfleck entdecken und der Hotelportier schwört, Jonathan habe allein eingecheckt - demgemäß kann es keine vermisste Frau geben. Jetzt beginnt Jonathan's Leben einen ganz anderen Verlauf zu nehmen ... Wyatt ist urplötzlich zurück und erwartet Jonathan bereits in dessen Wohnung, um ihn mit einer ungeheuerlichen Forderung zu konfrontieren: Er behauptet, "S" in seiner Gewalt zu haben und erwartet von Jonathan, daß dieser bei einer Firma, für die er in Kürze eine Prüfung vornehmen wird, einen Schwarzgeld-Transfer von $ 20.000.000 auf ein Konto in Madrid in die Wege leitet ... nur so würde er "S" jemals lebend und unversehrt wiedersehen können. Es gelingt Jonathan, Recherchen zu Wyatt Bose's Person anzustellen, deren Resultate gleichermaßen verblüffend wie erschreckend ausfallen, Bose definitiv in einem neuen Licht erscheinen lassen ... doch das Ultimatum läuft ab, der Buchprüfer muß handeln, Wyatt sorgt indes für ein weiteres, überzeugendes Druckmittel und Jonathan wird zudem auch von der beharrlichen Polizistin Russo 'unter die Lupe' genommen - bei allem denkt er einzig und allein an "S", doch ist auch sie am Ende vielleicht nur Teil von Wyatt Bose's perfidem Spiel, in dem Jonathan jetzt gefangen zu sein scheint ... ?

Für ein Spielfilm-Regie-Debüt hat der Schweizer Marcel Langenegger wirklich ganze Arbeit geleistet, als Zuschauer hat man im Grunde den gesamten Film über nicht das Gefühl, der Arbeit eines Debütanten ansichtig zu werden - Erzähltempo, das, während eine Spannung langsam, dabei stetig aufgebaut wird, niemals langweilt, effiziente Kameraführung sowie Verwendung gut eingesetzter Stilmittel sorgen für Eindrücke von routinebedingter Professionalität. Dem Gesamteindruck zuträglich sind selbstredend auch die makellosen Darbietungen der Hauptdarsteller Hugh Jackman (ebenfalls Co-Produzent des Films) und Ewan McGregor, Michelle Williams macht ebenfalls (und nicht allein optisch) eine gute Figur; durch Charlotte Rampling und Natasha Henstridge (sowie Kameramann Dante Spinotti und Maggie Q als Tina) und auch Lisa Gay Hamilton sind ebenfalls einige Nebenrollen bestens besetzt. Wirkungsvoll wird zudem immer wieder die Großstadtkulisse von Manhattan durch die Kamera eingefangen, die - passend zum sterilen, kühlen Sound-Ambiente - den Aspekt der Isolation unterstreicht ... ob sich Jonathan McQuarry abends allein durch das Lichtermeer nach Hause begibt oder ob sich, inmitten der vielen, diese Stadt bevölkernden Seelen nun zwei gefunden zu haben scheinen (Jonathan & "S") ... die Mega-City ist Schauplatz und Zeuge zugleich. Und auch tagsüber, wenn 'The City That Never Sleeps' ganz besonders 'busy' ist, verfehlen die eigeblendeten Bauten ihre Wirkung nicht - als schöner, optischer Kontrast dazu fungiert das abendliche Chinatown. Auch in den Madrid-Szenen zum Ende hin, ist die Einbeziehung der Architektur gelungen.

Bei so viel Lob und offenkundig keiner Kritik, warum lediglich 4 Sterne?
Einige Rezensenten haben es zuvor bereits auf den Punkt gebracht: Wenn es einen Schwachpunkt in diesem Film gibt, ist er sein Ende, die letzten Szenen. Die Endphase, in der sich das Geschehen von NYC nach Madrid verlagert, bleibt dem Charakter des Films immer noch treu, es gibt immer wieder kleine Wendepunkte, die einen als Zuschauer 'dabei' bleiben lassen, doch ganz zum Schluß hätte man sich noch einmal einen echten Knalleffekt gewünscht oder einen wirklich transparenten Abschluß oder was auch immer ... und obwohl ein offenes Ende durchaus reizvoll sein kann, gibt es andere Filme, in die sich ein solches stimmiger integriert (gutes Beispiel: FLASHBACKS OF A FOOL). Unnötig war es daher, ein 'alternatives Ende' dem Bonusmaterial beizufügen, das (anders als beispielsweise auf der GODSEND-DVD, wo wirklich alternative End-Versionen zum Film geboten werden) im Sinne einer Alternative überhaupt nicht aussagekräftig ist, sondern eher noch belangloser. Dafür sind die Interviews in den 2 Featurettes z.T. recht interessant, hier kommen u.a. auch einige Menschen aus ganz anderen Berufsfeldern, die nichts mit dem 'Movie-Biz' zu tun haben, zu Wort.
Das Ende allein - wenn es einem, als letzte Szene eines Films, natürlich auch immer besonders gut in Erinnerung bleibt - macht glücklicherweise nicht den gesamten Film aus. Es ist vielleicht ein Manko des Buches, ansonsten aber niemandem anzukreiden, der mit der gesamten Produktion in Verbindung steht - alle haben eine gute Arbeit geleistet, so daß es auch keine Mühe kostet, über die kleinen Unglaubwürdigkeiten der Story hinweg zu sehen und sekundär erscheint, ob man das alles, in anderer Zusammensetzung, bereits früher schon gesehen hat. Über den gesamten Verlauf nämlich, macht es ansonsten Spaß, sich den Film anzusehen. Das Ende ist aber, auch in seiner Offenheit, immer noch schlüssig und zeigt im Grunde auf, wie's weiter läuft - der Rest ist Fantasie des Zuschauers.
Ob man sich die DVD zulegen will oder nicht ... klar, das bleibt die Entscheidung eines jeden einzelnen. Um aber die in der Überschrift dieser Rezension gestellte Frage beantworten zu können, ob man sich enttäuscht sieht oder ob man einen sehenswerten Film entdeckt hat, sollte man - als Film-Freund - DECEPTION wenigstens einmal gesehen haben ... was ich an dieser Stelle unbedingt empfehle.
-- theSilentNoirFreak
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 20, 2010 5:28 PM MEST


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-12