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Michael Bär (Deutschland)

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Die Geschichte der Unschärfe
Die Geschichte der Unschärfe
von Wolfgang Ullrich
  Gebundene Ausgabe

49 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Spannend geschrieben, aber mit einigen Mängeln, 5. März 2003
Unschärfe war zu allen Zeiten ein umstrittenes Stilmittel, und wahrscheinlich war sie nie so akzeptiert wie heute. Der Autor zeigt viele Querverbindungen zwischen Unschärfeeffekten in der Malerei und der Fotografie auf und beleuchtet sowohl die (ideologiebelandenen) Diskussionen um ihre Verwendung als auch die Wirkungen, die mit verschiedenen Spielarten von Unschärfe erzeugt wurden.
Kunstgeschichtlich ist Ullrich zweifellos auf der Höhe und seine diesbezüglichen Aussagen sind mit Genuss zu lesen. Fotografisch scheint er weniger beschlagen, und hier gibt es manche Ärgernisse. Er verwechselt stellenweise Fokus- und Bewegungsunschärfe, rechnet die "Zoom"-Unschärfe pauschal zur Bewegungsunschärfe und unterscheidet (meist) nicht zwischen Bewegung der Kamera und Bewegung des Objekts. Er belegt die Behauptung, dass selbst die "seriöse Wissenschaftsfotografie" Unschärfe als Mittel einsetzt, um den Charakter des Sensationellen zu belegen, mit einer elektronenmikroskopischen (?) Aufnahme, die erstens nichts mit Fotografie zu tun hat (es handelt sich um eine Computergrafik) und die zweitens eindeutig deshalb unscharf ist, weil hier Phänomene an der Auflösungsgrenze der Geräte gezeigt werden.
Überhaupt die Lust am interpretieren. Unschärfe als technischer Mangel scheint für ihn nicht zu existieren. Dass gerade Paparazzi manchmal nur eine unscharfe Abbildung des Objekts ihrer Begierde schaffen, leugnet er einfach und behauptet, die Bildredakteure würden statt der vorhandenen scharfen lieber die unscharfen Aufnahmen drucken, um den Sensationscharakter zu betonen. Dass häufig Aufnahmen von Überwachungs- oder anderen Videokameras gedruckt werden und dass diese prinzipiell unscharf (verglichen mit Aufnahmen einer Fotokamera) sind, interessiert ihn nicht.
Noch ärgerlicher finde ich die Behandlung der Abbildungen im Text und im Anhang. Im Text sind viele SW-Abbildungen eingestreut, auf die im Text aber nur gelegentlich eingegangen wird und wenn, dann meist ohne einen klaren Bezug herzustellen. Es bleibt dem Leser überlassen, herauszufinden, welches der auf einer Seite erwähnten Bilder denn nun auch wirklich gezeigt ist. Auf die Abbildungen im Anhang wird zwar deutlich verwiesen, im Anhang selbst stehen sie aber ohne jede Bildunter- oder Überschrift; in vielen Fällen ist weder im Text noch im Anhang ein Bildtitel erwähnt. Quellenangaben fehlen selbstverständlich völlig.
Aus diesen Gründen gibt es von mir trotz vieler positiver Aspekte und interessanter Informationen nur drei Sterne.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 1, 2012 8:24 PM CET


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