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Rezensionen verfasst von
Martina D. (München)

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Nanga Parbat
Nanga Parbat
DVD ~ Josef Vilsmaier
Preis: EUR 4,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Unterschätzt, 11. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Nanga Parbat (DVD)
„Das Fast-Sterben und dann Überlebthaben ist das Stärkste, was wir spüren können“, hat Reinhold Messner einmal gesagt. Er muss es wissen. Ihm, dem Überlebenden, und seinem Bruder, dem Umgekommenen, hat Vilsmaier diesen leider arg unterschätzten Film gewidmet.
Vorwegschicken möchte ich, dass ich weder ein Messner-Fan bin, noch mich eingehend mit dem Zwist um Günther Messners Tod am Nanga Parbat beschäftigt habe, bevor ich mir den Film vor einigen Tagen angesehen habe. Ich hatte im Vorfeld lediglich einige wenig euphorische Kritiken im Internet gelesen, die alle recht einhellig beklagten, Reinhold Messner hätte diesen Film benutzt, um sich „reinzuwaschen“ von den Vorwürfen, die vor allem die damaligen Expeditionskollegen gegen ihn vorgebracht hatten. Zu einseitig sei das Endergebnis dieser Aufarbeitung geworden, zu gut würde Messner selbst dabei wegkommen. Nun, ich muss zugeben, dass ich dies nicht wirklich nachvollziehen kann.

Florian Stetter spielt, in den meisten Szenen sehr gelungen, einen selbstbewussten, extrovertierten, teils überheblichen und bis in die Haarspitzen ehrgeizen jungen Reinhold Messner, dessen geradliniger Offenheit man zwar eine gewisse Sympathie abgewinnen kann, der jedoch zu keinem Zeitpunkt heldenhaft wirkt oder eine naheliegende Identifikationsfläche für den Zuschauer bietet. Sein einziger wunder Punkt, wenn man so will, ist sein jüngerer Bruder und Kletterpartner Günther (solide dargestellt von Andreas Tobias), der dem Älteren nacheifert und nicht in seinem Schatten stehen will. Die stärksten Szenen des Films sind dann auch die am Berg, wenn die Brüder miteinander klettern. Nicht, weil sie besonders dramatisch oder actionreich wären, sondern im Gegenteil, weil sie, sehr unaufgeregt und dennoch eindringlich, das fast intuitive Einverständnis zwischen den beiden einfangen. Dabei hat der Film dokumentarische Züge, auf überzogene Tragik und große Emotionen wird verzichtet, was ich persönlich als sehr angenehm und auch angebracht empfand. Dass viele die Geschichte daher für langweilig halten, kann ich nur schwer verstehen. Ich ziehe eine derart unprätentiöse, faktentreue (wenn es auch Messners Fakten sein mögen) und nüchterne Erzählweise wahrer Begebenheiten jedem effektheischenden Action-Tamam und jeder Tränendrüsendrückerei vor (man stelle sich beispielsweise vor, hier würde eine hinzugedichtete Geliebte Messners am Fuße des Nangas herumgeistern und hysterisch nach ihrem Reinhold greinen, wie dies Toni Kurz in Stölzls „Nordwand“ erleiden musste. Zum Glück hat Vilsmaier sich derlei Unsinnigkeiten verkniffen). An die Substanz geht der Film dennoch oder vielleicht gerade deshalb. Wenn Messner verzweifelt aber unbeirrt versucht, sich und seinen Bruder in Sicherheit zu bringen, folgt man wie gebannt dem Geschehen. Der Berg wird dann zu einem unwirklichen, lebensfeindlichen Ort, der kein Erbarmen kennt. Die traumhaft schönen Bilder der Riesen aus Fels, Eis und Schnee stehen dabei in scharfen Gegensatz zu der immer verzweifelter werdenden Lage der Brüder. Dass Messner dabei die Hauptverantwortung (ich will bewusst nicht von Schuld sprechen) für den Tod von Günther trägt, wird in keiner Szene in Zweifel gezogen. Er hätte umkehren können, als der Jüngere ihm nachstieg, hätte die nachfolgenden Kameraden Kuen und Scholz um Hilfe bitten können. Es gab Optionen, doch wer will sich anmaßen zu beurteilen, was die richtige Entscheidung gewesen wäre?

Die Mitglieder der Expedition wurden in meinen Augen nicht negativ dargestellt. Einen Haufen junger, vor Tatendrang strotzender Männer hat Vilsmaier hier zusammen kommen lassen. Von Freundschaft ist wenig zu spüren, aber man merkt, es gibt sehr wohl Kameradschaft und Zusammenhalt zwischen diesen Wetteifernden. Der Fokus liegt ohnehin auf den Messner Brüdern, der Rest der Mannschaft erhält bei weitem nicht genügend Spielfilmzeit um wirklich Profil zu gewinnen.

Es gibt jedoch auch Aspekte des Films, die in meinen Augen weniger gelungen sind, daher auch ein Stern Abzug. Die Darstellung des Expeditionsleiters Herrligkoffer halte ich für hoffnungslos überzogen. Eine derart charakter- und entscheidungsschwache Person hätte kaum zahlreiche 8000er-Expeditionen auf die Beine stellen können. Hier ist Vilsmaier im dem Bestreben mit einem despotischen, verborten Herrligkoffer und einem dynamischen, furchtlosen Messner zwei Gegenpole zu schaffen, deutlich übers Ziel hinausgeschossen. Auch störe ich mich am Eingangsszenario, in dem Herrligkoffer einen Vortrag über die Nanga Expedition hält und Messner auf Krücken hereinplatzt um ihn des Lügens zu bezichtigen. Zu überzogen, zu pathetisch wirkt dieser Auftritt.
Ein weiteres Kuriosum, das mich zwar nicht wirklich gestört hat, das ich aber für amüsant halte: während Stetter und Tobias sich redlich mühen, ihren beiden Rollen zumindest einen Hauch südtiroler Aussprache zu verpassen, kann Karl Markovics, der den deutschen Herrligkoffer spielt, seinen Wiener Dialekt kaum unterdrücken. Aber wie wird es Herrligkofer bei einem Abendessen so schön in den Mundgelegt: „Für mich gehörten die Österreicher eigentlich immer zu den Deutschen…“ Äh ja…

Unterm Strich ist „Nanga Parbat“ ein packendes, sehr schön gefilmtes Bergsteigerdrama, das auf ein Übermaß an Pathos und Kitsch verzichtet, dafür sehr geradlinig und gefühlt realistisch das Schicksal der Messner Brüder am Nanga erzählt. 4 Sterne hat der Film in meinen Augen in jedem Fall verdient.


Larry Crowne
Larry Crowne
DVD ~ Julia Roberts
Preis: EUR 4,99

17 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Forrest goes College and meets Pretty Woman, 4. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Larry Crowne (DVD)
Larry Crowne ist lebensfroher Gutmensch aus Überzeugung. Das wird schon beim Vorspann klar, wenn er auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz gut gelaunt Müll aufliest, den ein anderer zuvor unachtsam weggeworfen hat. Oder wenn er sich voll Motivation und Frohsinn in seinen Job als Supermarktangestellter wirft und das Paradebeispiel eines Mitarbeiter des Monats abgibt. Dass es ausgerechnet der beliebte und engagierte Larry ist, der aufgrund seines fehlenden Collegeabschlusses den Sparmaßnahmen des Managements zum Opfer fällt, zeigt eine beißende Ironie, die der Film leider nur zu Beginn beweist. Von einem Tag auf den anderen steht der Optimist plötzlich ohne Job, dafür aber mit einem Berg an Schulden da. Ein neuer Arbeitsplatz ist ohne Abschluss und in seinem Alter praktisch nicht zu bekommen und so sieht Larry sich bald in seiner Existenz bedroht.

An dieser Stelle hätte aus dem Film ein Drama, zumindest aber eine Tragikomödie mit ernsten Untertönen werden können. Leider, leider schippert Tom Hanks den Kahn in ganz seichte Wohlfühlgewässer und kreiert eine Geschichte, die keinem weh tut, dabei aber belanglos und seltsam realitätsfern bleibt.

So lässt Larry zwar ein paar Szenen lang den Kopf ordentlich hängen, wird aber dann recht flott von seinem patenten Nachbarn, der die hiesige Flohmarktmafia leitet (eine von vielen schrullig-lustigen Ideen, die aber leider nicht zünden), davon überzeugt, sich im College einzuschreiben und den Abschluss doch einfach nachzuholen. Dabei landet er unter anderem in einem Kurs für professionelles Sprechen bei Ms. Tainot (Julia Roberts), der, wie man ihm bedeutungsschwanger versichert, sein Leben verändern wird. Die Lehrerin ist nicht nur hoch attatraktiv, sondern leider auch von Job und Ehe hoch desillusioniert und kippt zum Feierabend schon mal das ein oder andere Gläschen zur Frustbewältigung. Während sie die Brötchen verdient, sitzt ihr prolliger Ehemann, ein selbstverliebter Möchtegern-Autor, zu Hause vor dem PC um sich Pornos anzusehen, weil, Achtung, "Männer das nun mal so machen". Aha, wieder was gelernt. In welch Zustand geistiger Umnachtung die Collegeprofessorin diese emotional und geistig tiefergelegte Dumpfbacke geehelicht hat, bleibt ihr Geheimnis. Unmissverständlich klar gemacht wird dem Zuschauer damit jedoch, dass die bezaubernde Julia Roberts viel zu schade ist für so einen unsensiblen, eitlen Dösel. Schöne, einfache Schwarz-Weiß-Welt.

Ähnlich simpel geht es weiter: die attraktive Studentin Talia, die ungefähr halb so alt ist wie Larry, adoptiert ihn aus unerfindlichen Gründen vom Fleck weg als ihren neuen, besten Freund, verpasst ihm den zackigen Namen Lance und führt ihn erst einmal in ihre coole Roller-Gang ein, die so spaßige Dinge macht, wie "einfach mal durch die Gegend fahren, bis wir Hunger bekommen". Äh ja, klingt nach 'ner Riesengaudi. Danach wird Lance umgestylt. Peppiger Haarschnitt, Neugestaltung der Wohnungseinrichtung (natürlich nach Feng Shui), neue Hemden, wahlweise mit Drachenapplikationen oder bunten Schals kombiniert. Diese Veränderungen machen den ehemaligen Polohemd-Träger gleich so attratktiv, dass Talias Latino-Boyfriend in nervtötender Regelmäßigkeit vor Eifersucht vergeht, wenn er seine Liebste mit dem Neuankömmling "turteln" sieht. Dieser lächerliche Running-Gag amüsiert zu keinem Zeitpunkt, denn anscheinend ist Talias Lover der einzige, dem verborgen bleibt, dass zwischen Larry/Lance und seiner platonischen Muse zu keinem Zeitpunkt so etwas wie erotische Spannung aufkommt. Leider vermisst man diese Chemie jedoch ebenso zwischen Tom Hanks und Julia Roberts. Die beiden als Liebespaar, ich kann nicht genau sagen, warum, aber es funktioniert und überzeugt einfach nicht. Im Gegenteil, bei der Kussszene habe ich eine Gänsehaut bekommen, sicher nicht aus Verzückung. Und in wie weit der uninspirierte, langweilige Laberkurs der missmutigen Herzdame das Leben von irgendjemanden auf diesem Planeten verändern soll, hat sich mir auch bis zum Filmende nicht erschlossen ... leere Worthülse, auf die man hätte verzichten können.

Ohne Hanks und Roberts hätte ich wohl nur einen Stern für dieses belanglose Rosa-Brille-Filmchen vergeben. An Flachheit mit manch launiger deutschen TV-Komödie vergleichbar, wie man sie auf ProSieben oder Sat1 bestaunen kann. Mit dem Unterschied vielleicht, dass dort wenigstens zuweilen romantische Funken sprühen. Weil ich die beiden Stars jedoch sehr gerne mag und sie zweifellos Freude und Spaß an ihren Rollen ausstrahlen, gibt es einen Extra-Stern.
Unterm Strich: Tom Hanks mimt einmal mehr den charmant-naiven Forrest von nebenan, mit Sinn für Humor und dem Herz am rechten Fleckerl. Julia Roberts ist atemberaubend schön und spielt bezaubernd wie eh und je. Wer nicht mehr erwartet, wird sich 90 Minuten ausreichend unterhalten fühlen und den Film vergessen haben, sobald er die DVD aus dem Player nimmt.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 23, 2015 11:20 PM CET


Der letzte Tempelritter
Der letzte Tempelritter
DVD ~ Nicolas Cage
Wird angeboten von brandsseller
Preis: EUR 7,47

36 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Da hilft auch kein Weihwasser..., 2. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Der letzte Tempelritter (DVD)
Nicolas Cage und Ron Perlman als ehemalige Kreuzritter, die eine böse Hexe durch den dunklen, dunklen Wald in ein Exorzistenkloster irgendwo in der mittelalterlichen Einöde eskortieren sollen? Hm, schwer zu erahnen, was man da zu erwarten hat. Ein humoriges Fantasy-Abenteuer, möglicherweise einen Horror-Schocker oder gar einen ernst zu nehmenden Historienfilm? Pustekuchen, dabei herausgekommen ist leider bösester Trash mit miesen Effekten, faden Figuren mit lahmer bis gar keiner Entwicklung und einer Handlung mit Höhepunkten zum Schnarchen.

Klischee-Olé! Über Jahre hinweg säbeln sich Behmen (Cage) und sein Spießgeselle Felson (Perlman) munter durch das Heilige Land. Da läuft Behmen bei der Plünderung einer Stadt plötzlich eine glupschäugige Frau ins Schwert, die ihr Pech gar nicht fassen kann, und schon kehrt der Kreuzritter geläutert Gottes "gerechtem" Kampf den Rücken zu. Bis dato hatte er natürlich nur Gegner platt gemacht, die den Tod verdient hatten. Zurück bleibt ein mildes Kriegstrauma, das den Helden wie ein Zipperlein hin und wieder ungemütlich zwickt (siehe einige Flashbacks auf besagte glupschäugige Dame) und sein darauf folgendes Verhalten rechtfertigen soll. Das klingt nun nicht einmal besonders tiefsinnig, ist in Wahrheit jedoch noch viel oberflächlicher und vereinfachender, denn eine wirkliche Entwicklung mach Behmen nicht im Geringsten durch. Kurz gesagt: Nicolas Cage spielt Nicolas Cage, mehr Anforderungen hat sein Part eigentlich nicht.
Immerhin, noch mehr Profil, als Ron Perlmans Felson, der lediglich Stichwortgeber für seinen Kumpanen ist. Hin und wieder darf er ein paar knorrige Sprüche von sich geben (Hellboy lässt grüßen) oder, wenn auch vollkommen zusammenhangslos, von seiner Heimat schwärmen. Claire Foy als durchtriebenes Hexlein kann man sicher keinen Vorwurf machen. Mehr als abwechselnd unschuldig-traurig auf den Boden ihres Käfigs schauen und bedrohlich sabbernd die Lefzen hochziehen wie Luzifer persönlich gibt ihre Rolle nicht her. Christopher "Saruman" Lees Kurzauftritt ist wahrhaft kaum der Rede wert. Er hat insgesamt vielleicht 2 Minuten Screentime und ist derart mit unappetitlichen Pestbeulen übersät, dass sich auch gut und gerne der Regieassistent darunter verbergen könnte. Des Weiteren ist ein jugendlicher Grünschnabel mit zartem Bartflaum und naivem Blick mit von der Partie (sein Name ist mir leider entfallen, so einprägsam war sein Charakter), der sich auf der brisanten Dämonenmission seine Sporen verdienen will, komplettiert durch zwei, drei andere profillose Mitläufer, die jedoch relativ schnell aus der Geschichte gemeuchelt werden. Im finsteren Wald lauert dann so manch altbekanntes Hindernis, vom bösen Wolf bis hin zur morschen Brücke, bis das Himmelsfahrtkommando schließlich leicht dezimiert im Kloster für Teufelsaustreibung ankommt. Doch auch dort erwarten den Trupp und den Zuschauer eine ungemütliche Überraschung: grausige Spezialeffekte, chargierende Mimen und ein "teuflisches" Show-Down, das mehr unfreiwillige Komik als Spannung bietet.

Zugegeben, ich bin prinzipiell nicht gerade ein Fan von Nicolas Cages Schauspielkünsten, aber warum er sich für ein derart unterirdisches Filmchen hergegeben hat, kann ich wirklich nicht nachvollziehen. Er ist weder jung noch braucht er das Geld und sollte derartige Rollen lieber Christopher Lambert oder Dolph Lundgren überlassen, dann weiß auch der Zuschauer sofort, was er zu erwarten hat (tatsächlich fühle ich mich stark an Beowulf mit Lambert erinnert, zumindest, was das Niveau angeht). Einen gewissen Trashfaktor kann man dem Machwerk nicht absprechen, aber auch Trash sollte eine Portion Charme und Originalität haben und von beidem ist bei "Season of the Witch" absolut Fehlanzeige. Auch ein Kübel Weihwasser kann diesen Unfug nicht retten, da hilft nur abschalten!
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 9, 2013 6:49 PM MEST


Der Adler der neunten Legion
Der Adler der neunten Legion
DVD ~ Channing Tatum
Preis: EUR 6,99

91 von 108 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gralssuche der römischen Art, 7. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Adler der neunten Legion (DVD)
Im Jahre 140 nach Christus übernimmt der junge Zenturio Marcus Aquila das Kommando einer römischen Legion im britannischen Nirgendwo. Der Grund für diese nicht sehr naheliegende Karrierewahl: 20 Jahren zuvor wurde die 9. Legion in Britannien vernichtend von keltischen Stämmen geschlagen, die Standarte, Stolz der Legion und Zeichen für Roms Unbesiegbarkeit, ging dabei verloren. Zum Sündenbock wurde kein geringerer als Marcus' Vater, Befehlshaber der 9. Legion. Der junge Kommandant brennt darauf, die Ehre seiner Familie wieder herzustellen und den verschollenen Adler zurück zu erlangen. Zusammen mit dem jungen keltischen Sklaven Esca, der Marcus sein Leben verdankt, macht er sich auf eine schier aussichtslose, gefährliche Suche, jenseits der römischen Grenzen. Allerdings kommen ihm bald berechtigte Zweifel an der Aufrichtigkeit Escas, der Rom und seine Werte offen verabscheut und die Suche absichtlich zu behindern scheint.

Die erste Hälfte des Films ist wirklich stark. Karge Bilder führen durch die raue Landschaft Britanniens, ein ungemütliches aber durchaus passendes Set. In der Tat wunderschön gefilmt. Zwar gibt es keine aufwändigen Massenszenen zu bewundern, dafür lässt sich der Einsatz der römischen Angriffsformation Testudo bestaunen, was, neben den weniger ernst zu nehmenden Darstellungen in der Asterix-Reihe, kaum in dieser Qualität in Sandalenfilmen gezeigt wird. Die Figur des Marcus ist zudem sehr interessant angelegt. So ist der junge Oberbefehlshaber zwar mutig und aufrichtig (wie sich das für einen Helden eben gehört), er wird jedoch auch von Selbstzweifeln und der Angst befallen, ebenso wie sein Vater Schande über die Familie zu bringen, wenn er sich bei den ihm gestellten Aufgaben nicht bewähren kann. In der Wiederbeschaffung des Adlers sieht er die einzige Chance, sein Schicksal vor den Augen Roms und der Götter zu wenden. Mutig, denn um die Kompromisslosigkeit dieser Gralssuche zu veranschaulichen, schreckt der Regisseur auch nicht davor zurück, seinen Helden Grausamkeiten ausführen zu lassen, wie etwa der Tötung eines Kindes. Es mag aus heutiger Sicht etwas befremdlich wirken, wenn Marcus, stur und unbeirrbar, in scheinbar aussichtslosem Kampf um ein Stück Metall sein Leben aufs Spiel setzt. Fakt ist jedoch, dass der Verlust des Gesichtes und der Ehre für den Betroffenen und dessen gesamter Familie das gesellschaftliche und politische Aus im antiken Rom bedeuten konnte. So ist die Wiedererlangung der Standarte tatsächlich die einzige Möglichkeit für Marcus, den Namen seiner Familie reinzuwaschen. Ich denke, es ist wichtig, das zu akzeptieren, um an der Geschichte Gefallen zu finden. Leider ist Channing Tatum nicht mit übermäßigem schauspielerischem Talent gesegnet. Er ist bestimmt kein Totalausfall, allerdings kann er den inneren Kampf von Marcus nur schwer vermitteln, meistens blickt er einfach nur stoisch und irgendwie missmutig in die Ecke. Weit positiver fällt Jamie Bells undurchsichtiger Esca aus. Fast bis zum Schluss können Marcus und der Zuschauer gleichermaßen sich seiner nicht sicher sein. Donald Sutherland macht seine Sache als Marcus' Onkel gewohnt gut, wenn er auch etwas zu unverhofft in der Geschichte auftaucht ("Hallöchen, ich bin dein Onkel, von dem du noch nie etwas gehört hast, zufällig wohne ich auch in Britannien ..."). Was ich weiters als angenehm empfand: das Fehlen einer Liebesgeschichte. Die Geschichte ist nun einmal in einer absoluten Männerwelt angesiedelt und ich sehe es überaus positiv, dass der Regisseur sich nicht in überflüssigem Liebesgeplänkel verzettelt, sondern während des ganzen Films ganz nah an den beiden Hauptdarstellern und ihrer Beziehung zueinander bleibt.

2 Sterne Abzug, weil der Film im letzten Drittel leider eindeutig kippt. Neben einigen Ungereimtheiten (ein keltischer Stamm, der Marcus Tag und Nacht über Meilen hinweg jagt, und das zu Fuß, hat noch genug Reserven um ein Kind aus der eigenen Sippe mitzuschleifen und es vor seinen Augen zu töten...der Sinn dieser Szene ist vollkommen an mir vorübergezogen ...) ist an dem ambivalenten Gesamteindruck vor allem das Finale schuld, das derart pathetisch und unglaubwürdig gestaltet wurde, dass ich nur entsetzt den Kopf schütteln konnte. War der Film bis dahin eher nüchtern und dezent, vor allem was die Moralkeule angeht, schlägt sie in der finalen Konfrontation mit voller Wucht zu und man erinnert sich: stimmt, das ist ja ein Hollywoodfilm, mpf.

Empfehlen kann ich "Der Adler der neunten Legion" dennoch, wegen seiner visuellen Wucht, seiner Geradlinigkeit und seinen interessanten Figuren. Wer ein Fable für Sandalenfilmchen hat, kann getrost zugreifen!
Kommentar Kommentare (15) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 20, 2013 7:43 AM CET


Nichts als Gespenster: Erzählungen
Nichts als Gespenster: Erzählungen
von Judith Hermann
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Mensch als loses Ende, 28. Dezember 2010
An Judith Hermann scheiden sich die Geister. Es mag plakativ klingen, aber im Grunde ist es einfach: man mag ihren Stil oder eben nicht. Ich gehöre eindeutig zu ersterer Gruppe. War ich schon von "Sommerhaus, später" sehr angetan, so hat mich "Nichts als Gespenster" vollends überzeugt, zu mal es aus meiner Sicht insgesamt etwas reifer und runder als sein Vorgänger daherkommt.

Wieder ist die Generation der 'Thirty-Somthing' im Fokus, wieder stellen moderne aber orientierungslose Großstädter (Berliner) den Großteil der Figuren. Typisch Hermann: bei den vorliegenden Erzählungen handelt es sich nicht um in sich geschlossenen Geschichten im klassischen Sinn mit klarem Anfang und Ende oder einer Auflösung. Vielmehr beschreiben sie Befindlichkeiten und beleuchten das Seelenleben der Protagonisten. Jede Episode wirft dabei ein kurzes aber prägnantes Schlaglicht auf einen kleinen Teil des Kaleidoskops menschlicher Gefühle und Verletzungen. Die einzelnen Figuren werden dabei stark aus ihrem persönlichen Kontext gerissen, was zur Folge hat, dass ihre Handlungen und Reaktionen oft schwer nachvollziehbar sind. Man hat als Leser das Gefühl, dass man mehr über die jeweilige Person wissen müsste um wirklich zu verstehen, was sie antreibt oder hemmt und wie sie zu dem Punkt gelangt ist, an dem sie die Erzählung berührt. Kaum hat man begonnen, sich mit der Hauptfigur auseinander zu setzen, endet die Episode auch schon wieder, manchmal sehr abrupt. Gerade das macht jedoch den großen Reiz dieses Buches aus. Die Autorin überlässt es dem Leser, eigene Schlüsse zu ziehen, sie kommentiert und urteilt nicht, sondern beschreibt. Und das tut sie bis zur Schmerzgrenze, sachlich, kühl und doch ungemein intensiv. Da ist zum Beispiel Ellen, die in der titelgebenden Geschichte "Nichts als Gespenster" wie paralysiert mit ansieht, wie ihre schwierige Beziehung zu Felix scheinbar ausweglos gegen die Wand fahren muss. Da ist Mittdreißigerin Jonina, für die ein einziger kaltblauer Tag in der weiten, winterlichen Landschaft von Island alles verändert, ohne Aussicht jedoch sich von ihren zu Routine gewordenen Schatten befreien zu können. Eine namenlose junge Frau, die einen ehemaligen Geliebten in Karlsbad besucht und dabei einsehen muss, dass sich die Zeit nicht zurück drehen lässt. Alle Charaktere weisen Ecken und Kanten auf, und sind meist keineswegs so, wie man sich seine Freunde vorstellen möchte. Gerade dass macht sie so interessant und überaus authentisch. Selbstbewusst und befreit an der Oberfläche, aber zu tiefst verunsichert und verloren darunter, kann man sich, so man es zulässt, von so mancher Figur den Spiegel vorhalten lassen.

Das einzige, das ich mich an den Geschichten etwas genervt hat, war, dass wirklich jeder der Akteure Kettenraucher zu sein scheint. Es wird gelitten, geschwiegen, geliebt ... und leider auch in einem fort gequalmt! Auf keinen Fall bin ich ein Gesundheitsapostel und ich bezweifle auch, dass Frau Hermann von der Tabakindustrie geschmiert wurde, aber der ständige Versuch den Glimmstängel als Markenzeichen der hippen aber gefühlsgestörten Generation X zu etablieren, wirkt ziemlich überzeichnet auf mich. Kann den Lesegenuss aber kaum bis gar nicht mindern - deshalb fünf Sterne.

Uneingeschränkt empfehlen kann ich auch die Verfilmung des Buches. Der Episodenfilm "Nichts als Gespenster" wartet mit August Diehl, Brigitte Hobmeier, Fritzi Haberlandt, Wotan Wilke Möhring und Maria Simon als wunderbar stimmiger Besetzung auf und fängt die Atmosphäre des Buches grandios ein.


2er Set schwarze, warme Damen Leggings. Leggins mit leichtem, angenehmem Innenfleece.
2er Set schwarze, warme Damen Leggings. Leggins mit leichtem, angenehmem Innenfleece.
Preis: EUR 7,99 - EUR 13,80

12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gute Qualität und sehr bequem!, 19. November 2010
Tolle, warme Winterleggins zu einem absolut fairen Preis. Innen mit fleece-artig weicher Beschichtung, trotzdem wirkt sie nicht zu dick. Passt wunderbar in jeden Stiefel. Habe mir gleich ein zweites Paar bestellt, genau das richtige für alle die im Winter nicht auf Rock oder Kleid verzichten wollen. Ich muss jedoch meiner Vor-Rezensentin recht geben, die Größenangaben sind etwas irreführend. Ich trage normalerweise Größe 36, Größe M (38/42) war jedoch keinesfalls zu groß!


Young Bloods (Wellington and Napoleon Quartet)
Young Bloods (Wellington and Napoleon Quartet)
von Simon Scarrow
  Taschenbuch
Preis: EUR 13,26

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Hat mich nicht gefesselt, 28. September 2010
Welch wunderbaren Einfall Simon Scarrow doch hatte! Wellington und Napoleon in ihrem Werdegang und Charakter gegenüberzustellen, und ihr Leben parallel von französischer Revolution bis Waterloo zu verfolgen, bietet ein schier unglaubliches Potential und ich musste mich schwer zusammenreißen, nicht gleich alle 4 Bände der Reihe zu bestellen, so begeistert war ich von der Idee dieser Romane. Nun, nachdem ich mich mühevoll durch Band 1 kämpfen musste und kurz vor Seitennummer 500 ernüchtert aufgab, konnte ich mir doch auf die Schulter klopfen, für die folgenden Bände kein Geld investiert zu haben.

Es lag weder am Schreibstil von Scarrow noch an seinen historischen Recherchen, dass der Funke bei mir einfach nicht überspringen wollte. Das Problem sind in meinen Augen leider die beiden Hauptakteure selbst und die Art und Weise, wie sie gezeichnet wurden. Weder der junge, temperamentvolle Napoleone (wie er in Kinderjahren gerufen wurde) noch der introvertiere Arthur gewinnen die Sympathien des Lesers. Sie sollen in ihren charakterlichen Eigenschaften 2 Gegenpole darstellen, was Scarro derart überspitzt, das weder der eine noch der andere eine Identifikationsfläche bietet. Während Napoleon schon als Jüngling aufbrausend, hitzig und selbstbewusst bis zur Schmerzgrenze ist, möchte man den weinerlichen, sich in einem fort selbst bemitleidenden Arthur am liebsten schütteln. Spannung bot leider keine einzige Seite, was angesichts des Stoffes wirklich zum heulen ist. Auch das fiktive Zusammentreffen der beiden jungen Soldaten in Frankreich stellt keinen Höhepunkt dar. Zu keinem Zeitpunkt fühlt oder leidet man gar mit den Protagonisten, selbst in den schlimmsten Notlagen war es mir ziemlich einerlei, ob und wie Arthur/Napoleon sich aus dem Schlamassel befreien würde. Um es mit einem Satz und einem Adjektiv zu beschreiben: Die Geschichte war schlicht langweilig. Zudem pflegt Scarrow eine sehr nüchterne und schnörkellose Schreibweise, die der Periode angemessen sein mag, aber nicht jedermanns Sache ist - 2 Sterne.

Wenn es also um spannende, mitreißende Literatur zu Napoleon geht, bleibt mir auch hier nichts anders als auf "Napoleon - die hundert Tage" von Friedrich Sieburg zu verweisen. Ein romanhaftes Sachbuch über den Kaiser, seine Motive und seine Epoche. Wortgewaltig, differenziert und stilistisch einmalig.


Die Päpstin
Die Päpstin
DVD ~ Johanna Wokalek
Preis: EUR 6,14

9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Nicht Fisch, nicht Fleisch, 31. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Päpstin (DVD)
Im Frankenreich des 9. Jahrhunderts: die kleine Johanna wächst als jüngstes Kind eines Priesters in ärmlichen Verhältnissen auf. Das Mädchen leidet unter ihrem despotischen, gewalttätigen Vater und der Tatsache, dass Frauen zu jener Zeit jegliche Bildung verweigert wird, denn sie ist aufgeweckt und verfügt über einen außergewöhnlich scharfen Verstand. Ihr ältester Bruder bringt ihr heimlich Lesen und Schreiben bei und als ihre Intelligenz die Aufmerksamkeit des Gelehrten Aeskulapius weckt, scheint ihr Traum von einem gelehrsamen Leben endlich in greifbare Weite gerückt. Doch in den kommenden Jahren muss sie immer wieder erleben, dass sie aufgrund ihres Geschlechtes unterdrückt, gedemütigt und benachteiligt wird. Nur als Mann, so sieht sie schließlich ein, kann sie in dieser Welt ihre Fähigkeiten nutzen und ein selbstbestimmtes Leben führen. Aus Johanna wird Johannes und das Verhängnis nimmt seinen Lauf, das sie letzten Endes sogar auf den Stuhl Petri führen wird.

Es ist bereits einige Jahre her, dass ich "Die Päpstin" von Donna Woolfolk Cross gelesen habe, aber was mir zu allererst an dem Film auffiel, war, dass er sich sehr stark an das Buch hält und kaum von der Romanhandlung abweicht. Und das ist in meinen Augen der Grund, warum der Film nicht richtig funktioniert. Johannas Geschichte zieht sich über mehrere Jahrzehnte und führt den Zuschauer von Ingelheim nach Dorstadt, Fulda und schließlich nach Rom. Dabei tauchen eine Vielzahl Personen auf, die verschiedenste Rollen in Johannas Leben spielen, vom geliebten Bruder, missgünstigen Lehrer, bewundernden Schützling bis hin zu väterlichen Freunden, intriganten Gegenspielern und dem edlen Geliebten. Das Gefühl für die Charaktere und deren Beziehungen zueinander, das die Autorin im Roman vermitteln kann, geht im Film leider fast vollständig verloren. In 142 Minuten peitscht der Regisseur seine Protagonisten durch die knapp 600 Seiten des Romans, der Zuschauer bleibt dabei keuchend (oder viel mehr gähnend) auf der Strecke. Sönke Wortmann wollte auf keinen Aspekt der Geschichte verzichten und verzettelt sich somit auf ganzer Linie. Sämtliche Figuren, leider auch Johanna selbst, bleiben oberflächlich.
Das liegt zum einen daran, dass ihnen viel zu wenig Raum für eine Entwicklung gelassen wird. Die meisten Rollen tauchen auf und verschwinden ebenso schnell wieder aus der Geschichte, noch bevor der Zuschauer sich richtig mit ihnen auseinander setzen konnte. Meiner Meinung nach war es unnötig sich so sklavisch an die Vorlage zu halten. Interessante Charaktere wie Kardinal Anastasius (Johannas Gegenspieler in Rom), der Gelehrte Aeskulapius oder auch Johannas Vorgänger, Papst Sergius, haben leider keine Gelegenheit (oder sollte ich lieber sagen: Zeit), Konturen und Tiefgang zu erhalten und bleiben absolut austauschbar. Hier wäre es sicher interessanter gewesen, sich auf bestimmte Lebensstationen zu konzentrieren, anstatt alles in Eile "anzuschneiden".
Zum anderen ist der Film im Hinblick auf seine Botschaft zu ambitioniert. Johannas Leben soll moderne Emanzipationsgeschichte, Liebesdrama, Abenteuerfilm und Mittelalterstudie zu gleich sein und überzeugt bei weitem nicht auf allen Ebenen. Die Chemie zwischen Gerold und Johanna ist praktisch nicht vorhanden, was vor allem daran liegt, dass ihnen kaum gemeinsame Filmminuten gegönnt werden. Johanna schmachtet ihren edlen Ritter zwar in ein, zwei Szenen mit herzzerreißendem Blick an, in der nächsten Szene ist der gute Gerold jedoch bereits wieder vergessen, Johanna hat schließlich wichtigeres zu tun: sie muss sich emanzipieren, die Armen retten, ein Mittel gegen die Pest, Aussatz und Gicht entwickeln und nebenbei den päpstlichen Wahlkampf schmeißen.

Schade, schade, dass daraus nicht mehr gemacht wurde ("mehr" im Sinne von weniger ist mehr). Johanna Wokalek ist die ideale Besetzung und gäbe der legendären Johanna ein glaubhaftes Gesicht, hätte man ihr doch nur etwas inneren Konflikt und Tiefgang zugestanden. Blass ist vor allem David Wenham, auch wenn es erstaunlich ist, wie jugendlich sein Gerold bis zum Schluss bleibt, während alle um ihn herum fröhlich altern. Gute Faltencreme kann man da nur sagen, vermutlich aus Johannas Kräuterpasten-Sortiment. Mit am besten gefiel mir noch John Goodman, der an seiner Rolle als Papst Sergius sichtlich Spaß hatte und sich nicht so ernst nimmt wie der Rest des Besetzungsstabes.

Der Film hat mir nicht so schlecht gefallen, wie es vielleicht wirken mag, ich ärgere mich nur ein bisschen über die verschenkten Möglichkeiten. Denn Potential hatte die Geschichte zur Genüge. Gelungen fand ich in jedem Fall die Atmosphäre des Films, so rau, hart, brutal und schmutzig stellt man sich das Mittelalter vor. Dass sämtliche Darsteller natürlich trotzdem ein lupenreines Zahnpastalächeln zur Schau stellen, lässt sich dabei verkraften.

Fazit: In den 2 Stunden Laufzeit tut sich viel und nichts zu gleich. Der Film ist mit Ereignissen, Personen und Ambitionen überfrachtet und nimmt leider keinen seiner Charaktere richtig ernst. Trotz einer gut aufspielenden Johanna Wokalek herrscht hier vor allem eines: gepflegte Langeweile. Die Geschichte hätte entweder fürs Kino gestrafft oder auf einen TV-Mehrteiler ausgedehnt werden sollen. Leider hat man sich für die denkbar schlechteste Umsetzung entschieden und einen Film geschaffen, bei dem man spätestens nach einer Stunde ständig auf die Uhr schaut und das Ende herbei seht. Verdammt schade.


(500) Days of Summer
(500) Days of Summer
DVD ~ Joseph Gordon-Levitt
Wird angeboten von Eliware
Preis: EUR 14,91

17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Genial, 1. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: (500) Days of Summer (DVD)
Tom liebt Summer. Das ist kurz gesagt der Inhalt des Films. Nicht mehr, nicht weniger. Tom ist Grußkartenschreiber und als er Summer, die neue Assistentin seines Chefs, zum ersten Mal sieht, ist der Romantiker sich sicher: vor ihm steht seine Seelenverwandte, die einzige Frau, die er jemals lieben wird. Summer ist spontan, lebenslustig, launisch und leider nicht an einer festen Beziehung interessiert. Was nun folgen, sind 500 Tage Liebeswirren, die Tom von den unendlichen Höhen des Verliebtseins mitten hinein in den gähnenden Abgrund der Verzweiflung und wieder zurück katapultieren.

Was zunächst wie eine der üblichen Zuckerguss-Hollywoodkomödien mit den obligatorischen Turbulenzen und dem absolut vorhersehbaren Happy-End klingt, entpuppt sich als eine der originellsten und wahrhaftigsten Geschichten über die Liebe und Beziehungen der letzten Jahre. Besonders hervorzuheben ist der ungewöhnliche Erzählstil: Toms und Summers "Ich liebe dich .. oder doch nicht?"-Odyssee läuft nicht chronologisch ab, die 500 Tage, die ihnen in 90 Spielminuten gegönnt sind, werden dem Zuschauer durcheinander, aber überaus stimmig, präsentiert: den Einstieg bildet Summers Trennung von Tom, erst später kommt es zur ersten Begegnung, dem ersten Kuss, dem ersten Sex. Dabei versteht es der Film geschickt, die verschiedenen Zeitebenen miteinander zu verweben um mehr emotionale Dichte entstehen zu lassen, ohne den Zuschauer zu überfordern oder zu verwirren. Großes Lob auch an die Darsteller. Joseph Gordon-Levitt ist sicher die Hauptidentifikationsfigur und gibt den liebeskranken Tom mit Hingabe, ohne es zu übertreiben und ihm die Würde zu nehmen. Die bezaubernde Zooey Deschanel steht ihm hierbei in nichts nach, obwohl ihre Summer Toms Femme fatale und somit sein Verhängnis ist, verliert sie nie die Sympathien des Zuschauers. Die Chemie zwischen den Hauptdarstellern stimmt von Anfang an, auch das Ende der Geschichte zeichnet sich meiner Meinung nach rasch ab, was die Qualität des Filmes jedoch nicht schmälert, im Gegenteil. That's real life.

Eine wunderbare Geschichte, die ich uneingeschränkt empfehlen kann. "500 Days of Summer" weist das gesamte Spektrum des menschlichen Liebeskarussells auf: Frust, Freude, Hoffnung, Erwartung, Lust, Ernüchterung, Leidenschaft, Leid und Ekstase drehen sich wild im Kreis und gehen unmittelbar ineinander über. Neben "Vergiss mein nicht!" und "Alle Anderen" mit Sicherheit einer schönsten und wahrsten Filme über Beziehungen, die ich bisher gesehen habe.


Robin Hood - Die 1. Staffel (3 DVDs)
Robin Hood - Die 1. Staffel (3 DVDs)
DVD ~ Michael Praed
Wird angeboten von audiovideostar_2
Preis: EUR 6,25

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Must-Have für Nostalgiker, 8. April 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Robin Hood - Die 1. Staffel (3 DVDs) (DVD)
Als ich per Zufall entdeckte, dass diese Serie auf DVD veröffentlicht wurde, war ich augenblicklich begeistert. Auch ich gehöre zu jenen, die als Kind Samstag für Samstag begierig vor der Glotze hingen, um die Abenteuer von Robin Hood und seinen "Merry Men" zu verfolgen.

Neben "Rom" kenne ich keine historische TV-Serie, die sich derart authentisch anfühlt: Ausstattung, Kostüme und Kulissen wissen durch Dezenz, Bodenständigkeit und einem charmanten Schmuddellook zu überzeugen. Burghöfe, die von Hühnern, Ziegen und anderen Haustieren bevölkert sind, verschlissene Kleidung, natürliche, ungeschminkte (!) Frauengesichter - in welcher anderen TV-Produktion, die im Mittelalter spielt und leider dennoch "hipp" sein will, ist das sonst zu finden? Einzig die Frisuren mancher Protagonisten erinnern mehr an die wilden 80iger als an das finstere Mittelalter (siehe Robins Vokuhila ;-) Besonders angenehm finde ich überdies das special-effect-arme und doch couragierte Verhalten der Hauptfiguren. So benötigt Marion weder Pushup-Amazonen-Outfit noch Kongfu-Kenntnisse um eine starke, patente Frau zu sein, Robins Schwertkampf reißt auch ohne eingebaute Salti mit und der schurkenhafte Sheriff von Nottingham erhält sein Charisma mehr durch Sarkasmus und Schlagfertigkeit denn durch übermäßige Grausamkeit. Meine Lieblingsfolge dieser Staffel ist eindeutig "Alan A Dale (Der Minnesänger)", die durch den ständig dichtenden Alan und einem Sheriff in Höchstform ("Es macht sicher unglaublich viel Spaß im Schlamm zu spielen..") zahlreiche Schmunzler bereithält.

An dieser Stelle sei jedoch auch etwas Ernüchterung angebracht. Wer die Serie nicht wie ich und die meisten anderen Rezensenten aus nostalgischen Gründen liebt und sie zum ersten Mal sieht, wird möglicherweise so seine Probleme haben. Die Charaktere sind zum größten Teil etwas hölzern angelegt und zeigen wenig Tiefgang. Etwas mehr Ambivalenz und Zerrissenheit hätte den Hauptfiguren, allen voran Robin selbst, sehr gut getan. So wirken einige Handlungsstränge recht eindimensional und mit unter auch ein wenig naiv. Dies beginnt schon bei Folge 1, wenn Robin sich mir nichts dir nichts von Waldgeist Herne überzeugen lässt, statt armer Müllerssohn lieber selbstloser Volksheld zu sein. In gleichermaßen salopper Manier überredetet er seinerseits die geächteten Freunde, die sich eigentlich aus dem Staub machen wollten, doch lieber mit ihm das schmucke England vor den umtriebigen Normannen zu schützen und sich im Sherwood Forest häuslich einzurichten. Sei's drum, trotz fehlendem Tiefgang sind die Charaktere erdig und sympathisch bis kauzig und überzogenes Overacting á la Xena und Herkules wird weitgehend vermieden (bis auf Marions allzu schmachtende Blicke in Folge 1 und 2 vielleicht ;-). Über die Bildqualität darf man sich jedoch keine Illusionen machen, die ist im Vergleich zu heutigen Produktionen in der Tat unterirdisch schlecht. Ein Beweis dafür, wie sehr die Serie auch heute noch geliebt wird, wenn trotz teils grobkörnigem Bild fast durchgehend 5 Sterne vergeben werden.


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