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grisu-zu "Rock And Roll Doctor"
(TOP 1000 REZENSENT)   

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Revival (Limited Deluxe Edition)
Revival (Limited Deluxe Edition)
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Treffer, versenkt!, 31. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Revival (Limited Deluxe Edition) (Audio CD)
Sicher haben sich schon viele von uns alten Knochen gefragt, ob es eine Welt nach AC/DC, DEEP PURPLE und LED ZEPPELIN gibt und wie die wohl aussieht. Natürlich krebsen ein paar Bands um die olle Erdkartoffel, die sich sowohl harten Boogie, tief prägende Riffs, als auch jenen herrlich schleppend-schlüpfrigen Bon Scott Blues auf die Fahnen schreiben. Die definitive Antwort heißt aber THE ANSWER! Mit ihren bisher zwei sehr guten bis überragenden Alben plus fantastischer Live Scheibe haben die vier Iren ein ordentliches Pfund in die Waagschalen der Rock Musik geworfen. Und sie bleiben auch mit "Revival" auf diesem konstant hohem Niveau. Selbst eine wirklich objektive Beschreibung dieser Scheibe käme ohne ein Superlativ pro Satz nicht aus. Zudem ist "Revival" so dermaßen gut, dass es fast schon Sakrileg wäre, einzelne Titel daraus hervorzuheben. Alle Rocker, Metler, Biker und Gespannfahrer dürfen daher blind zugreifen.

Für die Zweifler gibt's 'nen kleinen Abriss des Geschehens:
Allein der Start "Waste Your Tears" hat schon die Brisanz eines Neutronenbeschleunigers. Herausragend, ja fast schon stilbildend ist die enorm fette Slide Guitar, die Paul Mahon (nicht nur hier) mit einer solchen Wucht ins Ohr wirft, dass einem davon schaudern könnte. Düster geht's mit "Use Me" weiter. Herrlich bluesig: "Trouble". Viel Sustain im sägenden "Nowhere Freeway"; überraschende Tempiwechsel in "Tornado"; mächtig Rhythmus, völlig un-banale "Na-na-na-Chöre" und beißende Soli in "Vida". Indie-Feeling kommt bei "Caught On The Riverbed" 'rüber, Ronnie James Dio Mystik bei "Destroy Me". Bei "New Day Rising" scheint Ritchie Blackmore die Klampfe zu spielen, wunderbar melodienselig (Can't Remember, Can't Forget) geht es weiter um im Longtrack "One More Revival" endgültig zu gipfeln. Mein Freund Tobi (der mithören durfte) sagt: "Dass ist nicht von dieser Welt!" Und irgendwie hat er recht. Denn dies ist aus Nordirland. Dort, wo sie sich seit Jahrzehnten die Köppe einschlagen, weil der Eine katholisch und der Andere Protestantisch ist und weil Sinn Féin und die Ulster Unionist Party hier gar nix oder alles zu sagen haben und der Polizei-Apparat sowieso...!

Würdevoll, mit einem "The Song Remains The Same" Déjà Vu geleitet uns "Lights Are Down" aus "Revival" hinaus. Nur kurz, weil dann verlangt das Ohr wieder nach mehr und mehr und noch mehr. Zuletzt stehen dann ja auch noch "Rise" und "Everyday Demons" im CD Schrank, buhlen lautstark um Gehör. Ein Hattrick an Heavy Rotation. THE ANSWER sind perfekt eingestellt, blubbern wie ein Big Block unter Volllast, haben einen Shouter der Extraklasse und vereinen all das Gute besten 1970er Jahre Hard Rocks in einmaliger Quintessenz.

-Und damit wäre eigentlich alles gesagt. Obwohl... einen kleinen Kritikpunkt hätte ich zuletzt doch. Die Artwork! Die "Schöne beim Bade" würde ich nämlich bei einem ReRelease des Albums gerne von der anderen Seite sehen...!
Dies ist ein *hooked-on-music.de* Review.

From These Small Seeds
From These Small Seeds
Preis: EUR 23,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Genau das ist Prog Rock!!, 30. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: From These Small Seeds (Audio CD)
Ja, es gibt sie noch. Die Prog Alben, die "unver-metal-t", im positiven Sinne hinten herum, schräg, charmant, frisch, frech und unverbraucht daher kommen. Der US-Band MoeTar ist mit ihrem Debüt "From These Small Seeds" ein regelrechtes Kronjuwel gelungen. Den Schreiber erinnern die unbändige kreative Spiellaune und Cleverness dieser Scheibe an EDENSONGs "The Fruit Fallen". Wenngleich EDENSONG doch andere Einflüsse hören lassen, durfte man den Jungens um James Byron Schoen auch jene unverbrauchte, ungemein lebendige Musikalität konstatieren.
Stilistisch angesiedelt sind MoeTar zwischen GENTLE GIANT und YES, zwischen FRANK ZAPPA, BILLY COBHAM und (den eher zurückhaltenden) LED ZEPPELIN. Dabei serviert uns die Band ein mitreißendes, musikalisches Diner, das mit seinen meist kleinen Gängen (sprich ohne Longtracks) einen Gaumenkitzel nach dem anderen hervor ruft und doch wirklich sättigt ohne den Gourmet überfressen und nach Underberg japsend zurückzulassen. MoeTar, dass ist klassischer Retro Prog mit einem sehr kräftigen Schuss Fusion, genialen Melodien und freakig-gegenläufigen Rhythmen in anspruchsvoll-komplexen Themensträngen, worin sich prägende Gitarren Riffs und Soli mit engagierten Keyboards, legerem, aber doch ständig präsenten Bass und energischen Drumming lustvoll paaren. Absolutes Highlight ist jedoch der fantastische, ja sagenhafte Gesangsstil Moorea Dickason's. Egal ob die Frau lasziv knödelt, infantil brabbelt, distinguiert unterhält oder kraftvoll röhrt - sie zeigt in jedem Vokal und zu jeder Zeit echtes Können! Kunstvoll und überaus variabel drückt sie jedem Song einen dicken Stempel auf, verleiht diesen mitreißenden, ohnehin stimmungsreichen Novellen eine dritte und vierte Dimension.

Zusammenfassend ist MoeTar mit "From These Small Seeds" ein hoch ambitioniertes, wie gleichsam erfrischend-charmantes Album gelungen, das unter seinen Retro Prog Fittichen raffiniert eingeflochtene Jazz Rock und Fusion Einflüsse birgt und durch eine überragende Gesangsleistung brilliert. Eine Scheibe voller Überraschungen und Wendungen, die sich gewiss nicht mit einem Mal erhören lässt, dem Hörer nach jedem Durchgang aber umso nachhaltiger im Ohr bleibt.
Anspieltipps? Alles!
Im Besonderen sind das: "Butchers Of Baghdad", "Screed", der Titeltrack und "Friction".
So oder so: In jedem Fall setzen die Kalifornier ein ganz ganz mächtiges Ausrufezeichen!
Viel Spaß beim Hören!
Ein *hooked-on-music.de Review*

Goodbye to the Age of Steam
Goodbye to the Age of Steam
Preis: EUR 31,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Altes in neuem Gewand, 30. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Goodbye to the Age of Steam (Audio CD)
Na, dass ist doch mal eine Überraschung! Hat doch der britische Neoprog-Dampfer sein erstes, inzwischen längst vergriffenes Album komplett neu aufgelegt. Komplett heißt in diesem Fall allerdings auch neues Cover. Ob das sein musste entzieht sich meiner Kenntnis, ist aber letztlich nicht sooo schlimm, denn die expressionistische Neugestaltung kann ebenfalls gefallen. Ein Fortschritt in Punkto musikalischer Dynamik ist der Remix des Albums durch Rob Aubrey ohnehin! Die Verabschiedung des Dampf-Zeitalters, die sich zu Land und zu Wasser im Vereinigten Königreich in etwa genauso schleppend da hinzog wie bei uns, ist ja nun schon ein paar Lenze her. Wer diese Endzeitstimmung (zumindest was unsere gute alte Bundesbahn anbelangt) damals nicht selbst erlebte, gewinnt dem Thema Dampf gewöhnlich nur die schönen, nostalgischen Aspekte ab. Wie viel Unbill, harte Arbeit und (bis ins 20. Jh hinein) teils himmelschreiende Arbeitsbedingungen hinter der Dampf-Ära steckten, erfährt nur der, der sich richtig mit der Historie (vor allem der britischen) auseinander setzt. Wie dem auch sei: Nach dem großartigen Aufstieg und einer bald zweihundert Jahre währenden Hochzeit folgte, zumindest bei Schifffahrt und Eisenbahnen, ein eher langsamer aber doch glorreicher Fall des großen Königs Dampf. Für BIG BIG TRAIN wohl mit der Grund und Anreiz zu jenem Debüt aus dem Jahr 1994. Gegenüber der Erstausgabe erscheint "Goodbye To The Age Of Steam" 2011 als Digi-Pack, versehen mit drei Bonus Tracks und einem neu gestalteten Booklet, das auf 12 Seiten im Stile des Covers sämtliche Songtexte und die Wichtigkeiten enthält, über die sich ein engagierter Hörer eben interessiert.

Die Musik der Briten ist nach den hörbaren Verbesserungen des Remixes letztlich aber immer noch dieselbe wie Anno 1994. Eine Band auf der Suche. Nach sich selbst, nach einer Nische, einem eigenen Sound und letztlich auch nach einem neuen Sänger. Martin Reads Organ klingt ein bisschen arg dünn. Zudem wirkt er in einigen Passagen etwas überengagiert, ja fast angestrengt. (Er wurde übrigens längst durch David Longdon ersetzt).
Musikalisch hören wir reichlich vertrackte Songs (kein Gefrickel!), sehr ambitioniert und technisch erstklassig dargeboten. Der leichte Fusion Einschlag der ersten Songs weicht bald klassischen Neoprog Nummern, deren hin und wieder eingestreute, akustische Gitarrensequenzen Anleihen bei STEVE HACKETT vermuten lassen. Weitere Wurzeln verortet man sowohl bei JADIS, IQ und natürlich auch bei GENESIS. Ganz klar steigert sich "Goodbye To The Age Of Steam" zum Ende hin. "Blow The House Down", das kurze, gefühlvolle Instrumental "Expecting Snow" und das erhabene "Losing Your Way" - alles ganz famose, ausgereifte Songs. Greg Spawtons furiose Gitarrensoli sind auch heute noch vom Feinsten, die schwebenden Keyboards, der verhaltene und doch immer kräftige Groove sowie punktgenaue, wenn auch kaum hörbare Backing Vocals (u.a. von MARTIN ORFORD) lassen den Hörer mit dem Gefühl zurück, mehr hören zu wollen. Dass darf er dann zunächst auch mit den Bonus Nummern. Das richtig rockige "Far Distant Thing" stammt von einem frühen Demo Tape der Band; ist also gewiss vor 1994 entstanden. "Expecting Dragons" hingegen ist eine aktuelle Neuaufnahme, die das damalige Thema (oder Sequenzen daraus) nochmal aufleben lässt. Zart, ja geradezu zerbrechlich beginnt die Nummer mit akustischer Gitarre und schwebender Flöte um sich dann zu einem überwiegend ruhigen, zum Ende hin gar entrückenden Song zu steigern. Zuletzt folgt die ganz formidable, ungeschnittene, 10:01 Minuten dauernde, Extended Version von "Losing Your Way".

Fazit: Eine ambitionierte Neoprog Band in ihrer Entwicklungsphase. Um es kurz zu machen, wer "Goodbye To The Age Of Steam" damals schon mochte, der wird sie, vor allem auf Grund der technischen Überarbeitung, auch 2011 mögen. Dass sich BIG BIG TRAIN bis heute in keine wirkliche Schublade pressen lassen, kann der Band, die mit den Alben "The Difference Machine" und "The Underfall Yard" ihre höchst unterschiedlichen, wie wahren und wirklichen Meisterwerke schuf, nur anerkannt werden. Das Album "Goodbye To The Age Of Steam" ist unbestritten ein Teil dieses aufregenden, manchmal steinigen, manchmal auch in höheren Sphären befindlichen Weges, den BIG BIG TRAIN bis heute gehen und wird in seiner Neufassung sicherlich nochmal alte und hoffentlich auch neue Käuferschichten erreichen.
Dies ist ein *hooked-on-music.de* Review.

Deep South
Deep South
Preis: EUR 28,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Musik aus Dixies tiefsten Kellern, 5. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Deep South (Audio CD)
Was uns BILL LEVERTY hier mit "Deep South" beschert, ist ein Teil dessen, was der Schreiber schon seit Jahren Gebetsmühlen-artig herunter predigt: Dixieland ist voll schöner Melodien, voller wunderbarer Traditionals, Gospels und Choräle. Weißen wie Schwarzen Ursprungs. Warum traut sich niemand mal richtig am Rad der Zeit zu drehen, dieses Liedgut wieder ans Tageslicht zu holen, etwas umzuarrangieren und für die heutige und morgige Zeit aufzuarbeiten?!
Dabei braucht es kein tausendstes "John The Revelator" (das Übrigens erstmals 1930 von BLIND WILLIE JOHNSON aufgenommen wurde), aber allein schon mal die wahre Hymne des Südens "Dixieland" (als Civil-Song bitte) in ein zeitgemäßes, durchaus auch pathetisches, vor allem aber elektrisches Gewand zu packen, muss doch eine wahre Herausforderung sein! Ich denke also nicht an solch "American Trilogy" Gesülze a la MANOWAR oder Weichspülversionen wie von ELVIS oder LEE GREENWOOD, sondern an ein richtig gutes, knapp sitzendes Southern Rock Gewand! Kein kurzes Anspielen wie es Hughie Thomasson gerne mal tat und auch keine schreiend-klagende Hymne a la JIMI HENDRIX' "Star Spangled Banner", sondern ein richtiger, noch in seinem Ursprung erkennbarer, kompletter Song; am liebsten natürlich mit Double Leads, rauer Stimme und furztrockenem Groove! Die harten Live Versionen "Dixielands", wie von DOC HOLLIDAY oftmals interpretiert, könnten in Etwa dafür Pate stehen. Natürlich: Dutzende andere Songs wären es wert ebenso benannt zu werden, aber mit "Dixieland" weiß vermutlich jeder, was der Rezensent anpeilt. Selbstverständlich kann man, vor allem in USA, dieses traditionelle Liedgut, von Chorälen der Southern Baptist Convention genauso eingespielt wie vom aalglatten LEE GREENWOOD, schon längst auch auf CDs erhalten. Nur klingen die halt so, wie sie schon seit der Zeit des Civil War bekannt sind. Alt eben!
Nun hat sich BILL LEVERTY, seit Anbeginn Mitglied der, in unseren Breiten nicht ganz so bekannten, Hard Rock Band FIREHOUSE ein paar dieser Traditionells des Bibelgürtels heraus gesucht, neu arrangiert und in eben genau dieses elektrische Gewand gepackt, das sich der Schreiber weiter oben schon wünschte. Eine feine, in einem Titel auch leicht abgenutzte, aber immerhin bemerkenswerte Song-Auswahl, die wirklich zu Überzeugen weiß. Ach, würde sich BILL LEVERTY auch weiterhin, als musikalisches Trüffelschwein, solcher Traditionells annehmen - viele, sehr viele Musikfreunde von Southern Music, hüben wie drüben würden sich, im wahrsten Sinne des Wortes, ein drittes und viertes Ohr freuen!

Der Einstieg in die CD ist mit dem trockenen "Trouble So Hard" schon mal so richtig nach Maß. Die Kunst Leverty's ist es, dieses uralte Traditionell (in den 1930ern erstmals von der Folk Sängerin VERA HALL auf Tonträger veröffentlicht) trotz des treibenden Grooves und der harten Gitarren erkennbar zu erhalten; was ja, zumindest in den Ohren des Rezensenten, insgesamt auch wünschenswert ist. Ohne Übertreibung darf diese Nummer zu den Sahnestücken von "Deep South" gezählt werden.

Die Originalfassung des folgenden "Run On" entstand aus dem alten Traditionell "God's Gonna Cut You Down". Erstmals in den 1950ern von ODETTA HOLMES kommerziell interpretiert, wurde es auch von JOHNNY CASH und, als "Run On", von ELVIS, MOBY und einigen Anderen aufgenommen.

Über "Boll Weevil" gibt es keine gesicherten Daten. Da dieser Song aber dem gleichnamigen Baumwoll-Kapselkäfer gewidmet ist -der erstmals in den 1910er Jahren ganze Ernten auf Alabamas Baumwollplantagen vernichtete und (daraufhin) die Farmer veranlasste ihren Anbau zunächst mit Erdnüssen zu diversifizieren, um so dem Schädling jegliche Nahrungsgrundlage zu entziehen- lässt sich vermuten, dass die Nummer eben um diese Zeit herum entstand. Fassungen dieses Traditionells gibt es zu Hauf und zumeist aus dem Programm der alten Blues Garde. Als Urheber der hier vorgestellten Version dürfte LEADBELLY angeführt werden, der wiederum von WOODY GUTHRIE bis hin zu den WHITE STRIPES zitiert wurde. Auf "Deep South" arrangiert Leverty die Nummer in einen sehr modernen (Keyboards), aber harten und mit verzerrter Stimme dargebotenen Southern Rock Song, der seinen bluesigen Ursprung zwar erst auf's zweite Hören offenbart, aber schlichtweg atemberaubend daher kommt!

Neueren Datums ist "Nine Hundred Miles". Erstmals von WOODY GUTHRIE aufgenommen, gelangte es in den Versionen von IKE & TINA TURNER oder PETER, PAUL &; MARY zu großem Bekanntheitsgrad; weshalb es heute ein wenig abgenudelt erscheint. BILL LEVERTY verpackt dieses Kleinod in einen ganz straight nach vorne fetzenden Country Rocker, der vor allem mit brennenden Gitarren zu punkten weiß.

Weiter geht es mit einer beinharten Version von "Samson And Delilah", ein klassisches Traditionell, dessen Rettung in die Neuzeit wir REVEREND GARY DAVIS zu verdanken haben. Bekannt wurde diese wunderbare Nummer vor allem durch GRATEFUL DEAD, die sich in ihrer Karriere mehrfach über solche, von Davis erhaltenen, Traditionells hermachten und sie teils sensationell interpretierten. Sensationell (hart) ist auch BILL LEVERTYs Fassung, die, wie sollte es für einen Südstaatler anders sein, krachend, knochentrocken und mit knorrigem Groove daherkommt. Die Nummer steht in der Hierarchie der auf "Deep South" feil gebotenen Songs ganz ganz weit oben!

Erst gut zwei Dekaden alt ist der ursprüngliche Blue Grass Song "Walk Beside Me" aus den Federn von Tim O'Brien und J. Darrell Scott. Leverty strickte ihn zu einer feinen Folk Rock Nummer um. Ausnahmslos akustisch instrumentiert (mit brillant gespieltem Banjo und tollem Solo auf einer
Westerngitarre) stellt er einen angenehmen Gegenpol zum harten "Samson And Delilah" dar.

"Hit The Road Jack" als Tiefpunkt dieses Albums zu werten, wäre fast schon unverschämt. Aber sorry Leut', diese PERCY MAYFIELD Nummer, die RAY CHARLES zu Ruhm und Ehren brachte, ist im Prinzip Eins Zu Eins von Charles übernommen. Leverty gibt ihr, im Duett mit seiner Holden, einen ganzen Batzen elektrischen Drive mit und auch das abschließende Piano Solo hat seinen Reiz; letztlich reißt das aber heute niemanden mehr vom Hocker und dem Schreiber fallen ad Hoc siebzehn wirklich gute Traditionells ein, die es wesentlich mehr wert gewesen wären auf "Deep South" Einzug zu halten.

Über das melancholische "Rain And Snow" gibt es nicht viele Hintergründe. PENTANGLE (ja die Engländer!) hatten die Nummer auf ihrem 1971er Album "Reflection" eingespielt. Neueren Datums ist eine Aufnahme, die auf der "The Music Never Stopped: Roots Of The Grateful Dead" von einem gewissen Obray Ramsey interpretiert wird. Egal! Für "Deep South" notieren wir, dass Leverty dieses Traditionell, wiederum mit seiner Frau als zweiter Stimme, sehr einfühlsam und genau so trist und deprimierend wie eben tagelangen "Rain And Snow" aufgenommen hat. Da passt einfach Alles. Von der feinfühlig gespielten Akustikgitarre genauso, wie einem zurückhaltendem E-Gitarren Solo und schleppenden, unaufdringlichem Groove.

Eine echte Bombe folgt mit dem sehr ursprünglichen Gospel "Wade In The Water"! Dessen Urform bleibt mit Leverty's mehrstimmig overdubten Vocals im Wesentlichen erhalten. Doch mit purer "Elektrik" lässt es der Southern Man mächtig krachen. Harte Riffs, eine leicht angefuzzte Gitarre über einem trockenen, groovenden Fundament katapultieren die Nummer nach ganz weit oben! "Wade In The Water" wurde erstmals in den frühen 1920ern aufgenommen. Doch erst mit dem GOLDEN GATE QUARTET in 1946 erlangte es großen, ja weltweiten Bekanntheitsgrad.

Der Rausschmeißer "Man Of Constant Sorrow" zeigt nochmals die ganze Vielfalt des Südens auf. Schwer elektrisch treibend, ja direkt "swampend" scheint Leverty die Nummer, zunächst auf einer Po-Backe sitzend, eher lässig herunter zu nudeln. -Nudeln?! Nein, weit gefehlt. Hört erstmal die, ja, wie sag' ich's, versoffene...? besoffene...? Harp und diese herrlich extraordinären Gitarrenfiguren. "Man Of Constant Sorrow" ist in dieser Form ein regelrechtes Juwel!
Über die Historie des Songs ist von einem Dick Burnett zu berichten, der dieses Traditionell als "Farewell Song" erstmals in 1913 aufnahm und ursprünglich auch als Urheber genannt wurde. In einem späten Interview bekannte sich (der bereits 1907 durch einen Schuss ins Gesicht erblindete) Dick Burnett aber dazu, sich nicht genau daran zu erinnern, ob die Nummer nun aus seiner Feder sei oder nur von ihm (neu) interpretiert wurde. Er habe den Song eben zu "seinem" gemacht...! Der bekannte amerikanische Blue Grass Musiker Dr. Ralph Stanley (STANLEY BROTHERS) mutmaßt, dass dieses Traditionell sicher 200 bis 300 Jahre alt sei. Er kann sich, ähnlich wie REV. GARY DAVIS, in diesem Falle aber auch dank Dick Burnett's, zu den wenigen Menschen zählen, die dieses alte Liedgut, das ja im Grunde genommen über all die Zeit nur mündlich und teils mit verschiedensten Texten Überliefert wurde, am Leben erhielten und weiter verbreiteten. Vielleicht mag der Leser, gerade auf Grund dieser weit zurückreichenden Historie nun langsam erfassen, was für eine Perle mit "Deep South" vorliegt!

Die wunderschöne Artwork dieser CD schuf übrigens BILL LEVERTYs Großvater William G. Leverty, der seine Familie als junger Mann von Tuscaloosa/Alabama nach Richmond, in die heimliche Hauptstadt der USA führte um dort eine Anstellung als Nachrichten-Redakteur bei der Richmond Times anzutreten. Als gläubiger und sicherlich auch vaterlandsliebender Mann vermittelte er seinen (vor allem dem Einen!) Nachkommen eine tiefe Liebe zu Land und Leuten, zu Heimat und Traditionen.

Fazit: Wer einmal (von zwei Nummern abgesehen) in den tiefsten musikalischen Kellern Dixies wildern möchte, wer wissen will, auf was gerade auch der Southern Rock fußt, der kommt an "Deep South" unmöglich vorbei. Dabei soll aber der Southern Rock gar nicht das entscheidende Faktum sein. Es sind insgesamt die Wurzeln diverser musikalischer Gewächse, die von Folk, Blue Grass und Blues eben bis hin zu den Anfängen der Rockmusik reichen. Was man aus ihnen, zeitgemäß gewandet herausholen kann, zeigt BILL LEVERTY auf eindrückliche Weise. Man kann sich, nicht nur als Southern Man (oder dem Habitus eines Solchen), nur wünschen, das Leverty weiter auf die Suche geht um ein Werk zu schaffen, wie es bspw. der NITTY GRITTY DIRT BAND mit ihrer "Will The Circle Be Unbroken"-Reihe und dutzenden (nicht ganz so alten) Überlieferten Country und Blue Grass Songs gelang. Trotz des eher abgedroschenen "Hit The Road Jack" gibt es für "Deep South" die volle Punktzahl!
Zuletzt geht ein dickes "Danke" auch diesmal wieder an Just For Kicks, die, ebenfalls Trüffelsuchern gleich, solche Perlen als erste bei uns zugänglich mach(t)en!
Bleibt am Ball, Leute!
Ein *hooked-on-music.de* Review

Born Ugly
Born Ugly
Wird angeboten von dodax-online
Preis: EUR 14,64

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Born Ugly und die endlose Süße reinen Opiums, 20. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Born Ugly (Audio CD)
Schwer, süß und unendlich berauschend. Das trifft den Sound der MUGGS Eins zu Eins. Die Jungens haben es geschafft und die "Ugliest Band In The World" sich mit ihrem nunmehr dritten (erstklassigen) Album endgültig etabliert. Ich erwähne dies explizit, denn sieht man die Jungens auf deren Website oder einem der zahlreichen youtube-Streifchen, dann liegt, auf den ersten, unbedarften Blick, die Vermutung nahe, die drei würden abends um Acht eher alte Omas erschrecken, denn einer der großartigsten Blues Rock Bands der Yankees angehören. Jedoch brüten diese drei Köpfe, ich werfe das einfach mal so in den Ring, die Zukunft jenes so herrlich vorlauten und übergewichtigen Motown Rock aus. Ihren etwas überstrapazierten "Ugly-Spleen" mag man den MUGGS vergeben, denn wer von uns ohne Eigenarten ist, der werfe die erste CD...! ;-)
Zuletzt soll auch noch vermeldet werden, dass sich Drummer Matt Rost von der Band getrennt hat. Seine Stelle nimmt nun Todd Glass ein (und tut dies auch überaus mannschaftsdienlich).

Gemäß dem Kollektiv-Spleen nennt sich die dritte Langrille der MUGGS "Born Ugly" und sie setzt nahtlos dort an, wo das Hammer-Album "On With The Show" endete. Gleichsam, könnte man etwas boshaft meinen, bewegen sich die MUGGS auch hier wieder auf einem Niveau, das die SUEDE BROTHERS, ein weiterer Motown-Act dieser Tage, gerne erreichen würden. Dabei gibt es eigentlich nichts Böses gegen die Letztgenannten zu sagen, denn deren energiegeladenen, unendlich rauen Alben stellen jedes für sich ein regelrechtes Höllenspektakel dar - zeigen im Vergleich zu den MUGGS jedoch ziemlich schnell auf, wie eingleisig, ja simpel die SUEDE BROTHERS zu Werke gehen. Die MUGGS dagegen agieren ein ganzes Stück raffinierter, ausgefeilter und songdienlicher; stehen mit ihrem komplexeren Songwriting (und vor allem ihrem Blues) schlichtweg ein Treppchen höher.

"Born Ugly" eröffnet mit dem Titelsong und die Jungens ballern uns damit gleich mal ihre gesamte Bandbreite um die Ohren. Der schwere Detroit-Sound bohrt sich hintergründig und nachhaltig durchs Trommelfell und macht sofort Lust auf mehr! Und das Trio lässt sich nicht lange lumpen; zieht auf knapp 50 Minuten alle Register seines Könnens. Herrlich schleppend auf "Home Free" oder "6 To Midnite" (mit fantastischem Psychedelic Part), geradezu doomig auf "Sturm Und Drang" (eine ganz herausragende Nummer) und "Last Words". Eigensinnig zeigen sich Methric und Co. mit "Blood Meridian" und "Hats Off To Mr. Beardsley"; überaus zurückhaltend mit "World Around" (der einzigen Ballade, wenn man so will). Ihre ganze Brillanz spielt die Band aber mit ihrem "Blues" aus. Krachende, sympathisch-vorlaute Nummern wie das bissige "Dear Theo" (nein, hier steht nicht George Thorogood an der Klampfe), dass dreckige "Notes From Underground", dem ZZ Top/RUBETTES Verschnitt "Losing End Blues" (mit wunderbar verspieltem Intermezzo) oder dem begeisternden "Kitchen Sink Blues" (darauf muss man erstmal kommen)! Am meisten jedoch mit dem genialen "Clean Break Blues". Unaufhaltsam drängt die Musik nach vorne, der gnadenlose Groove von DeNardo und Rust/Glass liefert ein eisernes Fundament für Danny Methric's Slide-Einlagen, die, gerade in Verbindung mit seiner meist schwer angefuzzten Gitarre, eine enormen Schärfe bekommen - der Begriff "Audiophiles Zwiebelschneiden" trifft diesen Mördersound wohl am besten...!

Auch wenn die MUGGS ihren Blues immer mehr mit jener harten, schweren Musik verweben, die der Hörer gemeinhin unter Detroit oder Motown Rock kennt und diesen bewusst mehr in den Vordergrund stellen, verleugnen sie keinesfalls ihre Wurzeln. Die Energie, die Methric, DeNardo und Rust/Glass auf "Born Ugly" freisetzen reicht nicht nur für viele berauschend laute Hördurchgänge, sondern auch für mindestens zwei winterliche Heizperioden. Ich hätte, zwecks Auflockerung, zwar gerne noch eine zweite, ruhigere Nummer gesehen bzw. gehört, aber nehmen wir's mal wie es ist... als Nörgeln auf höchstem Niveau.

Dem Vorgängeralbum "On With The Show" kann "Born Ugly" zwar nicht ganz das Wasser reichen, aber unter dem Strich darf man mit diesem 2011er Silberling eine weitere hervorragende Scheibe der MUGGS vermelden, der reicher Zugang in die CD Sammlungen möglichst vieler Musikfreunde zu vergönnen wäre. Wahrlich Opium für's Volk!
Und nachdem "On With The Show" glatte sechs Sternchen wert ist, gibt's für "Born Ugly" locker deren Fünf. Alle Classic, Retro, Blues und Motown Rocker sollten unbedingt ein Ohr riskieren!
Ein *hooked-on-music.de* Review

Vince Hawkins & Company Slave
Vince Hawkins & Company Slave
Preis: EUR 29,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Toronto'er Blues-Platte mit Hawkins, Firebird, reichlich Sustain und Groove, 12. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Vince Hawkins & Company Slave (Audio CD)
Blues Rock Trios sind so unnötig wie ein Kropf. Ewig Gestrige. In ihrem Sound limitiert. Leiern immer nur dasselbe. Kann man höchstens eine halbe Stunde ertragen. Wer mit dieser Meinung konform geht, braucht gar nicht weiter lesen. Wer aber prompt das Gegenteil behauptet, auf den endlosen Sustain einer echten Firebird steht (Ton anschlagen, schnell zum Italiener auf 'ne Pizza, heimkommen und weiterspielen), der ist hier absolut richtig. Der Kerl um den's hier geht heißt VINCE HAWKINS. Ein waschechter Rocker aus Toronto. Lässt auf seinem Debüt einen Sound ab, der Hendrix posthum erschauern lässt und Leslie West in die guten alten Zeiten zurück versetzt. Wie man der als Digi-Pack erscheinenden CD entnehmen kann, ist Mister Hawkins mehr oder minder noch ein Einzelkämpfer. An Drums und Bass sind derzeit noch keine festen Mitglieder in Sicht. Was die dicken Saiten anbelangt hilft sich Hawkins, von zwei Songs ausgenommen, selbst aus. An den Drums sitzt zumeist Gary Glynn. Ob aus "Company Slave" also mal eine richtige Band wird, muss man derzeit noch abwarten.

Musikalisch versetzen uns Hawkins und die (wenigen) Sklaven ganz schwer in die Spätsechziger und Frühsiebziger Jahre. Natürlich versucht man bei einem solchen Gitarrengewitter, wie es VINCE HAWKINS auf den geneigten Hörer hernieder gehen lässt, automatisch nach Vergleichen. Hendrix und West habe ich schon erwähnt, aber wer im Verlauf der Songs noch ganz schwer rüberkommt, ist der junge Ritchie Blackmore zu DEEP PURPLEs "In Rock" Zeiten. Freut euch also nicht nur auf Blitz, Donner, Wind und Regen sondern auch auf mächtigen Hagelschlag.

Mit lautem Grollen (The Gods Made Love) beginnt die Scheibe, hält mit "It's Time", und dem "Big City Blues" ein paar kräftige Böen bereit und drischt mit "Goin To The South Side", Three Kings und Medusa's Dream Regen und Hagel beinahe waagerecht aus den Boxen. Zeit um Luft zu holen bleibt allenfalls auf den beiden mittigen Tracks "Peace On Earth" und "Is Love" (klasse Nummer). Und natürlich auch auf der ganz ganz starken Ballade "Ashes In My Whiskey". Das hat der Schreiber auch nicht gerne und kann diesen Slow Blues deshalb von vorn bis hinten nachvollziehen und mitleiden...
Zuletzt bleiben noch "My Ship" und der famose Longtrack "Cathouse". Auch hier demonstriert uns VINCE HAWKINS den Blues auf leidenschaftlichste Art und Weise. Beide Nummern kommen nur selten über den Mid-Tempo Bereich, sind überaus fein gestrickt und wissen rundum zu begeistern. Das sich "Cathouse" in seiner Wortschöpfung ein wenig so anhört wie "Red House", hat definitiv nichts mit "Frau Zufall" zu tun. ;-)

Zusammenfassend lässt sich VINCE HAWKINS & THE COMPANY SLAVEs Debüt-Album rundum empfehlen. Natürlich werden hier keine neuen Wege bestritten und neue Soundformen kreiert; noch besonders tief in der Trickkiste gewühlt. Zum Glück gibt es aber auch kaum selbst verliebte und anstrengende Frickel-Ausflüge a la BILLYLEE JANEY oder DAVE OSTI; ebenso verschont uns Hawkins mit Endlos-Soli und (zu) aufdringlichen Effekten. Der Hörer erhält elf handfeste, ordentlich komponierte und gestaltete Songs, die vor allem in den eher ruhigeren Nummern ihr wahres Potential offenbaren. Unter dem Strich bleibt also ein durchweg gelungenes Album in das die Blues Rock "Basic-Fraktion" unbedingt mal rein hören sollte!
Ein *hooked-on-music.de* Review

Welcome To Gatesville
Welcome To Gatesville
Preis: EUR 9,89

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Texas Rock mit Schwächen in der B-Note, 31. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Welcome To Gatesville (MP3-Download)
Au-haua-haua-ha... da vergreift sich aber jemand auf die ganz freche Art am Liedgut anderer. So was, lieber Chris Gates kann ich, zumal ohne Copyright-Hinweis versehen, überhaupt nicht leiden. Schon zweimal nicht, wenn's um eine meiner Leib- und Magenbands, hier LITTLE FEAT, geht. Dabei hätte ich es schon bei genauerem Blick auf das Innersleeve wissen müssen. Wer bitte säuft denn "Lone Star Light"? Watt seid denn ihr für'ne Band? Und ich dachte immer in Texas werden Leichtbiertrinker an die nächste Dorf-Linde gebunden...
Fangen wir aber nochmal von vorne an. CHRIS GATES ist ja nicht nur in seiner texanischen Heimat als Musiker bekannt. Als Mitglied der Sleaze Rock Band JUNKYARD könnte ihn der eine oder andere, wenn auch nicht mit diesem Genre liebäugelnde Musikliebhaber kennen. Mit den anderen angegeben Referenzen kann ich leider gar nix anfangen. Und ganz ehrlich: Selbst wenn man das Ohr ein bisschen dichter an Ami-Land hat, muss man keine dieser Combos kennen. Wenn's stimmt, dass Mr. Gates mal bei 'ner Texas Punk Band wirkte, dann ist das doch schon mal schön. Allerdings ist es aber auch so, dass die Ländereien innerhalb des Bibelgürtels (und dazu zählt Texas nun mal) vielmehr für wesentlich gehaltvollere Musikgenres (als Punk und Sleaze Rock) stehen. Letzteres hat sich Chris Gates dann um die Mitte seines Daseins auch gedacht und ist gottlob auf Southern & Texas Rock umgestiegen; hat bereits, firmierend unter BIG CHRIS GATES, in 2006 das Album "Ain't It Grand" heraus gebracht.

Tja, und dann das! Gleich bei der zweiten Nummer (ich verweise nochmal auf meine ersten drei Zeilen) so ein Fauxpas. Junge, möönsch, hast du deine Hausaufgaben nicht gemacht? Wenn du schon in den Notenblättern von LITTLE FEAT wühlst, dann schreib das doch einfach neben den Songtitel...!
An sich ist diese sympathische Mischung aus Texas Rock und FEATs "Dixie Chicken" nämlich eine ganz witzige Nummer. Auch der erste Song "Those Were The Days" punktet durch seine ungestüme Frische, polternde Drums und krachende Gitarren. Zudem, bin ich mir sicher, war es sicherlich nicht leicht Gregg Rolie (immerhin bei SANTANA, JOURNEY und der GREGG ROLIE BAND unterwegs) für "And Gatesville" zu engagieren. Allerdings ist das Album alles andere als Tasten-lastig, denn Rolie spielt seine Parts absolut unprätentiös und mannschaftsdienlich.
CHRIS GATES AND GATESVILLE hauen unterdessen einen munteren Song nach dem anderen aus den Handgelenken. Abgeklärt, locker, eben ohne den Druck eines Major-Labels, bollern und krachen Songs wie "Devil's On My Trail", "Low Down And Dirty" oder der erstklassige Rocker "Southern Man" aus den Boxen. Letztere Nummer offenbart dann auch gleich einen anderen Spleen seines Komponisten. Was man bei "Devils On My Trail" fast schon vermutete ('s gab ja auch schon "Hellhounds" auf demselben), zeigt sich mit "Southern Man" und "Simple Man" nun ziemlich deutlich. Gates "spielt", obwohl alle Songs Eigenkompositionen sind, ein wenig mit (welt-)bekannten Songtiteln (in dem Fall von DOC HOLLIDAY und LYNYRD SKYNYRD). Ob das nun witzig ist oder etwa Kalkül dahinter steckt, mag dabei jeder für sich interpretieren. Im Fall von "Simple Man" erwartet den Hörer jedenfalls ein Southern Rock Longtrack klassischer Natur. Mit all der musikalischen Dynamik, die man von einer solchen Nummer erwartet. Ein klasse Song!
Ganz entspannt gibt sich die Band mit "Broken Hearts & Faded Pictures". Mit leichter Country-Betonung fliegt "Searching For You" vorüber und mit "Come See About Me" hauen die Jungens einen Slow Blues heraus, der sich gewaschen hat. Wirklich erste Sahne!
Was Balladen anbelangt hat Gates leider ein weniger glückliches Händchen. Nicht das "Forever Came Today", "Loving You" oder "Man Of My Dreams" (wobei ich da gar nicht wissen will um was es geht) wirklich schlecht wären, aber sie ähneln sich doch sehr und wirken, trotz brüchig-eindrucksvoller Stimme, sehr beliebig.

Unter dem Strich haben wir ein doch empfehlenswertes Southern Rock Album mit leichten Abzügen in der B-Note vorliegen. Letztere haben aber keine besonders großen Auswirkungen, denn in jedem Fall war das erste BBQ des Jahres gerettet und mit aktueller Mucke bestens untermalt. Gates ist sicherlich keiner, der sich in irgendeiner Weise verbiegen und in die Suppe spucken lässt. Recht so, aber wären auf "Welcome To Gatesville" die nicht gerade prickelnden Balladen durch weitere, so richtig staubtrockenen Texas Rocker ersetzt worden, hätte es glatt ein Pünktchen mehr gegeben...
Ein *hooked-on-music.de* Review

Suburban Crisis
Suburban Crisis
Wird angeboten von zoreno-deutschland
Preis: EUR 10,58

5.0 von 5 Sternen Bester NWoBHM, 9. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Suburban Crisis (Audio CD)
Es gibt Alben, bei deren ersten Takten dir unweigerlich vor Freude das Gesicht aufgeht. Was britischen Metal anbelangt war bspw. MAIDENs "Dance of Death" so eine Scheibe. Aber ich will gar nicht soweit ausholen. Genauso gut könnten hier natürlich auch noch ein paar andere CDs stehen (aber der Schreiber hat nun mal seine Vorlieben...)
Ausholen muss ich allerdings der Band wegen, denn die hat eine bewegte Geschichte. Gegründet wurden die britischen CYNIC (es gibt noch 'ne Ami-Band gleichen Namens) bereits 1979! Erste Aufnahmen finanzierten sich die Jungens mit der Single Suicide in 1983. Erst 1987 folgte eine 4-Track EP Namens "Rebel Eye" und später eine CD mit dem Titel "Right Between The Eyes". Dann umhüllte Dunkelheit und ein Mantel des Schweigens die Band. Mit neuen Songmaterial wagte man sich erstmals wieder 2003 ans Tageslicht. 2005 traten sie beim BBC TV in Erscheinung und begannen ab 2006 mit Neuaufnahmen. Nun liegt, nach so langer Zeit, ein komplett überarbeitetes und vollwertiges Album vor.

"Suburban Crisis" nennt sich dieses zusammenfassende Werk CYNICs. Die Scheibe kommt als Digi-Pack und verfügt, schön, dass es noch Bands gibt, die auf eine individuelle Artwork achten, über ein sehr gut gemachtes Cover. Das beigefügte Booklet ist ebenso liebevoll gestaltet und mit ein paar, dem Albumtitel entlehnten, sehr guten Fotos sowie allen Texten versehen. Aber mit richtigen Texten; ja regelrechten Novellen! Die Artwork war sicherlich teuer, zeigt aber zugleich die Klasse der Band, denn die Jungens haben sich echt Gedanken gemacht.

Der Stil CYNICs ist sehr schnell beschrieben: Klassischer NWoBHM, der sich in kleineren, musikalischen Parts eine düstere, epische Stimmung an Bord holt.
"Suburban Crisis" startet gleich mal mit einem so brillanten Punch, dass sich die imaginäre Glocke zwischen den Ohren geradezu überschlägt. Ein schleppend-tödliches Riff leitet die Scheibe ein und hinterlässt erstmal eine abgebrannte Wiese. Suicide nennt sich der genial-brachiale Hieb in tiefste psychische Abgründe. Neben der überragenden Komposition fallen sofort die Vocals von Frontmann Shaun Grant auf. Junge, der Typ hat eine Stimme, sagenhaft! Erinnert mich an den (meist falsch) eingestellten Weber-Doppelvergaser einer alten, italienischen Jugendsünde... der Mann muss sich jedenfalls schon zum Frühstück mit heißem Motorenöl besaufen, anders ist so'ne Stimme nicht hin zu bekommen...!
Den enormen Druck von Suicide erhält die Band über das ganze Album hinweg aufrecht. Schaltet lediglich beim düsteren Longtrack Dark December phasenweise mal ein, zwei Gänge zurück, um dann beim pumpenden Titeltrack wieder an Fahrt zu gewinnen.
Der gesamte "Umgangston" (ohne die Scheibe jetzt in einzelne Songs zu zerpflücken) von "Suburban Crisis" bewegt sich, durchgehend mit raffinierten Riffs und Licks versehen, im Up-Tempo-Bereich. Fast alle Nummern sind mit starken Hooklines versehen und in jeder dürfen die exzellent gespielten Gitarren solieren. Der Groove der Rhythmusabteilung passt sich optimal diesen schleppend-bösen Gitarren an; unterlegt sie mit einem eisernen Fundament.
Bitterböse: Rebel Eye! Das Take beginnt sehr verhalten und deutet erstmal auf eine Ballade hin. Dann löst die Band aber eine kleinere Kernschmelze aus. Grant kotzt und würgt die hintergründigen Vocals geradezu heraus, die Gitarren sägen gehässig und die wütenden Gitarrensoli machen keine Gefangenen.
Ein weiteres Zuckerstück findet sich in den fantastischen Double Leads von Eight Below. Mensch, was sind das für fett gefütterte Soli...! Das Gefühl, darin zu ersaufen, schleicht sich durch die letzten, normal denkenden Hirnwindungen; doch der innere Luzifer verlangt lautstark noch mehr und mehr und mehr davon!
Leut', dass ist schlichtweg Spitzenklasse!

Um das Ganze abzukürzen: Wer mal wieder eine von vorne bis hinten überzeugende (britische) Metal-Scheibe hören möchte, der kommt um CYNICs "Suburban Crisis" auf keinen Fall herum. Die Band hat einen ungeheuren Biss, wirkt, obwohl manche Songs in ihrem Ursprung 30 Jahre zurück liegen, bei jeder Nummer wie ein hungrig-böser Wolf.
Deshalb sollte das Engagement der vier britischen Haudegen in jedem Fall belohnt werden!
-Und auf ein neues Album wollen wir nicht wieder 25 Jahre warten! Hab' ich mich klar genug ausgedrückt?! ;-)

P.S: Ich hab' im Schuppen übrigens noch eine 5 Liter Tonne Pena Pura Zylinderöl herum liegen. Mit gut 40 Jahren ziemlich gut abgelagert! Wie sieht's aus Mr. Grant?! Soll ich uns davon ein Jägertee'chen brühen?! Ich gieß' auch 'nen ordentlichen Schuss SUPER Verbleit dazu...!

Ein *hooked-on-music.de* Review

Suburban Crisis
Suburban Crisis
Preis: EUR 7,92

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen NWoBHM vom Feinsten!, 9. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Suburban Crisis (MP3-Download)
Es gibt Alben, bei deren ersten Takten dir unweigerlich vor Freude das Gesicht aufgeht. Was britischen Metal anbelangt war bspw. MAIDENs "Dance of Death" so eine Scheibe. Aber ich will gar nicht soweit ausholen. Genauso gut könnten hier natürlich auch noch ein paar andere CDs stehen (aber der Schreiber hat nun mal seine Vorlieben...)
Ausholen muss ich allerdings der Band wegen, denn die hat eine bewegte Geschichte. Gegründet wurden die britischen CYNIC (es gibt noch 'ne Ami-Band gleichen Namens) bereits 1979! Erste Aufnahmen finanzierten sich die Jungens mit der Single Suicide in 1983. Erst 1987 folgte eine 4-Track EP Namens "Rebel Eye" und später eine CD mit dem Titel "Right Between The Eyes". Dann umhüllte Dunkelheit und ein Mantel des Schweigens die Band. Mit neuen Songmaterial wagte man sich erstmals wieder 2003 ans Tageslicht. 2005 traten sie beim BBC TV in Erscheinung und begannen ab 2006 mit Neuaufnahmen. Nun liegt, nach so langer Zeit, ein komplett überarbeitetes und vollwertiges Album vor.

"Suburban Crisis" nennt sich dieses zusammenfassende Werk CYNICs. Die Scheibe kommt als Digi-Pack und verfügt, schön, dass es noch Bands gibt, die auf eine individuelle Artwork achten, über ein sehr gut gemachtes Cover. Das beigefügte Booklet ist ebenso liebevoll gestaltet und mit ein paar, dem Albumtitel entlehnten, sehr guten Fotos sowie allen Texten versehen. Aber mit richtigen Texten; ja regelrechten Novellen! Die Artwork war sicherlich teuer, zeigt aber zugleich die Klasse der Band, denn die Jungens haben sich echt Gedanken gemacht.

Der Stil CYNICs ist sehr schnell beschrieben: Klassischer NWoBHM, der sich in kleineren, musikalischen Parts eine düstere, epische Stimmung an Bord holt.
"Suburban Crisis" startet gleich mal mit einem so brillanten Punch, dass sich die imaginäre Glocke zwischen den Ohren geradezu überschlägt. Ein schleppend-tödliches Riff leitet die Scheibe ein und hinterlässt erstmal eine abgebrannte Wiese. Suicide nennt sich der genial-brachiale Hieb in tiefste psychische Abgründe. Neben der überragenden Komposition fallen sofort die Vocals von Frontmann Shaun Grant auf. Junge, der Typ hat eine Stimme, sagenhaft! Erinnert mich an den (meist falsch) eingestellten Weber-Doppelvergaser einer alten, italienischen Jugendsünde... der Mann muss sich jedenfalls schon zum Frühstück mit heißem Motorenöl besaufen, anders ist so'ne Stimme nicht hin zu bekommen...!
Den enormen Druck von Suicide erhält die Band über das ganze Album hinweg aufrecht. Schaltet lediglich beim düsteren Longtrack Dark December phasenweise mal ein, zwei Gänge zurück, um dann beim pumpenden Titeltrack wieder an Fahrt zu gewinnen.
Der gesamte "Umgangston" (ohne die Scheibe jetzt in einzelne Songs zu zerpflücken) von "Suburban Crisis" bewegt sich, durchgehend mit raffinierten Riffs und Licks versehen, im Up-Tempo-Bereich. Fast alle Nummern sind mit starken Hooklines versehen und in jeder dürfen die exzellent gespielten Gitarren solieren. Der Groove der Rhythmusabteilung passt sich optimal diesen schleppend-bösen Gitarren an; unterlegt sie mit einem eisernen Fundament.
Bitterböse: Rebel Eye! Das Take beginnt sehr verhalten und deutet erstmal auf eine Ballade hin. Dann löst die Band aber eine kleinere Kernschmelze aus. Grant kotzt und würgt die hintergründigen Vocals geradezu heraus, die Gitarren sägen gehässig und die wütenden Gitarrensoli machen keine Gefangenen.
Ein weiteres Zuckerstück findet sich in den fantastischen Double Leads von Eight Below. Mensch, was sind das für fett gefütterte Soli...! Das Gefühl, darin zu ersaufen, schleicht sich durch die letzten, normal denkenden Hirnwindungen; doch der innere Luzifer verlangt lautstark noch mehr und mehr und mehr davon!
Leut', dass ist schlichtweg Spitzenklasse!

Um das Ganze abzukürzen: Wer mal wieder eine von vorne bis hinten überzeugende (britische) Metal-Scheibe hören möchte, der kommt um CYNICs "Suburban Crisis" auf keinen Fall herum. Die Band hat einen ungeheuren Biss, wirkt, obwohl manche Songs in ihrem Ursprung 30 Jahre zurück liegen, bei jeder Nummer wie ein hungrig-böser Wolf.
Deshalb sollte das Engagement der vier britischen Haudegen in jedem Fall belohnt werden!
-Und auf ein neues Album wollen wir nicht wieder 25 Jahre warten! Hab' ich mich klar genug ausgedrückt?! ;-)

P.S: Ich hab' im Schuppen übrigens noch eine 5 Liter Tonne Pena Pura Zylinderöl herum liegen. Mit gut 40 Jahren ziemlich gut abgelagert! Wie sieht's aus Mr. Grant?! Soll ich uns davon ein Jägertee'chen brühen?! Ich gieß' auch 'nen ordentlichen Schuss SUPER Verbleit dazu...!

Ein *hooked-on-music.de* Review

Crude Alabama Storytellers
Crude Alabama Storytellers
Preis: EUR 26,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wild und schwül - wie Alabama!, 8. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Crude Alabama Storytellers (Audio CD)
Beitthemeans...? Bahnhof... Hauptbahnhof...?! Letzteres kann man verstehen! Wer denkt schon daran, dass der Süden der USA mindestens so "ver-slangt" ist wie mein geliebtes Oberbayern? Der Knoten ist aber relativ einfach zu lösen, denn "Be It The Means" ist nichts weiter als eine Redensart, die für den Redneck in etwa das Gleiche bedeutet, wie "Whatever It Takes" in der Sprache der Yankees. Wäre das also gelöst.
Orakeln wir ein wenig weiter: Wenn sich Govt Mule eine Band wie Beiitthemeans als Support auswählt, dann darf sich diese sicherlich als etwas Besonderes betrachten...
Noch mehr Orakel? Bitteschön: Ohne großen Einblick in die Band-Biografie zu haben, lehrt uns das Cover von Beitthemeans um was es im Wesentlichen geht. Sowohl der, auf dem Schild mit Alabamas Fahne verzierte, Bulldozer, als auch der gefallene Engel, sagen mehr als tausend Worte. Klappt man dann das Cover der CD auf und sieht das amerikanische Abbild von Grimm's Brüderchen (mit Pump Gun) und Schwesterchen (mit Blumensträußlein und Alabama-Fähnchen) zwischen den Maisfeldern stehen, dann gleitet dem Southern Rocker ein breites Grinsen ins Gesicht. Dass ist der Süden, wie er leibt und lebt. Ein Stolz und Patriotismus (der seit der Besiedelung des Südens hoch gehalten und gelebt wird), wie er dem deutschsprachigen Raum (Südtirol ausgenommen) gänzlich ausgetrieben wurde.

Beitthemeans haben sich Birmingham/AL nicht umsonst als "Firmensitz" auserkoren. Dass ist tiefstes Alabama, Land of Cotton (...old things, they are not forgotten); das ist das Herz Dixies! Mehr Klischees gibt's ja fast schon nicht mehr und man braucht in keinster Weise darüber zu spekulieren, was eine Drei-Mann-Band aus Alabama/Land of Cotton/Herz Dixies für Musik spielt. Reden wir lieber darüber, wie sie spielen.
Die Band hat sich nämlich einem sehr rauen, wilden, fast schon "trashigen" Blues 'n' Southern Rock verschrieben. Und demzufolge ist der Titel ihres Debütalbums "Crude Alabama Storytellers" ein Wink mit dem... Betonpfosten... der Brechstange...?! Beides?!?
Zudem spart der Bandleader nicht an Eisenrohr und Flaschenhals. Dreht also viele Songs gewaltig durch den Slide-Wolf. Wie genau dafür gemacht, biegt der erste Track, "Down The River", nach einer besinnlichen ersten Minute, schon mal so richtig scharf und reifenquietschend um die Ecke. Sapperment, dass kann ja lustig werden...!
-Und es wird lustig, dass schwör' ich euch liebe Leser; denn die Band stimmt "Mr. Devil And The Black Widow Woman" an! Mein lieber Herr Gesangsverein, da kocht der Sumpf! Das einleitende Riff ordnet der aufgeweckte Hörer noch Led Zeppelin zu, während das Leitriff von AC/DCs "She's Got Balls" übernommen wurde. So ein alabamisches Lumpengesindel! Geben die dem Riff ein bisschen mehr Speed und Power und denken "Wird schon keiner merken!"
Natürlich kann man den drei Jungen's darüber nicht böse sein, denn der absolut ge;le Refrain "Hey Mr. Devil, calling my name, just take the Midnight-Train to Mississippi..." macht alles wieder wett und ist ein Brüller, wie er nur aus Alabama kommen kann. Die ganze Nummer: Eine knallharte Granate! Damit hätten die Grauröcke anno Schlagmichtot Sherman und Grant bis hinter Alaska gejagt...

Und es geht munter weiter: "The Hillside" und vor allem "Wicked Well" sind zwei gnadenlose Power-Rocker, die nur noch Staub und Dreck hinterlassen. Vor allem "Wicked Well" kann punkten ohne Ende, denn die Nummer basiert nicht nur auf einem schleppend-dreckigen Blues, sondern hält auch ein paar richtig klasse Hall- und Distortions-Geräusche parat!
Wer nun meint, dass der verhaltene Beginn des ersten Longtracks "End Of Time" eine kleine Ruhepause mit sich bringt, der sieht sich, zumindest nach 1:40 Minuten, heftigst getäuscht. Das Take brilliert eben gerade durch diese (wiederkehrenden) Tempi-Wechsel, wobei die getragenen Momente dem Hörer ein gewisses Maß an Sicherheit suggerieren, während die, wie Feuer und Schwefel hereinbrechenden Parts das Gefühl vermitteln, wie Marion Crane unter der Dusche zu stehen und die ersten Stiche abzubekommen...
Mit "Holy Ghost Girls" kehrt dann erstmals etwas Altbackenheit in das CD-Set ein. Die Nummer ist keineswegs schlecht, lebt aber in erster Linie durch die hart gespielte Slide und ein paar feine Gitarrentremoli zum Ende hin.
Ganz anders ist "The Shots Around Town". Ein herrlich schleppender Blues Rocker! Die Gitarren mächtig angefuzzt, die Soli kurz, der Text eindeutig und der Groove von einer beinharten Ausdauer. Nach gut der Hälfte des Songs haben Beitthemeans ein Break eingebaut, das die Nummer ziemlich deutlich zwei teilt und zum Ende hin sorgenlos nach hause soliert.
Der zweite Longtrack "Drinking From A Skull" hat einen ähnlichen Aufbau wie das zuvor gehörte "End Of Time"; plätschert erstmal ein wenig dahin, um dann mit dem zentnerschweren Hellhammer zuzuschlagen. Die Nummer ist, sowohl von den Vocals als auch von den Riffs her, noch aggressiver als "End Of Time" und ich werte sie mal definitiv als eine der besten des Albums.

Die allerbesten Nummern stehen aber noch aus und folgen "Drinking From A Skull" auf dem Fuße: Wenn euch der "Dirt Road Blues" (möglichst laut) um die Ohren weht, dann seid ihr im tiefsten Alabama, in Sumpf und Hitze, bei Moskitos, Ochsenfröschen und gefräßigen Alligatoren angekommen!
Ebenfalls Hammersongs: "Day Of The Dog" und der Rausschmeißer "Alabama Summer"! Beides Nummern, die an euren inneren Augen staubige Dörfer, unter der Hitze flimmernde Felder und einsame Motels vorüber ziehen und zu einer Art Endlosschleife werden lassen. Die Welt dreht sich nur noch um Staub und Dreck, um verkommene Back Yards, krumme Wäschestangen, um dreibeinige Köter vor verblichenen Hundehütten, um heruntergekommene Tankstellen, billige Kaschemmen, Fliegensch;ss an den Fenstern und um einen mindestens dreistöckigen Whiskey mit viel Eis bei eingeschalteter, rumpelnder Klimaanlage.
Dass ich "Alabama Summer" zuletzt nochmal explizit allein wegen der fett gespielten Slide erwähne, soll nur nochmal die Qualität dieses Takes aufzeigen. Die Nummer verleitet zu einfachen Simple-Man-Träumen, denn feudale Hotels mit großem Pool, schneidige Schlipsträger und gestylte Hühner sucht man hier genauso vergebens wie Porsche's und Rolex'. Dafür gibt es Alabama pur. Windschiefe Hütten, zerdengelte Pick-up's, eingegrabene Altreifen an der Hauseinfahrt, ein Massey-Harris Traktor im Schuppen und eine alte Timex am Handgelenk!

Schlußbetrachtung: Was Beitthemeans auf ihrem Debut abliefern ist definitiv kein echter Southern Rock! Dass muss man klipp und klar sagen. Die Jungen's scheinen aber auf eine Einordnung jedwelcher Art zu pupsen, denn sie wildern sich durch knallharten Blues Rock ebenso wie durch (eher wenig) klassisches Southern Riffing und haben auch kein Problem damit, wahre (punkige) Dreckschleudern an Songs zu schaffen. Wer mit solch wilden Hunden, ihrer rau-harten Musik, kernigem Patriotismus und eindeutig-zweideutigen Texten zurecht kommt, wer mal so richtig tief in Alabamas kochenden Sümpfen stecken möchte und keine Angst davor hat, auch mal im Rüssel eines Tornados zu stecken, der darf bei "Crude Alabama Storytellers" unbesorgt zugreifen. Die Scheibe wirkt wie Super verbleit auf Eis...!
Ein *hooked-on-music.de* Review

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