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Rezensionen verfasst von
Nico25 "Heinz F." (München)

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Poland: Key to Europe.
Poland: Key to Europe.
von R.L. BUELL
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Der Titel ist wörtlich zu nehmen, 12. Oktober 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Poland: Key to Europe. (Gebundene Ausgabe)
Der junge J.F.Kennedy las das Buch im Mai 1939 und war davon begeistert. Interessante Darstellung der Geschichte des Landes, der Minderheitensituation und der geostrategischen Ausgangslage in Mitteleuropa zu Beginn des Weltkriegs - aus der Perspektive von 1939.


Roosevelt und Hitler. Todfeindschaft und totaler Krieg
Roosevelt und Hitler. Todfeindschaft und totaler Krieg
von Ronald D. Gerste
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 31,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Politisch korrekte Roosevelt-Biographie für Amerikafreunde, 24. Juni 2015
Franklin Delano Roosevelt, kurz FDR, ist sicher einer wirkungsmächtigsten Politiker, den die Welt je gesehen hat. Mittels seiner Führung konnte zeitgleich und auf getrennten Kriegsschauplätzen zwei Großmächten vollständig das Rückgrat gebrochen werden – dem noch nie besiegtem Japan und der 1939 stärksten Wehrmacht der Welt, Deutschland. Er gab die Entwicklung der fürchterlichsten Waffe der Menschheit in Auftrag und durch ihn wurde – dank der Selbstentmachtung und Zerstörung Europas – die USA zur Supermacht und ab 1990 zur einzigen Weltmacht. Bei den niedergeworfenen Großmächte wurde ein Elitenwechsel vollzogen und die Bevölkerung umerzogen. Deutschland und Japan sind bis heute treue Vasallen der USA. Auch die Gründung der UNO ist FDR zu verdanken.

Obgleich das Handeln dieses Mannes die Geschichte Deutschlands vollständig und vor allem nachhaltig verändert hat, sind Biographien über FDR im deutschen Sprachraum relativ selten. Insoweit ist grundsätzlich erfreulich, wenn nach längerer Zeit wieder einmal ein deutscher Historiker sich mit diesem US-Präsidenten auseinandersetzt."Roosevelts Hass auf Hitler - Todfeindschaft und totaler Krieg" müsste der Titel eigentlich heißen, denn Hitler ist nicht Gegenstand dieser monographischen Erschließung, sondern es handelt sich bei der Arbeit von Gerste um eine politische Biographie über FDR, mit dem Fokus auf dessen Lebensaufgabe - die Zerstörung der NS-Diktatur - dem großen Ziel, dem alles andere untergeordnet wurde.

Das flüssig geschrieben Buch gibt dem Leser einen guten Einblick in die außenpolitischen Ziele FDR und das innenpolitische lavieren. Allerdings, nachdem wichtige Aspekte angesprochen wurden, werden diese dann nicht kritisch hinterfragt. Entweder fehlt die Vorgeschichte, oder übergeordnete Grundkonstanten angelsächsischer Politik - wie z.B. "Balance of power / divide et impera" oder der Einfluss des Geldes - werden nicht thematisiert. Kausale Zusammenhänge sind oft nicht zu Ende gedacht oder werden nur angedeutet.

Einige Beispiele:

1) Facettenreich geht der Verfasser auf den Konflikt zwischen dem FDR und Charles Lindbergh ein (S.124ff). Das einzige Treffen beider Antipole der US-Außenpolitik fand zufälliger Weise am 20.04.1939 statt, an Hitlers 50. Geburtstag. Interessant ist aber nicht nur dieses Detail, sondern der Leser erfährt auch, dass Lindberghs Vater, Charles Augustus L., bereits gegen Wilsons Weg in den 1. WK kämpfte und dass dieser schon 1913 in seinem Buch „Banking Currency and the Money Trust“ die Destruktion amerikanischer Ideale durch eine finanzkräftige Elite beanstandete. Das eigentliche Dilemma, warum in der Geschichte der USA die Isolationisten bei einer geplanten Intervention diese nie verhindern konnten, wird vom Verfasser nicht angesprochen.

2) Gerste schreibt, dass der Kriegsbeginn in Europa für FDR auch als Chance wahrgenommen wurde, die Möglichkeit Hitler und Mussolini zu stoppen. Seine dringlichste Aufgabe dabei war anfangs, Sympathien für die "sister democracies" bei der eignen Bevölkerung zu wecken (S. 141). Der Leser erfährt leider nichts darüber, welche Rolle seine Botschafter in Europa spielten, damit die Regierungen Polens, GB und Frankreichs unter allen Umständen gegenüber Hitler bei der Frage um Danzig und dem Korridor standhaft blieben. Dass es kein zweites München gab, hängt auch mit der US-Geheimdiplomatie zusammen, Appeasement-Politik in Europa zu beenden.

3) Die völlige Zerschlagung der Nazis und die Vernichtung Hitlers und seines Machtapparates war für FDR die Grundvoraussetzung für eine bessere Weltordnung. Die USA als "primus inter pares" sollte nach seiner Vorstellung zusammen mit den Juniorpartnern GB, UdSSR und China die neue Ordnung kontrollieren und leiten (S. 215). Dass es sich bei diesem Projekt hierbei um nichts anderes als um die Weltherrschaft der USA handelt, erwähnt der Verfasser nicht - vielleicht weil es so offensichtlich ist?

4) Die selektive Wahrnehmung FDR von Aggression - die Einverleibung Ostpolens, des Baltikums und Finnlands durch die UdSSR war ihm gleichgültig - wird vom Verfasser angesprochen. Aus FDR Sicht waren dies zweitrangige Konflikte, die dem großen Ziel - der Vernichtung Hitlers - unterzuordnen waren (S. 146f). Dieses Thema hätte durchaus etwas vertieft werden können - Polen war immerhin offizieller Kriegsgrund.

5) Die Antwort auf die kniffeligen Frage, warum FDR dem Diktator Stalin jeden Wunsch erfüllte, ist vordergründig plausibel. Für FDR wäre der militärische Zusammenbruch der Sowjetunion die größtmögliche Katastrophe gewesen, "eher würde er den Verlust Neuseelands oder Australiens in Kauf nehmen." (S. 206) Was der Autor nicht schreibt, ist die simple Tatsache, dass nur mittels des hohen Blutzolls der Russen die USA ihre Verlustziffern relativ niedrig halten konnten. Millionen Tote Amerikaner hätte FDR seiner Bevölkerung nicht zumuten können und deshalb brauchte er Stalin mehr als jeden anderen Verbündeten.

6) Über die emotional und konträr diskutierte Frage, ob FDR die Ermordung von Millionen europäischer Juden hätte verhindern können, schreibt der Verfasser zu recht, dass nach den Propagandalügen der Briten aus dem ersten Weltkrieg, die amerikanische Öffentlichkeit misstrauisch geworden war (S. 219). Unsere heutigen Kenntnisse von chirurgischen Luftschlägen verkennen den seinerzeitigen Stand der Technik. Luftangriffe auf die Lager oder die zu den Vernichtungsorten führenden Gleise wären möglicherweise kontraproduktiv gewesen (S. 223f). Leider ist aber auch hier das Problem nicht zu Ende gedacht, da die Zielstrebigkeit mit dem FDR Hitler vernichten wollte, von diesem unmittelbarer auf seine Geiseln, die europäischen Juden projiziert wurde und diese dafür zu büßen hatten. Hitler dokumentierte diese obskure Logik in seinem "Politischen Testament" vom 29.04.1945.

Fazit:

Wie die dargestellten Kritikpunkte vermuten lassen, hat der Verfasser bei der Auswahl der Quellen und der Sekundärliteratur aus einem eher für FDR positiven Spektrum geschöpft. Dies ist nicht unbedingt zu beanstanden, wenn man als Leser ein positives Bild von den USA hat und eine passende politische Biographie lesen möchte. Der Verfasser erlaubt sich hierbei den Hinweis, dass er "weder ein Anhänger deutsch-nationalen Gedankenguts noch ein Roosevelt-Hasser" ist (S. 270). Dies ist eine ehrliche Ansage, die gerade im Zusammenhang mit einer biographischen Arbeit nachvollziehbar ist.

Mir persönlich ist dies - gerade im Hinblick auf dem militärisch-industriellen Komplex, den FDR aufgebaut und hinterlassen hat sowie die vielen aktuellen Konflikte, bei den die USA Akteur ist - etwas zu wenig. Von der Person, die wie Hitler das 20. Jahrhundert entscheiden geprägt hat, hätte ich mir eine etwas kritischer Biographie erwartet. Wer den USA grundsätzlich wohlgesonnen ist, kommt aber voll auf seine Kosten.


Die Lage des Armenischen Volkes in der Türkei
Die Lage des Armenischen Volkes in der Türkei
von Vahriç Melkonyan
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,14

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine zeitnahe Darstellung des größten Verbrechens des Ersten Weltkrieges, 22. Juni 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Aus der unmittelbar erfahrenden Perspektive des Zeitzeugen berichtete der protestantische Theologe Johannes Lepsius 1916 über den unfassbaren Leidensweg des armenischen Volkes im Ersten Weltkrieg. Das Buch besteht aus drei Teilen:
- 150 Seiten detaillierte Schilderungen von Augenzeugen des Genozids. Opfer: Christen - Täter: Türken, Kurden, Tscherkessen
- 90 Seiten befassen sich mit den Motiven und der Propaganda, dem Versuch der türkischen Regierung ihr Handeln zu rechtfertigen
- 50 Seiten behandeln wirtschaftliche Folgen, Zwangsbekehrungen, Zensur, Lüge, Propaganda, Ohnmacht.
Mit Tabellen über die Anzahl der deportierten und getöteten Christen schließt das Werk. Lepsius ist 1916 von 1.396.350 Opfern ausgegangen, eine Zahl die nach aktuellem Stand der Forschung nach oben korrigiert werden muss.

Inhaltlich unterscheidet sich das Buch von modernen Darstellungen, dass es aufgrund der zeitlichen Nähe authentischer, detaillierter ist, aber die Wirkungsgeschichte nicht einbezieht (die sich bei diesem "vergessenen Holocaust" aber auch in Grenzen hällt).

Für jeden historisch Interessierten empfehlenswert, der sich anhand von Primärquellen über historische Ereignisse informieren möchte. Die Fülle der Detailinformationen ist beeindruckend und erschütternd zugleich.

Grosser Dank gebührt der Famillie Melkonyan, die dieses einzigartige Dokument einer breiten Öffentlichkeit in gut lesbarer Form zugänglich gemacht haben.


Die Souveränität Deutschlands: Souverän ist, wer frei ist
Die Souveränität Deutschlands: Souverän ist, wer frei ist
von Karl Albrecht Schachtschneider
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Souverän ist, wer frei sein will, 20. Juni 2015
Als aufmerksamer Beobachter der Tagespolitik könnte man zu dem Schluss kommen, dass irgendetwas mit der Souveränität der Bundesrepublik nicht stimmen kann. Oder lässt wie lässt es erklären, dass unsere Eliten bei Themen wie Eurorettung, EU-Vertragsverletzungen, EU- und EZB-Personalpolitik, Russland-Sanktionen, Datenschutz, Flüchtlingshilfe, Umerziehung & Schuldkultur etc. nie offen nationale Interessen vertreten, in einer Form wie dies alle anderen Staaten tun?

Zur Aufklärung dieses Themenkomplexes aus juristischer Perspektive ist wohl kaum jemand besser geeignet als der emeritierte Professor für öffentliches Recht, Dr. Schachtschneider, hat er doch die bereits mehrfach vor dem BGH betreffs Souveränitätsverletzungen geklagt. Das Buch ist nicht umsonst stilistisch elegant und präzise geschrieben. Der Verfasser behandelt die Fragestellung aus unterschiedlichen Perspektiven. Ich will hier nicht auf Details eingehen, sondern nur auf die Zusammenfassung:

Die gute Nachricht: Deutschland ist ein souveräner Staat. Deutschland könnte alle Einbußen von Hoheit, Staatsgewalt und Souveränität rückgängig machen. Dies betrifft neben der EU auch den Art. 107 UNO-Charta (Feindstaat), sie sog. Deutschlandakte (vgl. Egon Bahr in JF 14.10.2011) und die vertraglichen Regelungen für den Aufenthalt von Stationierungsstreitkräften in Westdeutschland.

Die schlechte Nachricht: "Weitaus bedeutsamer als die Sorge um die rechtliche Souveränität ist die innere Abhängigkeit der politischen Klasse Deutschlands von den Interessen fremder Staaten, die nicht wagt, eine Politik zum Wohle Deutschlands zu betreiben, wie das für jedes Land selbstverständlich ist." (S. 350) Das nenne ich Klartext!

Und warum ist dies so? Warum sind unsere Eliten so korrumpiert, nicht etwa dass sie in die eigene Tasche wirtschaften, sondern in die Taschen fremder Staaten? Es liegt am (Wahl)Volk - Menschen die keine Staatsbürger sind, Untertanen, Gutmenschen (von 1933-45 der sog. Mitläufer), Opportunisten. Und es liegt am noch vorhandene Wohlstand und den Früchten jahrzehntelanger Umerziehung und geschickter Propaganda. Kurzum, wir haben die Regierung, die wir gewählt haben, oder wie Schachtschneider schreibt:

"Die Deutschen sind ein Volk. Die Souveränität Deutschlands ist die freiheitliche Volkssouveränität. Freilich muss Freiheit auch innerlich gelebt werden. Sonst fehlt die innere Souveränität der Menschen, die Bürgerlichkeit der Bürger. Voraussetzung ist, dass Freiheit als das, was sie ist, verstanden wird, als politische Verantwortung für das Gemeinwesen, nicht das Recht, Habsucht, Herrschsucht und Ehrsucht zu befriedigen. Weitere Voraussetzung ist ein Bewusstsein der Deutschen von ihrer deutschen Identität. ... Diese ist von Verantwortung für Europa und die Welt nicht zu trennen. Aber die politische und mediale Klasse will eine europäische Identität erzwingen und setzt für ihre Umerziehungspolitik alle Mittel der political correctness ein, mit gewissem Erfolg, aber nur bei den Opportunisten und ewigen Untertanen. Leider ist das die große Masse. Opportunisten sind unsicher Kantonisten." (S. 198)


Die Nürnberger Geschichtsentstellung. Quellen zur Vorgeschichte und Geschichte des 2. Weltkriegs aus den Akten der deutschen Verteidigung
Die Nürnberger Geschichtsentstellung. Quellen zur Vorgeschichte und Geschichte des 2. Weltkriegs aus den Akten der deutschen Verteidigung
von Gerhard Brennecke
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Provozierender Blick auf wenig beachtete Quellen, 20. Juni 2015
Das Buch ist ein Wegweiser zu vielen Dokumenten, die seitens meinungsbildender Historiker gerne "vergessen", übersehen und bei der Analyse nicht beachtet werden. Außerdem werden im Falle sogenannter Schlüsseldokumente verschiedene Fassungen gegenübergestellt.

Diese kritische Sicht auf gängige Interpretationen ist für jeden historisch Interessierten, der anhand publizierter Quellen - z.B. die Dt. Weißbücher, Akten zur deutschen Auswärtigen Politik usw. - zu einem eigenständigen Urteil kommen möchte, sicher eine Bereicherung.


Der Angriff der leichten Brigade - The Charge of the Light Brigade (KSM Klassiker)
Der Angriff der leichten Brigade - The Charge of the Light Brigade (KSM Klassiker)
DVD ~ Trevor Howard
Preis: EUR 5,49

3.0 von 5 Sternen Interessantes Thema - leider etwas langweilig, 11. Juni 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Krimkrieg war der erste moderne Großkonflikt. Im Hinblick auf Propaganda, Dämonisierung des Gegners, photographische Dokumentation, Opferzahlen und Sinnlosigkeit war er ein Vorbote auf die großen Tragödien des XX. Jahrhunderts. Leider gibt es nur diesen einen Film und dieser zieht sich beim Anschauen in Länge - rund die Hälfte des Films ist spielt in England. Außerdem erscheinen mir die Charakter etwas überzeichnet, insbesondere Sir Cardigan.


Die Weltbeherrscher: Militärische und geheimdienstliche Operationen der USA
Die Weltbeherrscher: Militärische und geheimdienstliche Operationen der USA
von Armin Wertz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Informatives Nachschlagewerk mit kleiner Lücke, 11. Juni 2015
Der Verfasser dokumentiert akribisch jeden Konflikt, wo sich die USA eingemischt und zur Eskalation beigetragen haben. Schwerpunkt der Darstellung sind die Aktivitäten ab 1946, die auf rund 250 Steiten behandelt werden. Aufgrund des chronologischen Aufbaues wird man schnell fündig, wenn man Hintergrundinformationen zu dieser oder jener Einmischung sucht.

Was die Zeit vor 1945 anbelangt erstaunt es doch etwas, dass der größte Konflikt des XX. Jahrhunderts in nur 5 Zeilen behandelt wird: Der Leser erfährt, dass Präsident Roosevelt ab September 1941 den Schießbefehl auf deutsche U-Boote erteilt hat (S. 88). War das alles? Ist es nicht etwas naiv, zu glauben, dass beim Jahrhundertkrieg, aus dem die USA als Supermacht und bis heute größter Nutznießer hervorging, keine weiteren Aktivitäten im Vorfeld stattfanden, wenn schon bei jedem "normalen" Konflikt auf das Heftigste interveniert wird?

Hier hätte der Verfasser etwas mehr recherchieren können. Gerhard Brennecke dokumentiert 55 (!) Neutralitätsverletzungen der US- Regierung. Als Quelle zieht er das Kriegstagebuch der Seekriegsleitung heran (Quellen zur Vorgeschichte und Geschichte des Zweiten Weltkriegs aus den Akten der Verteidigung, Tübingen 2008, S. 484ff). Es gibt aber noch weitere Dokumente, die übersehen wurden, gut dargestellt bei Herbert Hoover "Freedom Betrayed", S. 129ff.

Ein Buch, dessen Anspruch es ist, militärische und geheimdienstliche Operationen der USA vollständig zu dokumentieren, sollte beim WK2 nicht die geheimdiplomatischen Aktivitäten und Waffenlieferungen vollstaendig ausblenden und die Provokationen bis zum Zeitpunkt "short of war" in der Kürze darstellen, wie es der Verfasser tut. Schließlich erwartet der Leser bei dem provokanten Titel ein Buch, welches nicht 100% politisch korrekt ist.

Von diesem Kritikpunkt abgesehen vermittelt das Buch einen gründlichen recherchierten Überblick über die zahlreichen Interventionen der "einzigen Weltmacht". Es ist allerdings eher ein Lexikon und keine flüssig geschriebene Gesamtdarstellung. Gute Ergänzung für Leser, die über die außenpolitische Methodik der Angelsachsen schon informiert sind, ein Nachschlagewerk suchen und sich Betreffs der Roosevelt-Politik anderweitig informieren.


Völkermord an den Armeniern: Erstmals mit Dokumenten aus dem päpstlichen Geheimarchiv über das größe Verbrechen des Ersten Weltkriegs
Völkermord an den Armeniern: Erstmals mit Dokumenten aus dem päpstlichen Geheimarchiv über das größe Verbrechen des Ersten Weltkriegs
von Michael Hesemann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 25,00

9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein mutiges, gut recherchiertes Buch über die Mutter der Genozide des 20. Jahrhunderts, 8. Juni 2015
Das Buch rekonstruiert das Leiden und Sterben des armenischen Volkes unter der Herrschaft des Osmanischen Reiches. Wie dem Titel zu entnehmen ist, liegt der Schwerpunkt der Darstellung bei der systematischen Vernichtung im Jahre 1915. Allerdings werden auch die Massaker von 1895 und die Pogrome von 1908/09 behandelt. Der Leser erfährt, dass im Zusammenhang mit dem Martyrium der Armenier zum ersten Mal das Wort "holokaustos" - Ganzbrandopfer - mit einem ethnischen Massaker in Zusammenhang benutzt wird (S. 92).

Das Buch ist gut lesbar geschrieben und vermittelt eine Fülle von - teils grauenvollen - Details. Der Verfasser, ein in Kirchengeschichte versierter Historiker, hatte erstmaligen Zugang zu den Archiven des Vatikan. Aktuelle Publikationen, wie z.B. "Ambassador Morgenthau's Story", die 2008 publizierten Erinnerungen des seinerzeitigen US-Botschafters in Konstantinopel und "Kronzeugen für den Völkermord" (S. 195) finden breiten Eingang in die Darstellung.

Der Leser erfährt viel über die Geschichte des armenischen Volkes und den Genozid, auch zu thematisch benachbarten Themen, von den einige exemplarisch genannt werden:

- Hitler argumentierte im Hinblick auf das rücksichtslose Vorgehen der Totenkopfverbände im Osten mit dem Satz: "Wer redet heute noch von der Vernichtung der Armenier?" (S. 18)
- Als unsere Bundeskanzlerin 2012 die Bevölkerung aufrief, online Themen betreffs eines "Dialog über Deutschland" vorzuschlagen, fand kein Vorschlag mehr Stimmen, als ein "Gesetz über die Leugnung des Völkermordes an den Armenieren und Aramäern". Dieser 1. Platz war für Frau Merkel genug, dieses sensible Thema auch weiterhin zu ignorieren - "Ich werde das nicht unterstützen". Die gleiche Politikern hatte nebenbei von Papst Benedikt XVI noch drei Jahre zuvor eine Erklärung über den Holocaust an den europäischen Juden eingefordert (S. 25).
- An der Spitze der Armenozid Leugner steht Ministerpräsiden Erdogan (S. 26).
- Der Anteil der Christen an der Gesamtbevölkerung der Türkei sank von 19% im Jahr 1914 auf aktuell 0,2% (S. 29).
- Die armenische Staatskirche ist die älteste der Welt (S.50)
- Ihr Bildungsniveau lag weit über dem der Türken und Kurden. Ärzte, Apotheker und Rechtsanwälte waren im Osmanischen Reich fast ausschließlich Armenier (S. 60)
- Was es mit der seit dem Krimkrieg in westlichen Medien propagierte "scheinbaren Toleranz des Islam" im osmanischen Reich so auf sich hatte (S. 58ff). Für die Türken waren die Armenier "ein Sklavenvolk" (S. 62).
- Dass das heutige Ostanatolien in Wirklichkeit historisch und geographisch betrachtet Westarmenien ist (S. 62f).
- 1895 wurden mehr als 88.000 Armenier barbarisch niedergemetzelt (S.92f).
- Mehr als 20.000 Armenier fielen nationalistische der Bewegung der "Jungtürken" 1908/09 zum Opfer (S.128)
- Die späteren Schlüsselfiguren des Genozids von 1915 - Talaat Bey, Enver Pascha und Cemal Pascha - waren Freimaurer (S.116).

- Mit wenigen Schritten - Austausch humaner Provinzgouverneure, Verhaftung der armenischen Elite und Entlassung aller armenischen Beamten, Gruppenweises erschießen ehemaliger armenischer Soldaten, Landesweite Entwaffnung der Armenier, z.T. mittels Folter, Verschleppung der Armenier in die Syrische Wüste - gelang bis Ende 1916 die Ermordung von 1.500.000 Menschen (S. 190ff, S. 319)

Die eigentliche Deportation in den Tod erfolgte fast immer nach dem gleichen Muster:

Täuschung bis zum Schluss, Abreise innerhalb weniger Stunden oder Tage, Trennung der jungen Männer von ihren Familien um diese kurzerhand zu vor den Wohnorten zu erschießen. Frauen wurde bei einer sofortigen Bekehrung zum Islam die Möglichkeit einer Zweit- oder Drittfrau eines Moslems angeboten, wenn sie innerhalb von Stunden einen Mann "fanden". Deren Kinder kamen in diesem Fall ins Waisenhaus. Die verbleibende Karawane der Frauen, Alten und Kinder wurde im Zickzackmarsch, ohne Verpflegung durch muslimische Dörfer getrieben, dort von der Bevölkerung ausgeraubt, vergewaltigt, gefoltert. Nach vielen Wochen wurden aus stolzen Christen nackte, ausgemergelte Skelette. Seuchen brachen aus (S. 196ff). Vielleicht 350.000 Menschen erreichten das Dreieck Aleppp, Ras al-Ain und Deir el-Zor. Von dort wurde sie im Winter 1915/16 in die Wüste getrieben. Im September 1916 waren noch rund 15.000 Menschen am Leben (S. 251).

Über die Motive des großen Genozids 1915 schreibt der Verfasser (S. 165, 178):

"Die Jungtürken dagegen waren überzeugt, dass die Existenz christlicher Minderheiten das Land immer wieder destabilisieren und segmentieren würde. Mochten diese auch noch so gefügig sein, sie könnten auch weiterhin europäischen Mächten als Vorwand für Interventionen dienen, wie es in den Balkankriegen der Fall war. Da galt es, die Reißleine zu ziehen, bevor auch im Osten des Landes aus der osmanischen Erbmasse herausgelöst würde. Daher ging es ihnen auch nicht um die Armenier allein. Sie begingen ihren Völkermord im Rahmen eines größeren Planes, der völligen Vernichtung aller christlichen Minderheiten im Reich. Die Gelegenheit war günstig wie nie. ...Man sah sich einer Übermacht an Feinden gegenüber und wähnte sich im "Existenzkampf der türkischen Nation"."

Die einzigen, die möglicherweise den Völkermord hätten beeinflussen können, war die deutsche Reichsregierung. Diese wiederum wollte unter allen Umständen die Türkei bis zum Kriegsende als Bündnispartner an der Seite wissen, "gleichgültig, ob die Armenier zu Grunde gehen oder nicht." (Bethmann Hollweg, S. 213)

Fazit:

Das Thema des Buch ist sehr aktuell, nicht nur weil dieser erste Holocaust des 20. Jahrhunderts vor 100 Jahren stattfand, sondern weil sich aktuell das Ende des Christentums in Syrien und im Irak abzeichnet. Wie 1895, 1908 oder im Ersten Weltkrieg, als der Genozid an den Armeniern stattfand, ist den westlichen Regierungen das Schicksal ihrer Glaubensgenossen im nahen Osten, einer der Wiegen des Christentums, eigentlich ziemlich egal - ein bisschen Empörung und das war es.

Aus dem gleichen Grund darf die Türkei - der Rechtsnachfolger des Osmanischen Reiches - auch völlig ungestraft weiterhin die seinerzeitigen Opfer verleugnen, verhöhnen, Tatsachen verdrehen und alle die, die der Täuschung öffentlich widersprechen ins Gefängnis werfen. Dabei ist für jedem, der das Buch gelesen hat klar, dass der Genozid an den Armenieren im Vergleich zur Shoa nur methodische Unterschiede aufweist, denn er war "keinesfalls mechanisch, weniger systematisch und gar nicht industriell", aber dafür ebenso barbarisch, gewalttätig, grausam und von "bedingungslosen Vernichtungswillen" geprägt, wie der Massenmord in Osteuropa eine Generation später (S. 27f).

Im Unterschied zu der Vernichtung der europäischen Juden, wo eine relativ kleine Gruppe von Tätern an entlegenen Orten im Verborgenen agierte und peinlich darauf bedacht war, die Spuren zu verwischen, fand der Genozid an den Armenieren unter den Augen und auch der Beteiligung nicht unerheblicher Teile türkischen und kurdischen Bevölkerung statt. Dies ist eine qualitativer Unterschied, auf den der Autor nicht unmittelbar eingeht, der aber in der Bewertung des Sachverhaltes erheblich ist - auch im Hinblick darauf, dass sich Deutschland zu dem finstersten Kapitel seiner Geschichte bekennt und die Türkei genau dies leugnet.

Was unsere heutigen politischen Eliten im Westen anbelangt, ist es nach dem Motto "die Armenier gehen uns nichts an" (so Kaiser Wilhelm II. am 18.04.1909) auch nur konsequent, die armenische Kaukasus-Republik Berg-Karabach international zu ignorieren. Die einzige wirkliche Schutzmacht der Armenier ist damals, wie das Buch gut zeigt, und heute, wie es der aufmerksame Staatsbürger wissen sollte, das russische Reich.

Einflussreichen Kreisen der Katholische Kirche ist es jedoch bis heute ein Anliegen, auf das Schicksal dieses Märtyrervolkes aufmerksam zu machen (S. 8, S. 207, S. 322).

Folgende Kritikpunkte sind mir beim lesen aufgefallen:

Die Zitate Kaiser Wilhelms auf den Seiten 93 und 129 wurden der Sekundärliteratur entnommen und sind nicht völlig identisch mit dem Wortlaut der Dokumente 2457, 2471 (Große Politik der Europäischen Mächte Bd. 10 und ebd. Band 27, Teil 1, Dokument Nr. 9586). Die Briten beschlagnahmten außerdem 1914 nur ein türkisches Schlachtschiff, die später in der Skagerrakschlacht kämpfende "Erin" (S. 142). Alle anderen, stichprobenartig verifizierten Fußnoten sind korrekt.

Viel wesentlicher ist jedoch, dass der Verfasser die Meinung vertritt, dass ausschließlich das Deutsche Reich den Genozid an den Christen hätte verhindern können. Dies greift insoweit zu kurz, da bei dieser These vergessen wird, dass der Völkermord nur während des Weltkieges praktisch ungestört vonstatten gehen konnte und infolgedessen auch die Mächte Verantwortung tragen, welche hartnäckig sich Jahrelnlang jeder Form von Kompromiss-Frieden verschlossen haben. Nur durch das Sonderfriedensabkommen vom 5.9.1914 entstand jene Kriegsallianz, die einen Seperatfrieden ausschloss und mittels Kummulierung der einzelnen Kriegsziele die vollständige Unterwerfung des Deutschen Reiches und seiner Verbündeten einforderte. Dies gelang erst 1918 und erneut - der Völkermord an den Armeniern ist das direkte historische Vorbild der Shoa - mit der bedingungslosen Kapitulation 1945.

Für das sorgsame abwägen der Quellen und die fundierte, sachliche und einfühlsame Darstellung sind trotz der Kritik 5 Punkte nicht zu wenig. Allerdings hat mich das Lesen des Buches über weite Strecken sehr traurig gemacht.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 24, 2016 7:29 AM CET


Die Selbstentmachtung Europas. Das Experiment des Friedens vor und im Ersten Weltkrieg
Die Selbstentmachtung Europas. Das Experiment des Friedens vor und im Ersten Weltkrieg

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Über den langsamen und seinerzeit unerkannten Prozess wechselseitiger Vernichtung, 24. Januar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Über die 1975 erschienene Arbeit Erwin Hölzles schreibt 2008 Klaus Hildebrand:

"In universalgeschichtlicher Perspektive bettete Erwin Hölzle die Geschichte der deutschen Außenpolitik am Vorabend des Ersten Weltkrieges in eine allerdings von apologetischen Tendenzen nicht freie Darstellung über "Die Selbstentmachtung Europas" ein. Dabei wies die von ihm gewählte Methode in eine Richtung, die zwar in Deutschland vereinzelt auf Ablehnung stieß, weil damit die Verantwortung der deutschen Regierung für den Kriegsausbruch allzu leicht relativiert werden könnte, ... die jedoch insgesamt von der internationalen Forschung in den letzten Jahren immer stärker eingeschlagen wurde." Klaus Hildebrand, Deutsche Außenpolitik 1871-1918, München 2008, S. 84.

Obwohl das Buch mittlerweile 40 alt ist, gehört es immer noch zu den lesenswertesten Arbeiten, da es die Diplomatiegeschichte in einen weltpolitischen Rahmen einbettet. Im Unterschied zu den allermeisten aktuellen Arbeiten, die mittlerweile ebenfalls frei von insularen Betrachtungsweisen mit dem Fokus auf Deutschland sind, widmet Hölzle ein Drittel des Buches den amerikanischen, japanischen, deutschen und neutralen Friedensbemühungen im Weltkrieg. Breiten Raum nimmt nicht ohne Grund deshalb das Londoner Sonderfriedensabkommen vom 5. September 1914 ein, welches wie eine "Sperrmauer" einen Separatfrieden einer der Entente Mächte bis zur Bolschewistischen Revolution in Russland unmöglich machte. Hölzles Fazit:

"Das alte Europa hatte die Kraft und den Willen verloren, den Frieden in einem Staatensystem selbst herzustellen. Seine Selbstzerfleischung sollte zur Entmachtung führen." (S. 593)

Mit dem Kriegseintritt der USA schließt das Buch. Ein vom Frühjahr 1917 bis Versailles geplanter zweiter Band erschien posthum als Fragment. Ebenfalls posthum erschienen die von Hölzle herausgegebenen "Quellen zur Entstehung des Ersten Weltkrieges" 1978, die quellenmäßige Untermauerung der hier rezensierten Arbeit.


1914: Der unnötige Krieg
1914: Der unnötige Krieg
von Walter Post
  Broschiert
Preis: EUR 19,95

17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Quellennahes Werk zur Julikrise, 18. August 2014
Rezension bezieht sich auf: 1914: Der unnötige Krieg (Broschiert)
Das Buch des Münchner Historikers Walter Post wäre noch vor zwei Jahren aus dem Rahmen gefallen, da die in Modifikationen nachwirkende Alleinschuldthese Fritz Fischers alle anderslautenden Analysen in den Schatten stellte. Heute, nachdem Christopher Clark und Herfried Münkler die These von der deutschen Alleinschuld widerlegt haben und in Fachkreisen und Öffentlichkeit Gehör fanden, ist das am 2.8.14 erschienene Werk mit seinem multiperspektivischen Ansatz, der das Handeln aller Akteure berücksichtigt, absolut zeitgemäß - es greift eine allgemeine Tendenz der Historiographie auf und vermeidet Extrempositionen.

Bei der Fülle von Veröffentlichungen zum hundertjährigen Gedenken an den Kriegsausbruch stellt sich dennoch die Frage, ob man noch ein weiteres Buch braucht oder warum es gerade diese Studie sein soll. Die Fragestellung lässt sich leicht beantworten, da die von Post gewählte Methodik bei aktuellen Arbeiten in dieser Form nicht zur Anwendung kommt: Die Arbeit basiert zum wesentlichen Teil aus Belegstellen der Dokumentenpublikationen der Europäischen Mächte oder zeitnaher Berichte wie z.B. die Riezler-Tagebücher, die wie ein großes Puzzle zusammengesetzt und ausführlich zitiert werden. Der Diplomatische Schriftverkehr aller Parteien wird berücksichtigt. Dadurch, dass die handelnden Akteure so selbst zu Wort kommen, ist man unheimlich nah am Geschehen, man sitzt sozusagen in der ersten Reihe.

Ebenfalls singulär dürfte der Sachverhalt sein, dass der Verfasser oft auf Sekundärliteratur zurückgreift, welche vor 1945 publiziert wurde. Post begründet dies damit, dass grundlegende, breit aufgestellte Arbeiten – jene von Barnes, Fay, Wegerer und Albertini – seinerzeit zu recht gleichlautenden Ergebnissen kamen. Insbesondere Fay (1928) und Wegerer (1939) verteilten die Verantwortung der Akteure so gleichmäßig, wie es aktuell wieder Stand der Forschung und Deutungshoheit ist. Auf die Ergebnisse dieser beiden Wissenschaftler greift Post durchgängig zurück.

Inhaltlich gliedert sich das Buch essentiell in zwei Teile - die europäische Krisendiplomatie vom Dreikaiserabkommen 1873 bis zum Attentat von Sarajewo sowie der Planung und Vorbereitung des Attentats bis zum Kriegseintritt Großbritanniens. Beide Teile umfassen jeweils rund 175 Seiten. Der Gesamtumfang mit 400 Seiten kommt dem Leser insoweit entgegen, als dass man sich nicht durch einen riesigen Schmöker hindurcharbeiten muss, gleichzeitig aber ein gehaltvoller Detaillierungsgrad möglich ist, der – wenn man von der zwischen 1890 und 1906 wirkenden „Grauen Eminenz“ im Auswärtigen Amt Friedrich von Holstein einmal absieht – alle wesentlichen Akteure einbezieht.

Auf eine Danksagung oder persönliche Einleitung wird verzichtet. Das Buch beginnt mit einer Einführung, in der auf die revisionistische Geschichtsschreibung seit der Antike hingewiesen und dezidiert jene der Zwischenkriegszeit bewertet wird. Nachdem der Verfasser auf die „Fischer-Kontroverse“ der 1960er Jahre eingeht – letztendlich auch eine Art Geschichtsrevision - wird das 1975 erschienene Werk von Erwin Hölzle „Die Selbstentmachtung Europas“ lobend erwähnt. Nach Post für knapp 40 Jahre der letzte multiperspektivische Ansatz, der alle beeidigten Mächte gleichermaßen einbezog. Für den Verfasser knüpft erst mit dem 2012 erschienen Bestseller „The Sleepwalkers“ von Christopher Clark erneut ein Werk an die großen Arbeiten vor 1945 an.

Im Hauptteil der Arbeit geht der Verfasser weniger explizierten Fragekomplexen nach, ob dieses oder jenes ausheutiger Sicht klug oder unklug war, sondern er versucht die wesentlichen Handlungsabläufe wertungsfrei zu rekonstruieren. Seine Darstellung der Bündnisse und Konflikte im europäischen Mächtesystem im ersten Teil der Arbeit behandelt chronologisch zwei Handlungsstränge: Die internationalen Beziehungen im Allgemeinen (S. 23 – 121) und die Konflikte auf dem Balkan, der Achillesverse Europas im Speziellen (S. 122 – 179). Mit drei Einzelkapiteln - die Revolutionsgefahr in Rußland, die britisch-russischen Verhandlungen über eine Marinekonvention sowie die Einschätzung der außenpolitischen Lage durch Bethmann-Hollweg im Frühjahr 1914 – endet die Beschreibung der europäischen Krisendiplomatie vor Sarajewo. Die zitierten Belegstellen aus dem Kapitel “Revolutionsgefahr in Rußland“, verfasst vom deutschen Generalkonsul in Moskau Kolhaas (1912) und vom französische Botschafter in St. Petersburg Paléologue (1914) sind auch heute noch von beklemmender Aktualität.

Im zweiten Teil verdichtet sich die Darstellung mit der Beschreibung der Planung des Attentats und der Rekonstruktion der wenigen Wochen hektischer Verhandlungen zwischen der Ermordung des Erzherzogs und dem Kriegsbeginn. Die Spur nach Belgrad wird akkurat rekonstruiert. Die vielen Zitierten Passagen aus dem diplomatischen Schriftverkehr beleuchten ein Milieu, in welchem erstaunlich viel miteinander geredet, aber auch unter Bündnispartnern geheimniskrämerisch taktiert wurde. Missverständnisse, knallharte Interessenspolitik, aber auch oft verblüffender Klarblick einzelner Akteure – z.B. seitens Poincaré – wird offensichtlich.

In der Zusammenfassung geht Post der Frage nach, warum die Krisendiplomatie im Juli 1914 scheiterte:

"Durch eine Kette von Fehleinschätzungen, Illusionen, Mißverständnissen und psychologischen Ungeschicklichkeiten geriet die Julikrise schließlich außer Kontrolle. Die Katastrophe hatte ihre Ursache in einer Aneinanderreihung von – eigentlich – kleinen Fehlleistungen und Mißgeschicken. Der wirklich große Fehler war die Anordnung der allgemeinen Mobilmachung durch Rußland, weil damit die dringend benötigte Zeit für eine Vermittlung auf 48 Stunden reduziert und alle Bemühungen um eine friedliche Lösung praktisch zunichte gemacht wurden. Der Weltkrieg von 1914 war weder das Ergebnis eines Strebens nach Weltmacht, noch wirtschaftlicher Konkurrenz, noch einer großen Verschwörung, sondern er war das Resultat eines Versagens der europäischen Krisendiplomatie – und damit ein unnötiger Krieg.“ (S. 388)

Fazit:

Der Verfasser zeigt mit dieser Arbeit erneut, wie bereits seinem 2003 veröffentlichen Werk über die Vorgeschichte des 2. Weltkriegs, dass er komplexe Themen ganzheitlich mit einer 360° Perspektive nach wissenschaftlichen Prinzipien rekonstruiert. „1914“ ist in einem flüssigen Stil verfasst und, unter Berücksichtigung der Komplexität des Themas und der vielen Zitate, alles in allem gut lesbar. Die den i.d.R. aus den Quellenwerken ausgewählten Belegstellen sind inhaltlich aufschlussreich, teilweise hochinteressant, aber beinträchtigen manchmal etwas den Lesefluss, zumal sie in der Textgestaltung kaum hervorgehoben sind. Die Analyse ist ausgewogen und der Verfasser kommt zu ähnlichen Schlüssen, wie Sidney Fay vor knapp 90 Jahren bzw. Christopher Clark ganz aktuell.

Es gibt nur geringfügige Kritikpunkte: Etwas mehr Kartenmaterial hätte der Arbeit gut getan, z.B. über den Weg der Attentäter und des Thronfolgers nach Sarajewo. Das Verzeichnis der verwendeten Sekundärliteratur ist relativ knapp gehalten, wobei auffällt, dass die 2009 publizierte Dissertation von Stefan Schmidt „Frankreichs Außenpolitik in der Julikrise 1914“ fehlt, obgleich Schmidt wirklich neues, nicht publiziertes Quellenmaterial ausgewertet hat. Dies macht sich bei Post inhaltlich insoweit bemerkbar, dass ein so wichtiger Themenkomplex wie die politisch motivierten Aktivitäten französischer Kreditgeber, der durch Frankreich finanzierte Bau strategischer Eisenbahnen sowie dessen Beratungs- und Unterstützungsleistungen der zaristischen Armee - welche die russische Mobilisierungskapazität wesentlich beschleunigten - nur am Rande erwähnt wird. Auch ein Hinweis auf das Werk von Konrad Canis "Der Weg in den Abgrund - Deutsche Außenpolitik 1902-1914" wäre hilfreich gewesen, für jene Leser, die ihr Wissen mittels einer vertieften Spezialuntersuchung erweitern möchten.

Dem positiven Gesamteindruck tut dies aber keinen Abbruch, zumal der Preis von 19,95 € als gebundenes Buch mit SU eine Kaufentscheidung dahingehend leicht macht, dass die aktuell publizierten, seriösen Arbeiten bei 30 € anfangen.


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